Religionsgedankenstrand

Wenn ältere Männer sentimental werden, holen sie meist irgendeinen treubehaltenen Gegenstand aus der Vitrine, betrachten ihn gerührt und lassen die Finger liebevoll über Oberflächen gleiten. Ich habe keine Vitrine und komme auch ohne Sentimentalitäten in meine Vergangenheiten. Zum Beispiel mit alten Samplern (mehr dazu am Ende des Beitrages)…

Weil London zur Zeit ein oft zu besprechendes Thema in der Dunkelkammer ist, kommt der Morgenspaziergang mit Herrn Zeilentiger gerade Recht. Da ich ihn beim Frühstück in der Marchmont Street verfehle, nehme ich den frisch überbrühten Lady Grey gleich neben meinem Notenbook. Eine duftende Begleitung zu den Frühnachrichten.
In England verstarb neunzigjährig Richard Attenborough (CBE). Mir unvergessen im „Flug des Phönix„. Ein Herzinfarkt beendete nach erst zweiundsechzig Jahren in Berlin das umtriebige Leben des merkwürdigen Herrn Klaus E.H. Zapf.
Seit heute Morgen beunruhigen mich die weltweit gewalttätigen Auftritte menschenverachtender Mohammedaner nicht mehr. Eigentlich wusste ich das irgendwo im Hinterstübchen schon länger. Das Bekehrungsgelaber und Missionsgeseier in deutschen Fussgängerzonen und auf Marktplätzen haben mich wach gemacht.
Bekannt aus dem Schulunterricht ist die Zeit zwischen 1095 und 1291 als die Zeit der fünf sogenannten Kreuzzüge. Imperialistische Machtausdehung und die Eroberung von Wirtschafträumen. Unter dem Deckmantel der Religion. Dieser Verlogenheit wegen hat der Teufel den Priestern, Predigern und Mullahs den langen Mantel als Berufskleid bis heute nicht abgenommen. Das hat man uns im Religionsunterricht nicht gesagt.
Bekannt ist aber, dass Mohammed um 600 herum gelebt hat. Der Koran wurde erst zwanzig Jahre nach seinem Tod verschriftlicht. Knapp hundert Jahre nach Mohammeds Tod standen seine Nachfolger bei Tour und Poitiers, also mitten im schönsten Frankreich.
Wir haben diesen Invasoren viel zu verdanken. Ohne Kuppelgewölbe und Fensterbögen gäbe es bis heute keine romanischen Kirchen zu bestaunen. Und die kleinbürgerlichen Bildungsideale mit Platon, Aristotels und Thales Dingenskirchen wurden aus dem arabischen ins lateinische zurück übersetzt und so uns Nachkommenden überliefert und überhaupt erhalten. (Auch Christen hatten Feuer und Schwert gegen die helle antike Gedankenwelt).
Ibn Sina (lat. Avicenna) schrieb um 1020 das Qānūn at-Tibb, das Buch der Medizin. Um 1450 ins lateinische übersetzt, blieb dieses Buch bis weit ins 17. Jahrhundert das Standardwerk für das Medizinstudium an europäischen Universitäten. Und die Dichter. Mein Leben wäre unpoetischer ohne die Gedichte von Omar Chajjam oder Abul Ala Al-Ma´arri. Gedichte von grosser Bildmacht sprachlicher Schönheit.
Vor mehr als tausend Jahren begann eine Expansion, für deren konstruktive Beiträge sich europäische Menschen bis heute dankbar sein können.
Heute hingegen scheinen fanatische Wirrköpfe im Namen Mohammeds auch endlich ihre Kreuzzüge nachholen zu wollen. Inhaltlich ebenso verquer zusammengedengelt und hinterhältig verlogen wie die christlichen Kreuzzüge. Mit moderneren Mitteln allerdings durchgeführt. Unterhosenbomben und Büstenhalterdynamit gabs vor tausend Jahren noch nicht.
Und wie bei den christlichen Kreuzzügen werden sowohl Andersgläubige als auch vernunftliebende Nichtgläubige verfolgt, gefoltert, geschändet und ermordet. Und der unbedeutende Horst Niemand wird zum mächtigen Befehlsausführer, der jetzt endlich auch einmal etwas befehlen darf. (Den obigen Namen darf man beliebig gegen andere austauschen).
Wir denkenden und fühlenden Menschen können uns über die unmenschlichen Gräueltaten entsetzen, ändern werden wir das irrsinnige Unwesen nicht. Kreuzzüge halt, die Mordbuben haben Freigang. Es wird vorübergehen und zu einer Fussnote der Geschichte werden in einigen hundert Jahren. Schade um die Menschenleben und Kulturgüter, die durch solches Gesindel zu Schaden kommen.

