Deutsche Standards in einer Fotografie kompensiert

Vielleicht ist in musikalischer Hinsicht auch dies eine Reduktion. Immer wieder komme ich auf schlichten Blues zurück. Als ich begann, Musik bewusster wahrzunehmen, schwappte der British Blues Boom aufs Festland. Erst dadurch wurden die schwarzen Meister auch in Europa bekannt. Ten Years After – Cricklewood Green (1970). Und anschliessend: Howlin Wolf – His Best Vol.2 – Chess 50th Anniversary Collection (1997)…

Eine ebenso kurze wie bereichernde Reise in Deutschland hatte auch die Verhältnisse hierzulande zum Thema. Von der famosen Reisegruppe wurden viele Facetten bedacht, beleuchtet und besprochen. Als eine, wenn auch vorläufige, Quintessenz erscheint mir diese Fotografie. Viele Details lassen metaphorisch erkennen, was für mich deutsches Wesen und Kultur derzeit repräsentiert.

(Zum Vergrössern die Fotografie anklicken, Klick auf F11 machts noch grösser)

 

 

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29 Gedanken zu „Deutsche Standards in einer Fotografie kompensiert

    • Oh, nur diese Aspekte könenn Sie sehen und erkennen??? Wie schade.
      Ich sehe Konsequenz in der Gradlinigkeit.
      Ich sehe verschliessbare Spinde mit offenen Türen und mit einem Herzen drauf obendrein.
      Ich sehe vorhanglose Fenster für den freien Blick in die Welt.
      Ich sehe die kleinen rechteckigen Terrakottapflanzkästen, mir sind sie Zeichen für die Liebe der Deutschen zu mediterranen Ländern.
      Der Schriftzug Aut- Garage verweist auf die Bedeutung des Automobils in diesem Land.
      usw. usf.
      Natürlich verkenne ich den bröckelnden Putz nicht. Und dass manches oben nicht ganz dicht ist.
      Aber lediglich das Beschädigte oder Negative zu sehen, ist mir eindeutig zu wenig.

      PS: vielleicht könnte man die Milchkanne sogar als Austrophilie der Deutschen deuten 🙂

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      • Nun, das ist ein schönes Beispiel für viele, viele mögliche Interpretationen und die Subjektivität der Wahrnehmung. Ich finde aber den Aspekt der Vernachlässigung schon sehr dominant: was nützen offene Türen von leeren Spinden, Pflanzkästen mit großteils kaputten Pflanzen …..
        Aber natürlich kann man auch anderes sehen.
        Austrophilie ? Nette Idee ! Gibt es aber in D keine Milchkannen 🙂

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        • Doch doch, auch hier gibt es Milchkannen. Aber nach Bayern war Österreich das zweite grosse Reiseziel des ansteigenden Massentourismus. Und wieviel wurde da projiziert. Das Landleben ebenso wie die Fensterbapperln mit dem grossen G im Auto zum Beweis einer erfolgreich absolvierten Alpenhochstrassenüberquerung 🙂

          Interessant, dass Sie eine Dominanz der Vernachlässigung wahrnehmen. Bei mir besteht eine gewisse Ausgeglichenheit zwischen den beiden wahrnehmbaren Polen. Aber, wie Sie schreiben: „…ein schönes Beispiel für viele, viele mögliche Interpretationen…“

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          • Der österreichische Massentourismus strömte nach Italien und in das damalige Yugoslawien und da gab/gibt es andere Devotionalien, wie etwa Gondellampen aus Venedig oder gestickte Blusen vom Balkan daher kenne ich den Ö-Touristenkitsch nur vage. Was ist ein Fensterbapperl ? Das klingt richtig verheißungsvoll, vielleicht als Unterlage für Kuhglocken 😉

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  1. Famos, mein liebwerter Herr Ärmel, wahrlich famos. Gewachsene Schäbigkeit, die dem momentanen Trend zum Schäbbie Schick kwasi den Spiegel vorhält. Und mittendrin im bröckelnden Charme, vor gekippten Fenstern und verplastetem Eingang leuchtet das Herz ~~~

    Ebenso leuchtende Grüße Ihnen, Ihre Frau Knobloch, auch kopfpflastersteinholperig zugeneigt.

