Kofferpackaufschiebbeschäftigungen

Kofferpacken, Listen abhaken. Launeheber erster Güte, und das seit 1980 ohne an Frísche zu verlieren:
Dexys Midnight Runners – Searching for the Young Soul Rebels. Mit zunehmender Lautstärker immer besser werdend.
Hier gibts was auf die Ohren: youtube.com/watch?v=8OgTNCeW3sU  (Das Radio am Anfang gehört so!)…

Am Wochenende letzte Blicke ins Meer und auf seltsame Wolkengebirge. Für die nächste Kurzreisezeit jedenfalls. Ins Bembelland. Wenn das Wetter sich einigermassen planmässig fortentwickelt, wird auch im Oktober am Strand sitzen können. Ich bin aber vorsichtig. Trotzdem will ich an weitere Strandvergnügen im Oktober glauben.
Fotos entwickelt und dabei festgestellt, dass die neue Taschenknipse einen seriell gleichmässigen Abbildungsfehler produziert. Also Austausch. Ist ja noch Garantie drauf. Das Geraffel ist verstaut.
Wo sind denn die Kronkroken für den Herrn Svoboda? Vorfreude, Klar, auf die heimischen kulinarischen Genüsse. Vor allem aber auf die Lummerländer Kinder. Und auf das Wiedersehen von Liebmenschen. Vorsichtshalber mal ein Aspirin einpacken. Informationsundichtigkeiten aus dem Regenwald künden von Schnapsdestillen.
Ich hätte gerne mal mehr Zeit. Der Blogumzug von Tante Guurgel zu Onkel Wortpresse hat einiges verändert. Neue virtuelle Bekanntschaften, die neugierig machen auf ein Kennenlernen in der wirklichen Welt. Und die anderen Menschen wieder, mit denen ich mich nicht treffen kann aus tausend wirren Wenn&abergründen. Hätte hätte Fahrradkette.
Diesen Post fertigmachen und publizieren bis irgendwo in Bembeltown ein Internettürchen gefunden sein wird.
Ach so, der zeitströmenden Mode entsprechend noch ein Sebstlichtbild posten, damit mich am Bembeltown Luftverkehrtransportmittelhafen das Empfangskomittee auch erkennt…

Allen Besucher, Lesern und Guggern prima Tage & solong, Herr Ärmel

(Foto anklicken und mitgugge – in gross)

Normaler Donnerstag einer normalen Woche

 Im Archiv gewühlt und für gut befunden, ohne den Blues zu haben: Tony McPhee – I asked for Water she gave me Gasoline (1969)…

