Reduktion? Alles prima soweit….

Musik: The Doors – Weird Scenes Inside The Gold Mine / 1972 und danach: Darken My Fire – A Gothic Tribute To The Doors / 2000
Lektüre: Recherchen hinsichtlich der Frage: wie beseitigen wir unsere Dickmaulrüssler?
Essen: Köstliche grobe italienische Bratwurst, Spezial-Kartoffelstampf und Rote-Beete-Salat, dazu Störtebecker Übersee-Pils.
Arbeit: Im Garten im Liegestuhl liegen, kleine Radfahrt zu Erinnerungsorten.
Film: Wasser – der Film / 1985 eine bitterschwarzhumorige englische Satire auf den Falklandkrieg. Produziert von George Harrison. Der tritt auch im Film auf mit Ringo Starr. Hauptrolle Michael Caine. Ärmelprädikat: witzig, kurzweilig – sehenswert …

Die Blätter des mächtigen Kirschlorbeer leiden. Grosse Löcher. Die Dickmaulrüssler sind hungrig. Die Larven haben den Winter an den Wurzeln überlebt. Kein Wunder, wenn andere Pflanzen ohne Unterbrechung blühen. Die Natur steht Kopf. Und wir erleben den Anfang einer Entwicklung des Klimawandels.

Wir grüssen andere Menschen, die uns bei der nachmittäglichen Radausfahrt entgegenkommen. Die meisten grüssen zurück. Dennoch fallen die hochgezogenen Schultern und die auf den Boden gerichteten Blicke auf. Wir unterhalten uns anschliessend darüber. Beim Bier im Garten. Angst. Die Menschen scheinen Angst zu haben.

Angst vor was eigentlich? Hinsichtlich des Virus gibt es klare Vorsichtsmassnahmen. Angst vor was also? Vor den Konsequenzen, die bereits jetzt in den Medien angedeutet werden. Die KRISE.
Dass der Glaube an den Ewigwachstumsgott der kapitalistischen Wirtschaftsweise in eine Sackgasse führen wird, war allen denkenden und voraausschauenden Menschen klar. Nur wann wird das sein? Na, die mauer am Ende dieser Gasse ist im Nebel sichtbar. Noch können ja alle auf deibel kumm raus konsumieren.

Noch im vergangenen Jahr wurde die KRISE als Chance begriffen. Und heute im Angesicht der Krise? Angst. Wir einigen uns im Gespräch darauf, dass die Mehrheit der Menschen Angst haben wird vor den eingeschränkten Konsummöglichkeiten nach der Krise. Nach der Krise – wann wird das sein?

Ich schreibe hier seit fast drei Jahren zu angewandter Reduktion. Mir fehlt derzeit allenfalls die unbeschränkte Bewegungsgfreiheit. Ansonsten ist es ruhig draussen. Prima. Viel weniger Verkehr. Prima. Heimarbeit funktioniert offensichtlich. Prima. Warum sollen auch tausende Autofahrer tagtäglich hunderte von Kilometern zu einem Computer fahren, der ohnehin auch zuhause steht? Wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft.
Einwand: wenn jeder von zuhause arbeitet, dann entsteht keine Solidarität zwischen den Arbeitnehmern. Einspruch abgelehnt: Solidarität in Deutschland? Bei den Bergarbeitern der 1960er Jahre vielleicht. Aber heute gibts kaum noch Bergarbeiter.
Alle Lebensmittel verfügbar. Prima. Wasser und Strom, fliessen. Prima. Internet funzt. Prima.
Was sagst Du? Klopapier?
Wir haben noch einige Rollen. Und falls es wirklich keins mehr geben sollte, reissen wir die Zeitung der Nachbarn in kleine Stücke. Habe ich hier im alten Ortskern bei den Bauern noch gesehen. Wie die mit den handlich gerissenen Blättchen verschwunden sind hinter der Holztür mit dem ausgesägten Herzchen, draussen im Hof. Ohne Wasserspülung und Heizung.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern, dass sie jetzt ihre Möglichenkeiten erkennen und ergreifen. Und bleiben Sie gesund.
Und besonders wichtig: denken Sie an die Zeitumstellung. Irgendwas ist nämlich immer. Wenn auch noch so unwichtig.

