Samstags, spätvormittags

Musik: Interzone – The lost Tape (2019). Ganz frühe Aufnahmen zu den Texten von Wolf Wondratschek.
Lektüre: Wolf Wondratschek – Gedichte und Lieder, Zweitausendeins, 2003.
Essen & Trinken: Zwischendurch einen Joghurt mit hausgekochter Mispelmarmelade und frischen Orangen.
Arbeit: Überlegungen zu dem Plan, was aus einem seit Jahren währenden Blogkommentarwechsel machbar sein könnte.
Film: … .

Ich weiss garnicht, ob irgendwo noch Fussballspiele stattfinden. Ist wahrscheinlich ausser für beinharte Zuschauer und die Geldverdiener hinter der Bühne nicht weiter wichtig. Es hat mit sportlichem Wettkampf ohnehin nur noch wenig zu tun. Verkommen zur modernen, hochkapitalisierten Form des altrömischen Zirkus. Das Motto von damals – panem et circenses – gilt noch heute. Lass die Leute arbeiten und in ihrer Freizeit lenke sie ab mit Spielereien – Brot und Spiele. Dann herrscht Ruhe im Land.
Vereine kann man sich kaufen wenn man es sich leisten kann. Herr Hopp konnte das und er hat es auch getan. Zielgerichtet. Als Investor versteht sich. Dafür liess er sich das Regelwerk der DFL (Deutsche Fussball Liga e.V.) zu seinen Gunsten ändern. Das ist angewandte Kaufkraft. Dieses Handeln rief viel Kritik hervor. In letzter Zeit ganz besonders von Fans (Abk.: Fanatikern) gegnerischer Mannschaften. Meine Kritik ruft er nicht hervor. Ich verstehe von diesen Geschäften nichts und verdiene auch nicht daran. Im Gegenteil, ein Mann wie er zeigt mir, wie es wirklich um unser System bestellt ist. Und er hat auch gleich Nachahmer auf den Plan gerufen. Ein Leipziger Verein trägt nun den Namen einer trinkbaren Hallowach-Chemikalie. Aber darum geht es nicht.

Wie komme ich jetzt ausgerechnet auf Fussball und den Herrn Hopp?

Aaahh – – ich war heute Morgen im hiesigen Supermarkt. Wir wollten einige Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen. Die lange Regalwand mit Toilettenpapier war heute prall voll. Die anderen Konsumenten gehen fast achtlos dran vorbei. Schauen mal kurz hin und gehen weiter.
Mich bewegt in den letzten Wochen nicht die Frage, warum viele Leute asgerechnet Klopapier hamstern müssen. Ich frage mich, wo der Nachschub bleibt. Hey, wir leben im Hochkapitalismus. Da versteht es sich, dass die Regale voll sind. Und zwar immer und ständig bitteschön.
Und heute Morgen fiel mir dazu dann der Herr Hopp ein. Genauer seine Firma SAP. Softwarelösungen für zum Beispiel die Finanzbuchhaltung, das Personalmanagement. Und das hochgelobte Chain Supply Management. Immer alles just-in-time. Keine Zeit verlieren. Keinen Lagerplatz verschwenden. Kein Geld verlieren. Lieferkettensteuerung. Die Klopapierlieferkette war gerissen. Seit drei Wochen schon. Und die tollen Softwarelösungen (nicht bloss die von SAP), an die wir alle so gerne glauben? Die haben uns jetzt gezeigt, dass wir von der Planwirtschaft vergangener Tage durch die modern Software garnicht mehr so weit entfernt sind. Die Klopapierproduzenten waren zu langsam und konnten ihre Produktion nicht entsprechend der Nachfrage hochfahren.

Aber noch stabilisiert sich unser Wirtschaftssystem rasch. Im Regal lagen heute Pakete mit je acht Rollen. Ziemlich dünn und ziemlich schmal waren die Rollen. Acht Stück im Paket zu 4,49€. Die Plastikverpackungen waren unbedruckt. Niemand weiss, wieviele Blätter die Rollen nun haben. Ordentlich Kosten wurden da bei der Herstellung gespart, dafür beim Verkaufspreis aber unverschämt zugelangt. Und die Konsumenten zahlen nun den Preis dafür.

 

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein erfreuliches Wochenende.

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7 Gedanken zu „Samstags, spätvormittags

  1. Mein lieber Verärmeltster,
    ich wollte nienichniemals etwas zu diesem scheinbar hochaktuellem Thema der Hortung von Papieren zur Zwischengeschossbereinigung beitragen. Allerdings ist es für mich auch eine Obergeschossangelegenheit. Ich schnaupe gelegentlich gerne ins Rollpapier. Oder tupfe frisch gerötete Mundschwünge damit ab. Deswegen horten? Ein abwegiger Gedanke~~~~~

    Heute las ich von der Umbenennung des Diva-Stadions und frage mich, ob ich nicht vielleicht auch Zwischengeschosspapiere anlegen sollte. Es ist nämlich zum Speien… Pardöngsche!

    Ihnen einen unspeierigen Abend und zugeneigte Grüße wie stets.
    Ihre Frau Knobloch, auch obergeschossig gerne anliegend.

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  2. Ja der Herr Hopp, ist sehr ins Visier der sog. Fußballfans geraten, irgendein Feindbild scheinen die Leute für ihr Ego ja zu brauchen. So ist eben Fußball, positives Mitreißen ist möglich und dumpfes Mitgröhlen der chronisch Unterbelichteten ebenfalls.
    Btw., Herr Hopp ist ja überaus spendabel für gesellschaftlich relevante Projekte, wobei ich mir da ein abschließendes Urteil nicht erlauben werden, ich habe mich noch nicht intensiv mit ihm beschäftigt und weiß auch nicht inwieweit die Spendenbereitschaft mit einem Mitspracherecht nach US-Vorbild korreliert.
    SAP? Noch nie gesehen, nur gehört. Allerdings ist meine Erfahrung, dass Software im Allgemeinen von Menschen gemacht und von Menschen genutzt wird, und Menschen auch beim Einkaufen bisweilen ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen. Vielleicht bräuchten Softwarelösungen eine Art ‚Emotions-Code‘ implementiert…
    Naja, nur ein paar Gedanken, ohne abschließendes Urteil.
    Wünsche einen schönen Sonntag, der Kirschbaum blüht, was ein Bild, da kann keine Software mithalten!
    🙂

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    • Ich versteh nichts vom Profifussball, nichts von SAP Software und kenne den Herrn nicht persönlich. Insofern: keine Urteile meinerseits; allenfalls Meinungen aber eher doch Fragen.

      Heute in den Feldern mit blühenden Apfel- und Pflaumenbäumen gegangen und gedacht: was sind wir doch für eine überflüssige Spezies.

      Ich wünsche Ihnen einen erquicklichen Abend

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  3. Zum Punkt „Arbeit“: Ein kleines zauberhaftes Büchlein mitsamt feinster Illustrationen zu Euren famosen, jahrelangen Blogflirtkommentaren wäre vorstellbar!
    Abendgruß von leider keiner Verlegerin

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