Reduzierte Einblicke in den alten Ortskern

Passend zu den Themen, die mich momentan umtreiben: Die Ärzte – They´ve given me Schrott (2019)…

Die Sommerferien dauerten länger als der Familienurlaub in Italien. Ein kleiner Junge im alten Ortskern. Sommerliche Hitze. Rundum die Bauernhöfe waren noch weitgehend intakt. So sah es jedenfalls für mich aus. Ein merkwürdiges Wort machte die Runde, für die meisten Kinder unverständlich: Flurbereinigung. Bei uns zuhause war es kein Thema, wenn die Urgrossmutter mit dem Bohner und Sigella Wachs aus der schrägen Plastiktube den Flur auf Hochglanz polierte.

Mit den Kindern von den Höfen rundum durfte man spielen. Leider mussten viele von ihnen in den Ferien auf den Feldern helfen. Aber auf den Höfen, in den Scheunen, da konnte man sich verstecken und seinen Fantasien spielerisch fast freien Lauf lassen. Die Grenzen waren jedoch klar gesteckt. Keines von den hiesigen Kindern ist geritten. (Ist ja auch richtig so – Pferde waren damals noch keine Spielzeuge für Mittelstandskinder). Zur Abschreckung hob fast jeder Landwirt einmal ein Kind auf den Rücken eines Pferdes oder einer Kuh. Das direkte Erlebnis dieses Schreckens wohnt bis heute bei mir in der tieferen Erinnerung.

Allein die Namen dieser Männer. De Eckspitz, die Datter, der Horniggel, de Schmittjahb. Jeder von denen eine Type für sich. Individualitäten und keine glattgebügelten Bürositzer mit weissem Kragen. Von den Frauen erinnere ich bloss noch die dick´ Berta. Eine wahrhaft mächtige Walküre. In einem Seitenstübchen ihrer Wirtschaft „Zur Krone“ gabs Eis in Papierwaffeln. Aber dafür in Muschelform. Das gab ein Sonntagseis, wenn nach dem Kindergottesdienst der Groschen (zehn Pfennigmünze-West) statt in den Opferstock in die breite Hand der dicken Berta verschwand. Waldmeister.
Gegenüber unseres Hauses befand sich die Kirche und daneben der Faselstall. Auf der anderen Strassenseite lag das Anwesen eines Altmetallhändlers. Und ein paar Häuser weiter war die Welt in dieser Richtung fast schon zu Ende. Am alten Ortsdamm. Im Winter diente er als Abfahrtstrecke mit dem Schlitten.
Auf einem Traktor mitfahren dürfen. Die Vibrationen des niedrigtourigen Dieselmotors im ganzen Körper spüren. Die Bauern sprachen nicht viel. Und ihre Ansprachen waren immer eindeutig. Da gabs keine Diskussionen. Und erklärt wurde auch nicht viel. Das kam später. Beim Flicken eines Fahrradschlauches etwa oder beim Beladen eines Wagens mit dem Mistgreifer. 

Hurra! Ein Bauer trieb sein Schwein zum Faselstall. Wir waren zur Stelle wenn der Ortseber dem Schwein zugeführt wurde.
Haut ab, Ihr Bangerte, Ihr habt hier nichts zu suchen.
Wie gesagt, die Ansagen der Erwachsenen waren unmissverständlich. In den Gebäuden des Faselstalls befanden sich auch die Feuerspitze und das erste Feuerwehrauto. Neben dem Eingang stand ein Turm. Darauf war ein Storchennest. In einem der Gebäude wohnte der „erste Ausländer“, mit dem wir KInder in Kontakt kamen. Georg, ein junger Grieche, der immer gut drauf war und uns mit seinen harmlosen Spässchen neckte. Für die Eltern war er einfach der Grieche.

