Immer wieder dienstags : Fragen und Antworten

Knackige Musik und feine Texte : Broilers – [sic!] (2017)…

In meiner Blogverfolgerliste bemerke ich zunehmend Blogs, die gelöscht worden sind. Die mildere Variante sind offensichtlich die Blogs, die nur noch auf Einladung bzw. Freischaltung des Blogbetreibers besucht werden können. Ich frage mich, inwiefern das mit der aktualisierten Datzenschutzverordnung zusammenhängen könnte.
Vielleicht sollte ich gerade aus diesem Grund ein bisschen persönlicher werden. In dieser weitgehend unpersönlichen Blogwelt. Und die nachstehenden Fragen sind mir eine Reflektion wert.
Im Zeitmagazin, einer Beilage der Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde regelmässig ein Fragebogen von einer Person des öffentlichen Lebens beantwortet. Dieser Fragebogen geht angeblich auf Marcel Proust zurück und ist im Laufe der Jahrzehnte schon von vielen Menschen – prominent oder nicht – beantwortet worden.
 
Was ist für Sie das größte Unglück? – Die Verbindung von bürgerlicher Gesellschaft und kapitalistischer Wirtschaftsweise.

Wo möchten Sie leben? – Wo man Natur und Menschen begegnen kann, ohne ständige Habachtstellung.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? – Darüber dachte ich als junger Mensch nach. Heute lebe ich glücklich.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? – Das hängt von den Folgen des Fehlers ab.
Ihre liebsten Romanhelden? – Von denen ich etwas für mein Leben lernen konnte: Wolf Larsen beispielsweise.
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? – Francesco Datini.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? – Realen Heldinnen und Helden haftet eine gewisse Tragik an.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? – Gesine Cresspahl, Clarissa Lichtblau, Emma Bovary.
Ihr Lieblingsmaler? – Die Lieblingsmaler wechseln mit meinen Stimmungen.
Ihr Lieblingskomponist? – Die Lieblingskomponisten wechseln mit meinen Stimmungen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? – Selbsterkenntnis und autonome Handhabe der Temperamente.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? – Selbsterkenntnis und autonome Handhabe der Temperamente.
Ihre Lieblingstugend? – Lebensfreude.
Ihre Lieblingsbeschäftigung? – Leben und wahrnehmen.
Wer oder was hätten Sie sein mögen? – Niemand anders, als nur ich selbst, das reicht allemal.
Ihr Hauptcharakterzug? – Konsequenz.
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? – Dass ich ihr Freund sein darf.
Ihr größter Fehler? – Gutgläubigkeit.
Ihr Traum vom Glück? – Das Leben hat mich reich beschenkt. Ich lebe im Glück und träume nicht davon.
Was wäre für Sie das größte Unglück? – Wenn meinen herzensinnigsten Menschen ein Unglück widerfahren würde.
Was möchten Sie sein? – Klug und humorvoll.
Ihre Lieblingsfarbe? – Die wechseln mit meinen Stimmungen.
Ihre Lieblingsblume? – Ich mag keiner den Vorzug geben.
Ihr Lieblingsvogel? – Ich habe keinen Lieblingsvogel.
Ihr Lieblingsschriftsteller? – Zur Zeit keinen.
Ihr Lieblingslyriker? – Changierend zwischen Brecht und Benn.
Ihre Helden in der Wirklichkeit? – Die Söhne alleinerziehender Mütter.
Ihre Heldinnen in der Geschichte? – Frauen, die dennoch ihre Wege gegangen sind.
Ihr Lieblingsnamen? – Diejenigen, die zu den Menschen passen, die sie tragen.
Was verabscheuen Sie am meisten? – Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen an Menschen und der Natur.
Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten? – Männer und Frauen, die Kriege auslös(t)en und ihre Helfer, die blinden Befehlsausführer.
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? – Keine.
Welche Reform bewundern Sie am meisten? – Ansätze der Reformpädagogik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? – Geistesgegenwart.
Wie möchten Sie sterben? – Überhaupt nicht.
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? – Fröhlich und klar.
Ihr Motto? – Suave in modo fortiter in re.  – – – – – – – – – – – –  .

