Ansichtssachen (X)

Ein geistreicher Mensch hat in gänzlicher Einsamkeit an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung, während von einem Stumpfen die fortwährende Abwechslung von Gesellschaften, Schauspielen, Ausfahrten und Lustbarkeiten die marternde Langeweile nicht abzuwehren vermag.

                                                                                                                                                                  Arthur Schopenhauer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12 Gedanken zu „Ansichtssachen (X)

  1. Und was ist mit den Lustbarkeiten, die ohne gelangweilt zu sein, entstehen? Zum Beispiel die Lust, diese Photographie zu kommentieren? Blicke flanieren über totenkopfäugige Traurigkeit im kargen Fels und lebenserhaltende Wärme steigt nebenhausig auf, nur um dann knapp am menschengemachten Wege abzudrehen~~~~

    Mein lieber Herr Ärmel, Sie sind ein ansichtssachlicher Provokateur, ich ziehe sämtliche Hüte und verbleibe gesellschaftsliebend zugeneigt als die Ihre Frau Knobloch, leicht phantasiezerranscht nun.

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    • Natürlich bin ich ein hin und wieder „ansichtssachlicher Provokateur“, meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch. Und ich will es um eines Gespräches willen gerne sein.

      Ich lese aus der einleitenden Frage Ihres Kommentars ein mögliches Missverständnis zu dem von mir zitierten Satz…
      Meinte der Philosoph mit seinem Satz nicht, dass manchen Menschen trotz aller vorgesetzten Lustbarkeiten die Langeweile dennoch nicht vertrieben würde.
      Andere Menschen hingegen – und ich erlaube mir, Ihr eigenes Beispiel anzuführen – geben sich aus eigenem Antrieb der Anschauung eines (zufällig gefundenen) Bildes hin und entschliessen sich daraufhin, z.B. einen Kommentar zu schreiben. Beschreiben anschliessend ihre Wahrnehmungen und treten so in einen Austausch mit anderen Menschen.

      Nicht minder gesellschaftsliebend verbleibe ich, Herr Ärmel (auch provokatös immens zugeneigt)

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      • Meine ackerdamische Ausbildung entspricht eher meinem praktischen denn theoretischen Naturell, mein lieber Provokantverärmeltster. Darum würde ich dieses Zitat heutzutage gerne in anderen Sichtweisen interpretieren als es zu Herrn Schopenhausers Zeiten üblich war. (Unter uns: Er würde tatsächlich zu dem Misanthropismus neigen, den wir heute lesend als Essenz schmecken: Bitter!)

        Die zitierte „… fortwährende Abwechslung von Gesellschaften, Schauspielen, Ausfahrten und Lustbarkeiten..“ empfinde ich als Spiegel der Gesellschaft. Und der ist stumpf geworden. Ordentlich putzen täte not als erste Wiedererkennung. Und gegen blinde Flecken hülfe dann vielleicht eine kleine Standortveränderung. Klar, der Fleck bleibt blind, doch vielleicht muß ich garnicht sehen, was er verbirgt?!

        Ihnen hellgrünäugigleuchtende Grüße zur Nacht, Ihre Frau Knobloch, auch ansichtssachlich zugeneigt. Aber sowas von~~~~~~~~

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        • Meine liebe Fernundnahfreundin, an Ihnen hätte der Herr S. wahrscheinlich seine Freude gehabt. Denn aus der praktischen Anschauung und Wahrnehmung der Menschen hat er seine Theorien abgeleitet.

          Interessant finde ich Ihre Überlegung, ob die „… fortwährende Abwechslung von Gesellschaften, Schauspielen, Ausfahrten und Lustbarkeiten..“ eventuell von dem einzelnen Individuum hin zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen sich entwickelt habe.
          Darüber lohnt es, zu reflektieren.

