11 Gedanken zu „Ansichtssachen (IX)

    • Die sich intensiver mit Schopenhauers Schreiben beschäftigt haben, sprechen seltener vom Misanthropen.

      Ich werde in nächster Zukunft nach einer Pause von fast dreissig jahren wieder einmal näher mit seinen Gedanken auseinandersetzen.
      Was mir an seinen Aussagen gefällt, ist seine Kritik an jeder Form von geistlosem Dasein. Daneben entlarvt er hohles Gerede als das, was es ist und wozu es dient.
      Insofern ist er hochaktuell.

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      • Ich finde ihn höchst pessimistisch. zB:

        „Zuvörderst: keiner ist glücklich, sondern strebt sein Leben lang nach einem vermeintlichen Glücke, welches er selten erreicht und auch dann nur, um enttäuscht zu werden: in der Regel aber läuft zuletzt jeder schiffbrüchig und entmastet in den Hafen ein. Dann aber ist es auch einerlei, ob er glücklich oder unglücklich gewesen, in einem Leben, welches bloß aus dauerloser Gegenwart bestanden hat und jetzt zu Ende ist.“

        Leider kann ich keine Quellenangabe liefern. Wahrscheinlich wird es aus „Die Welt als Wille und Vorstellung sein“ Aber ich bin auch keine Schopenhauer-Spezialistin

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        • Klar, wer seinen Willen lebenslang aufs (materielle) Streben richtet, der wird ewig unglücklich sein, weil er immer weiter muss. Investoren, Forscher, Spasskonsumenten . .
          man kann das einen pessimistischen Schluss nennen. Ich nenne es, mit klarem Verstand das Verhalten der Mehrheit wahrnehmen…

          Ich weiss auch nicht mit Sicherheit woher das Zitat stammt. Ich vermute aus den „Aphorismen zur Lebensweisheit“ (aus: Parerga und Paralipomena)

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    • Die gesellschaftliche Form des Bürgertums funktioniert über das Vergleichen und den Glauben daran, dass jeder „es schaffen kann“. Nach oben, versteht sich.
      Und genau dieser Irrglaube, weil unrealistisch, bringt uns dem Abgrund immer näher…

      Insofern ist auch das Zitat von Kierkegaard treffend für unsere heutige Situation.

      Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit,
      Herr Ärmel

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  1. Nein, mit seinem System kriegt mich Schopenhauer heute nicht mehr, aber aufgrund seiner Schärfe, seinem Stil und analytischer Beobachtungsgabe ist er allemal eine Lektüre wert. Einer meiner Lieblingszitate, so aktuell wie es eben geht wie ich finde:
    »Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verräth in dem damit Behafteten den Mangel an INDIVIDUELLEN Eigenschaften, auf die er stolz sey könnte, indem er sonst nicht zu Dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen theilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz seyn könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu seyn.«

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    • Ich glaube ohnehin nicht an Systeme. An keine.
      Schopenhauer war ein brillianter Beobachter, aufmerksamer Wahrnehmer und messerscharfer Formulierer. Das interessiert mich an ihm, weil er dadurch für unsere Zeit immer noch aktuell ist.

      Nicht mehr und nicht weniger…

      Ihr Zitat ist bekannt und vortrefflich für unsere Zeit, in der Nationalismen wieder erstarken.

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