Sag´ mir, Liebster, in welche Richtung…

Sag´ mir, Liebster, in welche Richtung zieht es dein Herz?

Ach, Liebste, in alle Himmelsrichtungen gleichermassen zieht es mich.
Im Osten der Sonnenaufgang hinter der Silhouette der grossen Stadt. Den Hals entblösst, liegt der seidenfein gewebte, ausladende blaue Schal auf der taufeuchten Wiese ausgebreitet, bereit, neues Leben umhüllend in die Welt zu tragen.

In die gradlinige gedankenklare Kälte des Nordens will ich ziehen. Nebligschwadig steigen aus unermesslichen Wäldern die alten Geschichten auf. Eiswindigen Wegweisern folgend bis zu den letzten Menschenwohnungen. Frosterstarrte Herzen zu wärmen gilt es dorten.

Mutanfällige Sprünge in das lodernde Lebensfeuer des Südens. Herzen von Sonne warm erfüllt und Lebensfreude im pulsenden Strom des ewig bewegten Meeres. An den Gestaden sind im heissen Sand Wärmegerüste für menschenfreundliche Gedanken zu schmieden.

Der Friede ruht tief in der Erde des Westens. Blühen wird er durch das Handeln freier Menschen aus dem freien Willen zum Nutzen aller. Erst dann wird man seine Freiheit gewinnen, wenn man diesem Ziel sich annähert und tatkräftig an der grossen Aufgabe mitwirkt.

Pilger sind wir, jeder auf seinem Lebensweg hin zu der einen Destination. Hin zur Mitte. Dorthin ins Zentrum, wo Herzen und Gedanken sich treffen im golden schimmernden Kehlkopf. An diesem Ort wird die Verbindlichkeit der Sprache geschöpft.

Liebste, in all diese Himmelsrichtungen will ich ziehen und jede besingen, wie es ihr zusteht. Du kannst mich hören, sehen und fühlen, immer wenn Du mit mir unterwegs bist.

Aber sage mir, Liebster, an welchem dieser Orte vermag ich Dich denn zu finden?

An welchem Ort? Dieser Ort, Liebste, dieser Ort kann überall sein. Die zentrale Mitte, in der alle Himmelsrichtungen punktgenau zusammenstreben und wo das Sein achtsam umschlossen wird, entsteht überall dort, wo wir uns begegnen, fugenlos im Takt unserer Herzen.

Der Text wurde angeregt durch einen gebloggten Funkenregen und das Lied Refugees, zu hören auf: Van der Graaf Generator – The Least We Can Do Is Wave To Each Other (1970)….

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41 Gedanken zu „Sag´ mir, Liebster, in welche Richtung…

    • Ich danke Ihnen, liebe Frau Myriade, für Ihren Feinstkommentar. Er lässt die Erinnerungsquellen sprudeln und fördert die fastvergessenen Anmerkungen unter uralten Deutscharbeiten ans Tageslicht der Gegegnwart 😉

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        • Nein nein, liebe Frau Myriade. Als Korrekturen meiner möglicherweise übermütigen Höhenflüge nehme ich Ihre Kommentare so wie sie sind, gerne zur Kenntnis. Bitte kommentieren Sie weiterhin spontan… 😉

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  1. Toller Text, obwohl ich ja mit VdGG eher nicht so richtig klarkomme (musikalisch). Die Geschmäker eben…
    Aber zufälle gibts?! Habe dieser Tage Yes’ens „Fragile“ wiederentdeckt; besonders wegen „Heart of the sunrise“ – und „we are lost in the city-hi!“ – und sehnen uns danach im Herzen des Sonnenaufgangs zu stehen (statt im zermürbenden Alltag) scheint mir doch sehr gut dazuzupassen.

