Alle Jahre wieder : zu guter Letzt

Horsche: Zu viele Platten, um sie hier aufzuzählen. Alle werden durchgehört, manche verlassen das Archiv.
Lesen: Aus Zeitgründen wenig.
Essen & Trinken: Nach fünf Tagen täglichem „Anfüttern“ steht die Masse im Topf und treibt kleine träge Bläschen. Der erste eigene Sauerteig. Und das Brot schmeckt fantastisch und sättigt enorm. Heute zu einer köstlichen Kartoffelsuppe. Mit leckeren Halberstädtern.
Schaffe: Die Ausgleichsmasse ist entfernt!!! Jetzt wird die Fahrradwerkstatt auf Vordermann gebracht.
Gugge: Slumdog Millionär. Ich habe während meiner Zeit in Südamerika einige Slums gesehen. Ich mag solche Filme nicht mehr. Alle Fernsehsendungen von Loriot. Manchmal brechen die spontanen Lacher aus wie vor Jahrzehnten schon.

Die letzten Tage des Jahres vergehen in einer Stille, die mich an eine lang vergangene Zeit erinnert.

Was für ein Jahr!

Für mich persönlich war es ein gutes Jahr, für das ich von Herzen dankbar bin.

In meinen letztjährigen Text verwob ich meine eigenen Worte mit Zitaten von Arthur Schopenhauer. In dem nun vergehenden Jahr habe ich den letztjährigen Text angeschaut und nach den ersten Zeilen kurz die Luft angehalten. Der alte Text passt für den diesjährigen Jahresrückblick noch besser. Und weil sein Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist, wiederhole ich ihn hier. Die Zitate aus dem Werk Arthur Schopenhauers habe ich mit Anführungszeichen gekennzeichnet.

Wohin man auch schaut, es scheint „die Barbarei kommt wieder, trotz Eisenbahnen, elektrischen Drähten und Luftballons.“ Viele Menschen ahnen, dass einschneidende Veränderungen in vielen Lebensbereichen unumgänglich sind und sein werden.  Aber „ein Haupthindernis der Fortschritte des Menschengeschlechts ist, daß die Leute nicht auf die hören, welche am gescheitesten, sondern auf die, welche am lautesten reden.“
Dabei gibt es kreative Ansätze zuhauf. Aber „ein neuer Gedanke wird zuerst verlacht, dann bekämpft, bis er nach längerer Zeit als selbstverständlich gilt.“

Der beste Sand im Getriebe unseres wachstumsgläubigen und lebensverachtenden Wirtschaftssystems ist die persönliche Reduktion. Da kann jeder Mensch das seine dazu beitragen. Doch „wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt.“

Zudem befördert unsere Gesellschaftsordnung den ständigen Wettbewerb der Menschen gegeneinander. Der Brennstoff dafür sind Missgunst und Neid. „Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie selbst fühlen; ihre beständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen, wie sie sich langweilen.“ Gedankenlos konsumieren schafft kein Lebensglück.
„Auch wird man einsehen, daß Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, daß man mit ihnen nicht redet.“ In diesem Sinne gilt auch, dass „vergeben und vergessen heißt, kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen.“

„Die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei.“ „Gesundheit ist gewiß nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Und lachen ist noch immer die beste Medizin. „Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen. Menschen, deren Lachen stets affektiert ist und gezwungen, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalte.“
„Wenn man auch noch so alt wird, so fühlt man doch im Innern sich ganz und gar als denselben, der man war, als man jung, ja, als man ein Kind war: dieses, was unverändert, stets ganz dasselbe bleibt und nicht mitaltert, ist eben der Kern unseres Wesens, der nicht in der Zeit liegt und eben deshalb unzerstörbar ist.“

Trotz der vielen Hiobsbotschaften, die tagtäglich auf uns einprasseln, ist es ein Trost für den Geist und die Seele zu erkennen, „jeder Tag ist ein neues Leben, jedes Aufwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen ist eine kleine Jugend und jedes Zubettgehen und Einschlafen ein kleiner Tod.“ Man ist nicht bloss seines Glückes Schmied, sondern „jeder ist der heimliche Theaterdirektor seiner Träume.“

 

 

Ich wiederhole es gerne: für mich persönlich war dieses Jahr ein gutes Jahr. Ich bin gesund und kann arbeiten. Ich habe Menschen um mich herum und ich fühle mich Ihnen in Liebe verbunden. Ich reduziere meine Bedürfnisse, bzw. schränke mich seit einigen Jahren in vielerlei Hinsicht bewusst ein. Und gewinne mehr als je zuvor. In der freiwilligen Beschränkung liegt für mich die Wurzel für eine zuvor nicht geahnte Lebensfreude., Insofern habe ich mit den derzeit notwendigen Einschränkungen keine Schwierigkeiten.