Nachdenklich gestimmt hat mich die folgende Erkenntnis von einem, der es wissen muss. „In Amerika kann man alt werden, ohne erwachsen werden zu müssen.“ (Thomas Gottschalk im SWR Nachtcafé am 15. Oktober 2004). Ich nehme an, dass er aus diesem Grund ebendort lebt.
 
(Einige neuere Photographien)
 

 

 

 

Advertisements

28 Gedanken zu „Immer wieder dienstags : Fragen und Antworten

  1. Wenn ich richtig gegoogelt habe, bin nämlich Nichtlateiner, bedeutet das Motto: hart in der Sache, verbindlich in der Form und soll von einem Jesuitengeneral sein,steht allerdings dort etwas abgewandelt.
    Diese Fragebogenaktion, die es auch schon mal in der FAZ gab, ist in ihren Antworten oft sehr erhellend zu lesen auch was die Nichtfestlegung betrifft, denn dieses Lieblingsbuch -Gemälde -Musik usw. finde ich auch zu einseitig.Die bei WordPress üblichen Awards verfolgen ja ein ähnliches Prinzip.
    Mit sommerlichen Grüssen vom Dachwohnzimmer, Karin, auf dem sie anders abhängt als Ihre Ferienkinder, aber nicht minder geniessend🤗

    Gefällt 3 Personen

    • Sanft in der Art & Weise aber fest in der Sache. Nach meiner Schulkenntnis (ich war Lateiner) stammt diese rhetorische Vorgehensweise aus der Zeit der römischen Republik, also zwischen Königreich und Kaiserreich. Zur Zeit grosser Redner wie beispielsweise Cicero. Insofern bin ich mit den Jesuiten und den Wikidemikern insbesondere vorsichtig.
      Ihnen einen schönen Sommerabend, Herr Ärmel (und jetzt gehts mit dem Rad gleich mainaufwärts)

      Gefällt 2 Personen

  2. Keinen Vogel haben, das ist schon mal was. Sogar keinen Lieblingsvogel.
    Ich rätsele, wie die Antwort auf die Heldenfrage zustande kam, denn ich kenne Söhne alleinerziehender Mütter, die Rabauken und Gauner waren, im Knast sitzen. Ja, einer ließ sich manchmal von der Brücke über meinen Nachhauseweg von der Schule hängen, einfach um mich zu erschrecken, Hauptschule, Klappmesserklasse.
    Ihre Fotos sind bezaubernd, schräg, sonderbar, was ganz Besonderes. Dieser „Baum“!!
    Schönen Nachtgruß aus kühl gebliebener Stube

    Gefällt 2 Personen

    • Helden sind diejenigen, die es geschafft haben, aufrecht zu gehen. Sie haben die Gegenbeispiele geliefert. Die einen im Knast, andere bei Therapeuten und dann viele lebenslänglich Unfähige zu normalem Umgang mit Frauen….
      Zu den Photographien schreibe ich an anderer Stelle.

      Vormittagsgruss von der schwer bepackten Fähre

      Gefällt mir

  3. Zu den oben gezeigten Photographien.
    links oben : der ganze Irrsinn in der Landwirtschaft. Ein dauernd zu bewässerndes Feld mit Rollrasen. Und davor am Rain eine Wildblumenwiesenstreifen. Wieviel Gift muss im Rollrasen sein, dass dort nicht eine Blüte das makellose Grün stört…

    rechts oben : Televisoren im Rhein-Main Regionalpark. In den Röhren sind auf einer transparenten Scheibe berühmte Bauwerke abgebildet. Z.B. Eifelturm, Brandenburger Tor, schiefer Turm etc. Wenn man durchsieht, bemerkt man, dass die Blickrichtung auf eine entfernte Müllkippe zielt. Man sieht also die berühmten Bauwerke vor dem Hintergrund der Kippe. Ein Monument, das die Gedanken beflügelt.

    links unten : Der 18 Meter hohe Eisenbaum im Rhein-Main Regionalpark. Eine Monumentalskulptur, welche die Frage aufwirft, was heute noch natülich ist, und was schön längst künstlich.

    rechts unten : eine Ruhezone beim Open-Ohr-Festival in der Mainzer Zitadelle.