Freunde gebt keinen Pfennig
für alte Dogmen!

Die Leute begehen ungeheure Verbrechen,
denn sie haben gelernt,
dass nur kleine Vergehen
in der Hölle gesühnt werden.

Abul Ala Al-Ma´arri (*973 – †1057)

…Ich lag am Strand und schaute in den Himmel. Die Baumkronen auf dem Hang über mir scharf im Blick. Mir entging dabei der Wolkenzug. Meine Gedanken verwirrten sich einem Erinenrungsgestrüpp. Eigentlich wollte ich dir meine Erinnerungen mitteilen. Dir einige Fotos von den Kirchen im Landkreis zeigen. Jetzt wurde ein ganz anderer Bericht daraus. Einen anderen Sampler will ich mir jetzt anhören.

   (Foto anklicken und mitdenken)

Sampler. Für ein knappes Jahrzehnt von etwa Ende der 1960er Jahre an brachten die bekannten Schallplattenfirmen mehr oder weniger regelmässig Sampler auf den Markt. Ein Stück von jedem Musiker oder einer Band, die bei dem jeweiligen Label unter Vertrag waren. Ein guter Einstieg und vor allem enorm preisgünstig. In meiner aktiven WG-Zeit war das Geschäft für die Industrie wohl schon unrentabel geworden. Dennoch hatte jeder durch Kauf oder von älteren Geschwistern einige Sampler im schmalen Schallplattenregälchen. Und durch regen Austausch kam für den durchschnittlichen Keinstadtbuben, die Brust so mager wie das Taschengeld, eine schöne Bandbreite musikalischen Repertoires zusammen. Ich habe etliche der damaligen Pretiosen digitalisiert und von Zeit zu Zeit spiele ich sie ab. Ich brauche dazu keine Sentimentalität. Meine heutige Playliste: That´s Underground (CBS 1968), The World of Hits Vol.2 (Decca 1969), Underground ´70 (CBS 1970), Pot-End (Polydor 1970), Nice enough to eat (Island 1970), Off II Hallucinations (Metronome 1969). Sollten Besucher, Leser oder Gugger Sampler der Labels Vertigo, Harvest oder Charisma in digitalisierter Form haben, bitte ich um schnellste Nachricht…

Märchen von Pizza, Antalya und Basilikum

Auf vielen Plattentellern leider ebenso unbekannt wie das mediterrane Leben und Weben an sich. Aus dem  Vereinigten Königreich: Ozric Tentacles – Paper Monkeys (2011)…

Besonders im Sommer lieben wir das mediterrane Ambiente. Sonne, Tomaten, roten Wein und seit einigen Jahren gar Balsamico. Im Winter zieht es uns eher zu Giovanni oder Angelo, den Pizzabäckern und Nudelköchen. Habbe ische heute frische Linguine midede Lackese.
Was beschreibt der Begriff mediterran im ursprünglichen Sinn? Mittelmeerlich eher nicht, denn davon hält den aufmerksamen Leser das Wort „terran“, das „erdige“ ab. Die rasante Tante Guurgel haut uns in Milliesekundenschnelle die gewohnt oberflächlichen Artikel der Wikidemikerbibel vor die Augen, zwei Artikel zu den Stichworten Mittelmeerraum und Mittelmeerküche. Zum Mittelmeeraum haben wir alle unser jeweils eigenes Kopfkino. Sommer, Sonne, Strand, Hitze, Allesinklusivurlaub, Malle, Cesenatico, Antalya, verhandelbare Preise, gerissene Händler – – und Essen & Trinken: Carpaccio, Pizza, Mozzarella, Prosecco, Cevapi, Espresso, Arranciata, Ouzo und Döner Gebabb…

