Einerseits schade, andererseits jedoch…

Horsche: Aufgrund einer Empfehlung im famosen Blog des Herrn Hotfox: Muddy Waters – Folk Singer (1964).
Lesen: Zur Auffrischung über die Technik alter Fahrräder.
Essen & Trinken: Der erste Salat aus dem Garten, Nudeln aglio olio (eigenes Salbeiöl), trockener Primitivo.
Schaffe: Intermezzo mit alten Fahrrädern.
Gugge: Österreichischer Humor vom Besten: Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (2010). Schallendes Gelächter garantiert!

Seit einigen Jahren warte ich auf eine erneute Aufführung von „Grimm – ein deutsches Märchen“. Die war auf den kommenden Freitag terminiert und fällt nun aus wegen der aktuellen Bestimmungen für Theater. Enttäuschung, ist ja klar. Aber das Gute an Ent-Täuschungen ist ja, dass sie den Blick dafür öffnen, was andernfalls garnicht erst gesehen worden wäre.

Der Jasmin draussen im Garten hat überlebt. Das war ihm im zeitigen Frühjahr nicht anzusehen. Im Gegenteil bot er einen mickrigen Anblick. Ein wohlüberlegter Standortwechsel ist ihm sichtlich gut bekommen und schon blüht er auf. Und duftet über die Massen.
Trotz des nächtlichen Eindringlings, haben ein paar Blüten der Federnelken sein Wüten überstanden. Und die duften nun ebenfalls mit einem betörenden Touch von Schokolade. Dieses Jahr scheint ein Rosenjahr zu sein. Hier im Garten erblühen mehrere hundert Knospen fast gleichzeitig und verwandeln die kleine Landschaft in ein wogendes Vielfarbenmeer.

Ein altes Lastenfahrrad bietet  eine angenehme Abwechslung zur mühseligen Arbeit am alten Fussboden. Komplette Zerlegung und Überholung zum Zwecke der späteren gewerbsmässigen Nutzung. (Mehr dazu vielleicht wenn es soweit sein wird).
Bei aller Reduktion bin selbst ich gegen Verführungen nicht gefeit. Ein altes blaues Fahrrad der Marke Bauer lief mir in die Ärmelgarage. Bis auf die Farbe gleicht es meinem Jugendfahrrad. Da werden alte Erinnerungen wach.
Und wenn es schon rund läuft, dann steht in einer fränkischen Stadt noch ein Bauer Sprint. Ein silberner Flitzer. Damals der Traum von uns Buben. Sein Besitzer war verstorben und die Erben woll(t)en das schöne Rad für eine Handvoll Euros verkaufen. Daraus wurde dann ein schöner Sonntagsausflug.
Zum Glück gibt es in der Nähe noch einen Fahrradladen, der zahlreiche alte Ersatzteile in den Schubladen hinter der Theke hat.
„Den Schlüssel für ein altes Speichenschloss? Haben Sie denn die Nummer?
„Ja, es ist ein Hebie, Nummer 433. Und für das Lastenrad suche ich die Nummer 315.“
Der Meister stellt die Schublade auf die Theke. Eine Wunderkiste. In einer Unterteilung befinden sich alte Schlösser, daneben sind in Drahtschlaufen die Schlüssel nach Nummern ordentlich aufgereiht.
„Hier haben wir ihn. 433.“
Weitersuchen, Ziffern murmeln. Schlüssel gleiten durch die flinken Finger.
„Nö, 315 habe ich nicht mehr. Ach hier, da ist ja noch ein 433er.“
„Den nehme ich gerne auch noch. So als Reserve.“

 

Abends in der Sommerküche. Wir nennen sie so. Es war der ehemalige Hundezwinger des Hauses. Nach zwei Seiten vom Drahtgeflecht befreit und die beiden anderen mit Winterjasmin bewachsen, ist es ein lauschiges Plätzchen geworden. Holz lagert zum Trocknen. Eingerichtet für die Zubereitung einfacher sommerlicher Speisen.
Derzeit laden wir abends gerne einen oder zwei Menschen zu einer kleinen hessischen Vesper ein. Mit gebührendem Abstand versteht sich. Bei den Gesprächen stellt sich heraus, dass fast alle Gäste materielle Einbussen hinnehmen müssen. (Beamte ausgenommen). Andererseits geniesst man die Ruhe, geradezu eine gewisse Beschaulichkeit schleicht in unsere Alltage. Kaum Fluglärm, fast angenehme Verkehrsverhältnisse.
Doch die Mehrheit der Menschen im Land wünscht sich offensichtlich zurück in die täglich zweimalige Stausteherei, um dann für zwei, drei Wochen im Jahr irgendwo hin zu fliegen. Der alltägliche Stress und die Hektik scheinen vielen zu fehlen. Ich verstehe es nicht.

