Barjederwundersonderbar

Gefällt mir nach den ersten Probeanhörungen immer besser. Auch der Titel hält, was er verspricht: Long John and The Killer Blues Collective – Heavy Electric Blues (2017)…

Aus meiner Reduktionskladde.
„In Deutschland beeindruckt mich noch immer diese plötzlich auftauchende, imperial anmutende Grösse, angesichts derer man sich unwillkürlich der eigenen Kleinheit bewusst werden kann (und zeitweise auch sollte). Martialisch mächtige Bauwerke, um einige Meter zu breite Boulevards und Magistralen oder auch grobgklotzige historische Memoriale. Barbarossa, Hermann, Germania, Walhalla, Blücher. Und Bismarck, natürlich. Mannigfaltige Beeindruckungen durch Äusserlichkeiten. Funktioniert zuverlässig auch in den Nachbarschaften.“

„Es mag sein, dass es anfangs tatsächlich nicht vorrangig um Profit, Kontrolle und Überwachung ging. Aber was seinerzeit als sogenanntes soziales Netzwerk begonnen hatte, ist für viele Menschen längst zur unlösbaren Verstrickung verkommen“.

Wenn die feisten Frauen des Landkegelklubs auf ihrem Stadtausflug grölend die frauenverachtenden Sprüche an der Saufkneipe knipsen, will ich nicht nachstehen und den geschmackvoll einladenden Biergarten der Kneipe fotografieren. Richtig widerwärtig finde ich, dass dort gelegentlich DDR Parties veranstaltet werden. Was ist eine DDR-Party? Wenn das der Herr Edel wüsste: „Die grossen Geheimnisse entstehen dort, wo wir alles zu wissen glauben (Herr Edel / Heimat, 2-2, 1:36:10).“

„Um diese private Bar aus den 1960er Jahren fotografieren zu dürfen, war die Vorbedingung, die anheimelnde phosphoriszierende Beleuchtung wieder funktionsfähig zu machen. Die Bar war seinerzeit Mittelpunkt eines Freundeskreises. Als der Eigentümer aus verschiedenen Gründen mit den spätabendlichen Vergnügungen kürzer trat, geriet die Bar im Lauf der Jahrzehnte in einen Dämmerschlaf. Die Liköre zersetzten sich im Lauf der Zeit in ihre giftigschön grellleuchtenden Farben. Die Entsorgung vor einigen Jahren wäre eine eigene Geschichte wert. Was mir hingegen gut gefällt, sind die illustren alten Barutensilien, die meine Fantasie beflügeln.
Die meisten Menschen bereichern sich dadurch, dass sie anderen etwas wegnehmen. Nur wenige Menschen hingegen, bereichern sich dadurch, dass sie anderen Menschen etwas selbstlos geben.“

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein feines Maiwochenende.

(Die Bilder wurden im Vorübergehen fotografiert. Anklicken und gross gugge)

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22 Gedanken zu „Barjederwundersonderbar

  1. Lieber Herr Ärmel, für diesen Satz würde ich Sie jetzt gerne umarmen, na gut, dann eben virtuell:“Die meisten Menschen bereichern sich dadurch, dass sie anderen etwas wegnehmen. Nur wenige Menschen hingegen, bereichern sich dadurch, dass sie anderen Menschen etwas selbstlos geben.“
    bei der Aufzähling deutscher Grössen und ihrer Denkmäler musste ich an Noske denken, wie hat es mich geschüttelt, als ich dieses Denkmal nicht weit von der Siegessäule entfernt entdeckte-
    herzliche Samstagabendgrüsse mit spätem Sonnenschein
    Ulli

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    • Ich bin heute Vormittag eher zufällig in einer ohnehin furchtbaren Stadt einem Strassennamen begegnet, der an einen Marinesoldaten des WK I erinnert. Nach ihm wurden in vielen Städten Strassen oder Plätze benannt. In meinem Heimatort wurde die Augustbebelstrasse während der braunen Barbarei auch in jenen Namen umbenannt. Dies wurde nach dem WK II schnell rückgängig gemacht.
      Jene unselige Stadt, in der er geboren worden ist, machte ihn 1932 zum Ehrenbürger und hat das bis heute nicht revidiert.
      Nachmittagssonnige Grüsse,
      Herr Ärmel

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  2. Das dritte Foto bildet voll die Ekelsituation ab, sowas von „Bääähigitt!“
    Die Zitationen aus der Reduktionskladde stammen von Ihnen? Ich meine ja nur, weil die jeweils so extra Gänsefüßchen haben…
    Schon halb sauerländisch fischweiherhafte Grüße von der Wildgans, bald in ihrem Element!

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    • Das Denkmal – eigentlich sollten diese Bauwerke Denk Mal! heissen – steht an herausragender Stelle über der Weser. Beim Treppensteigen nimmt die Windstärke stetig zu. Ja, ich glaube auch, dass man sich in dieser Umgebung kleiner fühlen soll als man tatsächlich ist.

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  3. Wie sich ein Netzwerk in sich selbst verstrickt und wir mittendrin stecken, das hat was. Selbst wenn wir uns da raus nehmen können, fühle ich mich doch auch oft wie ein Passiv-Opfer. Dafür sind die sonntäglichen Spazierwege nicht wegen Überfüllung geschlossen, das digitale Event fehlt wohl.
    Auf alle Fälle herzlichen Dank für die nachdenkenswerte Gedankensammlung.
    (Simple Minds / Live – In the City of Light)

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    • Sollte es mir gelungen sein, Sie anzuregen, dann hätte ich mein Ziel erreicht.
      Und ja, auch ich empfinde mich öfter als früher durchaus auch als Opfer. Da hilft nur, sich zu distanzieren.

      (Genesis – The Lamb lies down on Broadway)

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  4. Dankeschön für das Wort des Herrn Edel…ich schätzte ihn außerordentlich und hatte stets das Gefühl, er würde das, was er so als Schauspieler von sich gibt, justament in diesem Augenblick grad selbst sich ausdenken…ein sonderbarer Mensch, irgendwie nicht so ganz von dieser Welt, ein Weltenwanderer vielleicht, einer der letzten, die sich trauten, ihre Merk – Würdigkeit herzuzeigen…ja, das war vielleicht sein Geheimnis, daß alle dachten, er sei ein Spinner!

    Ja, ich schätzte ihn sehr und die Welt ist ärmer ohne ihn.
    Liebe Grüße aus südöstlicher Maiensonne sendet
    Ihre Graugans

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  5. Kultkneipe bekannt aus RTL Frauentausch, das sagt eigentlich schon alles, da müsste ich schon kurz vorm Verdursten sein um den Laden zu betreten :D.
    Das erste Foto ist Klasse!

    (Moloko – Live at Brixton)

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  6. Stichwort: „DDR-Party“ …. Ich kann solche Parties gut nachvollziehen, bedenktman, wie man mit der ehemaligen DDR nach derWiedervereinigung so umgespriungen ist … damit meine ich nicht nur die z.T. sonderbaren Geschäftsgebarender „Treunhandgesellschaft“, sondern auch diese unerträgliche Arroganz von etlichen Wessis, die es denen „da drüben“ mal zeigen wollten, was ne echte Harcke ist …

    Dass man dann – vermutlich aus einer Trotzreaktion – DDR Parties feiern will (mit all dem, was dazu gehört) …. um noch ein Stückchen Identität zu behalten (oder nicht noch das letzte Stückchen Identitätzu verlieren) ist für mich nachvollziehbar ….

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