Reduktionsgeschichte an klingenden Beispielen

Für diesen Beitrag habe ich viel Zeit aufgewendet. Musikalische Begleitmusik war dabei neben manch anderem:
Dead Can Dance – Dionysus (2018); Inga Rumpf (feat. KK’NF) – Official Bootleg Album – Fabrik, Hamburg 21.11.2014; Marianne Faithfull – Negative Capability [Deluxe Version] (2018); Ali Neander – This One Goes To Eleven (Feat. Hellmut Hattler) (2015); Gerhard Gundermann – Eine erste Auswahl (2015); The Smashing Pumpkins – Shiny And Oh So Bright Vol. 1 Lp No Past. No Future. No Sun. (2018); Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit (2016); Axel Zwingenberger, Dave Green, Charlie Watts – The Magic of Boogie Woogie (2010)…

Egal, es gibt wichtigeres zu berichten!

Vor einigen Jahren hatte ich mit einem Freund eine Hinundher Konversation. Ich weiss das eigentliche Thema nicht mehr. Sie zog sich hin und wurde zunehmend persönlicher und vertraulicher. Aus einem, mir heute nicht nicht mehr erinnerlichen Grund, listete ich mein Leben mit mein Musikreproduktionsgeräten auf. Es hätten genauso gut Bücher sein können oder Autos. Fahrräder, Füllfederhalter oder Kameras. Ich habe mich in meinem Leben gerne mit schönen und vor allem brauchbaren Dingen umgeben. Auch Kopfbedeckungen wären möglich gewesen. Ich hätte auch meine Motorräder auflisten können. Aber ich entschied mich, warum auch immer, für Geräte, die Musik betreffend.

Im Kontext zu meinem Reduktionsprojekt habe ich mich an diese ehemaligen Gespräche erinnert und mir fiel dabei auf, wie die Thematik meinen eignenen Lebensweg spiegelt.

Vorab: alle Fotos für diesen Bericht habe ich aus dem Internet entnommen, da ich selbst die Geräte in unserem oder später meinem Besitz nie fotografiert habe. Bis auf eine Ausnahme. Sollte also jemand daran Anstoss nehmen, dass er eventuell sein ungünstig geknipstes Bild hier sieht, dann gebe er sich Mühe und liefere mir ein ansprechenderes.
Die letzte Photographie in diesem Beitrag stammt von mir. Aber der Reihe nach.

Dieses Radio war das erste bewusst wahrgenommene Gerät der Klangerzeugung. Es stand in der Ecke auf der Eckbank in der Küche des elterlichen Haushalts. Es lief vornehmlich samstags morgens und man hörte HR1.


Dazu kam dann irgendwann als interessante Erweiterung eines Tages ein Tonbandgerät ins Haus.
Es war ein Philips RK64 – ein für damalige Verhältnisse sehr modernes und qualitativ hochwertiges Gerät. Volltransistorisiert, ein ungeheuer schweres Trumm. Vier-Spur, vier Geschwindigkeiten, stereotauglich, mit 18er Spulen und mit allerlei Schnickschnack, wie z.B. der Möglichkeit der Filmvertonung, was meinen Vater wohl auch zum Kauf bewogen haben mag, denn er filmte damals mit einer Bauer 88 Super8 Schmalfilmkamera. Er hat es aber offensichtlich nie hingekriegt, denn ich erinnere mich, nie einen vertonten Film gesehen zu haben. Und in der Küche war Schweigen angesagt, wenn mein Vater mit dem kleinen grauweissen Mikrophon Musikstücke aus der betagten Philetta aufnahm.

Soweit meine frühesten musikbezogenen Erinnerungen.
Kurzfristig ging die Philetta in mein Eigentum über. Ich habe sie dann, mit Teilen meiner Märklin Metallbaukästen, um es schlicht auszudrücken, in eine postmoderne Skulptur verwandelt. Eines Tages gabs einen gewaltigen Knall. Staub kam aus dem Lautsprechervorhang. Geschrei im Haus, weil etliche Sicherungen durchgeflogen waren. Das war das definitive Ende der Philetta. Keine Prügel für den kleinen Delinquenten, denn…

Meine Eltern hatten sich inzwischen ein Klangmöbel zugelegt.
Eines jener kleinbürgerlichen Imponiergebilde aus Furnier und Bakelit für die Zurschaustellung des persönlichen materiellen Erfolges. (Erhebet Euch nicht über die Kleinbürger, sind wir doch alle welche). Ich hatte als Bengel Zugang zu diesem Musikschrank. Durch welche Gnade ich dieser Erlaubnis teilhaftig geworden bin ist mir nicht erinnerlich.
Es handelte bei diesem Gerät um einen Schaub Lorenz  „Ballerina Konzert Stereo 10. Wer kennt denn diesen Namen heute noch? Das waren noch Typenbezeichnungen, die ein inneres Bild wachsenden Wohllebens vermittelten. Recht und links waren die Lautsprecher angebracht. Öffnete man die waagrecht montierte Klapptür in der Mitte, war unten der Plattenspieler von Perpetuum Ebner PE-66 mit dem berüchtigten 10-Platten-Wechslers, in Fachkreisen auch Plattentöter genannt. Links daneben stand ein senkrechtes Grill, in dem man 45er Singles einstellen konnte, auch EPs passten da rein.