Menschlichen Krisen gegenüber bin ich aufgeschlossen. Selbst wenn es nur Kleinstkrisen sind. Fremden und eigenen gleichermassen.
Krisen sind Prozessschlüssel. Sie öffnen Türen, Tore, Portale und Zugänge ins wirkliche Leben. Nur Krisen ermöglichen Fortschritte im guten Sinn einer Weiterentwicklung. Satt und zufrieden in der Hängematte schaukelnd findet keine Entwicklung statt, allenfalls Verdaung.
Was lachst du denn. Klar, auch Verdauung ist ein Prozess. Hey, klasse dir so unvermutet zu begegnen. Wie bitte. Erzählen. Was soll ich dir denn erzählen. Ist ne ganze Weile, dass du mal vorbeigekommen bist.
Eine Bloggerin vermutet einen Hilferuf in einem anderen Blog. Stimmt, Blogs kennst du noch nicht. Stells dir vor wie ein öffentliches Tagebuch. Ein junger Mensch männlichen Geschlechts bloggt sich seinen Frust weg. So siehts jedenfalls aus. Kündigt seinen definitiven Abschied an. Und löst damit eine enorme Reaktion aus, die über die Kommentare weit hinausschäumt. Fast durchweg von Frauen sind die Kommentare. Wie, Kommentare – ach so: Kommentare kannst du dazu benutzen, mit dem Schreiber in Kontakt zu treten. Ja, ich weiss, wir hätten nichtmal privat so miteinander geredet. Die Zeiten haben sich geändert. Überleg´ mal, unsere letzten Gespräche fallen vielleicht in den Anfang dieser Veränderung.
Bezugnehmend auf einen seiner Sätze schreibe ich ihm zwei Sätze, also kommentiere. Posts werden gelöscht, Kommentare nicht freigegeben. Am späteren Abend veröffentlicht er wieder einen Eintrag. Ist beleidigt wie nur je ein vierjähriges Mädchen. Es wird interessant. Er greift die Menschen an, die um ihn besorgt waren. Bellt rum und teilt aus.
Was sagst du dazu, Alter? Noch heute nach mehr als einem Vierteljahrhundert ist mir dein hintergründig verschmitzter Augenaufschlag vertraut. Wie wärs dem Bürschchen in unserer WG wohl ergangen. Seis drum.
Ein Schauspieler hat sich umgebracht. Nein, keine Drogen. Das ist nach wie vor eher was für Musikalartisten. Obwohl, in letzter Zeit, auch hier in der Bravoquickbunterepublik. Also, er hat sich für den Strick entschieden. Soll depressiv gewesen sein. Erinnerst du dich noch an Brinckmann. Doch nicht der Trollprofessor aus dem Schwarzwald, du Knallkopp. Rolf Dieter, Dichter, der in London unters Auto gelaufen ist. Hat den Linksverkehr unterschätzt. Bei ihm glaube ich allerdings nicht, dass er absichtlich unters Auto lief. Nein, keine Sorge, ich fange jetzt nicht seinen Gedichten an.
Männer im Intenet zählen die Filme auf, die ihnen gefallen haben, Frauen dagegen sind berührt von seiner Selbstaufhängung. Ob der Schauspieler daran gedacht hat, was in jenen Menschen vorgeht, die ihn auffinden werden. Sein Anblick. Gegen die Gliedversteifung von Selbstaufhängern hilft auch kein Maskenbildner aus dem Hollywoodstudio. (Richter, Optatus Leopold Wilhelm: Handbuch des Straf-Verfahrens in den Königl. Preußischen Staaten, mit Ausnahme der Provinzen, in welchen noch französisches Recht gilt. Verlag Borngräber, Königsberg 1830. hier: Bd. 2, S. 364). Ja, lach du nur. Schon klar, mein ewiger Griff ins Regal. Lieber würde ich einen Äppler mit dir trinken., kannste mir schon glauben. Aber du…
Da fällt mir ein, einen seiner Filme haben wir jedenfalls zusammen gesehen. Good Morning Vietnam. Unsere Musik. Vietnam, das Thema. Im Zusammenhang mit den Bildern und seinen Texten hatte der Film schon was.
Wie? Ich verstehe dich zunehmend schlechter in den letzten Jahren, sags nochmal. Nee, da stimme ich dir sofort zu, gegen Donald Sutherland kam der Mann nie an. M*A*S*H war da ein ganz anderes Kaliber. Der spielte zwar in Korea, aber Krieg ist Krieg, da waren und sind wir uns einig.
Ja, leider, es kracht und rappelt noch immer und überall. Im Nordirak will die Quickregierung unserer Bunterepublik jetzt die Armee mit technischem Gerät unterstützen. Ich habs erst garnicht geschnallt. Decken, Zelte und Medikamente für die tausende Menschen auf der Flucht vor durchgeknallten fanatischen Religionsfaschisten, dafür spendet man. Ist doch logan.
Wieso aber brauchen diese Entkräfteten Panzerabwehrraketen? Als später die Nachrichten kamen, im Interview die Buntetagslabergeschütze auffuhren und Realitätsabwehrpolitiker losseierten habe sogar ich dann verstanden. England und Frankreich „unterstützen“ längst die irakische Armee.
Mensch, die Märkte von morgen. Du siehst, alles wir es kennen. Dass man es heute leichter rauskriegen kann, macht die Sache allerdings nicht leichter erträglich.
