Reduktion der Befehle – Die Meditation der Frösche

Als progressive Rockmusik noch progressiv war: Traffic – The Low Spark of High Heeled Boys (1971). Und nun zum Nachmittagstee: Julie Driscoll with Brian Auger & The Trinity – Streetnoise (1969)…

Wo die Natur scheinbar verschwendet, dient letztendlich alles der Erhaltung natürlicher Kreisläufe. Arterhaltung, Nahrungsketten und Prachtentfaltung. Wachsen, blühen und vergehen als Grundlagen des Seins.
Die dritte Amselbrut ist nun flügge geworden und hat das Nest und den Hinterhof verlassen. Dreimal drei kleine Amseln in den letzten Monaten. Vielleicht werden zwei von ihnen überleben. Die anderen werden dem Kreislauf der Natur einverleibt werden.

Wie anders dagegen arbeitet die menschliche Natur. Verschwendung bedeutet hier Ausbeutung und Zerstörung. Zur letztendlichen Gewinnmaximierung von einigen wenigen Nimmersatten und Gierhälsen. Geleistet aber wird die ganze Arbeit von den unüberschaubaren Herden der Konsumenten weltweit. Deren Verhalten wird herangezüchtet und dressiert durch immer zahlreicher auf uns einprasselnde Imperative.

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Grammatische Befehlsformen, die irgendwann das gesunde Bewusstsein eines Menschen infizieren. Dann hält man den eigenen Konsum für Bescheidenheit und zeigt mit dem Finger auf all die anderen Verschwender. Oder man beneidet sie um ihre  Konsumartikel und vergisst ganz rasch die eigene angebliche Bescheidenheit. Eine weitere Erscheinung ist die diffuse Ablehnung der Bataillone von fremden Menschen, die in ihren Heimatländern bereits auf ihren Koffern sitzen und von den Konsumparadiesen der uns umgebenden Länder träumen.
Denkbar jedoch auch, dass man sich das Vergnügen leistet, all´ die Orte und Produkte bewusst zu vermeiden, die einem per Befehl eine Leistung abverlangen. Das kostet nicht nur nichts, sondern man spart sich recht schnell ein erkleckliches Sümmchen. Und Freude macht ein solches Abenteuer  garantiert.
Das Hamsterrad, in dem man sitzt, dreht sich immer nur so schnell, wie man selbst darin läuft.
Man kann es sogar verlassen. Dazu muss man jedoch auf die eigenen Beine stellen. Und sich orientieren können im eigenen Leben.
Was die Frage aufwirft, warum sich Menschen überhaupt verirren können. Ich glaube manchmal, dass Umwege und Irrwege die Gelegenheiten schaffen, dass man seine Ortskenntnis erweitert.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein sommerfeines Wochenende. Und wer weiss, vielleicht werden Sie irgendwo sogar meditierende Frösche entdecken.

(Foto anklicken und grosse Bilder sehen)

 

 

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34 Gedanken zu „Reduktion der Befehle – Die Meditation der Frösche

    • Gerne!
      Es gibt zwar keine Zufälle an sich, aber die achtzeilige Versammlung von zwölf Imperativen und vier Adverbien habe ich zwar nicht unorganisiert aber dennoch eher willkürlich so angeordnet.
      Samstagsgruss,
      Herr Ärmel

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  1. Dem will ich nicht widersprechen nur hinzufügen, dass absolute Reduktion und Eindämmung von Verschwendung von Rohstoffen dann auch die Produktion von Gartenfröschen und – zwergen betreffen müsste und die Suche nach den meditierenden Exemplaren auf die natürlich grünen zu beschränken wäre 😉

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  2. Lieber geschätzter Herr Ärmel, es ist so wie sie sagen und dies schon seit ich denken kann. Da habe ich mich als Kind schon gefragt wohin diese Spirale aus Angebot, Verteuerung, Lohnkampf und noch mehr Angebot führen wird. Heute habe ich eine ungefähre Vorstellung und damals hat man schlicht gesagt, „Friss dich schlank und kauf dich reich!“ Nix hat sich geändert. Sonnenwolkige Grüße aus Marburg!

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    • Ich danke für Ihren Kommentar, Herr von Rosen. Ich denke noch immer an den von Ihnen wiedergegebenen Spruch: „Friss dich schlank und kauf dich reich!“ Ich kenne ihn und erinnere mich nicht mehr, wer den seinerzeit gesagt hat.
      Ich sende Ihnen einen stillen Gruss zur Nacht,
      Herr Ärmel

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  3. Zum Glück stimmt mein Verleserle nicht: Die dritte Armbrust ist nun flügge geworden!
    Müll allerorten, sogar nahe der Kirchentür.
    Der Wahnsinn dieser unnatürlichen Kreisläufe, wenn es denn welche gibt, blüht aus und fort…
    Amseln füttern vegan? Eine Zuchtheidelbeere, keine blaue Perle. Na sowas! Knallerfoto, um es mit Ihren Worten zu beschreiben.-
    Was mir noch in den Sinn kommt: die Hirten in den Jurten in der Mongolei und ähnlichen Gegenden.
    Wieso? Das sind Spezialassoziationen. Vielleicht, weil ich letzthin eine Dokumentation sah von einer jungen Familie, die in hiesigen Wäldern in einer solchen Behausung (Jurte) beinahe sämtlichen Konsumsachen entsagte!
    Gruß aus der Schmandkuchengegend

