Manchmal ganz einfach

Das Archiv erneut um hunderte Scheiben erleichtert. Die Klänge sind stumpf geworden. Erleichterung. Leichte Begleitmusik:
Bad News Reunion – The easiest Way (1980)…

Die kleine Reisegruppe ist paritätisch besetzt. Neu und alt oder auch Ost und West. Die Interessen sind auf zwei Haltepunkte der kleinen Reise fixiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im Mittelpunkt steht der Austausch über die jeweiligen Wahrnehmungen und Erkenntnisse. Mögliche neue Entdeckungen. Die gegenseitige Ergänzung des individuellen Wissens. Im guten Fall die solide Horizonterweiterung der Mitreisenden.

Zuerst eintauchen in die Welt der Geraden, der rechten Winkel und der damals neuen Materialien. Die Moderne, die wir heute die klassische Moderne zu nennen pflegen. Die planende und konstruierende Gedankenwelt. Kalt und zielgerichtet. Die Übernachtungen im ehemaligen Atelierhaus stilgerecht rekonstruiert. Die Räume sind auf den Zweck reduziert. Karg ohne Überflüssigkeiten. Schlicht und schön. Konzentrationsräume. Die Führungen sind sachlich, informativ und punktuell erfreulich humorvoll. Ich bin gerne offen für moderne Entwicklungen wenn dabei der Mensch mit seinen ursprünglichen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht. Das geschieht bedauerlicherweise immer seltener.
Beim Besuch der ehemaligen Meisterhäuser flackern zunächst unbestimmbare Emotionen In der Struktur unserer Gedanken auf. Meist bleiben unsere Gefühle im Spinnwust von Sympathie und Antipathie, Gefallen oder Nichtgefallen gefangen.
Vom Wohnzimmer Paul Klees hinaus in den Garten zu blicken. Die goldene Wandnische im Haus Wassily Kandinskys. Ist das Erhabenheit?  Interessant jedenfalls die Hinweise auf Mängel der Planung und Gestaltung. Noch deutlicher wahrzunehmen in der Siedlung Törten. Die Planer haben ihre ehrgeizigen Ziele häufig über die alltäglichen Lebensanforderungen der Arbeiter gestellt. Die Schattenseiten der l´art pour l´art. Nie zuvor stärker wahrnehmbar als in unserer Zeit.

Hunderte kilometerweite Fahrten durch die Dome alter Alleen. Die leichten Kurven der Landstrassen besänftigen die Gedankensphären der Reisenden. Quer durch den Fläming, die südöstliche Fortsetzung der Lüneburger Heide Richtung Nordosten. Die mässig hügelige, sanft gewellte Landschaft schafft die harmonisierende Gleichwertigkeit von Gedanken und Gefühlen. Wir sind auf dem Weg in die am dünnsten besiedelte Region Deutschlands. Wasserlandschaften. Endlos scheinende Wasserflächen, ewig in Bewegung. Fliessen, mäandern, unregelmässige Formen natürlicher Gestaltung. Logische Pläne, deren Wissen uns seit Jahrhunderten schon verloren gegangen ist. Gefühlswallungen statt lebendigem Wissen. Wie weit mögen wir die Fähigkeit, unsere Mitte zu bewahren, bereits verloren haben. Wir haben den Bogen weit gespannt. Zufriedenheit und Glück erfüllen das von alltäglichen Ablenkungen ermattete Gemüt.

Abends an einem Fluss sitzen. Eine Flasche Wein begleitet die Reflexionen, das nachwirkende Tagesgeschehen. Traumverwoben verschwimmt das Ufer in der Dämmerung. Fledermäuse stossen zackig in die Nacht.
Mit der aufgehenden Sonne am anderen Morgen wabern die Nebel über der Wasseroberfläche. Ein heisser Tee begleitet die Beobachtungen der sich stetig ändernden Lichter. Wie Wasser strömen wir dahin auf unseren Lebenswegen.
Ein anderes sind die Orte, die wir streiften und nicht besuchten. Sie sind aufbewahrt in Wünschen für kommende Reisen. Die vielen Begegnungen mit den Menschen wirken nach und werden sich vielleicht erzählen lassen zu ihrer Zeit.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein sonniges Wochenende.

