Längst fällige historische Horizonterweiterung

Beim Schreiben lief: The Doors – In Concert (1970). Einige Stücke ziehen noch immer. Aber insgesamt ist die Band überbewertet, besonders Morrisons Texte. Jetzt, damit die Abendruhe einkehrt: Michael W.F. Hensel – Chartres. Mythos der Rose (1992)…

In Hessen werden laut einer Umfrage des Einzelhandelverbands in den nächsten zwei Wochen 8,4 Milliarden Euro für den Kauf von Weihnachtsgeschenken erwartet. An erster Stelle stehen Spielwaren, gefolgt von chemokosmetischen Artikeln. Für ihre Einkäufe geben die Kosumenten durchschnittlich fünfhundert Euros aus.
Letztes Jahr habe ich limitierte Kalender mit meinen Fotografien zum Verkauf angeboten. Im Sinn des Reduktionsprojektes soll es in diesem Jahr jedoch auch anders gehen.
Etliche Bücher, CDS und DVDs sind derzeit unterwegs im Land. Überraschungssendungen für Menschen, von denen ich einige persönlich kenne. Andere kenne ich lediglich wegen der Beiträge ihrer Blogs. Meine Intention ist dabei nicht der Tausch von Waren gegen Geld, sondern die Schaffung (hoffentlich) beiderseitiger Freude. Ich habe einige Informationen über die Empfänger und überlege mir, was ihnen eventuell Freude bereiten könnte. Und meine Freude erblüht von selbst durch die Reduktion meiner Bestände.*
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Eine der positiven Folgen meiner Erziehung zeigt sich darin, dass ich seit meiner Jugend einfachen Antworten auf komplexe Prozesse gegenüber kritisch bin. Komplexe Prozesse haben schliesslich immer mehrere Facetten. Insofern habe ich auf das im Folgenden vorzustellende Buch seit vielen Jahren schon gewartet.

Die Autorin ist Historikerin und lehrt an der Universität Konstanz Neue und Neueste Geschichte. Ihr Anliegen ist die Korrektur weitverbreiteter historischer Irrtümer. Weiterhin stellt sie an zahlreichen Beispielen dar, wie es den Opfern, also überwiegend Frauen im Lauf der Nachkriegsgeschichte bis teilweise in die 1980er Jahre mit den Folgen ihrer Erlebnisse ergangen ist.

In ihrer Untersuchung „Als die Soldaten kamen“ präsentiert die Autorin „das ganze Ausmaß einer menschlichen Tragödie […], die auch in Friedenszeiten noch lange nicht vorbei war.“ Das Buch ist nach einer Einführung in das Thema in fünf Kapitel aufgeteilt.
Im ersten Kapitel wird der zeitliche Rahmen der Geschehnisse umrissen. Die Opfergruppen werden beschrieben. Neu war mir dabei die sexuelle Gewalt gegen Männer (Vergewaltigung als Unterwerfungsritual). Das Kapitel beschliesst Miriam Gebhardt, indem sie ihre verwendeten Methoden vorstellt und dabei auf die Quellenlage verweist und die besondere Vorsicht, die im Umgang mit ihnen geboten ist. Was die Zeitzeuginnen betrifft, so sind die meisten Gesprächspartnerinnen inzwischen hoch betagte Frauen. Und in einigen Jahren wird es keine lebenden Opfer mehr geben. Auch dies einer der Gründe, diese grausamen Ereignisse neuerer Geschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Im zweiten Kapitel werden die einmarschierenden Armeen aus dem Osten und das Verhalten der Soldaten der Roten Armee dargestellt. Dies geschieht am Beispiel Berlins. Hier wird herausgearbeitet, wie die deutschen Frauen durch Goebbels Propaganda indoktriniert und auf die russischen Untermenschen „vorbereitet“ waren. Da im Verlauf des Krieges durch die immensen Verluste innerhalb der Roten Armee immer neue Soldaten gebraucht worden sind, kamen diese Soldaten immer weiter aus der östlichen UdSSR Osten. Es ist auffällig, dass in den Quellen die Soldaten dunklerer Hautfarbe und asiatisch erscheinendem Aussehen in der negativen Beschreibung der Frauen den schwarzen Soldaten der Alliierten Armeen sehr ähnlich sind.