Die viel gescholtene Maske bietet mir Vorteile. Ein menschliches Gesicht kann viele Gemütszustände ausdrücken. Sie können das Gegenüber täuschen. Allein die Augen sprechen immer die Wahrheit. Sie täuschen nicht und sie lügen nicht. Noch nie sah ich so viel Trauer, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit in den Augen vieler Menschen. Dass ich die Gerüche von aufdringlichen Duschbädern und Parfums weniger wahrnehme ist ein guter Nebeneffekt, der meine Lebensqualität hebt.

Die Erlebnisse und Erkenntnisse in den letzten Jahren in und um meinen Blog führten mich zu dem Entschluss, diesen Blog zu beenden. Für die vielfältigen Erfahrungen beim Bloggen bin ich dankbar. Ich habe Menschen persönlich kennengelernt durch dieses Medium. Das ist viel.
Ein Neues wird entstehen. Die Zeit verlangt nach dem konkreten menschlichen Miteinander. Auch durch die Blogs. Durch sie als verbindendes Medium könn(t)en sich Menschen im wirklichen Leben zusammenfinden. Für ernsthafte Gespräche sind die Kommentarspalten der Blogs ohnehin nicht gedacht. Und für oberflächliches oder unverbindliches hin und her ist unser aller Lebenszeit zu kostbar und vor allem zu knapp bemessen.
Die Inhalte meiner kommenden Seite stehen bereits fest; die äussere Form ist im Werden. Ich werde Menschen und Begebenheiten beschreiben, die auf diese oder jene Weise meinen Lebensweg gekreuzt und mich beeindruckt und geprägt haben. Sie alle haben ihre Spuren in meiner Biographie hinterlassen. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Leser für sich und sein Leben Erkenntnisse aus den Berichten ziehen kann. Dann hätte ich viel gewonnen.

Auf ein Neues also – auf ein Anderes! – Der Herr Ärmel verabschiedet sich hiermit.

 

In diesem Sinne danke ich allen Besuchern, Lesern und Guggern, die hier auf diesem Blog längere oder kürzere Zeiten verbracht haben. Ich wünsche Ihnen allen ein lichtes 2021er Jahr mit erhellenden Einsichten und erfreulichen Aussichten. Lächeln Sie so oft es Ihnen nur möglich ist. Trauen Sie Ihrer inneren Stimme und vor allem : bleiben Sie gesund.

 

 

 

 

Ohnehin geht die Sonne auf

Sehr beeindruckend war Iggy Pop – Free (2019) und die letzten gesungenen bzw. gesprochenen Worte von Leonard Cohen – Thanks for the Dance (2019)…

Es klingt fast wie ein Märchen. An drei Silvestern neu geboren. Als Jugendlicher wegen Übermüdung im Schnee eingeschlafen. Zum Glück rechtzeitig aufgefunden worden. Als Erwachsener zweimal ohne erkenntliche Gründe am Silvesterabend zusammengebrochen. Beim zweitenmal mit Herz- und Atemstillstand. Da sass glücklicherweise eine Ärztin neben mir.

Schaumweinen ziehe ich andere Getränke vor. Für Knall- und Krawallkörper verschwende ich kein Geld. Diner for one habe ich als junger Mann mehrmals gesehen. Das reicht für ein langes Menschenleben. Und gute Vorsätze für neue Jahr pflegen sich nach wenigen Tagen in Luft aufzulösen. Insofern…

Ich gehe gelassen auf Silvester zu. Die Beantwortung der letzten Weihnachtspost erledigen. Die Gelegenheit nutzen, um das „schönste Kaufhaus Deutschlands“ betreten zu dürfen. Längere Spaziergänge über Felder und durch Weinberge. In einem malerischen kleinen Städtchen die Führung durch ein Pfefferkuchenmuseum geniessen. Auf dem unauffälligen Friedhof stehen. Nachdenklich vor einem einzelnen Grab. Ein schlichtes Holzkreuz, darauf ein Helm der untergegangenen Wehrmacht. Auf dem Holzschild in der Kreuzesmitte die Aufschrift: Hier ruht ein 17 jähr. Kriegsmüder, in den letzten Tagen des Krieges erschossener Soldat.

