Neue Woche neue Hoffnung – oder etwa nicht?

Es kann immer noch dicker kommen: The Dickies – Stukas over Disneyland (1983)…

Zwergenaufstände in französischen Fussballstadien. Ich wette nicht. Obwohl ich mir ein Endspiel zwischen Wales und Island bestimmt anschauen würde. Jedenfalls mit grösserem Genuss als meine Lebenszeit mit einer der schwachmatischen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt zu verschwenden.

Der Überfall auf die ehemalige Sowjetunion vor 75 Jahren findet in den deutschen Medien eine eher geringe Beachtung. Deshalb fällt kaum auf, dass nirgends erwähnt wird, wer über die ersten Kriegsjahre hinweg die riesigen Mengen Treibstoff lieferte, ohne die das mörderische Unternehmen Barbarossa nicht hätte stattfinden können. Immerhin verfügte Deutschland über keine nennenswerten Ölquellen. Wer waren vor 75 Jahren die Lieferanten für die deutschen Kriegstreiber und machten dabei einen satten Reibach?

Unbequeme Fragen. Die stören doch bloss angesichts einer christlich-abendländisch kulturtragenden Veranstaltung in Klagenfurt. Bleibt mir mit Klagen fort, es kann nicht nur schlimmer kommen, es wird garantiert schlimmer kommen, denn Lesekonsumenten für Belangloses müssen generiert werden. Das Geschäft der Eitelkeiten und Überflüssigkeiten muss am Laufen gehalten werden. Die Gewinnerin von heute wird in fünf Monaten bei Karstadt auf dem Wühltisch verramscht werden.

Statt einem Bachmann-Preis für einen scheinelitären Kleinkreis von Nulltelektuellen schlage ich einen Flachmann-Preis vor. Statt wichtigtuerisch aufgeblasenem Worthülsengeseier am Vormittag auf den Leim zu gehen dann doch lieber Magenkrampfgereiher im Anschluss an Komasaufkämpfe in Stadien – sorry Arenen. In die heimischen Flachbildschirme injiziert durch private Fernsehkanüle. Da hätte die grosse Masse was davon und alle Profitbeteiligten kämen auf ihre Kosten. Spass muss sein. Zwischendurch jedenfalls. Nur Angst geht auch nicht auf Dauer.

Die Diktatur ist eine bürgerliche Herrschaftsform, die den Herrschenden die grösste Machtausübung zum geringsten Preis erlaubt. In Diktaturen lassen sich hervorragende Geschäfte machen, da die Entscheidungsgewalt in den Händen einiger weniger Akteure liegt. Das garantiert kurze Wege zum schnellen Profit weil langwierige Entscheidungsprozesse entfallen. Mit Diktaturen lassen sich ebenfalls gute Geschäfte machen. Deutsche Waffenexporteure wissen das. Wenns ökonomisch Sinn macht und Profit verspricht, warum dann nicht von Zeit zu Zeit eine Diktatur installieren. Es scheint, die Vorplanungen laufen bereits wieder vorsichtig an.
Den Rohbau für diese Staatsform erstellen die Medien. Auf einem soliden Fundament aus Angst und Hass. Angst vor Arbeitsplatzverlust, vor Fremden, vor dem Nachbarn, vor Flüchtlingen, vor Terroristen. Und die Angst vor Krebs und dem Alter. Vor allem aber die Angst davor, nicht mehr konsumieren zu dürfen. Und den Hass auf alles, was einem nicht aus dem Spiegel entgegenglotzt.

