Es ist soweit, dass es wieder soweit ist

Turbulente Winterendzeiten. Stürmisch genug wars ja in den letzten Tagen. Vielleicht deshalb wechseln sich hier zwei sehr unterschiedliche Musikalartisten ab in den Lautsprecherboxen: Erja Lyytinen – Stolen Hearts (2017) und Hannes Wader – Kleines Testament (1976)…

Es stimmt, ich schreibe weniger. Die Erklärungen sind ebenso einfach wie schlicht.
Die schönen Erlebnisse teile ich gerne mündlich mit und die alltäglichen sind hier kaum angemessen zu veröffentlichen. Weil ich gegen die politische Korrektheit verstossen würde mit dem, was ich verbreiten möchte. Und die darauf einsetzenden Reaktionen (die ich im kleinen Ausbrüchen bereits erleben durfte) möchte ich mir und den (politisch korrekt sich geben wollenden) Reaktoren und Reakteusen ersparen.
Diese sogenannte politische Korrektheit ist meiner Meinung nach ein ebenso brachiales wie primitives Machtinstrument. Ein Zensur- und Kommunikationstotschlaginstrument. Kommt scheinbar harmlos daher, verkleidet als Menschlichkeit und dient denen, die über die entsprechende Bezeichnungsmacht verfügen, lediglich zur persönlichen Vorteilsnahme.
Damals wurde der Begriff noch nicht verwendet. Aber der kleine (leicht hinkende) Mann im Ledermantel und den zurückgekämmten Haaren, der würde diesen Begriff heutzutage virtuos handhaben.
Meiner Beobachtung und Überzeugung nach ist die seit einigen Jahren propagierte politische Korrektheit lediglich die perfide schleichende Vorbereitung zu einem Faschimus durch die Hintertür. Auf diese Weise kann man inzwischen wieder Menschen kaltstellen, die ihre Meinung frei äussern.
Die „politisch Korrekten“, die ich in den letzten Jahren persönlich kennenlernen und zeitweise ertragen musste, waren im Grunde meist unglückliche Menschen. Kleinbürger der übleren Sorte. Hinterhältig auf der Suche nach Macht, Geld oder Liebe. Und dies je nach Mangel und Befinden in allen möglichen Kombinationen.
Dennoch erkennbar immer irgendwie auf dem Weg dorthin, wo das Unglück schon auf sie wartet. Aber wenn die entsprechenden Themen zur Sprache kommen, flackert es irre in ihren Augen. Und der ätzende Dunst ihrer kleinlichen Machtgelüste wabert durch den Raum.
Dass ich so falsch nicht liege mit meiner Einschätzung, zeigt sich an den Erfolgen einer Partei, die bis auf die geschäftstüchtigen Führer keiner mag, ausser ihren Wählern versteht sich. Dass es den Führern dieser Partei um ihre eigenen Geschäfte geht, ist den Wählern dabei egal. Sie kommen ihre eigene Schau.
Mir ist all das nicht gleichgültig. Denn ich sehe, dass die Wähler unter anderem dadurch angelockt werden, weil die Führer dieser Partei fast täglich gegen politische Korrektheiten verstossen. Das gefällt vielen Menschen. Denn es wird ihnen aus den Herzen gesprochen. So sehr leider, dass der Kopf einschläft dabei.
Ich würde auch öfter gerne gegen so manche politische Korrektheit verstossen. Aber ich möchte weder mit den Führern dieser Partei noch mit denen, die sie wählen verwechselt oder gar in einen Topf geworfen werden. Ich jammere nicht, den diesbezüglichen verbalen Maulkorb habe ich mir selbst angeschnallt.
Aber zu meinem ganz grossen Glück gehört eben auch, dass ich mehr Zeit mit persönlichen Gesprächen verbringe. Und da gibt es keine Maulkörbe. Die Themen werden sachlich und fundiert besprochen und diskutiert.

Gerade singt Hannes Wader wieder. Das war eine Freude seinerzeit, als der Tankerkönig auf dem Kleinen Testament eine Fortsetzung fand. Der Putsch (Tankerkönig Teil 2). Daraus stammt die folgende Pasage. Ein zweiundvierzigjähriger Zeitsprung – es ist wieder soweit.