Nach einem langen Tag, der viel zu früh endete, stand ich zuhause im Bad. Hemd und Hosen ausziehen. Nun kam der ungeliebte kalte Waschlappen zum Einsatz. Einmal liess meine Standfestigkeit bei dieser Prozedur zu wünschen übrig. Wie es meine Mutter entdeckte weiss ich nicht mehr. Wir waren nachmittags mit einer Bauernfamilie auf dem Feld. Nach der Rückkehr zum Hof waren wir Kinder durstig. Der gute Landmann gab uns in seiner Einfalt als Durstlöscher gespritzten Apfelwein. Einen bleibenden Schaden habe ich jedenfalls nicht davongetragen. Im Gegenteil, eine bessere Erfrischung als einen Sauergespritzten ist mir nicht bekannt.

Als Rennfahrer auf meinem blauen 20″ Tripad raste ich durch die verkehrsarmen Strassen. Ich war Fahrer und Kommentator in einem. Als Rennradfahrer hiess ich U Thant. Aber wieso legte ich mir ausgerechnet diesen Namen zu?
Ich war auf dem Weg vom Bäcker nachhause. Die Tasche mit dem Brot baumelte am Lenker. Und obwohl nach einem leichten Nieselregen das graue Katzenkopfpflaster etwas glitschig war, lag U-Thant nur wenige hundert Meter vorm Ziel um Haaresbreite vor dem gefährlicher Verfolger. Also noch fester in die Pedale treten. Leider kam dabei der Brotbeutel irgendwie ins Gehege mit den schnelldrehenden Speichen. Das Brot wurde durch den Abstieg mehr verformt als der verwegene kleine Rennradler.
Auch die tagelange Erwähnung des Namens Kennedy im 1963er Jahr. Weit weg. Bartsch, der Bubentotmacher. Namen, mit denen sich in der Vorstellungswelt sogleich Bilder verbinden. Wie kommen Kinder zu den daraus aufleuchtenden Phantasien, welche Namen prägen sich ein?

Gegen Ende der Sommerferien hielt gegenüber unseres Haus ein Traktor. Der hatte hinter dem Fahrersitz eine grosse Bandsäge montiert. Er schnitt den Bauern der Reihe nach den deren angeliefertes Holz. Das flog vom Wagen neben die Säge und wurde danach zerkleinert wieder aufgeladen. Im Hof wurden die Stücke dann mit dem Beil zu handgerechten Scheiten zerhackt und ordentlich aufgeschichtet.
Jeden Tag bei anderen Menschen. Und jeden Tag die vielen unterschiedlichen Arbeitsweisen gesehen und dennoch nicht bewusst wahrgenommen. Das wird erst einige Jahre später geschehen.

Ein Dorf in einer werdenden Metropolregion. Wir zogen vom alten Ortskern zwei Strassen weiter.  Dreiviertel der Bauern betrieben inzwischen Nebenerwerbslandwirtschaften. Die Männer mit den erlernten Berufen wurden zu Hilfsarbeitern oder Handlangern in den aufstrebenden regionalen Industriebetrieben. Zur Zeit meiner Geburt wurden im Dorf noch 243 Kühe gezählt. Das letzte Kälbchen wurde 1988 ans Licht gezogen und mit Stroh trocken gerieben. Drei Kühe standen damals noch in einem letzten Stall. Unseren täglichen Liter Milch bekamen wir bis im Sommer 1990.

Unzählige Erinnerungen. Nach dem Umzug verloren sich die alten Kontakte zwangsläufig. Eine fremde, neue Gegend. Wenn auch nur zwei Strassen entfernt. Andere Kinder. Andere Spiele. Das Gebiet am Güterbahnhof. Jeden Tag draussen. In allen vier Jahreszeiten. Der vitale Ausgleich für die dumpfe kleine Familienwelt. Scheuklappen wie Scheunentore.