Zweitausendneunzehn war in der Rückbesinnung mein glücklichstes Lebensjahr. Kein Tag verging ohne ein herzliches Lachen. Gesundheit ist, was ich dafür halte. Dankbarkeit trägt. Am frühen Abend ein kleines Essen. Wohltemperierte Musik dazu und intime Gespräche. Später ein Film aus dem Archiv. Um viertel vor zwölf Uhr den Weg bettwärts nehmen. Kein unerwünschter Lärm stört den frühen Schlaf.

Der Neujahrsmorgen begrüsst mit strahlend blauem Himmel. Ein lange Wanderung im Rheinhessischen auf den Spuren von Trulli. Wingerthäuschen, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind. Fotografieren in der klaren Luft. Eisiger Wind spielt um die Finger. Der Zugang zur Fleckenmauer ist verschlossen. Auf dem bemerkenswerten alten jüdischen Friedhof sind an manchen Gräbern die schwarzen geschliffenen Namensplatten durch stumpfe Gewalteinwirkung zersplittert.

Über die unterschiedlichen Nachrichten der dem Herz nahestehenden Menschen nachsinnen. Endlich wieder von Wilhelm gelesen. Elsa hüllt sich weiterhin in Schweigen. Freude einerseits schafft die nötige Gelassenheit andererseits.
Ich freue mich auf dieses erste Jahr des neuen Jahrzehnts. Es kann ein erfreuliches Jahr werden. Dennoch werde ich auf der Hut sein. Was würde ich mitnehmen auf der Flucht ostwärts vor der us-amerikanischen Aggression. Wenn schon an vielen Orten auf der Erde, warum dann nicht auch mal in Europa den Sheriff raushängen lassen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen winterlich beschaulichen Januar.

(Trulli zwischen Dalsheim und Kriegsfeld)

Alle Jahre wieder : zu guter Letzt

Die letzten gesungenen Texte von Leonard Cohen : Thanks for the Dance (2019)….

Alle Jahre wieder. Wie in den Jahren zuvor. Der Jahresendbeitrag.
Meinen letztjährigen Text beschloss ich mit einem Zitat von Arthur Schopenhauer. Auch in dem nun vergehenden Jahr hat sich dieses Bonmot oft genug bestätigt.

Wohin man auch schaut, es scheint „die Barbarei kommt wieder, trotz Eisenbahnen, elektrischen Drähten und Luftballons.“ Viele Menschen ahnen, dass einschneidende Veränderungen in vielen Lebensbereichen unumgänglich sind und sein werden.  Aber „ein Haupthindernis der Fortschritte des Menschengeschlechts ist, daß die Leute nicht auf die hören, welche am gescheitesten, sondern auf die, welche am lautesten reden.“ Dabei gibt es kreative Ansätze zuhauf. Aber „ein neuer Gedanke wird zuerst verlacht, dann bekämpft, bis er nach längerer Zeit als selbstverständlich gilt.“
Der beste Sand im Getriebe unseres raffsüchtigen und lebensverachtenden Wirtschaftssystems ist die persönliche Reduktion. Da kann jeder Mensch das seine beitragen. Doch „wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt.“

Zudem befördert unsere Gesellschaftsordnung den ständigen Wettbewerb der Menschen gegeneinander. Der Brennstoff dafür sind Missgunst und Neid. „Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie selbst fühlen; ihre beständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen, wie sie sich langweilen.“ Gedankenlos konsumieren schafft kein Lebensglück.
„Auch wird man einsehen, daß Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, daß man mit ihnen nicht redet.“ In diesem Sinne gilt auch, dass „vergeben und vergessen heißt, kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen.“