.

8 Gedanken zu „Reduktion? Alles prima soweit….

  1. Was mich an „Weird Scenes Inside The Goldmine“ immer besonders fasziniert hat, ist die Zusammenstellung der Songs und das Aufklapp-Cover mit dem schönen Photo der Doors. Der Song „Strange Days“ verbreitet für mich genau die Stimmung, die Sie in Ihrem Text beschreiben…

    Gefällt 1 Person

    • Das Aquarell auf der Aussenseite fand ich besonders gelungen. Das Farbfoto innen gab es meiner Erinnerung nach schon zuvor als Hülle einer Single.
      Klar, die Zusammenstellung der Stücke fand ich auch sehr gelungen. Obwohl ich später auch die jeweiligen LPs hatte, war mir diese Kompilation doch sehr lieb….

      Gefällt 1 Person

  2. Nun, dieLebensverhältnisse der Menschen sind eben verschieden. Sie werden vielleicht auf die italienische Landwurst und das Übersee-Pils verzichten müssen, vielleicht werden sie auch keine Bücher über Schädlinge mehr kaufen können – aber sonst haben Sie (wie auch ich) nicht viel zu befürchten, nehme ich an, außer vielleicht den Verlust unserer Freiheit. Bei anderen geht es ums Überleben – jetzt schon, „vor der Krise“. Und bei den Jungen geht es darum, dass ihnen die Orientierungsphase, die uns Älteren in jüngeren Jahren so wichtig war, grad gestohlen wird. Verzichten setzt voraus, etwas haben zu können oder zu haben. Herzliche Grüße aus dem Süden Europas.

    Gefällt mir

    • Ich danke Ihnen für Ihren anregenden Kommentar.
      „…dieLebensverhältnisse der Menschen sind eben verschieden… “ Da stimme ich voll zu. Und eben deshalb sind die Lebensverhältnisse per se nicht nur gut oder nur schlecht. Sondern vielfältig unterschiedlich.
      Es gibt zu allen Zeiten Menschen, bei denen es ums Überleben geht und es gibt zu allen Zeiten Menschen, die an ihrem Überfluss fast ersticken.
      Bei all den Verschiedenheiten geht es mir aber nicht um die materielle Seite – eine italienische Bratwurst lässt sich locker durch ein Butterbrot mit frischer Petersilie ersetzen – mir geht es um die Möglichkeiten zur Kreativität um die eigene Lebensführung.

      Da haben es die jungen Menschen derzeit sicherlich schwer. Und wie ich beobachte, sogar schwer. Wer als Kleinkind schon auf die Entscheidungsebene der Erwachsenen gezogen wird, der wird später mit Begrenzungen schmerzlicher leben müssen.
      Und Menschen, die sich über ihre Konsummöglichkeiten definieren, werden für ihr Lebensmodell neue Erklärungsmodelle finden müssen in Zeiten einschneidender Beschränkungen.

      Meine derzeitigen Berichte dienen weniger der privaten Aufschneiderei, denn als positive Beispiele. Wir leben am Existenzminimum. Ein Einkommen ist schon jetzt weggebrochen. Insofern weiss ich, wovon ich rede bzw. schreibe. Mir wird schlichtweg zu wenig positiv gesprochen. Und zu wenig über die möglichen Freiheiten. Die sind meiner Meinung nach nicht erledigt durch die jetzigen Ausgangsbeschränkungen.