Aber weisst du, was mir im Lauf der Zeit immer mehr auf den Zeiger geht? Die Nachricht nach der Nachricht. Am 11. kam die Todesnachricht des Schauspielers. Am 12. war das Thema Depression der Aufmacher, er soll ja depressiv gewesen sein. Die Betroffen, die Depressiven, die Krankheit. Die Kosten für Krankenkassen. Da quellen prima Schlagzeilen aus dem Redaktionsendgedärm.
Die Pharmaindustrie wirds jedenfalls freuen. Die Glücklichpillenverkäufe werden in dieser Woche wohl zufriedenstellend steigen. Und das Umfeld. Was mir stinkt, ist, dass niemand vom Umfeld depressiver Menschen schreibt. Von den Menschen, die den Auswirkungen standhalten. Die haben keine Lobby und die Pharmaindustrie offensichtlich noch keine gewinnproduzierenden Aushaltedrogen.
Schon gut, du musst mich nicht erinnern. Ich bin halt nicht so cool wie du, nie gewesen. Wills auch garnicht sein, verdammt. Vielleicht hätte ich dich dann schon längst abgeschrieben und vergessen.
Heute in den Nachrichten das nächste Thema, dass er offensichtlich pleite war. Insidernachrichten. Insider aus Familienkreisen. Die Putzfrau vielleicht oder der Sekretär hat ausgepackt. Take your chance bevor sie andere ergreifen. It´s Dollarmakingtime man, so what.
Übrigens habe ich mir inzwischen die Beiträge auf dem Blog des jungen Mannes eingehender angesehen. Wie? Naja, so ein bisschen Neugier ist schon dabei. Und Texte zu untersuchen, erzeugt noch immer ein leichtes Kribbeln. Derrida und die Kristeva haben wir früher nicht gekannt. War vielleicht besser so. Die hätten manche unserer Lieblingsautoren mit der Kettensäge entzaubert. Aber hin und wieder ist die Kettensäge eben auch hilfreich.
Was sagst du – nix ist nur schlecht. Mann, Alter, und auf Regen folgt Sonnenschein. Hättest du noch deine Stimme, wir könnten jetzt die Witze erzählen, über die wir schon früher nicht gelacht haben.
Also die Kettensäge. Bei jenem Blog zum Beispiel. Schlauer Bube, der du bist, natürlich hast du ins Schwarze geraten. Er schreibt brav jeden Tag weiter. Hat ja seine Frauenschar um sich versammelt, die ihn am Schreiben hält.
Wie? Klar, ist das zum Lachen, einer der neueren Muttisammler, eine genügt ihm nicht. Und wie geschickt er die Schreiberinnen longiert. Dir kann ichs ja sagen. Zweimal habe ich mich ertappt mit neidischen Rückwärtsgedankennebeln beim Lesen. Was hätte ich in dem Alter dafür gegeben, die Mütter so geschickt um den Finger wickeln zu können. Nee, ich mache mich so wenig wie du über die Frauen lustig. Als Frau würde ich vielleicht genauso handeln. Kann man nie wissen. Ist vielleicht seine Rache. Von einem Vater ist bei ihm nichts zu lesen. Väter, das waren unsere Themen. Idioten verständnislose, Nixschnaller, Laberköppe und Feinde allesamt. Da habens die Alleinerzogenen heute schwerer sich ein scheibeneinfaches Weltbild hinzudengeln.
Nur eine der schreibenden Frauen, die imponierte mir sofort. Die bringt den kleinen Kacker in fast jedem ihrer Kommentare auf den Punkt. Schade, du hättest deine Freude, aber hast ja nun keine Augen mehr zum Lesen.  Und wie er sich dann rauswindet um nur nicht drauf eingehen zu müssen, keinesfalls konkret zu werden.
Mich berührt der Tod des Schauspielers nicht. Diese Woche begann übrigens auffällig wie jene Woche  damals. Erinnerst du dich noch als ich dich abholte. Als wir zum letzten Mal zurück ins Kaff fuhren. Ich kann mich nicht mehr an den Mann erinnern, der hinter mir sass. Der als Aufpasser mitfahren musste. Und du, die ganze Strecke auf dem runtergekurbelten Liegesitz.
Dieser Übergang vom Sommer zum frühen Herbst. Das widerlich schöne Wetter, so ekelhaft, dass dein Abschied einer einzigen wütenden Trotzreaktion glich. Aber von allen. Nix war zu machen gegen das verflixte Wetter. Ein metereologischer Zynismus zum Quadrat.
Was meinst du, muss man gesehen haben wie ein Mensch stirbt. Nein, nicht im Film. Dabeisein. In echt, jetzt mal. Eine Hand halten vielleicht und in einer langen letzten, ins schier Endlose gedehnten Einstellung spüren, wie die Kraft so langsam sanft entweicht, sich verflüchtigend ins Nirgendwo, dass man sich richtig anstrengen muss, um überhaupt noch etwas tastend wahrzunehmen.
Wie verändert das die Einstellung. Sag doch mal. Egal ob zum Leben oder zu Sterben. Was geschieht mit dem persönlichen Empfindungsarsenal. Was wandert ins Archiv und was entsteht neu.
Lauren Bacall ist gestorben und das berührt mich. Die Nachrichten nach der Nachricht sind bei Lauren Bacall aus anderen Worten gewebt. Die liefert nichts für billige Sensationen. Nicht mal als vierte Frau von Bogart. Und jetzt ists schon zwei Tage her.