„Die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei.“ „Gesundheit ist gewiß nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Und lachen ist noch immer die beste Medizin. „Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen. Menschen, deren Lachen stets affektiert ist und gezwungen, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalte.“
„Wenn man auch noch so alt wird, so fühlt man doch im Innern sich ganz und gar als denselben, der man war, als man jung, ja, als man ein Kind war: dieses, was unverändert, stets ganz dasselbe bleibt und nicht mitaltert, ist eben der Kern unseres Wesens, der nicht in der Zeit liegt und eben deshalb unzerstörbar ist.“

Trotz der vielen Hiobsbotschaften, die tagtäglich auf uns einprasseln, ist es ein Trost für den Geist und die Seele zu erkennen, „jeder Tag ist ein neues Leben, jedes Aufwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen ist eine kleine Jugend und jedes Zubettgehen und Einschlafen ein kleiner Tod.“ Man ist nicht bloss seines Glückes Schmied, sondern „jeder ist der heimliche Theaterdirektor seiner Träume.“

In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern, ganz gleich ob Ossi, Südi, Nordi oder Wessi ein lichtes 2020er Jahr mit erhellenden Einsichten und erfreulichen Aussichten.

Ich habe mir erlaubt, klare Gedanken und Erkenntnisse Arthur Schopenhauers mit meinen eigenen Worten zu verweben. Mit den Anführungszeichen habe ich diese verwendeten Textstellen gekennzeichnet.

Völlegefühl und Leere – gesunde Reduktion hilft dagegen

Musik? Ach was, es geht mir um dringlichere Anliegen. Obwohl, Musik spielt auch eine Rolle. Darüber dann später…

Zehnmal habe ich diesen Bericht angefangen. Schriftlich. In Gedanken schätzungsweise hundertmal.

Einzig zuverlässig scheinen mir noch meine Herzensbindungen. Der Rest ist vielfach Asche. Oder er zerfällt nach und nach dahin. Nachrichten machen mich regelrecht krank. Ich will über positive Entwicklungen lesen. Stattdessen titeln Zeitungen und Webseiten zunehmend mit dem Wetterbericht. Das vorhergesagte Wetter entwickelt sich jedoch zuverlässig nach anderen Kriterien.
Bewege ich mich im öffentlichen Raum befällt mich ein misslicher Zustand. Ich schwanke zwischen Entgeisterung und Hoffnungslosigkeit. In der Nachbarstadt stehen die Oberbürgermeisterwahlen an. Einer der Kandidaten wirbt für sich auf den Wahlplakaten, er sei „leidenschaftlich sachlich“. Ach so. Soweit ist es schon, dass Sachlichkeit ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.
In den Radionachrichten spielt in jedem dritten Beitrag die Sicherheit eine Rolle. Dabei hat der Staat sein Gewaltmonopol längst weitgehend aufgegeben. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“. So so. Man bemerkt zur Zeit parteiübergreifend, dass vom rechten Rand eine Gefahr ausgeht. Wieso erst jetzt?
Am Rhein wollte die Wasserschutzpolizei die gültigen Angelerlaubnisse kontrollieren. An einem Angelplatz wurde seitens der der waidgerechten Petrijünger sofort das Feuer auf die Polizisten eröffnet. Mit Schusswaffen versteht sich.
Zunehmender Nationalismus bedeutet immer auch zunehmende Kriegsbereitschaft. Bei manchen vielleicht auch Kriegslust. Die einen suchen das Abenteuer und die heldenhafte Bewährung, die anderen schlicht Macht und den möglichen Profit.

„Die Schonung, die man sich gewährt, gewährt man in Wahrheit den gesellschaftlichen Verhältnissen.“ (Bernward Vesper).

Also wie Candide den eigenen Garten bestellen?
Die eigenen Ernten lagen fast ausnahmlos über den Erwartungen. Verschiedene Gemüse sind eingelagert. Marmeladen, Gelees und Kompotte stehen in schönen Reihen im Kellerregal. Die eingelegten Kirschen werden hoffentlich bis ins neue Jahr halten. Der Staudengarten wurde erweitert. Neue Pflanzen entwickeln sich prächtig. Die Ergebnisse der Aussaaten werden mit Freude erwartet. Erkannte Fehler werden im kommenden Jahr nicht wiederholt. Dahingehend alles in Butter.