Im dritten Kapitel werden die Vergewaltigungen der alliierten Armeen, also der Amerikaner, der Briten und der Franzosen am Beispiel Süddeutschlands dargestellt. Über Vergewaltigungen britischer Besatzungssoldaten existieren offensichtlich so gut wie keine Quellen. Das bedeutet leider nicht, dass diese Soldaten sich deutschen Frauen gegenüber menschlicher hätten als ihre alliierten Mitstreiter.
Es ist aufschlussreich, wie unterschiedlich die jeweiligen Armeevorschriften hinsichtlich der Problematik der Fraternisierung waren. Diese haben schon zu einem frühen Zeitpunkt den verschiedenen Entnazifizierungsvorstellungen der Besatzungsmächte entsprochen. Und beeinflussten auch das Verhalten der Soldaten gegenüber der deutschen Bevölkerung. Schon rasch nach der Landung in der Normandie begannen die Massenvergewaltigungen britischer und us-amerikanischer Soldaten an französischen Frauen. Man kann aus dem Text erkennen, dass auf dem Vormarsch der Armeen die Frauen als Gruppe insgesamt ständig grosser Gefahr ausgesetzt waren. Ob siebenjähriges Mädchen oder siebzigjährige Frau, alle waren potentiell gefährdet. Auf deutschem Boden einmarschiert, benahmen sich die französischen Soldaten dann genauso entmenscht wie die anderen Soldaten.

Im vierten Kapitel behandelt Frau Gebhardt die Frage, wie mit den Frauen umgegangen worden ist, die Opfer von Vergewaltigung(en) geworden sind. Es ist kaum verwunderlich, dass von seiten der Besatzungsarmeen kein Interesse bestand, jeden einzelnen Fall zu klären. Das war in vielen Fällen schon deshalb nicht möglich, da sich Soldaten gegenseitig Alibis gegeben haben. Anfangs hatten die deutschen Behörden, allen voran die deutsche Polizei oder Justiz auch garkeine Befugnisse gegen Besatzungssoldaten vorzugehen. Geradezu beschämend ist allerdings, wie nach 1954, also nach Aufhebung des Besatzungstatuts, die deutschen Behörden in ekelhafter Weise deutsche Frauen vielfach abgefertigt haben. Dies war besonders oft der Fall, wenn soziale Unterstützungen beantragt worden sind. Hervorzuheben sind in diesem Kontext auch die Kirchen und die Ärzte, die sich oft besonders widerwärtig verhalten haben, wenn es beispielsweise um den Abbruch unerwünschter Schwangerschaften infolge von Vergewaltigungen ging.

Im abschliessenden fünften Kapitel werden die langzeitigen Folgen dieser massiven Gewalttätigkeite für die betroffenen Frauen aufgezeigt. Kritisch wird auch die deutsche Frauenbewegung beleuchtet, die dem Thema der kollektiven Vergewaltigungen nie eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat.
Im Anhang finden sich Anmerkungen, Quellenhinweise und ein Orts- und Personenregister.