Ärzte raten den jungen Eltern, ihre Kinder auf den Bauch zu legen. Aufs Kreuz werden sie noch früh genug gelegt. Um die Schäden der jeweiligen Erziehungsmassnahmen zu reparieren, braucht man gute Füsse für die Wege durchs Leben.
Da spielt es keine Rolle, ob man auf Feldwegen, Boulevards, Schotterpfaden oder unter Alleen wandelt. Und kein Kind kommt davon. Von Glück reden können diejenigen, die sich als junge Erwachsene mit der Frage auseinandersetzen, warum sie sich gerade die Eltern ausgesucht haben, denen sie in die Hände gelegt worden sind. Für mich sind diese Gedanken die Leitplanken meines Lebens geblieben. Insofern hat jeder Mensch eine Chance zur Entwicklung. Vorausgesetzt, er ergreift seine ihm innewohnenden Möglichkeiten. Dahingehend ist tatsächlich jeder Mensch der Künstler seiner eigenen Lebensskulptur.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein fantastisches Wochenende.

 

(Noch immer tauglich und nützlich im täglichen Allerlei)

 

 

 

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21 Gedanken zu „Reduzierte Einblicke in den alten Ortskern

  1. Was für gute Details, beispielsweise bei der schrägen Bohnerwachstube, auf der man schön rumdrücken konnte.
    Die Menschen der Erinnerung, die wallende Wirtin, die bellenden Kinderschreckmänner. Hatten die Häuser in Ihrem Ort auch Namen? Als wir herzogen, wurden wir gefragt, ob wir die Neuen vom Batovskihaus wären (oder so ähnlich).
    Und ja, warum hat man sich gerade DIE Eltern ausgesucht? Die geistige Welt hat uns damit eine Aufgabe gestellt, so denke ich mir das, und schnell ziehe ich noch eine Babyprutsch, grundsätzlich beleidigt.
    Jede und jeder hat eine andere Aufgabe, wenn überhaupt. Vielleicht steht später einer am Rand unseres Weges in die andere Welt und lacht sich schlapp und ruft: Es war alles nur Trallala.
    Herzliche Grüße am Sommernachmittag

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    • Sigella Bohnerwachs gabs meiner Erinnerung nach in weiss, hellgrün und gelb.

      Tja, wenn wir wüssten, wie es hinter der Abflughalle zu unserer letzten Reise weitergehen würde…

      Vorabendgruss von der vielfarbigen Fähre

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  2. Die Häuser hier haben heute keine Namen mehr. Es gab natürlich den Faselstall, den Domstiftshof, die Elemiehl (die Ölmühle) – diese Benennungen waren aber Funktionszuschreibungen, keine Namensbezeichnungen.

    Genau, fast jede und jeder meines Alters hatte früher oder später eine Prutsch gezogen. Woher das wohl rührte?

    Am Lebenswegrand interessieren mich in meinem persönlichen Kontext die zeitweise begleitenden guten Geister, gerne auch Engel genannt.
    Wobei manche noch immer nachwirken obwohl sie selbst schon längst ihre grosse Reise angetreten haben.

    Spätnachmittagsgruss von der dümpelnden Fähre

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  3. Sehr geehrter Herr Ärmel,
    sehr schöne Erinnerungen an eine vergangene dörfliche Zeit…da wurden auch bei mir manche Geschichten wieder aufgedeckt…die heissen Sommer bei meiner Oma in Niedersachsen in einem kleinen Dorf , immerhin mit Klosterkirche in der sich der Erzbischof von Osnabrück mit seiner Geliebten amüsierte…dann das Sammeln von schädlichen Kartoffelkäfern auf dem hauseigenen kleinen Acker…der von Opa selbstgebrannte Schnaps und der geheimnisvolle Schuppen im Garten mit Werkzeug und der alten Landseruniform…die Neuzeit dröhnte alle paar Minuten durch die Luft in Form der Kampfmaschinen des nahegelegenen Jagdbombergeschaders…100 Meter über den Häusern und irgendwann fiel eine von denen runter…der Nachbar züchtete noch Hasen von denen zu meinem Entsetzen jedes Jahr zu Weihnachten…genau, statt der Gans….schlachten konnten sie damals alle noch selbst…und die frische Milch kam mit dem VW Bus klingelnd vor die Haustür…dann war es meine Aufgabe runter zu rennen und 1 Liter frische Milch aus einem Tank im Auto ins mitgebrachte Glasgefäss abfüllen zu lassen…so ein effektives System ohne Müllproduktion und Plastikverpackung wäre heute schon wieder modern… Danke für die Einnerungsauffrischung, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Restsonntag und verbleibe mit leicht unterkühlten (15 Grad, Juli !!!) Grüssen aus Hamburg, Jürgen