Nun beginnt eine ruhigere Zeit. Kleinere Reisen und Besuche stehen an. Gemeinsam Essen und Trinken. Und Gespräche. Meine Beobachtungen im Blogleben leisten dem kräftigen Vorschub. Wenn ich die Blogs der Neuverfolger meines Blogs ansehe, frage ich mich… und denke an Wilhelm Busch:
„Oft ist das Denken schwer, indes
das Schreiben geht auch ohne es.“
Anderseits nimmt die Gruppe der Missionare und Weltbeglücker bedenklich zu. Die mir einreden wollen, wie ich sofort glücklich leben könne. Die mir einschreiben wollen, was mir unbedingt fehlt. Welcher Autor gut ist und welcher nicht. Welche Stadt ich unbedingt besuchen muss. Und welche Musik ich erst garnicht anzuhören brauche. Scheinbar allwissende Scheuklappenhirnis. Das lockere Band, das diese Menschen verknüpft, ist ihre offebsichtliche Unfähigkeit von sich selbst zu schreiben. Von ihren Befindlichkeiten. Dem Warum und Wohin. Ihren Ängsten oder wenigstens ihren Träumen.

Ich verbringe in der virtuellen Welt immer weniger Zeit. Manchmal habe ich den Eindruck, eine Stunde Verzicht darauf bedeutet zwei Stunden Gewinn an Lebenszeit.
Weil es noch viel zu viele Dinge hier im Haus gibt, habe ich wieder angefangen zu inserieren. Ich weiss, im Internet. Aber dabei besteht die Möglichkeit, Menschen zu begegnen, wenn sie ihre neu gekauften Schätze hier abholen. Lieber weniger Geld durch Abholung statt Versand ein bisschen mehr Reibach. Dafür aber menschliche Begegnungen. Manche sind einfach unbezahlbar. Wie die Menschen aussehen, wie sie sprechen. Was sie vorhaben mit ihrem neuen Fund.
Im Prinzip hat sich in diesem Bereich in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel verändert. Ich habe früher viel gesammelt und auch verkauft. Alles lief über Zeitungsinserate. Ich erinnere mich noch heute an Wohnungen und Häuser, die betreten durfte. Menschen und ihre persönlichen Geschichten habe ich erfahren, die ich nicht missen möchte auf meinem Lebensweg. Und wenn sie auch nur eine halbe Stunde dauerten. Sie haben sich eingebrannt. In jeder Schattierung.

Eine sonderbare Begegnung fand vor fast vierzig Jahren bei einem Verkäufer statt, der eine Legosammlung verkaufen wollte. Der Preis war klar, ich sah mir alles an und stellte fest, dass etliches fehlte. Sprach den Mann darauf an. Der fuhr sich an die Stirn. Wir gingen in sein Wohnzimmer. Dort stand ein beeindruckendes Aquarium. Die fehlenden Teile waren fein in die Unterwasserlandschaft integriert. Bunte Fischlein schwammen durch Legoskulpturen. Wir haben uns angesehen beide herzhaft gelacht.
Natürlich kann Merkwürdiges auch im Internet geschehen. Ich inserierte kürzlich ein Geländefahrrad der ersten Generation. Natürlich kamen Anfragen zur Sache. Und auch ein Angebot. Da schrieb eine Anke wörtlich:
Grüezi! Eine super reizende exotische Schönheit, eine erfahrene Dame mit Klasse, die mit Ihrer sympathischen Art zu überzeugen weiß, verwöhnt Dich mit Ihrem Traumbody mit den perfekten Maßen.! Diese vollbusige Nymphomanin weckt die Abenteuerlust in Dir! Interessiert? Komm zu mir . . .“
Das Rad kaufte ein Vater im Auftrag seines weit entfernt wohnenden Sohnes. Der Sohn war glücklich, endlich gerade dieses Modell gefunden zu haben. Und der Vater war Fotograf. Da gabs sofort einiges zu besprechen. Und als wir herausfanden, dass wir beide in vergangenen Zeiten die gleichen Motorräder und überdies die gleichen Modelle gefahren sind, wurde daraus ein schönes Erlebnis.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine erfreuliche Herbstzeit

Nun zur Musik: Gestern abend fand die Liveübertragung eines Konzertes zur Vorstellung des neuesten Werkes von Iggy Pop statt. Aufgenommen in der Gaîté Lyrique in Paris. Eigentlich wollten wir nur mal kurz reinschauen. Nicht in Paris. Der Sender arte übertrug das Konzert. Kurz mal Iggy Pop sehen und hören. Wegschalten kam dann nicht mehr in Frage. Texte aus dem poetischen Werk von Lou Reed und Dylan Thomas. Gesungen von Herrn Pop. Umrahmt von einer unerwarteten Musik. Wir waren begeistert. Und wären gerne in Paris dabeigewesen.