Ich bin der Autorin dankbar für die schwierige und mühselige Recherche nach Fakten und der diffizilen quelllenkritischen Arbeit. Sie räumt auf mit dem hartnäckigen Vorurteil, dass nur die Soldaten der Roten Armee deutschen Frauen Gewalt angetan und obendrei noch geplündert hätten. Wie hätte ein einfacher russsicher Soldat seine „Kriegsbeute“ denn bei dem Vormarsch auf Berlin transportieren sollen? Und in der DDR wurde von Anfang viel unternommen, um den Umgang der deutschen Bevölkerung mit der Besatzungsarmee zu verhindern.
Dass sich das Vorurteil gegen die russichen Soldaten so hartnäckig hält, hängt unter anderem damit zusammen, dass die Vertriebenenverbände damit schon früh eine ertragreiche Politik gemacht haben. Und die einzige frühe Untersuchung zum Thema der Vergewaltigung deutscher Frauen gab ein Vertriebenenverband in Auftrag. Überdies nutzte dieses, im Lauf der Zeit ins Absurde gesteigerte, Feindbild der regierenden CDU, die unter ihrem Kanzler Adenauer unbedingt ein westliches Bündnis, die Wiederbewaffnung und damit natürlich auch den eigenen Machterhalt anstrebte.
Dass us-amerikanische Soldaten ebenso wenig zimperlich waren (und sind) wie andere Militärpersonen auch, ist nicht verwunderlich. Erschreckt hat mich aber doch das Ausmass us-amerikanischer Gewalt an der gesamten deutschen Bevölkerung. Die Herrschenden in BRD und DDR waren sich gleich in ihren Lobgesängen auf ihre Befreier. Die tatsächlichen Befreier vom Joch des Naziregimes waren allerdings die Soldaten der Roten Armee, die Berlin zu Fall brachten. Mit geschätzen 20 Millionen Opfern trugen sie die Hauptlast der Toten insgesamt. Ein besonderer Fakt ist die Faszination, die us-amerikanische Soldaten auf Menschen in ihrer Besatzungszone ausübten. Schokolade, Kaugummi oder Zigaretten waren in jenen Zeiten materieller Kümmernis eine gewaltige Verführung. Und die oft beschriebene Lässigkeit der Boys tat ein Übriges. Nicht selten wurden einer deutschen Frau nach erfolgter Vergewaltigung einige Zigaretten auf den Tisch gelegt oder ein Täfelchen Schokolade. Als Entschädigung quasi. Aus diesem Umgang hatten es die Frauen besonders schwer, Klage zu erheben. Es muss den meisten von ihnen unterstellt worden sein, sich nicht genug gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr gesetzt zu haben.

„Als die Soldaten kamen“ von Miriam Gebhardt stand längere Zeit auf den Bestsellerlisten. Das liegt am Thema und eventuell auch daran, dass es gut lesbar geschrieben ist und nicht in trockenem Historikerdeutsch daherkommt. Die Besprechungen waren entsprechend durchweg  positiv, egal ob von Rezensenten oder Rezensentinnen.
Neben neuen Fakten ist mir vor allem eines wieder deutlich vor Augen geführt worden. Geschichtsschreibung ist die Deutungsmacht der Herrschenden. Die historische Vielfalt wird in diesem Sinn eingeengt für die Interessen einiger Weniger.
Weiterhin muss es immer wieder klar ausgesprochen werden, dass der Zweite Weltkrieg von Deutschland angefangen worden ist. Das Regime erhielt bei den beiden letzten freien Wahlen 1932 jeweils deutliche Mehrheiten durch die Stimmen der Wahlberechtigten. Schätzungsweise fünfundfünfzig Millionen Tote und zahllose Frauen, die massive Massenvergewaltigungen erleiden mussten (und teilweise nicht überlebten) als ein Teil unermesslichen Leids sind das Ergebnis dieser Wahlergebnisse.

Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs. München, Deutsche Verlags-Anstalt, 2015. 351S.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein erkenntnisfreudiges Wochenende.

* Wenn Sie auch gerne einen Umschlag mit einer Trouvaille aus den Ärmelsammelsurien zugesendet haben möchten, dann schreiben Sie mir gerne einige Zeilen dahingehend. Meine Mailadresse findet sich oben auf der Seite unter copyright. Sie machen mir eine Freude.

 

 

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35 Gedanken zu „Längst fällige historische Horizonterweiterung

  1. Vor der letzten freien Wahl 1933 kam es zu massiven Behinderungen des Wahlkampfes von der SPD und den Kommunisten. Die NSDAP verfehlte klar die absolute Mehrheit. Nach dem Verbot aller anderen Parteien kam es zu einer Diktatur über Deutschland und Hitler konnte seinen geplanten Krieg beginnen, der bei der vorletzten Wahl durch einen prozentualen Rückgang in weite Ferne gerückt war.

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    • Guten Abend und herzlich willkommen. Ich danke für Ihren Kommentar. Genau deshalb, weil ich persönlich die Wahlen im März 1933 nicht mehr als freie Wahlen bezeichnen würde, schrieb von den beiden 1932er Wahlen. Da erzielte die braune Partei im Juli 37,36% und musste anschliessend bei den Wahlen im November einen Verlust hinnehmen und kam dennoch als stärkste Partei auf 33,09% der Stimmen. Durch die auch von Ihnen erwähnten massiven Behinderungen (um das Mindeste zu sagen) stieg das Wahlergebnis im März 1933 auf 43,91%. Das alleine hat allerdings nicht ausgereicht, um einen Krieg zu beginnen. Das war allenfalls ein Parameter der Zustimmung der Bevölkerung zur Politik dieser Partei.
      Der Krieg wurde möglich durch massive Kredite der Deutschen Bank und der Dresdner Bank (s. O.M.G.U.S. Berichte). Und der Überfall auf Russland wurde überhaupt erst möglich durch die Treibstofflieferungen der Standard Oil (heute Esso), denn Deutschland hatte überhaupt nicht genügend eigene Ölreserven.
      Wenn man da anfängt die internationalen Verflechtungen zu untersuchen, da können einem kalte Schauer über den Rücken laufen.
      Schöne Grüsse,
      Herr Ärmel