Ich bin erschrocken. Einen der ganz wenigen Bühnenarbeiter, die ich ernst nehme, ist Volker Pispers. Der zählte letzthin auf, dass er sich seit dreissig Jahren an den immer gleichen Themen kabarettistisch abarbeitet. Und nichts hat sich für die Bevölkerung zum besseren verändert seitdem. Die Renten sind unsicherer denn je, das Gesundheitssystem steht kurz vorm Kollaps, die Überwachung und Beschneidung individueller Freiheiten hat ein unmenschliches Ausmass erreicht, Sicherheitsdienste kooperieren mit Terroristen und destabilisieren unsere innere Ordnung, die Dauerkürzung sozialer Leistungen wird immer weiter eingeschränkt zugunsten von Bankenrettungen und Industriesubventionen. Zur Umverteilung von unten nach oben. Und so weiter und so fort.
Die ebenso treffenden wie trefflichen Pointen finden ein laut lachend applaudierendes Publikum. Mir wird kalt. Das sind genau die Leute, die eine gewisse Bildung haben und noch über Reste von Geld und Maccht verfügen. Und genau diese Lacher und Lacherinnen verlassen die Veranstaltung und werden nichts verändern in ihrem Denken und Handeln. Den Schein einer Karriere einbilden, die Abstotterimmoblie, das Leasingauto und die Therapien. Und sich intelligenter fühlen als der Rest der Mitmenschen. Durchblicker mit Humoranspruch.
Einer sagte letztens: „Und jetzt werden wir auch hier bald keine kleinen Läden mehr haben. Aldi, Lidl, Netto; die werden hier alles kaputtmachen.“
„Und drei mal drei ist Donnerstag oder wie,“ entgegne ich spontan, „nicht die Ketten machen die feinen kleinen Geschäfte kaputt, sondern die Leute wie du.“ Die Ketten können hunderte Filialen eröffnen, die machen keinen kleinen Laden kaputt. Erfolgreich zerstört werden kleine Fachgeschäfte erst dadurch, dass Kunden Kettenangebote interessanter und vor allem die Billigpreise geiler finden, als in den angestammten Geschäften im Ort.

Was mir am besten an fussballspielenden Mannschaften wie denen aus Wales oder Island gefällt, dass dort der Teamgeist aus dem Herzen zu kommen scheint. Die Spieler fühlen, dass sie nur als Team erfolgreich sein können. Dafür brauchen die keine Psychologen oder einen individuellen Fussnagellackierer. Keine fünfzehnfach ausgeklügelte Strategieanalyse hilft gegen die alte Erkenntnis, dass das funktionierende Ganze stets mehr ist als die Summe seiner Einzelspieler.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine sozial erfolgreiche Woche.

                                                                (Die Galerie öffnet sich, wenn ein Foto angeklickt wird)

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32 Gedanken zu „Neue Woche neue Hoffnung – oder etwa nicht?

  1. Mein lieber Herr Ärmel,

    ich kann hier nur Ihre noch nicht hoffnungslosen Grüße retournieren, eben weil alles, was wir beprangern möchten genau diesen Funken der Hoffnung braucht. Herz- wie kopfwärts zu fühlen. Dann stimmt auch das Bauchgefühl überein.

    Danke für Ihre unbequemen Worte, stets die Ihre, individuell flippflitschsteinbalancierend zugeneigt.

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    • Tätig sein und voller Hoffnung… Und Flachfeinflippflitschsteine auf Wasseroberflächen tanzen lassen. Glücklich wer stets einen kleinen Vorrat sein eigenen nennen darf. Ich danke für Ihren Kommentar, stets der Ihre (auch im Bembelland noch feinststeilfältchenfrei)

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  2. Habe gerade im Weltspiegel über den Konflikt Algerien/Westsahara einen Bericht gesehen, da harren seit 40 Jahren im Lager Smara tausende Flüchtlinge aus, die Sahraouis fordern Selbstbestimmung, ihr Land ist von Marokko besetzt…die Welt hat andere Probleme, als dort hinzusehen…die Ziegen wurden mit zerkleinerter Pappe gefüttert, was anderes gibt es nicht.
    Herr Ärmel, Ihr Bericht ist klar und ziemlich unangenehm, das ist die Wahrheit zuweilen und er spiegelt ihre Haltung, die ich anerkenne und respektiere. Ich danke Ihnen, mehr kann ich nicht dazu sagen. Es grüßt Sie eine sehr nachdenkliche Graugans

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  3. Wahrlich unbequeme Worte, um mal die geschätzte Frau Knobloch zu zitieren. Danke dafür !
    Was mich allerdings etwas irritiert, ist die Formulierung: „die Dauerkürzung sozialer Leistungen wird immer weiter eingeschränkt zugunsten von Bankenrettungen und Industriesubventionen.“
    Sollte es nicht „ausgeweitet“ statt „eingeschränkt“ heißen ? Sinngemäß.