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  2. „Schäbbie Schick“ hinoderher, meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch. Immerhin ist deutlich wahrnehmbar, dass vor dem deutschen Haus die Strasse fein ordentlich gefegt ist. Und dabei steht das deutsche Haus nichtmal im Schwäbischen …

    Ihnen die allerherzlichsten Grüsse, zugedacht von Ihrem Herrn Ärmel (soodersoundsowieso zugeneigt)

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    • Was für ein Glück für den fabulösen Lichtbildner, daß auch der gegenüberige Vorgarten standardig kompensiert war. Paßte doch so die ganze vergangene Pracht samt Hinguckerchen in die Guggapperatur. Nixdurchblickhecke oder Lattenschußzaun, es wäre ja schade gewesen ~~~

      Gluckslachende Grüße aus dem durchgefeudelten Lipperlandien, die Ihre, auch nasslappenauswringend zugeneigt.

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      • Huch – fast will mir scheinen, Sie, meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch, kennten diesen, vom Lipperland so weit entfernten Ort. In der Tat musste ich aus Formatgründen den gegenüberliegenden Vorgarten nutzen. Und ebenfalls tatsächlich liegend. Zertifizierten Sehfrauen wird sichtbar, was hinter dem Lichtbildapparat so alles geschieht während einer Aufnahme.

        Der gefeudelte Boden dürfte hinreichend getrocknet sein für eine geradezu tiefliegende Zuneigung, Ihr Herr Ärmel (aus dem sonnigen Bembelland)

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  3. Das mit den Bapperln muss aber sehr lange her sein, vielleicht zu Zeiten eines VW Käfer o.ä., als das noch ein echtes Abenteuer war, denn ich habe die Großglockner Hochalpenstraße zweimal überquert und kein Bapperl bekommen.
    Oder musste man die in irgendwelchen Souvenirläden kaufen? *g*

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    • …zu unseren Kinderzeiten. Mein Vater hatte an seinem Opel P2 Coupé gar zwei Stück davon. Die musste man wahrscheinlich kaufen. Und ich könnte mir vorstellen, dass es derlei Andenken noch heute zu kaufen gibt. Die Stocknägel für wackere Wandersleut´ gibts ja auch noch 😉

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  4. Bewohnt scheint das Hotel Deutsches Haus ja zu sein. Ich rätsele, wie sich das Wort vom Kompensieren hier einfügt. Irgendwie schwebt mir vor, es habe mit dem zu tun, was Arabella mir sehr einleuchtend als Siegerpodest und Instandbesetzt assoziierte?

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    • Am ehesten eventuell in der psychologischen Definition der Kompensation vom Ersatz oder Ausgleich von real vorhandenen oder vermeintlichen Mängeln durch andere Fähigkeiten oder Fertigkeiten.
      Auf den ersten Blick mag das deutsche Haus so aussehen, wie es der Frau Myriade spontan eingefallen (oder aufgefallen?) ist. Ich hingegen sah zahlreiche metaphorische Anspielungen in einer ganzen Bandbreite darin. Einige habe ich weiter oben bereits angegeben.