          Bis dahin also,
          Ihr Herr Ärmel mit den Grüssen für einen erfreulichen Tag (Ihnen zugeneigt sowieso)

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          • Nun, für fortlaufendes billiges Brot wurde ununterbrochen gesorgt, nun wird der Wunsch nach Spielen zur freizeitlichen Ergötzung immer lauter. Mahnende Stimmen verhallen da leider. Es ist zwar sehr einfach Sachen nicht zu vermissen, die man ohnehin verpönt, dennoch stünde uns allen eine schlichtere Lebensweiise gut zu Gesicht. Und somit mehr Beschäftigung mit dem eigenen Geist. In diesem Punkt verstehe ich Herrn S. absolut. Ob der Geschliffendenker jedoch Freude an mir gehabt hätte? Nun, das ist mir wieder zu theoretisch. Was steht so trefflich in Frau Christianes famosen Blog obenauf?

            „In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis nicht.“ Klasse!

            Ihnen sowohl theoretisch, als auch praktikabel zugeneigt verbleibe ich als die Ihre Frau Knobloch, reflektionsbefeuernd wadenbloß tänzelnd nun.

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    • Warum ich mich nach fast dreissig Jahren nochmals mit Schopenhauer beschäftige, ist erstens sein glasklarer Stil und zweitens seine gedankliche Verarbeitung seiner Wahrnehmungen. Damit hält er jedem, der das mag, einen Spiegel vor.
      Insofern ist Ihre Hoffnung durchaus berechtigt 😉

      Ich habe schon früher durch Schopenhauers formulierte Gedanken manches über mich selbst gelernt. Vielleicht gilt er gerade deshalb vielen als Misanthrop, weil wir uns lieber in unserer Eitelkeit sonnen statt in unsere dunklen Ecken zu sehen…

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      • Das sind nun wirklich Ansichtssachen, Herr Ärmel. Für mich war Schopenhauer nie ein spiritueller Begleiter. Es gibt Passagen in seiner Philosophie, die sind anrührend zu lesen, aber für mich bleibt der Mann ein Misanthrop, der erst mal kübelweise Dreck ausschüttet, bevor er zu seinem viel gerühmten Mitleid kommt.

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        • Für mich war Schopenhauer kein „spiritueller Begleiter“ und wird auch keiner werden. Daran ändert auch nicht, dass er als erster deutscher Philosoph Ideen des Buddhismus in seinem Werk verarbeitet hat.

          Das Problem seines durchweg negativen Nachruhms sind natürlich auch die zahlreichen Zitatenzitierer, von denen wahrscheinlich die wenigsten diese Zitate in ihren Zusammenhängen kennen. Sprich, Schopenhauer kaum gelesen haben werden.

          Überdies sollte man auch die Lebensumstände eines Autors zumindest ein wenig kennen. Da wird dann manches klarer. Bei Schopenhauer z.B. als Stichwort Familie und besonders seine Mutter.

          Aber da geht es ihm nicht anders wie James Joyce, Thomas Pynchon oder manchen anderen. Da ist man rasch mit Schlagworten bei der Hand.

          Und Sie haben natürlich Recht, es sind, wie in der Literatur, der Musik – der Kunst allgemein, Ansichtssachen, die letztlich unsere Vorlieben bestimmen.

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  2. Allein diese wertenden Worte „geistreich“ und „stumpf“….aber ach, ich müsste in meine dunklen Ecken schauen, was manches Weib eher die Wäsche falten lässt…
    Schöne Grüße aus der Fröhlichkeiternei

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    • Allein schon das wertende Element in dem Verb wertend … 😉
      Aber im Ernst jetzt: es gehört zur Grundeigenschaft von Adjektiven, dass sie steigerungsfähig sind.
      Und daraus ergibt sich immer auch eine Wertung. Das kann man dem Philosophen Schopenhauer nun nicht auch noch vorwerfen. Dadefür kanner nix.

      Nachmittagsgruss von der ruhig liegenden Fähre

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  3. So ein feines Foto! Meine Gedanken beim Betrachten gehen zum Brechtgedicht, irgendwas mit einem Haus und mit Rauch, so, dass man diffizil bemerkt, dass da irgendwo ein Leben ist…
    Gruß aus belebtem Hause

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