    Und eigentlich wollte ich mich ja noch telefonisch gemeldet haben, wie versprochen, nun ist es aber doch schon etwas spät geworden.

    Gute Nacht also, und Grüße aus dem südwestfälischen Regenwald !

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    • Stimmt stimmt stimmt – da habe ich mich im Eifer grammatisch vergaloppiert… Es muss natürlich heissen „souiale Leitungen werden immer weiter eingeschränkt zugunsten von Bankenrettungen…“ Schönen Dank für den Hinweis.

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  4. Gute Herleitung, sehe ich über weite Strecken auch so – nur:
    Das mit dem Vorwurf an die Kundschaft der „Ketten“ Aldi & Co. – das ist mMn falsch. Die Ketten sind schon schuld, weil sie auf den menschlichen Egoismus setzen und der ist ein Urtrieb, wie Sex. Daran, dass man angeblich eine Masse umerziehen könnte, ist schon der Sozialismus gescheitert. „Bewusst einkaufender Kunde“ zu sein – ist ein Ablenkungsmanöver.
    Der andere Teil der Kundschaft, der nicht aus egoistischen Schnäppchenmotiven dorthin geht, ist der, der bei der „Umverteilung“ verliert. Wer von der Tafel-Notversorgung lebt, ist froh, wenn er sich wenigstens einmal pro Monat einen Aldi-Einkauf leisten kann.

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    • Die Ketten können so viel auf den Egoismus setzen wie sie wollen. Den Schalter legt der Konsument um.
      Wer hat denn mehr Geld zur freien Verfügung – die an der Tafel Notversorgten oder die Beamten, die kaufmännischen Angestellten, die Lehrer und Akademiker? Und von denen sprach ich, denn die haben Konsummacht, mit der was zu erreichen wäre.
      Wer im kapitalistischen System längst abgehängt ist, der darf allenfalls noch über die Fernbedienung entscheiden, welches Programm am dümmsten daherkommt…

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      • Wer ist die Mehrheit? Die Akademiker oder die Hartzer, Leiharbeiter, Durchschnittsentlohnte?
        Eine Gebühr hier, ein Ratenkredit da, ein-zwei-drei Kinder in ewiger Ausbildung und schwups sitzt auch manch Akademikerlein in der Finanzfalle…

        Nee-nee- „wir wollen jetzt alle lieb sein und Diskounter boykottieren“ – das wird am St. Nimmerleinstag was.

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        • Es geht nicht um die Mehrheit der Menschen sondern um die Mehrheit der Geldmenge.
          Am langen Ende gehts darum, wie jeder einzelne handelt.
          Da brauchen wir garnicht mehr weiter hin&her zu schreiben.
          Es zählt, wie ich mich verhalte oder wie du dich verhältst.
          Der Rest ist schönes Gerede vom Kleinkredit und St. Nimmerleinstag, da braquchts auch keine ironisierenden Bemerkungen.
          Siehst du ja hier in den Kommentaren aufs Feinste.

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          • Der Mensch soll ja angeblich vernunftbegabt sein…
            Arno Schmidt, Georg Danzer, Westernhagen, Schopenhauer, Tucholsky, Pispers, Schramm, Bukowski sehen das anders…
            Ich auch.

            Tante Emma Läden sind längst gone with the wind.
            Soll ich für jeden Einkauf nach Berlin in den Bioladen fahren oder die Nahrungsmittel „direkt beim bauern“ zusammensuchen?
            Dann doch lieber Discounter in der Nähe. Aber es geht ja noch schlimmer:
            Bei uns ist inzwischen der Trendsport „Discounter-Standort-Changing“ ausgebrochen. Aldi im Nachbarort zog vor ein paar Jahren 100 Meter weiter, weil da die Zufahrt besser ist. Der alte Aldi(Neubau aus den späten 90ern) wechselte die Nachnutzer und stand lange leer. Auf dem riesigen Parkplatz werden fast regelmäßig die eisernen Gullideckel geklaut.

