Reduktion : weiterhin gut behütet

Auf Radio Stone.fm einen heissen Titel gehört und spontan die dazugehörige Scheibe besorgt. Da geht die Post ab, die Musik fährt in die Beine: Hot Boogie Chillun – 15 Reasons to Rock´n´Roll (2005)…

Soweit ich mich erinnere, begannen vor einem Jahr auf den Tag genau, die ersten konkreten Schritte des Reduktionsprojekts. Wie oft zuvor schon hatte ich gedacht; man müsste, man sollte und man könnte. Dies und jenes mehr oder weniger halbherzig versucht, manches auch umgesetzt. Jetzt also mit lebendiger Konsequenz aber ohne dogmatische Anwandlungen ins Abenteuer der Reduktion springen.
Ich hätte mir nicht räumen lassen, was daraus in kurzer Zeit entstanden ist. Nein, keine Karriere und keine Anhäufung von Mammon, Es sind die Beobachtungen, die Wahrnehmungen und die Gespräche mit anderen Menschen. Der Gewinn sind die daraus erwachsenden Erkenntnisse. Sein lassen, was nicht weiterbringt und letztendlich lediglich Kraftvergeudung ist.
Die Erleichterung, sich nicht mehr zu beschweren über Kleinigkeiten. Kein Geschwätz über Dritte hinter den Linien. Lernen vom Wissen anderer Menschen. Mut schöpfen. Staunen über das derzeit fast schon pervertierte Kaufverhalten von Konsumenten. Die Freude über die dritte Brut der Amseln im Nest im Efeu. Lebensfreude pur, indem man das Wichtige vom Unwichtigen trennt. Die Aufzählungen liessen sich weiterführen. Noch läuft nichts perfekt. Stolpern gehört dazu. Fallen ist nicht schlimm, sondern liegenbleiben..

Ja, ich kommentiere gelegentlich noch immer in anderen Blogs. Zum Beispiel schrieb ich diesen hier: „Kannibalen waren der letzte Schrei in den frühen Reiseberichten des 16. und 17. Jahrhunderts. Deshalb legten die Verleger auf derlei Grusel & Grauen enormen Wert, das hob schliesslich die Verkaufszahlen. Also in etwa die Blödzeitung für den Adel der frühen Neuzeit. Ich stelle mir gern die indigenen Bevölkerungen vor. Lauschend den Reden der Missionare. Was mögen die Indianer wohl davon gehalten haben, dass wir bei vielen Gelegenheiten unseren Erlöser als Brot aufessen und sein Blut als Wein trinken…“. Dass es die Kannibalen, in der Form, wie sie literarisch tradiert worden sind, so nicht gab, haben Historiker längst erforscht.

Alle reden von Gentrifizierung. Gemeint sind in diesem Kontext meist raffgierige Spekulanten, die Immobilien aufkaufen, um sie zu renovieren oder umzubauen. Durch neuerliche Vermietung oder den Verkauf als Eigentum wird danach ein satter Profit erhofft. Über eine andere Form der Gentrifizierung finden sich Informationen nicht so leicht. Bestimmte Bevölkerungsgruppen kaufen nach und nach Ein- oder Mehrfamilienhäuser in einer Strasse oder einem Viertel in einer kleineren Stadt. Aus verschiedenen Gründen verlieren andere Investoren den Anreiz zum Kauf und für Verkäufer beginnen die Preise ihrer Immobilie zu sinken.
Im Lauf einiger Jahre sind die Immobilien des Quartiers mehrheitlich im Eigentum einer Bevölkerungsgruppe. Kulturwissenschaftlich spricht man von dem Gegenteil von Integration, nämlich der kulturellen Segregation. Ein international bekanntes Beispiel dieses Phänomens sind die weltweit verbreiteten Chinatowns. Hierzulande gibt es meines Wissens keine Chinatown.

Ich freue mich auf die Begegnung mit anderen kreativen Menschen. Die Vernissage findet Morgen um 19:00 Uhr statt.

(Herr Ärmel ist bekannt als der Untertan mit Mantel, Regenschirm und Hut. Die hier präsentierten prächtigen Hüte jedoch befinden sich nicht in den Ärmelschen Hutschachteln. Foto anklicken öffnet, wie immer, die Galerie)

 

 

Zu guter Letzt? Kommt der neue Anfang…

Die Besucher, Leser und Gugger, die diesen Blog schon länger auf ihren Schirmen haben, kennen die untenstehende Fotografie. Sie zeigt den letzten Beitrag des zu Ende gehenden Jahres an…

Die wichtigsten Arbeiten sind erledigt. Der kleine Koffer liegt offen am Boden. Morgen wirds losgehen. Kennenlernen, essen, trinken und feiern. Hier und da und dort. Ich freue mich auf die Begegnungen mit anderen Menschen in anderen Landschaften.
In diesem Jahr wird es auf diesem Blog keinen Jahresrückblick geben. Ich halte es lieber mit zwei Versen eines Liedes von den Dubliners:
„For what’s done is done and what’s won is won
and what’s lost is lost and gone forever…“

Im kommenden Januar werde ich mit einer Buchvorstellung meinen ersten 2017er Beitrag beginnen. Damit wird dann die zukünftige Richtung angezeigt werden. Denn mit firlefänzigen Nichtigkeiten will ich niemandem die Zeit rauben.