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    • Alte Yesse gehen fast immer. Auch bei denen ist die Stimme des Sängers überaus markant…
      Und Heart of the Sunrise…. Und die Texte…. Gleich nachher mal wieder diese exorbitante Scheibe durch den Tangodiesel ziehen lassen…

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  2. Mann, Herr Ärmel, da schießen Sie den Vogel ab. Ich bin hin und weg. Ich hatte den Funkenregen ebenfalls genossen, weit fort von zu Hause mit meiner kleinen best-of im Schlepptau, auf welche es der ebenfalls genannte Song zu ca. 30 anderen geschafft hat und wohl auch gekommen ist, um zu bleiben. Aber dazu ein ander mal mehr.
    Und so schließt sich ein kleiner Kreis. Lassen Sie sich weiter anregen (nicht aufregen).
    (VdGG – Refugees (Single Version))

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    • Ich vermute einmal ganz kühn, lieber Herr Autopict, dass Ihnen eine Verständnissonne aufgegangen ist. Das würde mich ungemein freuen.
      Zu all den freudigen Anregungen die eine oder andere sich fügende Aufregung könnte durchaus vielbesagte das Salz in der Suppe sein.

      (Yes – Fragile, 1972 / High Vibration SACD 2013)

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      • Eine Verständnissonne, das gefällt. Ich habe mich die letzten Tage doch mehr mit Sonnenuntergängen beschäftigt, aber die gibt es ja quasi nicht wirklich, die Erde dreht sich eben und man schaut sozusagen zur Heckscheibe raus. So gesehen ist ein Sonnenuntergang auch ein Aufgang, nur eben umgekehrt, man muss zur Frontscheibe rausschauen (gilt nur wenn man nicht rückwärts fährt, puh!) und wer vorm Untergang davonläuft oder – schwimmt, läuft der Sonne, also dem Aufgang entgegen. Also ich bin da schon fast gut drin.
        Ok.
        (Noch Yes, aber bald King Crimsen zur Vorbereitung aufs Konzert) 😉

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  3. Lieber Herr Ärmel, die Befeuerung las ich schon gestern und gleichzeitig dachte ich: Herr Ärmel hat die Vier Schilde gründlich gelesen, ach was, er trägt sie in sich, ganz selbstverständlich, mit Würde und Anmut!
    Herzliche Abendgrüsse
    Ulli

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  4. Hammill ist Hammill, nix mit abkupfern. Das ist Refugees

    Mir war diese Welt immer sonderbar fremd. An Berührungspunkten fehlte es nicht. Aber verfangen hat er sich nicht.
    Bei mir war es eher der US Antipode FZ, der da eingeschlagen ist.

    Sonderbar.

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  5. Mein lieber Herr Ärmel, diese Fugenlosigkeit zu fühlen, ach, einem jeden Menschenkind sei es gewünscht, ein derartiges Geschenk zu erhalten. Besser noch, es selbst ganzhäutig zu geben. Auch subkutane Ströme sind hinreissend teilbar…

    So wundervolle Bilder erschaffen Sie mit Ihren Worten und regen gleich neue Wortwelten an, Liebende fragen sich gewiss auch, wohin die Wege in des Morgens neufeuchte Tauwiesen führen. Welche Schlängelungen des Mittags flirrende Hitzepfade fatamorganisieren und welche Spuren das raschelnde Laub des Nachmittags bedeckt. Welcher Abzweig hält sich unter knirschenden Schimmernis des Abends versteckt und was ruft uns zueinander in der sanften Stille der Nacht?

    Lieber Herr Ärmel, ich sende Ihnen Frischmontagsgrüße und verbleibe zugeneigt als die Ihre, frühmittagsabendsnachts und sowieso.
    Ihre Frau Knobloch, feinstseufzend.

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    • Meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch, welche Warmfreude muss dem Mensch das Herz kraftvoll erblühen lassen, dem Ihre bildmächtigen Silbenwortsatzgewebe sanft fliessend zuströmen – gleich dem Tau eines Frühlingsmorgens, mittäglich sonnenpfeilflirrend, ??? – – hach ~~~ haaach /// und hier verweigert sich die vermaledeite Tippeditastatur…

      Ihr Herr Ärmel, zugeneigt ohnehin jedoch zusätzlich leicht schnappatmend nun, und dennoch und überhaupt herzlichste Grüsse via Expressluftschiff ins liebliche Lipperland expedierend.

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