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    • Klasse Erinnerungen schildern auch Sie – Prima!
      Ich könnte glatt weitermachen, bin aber derzeit auf dem Weg zu meiner späteren Kindheit. 😉

      Auch Ihnen wünsche ich einen formidablen Restsonntag aus dem sonnigen und nur wenig wärmeren (18°) Bembelland,
      Herr Ärmel

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  4. Kinder werden heute zum Rückenschlafen angehalten. Das ist scheints gegen den plötzlichen Kindstod hilfreich, und bereitet auch darauf vor, wenn man irgendwann in einem Bett liegt und nicht mehr selbst daraus aufkommt. Denn dann, dann wird man immer auf den Rücken gelegt. Aufs Kreuz wahrscheinlich auch.

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    • Wir haben unsere Kinder sowohl auf den Rücken als auch auf den Bauch zum schlafen gelegt.
      So hatte man es angeblich auch mit mir gemacht.
      Ich werde mal nachsehen, was der plötzliche Kindstod mit der Schlaflage zu tun haben soll.
      Schönen Dank für den Hinweis. Und schön, Dich wieder mal begrüssen zu dürfen.

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  5. Bembelland, ha! Zwar erst im beginnenden Backfischalter, aber dann lebte ich nach der Großstadt auch im teils dörflichen Umfeld. Vor den Sigellatuben (unsre mit hellgrünem Inhalt) kannte ich noch Büchsen mit Bohnerwachs. Unvergessener Geruch. Äbbelwoi wurde vom Bauern, neben dessen Erdbeerfeldern und Obstbaumreihen wir wohnten, gekeltert wie Sekt. Und es knallten die Korken. Max hieß der Gaul, vier Kühe und ein Bulle standen im Stall und zu Zeiten im angeschlossenen Extragelass die Kälbchen.
    Bald gab es nur noch Obstbauern. Die Kirschen wurden auf selbstgebauten Leitern mit Stützeln geerntet – und ich würde mich heute nie mehr in diese Höhen wagen. An örtlichen Namen ließ sich ablesen, dass es früher dort sogar Weinanbau gegeben hat. „Im Wingert“.

    Und zum Bauchliegen: Meine Eltern wendeten die Säuglinge noch von linker Seite zu rechter Seite, gestützt durch ein zusammengerolltes Tuch im Rücken, damit sie nicht wegrollten und ein „schönes Köpfchen“ bekamen.
    Unsere Kinder wurden in der Aera der Bauchlagenkinder geboren. Nicht nur 68er Jahre Erziehungsexperimente, darunter durchaus sinnvolle, gehörten dazu (Gordon, Die Familienkonferenz und „Summerhill“, soweit ich mich erinnere), sondern auch die damals neue Erkenntnis, dass Babies in Bauchlage seltener den plötzlichen Kindstod erlitten. Bauchlagenkinder entwickelten starke Rückenmuskulatur und reckten früh das Köpfchen in die Höhe, weil sie sonst im Kinderwagen gar nichts sehen konnten.
    Die Enkel in der heutigen Zeit liegen nach wieder wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Rücken, weil dies die gesichertste Lage gegen den plötzlichen Kindstod sei.
    Mullwindel – Papierwindel – Höschenwindel – über alles weht der Geist der Zeit.