Sie war halt eine Frau, die nicht ins gewohnt primitive Hollywoodfrauenbild passte. No handsome nice little woman, ya know. Die sagte ihre Meinung. Unmissverständlich.
Du hast Recht, jetzt fällts mir wieder ein. Als das los ging mit den Kommunalen Kinos. Zwei Käffer, zwei Kinos, zwei Mark Eintritt pro Film, bis zu zehn Filme pro Woche. Da habe ich mich in der Bogart Reihe virtuell in Lauren Bacall verschossen. „Anyboby get a match“ – ich bin fast in die Leinwand gesprungen. Ihr erster Satz im Film und der machte sie dann auch schlagartig berühmt.
Heute Nacht habe ich mir „Gangster in Key Largo“ angesehen und „To have and have not“. Originalton versteht sich: Anybody get a match. Private Abscheidszeremonie. Ein Genuss. Ein Fest des Sehens und Verstehens
Krisen setzen Energien frei. Da fällt mir ein, dass Wut auch eine Energie ist. Konstruktiv eingesetzt kann aus Wut Gutes werden. Ich bin mir nichtmal sicher, ob ich dich  wieder gerne einmal sehen möchte. Nur einen Tag vielleicht, oder eine Stunde. Wieso wir erst zu sprechen lernten miteinander als es fast zu spät war, die Frage lagert noch immer irgendwo.
Ich spekuliere manchmal darüber, in den letzten Jahren zugegeben seltener. Ich bin auch nicht traurig, dass ich die zahlreichen Fahrten in unserem letzten Jahr hin und zurück vor deinem Verschwinden zu verwechseln beginne. Unvergessen aber bleibt jener Sommer als wir mit unseren beiden italienischen Einzylinderinnen den Appenin durchkreuzten. Da lernten wir zu reden. Das behalte ich.
Irgendwas bleibt immer. Jetzt gerade der schale Lesenachgeschmack. Der Bursche hat die absolutierenden Wörter „immer“ und „nie“ zu oft gebraucht. Seine Texte damit geradezu versalzen. Nein, dabei bleibe ich, das ist keine Verhandlungsmasse. Und er strapaziert das Wort „total“. „Total“ und „fanatisch“ waren Goebbelswörter für uns. Unwörter. Unaussprechlich. Der hatte die massenkompatibel gemacht.
Letternkombinationen, zu Silben und Wörtern zusammensetzt und in Parolen verwoben, die anderen Menschen wie Mottenfrass im Gefühlsgewebe schadeten. („TOTAL [Lfg. 21,6],adj., adv., synonym mit älterem deutschen gesamt, gänzlich, ganz […] der affectgehalt, zu dem ein adjectiv der bedeutung ‚vollständig, gesamt‘ an sich neigt, erscheint im fremdwort noch gesteigert; es steht deshalb mit vorliebe bei begriffen, die eine affectbetonung nahelegen, vornehmlich, bei solchen negativer bedeutungsrichtung; der begriff erfährt dabei gewöhnlich eine graduelle steigerung, seltener eine quantitative ausweitung…“ (Grimm, Jakob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch Bd. 21 Sp.906).
Das hat sich der kleine grossmäulige Klumpfuss gut eingebaut in seine Propaganda. Wie der die Sprache verhunzt hat. Wir waren vorsichtig im Umgang mit den Wörtern. Zu vorsichtig. Wenn du mir doch endlich, nach all den vielen Jahren mal erklären könntest. Ich kann dich immer schlechter verstehen
. Ich will dir aber sagen, am besten finde ich immer noch, dass wir zusammen gelernt haben in unserer Jugend, sich nicht über andere Menschen leichtfertig zu erheben, trotz allem.
Dafür terrierscharf hinschauen und „Nanu“ sagfragen zu lernen. Ungenau, ich habs von dir gelernt.
Ja, ist ja gut, ich weiss, dass du weg musst. Musst du wirklich. Musste es so schnell sein.
Damals, als wir zusammensassen, sonntags nachmittags. Letztmalig. Die ungeduldige Frau. Mit dem dämlichen Klemmbrett vor sich. Die deinen Namen nicht verstand, vielleicht auch nicht verstehen wollte. Du machtest dir deinen Spass draus. Ich hatte endlich die Stationen von „Im Lauf der Zeit“ rausgefunden. Wir wollten die Route abklappern und dabei fotografieren. Ein, zwei Wochen später. Entlang der Grenze. Demnächst mit diesem Käfer oder jener Ente.
Du hast die Grenze aber vorher überwunden, hast dich aus dem Staub gemacht, ohne Auf Weidersehen zu sagen. Damals  geriet ich in eine Krise, wahrhaftig. Ich habe dann mehrere Jahre nicht mehr fotografiert. Einfach nichts mehr gesehen.
Es gibts jetzt wieder Quetschekuche. Darauf freue ich mich schon. Dieser verdammte letzte Sonntag. Bilderbuchsonntag. Mit allen Freunden und Bekannten. Du hattest dir Quetschekuche gewünscht, gefordert. Abschiedsessen. Pflaumenkuchen als Abschiedsessen.
Nein, ich will dich nicht aufhalten. Wollte und will nicht. Die sauber gezogene Hohlkehle deiner letzten Umarmung liegt mir noch immer auf den Schultern. Ich werde demnächst in Bembeltown sein. Ich werde uns eine Flasche Äppler mitbringen. Ohne Mund kannst du nicht trinken. Deine Hälfte lasse ich dann wie gehabt über deinen Grabstein laufen, ok? Was sagst du. Nö, zum Rauchen werde ich diesmal nichts mehr mitbringen…