            Hier im Ort wechselt edeka demnächst die Strassenseite und zieht 80m näher ans Rathaus und den Bahnhof. Dafür verschwindet eine grüne Ecke mit ca 100jähriger Eiche. Der alte Edeka (aus den frühen90ern) wird -???? – weiß keiner; vielleicht expandiert der Vietnamese mit seinem Socken-Flachmann-Kitsch-Plunder – er hätte dann einen gefühlten Hektar Verkaufsfläche.

            Norma zieht demnächst 100m in Richtung Kirche. Der alte NORMA-Standort(ein später 90er Typenbau) bleibt erstmal leer und der Parkplatz davor wird Schleudertrainig-Areal für die Dödel, die sich bisher in den Alleen totgefahren haben.

            Jeder dieser „dringend notwendigen“ Umzüge hinterlässt eine riesige bebaute Fläche mit Nachnutzungsproblem. Renaturiert wird nicht.
            Wenn das Beispiel Schule macht, hat bald jede Kleinstadt an der Peripherie 2 oder 3 ehemalige Discount-Ruinen, zugesprayt, hinter verunkrauteten Parkplätzen. Bronx is calling….

            TTIP wirds richten: Dann schafft Walmart hier erst richtig Arbeitsplätze. Wir gehen goldenen Zeiten entgegen.

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            • Ich habe lange Jahre am Existenzminimum gelebt. Alleinerziehend.
              War aber in meinem Leben noch keine zehn Male in einem Discounter.
              Das Zeug will ich nicht in mir, an mir oder um mich haben. Fertig.

              Was mich aber jedesmal beeindruckt hat, waren die Karossen auf dem Parkplatz.
              Die Qualität von Öl, die sich die Leute über den Salat kippen, würden sie ihrer Karre niemals zumuten.

              Ich verkaufe in einem Bioladen; Tante Emma übrigens. Da erzählen mir dann klassische Discounterkunden um die fünfzig von ihren plötzlich aufgetretenen Unverträglichkeiten und wir suchen in detektivischer Kleinarbeit die paar Sachen, die sie noch essen dürfen. Die sind so verzweifelt, dass sie mir aus der Hand essen würden.
              So sieht die Zukunft aus, Und die findet garantiert nicht beim Discounter statt.

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            • Werter Herr Bludgeon, ich lese erst heute hier nach und bedauere Ihre Schilderung sehr. Und möchte ein paar eigene Erkenntnisse einflechten.

              Nahrungsmittel direkt beim Bauern zusammensuchen? Ja, klar! In Lipperlandien gibt es viele Bauernhöfe, die ihre Produkte direkt anbieten. Kartoffeln, Zwiebeln, Eier, damit kann man schonmal zig Mahlzeiten zusammenstellen. Ein hiesiger Metzger schlachtet selbst für die Fleischjunkies unter uns und außerdem drei Tage Markt mit Produkten aus dem Umland. Möhren, Gurken, Radieschen, Äpfel, ach, alles zu seiner Zeit und frisch. Man muß allerdings dieses Essen zubereiten können.

              Denn dem entgegen sind die Riesenkörbe mancher Discountereinkäufer bis über den Rand gefüllt mit aufwändig verpackten Ekelfraß. Ich unterstelle so manchem die fehlende Kenntnis bei der Kunst des einfachen Kochens, einfach weil ich diejenigen kenne, die den Krempel kaufen. Es rührt sogar an den Bekanntenkreis. Letzthin ward Kräuterbaguette gereicht. Ein fettiger, übersalzener Knüppel mit Hartkruste und sabberndem Innengebrösel. Bei Nachfrage Al*i-Ware. Bjäch! Die nachfolgende Diskussion erspare ich Ihnen und allen Mitlesenden. Pro-Tip- Kurzfassung: Beim Brotdealer des Vertrauens tagealtes Weißbrot zum halben Preis, eigen angesetzte Kräuterbutter auf dicke Scheiben und aufbacken- zack!

              Aber ich unterstelle Ihnen mal solches Wissen, die Beschaffung ist Ihr Problem. Da käme dann das Internet ins Spiel: Regionale Ökokiste? Fahrende Händler aus der Region? Gemeinschaftseinkauffahrten mit den Nachbarn?