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  2. Ein wichtiges Buch und eine gewichtige Empfehlung Ihrerseits, lieber Herr Ärmel. Ich habe schon kleine Einblicke in einzelne Kapitel genommen, manchmal ist die sachliche Wucht der berichteten Beispiele kaum zu ertragen. Und dennoch muß es gelesen werden. Deshalb empfinde ich Ihre letzten Zeilen betrefflich der 1932-er Wahlen als ganz besonders bedeutsam. So eingebettet in Ihre eigenen Gedanken, mit ebensolcher Sachlichkeit können solche Bücher gelesen werden. Und verstanden, hoffentlich.

    Ich danke Ihnen für diese Präsentation und freue mich dazu über Ihre diesjährige Verschenkaktion, mögen Ihre guten Gedanken bei den Bedachten Freude augenwärts zum Leuchten bringen.
    Von ganzem Herzen zugetan, Ihre Frau Knobloch.

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    • Ich danke Ihnen, meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch für Ihre lobenden Worte. Die bedeuten mir was. Das wissen Sie und deshalb frage ich Sie hier ganz offizielloffiziös an, ob Sie vielleicht auch…. ?? ach was, ich schick Ihnen einfach was. Oder so.
      Ihr Herr Ärmel (auch mit einem bereits geschlossenen Auge nicht minder zugeneigt)

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      • Mein liebstwerter Herr Ärmel,

        senden Sie mir wellentanzende Flippflitschsteine, beflügeln Sie mich mit Weichzartunterdaunen, gesammelt am großen Strome. Beflüstern Sie mich durch kleinste Muschelbewölbungen oder bepupillieren Sie mich mit Prinzessinnenbaumbeäugungen~~~~~~~~

        Oder schicken Sie einfach was. Oder so. Hauptsache verärmelt, dann passt das schon.
        Herzüberlaufende Grüße, Ihre Frau Knobloch, ausgleichsbalancierend zugeneigt.

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        • Höööhhh – ich laufeeilerenneflipp… da wird sich etwas wunderfeines für Sie, meine liebe Frau Knobloch, finden, des bin ich abersowas von gewiss.
          Flippflitschsteine und Weichzartunterdaunen vom grossen Strom sind nullo problemo.
          Beflüsterungen und Bepupillierungen hingegen setzte eine persönliche Begenung voraus.
          Nur eine klitzekleine Bitte habe ich dennoch an Sie, meine liebe Freundin. Der Postverkehr von Lummerland aus wird sich erst in einigen Tagen wieder regen. Das Postschiff ist bereits zugesagt, aber ob sich der Postzeppelin in den nächsten Tagen überhaupt nochmals in die Lüfte erheben wird…
          Ihre herzüberlaufenden Grüsse habe ich bereits spitzeneruptiv verärmelt bevor aufgeregte Schwitzigkeiten zu einem ebenso unerwünschten wie vermeidbaren Katharr führen können.
          Inzwischen grüsse ich Sie, meine Höchstwertgeschätzte, herzkammertief, Ihr Herr Ärmel (auch untertage in jeglichen Kammern allemal zugeneigt)

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  3. Geschichtsschreibung ist die Deutungsmacht der Herrschenden: wie wahr. Viele, viel zu viele Soldaten überall auf der Welt üben sexuelle Gewalt aus.
    Das Buch werde ich mir aber erst im neuen Jahr zulegen, es wäre jetzt zu schwere Kost.
    Mit Ihrer Verschenkidee haben Sie mir auch schon einmal eine unerwartete Freude gemacht und ich freue mich für alle neu Beschenkten mit.
    Ich wünsche Ihnen eine gemütliche freudenbringende Adventszeit, Karin lieber Herr Ärmel,