Gewöhnungsbedürftig

Wenn das Alter von der Jugend lernt: ganz feiner Blues von Otis Taylor – White African (2001)…

Morgens früh am Bahnhof. Mit dem Rad versteht sich. Da schwingt die Vorfreude, mit dem Rad die Stadt zu durchqueren. Denn Wartezeiten werden anstehen heute. Fahrkarte am Automat gelöst. Prima, dass er funktioniert. Das ist nicht immer so. Kein Fahrradabteil im Zug, also stehen bis nach Bembeltown. So gleicht sich alles aus. 1:1. Angekommen, will ich das Fahrrad anschliessen und bemerke, dass ich den Schlüssel dazu vergessen habe. 2:1 für das Schicksal. Gleich um die Ecke ist zum Glück ein Fahrradladen, der was billiges im Angebot hat. Ausserdem wird eh ein weiteres gebraucht. Zurück zum Termin. Danach einige Stunden Wartezeit. Es ist drückend heiss in der Stadt und kein gutes Licht zum fotografieren (zwischen elf und drei haben Fotografen frei). Quer durch die Stadt zum Güntersburg-Park. Der Grüneburg-Park ist zwar schöner und vor allem näher, aber ich habe schöne Erinnerungen an den Güntersburg-Park. 1978 war ein gutes Jahr nach einem fürchterlichen „Deutschen Herbst“. Die alten Bäume brechen den geschäftigen Lärm der Stadt und spenden kühlenden Schatten. Ein Äppler darfs sein als Siestatrunk. 2:2. Zurück zu einem weiteren Termin und anschliessend drängt sich der Gedanke auf, mit dem Fahrrad zurück zu meiner Unterkunft fahren. Aber die Hitze und der mittlerweile schwere Rucksack. Und überhaupt die vielen kleinen Ausreden, die sich immer wieder aufdrängen im Alltag. Also doch zum Bahnhof. Das Fahrradabteil in der Regionalbahn ist defekt, was immer das bedeutet. Konkret bedeutet das, das Rad im Einstieg des waggons im Auge zu behalten. Nach einem langen Tag ist ein Sitzplatz bequemer. Die Klimaanlage im Zug ist ausgefallen, Wärs nicht die Hitze, allein der Geruch im Abteil ist Hinweis genug. 3:5 und kaum noch auszugleichen. An jeder Station den Platz verlassen und die Türen freimachen. Beim Anfahren den eigenen inzwischen besetzten Platz reklamieren. Nervig. Alle paar Minuten bleibt der Zug stehen. Nervig. Technische Schwierigkeiten krächzts aus dem Lautsprecher. Genug der Nerverei. Ich steige früher aus dem Zug. Der Tag gehts ans Schicksal. Ich bin froh wieder auf meinem Rad zu sitzen. Der Fahrwind kühlt zwar nicht, ist aber angenehmer als die Ausdünstungen im Abteil. Als ich kurz vor meiner Unterkunft am Bahnhof vorbeifahre, sehe ich in der Ferne wie sich die Regionalbahn meinem Zielbahnhof nähert. So bin ich trotz früherem Ausstieg noch einige Minuten früher an meinem Ziel. Zusammengezählt wird am Schluss besagt eine alte Motorradrennfahrerweisheit.
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Nach Norden und dann leicht nach links