Gestern vernahmen wir nach dem Abendessen ein auffälliges Rufen eines Vogels. Eher das zarte Schnarren eines Jungvogels, das von den Lockrufen der Alten beantwortet wurde. Wir wurden still, lauschten und beobachteten. Es war die Flugschule der Familie Gartenrotschwanz. Nur ein Junges? Eine ganze Weile flogen die drei auf die Dächer rund um den Garten und zuweilen auch zur Landung bei uns in den Garten. Ein Zeitchen später kam zu unserer Freude noch ein zweiter Jungvogel dazu. Seine Schwanzfedern waren noch sehr kurz. So glichen seine Flugversuche eher einem unbeholfenem Trudeln.
Vielleicht eine Stunde war vergangen und wir verliessen den Garten. Viele Gäste kommen gegen Abend, um hier zu trinken oder zu baden. Die Girlitze picken die Samen des verblühenden Rosmarinstrauchs. Insekten finden sich am Brunnen ein. Die Honigbienen bevorzugen die Borretschblüten.

Wo war ich stehengeblieben?
Ach ja, die Aufführung von „Grimm – ein deutsches Märchen“ wird leider ausfallen. Ob und eventuell wann die Aufführung nachgeholt werden wird, konnte die Dame vom Theater nicht sagen. Das ist bedauerlich. Aber wir haben hier ohnehin genug zu tun. Und die Lebensfreude heben diese Arbeiten auch.
Ich werde mich jetzt in der Werkstatt wieder dem Transportrad widmen.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine erfreuliche Zeit. Machen Sie was draus.

 

 

 

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8 Gedanken zu „Einerseits schade, andererseits jedoch…

  1. Ich habe mein Velo (Marke Villiger) schon selber gewartet und – so weit es ging – auch repariert. Allerdings gehen meine Kenntnisse nicht allzu weit. Den Sattel nachspannen oder einen Schlauch flicken geht noch. Schwierig ist das Ersetzen eines Bremskabels. Bei der Schaltung habe ich eine Grenze gezogen. Da wird es für Laien kompliziert. Ausserdem möchte ich ja gar nicht, dass am Ende alle Velofahrerinnen und Velofahrer ihre Fahrzeuge selber flicken. Gerade die kleineren Reparaturbetriebe verdienen Unterstützung.

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    • Was die Reparaturbetriebe betrifft, stimme ich Ihnen gerne zu. Es hakt hier an zweierlei. Erstens werden alte Räder nicht mehr gerne instandgesetzt. Das Hinterrad dieses Lastenrades zu zentrieren lehnten zwei Fahrradhändler beim blossen Anblick der Felge glattweg ab. Und zweitens braucht man Geld, um einen Reparateur zu bezahlen.
      Aus diesem Grund kaufe ich auch die Teile nicht im Internet sondern beim ansässigen Fahrradhändler.
      Überdies denke ich darüber nach, ob ich die Kunst des Zentrierens jetzt lernen will.

      Mir macht reparieren ausserdem auch Freude. Mein Grossvater war in den 1920er Jahren mehrmals deutscher Meister im Kunstradfahren. Der spielte auch Radball. Davon scheint etwas auf mich überkommen zu sein.

      Eine kleine Empfehlung dennoch: Ulrich Herzog – Fahrradheilkunde. Moby Dick Verlag. Die aktuellste Auflage ist aus den 1990er Jahren. Ebenso witzig wie lehrreich.

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      • Auch mir ist reparieren statt wegwerfen wichtig, schon nur, um ein klein wenig Kontra zu geben, gegen eine durch und durch konsumorientierte Gesellschaft, aber es sind nun mal nicht alle solche Tüftler wie Sie, Herr Ärmel!

        Danke für die Empfehlung mit dem Reparatur-Handbuch. Ich werde mein Velo auch in Zukunft wieder meinem Fahrradhändler übergeben, und ein paar Franken dafür berappen. Trotzdem verneige ich mich vor Leuten wie Ihnen, die Ihre Räder in langen Nachmittagen wieder selber in Schuss bringen.

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    • Um dem vordrängelnden Konjunktiv seine Kradft zu nehmen, schlage ich Ihnen vor, sich auf den Weg hierher zu machen.
      Sie sind hiermit herzlich eingeladen. Bringen Sie Ihr heissgeliebtes Zweirad mit oder wir verlustieren uns an einem der unseren.
      Hessische Vespern sind in der Einladung inbegriffen.
      Und nach der erfolgten Inspektion eine Probefahrt in der Mainspitze setzt dem Ganzen ein Krönchen auf.

      Bleiben auch Sie gesund und suchen Sie all Ihre Vorteile in dieser ausserordentlichen Lebenssituation auf – Sie werden staunen.

      Herzliche Grüss,
      Herr Ärmel

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