Irgendwo müssen wir anfangen. Ich entscheide mich; Tomaten mit Mozzarella sind allemal eine Sünde wert, für Basilikum als Einstieg, antipasti Caprese also.
Der gute alte Pierer, ein unschätzbarer Brunnen der Gelehrsamkeit, aus dem schon Karl May seitenweise abschrieb für seine Romane, erklärt uns: „Basilienkraut, großes u. kleines (Herba basilici majoris et minoris), gewürzhaft riechend u. schmeckend; von Ocymum basilicum u. minimum (letzteres kräftiger); aus O.-Indien u. Persien; bei uns als Topfgewächs im Zimmer gezogen; wird jetzt nur noch als Kräuterschnupftabak, mehr in der Küche als Gewürz zu mancherlei Brühen u. dgl., vorzüglich in Frankreich, benutzt. (Pierer’s Universal-Lexikon, 4. Auflage 1857–1865, hier: Bd. 2, S. 375).
Meyers Grosses gibts sich  vierzig Jahre später ziemlich knapp, kommt nach einem Verweis dann aber doch ins Konversieren: „Basilicum, Pflanzenart, s. Ocimum.“ (Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. 1905-1909, hier: Meyer Bd. 2, S. 424). Dort selbst findet sich der folgende Artikel:
Öcimum Rivin. (Basilikum, Basilikenkraut, Hirnkraut), Gattung der Labiaten, Kräuter oder kleine Sträucher von sehr verschiedener Tracht, mit sechs-, selten bis zehnblütigen Scheinwirteln in endständigen, einfachen oder rispigen Spikastren. 50–60 Arten in allen wärmern Klimaten. O. Basilicum L., einjährig, 30 cm hoch, unten kahl, oben kurzzottig, mit entgegengesetzten, eirunden, schwach sägezähnigen, glatten Blättern und weißen oder blaß purpurroten, ährenständigen Blüten, im wärmern Asien und Afrika, wurde im alten Ägypten zu Totenkränzen benutzt, aber auch hier und in Griechenland gegessen. Es galt wohl als fäulniswidrig, auch wird es seit langem zum Vertreiben von Mücken und Fliegen, namentlich in Schlächterläden, Fleischwarenhandlungen und Schlafzimmern gehalten. Es wird jetzt vielfach in mehreren Varietäten kultiviert. Das frische Kraut riecht angenehm gewürzhaft und enthält ätherisches Öl und Gerbstoff. Es dient noch jetzt als Küchengewürz, als Zusatz zu Würsten etc. Das ätherische Öl ist gelblich, riecht aromatisch, durchdringend, an Esdragon erinnernd, besteht wesentlich aus Cineol, Methylchavicol und Linalool; es wird zu Likören (Chartreuse) benutzt. O. viride Willd. von Senegambien bis Angola soll die Moskitos vertreiben und wird in der Heimat allgemein als Fiebermittel benutzt. Von O. Balansae Brig. in Paraguay werden die Knollen gekocht und die Abkochung zu Fußbädern benutzt. O. sanctum L. (Tulsi) ist in Ostindien die berühmteste, dem Krischna und Wischnu geheiligte Arzneipflanze. Alljährlich wird in Indien eine Art Vermählungszeremonie zwischen dieser Pflanze und einem Salagramammoniten, als Symbol der Muschelinkarnation Wischnus, vollzogen. (Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. 1905-1909, hier: Meyer Bd. 14, S. 894 ff.).
Aha. Jetzt hat es glatt die mediterrane Vorspeise versalzen. Von den Tomaten ist bekannt, dass sie von den Spaniern aus Mittel- und Südamerika in den Mittelmeeraum eingeführt worden sind. Und der Basilikum kommt ursprünglich aus Asien und Südafrika. Bleibt wenigstens der Mozzarella
Vor weiteren Schrecknissen und Richtigstellungen hinsichtlich unserer mediterranen Vorlieben geniessen wir ein türkisches Märchen. Nach den lexikalisch schlauen Erklärungen erhellen sich einige Bilder im Märchen. Und die Türkei liegt ja schliesslich auch am Mittelmeer. Und Marokko, Israel, Libyen, Syrien auch. Demnächst solls weitergehen mit einigen Fakten zum Mittelmeer und der mediterranen Lebensart. Zuerst jedoch dieses Märchen:

