Perlen auf Rädern

Horsche: Dies und das von allem was – zwischendurch und im Vorübergehn.
Lesen: Heimatmuseum Neukölln (Hrsg.): Kringeldreher + Strampelbrüder. Radfahren in Neukölln. Begleitheft zu einer Ausstellung über Strassen- und Bahnrennen in Neukölln.1997. Sehr famos.
Essen & Trinken: Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Frisches aus dem Garten. Es ist ein Wunder, was aus einem Samen entsteht und wie fein das schmeckt.
Schaffe: In der Werkstatt Fahrräder zerlegen und zusammenbauen. Gespräche darüber, wie das weitergehen soll. Es kommt ein Rad nach dem anderen…
Gugge: Ein Liveauftritt der russischen Band Otava Yo – Live im Glavclub St. Petersburg, 22.5.2015. Da geht angenehm die Post ab. Sollte am 5.11. das Konzert in Stralsund staffinden, wäre das eine kurze Reise wert…

 

Der Grossvater värtlicherseits soll auf der alten Opelrennbahn sonntags an Opel Laubfrosch Rennen teilgenommen haben. Ich konnte ihn dazu nicht befragen, als er starb war ich noch zu jung. Von dem anderen Grossvater sind durch photographische Aufnahmen sportliche Erfolge verbürgt. Deutsche Meistertitel im Kunstradfahren in den 1920er Jahren. Überhaupt war er in verschiedenen Disziplinen auf zwei Rädern unterwegs. Der Mann verlor bereits Jahre vor meiner Geburt sein junges Leben.

Vielleicht kommt von diesen Vorfahren meine gewisse Affinität zur Bewegung auf Rädern. Autos passen kaum noch in unsere Zeit. Meine Traumautos aus Kinder- und Jugendzeiten konnte ich mir erfüllen bis auf den Bentley Continental S2 2-Door Saloon mit der bildschönen Karosserie von H.J. Mulliner. Als ich einen von den knapp hundert produzierten Exemplaren gefunden hatte in England und mit dem Händler fast handelseinig war, setzte mein privater Vermögensverlust ein, der andere Aktivitäten von mir verlangte.

Schon viel früher hatte ich wegen meiner Kinder meine kleine Ansammlung von Ducatis und der grossen Moto Guzzi verkauft. Eine neue Fahrradwelle kam Mitte der 1980er Jahre auf. Die sogenannten Mountain Bikes. Zwei Kuwaharas stehen im Ställchen seit über dreissig Jahren. Lediglich Reifen und Bremsklötze wurden während dieser Zeit gewechselt. Und sie laufen wie am Anfang.

Mit der Idee, ein Transportrad aufzubauen, fielen mir meine früheren Erlebnisse mit meinen Rädern wieder ein. Und ein Bauer Sport stand in der Nähe zum Verkauf. In der Ausführung mit dem Herrenrahmen. Nun, wie das Leben so spielt. Im Nachbarort war das passende Damenmodell abgängig.
Das Transportrad bekam sein Firmenschild und wird von seiner erfreuten Eigentümerin nun zu entsprechenden Arbeiten eingesetzt.
In unserer kleinen Werkstatt tummeln sich inzwischen sechs Bauer Räder. Und einige weitere stehen noch in der Warteschleife hier und dort. Ich bin gespannt was aus dieser Entwicklung noch werden wird.
Ich kann mir vorstellen, interessierten Menschen diese schlichten Maschinen der Fortbewegung nach ihren Wünschen zu gestalten und zu bauen. Individuelle Fahrräder. Fast unhörbar in der Bewegung und nur geringer Pflege und Aufmerksamkeit bedürftig. Anschaffungen für lange Zeiten. Treue Begleiter.

Wenn ich an die Elektrofahrräder denke oder diese neumodischen meterlangen Transportvehikel. Zuhause kaum zu selbst reparieren. Zu heben nur von Schwerathleten. Tausende von Talern in der Anschaffung und nach einigen Jahren gibt es dringend benötigte Ersatzteile schon nicht mehr. Und so grob sie aussehen, so werden viele auch im Strassenverkehr bewegt.