    Gefällt 1 Person

  4. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? – Das hängt von den Folgen des Fehlers ab.

    Da sind wirklich ein paar ganz hervorragende Antworten bei, die mir im Leben nicht eingefallen wären. Allerdings auch ein paar völlig beknackte Fragen. Gibt es wirklich Menschen die militärische Leistungen bewundern? Hiroshima? Waterloo? Verdun? Was nimmt man denn da so?

    Die Broilers haben mich übrigens bislang nicht überzeugt, ich kenne aber auch nur diese Single die bei Radio Bob rauf und runter gespielt wurde, da wollte ich nicht noch mehr von hören.

    Gefällt 2 Personen

    • Früher, im Zeit Magazin oder auch bei F.A.Z. beantworteten manche Promimenschen die Frage nach den militärischen Leistungen ganz konkret. Allerdings nicht so wie du 😉
      Blüchers Rheinübergang bei Kaub beispielsweise. Andere Bewunderungen fallen mir nicht mehr ein, weil ich sie alle obsolet fand angesichts der sinnlos verschleuderten Menschenleben.

      Ich kenne die Broiler noch nicht sehr und nur einen Teil ihres Oeuvres. [sic!] geht gut ab und die Texte finde ich weitgehend in Ordnung.

      Gefällt mir

  5. Ich glaub die Datenschutzverordnung ist eher Vorwand als Grund für den Rückzug. Wer noch voll dabei ist, gibt ja nicht auf.
    Aber das ist ein anderes Thema.
    Sehr kritisch im Übrigen ist das da, gänzlich unbemerkt:
    BlubberBlubberBlubber.tagesschau.de/inland/faq-urheberrechtsreform-101.html
    BlubberBlubberBlubber.cicero.de/leistungsschutzrecht-uploadfilter-jimmy-schulz-fdp-internet-presseverlage
    Die Links sind natürlich parteipolitisch objektiv 😉 also, weitere Infos schaden nicht.

    Merke: der erste Schritt ist der aufsehenerregendste aber nicht der schlimmste.
    (Bsp. Google maps/streetview etc. -> bald wird ein Live Bild möglich sein).

    Fragebögen? Ja hatte ich auch mal ausgefüllt, war aber hinterher nicht schlauer. Muss man auch nicht. Der Benn hat mich vielleicht erstaunt, aber nur vielleicht. Gut ist, wenn man antworten kann. (Wenn auch nur im Stillen.)

    Ansonsten: Wetter genießen! Grüße! Schönen Abend!

    (Brian Eno / Music for Installations – 2018)

    Gefällt 2 Personen

    • Vor allem anderen das Wichtigste : meinen Dank für den Hinweis auf die neuesten 3 Scheiben von Brian Eno. Unglaublich der kreative Ausstoss dieses Mannes. Und ich habe seit Anfang an nun fast 80 Scheiben von ihm. (Manche bräuchte ich wirklich nicht)

      Parteipolitisch objektive Aussagen hinsichtlich unseres zu regulierenden Alltagslebens sind für mich unverzichtbar. Sie regeln meine Verdauung. Nur bei Kotzbrocken wie dem arroganten bayerischen Modelleisenbahner muss ich derzeit aufpassen, dass es sich nicht oben in Brocken und unten braunflitzend mir eruptiv entlädt.. Aber das nur am Rande.