              Die runde Struktur des hiesigen Provinzstädtchen wurde langsam von einzelnen Anbietern aufgebaut und ebenso von einzelnen Kunden befeuert. Und genau das ist die Botschaft, die ich bei dem famosen Herrn Ärmel erlese, ebenso bei der fabulösen Leserin oder den anderen Kommentatoren.

              Ich grüße Sie herzlich zugeneigt, mit hausgebackenem Kuchen beschenkt von dem kleinen intakten Stadtcafe umme Ecke. Wollnse die Spitze oder das sahnige Hinterteil des Apfelkuchens?
              Ihre Frau Knobloch.

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              • Nachtrag: Ich habe manchen Monat ein extrem schmales Budget, doch am Essen spare ich nicht, selbst wenn es unter dem staatlich gegebenem Niveau liegt. Man muß nur eben wissen, wie es geht. Pfannkuchen aus der Schüttelflasche? Bjäch! Rührei aus’m Tetrapack, mir wird schlecht…

                Essenspingelige Grüße nochmals, die Ihre.

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              • Kopfschüttelnd gelesen. Alles gut und schön – wenn der Faktor Zeit keine Rolle spielt.
                Vielleicht mach ich mir dereinst als Rentner mal einen Jux draus: Wieviel Aufwand resp. km wären nötig um derart „ökobewusst“ zu leben. Aber vermutlich macht mir da schon die staatlicherseits verordnete Fairness einen Strich durch diue Rechnung mit der runtergerechneten Pension/Rente.
                Und zur ländlich-städtischen Struktur: Kennen sie die Staffel „Stromberg“ – strafversetzt im Osten? SO sehen die Provinznester mittlerweile hier aus. Da war nichts übertrieben: Versicherungsbüros, ein Fahrradladen/Schlüsseldienst, Döner-Filialen, Vietnamesen-Kitsch-Store, ein oder zwei Bäcker okay, zu vermietender Leerstand….

                by the way: Ich nahm mal ander Besichtigung einer alternativen Musterwirtschaft hier in der Region teil. Glückliche Kühe, Hühner, Hummelnistkästen en masse usw. Alles war eitel Sonnenschein. Der Bauer (Migrationshintergrund: alte BRD) schwärmte, die anwesende meist weibliche Besucherschar bekam glänzende Augen und war schwups bereit junge Ziegenböcke als Kuscheltier adoptieren zu wollen – dann fragt doch dieser Bludgeon: „Und wo lassen Sie schlachten?“ Kurzes betretenes Schweigen. Dann die Antwort: „In Heidelberg“.

                All das glücklich aufwachsende Getier wird also von Nordbrandenburg nach Hildesheim gekarrt – um als Stressfleisch zu enden: Aber mit Ökofleischzertifikat.

                Mahlzeit.

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                • Als Selbstständige erahnen Sie vielleicht den mir zur Verfügung stehenden Zeitrahmen bei einer Siebentagearbeitswoche, Wertester. Imaginieren Sie bitte einen zu bedienenden Laden, diverse Auslieferungen in der eigentlichen Mittagspause plus außerhausige Aufträge sowie die nötigen Großmarktsbesuche. Doch ich plane meine Wege passend und wenn der Metzger nicht auf dem Wege liegt, bleibt die Woche fleischfrei. Natürlich genieße ich den Luxus eines ebenso agierenden Liebstfamosgesellen oder der gleichdenkenden Nachbarn.

                  Ihr Beispiel des fernschlachtenden Bauern ist natürlich gelebter Unsinn. Der könnte in der Region sicherlich Schlachter finden, die hofwärts ihrem Tun nachgehen. Das wäre auch lehrreich für die kuschelbereiten Besucher. Es ist vermaledeiter Trend, dieses achso schöne Landleben. Bauer sucht Frau läßt grüßen…

                  Ich kenne die ostdeutschen Provinzen, stamme selbst aus einer der tiefsten, dennoch wird da kein Tiefkühlfertigdreck serviert, wenn ich zu Besuch bin. Und auch sonst nicht, aber mag jede Provinz doch anders strukturiert sein, kann ja sein.
                  Dennoch liegt im eigenen Tun der Schlüssel zum Änderungstürchen. Fragen Sie doch einfach mal die Nachbarn. Ein Weg zum Glück wäre natürlich noch der eigene Gemüsegarten, für den ich allerdings zum Beispiel keine Zeit mehr habe.