Der Basilikumtopf

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten keine Kinder. Die Frau betete zu Gott und sagte: „Lieber Gott, gib mir ein Kind, und wenn es auch nur ein Basilikumtopf ist.“ Gott erhörte sie und gab ihr einen Topf mit einem Basilikum.
Wie die Jahre vergingen, wuchs der Topf mit dem Basilikum: der Topf wurde groß wie ein Kübel und das Basilikum wie ein Weinstock.
Den Topf hatte die Frau am Fenster. Eines Tages ging der Königssohn vorbei, und sowie er ihn sah, gefiel er ihm. Er pochte an die Tür, die Frau öffnete ihm, und er ging hinauf. „Gibst du mir wohl diesen Basilikumtopf?“ sagte er zur Frau, „ich will dir so viel Dukaten geben, wie du verlangst.“
Da überlegte die Frau, daß sie arm war, und willigte ein. Sie verlangte hunderttausend Golddukaten. Der Königssohn ging ins Schloß, schickte ihr die hunderttausend und bekam den Basilikumtopf. Er nahm ihn mit sich und setzte ihn in seinem Gemach vors Fenster und begoß ihn früh und spät.
Der Königssohn war gewohnt, immer mittags und abends in seinem Gemach zu essen. Also brachten sie ihm auch an dem Abend, als er das Basilikum bekommen hatte, die Mahlzeit, und er aß, und sie trugen die Reste nicht fort, wie sonst immer.
Eine ganze Weile saß der Königssohn und freute sich an seinem Topf, und dann legte er sich nieder zum Schlafen. Ihm zu Häupten brannte eine Kerze und zu seinen Füßen eine Öllampe.
Als er nun eingeschlafen war, stieg aus dem Basilikum ein Mädchen, deren Schönheit auf der Welt nicht ihresgleichen fand, und nachdem sie tüchtig gegessen hatte, nahm sie die Kerze, setzte sich zu seinen Füßen hin, und die Öllampe setzte sie ihm ans Kopfende.
Als der Königssohn am Morgen aufwachte, sah er die Speisen aufgegessen, die Öllampe am Kopfende und die Kerze zu seinen Füßen. Er wunderte sich, denn die Tür war verriegelt.
Am nächsten Abend wieder dasselbe. Da paßte der Königssohn auf, und am dritten Abend schlief er nicht ein, und als das Mädchen aus dem Basilikum stieg, ließ er sie zuerst essen, und dann, als sie sich anschickte, die Kerze vom Kopfende zu nehmen, ergriff er sie bei der Hand und sagte zu ihr: „Warum, mein Licht, läßt du dich nicht sehen, sondern hältst dich verborgen?“
„Jetzt hast du mich ertappt, sagt sie, „aber zeige mich niemandem.“ – „Gut, ich zeige dich niemandem“, antwortete der Königssohn. Und er befahl den Mägden, daß sie ihm reichlicher zu essen brächten.
Es vergingen einige Monate, da mußte der Königssohn zusammen mit seinem Vater in den Krieg ziehen. Da trug er seiner Mutter auf, abends und morgens das Basilikum zu begießen und immer die Mägde mit den Speisen in sein Gemach zu schicken und keinen Fremden hineinzulassen. Nur sie sollte den Schlüssel haben, sie sollte zuschließen und aufschließen, und zu dem Mädchen sagte er: „Ich muß in den Krieg ziehen. Deine Mahlzeit wird man dir immer bringen, und das Basilikum wird meine Mutter begießen. Du riegele dich ein, wenn du schlafen gehst, bis ich aus dem Krieg komme. Und ängstige dich nicht; ich werde nicht lange fortbleiben, ich bin bald wieder hier.“
So zog der Königssohn fort und die Königin schloß auf, und die Dienerin brachte das Mahl, und dann schloß die Königin wieder gut zu, und früh und spät kam die Mutter selbst und begoß das Basilikum.
Dieser Königssohn war verlobt mit einer Wesirstochter. Seitdem nun das Mädchen aus dem Basilikum erschienen war, hatte er seine Verlobte vernachlässigt und besuchte sie überhaupt nicht mehr, und die Wesirstochter wunderte sich, warum. Man forderte den Königssohn auf, doch zu heiraten, aber er meinte, es wäre noch nicht der richtige Zeitpunkt, und dann zog er zu Felde.
In seiner Abwesenheit ging die Wesirsfrau mit ihrer Tochter in das königliche Schloß, um der Schwiegermutter, der Königin, Gesellschaft zu leisten. Nachdem sie eine Zeitlang zusammengesessen hatten, erhoben sie sich und gingen durch das Schloß. Die Wesirstochter bat ihre Schwiegermutter, das Gemach ihres Verlobten zu öffnen, sie möchte es gern sehen.
„Ach, liebes Mädchen“, sagte die Königin, „dein Verlobter hat streng befohlen, daß niemand sein Gemach betreten soll.“
„Nun, mir zuliebe wirst du es doch öffnen“, sagte die Wesirstochter.
Um ihr den Wunsch nicht abzuschlagen, schloß die Königin auf, und die Wesirstochter trat hinein, und die beiden Schwiegermütter blieben draußen. Das Mädchen aus dem Basilikum saß zu dieser Stunde am Fenster und kämmte sich, und die Haare, die sie herauszog, warf sie ins Meer, und sie wurden zu goldenen Fischen. Denn unter dem Fenster des Gemaches war das Meer.