      Ansonsten: Wetter genießen! Grüße! Schönen Abend!
      ? Genau – so und nicht anders…

      (ein schreiender Amselgockel auf dem gegenüberliegenden Dachfirst…)

      Gefällt mir

      • Ah, der Sympathieträger aus der Süd-Ost-Zone. Ich muss wenn ich ihn sehe, immer an einen Wackel-Dackel denken. Weiß gar nicht warum… Naja, es ist absehbar, vielleicht wird er auch ein Rückspiegel-Elvis…
        Zum Eno hab ich schon geschrieben, dann starte ich mal in den Tag. Auch Ihnen einen guten solchen.
        ☕️🥐

        Gefällt mir

    • Nachtrag.
      Ich war grad mal gegenüber beim Nachbarn. Der die drei Scheiben natürlich wieder hatte ohne mir was davon zu sagen… Naja. Auf der ersten Scheibe heisst das zweite Stück 77 million paintings. Das gabs vor Jahren mal als DVD. Wenn das Programm lief, sah man alle paar Minuten ein anderes painting zur Musik. Das war ganz witzig. Eine Zeitlang zumindest…

      Gefällt mir

      • Es handelt sich eigentlich nur um eine Zusammenstellung, zwar thematisch, aber eben nichts wirklich Neues. Für mich jedoch schon, Eno ist bislang recht spärlich in meinem Regal vertreten.
        Trotzdem nett, teils auch richtig gut.

        Gefällt mir

        • Wie wärs mit einem frühen Mittun seinerseits in einer illustren Formation? Probehörung des kompletten Albums ist bei juhtjuhp möglich.

          Kevin Ayers, John Cale, Eno & Nico – June 1, 1974.

          Die Stücke :

          Side A
          1. Driving Me Backwards
          2. Baby’s on Fire
          3. Heartbreak Hotel
          4. The End
          Side B
          1. May I?
          2. Shouting in a Bucket Blues
          3.. Stranger in Blue Suede Shoes
          4. Everybody’s Sometime and Some People’s All the Time Blues
          5. Two Goes into Four

          Die Besetzung spricht für sich :

          Kevin Ayers – vocals (B1-5), guitar (B1-5), bass guitar (A1-2)
          Brian Eno – vocals (A1-2), synthesizer (A1-4, B5)
          John Cale – vocals (A3), piano (A2), viola (A1, B5)
          Nico – vocals (A4), harmonium (A4)
          Mike Oldfield – lead guitar (B4), acoustic guitar (B5)
          Ollie Halsall – piano (A1), guitar (A2-3, B4), lead guitar (B1-3), acoustic guitar (B5)
          John „Rabbit“ Bundrick – organ (A1-3 & B1-5), organ, piano, electric piano (B1-3)
          Robert Wyatt – percussion (A1-3 B1-3 + 5)
          Doreen Chanter – backing vocals (A3)
          Archie Leggatt – bass guitar (A1-3 B1-3 + 5)
          Eddie Sparrow – drums (A2&3 B1-3), bass drum (A1), tympani (B5)
          Liza Strike – backing vocals (A3)
          Irene Chanter – backing vocals (A3)

          Ihnen einen klingenden Abend

          PS: Leider werden mir Ihre neuesten Beiträge nicht mehr avisiert.

          Gefällt mir

  6. Meinen Hauptcharakterzug. denn könnte ich auf Anhieb gar nicht benennen. Je nachdem.
    Einen Lieblingsvogel hab ich gar nicht, ich mag fast alle, nur nicht meine eigenen.
    Ich mag diese Fragebögen wohl gar nicht.
    „Wie möchte ich sein“
    Ja Heimatland, hat man da gross die Wahl?
    Es bleibt einem nix anderes übrig, als sich selber zu werden. Alles andere ist imho suboptimal.
    Da wird man womöglich so wie der Nachbar, nur das Auto größer oder das Zelt. Nix gut, da ist man irgendwann angepisst.

    Gefällt 2 Personen

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.