Freude und Menschlichkeit seien die Wegweiser bei allem Handeln, Denken und Fühlen. In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern im kommenden Jahr viel Humor und gutes Gelingen in allen Belangen.

(Dieses Motiv wird so nicht mehr aufzunehmen sein. Die in die Welt grüssende Figur ist seit kurzem von schmucklosen Antennen umstellt. Das sind die Zeichen der Zeit)

71ec1-p231-01

Wer ebenfalls grüssen mag, klickt auf die Fotografie

Ballettröckchen und Leichentücher

Die richtige Erkältungsvertreibermusik. Gerade eben sind die letzten Takte verklungen: Radio Moscow – Brain Circles (2009)…

Ich hatte ursprünglich vor, einen Beitrag über meine neue Mitbewohnerin zu schreiben. Die (schöne) Hyacinthe, allem Anschein noch recht jung. Momentan gibt sie sich auf meine Fragen allerdings noch geheimnisvoll verschlossen, so als wollte sie ihre Pläne für nähere Zukunft lieber noch nicht preisgeben. Aber allein ihr merk=würdiges Reisegepäck wäre eine besondere Erwähnung wert. Dabei befinden sich Papageien und Ballettröckchen. Ziemlich ungewöhnlich finde ich das.

Heute Morgen jedoch zeigte sich das Licht im Bembelland fast ideal zum Fotografieren. Beim Vergehen und Dahinscheiden bin ich nicht allzuoft anwesend. Die Gelegenheit also. Vor dem Objektiv entfaltete sich ein feiner, verführerischer Duft. Während der stundenlangen Lichtbildnerei entblätterte sich die Vergehende dann nach und nach. Schliesslich blieben am Ende neben den weich fliessenden Leichentüchern nur die nackten Tatsachen zurück.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein lebensfrohes Wochenende.

                                                                                                        (Foto anklicken stärkt die Lebensfreude)

Rotgelbe Begegnungsverwirrungen

Aaah, die Sinnfreiveränderer haben wieder zugeschlagen. Diesmal warens die von der Wortpresse.
Das wohl funktionierende Formular für das Erstellen neuer Beiträge wurde ohne Not verändert. Ich bin ziemlich angesäuert und fordere für jeden dieser Tippeditapptastaturnarren einen leichten Schlag mit dem Vorschlaghammer auf jede Hand und sodann zum Dessert mit dem Spitzhämmerchen einen wohlgezielten Schlag auf jeden Finger. Auf dass sie uns mindestens einen Monat nicht mehr belästigen können mit ihren Selbstbefriedigungsspielchen.

Ppffff – jetzt, wie gewohnt, die Musik. Nach sehr viel David Bowie in dieser Woche, erklingt im Ärmelhaus derzeit Bodenständiges: Rory Gallagher – G-Men Bootleg Series Vol. One…

Ich weiss, dass die obige Einleitung ein Spruch gegen den Wind ist, denn in diesem Moment vertreiben sich irgendwo auf dieser schönen Erde andere Schwachmaten ihre Zeit für die jeweiligen Auftraggeber, damit diese uns anschliessend weiterhin ungestraft unsere Zeit stehlen können, bis wir kapiert haben, wie wir uns fürderhin zurechtfinden.

Zugegeben, es war ein leicht nervenaufreibender Tag für mich. Die Blumenverkäuferin hatte die weissen Tulpen bereits ausverkauft. Rote und gelbe Blüten fordern Fotografen heraus, denn um die Strukturen der Blüten sichtbar zu machen, ist einiges zu beachten. So sind trotz vieler Aufnahmen nur wenige Fotografien am Ende brauchbar.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen schönen Sonntag.

                                                                           (Foto anklicken und gross gugge – die Galerie kwietscht garantiert nicht)

Themaeinserhellungsfragen

Ein unverschämtschönblauer Himmel erfreut das Bembelland. Mich erfreuen zwei neue Scheiben. Seit heute erhältich: David Bowie – Black Star (2016) und seit zwei Jahren überall ausser in der Ärmelkammer zu hören: Leonard Cohen – Popular Problems (2014)…

Warum? Warum, alter Ärmel? Warum? Soviel zu allen Themenbereichen in Ihrem Blog. Und warum nicht zum Thema Nummer eins? Warum?
Weil. Und weil. Und ausserdem.