Nun hatte ich Zugang zu Gus Backus (Da sprach der alte Häuptling der Indianer), Gitte (Ich will nen Cowboy als Mann), Connie Francis (Bacarole in der Nacht), Blue Diamonds (Sukiyaki) und 10 – 15 anderen 45ern. Dabei waren natürlich einige Scheiben in den schönen roten Covers von Herbert Hisel. Der später in Kanada so jämmerlich zu Tode gekommen ist. Es hat eine kleine Weile gedauert bis ich mehr geahnt als verstanden habe, was mir entgegenklang aus dem Schwabinger Nachtleben von dem Novak von Gisela Jonas. Die Hülle mit einem Schlösschen gesichert, dass da nicht etwa Kinder usw. usf.
Irgendjemand erklärte mir dann, dass man das Tonbandgerät mit einem Kabel direkt anschliessen kann… Ach, dafür ist dieses Kabel, das da rumlag und das mein Vater nie benutzte – – – Da wurden dann die Spulen bespielt und wieder gelöscht, denn an kaufen war vorerst nicht zu denken bei den Preisen

Mit diesem Tonbandgerät begann meine erste „Musiksammlung“, denn nun konnte ich das Tonbandgerät mit der Schaub Lorenz Ballerina Konzert Stereo 10 verkabeln und in aller Ruhe Aufnahmen machen. Bevorzugter Sender war der HR2 mit „Teens, Twens, Toptime“ moderiert von Volker Rebell, die lief ab 1970 und der Mann prägte meinen Musikgeschmack nachhaltig. Er grub die irrsten Sachen aus, die man in einem dumpfen Kaff wie meinem nie zu Gesicht, äähh Gehör bekommen hätte. Bevorzugt hörten Gymnasiasten Rebell, in der Schule war bei denen, die „richtige Musik“, will sagen keine Schlager, hörten Rebell und seine Musik immer ein Thema. Da mittlerweile auch Sender in den CDU regierten Ländern Wind davon bekamen, dass sie mit angesagter Musik  neue Hörer binden konnten, kam dann vom SWF3 Frank Laufenberg (Pop Shop, ab 1.1.1970, fast täglich von 12:03 – 15:00) ins Rennen, was ganz schlecht für die Erledigung meiner Hausaufgaben gewesen ist. Später kam dann Peter Kreglinger vom SDR3 aus Stuttgart dazu. Leider war der Sender zum Aufnehmen schwierig, da oft nur mit Nebengeräuschen zu empfangen. Aber Kreglinger war für mich damals ein rhetorisches Genie.  Er moderierte die Sendung Point täglich (?) von 14:30 – 16:00. Zitat: „POINT stand für Pop, Orientierung, Information, Notizen, Tipps. Das Ziel von POINT war es, die Dinge, die Jugendliche interessierten, anzusprechen und auf den Punkt zu bringen.“ (lt. wikidemia).

Aber zurück in die Chronologie. Kurz nach meinem zehnten Geburtstag bekam ich meinen ersten Plattenspieler, einen Dual P 410 V. Das war ein tragbarer Kofferplattenspieler mit dem eingebauten Lautsprecher im Deckel des Gerätes. Gute Eindrücke davon kann man hier sehen: Dual P410V
Der Anlass für dieses Geschenk war der Kracher überhaupt: meine erste Langspielplatte. A hard Days Night von den Beatles. Im Lauf des Jahres kamen dann noch zwei, drei Singles dazu. Diesen Plattenspieler hatte ich etliche Jahre. Nur einmal wurde der Doppelsaphir, den man umdrehen konnte für 45 und 33 rpm, gewechselt. Diese „Nadel“ würde ich heute gerne mal unter einem Mikroskop sehen. Auf dieser Horizontalkreissäge habe ich meine Singles durchsichtig genudelt.

Von da an gings dann richtig los mit der Musik und allem, was dazu gehörte. Ich erwarb vom schmalen Taschengeld auch hier und da selbst eine Single bei der örtlichen Niederlassung der Rheinelektra. Auch dieses Unternehmen kennt heute keiner mehr. Da hatte ich mal einen Ferienjob bei den Elektrikern. Osterferien, drei Wochen lang Schlitze kloppen zur anschliessenden Leitungsverlegung. Und zur Schadenfreude der Könner mit ihrem derben Gelächter. Das waren noch Initiationen ins wirkliche Leben. Damals brauchte es noch keinen Psychologen, der einem half beim Schuhebinden auf der Baustelle. Da musste man durch. Und nach Feierabend tröstete einem die Musik.
Irgendwann erbte ich das Tonbandgerät, da mein Vater offensichtlich überdrüssig wurde, dass man beim aufnehmen vom Radio immer still sein musste, um nur die Musik und keine sonstigen Geräusche aufzunehmen. Und dann kamen auch schon die ersten auf dem Flohmarkt selbst gekauften oder einfach auch getauschten LPs dazu. Meine Eltern hatten sich eine kleinere und leichter bedienbare Musikanlage gekauft. Ich hatte das Glück und durfte die Ballerina übernehmen. Da sass ich dann andächtig nachmittags nach der Schule aufgeklappten Öffnung des Musikschranks und hörte diese Platte immer und immer wieder. Was mir damals unbekannt war: auf dem Boden zwischen den „Boxen“ sitzend hatte man das viel plastischere Stereoerlebnis als wenn man irgendwo im Raum auf einem Sessel oder dergleichen herum lümmelte.

