Es geht immer weiter . . .

Horsche: David Bowie – PinUps [1973], David Bowie – Aladdin Sane [30th Anniversary Edition, 2003]
Lesen: Zwischendurch ein schneller Kriminalroman. Rolf Silber: Das Leben tobt! (Eichborn, 2001). Von diesem Autor habe ich bereits früher hier im Blog ein anderes Werk vorgestellt.
Essen & Trinken:
Schaffe: Tapeten abreissen und mir dabei manches denken, vorstellen und Innendampf ablassen.
Gugge: Ich habe die alten Filme von Rainer Werner Fassbinder wieder am Haken…

Wir stehen an dem Bächlein, das ein paar hundert Meter weiter in die Selz münden wird. Eine Hornisse scheint ins Wasser gefallen zu sein. Sie zappelt mitten im Bach an der Wasseroberfläche. Wir können ihr nicht helfen. Als sie fast auf unserer Höhe ist schiesst ein Frosch unterm verbergenden Ufergras hervor. Zwei, dreimal macht er die kräftigen Hinterbeine lang. Dann schnellt seine Zunge hervor und im Nu hat er die Hornisse verschluckt.

Im Frühjahr 2018 hat mir Eddi hier im Haus noch geholfen. Ein Fachmann, der sein Handwerk aus dem ff beherrschte. Kurze Zeit später bekam er eine ungünstige Diagnose.
Ich stand samstags nachmittags am Fenster, als ein Kombi in die Seitenstrasse einbog. Er hielt vor Eddis Haus. Ich war gerade dabei, einige Einstellungen mit einem Objektiv auszuprobieren. Hielt die Kamera mal gegen das Licht, mal in schattige Bereiche. Der Kombi hatte eine merkwürdige Verkleidung im Laderaum.
Ich setzte ein Tele auf das Gehäuse. Mal sehen, was da verkauft wird in der Nachbarschaft. Ich bin nicht neugierig, allenfalls hie und da interessiert. Da hat sich jemand seinen Kombi gediegen ausstatten lassen.
Ich nahm Einstellungen vor und drückte mehrmals den Auslöser. Beim letzten Bild trugen zwei Männer einen länglichen blauen Plastiksack aus dem Hof und luden ihn in den Kombi.
Doris, seine Frau ging weiterhin mit dem kleinen uralten Hund ihren täglichen Gang. Im Sommer letzten Jahres hat sie ihr Einfamilienhaus verkauft und am Ortsrand eine Eigentumswohnung erworben. In dem Haus sind seitdem junge Leute am Schaffen. Wir haben mit Doris über ihre Veränderung gesprochen. Besonders glücklich schien sie nicht. Aber es braucht alles seine Zeit bis man sich an das Neue gewöhnt hat.
Vor zwei Wochen habe ich Doris im Vorbeifahren gesehen. Sie drehte im alten Revier ihre Runde. Der Hund schien noch altersschwächer. Vor einer Woche hörte ich, sie läge im Krankenhaus. Und gestern rann ihr Stundenglas aus. Ich werde sie auf ihrer letzten Fahrt begleiten.

Im Garten lagert viel Feuerholz. Das entdecken die Holzbienen für sich. Mit ihren mächtigen Kauwerkzeugen beissen sie sich im gesägten Holz vorwärts. Mit den Hinterbeinen kehren sie das Sägemehl aus den Gängen. Jetzt ist die Zeit der Paarung. Die weiblichen Holzbienen beissen kleine Nisthöhlen. Dort legen sie jeweils ein Ei ab und geben anschliessend einen sehr zähen Pollen dazu. Über den Winter entwickeln sich die Larven und ernähren sich von dem Pollen. Im Frühjahr frisst sich die junge Holzbiene durch das Holzstück ins Freie.
Holzbienen sind lustig zu beobachten. Sie sind überaus friedlich. Sie stechen nur im äussersten Notfall. Ursprünglich bewohnen sie Südeuropa. Mit unseren zunehmend milderen Wintern wandern sie weiter nach Norden. Im Süden Deutschland kommen sie seit etwa 20 Jahren vor. Derzeit verläuft die nördliche Grenze der Verbreitung ungefähr von Münster über Hannover nach Berlin.
Wo haben diese wunderschönen, blau schimmernden Bienen gelernt, solche exakten kreisrunden Löcher zu bohren?