Als die Wesirstochter sie sah, dachte sie: „Ha, mein Verlobter hat ein Mädchen in seinem Zimmer, und ich weiß es nicht! Und sie gibt ihr einen Stoß und wirft sie aus dem Fenster ins Meer, damit sie ertrinkt. In diesem Augenblick ging der Sonnenball unter, er nahm das Mädchen in seine Strahlen und brachte sie zu seiner Mutter.
Die Wesirstochter trat aus dem Gemach, und die Königin schloß wieder zu. Später wollte sie das Basilikum begießen. Da sah sie, daß es welk war, und sie wunderte sich, warum es wohl vertrocknet war. Am Abend schloß sie auf und ließ die Dienerin die Mahlzeit bringen. Am Morgen ging sie wieder hin und fand das Basilikum vertrocknet und die Speisen unberührt. Und die Königin grämte sich, weil die Speisen unberührt und das Basilikum trocken und welk war.
Nachdem zwei, drei Monate vergangen waren, kamen der König und der Königssohn aus dem Krieg. Der Königssohn nimmt den Schlüssel aus den Händen seiner Mutter und geht geradenwegs in sein Gemach. Er öffnet, und was muß er sehen! Das Basilikum trocken und verwelkt! Er fängt an zu weinen und ruft seine Mutter: „Mutter, warum hast du das Basilikum nicht begossen, sondern hast es vertrocknen lassen?“
„Ich habe es begossen, und ich weiß nicht, warum es vertrocknet ist.“
„Dann wird ein Fremder in mein Gemach gekommen sein. Sage mir, wer es war!“
„Ja, eines Tages kam deine Schwiegermutter mit deiner Verlobten, um mir Gesellschaft zu leisten, und sie bat mich, dein Gemach zu öffnen, sie möchte es sehen. Und um sie nicht zu verletzen, habe ich es aufgeschlossen, und sie ist drin herumgegangen.“
„O weh! sie hat das Basilikum verdorren lassen. Warum hast du ihr geöffnet!“ Vor lauter Traurigkeit fiel der Königssohn in eine schwere Krankheit. Die Wesirstochter wollte ihn besuchen, aber er wies sie ab.
Das Mädchen aus dem Basilikum fragte jeden Abend die Sonne: „Was macht der Königssohn? Ist er aus dem Krieg zurückgekommen?“ Und die Sonne antwortete jedesmal: „Noch nicht.“
Eines Abends aber antwortete die Sonne: „Der Königssohn ist zurückgekehrt und ist krank. Sein Vater hat die besten Ärzte gerufen, aber sie können die Krankheit nicht erkennen. Immer sind seine Augen auf das Basilikum gerichtet, und er ist in Gefahr zu sterben.“
„Ich bitte dich sehr“, sagte das Mädchen, „nimm mich mit in deinen Strahlen, wenn du morgen früh aufgehst und die Welt erhellst, und setze mich nieder auf das Basilikum. Ich bitte dich sehr.“
„Ich will es tun“, sagte der Sonnenball.
Und am Morgen nahm er sie in seine Strahlen und setzte sie auf das Basilikum, und sofort wurde das Basilikum grün und erholte sich. Kaum sah der Königssohn, daß es grün wurde, da verließ ihn die Krankheit, und er schickte alle aus seinem Zimmer, und sie meinten, er wäre wahnsinnig geworden.
Am Abend verlangte er, daß sie ihm den Tisch mit den Speisen brächten, und er riegelte ab, und das Mädchen entstieg dem Basilikum. Da fragte er sie, wie es geschehen konnte, daß sie verschwunden war und auf welche Weise sie wieder zurückgekommen sei. Und das Mädchen erzählte: „Eines Tages, als ich am Fenster saß und meine Haare kämmte, öffnete sich die Tur, und ein Mädchen trat herein und gab mir einen Stoß, daß ich ins Meer fiel. In dem Augenblick ging der Sonnenball unter, und er fing mich in seinen Strahlen auf und brachte mich zu seiner Mutter. Und jeden Abend fragte ich ihn, wie es dir geht. Und als er mir sagte, daß du schwer krank seist, bat ich ihn, und er brachte mich hierher.“
Und der Königssohn sagte: „Die dich hinuntergestoßen hat, ist die Wesirstochter, meine Verlobte, und das, was sie dir tun wollte, das werden wir ihr antun, damit sie zur Einsicht kommt.“
Am nächsten Tag also sagte er zu seiner Mutter, sie sollten die Hochzeit rüsten, er wolle sich mit der Wesirstochter verheiraten. Sie schickten auch dem Wesir Botschaft und auch er traf seine Vorbereitungen, und am Abend, als sie die Braut brachten, damit sie ihre Fingernägel rot anmalten , führte der Königssohn sie in sein Zimmer und warf sie aus dem Fenster ins Meer, da konnten die Fische sie fressen.
Dann trat das Basilikummädchen heraus, und alle meinten, es wäre die Wesirstochter, und färbten ihr die Hände rot, und am Sonntag war die Hochzeit. und man gab sie zusammen. Und ich war auch dabei und bin dort herumspaziert. (Aus der Türkei)