                  Ihre Frau Knobloch, ebenso kopfschüttelig, dennoch achtungsvoll zugetan.

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    • Ich kann den Hinweisen des Herrn Ärmel zum Verhalten von uns Konsumenten nur zustimmen. Es geht doch nicht um eine wie auch immer ideologisch begründete „Umerziehung“, sondern es geht um die ganz klare Ansage, dass wir Konsumenten eben nicht unser Hirn an der Kasse – von welchem Discounter auch immer – abgeben müssen. Nein, nein, soviel Freiheit haben wir schon noch …

      Und natürlich erwarte ich nicht vom Hartz IV Empfänger, dass er tiefer in den Geldbeutel greifen soll … Aber diejenigen, die finanziell ein wenig mehr Spielraum haben, sollten doch wesentlich bewußter entscheiden, wo sie ihre Taler liegern lassen.

      Ich jedenfalls kaufe sehr gerne bei meinem kleinen Bio-Händler um die Ecke ein, versuche mich auf regionale Produkte zu konzentrieren und gebe auch beim Kaffee und der Milch ein wenig mehr aus … als ich müsste.

      Wenn ich mich recht entsinne, sind die Preise für Lebensmittel z.B. in Frankreich deutlich höher: Dort haben scheinbar die Nahrungsmittel einen höheren Stellenwert als bei uns …

      Also: Wir sind sehr wohl noch in der Lage zu unterscheiden, welche Konsequenzen es hat, wenn ich beim Discounter oder wenn ich beim kleinen Laden um die Ecke einkaufe !

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      • … und immerwieder: Der Bioladen UM DIE ECKE. Schön für euch. Für mich wär der nächste mit sehr begrenztem Angebot 35km weit weg oder aber 100 km bis Berlin. Und nu?

        ..alles weitere steht schon weiter oben.

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      • Auch in Frankreich greifen Lidl und Aldi um sich. Weil man sich, wenn man da kauft, dann und wann ein kleines Mehr leisten kann, das bei den Preisen in „normalen“ Supermärkten nicht drin wäre. Aldi übrigens bewusst auch mit „Bio-Obst und -Gemüse“ (und eins ist sicher: es sieht nicht so glatt aus wie beim Zappa-Ü – Super-U in der Aussprache meiner Jüngsten).
        Wir bei Kirchens sehen allerdings auch: es gibt viele, die ohne den Hard-Discount noch mehr Monat am Ende des Geldes hätten. Und schon jetzt geben sich hier im Badeort bei der Tafel die Leute die Klinke in die Hand, dass die Mitarbeiter, allesamt ehrenamtlich und über 75, keine Zeit für eine Mittagspause haben.
        Der Schlüssel ist nicht nur das „Geiz-ist-geil“-Phänomen. Sondern auch, dass die Realeinkommen heute, gemessen am Bedarf, deutlich niedriger sind als vor 30 Jahren. Und das liegt nicht nur am gestiegenen Bedarf (heute kann kein Schüler ohne Internet sein, auch kein Arbeitssuchender – ja, selbst die Steuererklärung wird demnächst zwingend online abgegeben! Und die Erreichbarkeit per Henndi wird auch gefordert, dabei sind die Preise dafür hier hoch, und Prepaid-Karten gelten nicht lang. Mofa-Fahren ist heute mit Suizid gleichzusetzen, also braucht man ein Auto, mangels Öffis. Etc. pp.), sondern selbst mit dem Warenkorb von 1986 halten die Netto-Einkommen nicht Schritt.

        So ist die Wahrheit wie eine Litfaßsäule: je nachdem, wo man steht, sieht es ganz anders aus.

