Merkwürdige Zeichen im November

Horsche: Merkwürdige Zeiten erfordern eine besondere Musik. Van der Graaf Generator: Godbluff (1975) Still Life (1976). 
Lesen: Ludvig Holberg : Nils Klims unterirdische Reise / worinnen eine ganz neue Erdbeschreibung / wie auch eine umständliche Nachricht von der fünften Monarchie / die uns bisher ganz und gar unbekannt gewesen, enthalten ist /// Aus dem Büchervorrat Herrn B. Abelins / anfänglich lateinisch herausgegeben / jetzt aber ins Deutsche übersetzt/// Verlegt von Christian Gottlob Mergel, Copenhagen und Leipzig 1748/ (diese Ausgabe: Verlegt beim Christian Wegener Verlag, Hamburg 1970).
Essen & Trinken: Merkwürdige Zeiten erfordern bodenständige Kost: Die weltbesten selbstgemachten Bratkartoffeln. Dazu Spiegeleier und Licher Landbier.
Schaffe: Aufräumungsarbeiten in der (Fahrrad)Werkstatt.
Gugge: Damals rief der Film einen grösseren Skandal hervor. Verzerrt die Realität / Ein Skandal / So weit wirds nie kommen /+++ . Inzwischen hat dank des Tabuverfalls durch anything goes die traurige Realität den damaligen Film längst überholt: „Das Millionenspiel“ von 1970. …

 

Der Terror zieht durch Europa. Noch handelt es sich um ein urbanes Phänomen. Auf dem Land hat man derzeit noch die besseren Chancen. Terroristen sind meiner Meinung schlimmer als alle machthungrigen Politiker. Die können garnicht so viele Rechte einschränken. Dafür liefern Terroristen – gleich in welcher Uniform und welchem Irrglauben unterwegs – stets willkommene Steilvorlagen. Wenn ich an meine ersten Reisen mit Flugzeugen zurückdenke. Heute undenkbar, welche Freiheiten einem vor wenigen Jahrzehnten noch offenstanden.

 

In den USofA sind die Wahllokale geschlossen. Jetzt werden Stimmen ausgezählt. Und im deutschen Radioeinerlei wird ständig eilgemeldet. Wer kennt sich eigentlich aus im usamerikanischen Wahlsystem? Alle gegen Trump. Warum? Was ändert sich für Sie persönlich, meine verehrten Besucher, Leser und Gugger in ihrem Alltagsleben durch die Wahl dieses oder jenes Präsidenten? Was hat sich für Sie persönlich nach vergangenen Präsidentenwahlen geändert?
Wahrscheinlich waren die Veränderungen ähnlich dramatisch wie in meinem Leben : es ist alles beim Alten geblieben.

Fast fünfzig Jahre Geschäftspartnerschaft meiner Familie mit einem mittelständischen Unternehmen im mittleren Westen haben am langen Ende bei allen beteiligten Personen diesseits des Atlantiks für Klarheit und offene Augen gesorgt.
Es geht am Ende immer nur ums Geld. Oder um Starruhm. Der soll sich aber bitteschön in Geldwerten ausdrücken.

Der noch amtierende Präsident hat meines Wissens keine neuen Schlachtfelder auf der Weltbühne eröffnet. Er wollte und will seine Land und seine Wirtschaft stark und stärker machen. Beides ist ihm bis jetzt misslungen. Die Produktivitätsrate sinkt und die Armut steigt. Man ist mit sich selbst beschäftigt. Das tut dem Rest der Welt sichtlich gut. Mein Mitgefühl ist mit den Menschen weltweit, die der selbsternannte Weltpolizist demokratisieren will.

Dass man in jenem weltfremden Land, dem die weite Welt eher fremd ist, von Demokratie allenfalls eine rudimentäre Ahnung hat, dürfte jetzt auch den Fans jenes Landes aufgehen. Da hat der noch amtierende Präsident rechtzeitig am obersten Gericht des Landes neue Richter bestimmt, die ihm zugetan sind. Schlau ist er vielleicht nicht, gerissen auf jeden Fall. Er wird gegen das Wahlergebnis klagen falls er nicht gewinnen sollte. Denn ein Widersacher könne jedenfalls nur durch Wahlbetrug mehr Stimmen auf sich vereinigen, so spricht er. So so.
Und die deutschen Jammerläppchen in den Chefetagen und der Regierung in Berlin haben sich auch gleich ungerufen zu Wort gemeldet. Sie befürchten einen Demokratieverlust in den USofA. Hosianna – wachet auf, Ihr Träumer möchte man ihnen zusingen. Die Begleitmusik müssten jedoch die Trompeten von Jericho geben.