                                                               (Foto anklicken und den würzigen Duft geniessen)

Informative Heiligenscheinbastelei

Ein tiefer Griff in die Archive bringt eine schöne Musik zum Vorschein. Das sonnigklingende Gegenstück zum Grauhimmel: Al di Meola – Elegant Gypsy (1977)…
 
Überrascht hat mich der arabische Frühling in Tunis. Danach zog der frische Geist der Auflehnung weiter nach Lbiyen und Ägypten. In Syrien lodert und brennt es weiterhin. Derzeit haben die Menschen genug von den Machenschaften der Herrschenden in Venezuela, Thailand und der Ukraine. Wobei uns die Ukraine am nächsten liegt. Und das nicht nur geografisch. Mit uns sind natürlich nicht die Menschen wie Sie und ich gemeint sondern die, deren wirtschaftliche und politische Interessen berührt sind. Die Medien aller Länder sind wie gehabt vereinigt in dem Bestreben, die faden Interessen der Strippenzieher als die unseren an die normal lebende Bevölkerung zu bringen.
Und schon taucht neben Klitschko erneut ein altbekannter Name auf. Klitschko taucht in den deutschen Medien vermehrt natürlich wegen seiner Boxerkarriere auf und weil er darüber hinaus ein studierter echter Dr. (phil. box?) ist. Sowas schafft vereehrende Verbundenheit bei deutschen Michels und Michaelas.
Julija Tymoschenko. Sie, die unschuldig verfolgte Reinheit. Dass sie fotografiert wird häufig mit diesem putzigen Flechtkranz ums Blondhaar mag bei manchen unbewusst die Erinnerung wachrufen an dralle deutsche Mädels einer unseligen Vergangenheit. Bei derlei Rührseligkeit werden die Fragen blass und matt nach dem Lebensweg der Ukrainerin. Geboren im 1960er Jahr eröffnete sie als erste unternehmerische Tat einen Videoverleih. 1991 steigt sie ins Geschäft mit Erdölprodukten ein. Das Kapital dafür stammt aus eigenen Ersparnissen und einer Finanzspritze ihrer Eltern. Dass sie in einem Plattenbau und aus einfachen Verhältnissen stammt wirft erste Fragen auf. Bereits ein Jahr später hatte ihre Firma die Monopolstellung auf diesem Markt. !997 konnte sie ihr Unternehmen mit Fug und Recht einen Konzern nennen und zehn Jahre später (2007) wurde ihr Vermögen auf mehrere hundert Millionen Dollars geschätzt. Das alles mithilfe des elterlichen Sparbuchs und der Videokasse. Und Fleiss und nichts als Fliess. Sonst wirklich nichts? Die erste Frau, die ein derart immenses Vermögen lediglich durch Fleiss zusammenrafft ist wahrlich reif für die Heiligsprechung.
Die Bühne für ihre politische Aktivitäten war bereit für den Auftritt. Beauftragt die allumfassend korrupten Strukturen im Energiesektor der Ukraine zu bereinigen, geriet sie in die Mühle anderer mächtiger Interessen. Das pressewirksam publizierte vorläufige Ende ist sattsam bekannt. Schauprozess(ion) und anschliessende Verwahrung im Knast. Schlimme Haftbedingungen und angeschlagene Gesundheit. Das wars dann bei und für uns mit der Legende der heiligen Julja. Andere Massenlenkungslegenden wurden wichtiger.
Und nun wird sie sich den weissblonden Zopf flechten zum Auszug aus der Haftanstalt. Und die ersten Berichte von heute Morgen lassen vermuten, dass ihr goldener Haarschmuck erneut zum Heiligenschein erleuchtet werden wird.
Dass der russische Puter nach Tschetschenien und Georgien eventuell zum dritten Mal nun die gleiche kriegerische Strategie anwenden wird, um seinen Machtbereich zu sichern, wen interessiert das wirklich im Lande. Zuerst muss die Schmach verarbeitet werden, in Sochi beim Doping erwischt und auf den fünften Platz im Medaillenspiegel abgefallen zu sein.