Stille… Keine Musik. Der Blick wandert ungläubig über den Himmel – blitzeblau…

Grosse Dinge und (hoffentlich) neue Erkenntnisse stehen ins Haus. Die Vorbereitungen sind getroffen. Zuerst einmal lässt sich der Pilot genügend Zeit für eine satte Verspätung. Wer allerdings sein Ziel vor Augen hat, der kann es ruhig angehen lassen, oder so. Oder so ähnlich.
Im Flieger eine Versammlung deutscher Rocker, die Vereinsuniformen mit den abgeschnittenen Ärmeln erweisen sich als echte Hingucker. Kein Wunder, denn auf dem kurzen Flug gibts TV an Bord. Kaum in Bembeltown gelandet zeigt sich die Stadt ihres Rufes als Geldmittelpunkt des Landes würdig. Flaschensammler schwer behängt mit Reisetaschen, die Hälse in die Mülleimer geneigt, sind ein gewohnter Anblick geworden.
(Für mich) neu allerdings diese sauber und wie es scheint einträgliche diese Geschäftsidee: Ein Mann mit Umhängetasche (klein!) geht vor dem Terminal auf und ab. Die Systematik ist schnell zu erkennen. Er strebt zu den Passagieren, die gerade vom Gepäckwagen ihre Baggage in ein Kraftfahrzeug verstaut haben. „Tschuldigung, brauchen Sie den Wagen noch?“ Der dynamische, aufgestutzte Popper mit seiner MaxiBarbie und fünfzehn Koffern braucht ihn noch. Er schiebt ihn über die Fahrbahn zurück vor die Tür des Terminals. Aber gleich drauf kriegt der Fragende den Wagen einer ausländischen Familie. Schiebt ihn auch zur Terminaltüre und nun kapiere ich es. Dort ist die Pfandstation. Zwei Eurotaler. Wir warten ungefähr zwanzog Minuten auf unseren Chauffeur. In dieser Zeit bringt der Wagensammler fünf Wagen zurück = 10 Taler. Und dabei ist am Terminal eigentlich tote Hose. Ein schneller Überschlag: Wenn der Mann einen Acht-Stunden-Tag hat und samstags auch noch Hand an die Wagen legt, sind locker 12-1500 Taler pro Monat drin. Eine tolle Idee.
 