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern Antworten auf ihre drängensten Fragen.

(Photograhien OoC – anklicken vergrössert)

 

 

23 Gedanken zu „Es geht immer weiter . . .

  1. Es sind diese Geschichten, die uns subkutan ausbremsen. Kurze Herzzögermomente zwischen Trauer und Beileid. War sie unglücklich so einsam verpflanzt, diese Doris? Wie war die letzte Zeit mit Eddi? Wie kraftraubend, wie zehrend? Vielleicht hat sie ihm auch versprochen, bald wieder bei ihm zu sein~~~~~~ Ach, wir wissen so wenig.

    Ihre einrahmenden Naturbeobachtungen sind wie ein wissender Rahmen, eine sichere Ewigkeit als Halt. Weil es eben doch immer weiter geht, dieses Leben.
    Ich habe eben einem eher ungeliebten Drehhaselstrauch die ausufernden Zweige gestutzt. Behutsam zwar, doch mit dem unguten Gefühl des Verhinderns von neuem Leben. Die Clematis neben ihm brauchen mehr Licht. Jetzt haben meine bloßen Hände diesen einzigartigen Duft von grünen Nüssen. Und ich bitte den Strauch um Verständnis und danke für dieses wunderbare Naturparfum.

    Danke für diesen nachdenklichen Moment im Tagewerk, mein hochlieber Herr Ärmel. Ich gehe nun wieder gartwärts und säe ein paar Landnelken aus. Mit guten Gedanken an Doris begleitet.

    Herzvoll zugeneigte Grüße, Ihre Frau Knobloch, nussduftend.

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    • Meine liebe Fernundnahfreundin, ich danke Ihnen für Ihren teilnehmenden Kommentar. Ihr mitfühlendes Wesen imponiert mir. Hätten doch viel mehr Menschen ein wenig von Ihrem mitfühlenden Wesen. Manches würde weniger kalt und rücksichtslos vonstatten gehen.
      Achtsamkeit sollte ein verpflichtendes Schulfach werden.

      Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Tag und möge Ihr Tun wohl gelingen,
      Ihr Herr Ärmel (Nussduft ahnend zugewandt)

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  2. „Pin Ups“ war eines meiner ersten Bowie Alben, und doch hinterlässt es heute einen zwiespältigen Eindruck. Bowies Gesang ist zum Beispiel für „Anyway, Anyhow, Anywhere“ von The Who nicht geeignet, und auch bei den Coverversionen von The Mojos und The Pretty Things fühlt er sich nicht zu Hause. „Where Have All The Good Times Gone“ von den Kinks oder die theatralische Pop-Version von “See Emily Play“ kommen dann etwas besser rüber.

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    • The same to me – mein erstes Album von Bowie. Er hat auf diesem Album seinen Lieblingsliedern der frühen 1960er Jahre seine referenz erwiesen. Insofern hat sich mir nie die Frage gesttellt, ob seine Stimme zu den von ihm ausgewählten Liedern passe. Und es ist klar hörbar: sie passt zu den wenigsten Liedern.
      Where have all the good times gone, Shape of things oder See Emily play hat er meiner Meinung nach gut stimmlich ansprechend interpretiert…

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      • Interessant war ja vorallem das Album-Frontcover von „Pinups“, wo Bowie mit dem Model Twiggy zu sehen ist. Natürlich stiess der androgyne Typ im Make-up damals auch ungut auf. Billig, affig und völlig daneben sei der.