Inzwischen war mir aufgegangen, dass aus der Ballerina ein ganz andersartiger Klang den Raum erfüllte, als aus meinem kleinen Dual. Stereophonie hiess das magische Wort. Die Singles jener Zeit waren durchweg noch monophon aufgenommen worden. Dennoch klang es irgendwie anders, kam es besser rüber mit den Lautsprechern auf beiden Seiten.
Aber diese Apparatur unters Dach in mein Zimmer zu wuchten war mir unmöglich. Ich brauchte doch ohnehin nur die beiden Bretter mit den montierten Lautsprechern. Also zerlegte ich kurzerhand d
ieses „Musikmöbel“. Bub, der ich war, baute ich die beiden Schallbretter mit den Lautsprechern aus und montierte sie in meinem Zimmer an die beiden Armlehnen meines Sessels. Märklin Metallbaukästen lieferten die Verbindungsteile. Ich sass zwar nun stereomässig ideal zwischen den Lautsprechern, doch plötzlich waren da keine Bässe mehr. Was tun? Mir musste schon irgendwie klar gewesen sein, dass man Volumen braucht, um Bässe zu hören. Also kaufte ich, knapp bei Kasse wie nur je, zwei viereckige Plastikschüsseln in ätzendleuchtendem Gelb, schnitt die Böden passend aus und schraubte die Lautsprecher da hinein und sofort waren die Bässe wieder da. Diesen Klang möchte ich heute nochmal hören, es muss abartig geklungen haben. Aber ich war stolz wie Harry. (Woher stammt diese Metapher eigentlich?)

Ich entdeckte musikalische Persönlichkeiten, deren Werke ich noch heute allzeit goutieren kann.
Dann kam 1973 auf mir heute nicht mehr nachvollziehbaren Wegen der Kracher ins Haus. Ein Plattenspieler Dual 1210 ohne Verstärker. Es war Ferienende und aus geleisteter Arbeit einiges an Geld vorhanden. Der Dula 1210 brauchte einen Verstärker. Das wurde der Teleton A300 aus irgendeinem Elektrozubehörladen, weil es dort Geräte mit Wumm für den notorisch zu schmalen Schülergeldbeutel gab.
Welche Boxen mag ich dazu nur gehabt haben? Die Lautsprecher in den Plastikschüsseln können es kaum gewesen sein..

Das erste wirklich brauchbare Cassetten Deck (so hiess das jetzt) kam etwas später. Es war ein Superscope 1015. Superscope war die Billigvariante aus dem Haus Marantz (so ähnlich wie heute Seat die Billigmarke von Volkswagen ist). Die einzigen sichtbar- und fühlbaren Unterschiede waren das schepperende Blechgehäuse des Superscope und die Typenbezeichnung. Superscope 1015 statt Marantz SD800.

Irgendein Deal muss damals mit meinem Vater gelaufen sein, bei dem ich ihm meinen Dual 1012 verkauft hatte. Es muss ein neuer Ferienjob gewesen sein, der es mir ermöglichte, meinen ersten richtig guten Plattenspieler neu zu kaufen: einen Technics SL 23. Der Technics scheint heute einen gewissen Kultstatus bei den Plattenspielerquälern zu haben. Die Preise für gebrauchte Geräte sprechen deutlich.

Was diese Buben mit den altehrwürdigen SL23ern heute anzustellen imstande sind, ruft fast Mitleid hervor. Andererseits haben wir in jungen Jahren ja auch versucht, die betagten alten Mopeds mit Farbe und Pinsel, mit Bananensattel und Überrollbügel auf Esay Rider zu trimmen.
Easy Rider war zu Ende.


Die Mopeds vor den Capitol Lichtspielen waren allesamt Chopper. Ich sass als Sozius auf einer Hercules 219. Den tragbaren, batteriebetriebenen Cassettenrecorder hochhaltend fuhren wir auf der Hauptstrasse im Kreis herum. Andere Mopedler schlossen sich uns an. Aus dem Raketenkäsorder lief in dem geschwätzigen Zweitaktlärm kaum hörbar die berühmte Stelle von Wasn´t born to follow von den Byrds als Wyatt und Billy irgendwo auf einer Landstrasse ihre zweirädrigen Eisenhaufen wendeten. Wir waren unbesiegbar. Nur ich nicht. Und alle Buben wussten in diesem Moment, sie würden mit einem dieser unsäglich untauglichen usamerikanischen Motorrädern dide Route 66 runterdonnern. Nur ich wusste, dass ich es nicht tun würde. Irgendwann später würden sie es tun. Und sie behaupteten es sogar noch, als bereits die erste Schrankwand zuhause angeliefert wurde.