    Und zu Sigella fällt mir als Wortparalelle gleich „Hengella“ ein, die Unterwäsche, mit Liebe gemacht.
    Und diesen rechteckigen schweren Bohnerbesenblock kannten Sie dann sicher auch noch?

    Mit Grüßen von Niederrhein

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    • Guten Morgen und herzlich willkommen.
      Was für ein famoser Kommentar. Wasser auf meine Erinnerungsmühle. Den Umschlag der Familienkonferenz sah ich direkt vor mir. Und die rote und blaue Schrift auf dem rororo Bändchen von Alexander Neills Summerhill ebenso. Die abgestützten Leitern in Kirsch- und Apfelbäumen sind mir erinnerlich.
      Vor der grandiosen Äbbelwoizeit wurde vom Rheingau bis in den Norden Frankfurts Wein angebaut. Eschborn, Liederbach, Friedberg, Oberursel… sogar Kleinostheim
      Die gerollten Handtücher mit dem Ziel schöner Kopfformen wurden bei meinen Kindern ebenfalls verwendet.
      Den massiven Bohner habe ich in meinem Bericht nicht explizit verwendet. Wenn die Urgrossmutter bohnerte, durfte ich mich oft draufstellen und konnte so über die Pitch-Pineböden gleiten. Durch die Nennung von Produktnamen öffnen sich jedesmal die Schleusen bei. Ado mit der Goldkante, Tetravitol, Kaba und Hustelinchen fallen mir spontan ein.

      Schöne Grüsse aus dem südlichen Bembelland, Herr Ärmel

      PS: Schade, dass die Tür zu den Seidenworten versperrt ist.

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  6. Mit dem ländlichen Leben verbinde ich ja auch die ein oder angenehme Erinnerung, zumindest bis zu einem gewissen Alter wollte ich meine Ferien meist dort verbringen. Den ganzen Tag an der frischen Luft hat garantiert nicht geschadet, vielleicht bis auf die Schellen die man bekommen hat, wenn mal wieder der Ball durch eine Scheibe flog oder wir heimlich mit dem „geliehenen“ Kleinkaliber auf Bisamrattenjagd waren, weil es angeblich 5 Mark Prämie für jede Bisamratte gab. Erwischt haben wir zum Glück nie eine.
    So Kleinigkeiten wie ein Plumpsklo hat man in Kauf genommen, dafür war das fließene Wasser so dermaßen kalt, dass sogar die Frigeobrausepulverbrause damit schmeckte. Bestimmt besser als Gespritzter *gg*
    Ich erinnere mich an Johannisbeeren, Stachelbeeren, Kirschen, Birnen und Rhabarber die ums Haus herum wuchsen, an tausende von Grashüpfern die man auf der großen Wiese nur aufsammeln musste, an den mit Kohle befeuerten Herd und die große Blechschüssel die Oma auf dem Schoß hatte wenn sie Erbsen gepult hat.

    Aber Bohnerwachs? BOHNERWACHS? ^^
    An Bohnerwachs hatte ich nie irgendwelche Erinnerungen, schon gar nicht an eine Marke. :))

    Lieben Gruß aus dem kühlen Norden

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    • Klasse Erinnerungen. Und kaum Verklärungen, denn auch das nervige Drumrum wird nicht vergessen. Ommas Schüssel war sicherlich irgendwie emailliert. Ich kenne einfach keine Grossmütter ohne Emaillschüsseln. Und auch keine, die nicht mit grossen Messern die Brotscheiben vor ihren Busen geschnitten hätten. Immer am Rande der Selbstamputation …

      Herzliche Grüsse aus dem feinen Bembelland

      Statt an Bohnerwachs erinnerst du dich vielleicht eher an Persil 59 oder 65.
      Nyltest Hemden. Ado mit der Goldkante oder Betterfinger… *ggg*

      Frigeo habe ich in jeglicher Verpackung zu mir genommen. Im Tütchen als Pulver, als Brausewürfel und natürlich die famosen Brausestäbchen nicht vergessen.