Von wegen Demokratie.
Am Montagmorgen verkündete man im 3. Programm des SWR den Willen, die nächsten Wochen gemeinsam durchstehen zu wollen. Aus diesem Grund werde man ab jetzt die eingesendeten Musikwünsche der Hörer spielen. Bis um Mitternacht. Heisa, blies da frischer Wind aus den Lautsprechern. Er derart breites Spektrum an verschiedenen Stücken. Wann war das letztmals zu hören. Und die Kommentare der Leser überschlugen sich vor Begeisterung. Spätestens bei „Wreck“ von Gentle Giant könnten in heiligen Hallen des Senders der Einen oder dem Anderen ein Licht aufgegangen sein.
Die Freude auf den nächsten Morgen bei den Hörern war ebenso gross wie die dann folgende Enttäuschung. Formatradio in der gewohnt miesen Qualität. Entrüstete Reaktionen der Hörer in den verschiedenen Medienkanälen. Mit fast weinerlicher Stimme erklärte eine Ansagerin die Situation. Der musikalische Schleim (I´m the slime von Frank Zappa) geschehe aus Solidarität mit den Ereignissen in Wien. Die Entrüstung riss nicht ab. Was hat das mit dem zu tun?
Der Moderator der folgenden Sendung verwies auf die Verlautbarung seiner Kollegin. Er fügte jedoch hinzu, dass ab zwölf Uhr… bis Mitternacht.
Heute liefen die Hörerwünsche bis jetzt – um 15:34 Uhr.
Wir haben heute beim Frühstück darüber spekuliert, was wohl der wahre Grund gewesen sein dürfte für die beiden gestrigen Entscheidungen. Am Ende haben wir aufgegeben.

Am wichtigsten erschien uns, dass es noch Hörer gibt, die den Formatbrei nur zwangsweise ertragen. Die ihre Stimmen erheben. Und für ihren musikalischen Geschmack ein Votum abgeben.
Es ist noch nicht alles verloren.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen ruhigen und kraftvollen November.

 

 

(Ein Kilometerstein aus alten Zeiten irgendwo in der Nähe von Leppersdorf)

 

 

23 Gedanken zu „Merkwürdige Zeichen im November

  1. Tja, lieber Herr Ärmel,
    „merkwürdige Zeiten“ kann man da nur sagen, wohin geht die Reise?
    Geht es glimpflich aus oder befinden wir uns am Ende eine langen, schiefen Eben und werden hinunter fallen?
    Irgendwie nervt alles, Corona, die Rechten, die Islamisten und Trump halt auch, selbst wenn er nur die eigene Intelligenz immer wieder beleidigt.
    Mer waases ned, sagen wir Hesse, Lebe gehd weider…

    Ach ja… Radio:
    Ich habe mich vor längerer Zeit über den „Ärmel“-Kanal nach England gerettet, Radio Caroline heißt der Sender.
    Ja, es ist wirklich der Piratensender, der in der 1960er Jahren die gute Pop-Musik nach GB brachte.
    Vielleicht nicht mehr so anarchisch wie er damals gewesen sein soll, aber frisch und abwechslungsreich ist er allemal.

    Liebe Grüße aus der Stadt mit den höchsten Häusern und Mieten (was übrigens auch nervt)
    Hans-Peter

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    • …ja, der Stil von Caroline in den 60ern ist unüberhörbar auch heute erhalten geblieben, die Musik hat sich natürlich geändert. Sonntags morgen ist seit einiger Zeit Radio Caroline die einzige Alternative zu meinem Standartsender WDR5, weil sich dort und anderswo die Kirchenfürsten tummeln…auf Caroline laufen dann die Top 15 (1960 – heute) irgendwelcher Hörer, mein Hörtipp!… You Never Walk Alone

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      • Meine Wahrnehmung : I never walk alone. Selbst in diesem oberflächlichem und recht unverbindlichem Medium schleicht mich manchmal ein Hauch von gefühlter Solidarität an. Drauf verlassen würde ich mich im Ernstfall nicht. Aber es fühlt sich gut an.

        Schönen Dank für den Hinweis auf den Sonntagmorgen!

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  2. Ich hatte auch mal Erfahrung mit der Van Der Graaf Generator gemacht. Am besten in Erinnerung geblieben ist mir das Album „The Least We Can Do Is Wave To Each“. Es beginnt mit Windgeräuschen, dazu düstere Klänge und ein Schlagzeug und Bass. Aber spätestens Mitte der 70er Jahre hatte dann für mich der Prog-Rock ausgedient, es zog mich damals mehr in das Umfeld von Punk und Pub-Rock.

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    • Das ging mir genauso.
      Ich hatte mal alle Platten von Van der Graaf und von Gentle Giant.
      Ende der 1970er konnte ich es nicht mehr hören und habe alles verkauft.

      Elvis Costello, Blondie und ähnlich waren mir sympathischer… 😉

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      • Dem kann ich auch zustimmen. Von Gentle Giant steht wie auch von Hammill – VdGG noch alles hier. Aber gehört wird davon ned mehr viel 😉

        Der frühe Elvis Costello oder auch Blondie kann ich noch immer gut hören. Und dann die Engländer. Joy Division oder Ultravox ~~~

        Ich sende viele Grüsse in die Stadt mit den höchsten Häusern und Mieten – – –

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      • Vor Gentle Giant gründeten die Brüder Shulman die Simon Dupree & The Big Sound, die 3 absolut hörenswerte Single-Hits in den Englischen Charts hatten: „I See The Light“1966, „Kites“ 1967 und „For Whom The Bell Tolls“ 1968 – alle drei gibts bei youtube.