Die Musik lief zu jeder Gelegenheit und weil das Jagdhorn kräftig geblasen wurde, blieb am Ende dieser Epoche lediglich der Technics SL 23 übrig. Die anderen Geräte waren in meinem Umfeld verhandelt worden. Wie überhaupt in jenen vergangenen Zeiten.
Die erste komplett gekaufte Anlage kam 1979 oder 1980 ins Haus. Eine Akai von einem HiFi-Händler in W****, der damals noch am Schlosspark seinen Hinterhofladen hatte. Getrennte Vor- und Endstufe PR–A04 und PA–W04, ein Radioempfangsteil AT–K03 und das unvermeidliche Tapedeck CS–M02. Was haben wir in den kommenden Jahren diesem Mann für eine Menge Geld für TDK und Maxell Cassetten über die Theke geschoben.
Das Tape Deck (mittlerweile hiess es nicht mehr Cassette Deck)  gibt’s heute noch fürnen Appel und ein Ei bei ibäääh, das Radio habe ich viel zu selten benutzt, aber die Vor- und Endstufe PA-W04 und PR-A04 sind absolute Kracher gewesen, zwar nur die gehobene Mittelklasse dessen, was Akai auf dem Markt hatte, aber die Nachbarn werden die Anlage in Zusammenarbeit mit den kraftvollen KHL Boxen manche Nacht verflucht haben.
Wenn ich heutzutage an späten Abenden das Netz durchforste nach Vergangenheiten, stelle ich fest, dass die Sammler ihre antiquierten Topanlagen mit grossem Stolz ins Netz stellen. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass Einsteiger- und Mittelklassemodelle oft weniger gesammelt und prösentiert werden. Sie gelten oftmals bedauerlicherweise als nicht „sammelwürdig“. Das mag mit der allgemeinen Steigerungswut zusammenhängen. Immer Áusschau halten nach dem besseren Produkt. Und ich zeige mit dem Finger auf niemanden.

Aufbewahrer bin ich allenfalls was Erlebnisse oder Wahrnehmungen betrifft. Ein richtiger Hard-Core Sammler war ich nie. Und aus diesem Grund ging die Akai Anlage nur wenige Jahre später bei einem Tauschhandel ihrer Wege. Dabei wurde der Technics SL 23 durch einen Revox B790 ersetzt.

Damit nahm die Entwicklung ihren wirklich obsessiven Lauf. Dieser Plattenspieler (welch schönes und treffendes Wort) lief dann zusammen mit der Bandmaschine Tandberg TD 20A, einem Monster von einer Tonaufzeichnungsgerät.

 

 

 

 

 

 

 

Die Lautsprecher der Anlage waren ziemlich speziell. Es war ein Paar Quad ELS 57, die auf einem elektrostatischen Prinzip funktionierten, also ohne herkömmliche Lautsprecher auskommen und direkt am Stromnetz hängen.

 

 

 

 

 

Gipfelgefühle. Klangerlebnisse. Bald waren jedoch auch die Schluchten und Abgründe unübersehbar: Das Tonband musste ständig wochenlang weg wegen „Einmessens“. Die 26cm Bänder waren sehr teuer. Die CellophanMembranen der Quad Elektrostaten haute es dauernd raus. Ausserdem konnte man den umwerfenden Klang der Quads nur geniessen, wenn man in genau in der richtigen Position zu den Lautsprechern sass. Und beweglich wie ich nun mal bin, wenn die passende Musik läuft…

Obwohl die Tauscherei finanziell sicherlich eine zumindest materiell gewinnbringende Transaktion gewesen ist, wurde mir das ganze Brimborium zu viel, weil der technische Schnick-Schnack drumherum das Musikhören offensichtlich zu beherrschen begann. Und die Allüren, die in den Gesprächen zutage traten, waren nicht meine Welt.

Also schraubte ich zurück auf Altbewährtes. Eine zwanzig Jahre alte Anlage von BrAun war ebenso solide wie pottschwer. In damaligen Zeiten, als diese Anlagen aktuell gewesen sind, waren sie gebraucht noch erschwinglich. Ruckzuck hatte ich für verschiedene Räume im alten Haus im Hinterhof einige Anlagen gegen das sogenannte „High End“ Equipment eingetauscht.
BrAun lag nahe, denn inzwischen hatten Kunst und Design die eigene Lebensmitte erreicht. Museen, Ausstellungen, Jugendstil, Bauhaus und Art Deco wurden zu Ankerpunkten unterschiedlicher Begehrlichkeiten. Der Kleinbürger als Ästhet.
Es fing an mit alten Klassikern der 60er Jahre, zuerst kamen die beiden Klassiker im Design von Dieter Rams.
Das Radiogerät das Radio CET 15

und der mächtige Röhrenverstärker CSV 60

Für den voluminösen Klang sorgten die beiden Lautsprecherboxen L80, mords Trümmer und fast 50kg schwer. Diese Anlage war anfangs der 1960er Jahre nur wenigen Menschen erschwinglich und entsprechend selten. Der Sound war überzeugend. Und im Gegensatz zu den vorherigen Schätzchen mit ihren Zicken geradezu unproblematisch. Das alte Haus im Hinterhof wurde bald mit etlichen weiteren Musikquellen ausgestattet. In meinem Büro stand beispielsweise ein Braun Regie 520. Versteht sich, dass auch die Werkstatt entsprechend beschallt worden war.

Aber es zieht sich wie ein roter Faden durch mein erwachsenes Leben. Wenn die materiellen Artefakte überhand nehmen, brauche ich eine entsprechende ordnende Reinigung. Da inzwischen auch kleine Menschen zunehmend das Haus zu erkunden begannen, war zeitweise Stille angesagt. Statt der tagtäglichen Klangrandale entschied ich mich für dezentere Töne. Klassische Musik begann mich zu interessieren. Besonders die zeitgenössische Klassik begeisterte mich zunehmend. Die angesammelten Antiquitäten mussten einer neueren Anlage der gleichen Marke weichen.
So gingen die 1980er Jahre dahin. Die weichgespülten Synthesizersounds habe ich bis heute nicht vermisst. Andere originelle junge Bands lernte ich mit entsprechender Verspätung kennen. Dass ich jedoch wirklich etwas vermisst hätte aus jener Epoche, kann ich nicht sagen.
1993 kaufte ich mir die ersten Scheiben aus den 1980er Jahren und holte manches sukzessive nach. Ich merkte, dass ich vieles verpasst haben musste, empfand es aber als keinen Verlust. Aber meine Einstellung zur Musik hatte sich geändert. Text und Musik waren gleich wichtig geworden, das hatte ich durch die klassische Musik gelernt, da musste ich öfter etwas dazu lesen, um es besser verstehen zu können..