Auch in diesem Jahr wieder : Zu guter Letzt

Es ist an der Zeit, das 2018er Jahr zu verabschieden. Von einigen Menschen musste ich mich traurigerweise in diesem Jahr verabschieden, von anderen habe ich mich erleichtert verabschiedet. Ebenfalls in diesem Jahr ist der legendäre Schlagzeuger Jon Hiseman verstorben. Sein letztes Album : JCM – Heroes (2018)…

In diesem Jahr habe ich begonnen, an meiner Lebensbuchführung zu arbeiten. Meine zahlreichen Begegnungen und Kollisionen mit Menschen und Orten. Eher eine Inventur als eine Bilanz wird irgendwann daraus werden.
Ein erstes Beispiel dafür war der vorherige Beitrag  über die Musikapparaturen, die mein Leben begleitet haben. Ich habe einen hölzernen Karteikasten angelegt, in welchem ich auf Kärtchen die entsprechenden Details notiere. Erinnerungen an Menschen, denen ich besondere Erfahrungen verdanke. Orte, die ich kennenlernen durfte, an welchen mehr oder weniger berühmte Menschen gelebt oder gewirkt hatten. Stoff genug für ernste und auch heitere Denkwürdigkeiten, über die hier zu berichten sein könnte.

Die Berichte im kommenden Jahr werden weniger, dafür jedoch persönlicher werden. Die Zeiten für ein ausdruckslos einsames Blendamed-Lächeln sind ebenso vorüber wie das insolvente Bloggeschäft mit der unverbindlichen Hingabe für Hergabe Mentalität.
Im Sinne der Reduktion scheint mir das nur folgerichtig. Mit meinen Photographien werde ich versuchen, die Texte noch treffender zu illustrieren. Ich verweigere mich der Massenware an nichtssagenden Fotos und belangleeren Berichte.

Vermehrte und intensivere Begegnungen mit körperlich oder seelisch-geistig beeinträchtigten Menschen erinnern mich täglich aufs Neue daran, wie gut es mir geht. Wie privilegiert ich bin. Über welche Autonomien ich verfügen kann. Wie frei ich eigentlich bin.

Auch in diesem Jahr konnte ich eines der mich seit vielen Jahren begleitenden Rätsel meines Lebens nicht lösen. Eine Frage, die ich mir immer wieder gestellt habe. Warum wollte ich als Kind und später als Jugendlicher nie irgendetwas werden, hatte keine Vorstellung von einem Traumberuf. Also kein Pilot, Feuerwehrmann oder gar Schauspieler. Nicht mal Bademeister. In diesem Jahr leuchtete mir erstmals der Gedanke auf, die Antwort darauf sei vermutlich belanglos.
Viel wichtiger ist dagegen, dass ich in diesem Jahr öfter gut geliebt als schlecht geschlafen habe. Und das am Horizont immer deutlicher erkennbare neue Projekt befeuert die Lebensfreude zunehmend.

In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern, ein lichtes 2019er Jahr mit erhellenden Einsichten und erfreulichen Aussichten. Die Zeiten sollen angeblich rauer werden. Und so will das private Lebensglück sorgfältig und kraftvoll erarbeitet werden, denn keinem Menschen wird es geschenkt werden.

„Aber wir verleben unsere schönen Tage, ohne sie zu bemerken: erst wenn die schlimmen kommen, wünschen wir jene zurück.“ (Arthur Schopenhauer : Parerga und Paralipomena, 1851. 1. Band, 5. Kap.: Paränesen und Maximen).

Ich danke allen Besuchern, Lesern und Guggern für ihre Aufmerksamkeit und das Interesse an meinem Blog.