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    • Wenn man das Buch als das liest, was es vermitteln will, dann ist die Kost gut verdaulich. Wenn man aber, wie beispielsweise in einem Roman, einen Film vor dem inneren Auge anschaut… ach, das würde ich lieber sein lassen.
      Morgengruss von fremden Flüssen,
      Herr Ärmel

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  4. Herzlichen Dank für Ihre Besprechung und besonders für Ihre kleinen Zurechtrückungen am leider allzu propagandistisch aufgezäumten deutschen Geschichtsbild. Vielleicht wäre als Ergänzung und Korrektur des Bildes vom russischen Barbaren noch eine Geschichte der Vergewaltigung nicht-deutscher Frauen durch deutsche Armeeangehörige nötig. – Es ist aufschlussreich, finde ich, dass Wehrdienstverweigerer immer gefragt wurden: was würdest du tun, wenn ein Feind ins Haus eindringt und deine Frau, Tochter, Mutter vergewaltigt? Dies Motiv ist so alt wie die Menschheit und hat so ziemlich jeden Krieg legitimiert. Man griff angeblich vorbeugend an, um eben solches Unheil von den Frauen, Müttern Töchtern abzuwehren. Frühestes literarisches Zeugnis: Homers Iliada.

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      • Ja, des männlichen Gegners, dem sein Besitz geschmälert wird.
        By the way, lieber Herr Ärmel, hätten Sie auch für mich eine Trouvaille, oder ist der Postweg zu lang? Ich würde mich herzlich freuen, etwas von Ihnen in der Hand zu halten.

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  5. Als Jan Philipp Reemtsma die Gräuel der deutschen Wehrmacht zur Sprache brachte, wurde er als Nestbeschmutzer verachtet. Kriege und alles was damit zusammenhängt, nie kommt etwas Gutes dabei heraus. Beschädigt sind meist alle.

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    • Die von Reemtsma initiierte Ausstellung hatte unter anderem auch die Intention, die Gräuel zu zeigen, dass es keinen ehrenvollen Krieg gibt.

      Wenn die Rote Armee sich auf dem Vormarsch zu der Befreiung unserer Vorväter so aufgeführt hätte, wie die Deutsche Wehrmacht und SS in Russland, dann wäre von Ostpreussen bis Thüringen 95% platt gewesen. Bauwerke, Felder und natürlich auch die Menschen

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  6. Heute noch werden vergewaltigte Frauen gesteinigt, geschunden, geächtet, nicht etwa die Täter, alle wissen, wo das geschieht. Wird man als Frau über einen Tisch, eine Leiter oder auf den Boden geworfen und von spucketriefenden Monstern misshandelt, entschwindet für jede Frau das Wort „Liebe“ auf ewiglich (?). Das öffnet dunkle Seinslöcher, in die man bodenlos fällt. Egal, ob Krieg oder Lustbarkeitszeiten. Eine Frau hat etwas, das zerstört werden soll, das etwas mit Macht zu tun hat, für sich machtvoll fühlende unerträglich.
    Das Buch werde ich nicht lesen, es ließe mich für Zeiten verwundbar zurück, doch ich danke Ihnen für die diffizile und kundige Besprechung!
    Selbstverständlich ebenso für die kleine, liebevoll zugedachte Trouvaille!
    Gruß aus sanfter Kaltsonne

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  7. Wenn man so durch die Blogs blättert, nebenbei Musik hört (s.u.) und dann einen Beitrag wie diesen liest, kann man nur schwer durch weitere Belanglosigkeiten streifen.
    Ohne weitere Details zu kennen, müssen wir annehmen, dass diese Taten nicht nur ein Teil der Vergangenheit vielleicht jeder Kultur waren, sondern heute noch vorkommen und auch in Zukunft zu erwarten sind, vielleicht mehr denn je. Alleine durch die steigende Weltbevölkerung, durch Unzufriedenheiten, weil das Wissen der ungerechten Verteilung nahezu gerecht verteilt sein wird.
    Und ja, wir sind die erste Generation, die unser Land erleben werden auch ohne Zeitzeugen dieser Geschichte. Gleichzeitig sind wir noch Opfer dieser Zeit (wir sprachend darüber). Man wird sehen.