Inzwischen schweifte der ästhetisch suchende Blick aber schon hin und wieder zu Bang & Olufsen. Die Geräte dieses Herstellers waren auf dem Gebrauchtmarkt aber schwieriger zu finden, da diese bei der Neuanschaffung noch teurer und entsprechend seltener gewesen sind als die Geräte von BrAun. Inzwischen waren auch in diesem Segment professionelle Sammlermärkte entstanden.
Der erste Receiver im alten Haus im Hinterhof war ein Beomaster 1900 aus den 1970er Jahren. Erworben für etwa 50 DM, bald gefolgt von dem legendären „Rechenschieber“, dem Beomaster 1200 aus den Endsechziger Jahren

Es dauerte nicht lange, da schenkte mir jemand den Beomaster 6000, einen Verstärker für die Anfang der 1970er Jahre angesagte Quadrophonie. Ein Riesendrum, das nie richtig funktionierte, also verschenkte ich es weiter, da das angepeilte Ziel einer kompletten Quadrophonie Anlage hinsichtlich Plattenspieler und vor allem der nur schwer aufzutreibenden quadrophonisch aufgenommenen Schallplatten dafür kaum zu realisieren und noch weniger zu finanzieren war.
Die Geräte waren solide verarbeitet und klangen gut. Heute nennt man das wohl haptisch wertig. Es folgten nun bloss noch Geräte von Bang & Olufsen. Die komplette 7000er Anlage mitsamt Fernsehgerät und Videorekorder. Telefon und Lichtsteuerung. Steuerbar alles mit einer einzigen Fernbedienung. Klingelte das Telefon, wurde die Musik unsichtbar auf eine dezente Lautstärke reduziert. Die verkabelten Lampen wurden gedimmt, wenn das Fernsehgerät eingeschaltet worden ist.
ber alles hat bekanntlich ein Ende (nur die Wurst hat zwei laut Sephan Remmler).

Als die Zelte abgebrochen wurden, um in anderen Ländern zu leben und zu arbeiten, fand ein scharfer Reduktionsschritt statt. In dem Übersee-Container fand nur diese eine Musikmaschine Platz, die mir bis vor kurzem noch immer viel Freude gemacht hat: B&O Beosystem 2500, 1. Serie 1990 mit dem damals nachträglich kostenlos eingebauten RDS für das Radioempfangsteil…

Die vielen Stromausffälle in Südamerika mit ihren brutalen Stromstössen beim Wiedereinschalten haben ihm ein frühes Ende bereitet. Der CD-Spieler musste daraufhin vor Jahren schon ausgetauscht werden. Das Cassettenteil ist ewig schon ohne Funtion. erneuert. Und letzthin gab die automatische Türöffnung den Geist auf.

Es stehen Entscheidungen an und Veränderungen in nächster Zeit. Eine gute Gelegenheit, um sich abends anderweitig ein wenig umzutun. Sieh da, die Preise für höherwertige Unterhaltungselektronik stehen auf Verkauf. Eine defekte B&O ist gut verkäuflich. Was aber dann?
Ich klicke ein wenig hier und da. Stimmt ja, das war damals was. Für mich auf jeden Fall unerschwinglich. Deutsche Marke, hervorragende Qualität. Frog Design. Hartmut Esslinger. Der Mann hat die frühen Produkte von Apple entworfen. Aber darum gehts mir garnicht. Mir gehts um reduzierten Aufwand und gleichzeitige Schönheit und Funktionalität.
Ich mache aussagekräftige Fotografien des alten 2500er Beosystems. Ich tue mich schwer mit dem Text. Schaue zwischendurch mal nach Anlagen des deutschen Herstellers. Zwei, drei Angebote gibts hier in der Nähe. Eine Nacht noch drüber schlafen ist fast immer gut. Nein, ich publiziere mein Angebot doch noch rasch.
Am nächsten Morgen ist die Anlage bereits vor dem Frühstück verkauft.
Ja, die Herrschaften hätten Zeit. Das Ehepaar hat das achte Lebensjahrzehnt vollendet. Der Wega 3141-2 Receiver von 1978 sieht aus wie aus dem Laden. Der Test vor Ort fällt kurz aus. Alles in Ordnung. Kein Rauschen in den Potis. Und zu dem Preis können Sie die Lautsprecher auch noch mitnehmen.

 

 

 

 

 

 

 

Beat, Rock, progressive Musik – – anfangs der 1970er Jahre kam Krautrock dazu auf den Labels Ohr, Pilz, Brain Kuckuck oder Bazillus.. Die elektronische Musik der kosmischen Kuriere bis Mitte des Jahrzehnts –  – immer ausgeflippteres Gegniedel. New Wave, Neue Deutsche Welle. Immer bessere Anlagen, immer optimalere Messwerte, immer teurere Ausrüstungen. Natürlich weitgehend gebraucht gekauft oder aus Konkursmassen, da das Geld weiterhin vorrangig in die Musik investiert worden ist.
Bin ich durch diese vielen Prozesse weiser geworden? – Weiser vielleicht nicht, aber klüger. Ja, eindeutig. Ich habe gelernt, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich hätte das alles auch etwas rationaler anstellen, und weniger Geld ausgeben und Zeit investieren können. Spass hats aber dennoch gemacht. Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt durch die persönlichen Kontakte.
Heute gilt, dass mich Musik in erster Linie erfreuen soll. Ich will noch immer gerne interessante Musiken entdecken. Das ist alles. Manchmal herrscht tagelang Stille, manchmal rumpelts volle Kanne. Ich heisse zwar nicht Hans, habe den Hans im Glück jedoch wahrscheinlich am eigenen Leib erlebt.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein Wochenende voller Wohlklang – Rock on!