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    • Ich habe noch Hammills beide Bücher mit seinen Texten, einigen Kurzgeschichten und seinen Zeichnungen.
      Aber ich höre nur noch wenige Alben komplett durch.
      Und seine Solowerke seit etwa 1988 finde ich bloss noch langweilig.

      PubRock? Dr. Feelgood rulez !!!

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  3. Es gibt hier wieder, lieber Herr Ärmel, einige Sätze, die ich gern unterstreichen möchte, weil man sie leider höchst selten in solcher Klarheit liest oder hört. Für mich besonders wichtig: „Alle gegen Trump. Warum?“- „Der noch amtierende Präsident hat meines Wissens keine neuen Schlachtfelder auf der Weltbühne eröffnet“.“Man ist mit sich selbst beschäftigt. Das tut dem Rest der Welt sichtlich gut.“ Diesen letzten Satz schrieb ich sinngemäß vor vier Jahren, als Hoffnung: Ich hoffte, dass die USA genug mit sich selbst zu tun haben würden und den Rest der Welt mal ein bisschen in Ruhe ließen. Aber natürlich gibt es geldmächtige Kreise, die diese Entwicklung überhaupt nicht gut finden.
    Nun, wie auch immer, man wird sehen, inwieweit diese Wahlen den Rest der Welt tangieren.
    Liebe Grüße!

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    • Liebe Frau Gerda, ich danke Ihnen für Ihren zustimmenden Kommentar.
      Ich glaube inzwischen, dass die unselige Mischung aus Formatradionachrichten und sogenannten sozialen Medien zu herdentriebhaften Äusserungen verleitet.
      Immer mehr Menschen halten wahrscheinlich Tiefsinn – denken und/oder hinterfragen oder nachfragen – für überflüssig. Einen akustischen Reiz wahrnehmen und gleich wieder ausspeien. Dies scheint man man mittlerweile unter politischer Meinungsäusserung zu verstehen…

      Aber das ist meine Meinung.
      Schöne Grüsse in den Süden!

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  4. Ach Herr Ärmel, darf ich Sie korrigieren? ALLE Zeiten erfordern besondere Musik, und die ist ja bekanntlich relativ. Nach wie vor vagabundiere ich durch die Jahrzehnte und Stile, ein großer Stapel liegt vor mir.

    Ansonsten stimme ich voll zu, seit dem Zusammenschluss von SDR und SWF ist der Sender ernsthafter Präsidentenkandidat, inhaltlich sowieso. Ein gutes Trio. Merkwürdig wenn man im TV den österreichischen Kanzler sieht und einem das als positives Signal vorkommt, juchhei, keiner benennt das C-Wort. Während ich hier die Wählerstimmen für Nevada auszähle (hoffentlich verzähle ich mich nicht) erreicht mich die Nachricht vom obersten deutschen Schlagerbarden (Exkremente im Weltraum), der Solidarität (finanziell) von den Reichen einfordert. Ok. Hat er nicht jahrelang seinen (Steuer-)Wohnsitz außerhalb D gehabt? Gab es vor C keine Probleme? Was mich zunehmend nervt: Lebenstipps von anderen, die mir (und anderen) erklären, wie man mit dem Kaffeelöffel rührt. Huch! Ich hab mich verzählt, nochmals von vorn. Bis ich fertig bin, braucht keiner mehr TV zu sehen; bis der SWR Präsi ist, dauerts noch vier Tage. 2.345, 2.346, 2.347,…..

    (Radiohead – In Rainbows – Disk 2 / 2007)

    Get yourself together
    Let the light pour in
    Pour yourself a hot bath
    Pour yourself a drink
    Nothing’s gonna happen without warning
    Down is the new up
    What is up, buttercup?
    (Down is the new Up)

    And if I’m gonna talk
    I just want to talk
    Please don’t interrupt
    Just sit back and listen
    (Last flowers)

    I’m stuck in the TARDIS
    Trapped in hyperspace
    One minute snake charming
    The next in another place
    All the right moves and
    In the right places
    Watch me dance I’m a puppet
    You can almost see the strings
    (Up on the ladder)

    I didn’t care but now I can see
    That there’s a way out
    (Go slowly)

    This is just a nightmare
    Soon I’m gonna wake up
    Someone’s gonna bring me ‚round
    (4 Minutes warning)

    Gefällt 4 Personen

  5. Ein sehr stimmungsvolles Novemberbild Herr Ärmel. Wie langweilig ist dagegen der Sommer…rein fotografisch betrachtet 🙂 Ich wünsche Ihnen ebenfalls einen interessanten Monat, ruhig wird er wohl nicht werden…Herzlicher Gruss aus dem hohen Norden von Jürgen

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