(Fotografie anklicken und alle Sinne öffnen…)

 

 

 

 

 

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26 Gedanken zu „Manchmal ganz einfach

  1. Schön, lieber Herr Ärmel, wie Sie den Zauber Ihrer Reise in die unbekannten Tiefen des eigenen Landes beschreiben und mit uns teilen … speziellen Dank für das dritte Bild, betrete es gerne und taste mich an seiner Zeit- und Raumachse entlang …
    Liebe Grüße aus der überhitzten Bergregion!

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    • Wer in überhitzten Bergregionen sein Dasein fristet, für den sind klare Zeit- und Raumachsen die reinste Erholung.
      Erholenen Sie sich, liebe Frau Graugans, derweil erfreue ich mich an Ihrem Kompliment. Vielen Dank und schöne Grüsse aus dem Bembelland . . .

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  2. Lieber Herr Ärmel, gerne bin ich mit Ihnen gereist und denke, ja, jeder Landstrich hat eine eigene Geschichte, hat eigene Formen, manches mag man, anderes weniger … Ihre Bilder habe ich sher gerne betrachtet, hier die Strenge der Bauhausarchitektur, dort all die Weichheit des Fließens und Mäanderns…
    herzliche Abendgrüße vom neuen Berg
    Ulli

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  3. Ein Text, der einen großen Bogen spannt und herbeizaubert, was Sie zu Recht als bedroht erleben : „Wie weit mögen wir die Fähigkeit, unsere Mitte zu bewahren, bereits verloren haben“! Ich konnte diesmal Ihrem Gedankengang in seinen harten Blitzen und seinem Mäandern folgen und fühlte mich gut geführt. Konnte schließlich dem wechselnden Licht über der einsamen Landschaft lauschen und mein Blut im Rhythmus des Wassers fließen fühlen, ausatmend. Danke für diese Reise.

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  4. Tief eintauchen kann man in Ihren kurzen, aber intensiven Reisebericht, lieber Herr Ärmel. Die Worte aufnehmen, die Sätze umblättern wie die Seiten eines besonders gelungenen Exkursionskataloges. Dann in die Bilder einlassen, in Ecken spähen, Perspektiven ausloten und Strukturen einpupillieren. Die unterschiedlicher nicht sein könnten und denen doch eine immergleiche Magie innewohnt: Die eines Sehenden.

    So schließe ich mich dem Dank an und bevorfreude mich auf kommende Pupillenpralines, Ihre Frau Knobloch, auch gedankenmäandernd und zehenfeinstbesandet haltsuchend zugeneigt.

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    • Meine liebe Frau Knobloch, Ihr wunderfeiner Kommentar zielt haarscharf an einer Schnappatmung vorbei. Zehenfeinstbesandet – ich stells mir gerade vor. Aber nicht so ganz genau hinsehend, sicherheitshalber…
      Die allerherzlichsten Spätsommergrüsse aus dem magischen Bembelland sendet Ihnen, Ihr Herr Ärmel, (auch mit Schüppchen, Eimerchen und Sandbesen allersehrst zugeneigt)

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      • Mit dem Schüppchen schaufele ich Zehenkusssand in das Wohlgefühlseimerchen und mit dem Sandbesen fege ich zarte Zuneigungswogen in der Liebstromflüssebögen ~~~~~~~~~~~~~~

        Allerherzlichste Vorfeierabendgrüße retoure, stets die Ihre, ob an Flüssen oder unter Bäumen abersowasvonzugetan.

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          • Ich wünsche Ihnen Starkzartarme, die Sie umfangen mögen und frauhollige Fleißhände, die schon die Kisselchen aufschüttelten, um Ihre Verplumpsung pöterig zu dämpfen. Sodann ein Leisfeinstimmchen, das seelige Träume Ihnen verflüstert und dunkle Schatten behutsam verhuscht. Und für das morgendämmerige Erwachen hinterlege ich einen wohlfeinen Gedanken: Ein weiterer reicher Tag, der mit einem innigen Lächeln beginnt ~~~~~~~~

            Alles Liebe, Ihre Frau Knobloch, auch zehenspitzhuschend und pssssststimmig zugeneigt.

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            • Sie schaffen mich, meine liebe Frau Knobloch. Ihre Feinstzugeneigten Wünsche nehme ich glatt an.
              Ganz herzlichen Dank dafür. Und ja, ich bin mit einem innigen Lächeln erwacht. Auch Ihnen wünsche ich nichts weniger. Für später wenn Sie erwachen werden und überhaupt einen bomfortiösfamosen Tag.
              Ihr Herr Ärmel (auch frühestmorgendämmerig zugeneigt, aber sowas von)

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              • So tippe ich denn einen fingerkuppigen Morgengruß in den lächelnden Mundwinkel, linksseits, da wo ein wundervolles Lachgrübchen sich wölbt. Mein Erwachen war von Vorfreude erfüllt und die nehme ich nun mit den Tag.