Die Frage, die mich persönlich umtreibt ist, wie unsere eigenen wirtschaftlich und politisch engagierten Strippenzieher reagieren würden. Denn die Einschläge kommen näher. Immer mehr Menschen weltweit fordern Gerechtigkeit und sind bereit dafür auch hohe Risiken einzugehen. Wie weit ist der Weg von Schlagstock und Wasserwerfer bis zum Einsatz von Scharfschützen, die das eigene Volk gezielt abknallen…
 
 
 
 

Klare Fragen – deutliche Antworten

Grauer Himmel – RegenRegenRegen…

Karikaturen in Dänemark, nun ein ominös infamer Film von irren Fanatikern und in einigen Tagen vielleicht ein französisches Satiremagazin mit vermeintlichem Witz. Die Folgen waren und werden sein: sinnlos hingemordete Menschen, zertrampelte Fahnen, Hass und Zerstörung – Feuer und Schwert.
Eurokrise. Europa auf der Kippe. Fortschreitende Einschränkung von Menschenrechten, die wir in Europa demokratische Rechte nennen und endlich realsiert sehen möchten (z.B. Plebiszit). Raffgierige Spekulanten unterstützt und angeheizt von moralisch bis ins Mark verkommenen Bankern. Politiker, die längst keine tragfähigen Antworten mehr haben und lediglich auf die eigenen Pfründe schielen.
Fünfhundert Jahre Kapitalismus nähern sich unaufhaltsam ihrem Ende. Bibeltreue sehen dem sogenannten Armageddon entgegen, die Superreichen haben längst vorgesorgt mit atomsicheren Bunkern und Goldreserven. Wolkige Heilsversprechen von der einen, ewiggleiche Beschwörungsformeln von der anderen Seite. Von Gerede wird kein Mensch satt.
Ich bin zu sehr und vor allem gerne Realist, um meine Lebenszeit mit Verschwörungstheorien, Untergangsszenarien oder Heilsversprechen zu vertun.
Im Zuge von Studien bin ich erneut auf Immanuel Wallerstein gestossen. Wissenschaftler. Soziologe. Hochdekoriert und in weiten Kreisen noch immer viel zu unbekannt. Ein Mann, der klar denkt und analysiert. Von kapitalismushörigen Neoliberalen ebenso vehement angegriffen wie von theorieschwangeren Neomarxisten. Ein Mann zwischen den Stühlen.
Für mich sind Menschen zwischen den Stühlen meist interessant. Diese Menschen kämpfen für ihre Unabhängigkeit; sie bewahren sich ihre Freiheit von Dogmen und sind in der Lage, unangenehme Fragen zu stellen. Da sie ungewohnte Wege beim Denken beschreiten, eröffnen sich neue Perspektiven. Die sind nicht immer bequem oder einfach. Können manchmal auch Angst machen. Vor allem aber steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht anonyme Systeme. Die sind selten menschlich oder gar menschenfreundlich.
Im Zuge einer Recherche stiess ich auf ein sehr sehenswertes Interview mit Immanuel Wallerstein. Seine Analyse zum Kapitalismus. 27 denkwürdige Minuten dauert das Interview, das ein Redakteur von Kontext-TV führte. „Kontext-TV – die anderen Nachrichten“ lernte ich dabei kennen und ich denke, dass ich mich da jetzt öfter umsehen werde. Ich zitiere: „Das Projekt Kontext TV wurde im Herbst 2009 von David Goeßmann und Fabian Scheidler initiiert und befindet sich im Aufbau. Die Kernidee besteht darin, ein unabhängiges deutschsprachiges Nachrichtenmagazin zu schaffen, das regelmäßig über Internet und lokale Radio- und TV-Stationen sendet und substantielle Hintergrundinformationen zu drängenden Gegenwarts- und Zukunftsthemen wie Klimawandel, Krieg und Frieden, soziale Gerechtigkeit und Migration liefert. Zu Wort kommen als Studiogäste oder per Live-Schaltung kritische Stimmen aus dem In- und Ausland, die oft in den Mainstreammedien zu wenig gehört werden.“(Quelle: Webseite Kontext TV – Wir über uns)