„Der Mann war klein, mager, mit zurückgekämmten Haaren und trug einen dunklen Ledermantel. Wie er da so stand, schien er mir irgendwie unvollständig, wie verkrüppelt –
Bis ich darauf kam, dass der Typ Mensch niemals ohne Schäferhund bei Fuß und Hundepeitsche in der Hand vorkommt.
Und richtig! – Der Mann pfiff leise durch die Zähne, da kroch auch schon ein riesiger Schäferhund unter dem Sofa vor, mit einer Hundepeitsche zwischen den Zähnen.
Das Hinterteil eingeknickt wie bei einer Hyäne, rutsche er winselnd auf dem Boden entlang und legte seinem Herrchen die Peitsche  vor die Füße. Und schon begann die Vorstellung! […]
Indem er eine Schallplatte auflegte, erklärte er, der Hund würde uns nun etwas vorsingen. Schon nach den ersten Takten wurde die Melodie von allen erkannt – Es war die Internationale!
Es wurde scharf protestiert, so einen Dreck wolle man hier nicht hören und ähnliches.
Aber der Hundeführer beruhigte die Leute und sagte, sie möchten doch bitte auf den Hund achten.
Das arme Vieh hatte gleich als es den ersten Ton hörte, versucht sich zu verkriechen, klebte aber wie festgefroren am Boden, zitterte am ganzen Leibe, fletschte die Zähne und röchelte nur. Dabei tropfte ihm der Geifer von den Lefzen.
Mit blutunterlaufenen Augen starrte der Hund wie wahnsinnig vor Angst und Hass auf den Plattenspieler.
Dann – als ich dachte, er müsste gleich ersticken vor Entsetzen – hob er plötzlich den Kopf und fing an zu singen. . .
Das heißt, sein ersticktes Röcheln löste sich plötzlich in erbärmlichen Jaultönen. Die Wirkung auf die Zuschauer war gespenstisch!
Wie hypnotisiert glotzten alle auf den Hund. Ich sah, wie sich bei einigen die Nackenhaare sträubten, manche knurrten richtig, verdrehten die Augen, legten die Ohren an und jaulten dann mit gespitzten Mündern gemeinsam mit dem Hund gegen die verhasste Musik an, bis die Platte endlich abgespielt war.
Vollkommen  erschöpft und tief ergriffen soffen sie alle bis zum Morgengrauen weiter und verließen das Haus laut grölend wieder durch das Kellerfenster – obwohl inzwischen jemand die Haustür ausgehängt hatte!
Ich war nun wieder allein mit dem Chef.
Er war äußerst zufrieden mit allem und sagte zu mir: „Hast du die Nummer mit dem Hund gesehen, du Ratte? Sowas nenne ich angewandte Politik!“
Ich fragte, „wieso  angewandte Politik?“
„Na, ganz einfach“, meinte er, „Der Hundeführer quält den Hund mit Elektroschocks und lässt gleichzeitig die Platte laufen. Also richtet der Hund seine ganze Wut gegen die Musik.
Der Hundeführer tritt nur in Erscheinung, um den Hund wieder von seiner Folter zu erlösen, und der leckt ihm auch noch aus Dankbarkeit die Füße! Ich sage Dir, die Menschen sind genau so dämlich wie dieser Köter.
Denk an meine Worte, wenn wir erst an der Macht sind!“             (aus : Hannes Wader – Der Putsch [Tankerkönig II] 1976)

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein erfreuliches Wochenende.

(Fotografien passend zum Text. Und zum Anklicken zum Grossgugge)

 

 

 

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17 Gedanken zu „Es ist soweit, dass es wieder soweit ist

    • Für diese Menschen wars meiner Meinung schon immer um einiges schwerer. Dafür haben sie sich auf ihren Wegen weiterentwickelt.
      Und ein kosmisches Gesetz besagt, dass alles seinen Preis hat. Also Geben und Nehmen als eines der Grundprinzipien der Dualität.
      Gruss von hin&herfahrenden Fähre

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  1. Leider allzu wahr. Das ist nun wirklich alarmierend, dass man schon wieder nur noch in persönlichen Gesprächen die eigene Meinung zu einer Reihe von Geschehnissen und politischen Reaktionen vorbringen mag, weil man natürlich nicht in die rechte Ecke gestellt werden möchte, in die man auch keineswegs gehört, weil man von den militanten Verfechtern „politischer Korrektheit“ keins übergebraten bekommen möchte und weil man auch wahrlich kein Wasser auf rechtspopulistische Mühlen gießen will. – Man kann gar nicht so viel fressen, …

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    • Ich danke Ihnen für den verlinkten Hinweis. Ein Sturzbach auf mein Mühlrad quasi.