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    • Auch ohne die eindringliche Kommentardopplung glaube ich Ihren Worten. Sowieso! Und Ihre freien Assoziationen schätze ich überdies. Aber das wissen Sie, liebe Frau Wildgans, denn ich habe es bereits drölfzig Mal bekräftigt.
      Gruss aus der Schlesischerbutterstreuselkuchengegend (fährenfern ohnehin)

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  4. Meditation stelle ich mir aber anders vor; die sind doch eher quietschfidel -:))) da regt die gründelnde Ente schon eher zum Meditieren an. Die Amsel hat diese Blaubeere sicher aus meinem Morgenmüsli geklaut, aber sie sei den bildschönen Jungvögeln gegönnt.Und wie immer ein Dankeschön für Ihr Finger in unsere Wunden legen.
    Ihnen ein erbauliches Wochenende als verlassener Amselgastwirt -:)))

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  5. Die Naturkreisläufe sind fantatsico, sehr geehrter Herr Ärmel, ich hab das an den kleinen gallischen Feldwespen gelernt. Und am Weltenall. Beobachten beruhigt.
    * * *
    Mein Lieblingsspruch, wenn man 30% sparen kann: ich weiß wie man 70% sparen kann!
    * * *
    Ich gebe zu bedenken: oftmals läuft man nicht allein im Hamsterrad, man ist kompliziert angeknotet, auf verschiedene Art und Weisen, nix einfache Palstek, und jeder gelöste Knoten ergibt versetzte neue. Aber – und das muss auch gesagt sein: es gibt Hindernisse, diese sind keine Hinderungsgründe.
    * * *
    Mülltrennung ist eine Farce.
    * * *
    Wenn ich mir die vielen Blogs ansehe, die die aktuellen Situationen als verwerflich charakterisieren, und die Zustimmung dazu lese, dann frage ich mich: war früher alles besser? Mir scheint ein Problem die wachsende Bevölkerung zu sein und dass man immer noch nicht darauf gefasst ist, also auch auf die Folgen.
    * * *
    Alles ist ein Kreislauf, eine Bilanz, die Energieerhaltungslehre hatten wir schon in der Schule, diese ist zur energetischen Leere bei den sog. Eliten mutiert. Zumindest bei einem Teil davon, denn man kennt ja u.U. welche persönlich und ja, die natürlich nicht.
    * * *
    Den Kopf muss man nicht in den Sand stecken, Wasser hilft ebenso.
    * * *
    (Radiohead – live in Berlin 2016 (arte, ebenjetzt))

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    • Ihr Lieblingsspruch, die Farce der Mülltrennung, die zunehmende Überbevölkerung oder der Energieerhaltungssatz – überall rufe ich Ihnen meine Zustimmung entgegen.
      Überall? Nein, ein kleiner Einwand hinsichtlich eines Bildes bleibt bestehen.
      Das Bild des Hamsterrades ist eine höchst individuelle Lebensangelegenheit. Es ist diskutabel, ob zwei Hamsterräder durch eine Achse verbunden sein können. Das bliebe dennoch eine Einzelradaufhängung. Selbst bei einem Vierhamsterradantrieb stellte sich die Frage nach der Steuerungseinheit des Sperrdifferentials…

      (Stomu Yamashta – GO live from Paris (1976))

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      • Ich hatte mir das fast schon gedacht (Sie sind/waren Asterix-Leser?), dass dieser Einwand kommt, ist er doch eher ein Grund oder eine Art Entschuldigung für die nicht funktionierende Umsetzung.
        Andererseits sprechen Sie von einem 4WD-Hamster-SUV, die Hamster in unseren 4 Wänden fahren derzeit entweder in einem Fahrzeug mit Heckantrieb, das die vorderen Räder mit Einzelradaufhängung ein wenig vor sich hertreibt, oder in einem Fronttriebler, welcher die hinteren Räder nur hinterherzieht. Das Sperrdifferential sorgt für trügerische Sicherheit, denn wenn die Vorderräder (oder Hinterräder) mal ausbrechen, sind sie nur schwer einzufangen. Aber nichts desto trotz, das muss auch mal im Fahrzeiginnenraum diskutiert werden. Und wenn sich die Räder mal einig sind, darf man auch ein wenig Gas geben, ohne aus der Kurve zu driften.
        Herzlichen Dank für den Tip mit Stomu Yamashta, die Zusammensetzung kannte ich tatsächlich nicht.
        (Fleet Foxes / Crack-Up – 2017)

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        • Mitte der 1970er Jahre gabs hervorragende Kollaborationen. Stomu Yamashta war nur ein Sammelbecken. Wenn man sich nur mal das Progbermudadreeick aus Genesis, King Crimson und Roxy Music anschaut und die manchmal nur eine LP dauernden Kreuz&querprojekte – es kann einem schwindlig werden…
          Sie lesen, ich tue mich schwer, Ihre Hamsterrädergedanken weiterzudenken. Die ersten zehn, zwölf Asterixe habe ich selbstredend gelesen.
          Vielleicht muss ich Ihren Kommentar tiefer setzen und wirken lassen. Die neue Fleet Foxes musste ich heute ertragen, weitere Werke werde ich meiden.