 

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21 Gedanken zu „Reduktionsgeschichte an klingenden Beispielen

  1. Mein erstes Tonbandgerät war ein Grundig TK 14. In Wiesbaden. Einmal pro Woche gab’s im Hessischen Rundfunkt die Hitparade mit Hans Verres. Und morgens „Der fröhliche Wecker“ mit Heinz Schenk. Die Langspielplatten von Beatles, Stones und Beach Boys bekam lieh ich mir von Klassenkameraden und nahm sie auf Tonband auf. Musikalisch hab ich mich dann kaum noch weiterentwickelt. Also nix Stereogeräte und so weiter. Literatur wurde mir wichtiger. Schöne Grüsse von einem ehemaligen Wissbadener Bubb!

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  2. Sehr geehrter Herr Ärmel,
    welch ein klassische Geschichte gefüllt mit den tollsten Klassikern der damaligen Zeit…Wega Radio und Tandberg Maschine,Revox Spieler und B&O bis zum abwinken…ich habe es da nur zum Kennwood Verstärker und selbstgebastelten Boxen geschafft….allerdings war ein der sehr gute Tuner von Kennwood , der KT1100 am Start…abgespart durch das Bundeswehrgeld während des Wehrdienstes…und gleich 3 Tapedecks von Nakamichi,Onkyo und Sony…Maxell Cassetten , TDK oder besser noch die Sony Metallcassetten…ich habe es auf über 300 geschafft + Leitz Ordner mit Inhaltsverzeichnis 🙂 Und die Schulnoten liessen immer dann nach wenn die nächtlichen Sendungen von Winfried Trenker auf WDR 1 liefen…ich war danach am Tag einfach zu müde….Beste Wünsche für ein entspanntes Wochenende kommen aus dem hohen Norden von Jürgen

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    • Also, nun mal langsam, geehrter Herr Jürgen… Drei Tapedecks, eins davon gleich ein Nakamichi, FeO2 Cassetten hundertweise. Und die ganze Sammlung katalogisiert und in Leitzordnern ordentlich abgelegt. Und dann noch ein einen KT1100 . . . Stellen Sie mal Ihr Licht nicht unter den Scheffel 😉
      Und was die versammelte Musik auf den Cassetten betrifft, da bin ich mir sicher, wenn hätten uns da einiges zu erzählen hinsichtlich der Schnittmengen.

      Ich wünsche Ihnen eine erfreuliche Woche, Herr Ärmel

      PS: hat sich bei Ihrem KT1100 auch nach einigen Stunden der Sender von selbst auf 87,8 zurückgestellt? Das war wohl ein bekanntes Phänomen dieses ansonsten hervorragenden High-End Tuners

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      • Nein, der funktionierte ohne Probleme…bis er dann auf einmal ständig zwischen den Sendern sprang…aber in Hamburg gibt es ein Spezailgeschäft für HIFI Technik der 70er/80er…die haben den Kondensator ausgetauscht und seitdem klappt es wieder…Ja, die Nakamichi sind Kult und hätte ich genug Kohle würde ich das Zeug sammeln…aber noch braucht mein Sohn sein Spielzimmer, vom Geld ganz zu schweigen und ehrlich : der schnöde SONY KAE6ES daneben klingt eindeutig besser…ist halt eines der neuesten alten High Ender..
        Ich wünsche ihnen einen schönen 2ten Advent und sende verregnete Grüsse ins Bembelland

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  3. vielen Dank für die Zeitreise in Sachen Audio. Zur kleinen Gedächtnisstütze bei guten alten Radio: Irgendwann gab es auch den Rund-um-die-Uhr-Dudelfunk von Radio Luxemburg. Zuerst der englische und später auch der deutsche Kanal mit dem Chefmoderator Frank Elstner.

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  4. Da fällt mir noch Nordmende und Telefunken ein, Geräte mit denen ich groß geworden bin, aber nicht in meinem Besitz. Mein Onkyo Tape Deck ist nun an die 30 Jahre alt und geht wie am ersten Tag. Die Boxen hab ich vor 2 Jahren getauscht gegen schlanke Standlautsprecher. Den größten Verschleiss hatte ich bei CD-Spielern, Philips, Kenwood, Onkyo, Yamaha. Die sind mir echt und richtig kaputt gegangen. Und in neu gibts die gar nicht mehr so reichlich. Nur noch die billigen BlueRay/DVD-Spieler. Für Musik bin ich aber eigen, da muss es ein Audio-CD-Spieler sein.
    Ansonsten war ich da zurückhaltender und hatte vor jedem Kauf eher schlaflose Nächte, ob die Entscheidung auch richtig ist. Als alter Germane (Jäger und Sammler) besitze ich noch fast alle Kassetten, die ich jemals bespielt habe (seit dem Tape Deck). Die meisten sind die XL II-S. Gabs am Ende im Zehnerpack für 35 Steine.
    Als Südlicht werfe ich mal den Schlafrock von SDR 3 ins Feld. Feine Zeit war das. Zumindest in dieser Hinsicht. Ein Moderator und der halbwegs authentisch. Keine 2, die mit schlechten Witzen konkurrieren.
    Treu geblieben bin ich dem Stereo Sound, dieser 5:1 Geschichte konnte ich noch nicht so recht folgen. Tja, und so sind wir doch alle auch Kinder unserer Zeit, ein jeder auf seine Weise. Wer kann es der Jugend verübeln, dass sie es ebenso sind.
    Viele Grüße nach Soundhausen.