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        • Es fallen mir gleich dazu ein: Prickel-Pit, Pez, Nappo, Himbeerbonbons und Zauberkugeln (die beim Lutschen die Farbe änderten, klebrige Finger, man musste ja nachsehen, wie die nächste Schicht aussah), letztere für 1 Pfg das Stück. Später Lakritzringe und Veilchenpastillen. Waffelbruch, vor allem auch im Freibad vertrieben.

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          • ja, da gibt es noch Knöterich 1/2 Pfennig, Ahoi Brause, Lakritzringe auch Schnecken genannt, Wundertüten, „Neger“-Küsse, „Mohren“-Köpfe. Die Namen variierten sicher auch nach Region.

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          • Die Zauberkugeln – ein Knaller—…
            Bazooka Kaugummi, Lakritzpfeifen mit buntem Einsatz, Hustelinchen und Kandiszucker an der Kordel…
            Lagnese Capri (30Pf.) und Lagnese Split (40Pf.) und Lagnese Happen (50Pf.).
            Capri heisst heute Caretta und Split heisst Himbi. Beide bleiben nach dem Auspacken noch immer an den Lippen kleben….

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  7. Ich bin mitten im Ruhrgebeat, im Essener Stadtteil Altendorf aufgewachsen, mitten zwischen Zechen, qualmenden Schloten der Kokereien und der nahen Krupp Stahlwerke. Wenn meine Mutter weiße Bettwäsche im Hof hinterm Haus auf die Leine hängte, dann nur, wenn der Wind aus einer „ungefährlichen“ Richtung wehte. Denn sonst hatte das Weiß ganz schnell schwarze Stippen und alle Mühe des Waschens war umsonst. Größer kann der Kontrast zu dörflicher Idylle wohl nicht sein. Samstag war Badetag, in der Küche stand die Wanne aus Weissblech, voll mit warmen Wasser; erst mein kleinerer Bruder, dann ich. Der Boden wurde auch mit Bohnerwachs malträtiert, Marke Sigella, ich erinnere mich an pralle, grüne Tuben. Und in der Schule an grüne, wachshaltige Sägespäne, die mit einer Bohnermaschiene über die Böden gerieben wurden, anschließend aufgefegt wurden – den Geruch habe ich beim Schreiben wieder in der Nase… obwohl meine Schulerinnerungen allesamt zum Vergessen sind!
    Vielen Dank, Herr Ärmel, daß Sie mich mit Ihren Kindheits-Jugenderinnerungen in die „canyons of my mind“ entführt haben!

    ps.: dazu noch zwei Filmtipps:
    „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ von Stephen King
    „Das weisse Band“ von Michael Haneke

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    • Hallo und schönen Dank für die Mitteilung Ihrer Erinnerungen.
      Nach den Erzählungen in meiner Familie war das Ruhrgebiet sowas ähnliches wie Saargebiet. Gegenden, in man nicht hinfährt.
      Andererseits die Zinkbütte, in der die Kinder gewachsen worden sind. Absolut in jener Zeit und überregional.

      „Das weisse Band“ kenne ich. Bei Stephen King weiss ich nicht so recht…

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      • Ja, ich kann mich auch nur an wegfahren erinnern! Heutzutage hat sich aber Einiges geändert, zumal ich jetzt nahe am Baldeneysee lebe…

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        • Baldeneysee? Essen? Sie bewohnen mit Ihrem rlesenen Klangarchiv doch nicht etwa die Villa Hügel? 🙂
          Im Ernst, im Ruhrgebiet hat sich sehr viel zum Positiven verändert…

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