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        • Eine treffliche Metapher: die Wahrheit ist eine Litfasssäule.
          Ihren Kommentar unterschreibe ich im Allgemeinen, bei den französischen Interna bin ich allerdings nicht auf dem neuesten Stand.

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  5. Hagen Rether sagt gerne, wenn die Menschen über seine wahren Worte lachen: Is nich lustig … nee, isset eben nich, da wächst der Kloss bei solchen Hofnarren, aber weder Könige, Könniginnen, noch Hofstaat noch Untertanen verstehen wirklich- das war früher schon so und ist heute leider nicht anders…
    Lieber Herr Ärmel, ich habe Ihre Unmutzeilen mit Spannung gelesen, aber jetzt rufen die Holunderblüten!
    Herzlichst
    Ulli

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  6. Die Sache mit dem Endspiel hat sich wohl erledigt, wie auch die Sache mit dem Genozid des Vorläufers der Türkei, die wiederum auf die Sache mit Russland und dem Vorläufer dieses unseren Landes verwiesen hatten. Aber das wurde nicht groß thematisiert, so wie auch der Fußball wieder in der Versenkung verschwindet. Die nächsten Großereignisse folgen, erst mal die Tour de France, einem der ersten Sport-Großereignisse dem ich abgeschworen habe (aber mal unter uns, keiner liest mit: das Finale ’89 Greg LeMond gegen Laurent Fignon war doch klasse und eine Etappe Pantani gegen Ullrich brachte mich dicht an die Erkenntnis, lasst sie doch alle dopen, dann bleibt es spannend, und vorgestern hab ich die letzten 10km gesehen, wie das Hauptfeld 3 Ausreißer gestellt hat). Nein ich schaue das nicht mehr an. Die EM ziehe ich noch durch und dann sehn wir mal.
    Was wollte ich noch sagen? Egal. Die Welt ist schlecht und wir sind mittendrin. Zu meinen Einkaufserlebnissen online und im kleinen Geschäft kann ich noch keinen Sieger ausmachen. Übern Tisch wird man in beiden Fällen gezogen. Mehr oder weniger.
    Schöne Grüße!
    (Geigenklänge aus „Die Brücke am Ibar“)

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    • Lieber Herr Autopict, ich stelle Sie mir gerne als taktisch gewieften Tischtennisspieler vor. Ihre, ein Thema umkreisenden Rundumschläge haben es in sich.
      Zur Tour de France, dieser Tour de Force fällt mir der olle, unlängst verblichene Rudi Altig ein. Der hat – vielleicht wars auch eine Mischung aus Demenz und Altersstarsinn – vor wenigen Jahren noch behauptet, das Thema Doping im Radsport werde übertrieben hochgepusht dargestellt. Ich frage mich, ob er wohl aufgeputscht gemeint haben könnte, es aber nicht sagen wollte.

      Musikalisch nähere ich mich Ihrem Dezennio übrigens vorsichtig an. Ein mir nahe stehender Mensch hat mich während einer längeren Aufnahmesession mit einem Klangmantel von Dead Can Dance umhüllt. Das hat mir, bzw. die Musik hat mir gut gefallen.
      Nachmittäglich sonnige Grüsse,
      Herr Ärmel

      (Lisa Gerrard – The Mirror Pool)