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  5. Zu Telefunken fällt ein Modell Concertino 201V meiner Eltern ein. Dieses Gerät haben sie erworben nach der im obigen Beitrag erwähnten Philetta.
    Ich habe kürzlich nachgeschaut, welche Preise für funktionstüchtige Philettas derzeit aufgerufen werden und erstaunte dabei.

    Interessant finde ich, dass bei Ihnen etliche CD-Abspielgeräte ihren Geist aufgegeben haben. Ich kenne das auch von Bekannten und Freunden. Und auch bei mir haben sich zwei B&O CD-Spieler im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klanglos verabschiedet.

    In der Zeit zwischen Vinyl und Compact Disc hatte ich fast 600 90er Cassetten. Diese in damaligen Zeiten schier unglaubliche Menge erklärt sich einfach. In der Kleinstadt nahebei ging ein Plattenschacherer seinem Gewerbe nach. In seinem Gebrauchtplattenladen durfte ich mir Schallplatten mitnehmen zum Aufnehmen. Bedingung war dabei, dass ich alles Entliehene am folgenden Tag einwandfrei wieder zurückbringen musste.
    Die scheinbare Grossherzigherzig jenes Mannes hatte aber einen eigennützigen Hintergrund. Ich kannte eine junge Dame, auf die er mehrere Augen geworfen hatte, die aber allen Anwürfen geschickt ausgewichen ist. Nun hoffte er auf meine positive Einwirkung und Vermittlung. Mir war aber klar, dass sein Erfolg zwangsläufig meinen Misserfolg hinsichtlich der Musiksammlung nach sich ziehen würde.

    Stereoklang ist nach wie vor auch für mich wichtig. Ich erwähne nur zwei Musikstücke, die das hinreichend erklären. Die Stücke Downwind (Pierre Moerlen´s Gong – Downwind / 1979) und Silly Sally (Sweet Smoke – Just a Poke / 1970).
    Eine 5:1 Geschichte ist mir unbekannt und demzufolge weiss ich auch nicht, was sie bedeutet.

    Ich wünsche Ihnen einen kligenden Abend und die Schlaflosigkeit verschone Sie

    (Jan Garbarek & Hillard Ensemble – Officium / 1994)

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  6. Tja ich hatte komplett andere Marken. Wie’s bloß kommen mag? Aber die Gier nach dem Klang! Genau so! Inklusive der Eigenbau-Thron-Tempelversuche… wie sich das bloß bei mir damals angehört haben mag: Ein 70er Anett angeschlossen an ein Uraltröhrenradio, wegen des grollenden voluminösen Klanges…. The Yes-Album in superdumpf….Ebenso die Shatterhand-Melodie….sounds like Wochenschau-Heeresbericht…oder das Meeresrauschen bei Odessa von den BeeGees….

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    • „Eigenbau-Thron-Tempelversuche“ – eine prima Bezeichnung. Die erinnert mich sogleich an die Konstruktion mit den im Beitrag erwähnten Schallbrettern. Ein Sessel aus den mittleren fünfziger Jahren. An beiden Aussenseiten der Lehnen je ein Schallbrett befestigt. Zur Stabilisierung der beiden Bretter oben ein weiteres Brett als Dach querverbindend angebracht. Eine aberwitzige Konstruktion; man musste quasi in den Sessel einsteigen. Und dies vorsichtig, dass die Klangarchitektur nicht in sich zusammenbrach.
      Aber aus jener Zeit stammen einige meiner Lieblingsnummern, die bis heute nichts von ihrer Tiefenwirkung verloren haben.
      Zwischen dem empfundenen und dem tatsächlichen Klang haben sicherlich Welten gelegen. Berliner Philharmonie meets Tanzboden auf dem Heustadl.

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  7. WOW ! Das nenn ich ne Fleißarbeit … früher hätte es dafür mindestens 2 Fleißbildchen gegeben … Sofern das ihrer Schulzeit auch so üblich war … (ich wurde seltenst mit Fleißbildchen belohnt … ähm).