      Schöne Grüsse aus dem ostwindkalten Norden Mitteleuropas und bleiben Sie gesund

      Gefällt 1 Person

  3. danke, ich freue mich über Ihre Antwort. Ja, Freiheit gibt es, sie zu nutzen gilt es, und Positives auch im Negativen zu entdecken, finde ich ebenfalls notwendig. Ich gönne Ihnen auch von Herzen Ihr Pils und bin sicher, Sie könnten leicht darauf leicht verzichten, wenn es nötig wäre. Wir leisten uns guten Wein, auch wenn Wasser den Durst besser löscht. Aber ich bin kein Freund der Selbstkasteiung.
    Schönreden mag ich die Situation allerdings nicht, da selbst gesuchte und gelebte Reduktion etwas anderes ist als die Fülle gar nicht erst kennenzulernen bzw bei jedem Schritt im Leben mit extremen Einschränkungen kämpfen zu müssen, so dass Leben darin besteht, am Leben zu bleiben und in sonst nichts. Das ist hier bei vielen Menschen seit Jahren angesagt, und in der gegenwärtigen Krise gehen ihnen die Kräfte aus, da die Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt ist. Sie haben im Wortsinn nicht das tägliche Brot. Durch die Maßnahmen werden vor allem wir, die in relativem Wohlstand leben, geschützt: wir haben ein Zuhause, haben zu essen und jammern nur, dass wir dies und jenes nicht tun können. Sie aber kämpfen ums Überleben. Ich sehe schon eine Suizid-Welle wie in den ersten Jahren der griechischen Krise anrollen.
    Und so hoffe ich inständig, dass die einschränkenden Maßnahmen bald aufgehoben werden können. Bevor es zu spät ist und die marode Wirtschaft ganz zusammenbricht. . Liebe Grüße!

    Gefällt mir

    • Bittere Armut gibt es weltweit.
      Beurteilen will und kann ich lediglich die Lebensbedingungen, die ich kenne.
      In Deutschland muss man aus Mangel an Zuwendungen (derzeit) noch nicht verhungern. Deutschland ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt der Welt.
      Ich habe in Ländern gelebt und gearbeitet, in denen Menschen noch immer tagtäglich verhungern oder an einer (für uns) harmlosen Verletzung zugrunde gehen.

      Dabei habe ich eins gelernt und nicht mehr vergessen: Ich kann manche Dinge nicht ändern, also kümmere ich mit meiner Tatkraft (so lange es geht) um die Menschen, denen ich weiterhelfen kann.
      Ich würde es seelisch nur sehr schlecht verkraften, wollte ich mich um jedes Elend in der Welt kümmern. Ich verneine dieses Elend nicht. Aber gerade deshalb helfe ich dort, wo ich es wirkungsvoll tun kann, so gut ich kann.

      Von den innergriechischen Verhältnissen weiss ich viel zu wenig, um darüber mitsprechen oder mir gar ein Urteil erlauben zu können.

      Ihnen einen schönen Sonntag

      Gefällt 1 Person

  4. Musik ist auch jetzt mein kleines Lebenselixier, eigentlich immer.
    Eigentlich eine schreckliche Vorstellung, gäbe es nur noch Heimbüroarbeit.
    Schüler/innen würden sich nicht mehr real kennenlernen, Eltern müssten sich mit ihren Kindern beschäftigen, Brücken und Straßen würden nur noch geplant aber nicht gebaut werden, wären aber nicht mehr in der Fülle erforderlich… der Müll, wo kommt der Müll hin? Auch da würde man drüber nachdenken müssen.
    Ihr Beitrag wirft die Denkmaschine an, die Kommentare noch viel mehr. Schwierige Zeiten, wenn wir nicht erkennen, dass wir vieles in der Hand haben – nicht alles, sicher, aber dieser Anspruch ist ohnehin Makulatur.
    Persönlich schwierig finde ich, ist es der jungen Generation nach wie vor eine Perspektive aufzuzeigen, ohne erhobenen Zeigefinger, aber da sind wir selbst Vorbilder, ohne dass man drüber reden sollte.

    Schöne Grüße und die besten Gedanken!

    (Immer noch Gary Moore / Draußen auf den Feldern)

    Gefällt mir

    • Ich weiss nicht, wie ich ohne Musik meine Jugendjahre überstanden hätte. Und einen Teil meiner Erwachsenenjahre ebenfalls.

      „…wo kommt der Müll hin? Auch da würde man drüber nachdenken müssen….“ Vorher müsste man erstmal klären, wer den Müll denn abholen wird.

      Und was die jetzige Jugend betrifft. Die wirds auf ihre Weise genauso schaffen, wie wir es geschafft haben. Anders halt, aber es wird hinhauen. Ich sehs an unseren Kindern. Die haben sich prächtig entwickelt. Und sie gehen die derzeitigen Herausforderungen konstruktiv an. Das ist schon was Positives!

      Ihnen einen schönen Abend

      ( The Police hin und hier und hoch und runter 😉 )

      Gefällt mir

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.