Alles beginnt ganz einfach: für mich gibt es kein Thema Nummer eins. Es gibt nur ein Thema – und das ist unsere Zukunft. Für mich zumindest, denn ich habe Kinder und bin schon deshalb daran interessiert, dass auch die nach mir Kommenden ein lebenswertes Dasein leben können. Und mir kommen immer grössere Zweifel, ob Ihnen das möglich sein wird im gleichen Mass, wie das meiner Generation zumindest bis heute (noch) möglich ist.
Alle Themen, die von aussen an uns heran getragen werden, sind meiner Einschätzung nach Unterthemen. Und je nachdem, was einigen Wenigen gerade nützt, werden entsprechende Unterthemen zum Thema Nummer eins erklärt durch die entsprechend reisserische mediale Aufbereitung. Die Unterthemen dienen dabei entweder der Vorbereitung zur Erreichung eines gewünschten gesellschaftlichen Effekts oder zur Stablisierung oder Festigung einer getroffenen Entscheidung. Diese Prozesse können sehr langfristig verlaufen.
Ein Beispiel dafür ist sogenannte politische Korrektheit. Was bitte, ist denn politisch korrekt? Die Korrektheit ist bei einem genaueren Hinsehen einem ständigen Wandel unterworfen. Und welche Politik ist in diesem Zusammenhang gemeint? Was mit dem Ruf nach politischer Korrektheit über die Zeiläufe jedoch immer verbunden ist und inzwischen groteske Formen annimmt, ist eine mehr oder weniger starke Einschränkung der freien Meinungsäusserung.
Wer bestimmt und entscheidet eigentlich, was gerade politisch korrekt ist? Hinter diesen Entscheidungen stehen bestimmte Interessen von Gruppen, die sich damit einen Vorteil verschaffen. Eine Minderheit will sich so einen Vorteil gegenüber einer Mehrheit verschaffen. Das nennt sich heute Demokratie.
Politische Korrektheit ist ein politischer Maulkorb gegen die freie Meinungsäusserung.

Zum warum. Erstens wegen meiner politischen Unkorrektheit. Und zweitens und weitaus schwerer wiegt, um eines der Unterthemen mit einem Beispiel zu illustrieren, dass ich dieses Land nicht nur hin und wieder zu touristischen Zwecken verlassen habe, sondern in anderen Ländern auch gelebt und gearbeitet habe. Ich war Wirtschaftsmigrant. Mithin kenne ich kulturelle Gewohnheiten, Denkungsarten oder Verhaltensweisen aus einer Perspektive und einer Innenseite, die vielen Menschen in diesem Land logischerweise unbekannt sein muss.
Das fordert in Gesprächen häufig einen erheblichen Erklärungsbedarf. Dafür ist ein Blog meines Erachtens nicht das passende Medium. Zu einem ernsthaften Gespräch gehören neben den Worten, ob geschrieben oder gesprochen, auch die Mimik und Gestik eines Gegenüber um mögliche Missverständnisse sofort aufklären und am Thema bleiben zu können.

Ich habe vorwiegend Fragen, manchmal viele Fragen, denn das Handeln und die Reden der Eliten werden mir immer frag=würdiger.
Wer arbeitet in Krisensituationen mit dem Begriff Verschwörungstheorie? Sind das nicht eher Verschwörungshypothesen, wenn überhaupt?
Wieso spricht man nach wie vor von der sogenannten Bankenkrise? Die Geldinstitute haben sich dadurch bekanntlich fett verdient? Wer aber ist dadurch tatsächlich in eine Krise geraten, wer muss diese Gewinne jetzt erwirtschaften und welche gesellschaftlichen Folgen hat das bereits und wird es weiterhin haben – Nebenfrage dazu: was hat es mit dem Verdrehen der Begriffe auf sich?
Warum mussten wir nach der Zerstörung der beiden Türme im September 2001 eine immer dichtere Überwachung unseres privaten Lebens ertragen (wegen angeblicher Terrorabwehr), aber seit Monaten ist es grossen Menschenmengen möglich, sich ernstzunehmenden Quellen zufolge, weitgehend unkontrolliert in Europa zu bewegen?
Wieso werden Menschen, die sich um die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auf den Weg machen und ihr Land verlassen, Wirtschaftsflüchtlinge genannt und nicht, wie es der Realität entspräche, Wirtschaftsmigranten. Und was ist dagegen einzuwenden, dass Menschen ihre Lebensstandards verbessern wollen, denn das tun Europäer bereits seit Jahrhunderten in allen Erdteilen nach Gutdünken? Hat man uns seit Jahren belogen hinsichtlich der Terrorgefahr oder ist die Mobilität der nach Europa wandernden Menschen eventuell wirtschaftlich gewinnbringend ausbeutbar? Und von wem noch ausser den hier ansässigen Grossunternehmern?