                Ihnen ebensolche Morgengrüße, Ihre Frau Knobloch, auch lakenverwuschelt und blinzeläugig zugeneigt.

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                • Wie wärs gar mit einer pudrigen Halsbeugenbeschau? Meine allerliebste Frau Knobloch, Weitausdemfensterlehnungen scheinen Ihre liebste Sportart zu sein. Ich brauche jetzt erstmal eine Beruhigungsgümmnasstick. Das werden Sie verstehen.
                  Ebenso vorfreudig der Dinge entgegenharrend, die da auf mich zukommen werden, sende ich Ihnen dehnungsgeübte Zuneigungsgrüsse, Ihr Herr Ärmel (undlinkszwodreiundlinkszwodrei)

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                  • Für dieses subkutan wellig machende Ansinnen spannen sich sogleich die Rundschultern, der Rücken begradigt sich anlehnbereit und das Antlitz streckt sich dem Schauer entgegen ~~~~~~~~~~~~~~~~~

                    Zukommende Grüße aus dem gardinenlosen Lipperlandien, die Ihre, auch dehnungslieblich zugetan.

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  5. Ich habe es gerade mit den grafischen Bildern und diese gefallen mir sehr. Was für ein Glück, dass Sie vor Kirchendächern oder -türmen ? nicht zurückschrecken. Was tut man nicht alles für ein interessantes Foto und dieses finde ich äußerst gelungen ….

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  6. Mit tiefer Verbeugung vor Ihrem Wissen, mit herzlichem Dank an den Menschen in Ihnen, verabschiede ich mich heute von Ihrem Blog, werter Herr Ärmel.
    Sie sind und waren mir eine Bereicherung.
    Ute

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  7. Zu erspüren Ihre Sympathie für Nichtallerweltsgegenden in östlichen Gefilden.
    „Spinnwust“ ein Seltenheitswort.
    In meiner Spinnwurst (ich werde albern) möchte ich Vergleiche ziehen. Wer strömt genüsslicher, gemütlicher auf den Wassern seiner Lebenswege dahin, der mit dem deutlich frischkernigen Wissen oder der mit den Gefühlswallungen?
    Ach, und ach, als wüsste ich nicht, was Sie meinen. So mänandre ich noch und wieder in den hervorragenden Bebilderungen mit Argusaugen und grüße aus der Gegend der Frühträubchenlese

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    • Frühträubchenlese klingt prima. Wie überhaupt Ihr ganzer Kommentar.
      Wer vermöchte mit Sicherheit zu sagen, wer genüsslicher oder gemütlicher dahinschwimmt. Ich glaube, eine entspannte Ruhe erlebt derjenige, bei dem Wissen und Fühlen im harmonischen Gleichklang sich ergänzen.
      Dämmerungsgruss von ruhigliegenden Fähre

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  8. Auf dem Satteldach nach vorn robben, das wär`s doch mal!
    Abstrakte Bilder, Naturfotografien, Architektur – was ist aus Ihren famosen Storchnestern geworden, in welchen Gewässern waten Sie, nach Spiegelmotiven haschend- es gibt so herrliche Lebensdinge, man liest es ja in Ihren Parlierkommentaren mit gewisser, recht ungezähmter Dame!
    Weiter so –
    mit Weinbergswindraschelgrüßen

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    • Zufall – gibts den oder nicht: gerade gestern stand ich unter dem von Ihnen erwähnten Storchennest. Es ist längst leer. Darunter am Rand des Brennesselsockels fand ich noch eine letzte schwarze Feder.
      Manche Projekte, wie die Beobachtung jenes Storchennestes, dauern einige Monate. Die Wasserspiegelungen andererseits sind ein work in progress, welches sich nun schon seit fünf Jahren entwickelt.
      In diesem Sinne also ganz bestimmt: weiter so! Gewisse, recht ungezähmte Damen hingegen sind mir unbekannt, sodass mir Ihre kryptische Anspielung im Dunkel der ausgehenden Nacht entschwindet.
      Frühmorgendliche Grüsse von der erwachenden Fähre.

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