Zuerst einmal aber findet jetzt eine gediegene Magenakklimatisation statt mit Handkäs und Äppler dem paradiesischen Stöffsche.
Wie das alles weitergeht, dazu gibts Informationen und Fotos in Kürze auf diesem Blog.
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Der Kulturapfel (malus domestica) und die Apfelkultur

Angeblich soll man sich sonntags nicht versündigen. Deshalb schweige ich heute zum Wetter…

Junge Menschen scheinen uns Älteren oft unkonzentriert oder abwesend. Hin und wieder vergessen sie dann das Naheliegende. Dabei liegt alles am Bestaunen der schönen Welt mit ihren vielfältigen Wundern.
Seit einer Woche bereits weilt die jüngere der Lummerländer Prinzessinnen in der Dunkelkammer. Zum heutigen sonntäglich gemütlichen Frühststück legte sie mir ohne viele Worte zu machen den Briefumschlag auf den Tisch. Der gefühlte Inhalt: eine CD oder DVD. Neugier, öffnen – und staunen. Ein alter, aber sehr wohl erhaltener Bierdeckel. Oder heisst das in diesem Fall etwa Apfelweindeckel? Wie dem auch sei, in der Eulenburg wurden im vergangenen Jahr der letzte Bembel gezappt. Alles Geschichte. Weiterhin kam eine wunderschöne Ansichtskarte von Frankfurt zum Vorschein mit einem lieben Gruss. Gemalt im impressionistischen Landschaftsstil mit der einzigartigen (modernen!) Silhouette der schönen Stadt Frankfurt am Main. Der Absender, der geschätzte Herr Otto aus selbiger Stadt fand ihn angelegentlich anderer Arbeiten und dachte dabei an mich. Eine feine Geste!
Herzbewegende Freude verarbeitet man besten beim fotografieren. Aus diesem Grund diente ein kleines Arrangement als Dank für Herrn Otto, dem damit dieser Post gewidmet ist. Und weils einfach Spass machte, kam noch ein Apfel dazu. Und später auch der edle Äppler. Der jüngeren Prinzessin wurde der Dank bereits abgestattet, sie transportierte die Flasche mit dem lecker Äppler.
Allen Blogbesuchern wünsche ich eine schöne Woche.

       (Foto ankligge un gross gugge)

Abenteuerliche Regenwaldfahrt

Wenn der goldene Oktober grau wird…

       (Foto anklicken und gross gugge)


Das Bloggertreffen findet im Regenwald statt. Nach einigen schönen Tagen in Bembeltown ist der morgendliche Himmel am Tag der Anreise betrübt grau und es beginnt zu regnen. Vorgeschmack auf den Regenwald. Ich fahre am Vormittag schon los um mir das übliche Wochenendchaos auf deutschen Autobahnen zu ersparen. Richtung Nordwesten und dann immer auf den dichter fallenden Regen zu.
Eine freundliche ältere Dame leiht mir ihren ältlichen Wagen. Schnurrt munter vor sich hin, entbehrt aber leider zeitgemässer Beschallungsinstallationen. Mir bleibt also nur der regionale Sender. Musikalisch eine Qual für Ohren und Seele. Der Verkehr nimmt gegen Mittag langsam zu und die Verkehrsmeldungen werden dramatischer: Bei Hanau ein totes Reh auf der Fahrbahn, Kassel-Waldau zwei Kinder im Fahrbahnbereich, Hann.-Münden mehrere Pferde, Wiesbaden Medenbach Menschen. Das mobile Wochenende nimmt seinen Lauf. Bis Herborn.
Inzwischen meldet sich der Schnittmengenblogger und weist mich auf nasse Fahrbahnen, rutschige Kurven und dergleichen hin. Ich mag es, wenn man sich um mich sorgt. Ab Herborn ist die Autobahn wegen LKW Unfällen gesperrt. Nun also die Landstrasse. Der Himmel wird dunkler, Ortsnamen geheimnisvoller. Drögenpühl. Bäche, Flüsse, Seen – Nässe. Rinnsale überall. Wasser.
Überaus herzliche Begrüssung bei der Ankunft. Äppler und Handkäs als Gastgeschenke sollen die Eingeborenen freundlich stimmen. Sind die aber auch so von Herzen.
Erste (regenfreie) Begehung und Besichtigung der kleinen Stadt meines Gastgebers. Es hört auf zu regnen, die Bläue des Himmels ist nach allen Vorabinformationen über die hiesigen Gegenden geradezu verwirrend. Weitere Verwirrungen folgen in immer kürzeren Intervallen. So korrigieren sich Weltbilder. Davon später mehr.