Auf der Suche nach Antworten auf meine vielen Fragen begegne ich immer wieder einer recht überschaubaren Gruppe. Die Namen wechseln von Zeit zu Zeit, aber die menschenunfreundlichen Antriebskräfte bleiben die gleichen?

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein schönes Wochenende.

                                                                           (Foto: Castel del Monte. Aus jeder Dunkelheit findet sich ein Weg ins Helle)

Castel del Monte, Andria, Italien

Castel del Monte, Andria, Italien

Veränderungen in Sachen alles bleibt beim Alten

Fast hätte ich jungen Mann aus München bei dem versteckten Poeten übersehen. Er spielt den Blues rockighart oder samtweich so gekonnt, dass seine Scheibe im Ärmelhaus in Dauerrotation läuft: Jesper Munk – Claim (2CD Deluxe Edition 2015)…

Es regnet. Auf der Strasse und in den Rinnsteinen die aufgeweichten Reste der vorgestrigen Sylvesterknallerei. Im Kofferraum das Leergut, nicht von vorgestern. Auf dem Weg zum Getränkeheimer am Strassenrand ein grossformatiger Reklameschrei für eine Hochzeitsmesse. Für einen kleinen Moment hängt mir die Frage an der Windschutzscheibe, wen ich grotesker finden soll, die Veranstalter oder die Besucher solcher Ereignisse.
Schlangen vor dem Leerflaschenrücknahmeautomaten. Alles beim Alten. Der Kassierer wünscht mir keinen gedankenlos hingesprudelten Schönen Tag. Ich nehme es als gutes Zeichen, dass dies ein besseres Jahr werden wird.

Ich stelle den vollen Kasten in den Kofferraum und fahre weiter zum Bäcker. Im Nachbarort ist es keine abgedroschene Werbephrase; der dort ansässige Bäcker backt wirklich noch wie sein Grossvater schon. Das bonfortionösfamose Rosinenbrot ist leider schon ausverkauft. Also den Hefezopf, der ist ebenfalls einmalig und zwei Sünden wert. Vor dem Laden begegnen sich zwei Nachbarinnen.
„Ei! Unn seidEr gut ins neie Jahr kumme?“
„Och. – – – Unn bei Eisch?“
„Ei joh.“

Nachvollziehbare Strukturen geben Sicherheit und lassen keine Missverständnisse aufkommen. Weiter zum Landmetzger. Der hat geschlossen bis Mitte des Monats. Auch gut, das steigert meine Vorfreude. Zurück über die Dörfer zum Ärmelhaus. Am Ortsausgang wird per Grossanzeige zum Tannenbaumverbrennen eingeladen. Für Speisen und Getränke sei gesorgt. Der Wahnsinn hat weiterhin freien Auslauf. Hier wie im Folgenden.

Die CDU, so höre ich, will Campact den Gemeinnützigkeistsstaus aberkennen. Weil zu viele Menschen deren Aktionen gegen die irrsinnigen, sogenannten Freihandelsverträge unterstützen. Dem Parteieneinheitsbrei in Deutschland scheint es langsam mulmig zu werden. Immer mehr Menschen werden wach und kapieren, dass die von us-amerikanischer Seite stets weltweit betonte Freiheit immer nur die ganz eigene us-amerikanische Freiheit bedeutet. Da sind sie zuverlässig, die Möchtegernweltbeherrscher. Das wird so bleiben und wir müssen weiterhin wach bleiben.

Ändern wird sich jedoch einiges im Blog. Ich werde weniger aus und von anderen Ländern berichten. Dieses Jahr werde ich mich vorwiegend in Deutschland aufhalten. Ich hoffe dabei auf eine Intensivierung der Bloggerbegegnungen. Anfänge sind gemacht, die ersten Termine bereits vereinbart. Ein Bloggertreffen würde mir sehr gefallen.
Der Wind wird schärfer wehen, Blogger. Da ist es gut zu wissen, dass wir die Macht haben, ein Netz zu knüpfen. Man kann nie wissen, wie wir das vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft brauchen werden.
Auch was die Fotografie betrifft wird sich einiges ändern. Davon demnächst mehr.

                                                               (Bei den Fotografien funktionierts wie gehabt – Foto anklicken und die Galerie öffnet sich)