    Und ihr Beitrag, werter Herr Ärmel ist ja weit mehr als nur eine persönliche Rückschau über all die Gerätschaften, die uns all die geleibte Musik in die Kinderstube, das Jugendzimmer oder in das WG-Zimmer brachte … später dann wohl auch in das Wohnzimmer der eigenen vier Wände brachte.
    Es ist auch eine kulturelle Rückschau auf 50 Jahre Design- und Technik Geschichte, die unser aller Freizeitleben mitbestimmte. Genau aus diesem Grunde suche immer noch und weiterhin den Katalog zur Funkausstellung 1970 … Damals begann mein eigenständiges Interesse an Beschallungsanlagen aller Art zu wachsen, auch wenn ich mir natürlich all die „tollen Teile“ nicht leisten konnte.
    Aber den Dual P 410 V hatte ich auch, wie übrigens auch viele meiner damaligen Freunde … ich habe rückblickend den Eindruck, der war damals für die aufstrebende Jugend sowas wie ein Referenzmodell. Und ich erinnere mich an so ein tragbares Radiogerät der Firma blauen Schaub-Lorenz … mit dem habe ich 1970 unter der Bettdecke die WM Spiele in Mexiko verfolgt … gut, dass meine Eltern einen festen Schlaf hatten. Also, dieses Teil würde ich gerne nochmal in der Hand halten … Stunden über Stunden saß ich davor und hörte mir „Die Schlager der Woche“ im Bayerischen Rundfunk an … So hieß das damals halt noch, auch wenn längst Deep Purple & Co in den Charts war.
    Und sie sehen es ja auch an der Vielzahl der Leserbriefe, wie sehr Ihre Zeilen jeweils eigene Erinnerungen geweckt hat. Das hat für mich übrigens nicht unbedingt etwas mit „Nostalgie“ zu tun, sondern viel mehr, mit Erinnerungen, die in die Kategorie „prägende Erfahrungen“ gehören.
    Das Geld meiner damaligen Ferienjobs steckte ich allerdings in den Kauf für passendes Equipment für die damalige Band … ein ordentlicher Bassverstärker und die passende Bx dazu war finanziell kein Pappenstiel. Und nachdem uns in den Jahren 1975 – 1980 mehrfach die Verstärkeranlagen geklaut wurden, hatte ich regelmäßig meine Ferienjobs.

    Na ja, und irgendwann mal wollte ich das Innere eines Neckermann Cassettenrecorders erforschen … bedauerlicherweise habe ich dann das Teil nicht mehr zusammenbekommen … und es landete in der Mülltonne …
    Wie gesagt: Dieser Beitrag löste wohl nicht nur bei mir … wertvolle Erinnerungen aus … dafür ein herzliches Dankeschön !

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  8. Volker Rebell, was ein Name für einen DJ. Hier im Westen war natürlich, abgesehen von Frank Laufenbergs Pop-Shop, der WDR II der natürliche Sender. Jeden Abend um 19.00 lief die Radiothek, und einmal die Woche die Charts mit Mel Sondock, einem aus Texas stammenden DJ, der irgendwie in Köln gelandet war und schon aufgrund seines breiten Akzents Kultstatus erreichte. Und dann gab es noch den britischen Soldatensender im Rheinland, BFBS, dem ich eine besondere Erfahrung verdanke: Reggae. Jeden Donnerstagabend lief in den späten 80ern „Rodigans Rockers“. Da ich Reggae nicht mochte, hörte ich R.R. nicht, bis mal jemand zu mir sagte, hör dir die Show mal an. Ich hörte hin und wurde Reggae-Liebhaber, bis heute. Radio hatte damals noch richtig Einfluss.

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    • Volker Rebell legte die Sachen auf, die man anderweitig nicht zu hören bekam. Und erweiterte so den musikalischen Horizont seiner Hörer enorm.
      Er soll sich späterhin mit dem HR überworfen haben. Spielt heute noch in einer Band. War – und ist es wahrscheinlich noch – ein wandelndes Lexikon populärer Musik.

      Der Pop-Shop mit dem Frank Laufenberg war wohl fast überall zu hören. Mittwochs 14:00 gabs eine Stunde lang Protestsongs in die Ohren. Intro von Väterchen Franz: „…Ich singe nicht für euch,
      ihr vollgestopften Allesfresser mit der Tischfeuerzeugkultur.
      Ihr, die ihr eure Frauen so wie Steaks behandelt und vor Rührung schluchzt, wenn eure fetten Köter sterben….“

      Der WDR II galt hier im südlichen Bembelland als sehr guter Sender, den man hier natürlich empfangen konnte. Damals. Und einen hiesigen Soldatensender gab es auch, den AFN. Da lief öfter abends die Wolfman Jack Show.
      Ich mochte Reggae ursprünglich auch nicht. Da war aber nicht die Musik sondern eine Frau dran schuld. Aber das ist eine andere Geschichte. Seit nach ihr gefiel mir z.B. Peter Tosh sehr gut. Und danach noch manches andere…

      Und Ihren letzten Satz: „Radio hatte damals noch richtig Einfluss“ unterschreibe ich natürlich

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  9. Es scheint ein „Jungsbeitrag“ zu sein.
    Leider nicht mein Fachgebiet, aber was soll`s. (Solche edlen Dinge besaß ich nie. Es gab andere Prioritäten!)
    Das habe ich mir jetzt sehr zärtlich abgerungen, weil ich doch unbedingt einen Kommentar abgeben will.
    Mit gediegenen bibliomanen Grüßen verbleibe ich freundlich in meinen lyrischen Gefilden

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    • Nun ja, liebe Frau Wildgans, ein Fachartikel war nicht angestrebt und ists auch nicht geworden. Allein schon der fehlenden Daten wegen. Und edel waren die meisten Tondingens auch nicht.
      Es ging mir darum, Reduktion darzustellen. An Beispielen immer weiterer Steigerungen und dem darauffolgenden Abbau des Steigerungswahns. Und all dies nebenbei an einigen lebenspraktischen Exempeln bzw. Erkenntnissen vorgeführt.
      Ich danke Ihnen für Ihre Kommentarabringung und sende einen wohlklingenden Morgengruss

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