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      • Nun ja, manchmal muss man eben ein wenig um die Themen herumeiern um sie sich zu erschließen. Die Fragen die Sie stellen sind mitunter unbequem, auch für einen selbst. Wo fängt der ungesunde Konsum an und wo endet er? Meist wie beim Gehalt, das was es gibt, ist immer mindestens knapp zu wenig. Oder man findet immer einen, der es noch bunter treibt. Es ist alles relativ. Dass die große Masse klug wird, halte ich für eine Illusion, wenngleich man Illusionen haben sollte, sonst verliert man das eigene Denken. Sieht man ja an Volksentscheiden, da schlägt manches Mal der Herdentrieb die Schwarmintelligenz. Die Medien sagen dann wer gesiegt hat. Nur die sind eben auch nicht Gott. In GB läuft die nächste Panikattacke wegen Immobilienfonds. Und es ist mir egal. Ich weiß nur noch nicht so recht, ob das gut ist, dass es mir egal ist. Eine Sternwarte auf meiner Garage wäre mir nicht egal, zum Beispiel. Aber wäre das überzogener Konsum? (Rhetorische Frage, irgendwo, aber in meinen Jugendjahren bin ich teils milde belächelt worden für dieses Hobby, da musste ich ohnehin noch mehr ertragen, aber auch das ist ein anderes Thema). Zumindest könnte ich damit nachweisen dass ich kein Autonerd bin, weil das dann im Regen steht. Als Schwabe hat man natürlich eine Garage und einen Keller und leider einen Dachboden. Übrigens läuft hier eben Lisa Gerrad, danke für den Hinweis, Dead can Dance war hier immer ein wenig Außenseiter.
        Tischtennis, ein schöner Sport, aktuell versuche ich im Badminton wieder ein wenig Fuß zu fassen, aber die Trägheit der Masse fordert Ihren Tribut. Praktische Physik eben.
        Ich gönne mir mitunter etwas Geraffel für meine Fotoausrüstung. Am Anfang war das Wort und mit dem ging ich in den Fotoladen meines Vertrauens, wurde dort milde belächelt ob meines Wunsches. Ich soll sagen, was ich möchte, dann bestellt er es. Ich habs dann selbst bestellt. Zwischenzeitlich hab ich allerdings 2 Fotoläden ausgemacht, da darf ich begrapschen und da kaufe ich auch. Manches Mal. Die tun sich aber mit meiner Pentax schwer, und die Suche nach einem Tilt/Shift trieb mich wieder in die Fänge des Internet. Beim Fernrohr auch in den Laden meines Vertrauens. Aber die wollen nicht soviel Zeit in Beratung investieren, da die meisten Kunden dann woanders billiger bestellen. Ich solle sagen was ich will und dann sieht man weiter. Da ging es nicht nur um 7 Euro 50. Ich hab dann tschüss gesagt und woanders bestellt, nach wochenlanger Email-Beratung. Ich könnte auch in die Sternwarte gehen. Ich Konsumopfer. Mittlerweile habe ich den Verkäufer aber persönlich kennengelernt. Ich meine, die Tendenz – break: Sanvean läuft nun, hach – ist erst mal wichtig im Rahmen einer Richtungskorrektur. Das fängt im Kleinen an, z.B. bar zahlen ist fast schon anstrengend, aber man gewöhnt sich wieder daran. Und das Schöne, die kleinen Änderungen vermehren sich, sei es nicht mehr immer Aufzug fahren, oder wenn es zu regnen beginnt, die Laufschuhe schnüren. Oder eben mal was in ebay verschenken. Zum Beispiel Möbel samt Anfahrt und Aufbau. Gut, das war nicht geplant aber im Ergbnis erkenntnisreich. Dann fühlt man auch dass man lebt. Nun ja, ein kleiner Ausflug mit vielen Worten in meinen Unruhegeist, der sich ein wenig nach Ruhe sehnt… Ich hör jetzt aber auf.
        So, jetzt wollte ich noch die Tindersticks einwerfen, aber ich glaub ich bleib mal bei Lisa.
        Nächtlich mondliche Grüße.

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        • Ein grossartiger Kommentar Herr Astropict. Vielen Dank dafür. Um ins Zentrum zu treffen, kreist der kluge Schütze sein Ziel langsam aber sicher ein.
          Mir scheint ein Übel, dass wir kaum noch feste Bezugsgrössen haben, da in der Tat alles relativ zu sein scheint. Ist es das aber wirklich?
          Und dass die grosse Masse klug wird – was immer sich hinter dieser Vermutung auch verbergen mag – daran mag ich auch nicht glauben, auch wenn ich ja selbst auch Teil dieser Masse bin.
          Was Sie über die Beschaffung Ihres Geraffels mitteilen, kann ich fast eins zu eins unterschreiben. Auch das Anfangen bei sich selbst, im Kleinen. Ihre Beispiele illustrieren das aufs Beste.
          Morgendlich schöne Grüsse,
          Herr Ärmel

          (das Blubbern der Heisswassermaschine. Tee muss sein)

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