 

 

 

Trotz aller Reduktion eine überaus lebendige Woche

In der Schublade mit der Aufschrift Krautrock gibts zunehmend grössere Lücken. Vieles scheint mir heute lediglich exaltiert und substanzlos. Was bleiben wird ist das Solowerk des Schlagzeugers der Gruppe Krokodil : Düde Dürst – Krokodil Solo (1971)…

Montags morgens hat man die Naherholungsgebiete der Metropolregionen fast für sich allein. Paradiesisch verlassen. Man ist unterwegs auf den Dämmen entlang eines Flusses oder auf stillen Waldwegen.
Wenn man am Mönchbruch den Wald verlässt, öffnet sich eine kilometerlang gerodete Fläche. Wir halten an und schauen auf die vierfach gesicherte Umzäunung. Stacheldraht oben, Natodraht am Boden. Zwischen den beiden vorderen Zaunreihen befinden sich abgedeckte Laufflächen. Hier hat selbst Unkraut nicht die kleinste Chance. Weiter hinten ein Asphaltband für Einsatzfahrzeuge. So eine Art Kolonnenweg. Nein, Selbstschussanlagen sind nicht installiert.
Ich mache die Kamera fertig, um einen startenden Flieger zu fotografieren. Wir sind an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens. Im unsäglichen Lärm der Düsentriebwerke bemerke ich das Polizeiauto garnicht, das kurz anhält neben mir. Offensichtlich fahren sie noch immer Streife an den Zäunen.
Erinnerungen an alte Zeiten werden wach. Die verzweifelte Kampf gegen die berechtigten Interessen der Bevölkerung. Polizeigewalt. Und ein vom Betonierer aufgestiegener SPD Landeschef, der kundtat, wie er mit den Demonstranten am liebsten umgehen würde: „Ich bedauere, daß es mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins auf die Fresse zu hauen. Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt.“ (Frankfurter Rundschau 22.5.1982).
Und heute schafft es grüner Verkehrsminister nicht, dass eine billige irische Luftfahrtfirma die Nachtflugregelung einhält.

Der Vorsommer legt eine Pause ein. Genüsslich erholsame Spaziergänge für den urbanen Flaneur. Bei der Hitze der vergangenen Wochen waren in den Innenstädten manche Menschen allzu dekoratief und geradezu enthemd unterwegs.
Immer mehr Einzelhandelsgeschäfte werden geschlossen. Mangelnde Rentabilität durch steigende Kosten und rückläufige Käufe. Fehlende Nachfolger. Ich bemerke, dass sogar Wischtelefonläden schliessen. Das ist jedoch kein Trost in dieser trostlosen Situation. Ob aber Geiz wirklich geil ist bezweifle ich zunehmend.

„TSA-Schlösser können von Beamten am Flughafen gewaltfrei geöffnet werden. Für alle anderen bleibt Ihr Koffer verschlossen. Das macht die Trolleys zum idealen Begleiter für USA-Reisen.“ So verkündet es das Angebot von Aldi Nord am 14.6.2018.
Im Jahr 2005 war ich letztmalig in den Junaititt S-tehts. Aus offiziellen Anlass, Ich habe das Land nie vermisst seitdem. Und doch wäre ich jetzt gerne dabei, wenn der Präsident vor einem Publikum auftritt. Im Gegensatz zu vielen Spöttern mag ich den Mann, der mit seiner Politik dafür sorgt, dass wir den wirtschaftlichen und politischen Blick endlich einmal intensiver nach Osten wenden. Denn dort liegt in den kommenden Jahren unsere wirtschaftliche Zukunft.

Seit einigen Tagen kann ich in anderen Blogs nicht mehr kommentieren. Vielleicht handelt es sich dabei lediglich um einen technischen Fehler. Auch anderen Bloggern soll das passiert sein und hin und wieder passieren.
Aktualisierter Nachsatz : dass manche Blogger auf anderen Blogs nicht kommentieren können, könnte mit dem Askimet Angeblichspamvermeider zusammenhängen. Gut möglich, dass Kommentare von mir von diesem Programm geschluckt werden.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein gediegen illustres Wochenende.

(Fotografieren kann jeder. Meinen viele jedenfalls)