          (Brian Eno & David Byrne – My Life in the Bush of Ghosts (1981)

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          • Ich bin heute aus Gründen etwas wirr, stapeln Sie die Hamsterräder ruhig beiseite.
            Musik ertragen ist schlecht, solange wir Einfluss darauf haben, aber verschmerzbar.
            Wenn aber der Tag kommen wird, an dem wir sitzend und siechend in großen Einrichtungen Musik ertragen müssen, die nicht ertragbar ist, wird es wirklich schlimm. Ich meine wir sprachen schon mal darüber.
            Überhaupt, meine ich, muss man jetzt schon zuviel ertragen. An manchen Tagen. Es hört nicht auf.
            Ertragreiche (positiver Art) Grüße aus dem dunklen Süden….

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            • Ja, wir besprachen das unerspriessliche Thema bereits vor geraumer Zeit. Eine Schreckensvorstellung: irgendwo halbbewusst dahinzusiechen und unerträglichen Klängen ausgesetzt zu sein.

              Wie anders hier derzeit: Magna Charta – Lord of the Ages (1973). Alles ist ruhig. Mehrere Gartenwirtschaften konkurrieren in meinem Kopf um einen Besuch, nachher…
              In diesem Sinn sende ich sommersonnige Grüsse aus dem Nordwesten

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  6. Guten Tag verehrter Herr Ärmel,

    Ihre Teemusik bereitet mir großes Vergnügen, die Dame kannte ich nicht.

    Zum Kreislauf des Kaufen’s habe ich eine Geschichte, die Ihnen vielleicht gefällt:
    Im Gegensatz zu Ihnen, ziehe ich die kühlen Sommertage der Hitze vor. Deshalb ging ich auch an einem der kühlen Morgen der vergangenen Woche ohne Jacke aus dem Haus. Der Tag brachte Regen in solcher Menge, dass die Straßen überfluteten und ich darum, statt wie üblich sie zu laufen, den Schutz eines trockenen Einkauftempels suchte. Der Sommerschlussverkauft salte in ihm und trieb grandiose Blüten. Einer davon kleidet mich seitdem. In einem Geschäft, das ich Ihnen vor Zeit in einer Mail empfahl, fand ich eine Jacke der Nobelmarke MM6, ursprünglicher Preis 760 unglaubliche Taler, hier 184, im Ausverkauf – ohne Wühlen und zwischen in China genähter Ware – erstand ich das in Italien handgenähte, feine Stück für der Taler 15. Welche Differenz! Mit 15 Talen ist dies Ding nicht gefertigt, mit 760 erst recht nicht. Ein fabelhaftes Beispiel der Konsumnarrheit kleidet mich – dabei schmunzelnd – gut.
    Haben Sie einen guten Tee zum Sonntag, dass er es ist und Sie die passende Musik dazu haben, bin ich gewiss.
    Ihre nachdenkliche Arabella

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  7. Ach, Mist. Nachdem das kleine Männchen im Ohr mir ein halbes Jahr lang „hol Dir, gönn Dir, kauf Dir“ eingeflüstert hat bin ich der Versuchung erlegen. Jetzt brauch ich nur noch einen Verschwender, auf den ich mit den Fingern zeigen kann, damit die liebe Seele wieder Ruhe hat *g*
    (nicht dass ich jemals mit dem Finger auf Leute zeigen würde)

    Das ist übrigens ein ganz bonfortionöses Amselfoto, das mit der Beere im Schnabel. Ich kann das beurteilen, denn im Fotoforum gibt es sehr viel Vögel zu sehen.:)

    Danke übrigens für Deinen Anruf(beantwortertext) vor äääh.. fast 2 Monaten, hat mich sehr gefreut. Ich bin ja selber eher vergesslich was solche Daten angeht 😉

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    • Du kannst ruhig mit dem Finger auf jemand anderes zeigen. Das geht in Ordnung, weil du dann ja mit drei Fingern auf dich selbst zeigst 🙂

      Das mit dem Anrufbefürworter geht auch in Ordnung, allles wichtig aber halb so wild.

      Dank fürs Lob fürs Amselfoto. Ich bin ja nicht so der Tierfotograf…

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  8. Ja, lieber Herr Ärmel, Irrwege, Umwege, sogar Sackgassen, durchs Umfahren kann man bisweilen viel Wissenswertes erfahren! Sag ich doch immer!
    Servus, Ihre Graugans

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    • Sie haben so sehr Recht, dass man garnicht anders kann, als Ihnen zuzustimmen, lieber Zeilentiger. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich nämlich, dass jedes Hamsterrad auch einen Ausgang hat. 😉

      Ihnen einen wuderschön musikalischen Abend,
      Ihr Herr Ärmel

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