Wie fein dagegen die Handwerkskunst an dieser Perle. La Perle war eine kleine französische Fahrradmanufaktur. Mit einer Perle im Steuerkopfschild. Produziert wurden Räder zwischen Mitte der 1930er bis gegen Ende der 1960er Jahre. Im Netz sind nur wenige Information findbar. Vor meinem inneren Auge sehe ich dieses feine Fahrrad aus einer Scheune im Taunus bereits wieder in seiner alten Pracht. Amélie wird ihre Runden drehen.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein angenehm bewegtes Leben.

 

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10 Gedanken zu „Perlen auf Rädern

  1. Sind Schutzblech und Lampe in Hammerschlag original? Ich vermute es, aber der Nachrüstdynamo paßt nicht ins Bild. Die Dynamohalterung ist, die Franzosen scheinen das zu mögen, hinten.
    Die Trommelbremse im Vorderrad erregt mein Interesse; hat sie hinten ihr Pendant?
    Und ich habe den Eindruck, die Kette ist zu kurz. Aber das wird das kleinste Detail sein. Ein Schmuckstück, dieses Rad.

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    • Der Dynamo ist ein ein deutsches Produkt – Union… Den originalen – natürlich französisch am Hinterrad links – ist ein New Watson Type L6. In La France auf einer sattsam bekannten Plattform entdeckt. Und den Anbieter angefragt und mich dabei gleich (er ist schliesslich Franzose) für meine Sprache entschuldigt.
      Ich habe mich nicht gewundert, dass er mich Barbaren keiner Antwort für würdig befunden hat.
      Die Schutzbleche von Lefol Martele sind Originale mit der entsprechenden Signatur. Die Lampe ist ersten Forschungen zufolge das seltenste Teil an dem Rad.
      Überhaupt scheint das Fahrrad mit den Trommelbremsen aufgerüstet worden zu sein. Genaueres vielleicht demnächst.
      Die Kette stimmt so. Die lange Feder ist die Rückzugfeder des Derailleurs zur Kettenspannung beim Umschalten.

      Ein Schmuckstück fürwahr!

      Die Manufaktur La Perle war eine von damals vielen kleinen Herstellern. Meines Erachtens haben sie sich durch die Fünfziger Jahre gerettet, weil Hugo Koblet darauf die Tour de France gewonnen hat.
      Und natürlich der grosse Jacques Anquetil, der fuhr auch La Perle.

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  2. Ach ja, Räder. Ich habe gerade mein Rennrad aufpimpen lassen. Bei weitem nicht so alt wie dieses Deine. Trotzdem war ich glücklich. Bis mich ein Kind ausbremste und auf den Asphalt zwang. Ich bin trotzdem noch glücklich

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    • Liebe Inch, ich hoffe, Dir nichts zugestossen bei Deinem „Asphaltkuss“.
      Ich erinnere mich gerne an eine schöne Radtour in Leipzig. Dort durfte ich sogar über ein kleines Stück Asphalt pedalieren, auf dem schon „unser Täve“ unterwegs gewesen ist…

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  3. Stichwort „Opelrennbahn“ bringt mich in die 60er als ich als Essener im Wuppertaler „Zoo Stadion“ zum Fussballspiel des WSV gegen ETB Schwarz-Weiß Essen den ETB unterstützen wollte und nicht schlecht staunte, daß die eine Beton-Radrennbahn rundherum hatten. Das hatte den Nachteil, daß man, wenn man das Spiel verfolgen wollte, ein Fernglas dabei haben sollte….

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  4. Otavo Yo hatte ich auch das zweite Mal auf meinem Blog und habe nach einem Konzert in unseren Breiten Ausschau gehalten, aber leider sind sie eher in nördlichen Gefilden unterwegs – es sind gute Laune machen Musiker, mit ihnen einen Tag zu beginnen, hallt nach. Im Mai 2021 kommen sie nach Kassel, das würde passen.
    Ihnen erfolgreiche Fahrradbasteltage und einen lieben Gruß an die Mitradlerin, Karin

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    • Schönen Dank; die Grüsse habe ich auftragsgemäss überbracht 😉

      Ob das noch Basteln ist, was hier stattfindet ~~?~~
      Ich bin am recherchieren für das Konzert in Stralsund im kommenden November. Wer weiss, was nächstes Jahr bringen wird…

      Liebe Grüsse nach flussaufwärts, Herr Ärmel

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