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  5. Oh… Ein Suchbild. I love it. Und wie schön, da hab ich doch gleich den Song dazu und take my youth out of the Musical Box. Marillion – Cinderella Search. Welche Version hätten’s denn gern? Ok, nehmen wir die „Early Stages – Official Bootleg Box Set 1982-1987“ – (Live at the Hammersmith Odeon 14/12/84 – Disk 5 (mit dem überragenden Incubus)).
    Nun gut. Suchen wir mal, bevor ich die Komments reade.
    Also, let’s go on, ich sehe als erstes den Verfall und Flickschusterei, dahinter aber eine überzeugende Symmetrie, die der ganzen Sache Halt gibt, gleichzeitig so fundamental unbeweglich erscheint.
    Der Eyecatcher schlechthin ist dieser Blumenkastenbalkon, welcher einfach über dem Schriftzug der „Autogarage“ (welch ein fine word) hängt und das Ende des Autos wie wir es kennen bereits andeutet, nebenbei die Symmetrieachsen aufnimmt. Always der Zeit voraus. Der Sockel verfällt, das Fundament scheint in Ordnung, die Wände sind rissfrei. Das etwas verspielte Dach mit dem zarten Überstand steht im Kontrast zur massiven Fassade, die vielleicht nur Show ist, wer weiß was sich wirklich dahinter verbirgt? Where is Cinderella? Vorhanglose Fenster passen so gar nicht zu diesem Schutzwall, reißen aber die erforderlichen Löcher auf. Atmende Poren. Die Fassade zeigt Fake-Stützen, die aber nur ein Spiel in einer massiven Wand sein könnten. Aufgelockerte Spielerein wie in Scheinsichtmauerwerk eingefasste Türen und Fenster lassen nicht locker, die wahre Identität zu verbergen. But then, oh yeah, the Details, look better: Blumenkästen, alle gleich, könnten an den Urlaub erinnern, fehlen nur die getrockneten Tomaten. Sehr sehr großartig (make the house great again); der Zugang mit Schuhabstreifer, einem herrlichen Stuhl neben der Tür, auf der anderen Seite die Sitzbank, die nach noch unvollendeter Arbeit vor dem Hause aussieht (und mal ehrlich: vor dem Haus zu sitzen und zu quatschen, vielleicht etwas Haushalt machen, das ist das wahre gelebte Leben das wir erleben können, ganz entspannt). Die Milchkanne bepflanzt ( I flipp out), der Schrank mit Sonne und Wolke über dem Blumenfeld, das übergroße Herz, ich sach nur: let there be love. Ja ich würde die Menschen hier kennen lernen wollen. Say hello to you and to me. Das Haus ist Aschenputtel.
    „Welcome back to the circus“.

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    • Ein Suchbild mit Cinderella Search einzuleiten ist ein guter Tonbegleiter. (hier nur in der Version auf Real to Reel vorhanden)

      Ich schätze Ihre Kommentare über die Maassen… Herzlichen Dank auch für diese feinen Ausführungen.
      Was mir besonders gefällt, dass Sie auf die möglichen Bewohner dieses steinernen Gehäuse abheben, während mich spontan unser Land mit vielem drumunddran metaphorisch angesprungen hat.
      Dennoch kann ich Ihren Blicken und den daraus folgenden Gedanken und Gefühlen gut folgen.
      Entonces, vamos a tocar a la puerta y esperamos para conocer a la gente a dentro.
      Ein feines Wochenende gewünscht aus dem sonnigen Bembelland

      (Stan Webb´s Chicken Shack – Stan´s Blues (2012)

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      • Ich habe zu danken. Ich kommentiere und schreibe derzeit eher knapp bis wenig, und wenn, dann spontan und nur wenn mein Interesse geweckt wird. Sie schaffen das in aller Regelmäßigkeit, die tollen Bilder tun ihr Übriges. Und die hier gezeigte Fotografie ist auch wieder toll dargestellt, einfach nicht beliebig.
        Et quand ils ouvrent la porte, nous les accueillons avec gentillesse.
        (Crippled Black Phoenix / White Light Generator)

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        • Ihr Interesse wecken zu können, das freut mich natürlich. Ansonsten halte ich es wie Sie auch. Reduzierende Blogtätigkeiten, um der Hirnerweichung vorzubeugen. Wenig Fernsehen, wenig dritte Radioprogramme und folglich auch wenig virtuelle Scheinwelten… (Bloghausen gibt es noch weniger als Entenhausen 🙂 )

          (Siouxsie And The Banshees – Through The Looking Glass (1987))

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