    Peter Hammill / The silent corner and the empty stage (1974)

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    • A louse is not a home. Und selbst ein lofty, lonely, Lohengrenic castle in the clouds wird keinen Schutz bieten. Insofern haben Sie leider Recht mit Ihrer Vermutung hinsichtlich der zukünftig möglichen Gräueltaten. Wenn ich mir vorstelle, dass im bosnischen Krieg Mladics Soldaten als feindlich angesehene Männer gezwungen haben, sich gegenseitig zu vergewaltigen… Manchmal frage ich mich (und zunehmend), ob diese Animalisierung ein Ergebnis der Dekadenz der bürgerlichen Gesellschaft im Verbund mit unserem kranken Wirtschaftssystem sein könnte.

      (Karl Berbuer – Heidewizka Herr Kapitän / 1936)

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  8. Ich kann mir den Vorschreiber *innen letztlich nur anschliessen, diese Greueltaten waren zu jeder Zeit Fakt, wenn Kriegszeiten herrschten oder, wie Frau Wildgans hinzufügte, auch in Lustzeiten hier und heute und jetzt, sowie in anderen Ländern, in denen Frauen nichts wert sind. Ich will damit nicht sagen, dass dieses von Ihnen so vortrefflich vorgestellte Buch nicht wichtig wäre, ich will nur einmal wieder darauf hinweisen, dass es noch ein weiter Weg sein wird, bis Frauen weltweit als Menschen angesehen und respektiert werden.
    Mich machen derartige Tatsachen wütend und auch traurig, manchmal können sie mich sogar lähmen.

    Nochmals herzlichen Dank –

    Begeistert bin ich von Ihrer Art Freude zu schenken!!!
    Lieber Herr Ärmel, ich sende Ihnen einen herzlichen Gruss am Samstagabend,
    Ulli

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    • Mit Ihrem Argument hisichtlich der Frauen haben Sie natürlich Recht.
      Das Buch müsste von vielen Frauen gelesen werden. Vor dem letzten Krieg waren auch viele Frauen überaus euphorisch und einverstanden mit der Politik der Machthaber. So sind nicht wenige Frauen noch immer für Kriege zu begeistern. Sohnesproduktion für das Feld der Ehre ist nur ein Stichwort, das noch immer nichts von seiner grausamen Realität verloren hat.

      „Begeistert bin ich von Ihrer Art Freude zu schenken!!!“ – – aber geschrieben haben Sie mir nicht 😉

      Montagvormittagsgruss,
      Herr Ärmel

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      • Vielleicht darf ich mich hier gleich noch mal reinhängen. Ich nahm vor Jahren an archetypischen Aufstellungen teil, und so machten wir auch mal eine mit Repräsentanten für „Krieg“, „Frieden“ und „Krieger“. Da zeigte sich folgendes: Der Krieger (gr. polemistis) war ein Sohn von Krieg (polemos, mannlich) und Frieden (Eirini, weiblich). „Frieden“ war entsetzt über die Taten des Sohnes und wendete sich angewidert ab. Der Sohn aber schrie verzweifelt: Für dich habe ich es getan, Mutter! Du hast mir den Auftrag gegeben! und jetzt wendest du dich ab von mir ….
        Ich meine, so ist es: die Söhne – Archetyp jugendlicher Held – meinen, für ihre Mütter in den Kampf zu ziehen. Und sie kämpfen, um den Frieden zu sichern. Es gibt keine Kriegspropaganda, die nicht diese Elemente enthält. In der Anti-Kriegs-Ikonografie ist es dann oft eine trauernde Mutter, die ihren toten Sohn auf den Knien hält (Archetyp Pieta). LG

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      • Ich stimme zu!!!
        – – aber geschrieben haben Sie mir nicht 😉 – ich habe mich nicht getraut … aber nun fühle ich mich ermutigt. Herzlichen Dank, Herr Ärmel, Sie sehen mich leise lächeln…
        herzlichst,
        Ulli, aus der Bonner Gegend, gerade eben…

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  9. Und wieder mal so einer dieser intensiven Texte, bei denen ich einen trockenen Hals bekomme … Und so wertvoll und wichtig dieses Buch auch ist … ich glaube, ich werde es nicht nicht lesen können … das geht mi dann doch zu nahe … was meine Geschlechtsgenossen aller nur möglicher Nationalitäten in allen nur denkbaren Kriegen an sexueller Gewalt verbrochen haben. Wegducken nennt man das wohl …

    Interessant wäre dann noch der Aspekt, wie sich die deutschen Soldaten diesbezüglich verhalten haben … ich vermute mal … keinen Deut besser. Spontan fällt mir nur ein, dass es in vielen KZ´s auch so ne Art Zwangsprostitution gab … für all die Aufseher & Co.