Die Schlagzeilen von heute werden soviele Tage aufgewärmt, bis mit neuen Sensationen neues Geld zu scheffeln ist. Die Mühle läuft. Wir kennen die Guten und die Bösen. Die kennen wir schon zu lange. Ich brauche niemanden, der mir das tagtäglich mit dem einlullenden Geschrammel einer Gebetsmühle vorleiert. Ist der Dalai Lama mit seinen unverfänglich hingelächelten Showauftritten tatsächlich besser als der alte Mann in Rom? Beide machen mehr Politik als der Religion zuträglich ist. Beide leiten Institutionen, in denen sich die Macht auf hierarchische Strukturen von Vorvorgestern beruft. Beide sind Chefs, die in überflüssigem Prunk & Pomp leben – weit entfernt von den Menschen, durch deren Arbeit sie ernährt und am Leben erhalten werden.
Ich bin der Meinung, wir brauchen viel notwendiger ungewöhnliche Fragen, um neue konstruktive Antworten zu finden. Auch wenn sie heute vielleicht unpopulär sind. Oder verlacht werden. Mit den Meldungen der tagtäglichen „Sensationen“ werden wir gezielt von den wirklich drängenden Fragen abgelenkt. Nachrichten. Das Wort selbst zeigt auf das „Zu spät!“ – ist alles schon passiert und vorbei, nicht mehr zu ändern. Rückwärts gewandte Aufregungen verhindern den Blick nach vorn.
„Ein neuer Gedanke wird heute verlacht, dann bekämpft, bis er nach längerer Zeit als selbstverständlich gilt.“ (Arthur Schopenhauer)

Aussichten – Einsichten

Weitgehend blauer Himmel…

 

 

 

 

Das intensivste Himmelsblau habe ich in Tunesien gesehen. Egal ob am frühen Morgen, mittags oder abends oder während der kurzen Phase der Dämmerung. Selbst in helleren Mondnächten war ein tiefer Blauton zu erkennen. In der Gegend rund um Tunis hat man von vielen Standorten aus einen mehr oder minder freien Blick zum Mittelmeer hin, das mit seinen wechselnden Farben intensiv schimmert. Selbst bei bedecktem Himmel tröstete ein leuchtendes Türkis.
Ob die Männer, die auf diesen Soldatenfriedhöfen bestattet sind, je einen Moment der Stille erleben konnten, um sich an diesen Lichtern zu erfreuen?
Die Deutschen (Foto 1+2) und die Franzosen (Foto3) haben ihre letzte Ruhe auf Anhöhen in der Nähe des Meeres gefunden. Der Friedhof der Amerikaner (Foto4) liegt zwischen Karthago und Sidi Bou Said etwa einen Kilometer weit landeinwärts umgeben von Bäumen.