      Die es immer gut meinen, sind am Ende die Menschen, denen es vorrangig um ihre eigenen Interessen geht.
      Statt „ich meine es doch nur gut“ zu sagen wäre es besser zu fragen : Was tut dir gut / was brauchst du?“

      Ihr letzter Satz überzeugt mich!

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  2. In Anwesenheit von Eva Glawischnig, der ehemaligen langjährigen Chefin der österreichischen Grünen durften manche Wörter nicht gebraucht werden, weil sie sonst reflexartig den immer gleichen heiligen Diskurs abspielte. Vor ein paar Tagen ist sie bei Novomatic, einem besonders widerwärtigen Glücksspielkonzern eingestiegen und leitet dort die Stabstelle für Nachhaltigkeit. Wenn einem da nicht das Kotzen kommt ….

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    • Es sind halt immer diesselben Charaktere. Spätestens wenns ums Geld geht, kann man sie erkennen.
      Bei uns gabs einen grünen Fischer. Auch so eine Type. Ich kenne Leute, in deren WG er als Möchtegernstudent und Demostratege ein und aus ging. Und viel Interesse am dortigen Kühlschrank hatte. …

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  3. Mir geht es nun mal so, dass ich die meisten politischen Diskussionen nicht mehr so recht verstehe. Ich hoffe, das ist net allzusehr out of topic.

    Ich gedenke hiermit des Herrn Steinhilber. Ein Mensch, der hat sich als Rentner einen Riesen Diesel gekauft. Und der kommt im TV. Bei der Anne Will. Und der jammert darüber, dass er nicht mehr mit seiner Karre nach Stuttgart in die Stadt fahren darf, weil alldieweil Fahrverbote drohen.

    Was will der mit dem Auto in Stuttgart ? Wo will der denn da parken ?

    Was muss denn der für eine Chuzpe haben, sich über ein dermassen grosses Leid zu beklagen, dass er einen bescheuerten Diesel hat, während in Ländern wie Syrien die Leute megafroh wären. ganz genau diese Sorgen zu haben.

    Er muss in die Stadt. Ist das nicht unglaublich. Hat er den keine Beine mehr oder scheut er sich, den imho guten Nahverkehr zu benutzen.

    Nein, er muss mit seiner Karre in die Stadt.

    Das ist krank, sehr krank!

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    • Das Beispiel des lamentierenden Alten ist ebenso symptomatisch kleinbürgerlich wie ganz speziell Deutsch.

      Ich finde mich allenfalls noch zum Informations- und Gedankenaustausch bereit – genaugenommen eigentlich um sich zu fragen, „was dahintersteckt“. Das hält jung und den Widerspruchsgeist auf Trab.
      Zu ändern ist längst fast nichts mehr. Die Mehrheit will Spass und dass die anderen Schulddran sind, wenns nicht so läuft, wie mans gerne hätte.

      Also gilts, die Wenigen (the chosen few) zu finden, denen Denken und konsequentes Handeln noch Freude bereitet. Mit denen lässts sich dann angenehm auskommen…

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  4. Man möge doch bitte auf den Hund achten.
    Die Drillfoltersequenz aus Ihrem Artikel beschäftigt mich nachhaltig. Manipulation ohne Ende. Übel. Schlimm.
    Hierüber zu denken bereitet kaum Freude, wie könnte es auch.
    Manchmal kann das Nachdenken einen geradezu umwerfen. Umwerfend Herzrasen verursachend.
    Aber nicht doch! Es ist eh nix mehr zu ändern, meinte Gretchen Dutschke und weigerte sich, ihre Parfumsorte zu benennen.
    Menschenskinder, gedankenlenkend schlendere ich zu den gärenden Kompostholzmorschcontainern.
    Nachdenkliche Grüße

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