    Verwundert hat mich, dass die Frauenewegung sich da nicht positioniert hat … ich bilde mir ein, mich zu erinnern, dass meine ersten Informationen zu diesem Thema aus dieser Ecke kamen (evtl. sogar in einem Artikel der Zeitschrift „Emma“)

    Aber für die ausführliche Präsentation des Buches bedanke ich mich sehr … macht sie einem doch wieder mal deutlich, was männliche Gewaltphantasien bis heute für ein Leid über Frauen und Kinder bringen … da ist eigentlich nur noch Fremdschämen angezeigt.

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    • Zu Ihrem zweiten Absatz, habe ich weiter oben geschrieben. Und weil man nicht oft genug darauf hinweisen kann, hier nochmals der Wortlaut: „Wenn die Rote Armee sich auf dem Vormarsch zu der Befreiung unserer Vorväter so aufgeführt hätte, wie die Deutsche Wehrmacht und SS in Russland, dann wäre von Ostpreussen bis Thüringen 95% platt gewesen. Bauwerke, Felder und natürlich auch die Menschen.“
      Von etwa 5000 Kommunen in Weissrussland blieben nach dem deutschen Vormarsch und Rückmarsch noch 300 übrig. Verbrannte Erde war die Parole von Wehrmacht und Waffen-SS.

      Dem Umgang der deutschen Frauenbewegung mit diesem historischen Thema widmet Miriam Gebhardt viele Fakten und Gedanken. Interessant ist in einem anderen Kontext das Verhältnis von Miriam Gebhardt zu dem, was man in Deutschland für Feminismus hält.
      http://www.youtube.com/watch?v=IRoZgsLJwb4

      Die Präsentation des Buches war mir ein Anliegen. Leider sind von den Massenvergewaltigungen inzwischen auch zunehmend Männer betroffen.

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  10. Morrisons Lyrics waren tatsächlich überbewertet, aber er hat ein paar griffige Songtexte hingekriegt, die bis heute zählen: Let’s swim to the moon, let’s climb through the Tide, penetrate the evenin‘ that the city sleeps to hide.. Let’s swim out tonight, love, it’s our turn to try, parked beside the ocean on our moonlight drive …

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    • Guten Abend
      Natürlich hat der Jim Morrison nicht nur Schrott geschrieben. Das wollte ich auch garnicht sagen. Obwohl, ich hatte da mal den Gedichtband „The Lord and the new Creatures“, der war bei Zweitausendeins erschienen. Anfangs suchte ich noch die kryptischen Botschaften, aber es kam mir zunehmend beim Lesen vor, als sei das meiste im Vollrausch oder im Besessensein zusammengedösselt worden.

      Gleich nochmal Ihrem Hinweis folgend den Moonlight Drive anhören.

      Schöne Grüsse aus dem Bembelland,
      Herr Ärmel

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  11. Überbewertet? ÜBERBEWERTET? o0 This is the end, beautiful friend.. aber das Stück wär selbst dann geil wenn er nur lalala singen würde 😀

    Bei Deinem Buchtipp halte ich mich lieber zurück, es gibt schon genug aktuelles Elend das mich aufregt und ich weiß, dass das vergangene Elend noch viel schlimmer war.
    Wichtig sind solche Bücher natürlich, extrem wichtig, weil es nur noch wenig Zeitzeugen gibt. Ich fürchte nur, dass diese Bücher selten von den Leute gelesen werden, die es am nötigsten hätten. Und wenn, würden sie wieder die falschen Schlüsse ziehen.

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    • Was The End betrifft, stimme ich dir gerne zu. Obwohl… der Text… lala lala la lala la la la … Stimmt, es passt 😉

      Klar, solche Bücher lesen immer „die Falschen“. Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Eine oder die Andere…

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