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        • Bowie war dahingehend auch vorher schon nicht zimperlich. Auf dem Cover der englischen Pressung von „The Man Who Sold The World“ lag er in einem luftigen Frauenkleid auf einer Chaiselongue. Im Gegensatz dazu ist das Cover der amerikanischen lachhaft. Und die deutsche Pressung mit Bowie im Stechschritt dagegen ein lebendiges Konzertfoto…

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            • Die Hunky Dory ist an mir vorbeigegangen, oder ich an ihr. Ich habe sie erst 1975 oder 76 kennengelernt. Anfangs war ich erstaunt über die teilweise zarten Lieder. Sie gefällt mir heute immer noch.

              Danke auch für den Link. Bowie steht da am Manchester Square, Ecke Hinde Street. Damals hiess das Viertel noch Borough of St. James. Heute dagegen Manchester Square, W1 City of Westminster. Auf Guugle street view kann man sehen, dass sogar die schmiedeeisernen Zäune noch existieren..
              Und es will mir nicht mehr einfallen, wer dort noch alles fotografiert worden ist. Bei den Beatles und den Kinks bin ich mir jedoch sicher…

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  3. Die erste Holzbiene meines Lebens entdeckte ich vor drei Jahren in unserer Gartenbank. Seither beobachte ich voll Sympathie Nestpflege, Brut und neuen Hausstand. Auch mir haben sie nicht verraten, woher sie das Wissen haben, ihre Behausung so kreisrund auszusägen.

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      • Das ging langsam, entschleunigt würde man heute sagen. Die Fichten etwa kamen vom Süden her gesehen von rechts, sie grüßten vom Fichtelgebirge herab. Aber dieser obstinaten Eiszeit, dieser Muhme Rumpumpel im Erdgeschehen, der haben wir es zu verdanken, dass wir eine im Vergleich zum Mittelmeerraum artenarme Vegetation haben.
        Mir aber reicht es – wer net weiss, was eine Quecke ist, der braucht auch keine besonders artenreiche Vegetation – wenn es die gäbe, dann müßte ich mich ja einliefern lassen 🙂
        Aladdin Sane war ein Monument! Da kenn ich nix! Was hatten wir für ein Glück, dass sowas veröffentlicht wurde, als wir voll im Saft standen – und wie lang ist das her. Und wir konnten das damals kaufen, subito, überall, Heimatland! Ich mag da mich einfach nicht mehr darüber öffentlich befinden, welcher Bowie Platte ich mehr anhänge, jeder Jeck ist anders, das wusste schon der gute Arthur S.
        Wer es zeitgemässer mag, dem sei Arcade Fire und D. Bowie an das selbige gelegt: Wake Up! Gibt es auf tube und ist ganz reizend!

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        • Muhme – ich liebe diese alten viel exakteren Verwandschaftbezeichnungen. Da wusste man noch, ob es sich um die Verwandtschaft von der väterlichen oder der mütterlichen Seite handelte.
          Oheim, Vetter, Base, Geschwisterenkel, Cousinen und Cousins…

          Arcade Fire hatte ich mal vor einigen Jahren. Die Musik hat sich herznah nicht halten können. Also jetzt nochmals die Berlin Trilogie von David B.

          😉

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          • In der Sammlung fehlt noch die hierzulande zu Zeiten verwendete Bezeichnung für die die Taufpaten, das waren die Dode und der Dede, auch in der liebevollen Verkleinerung als Dodle und Dedle gebräuchlich. Und ich hab seit ner Weile einen Grossneffen.

            Hier höre ich gerade dem Regen zu, der fällt zum guten Glück reichlichst!

            Ein wunderbarer Klang, fast so wie ein barockes Brunnengeplätscher, kommt ein wenig heran an D. Bowie.

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            • Ich ergänze um die hessischen Varianten Petter und Gothe… Letztere auch bekannt als die Frau Gothel aus dem Märlein des Rapunzel…

              Auch hier hat es am vergangenen Wochenende ausgiebig geregnet. Wir haben es dankbar aufgenommen

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