Rekurs auf den Laden. (Von wegen Reduktion)

Schallplatten, die ich in der Mittagshitze nach der Schule gekauft habe, und deren Klänge mir bei ähnlichen Temperaturen noch heutzutage ähnlich angenehme Gefühle wachrufen wie damals: Pink Floyd – Umma Gumma (1. LP, 1969). Und wenn jetzt gleich die Fenster für einen Hauch Frischluft geöffnet werden: Roxy Music – For your Pleasure (1973). Und danach noch Cockney Rebel – The Psychomodo (1974)…

Ich habe heute den letzten Band von Erwin Strittmatters Trilogie „Der Laden“ beendet. Wer sich für das dörfliche Leben zwischen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts interessiert, ist mit den vielfältigen und detailreichen Schilderungen gut bedient.
Die Trilogie wurde auch verfilmt. Die ersten beiden Teile sind nahe an den beiden Büchern. Sie lassen erahnen, dass die Lektüre dennoch lohnt. Die Verfilmung des dritten Bandes ging meiner Meinung nach in die Hose. Da wurden Inhalte derart umgearbeitet, dass manche Szenen wie aus dem Zusammenhang gerissen scheinen.

Mir hat die Fabel der poetisierten Selbstlebensbeschreibung von Erwin Strittmatter (1912 – 1994) insgesamt sehr gut gefallen. Ich werde weitere Werke von Strittmatter lesen. Seinerzeit war er einer der auflagenstärksten Autoren in der DDR. Ebenso hoch dekoriert wie umstritten. Allein das stärkt den Wunsch nach mehr Material.
Beim Lesen wurden die eigenen Schleusen der Erinnerung zunehmend geöffnet. Kindheits- und Jugenderlebnisse leuchteten plastisch vor dem inneren Auge auf. Freuden, Ängste. Erste Verliebtheiten und die Auffahrt zur Landstrasse der Erwachsenen.

Es mag durch die bereits hochsommerlichen Temoeraturen hervorgerufen worden sein. Die frühen Urlaubsfahrten nach Italien. Genauer nach Fano, seinerzeit das bevorzugte Seebad des Imperators Augustus (63 v.Chr. – 14 n.Chr.).
Schon die Autofahrten dorthin. Heute schafft man mit einigen grünen Ampeln die 1000 Kilometer lange Strecke in einem halben Tag. Damals. Morgens um drei Uhr aufstehen. Cholerik und Aufregungen. Endlich war die Karawane aus mehreren Familien am Treffpunkt versammelt. Routenbesprechungen und Zigarettenqualm.
Der Innendruck in unserem Wagen nahm während der Fahrt regelmässig zu. Meine erste Magenentleerung füllte mein Strohhütchen vom letzten Jahr. Anhalten unmöglich, das hätte auf den Reisegeschwindigkeitsdurchschnitt gedrückt und die Karawane bedenklich auseinandergebracht. Jährlich verschiedene Routen wählten die jungen Familien der Abwechslung zuliebe. Die Fahrer wahrscheinlich auch, um an den Hochalpenpassstrassenüberquerungen ihre Fahrkünste unter Beweis zu stellen. Einige Strassen waren vor Mitte der 1960er noch nicht asphaltiert. Staubwolken. Kraftwagen mit Bremsausfällen oder kochenden Kühlern waren häufig am Strassenrand zu sehen. Grenzkontrollen. Benzingutscheine. Obstverkäufer am heissen Asphaltrand.

Auf den Fahrten lernte ich Orte und Namen kennen, an die ich mich noch heute gut erinnern kann. In Salurn (Salorno) gibts den Schwarzen Adler (Aquila nera) noch immer. In der Bar habe ich in den 1980er Jahren mit meiner Ducati eine längere Rast eingelegt. Como Milano Bologna Pescara Rimini Ancona. Nummerschilder merken. Automarken. Fiat Alfa Romeo Lancia. Einen Maserati oder Ferrari habe ich nie gesehen. Vom Kauf eines Maserati Ghibli GT habe ich später aus Vernunftgründen Abstand genommen. Das ehemalige Ställchen mit meinen Ducatis beschert mir noch heute schöne Erinnerungen. Wie entsteht die Liebe zu einem Land?.

Und dann Fano. Der Albergo Giardinetto. Der erste Besitzer, mit dem wir in Kontakt kamen, fuhr einen Fiat Topolino. Er bediente die Gäste bei den Mahlzeiten. Pasta Asciutta. Lasagne. Minestrone. Gelati Motta.
Pizza lernte ich erst einige Jahre später in Deutschland kennen. Meine Patentante war italienverzückt. Abends waren Gäste eingeladen. Zur Musik von Rocco Granada (buona notte) oder Robertino (Tintarella di Luna) gabs selbstgebackene Pizza. Die italienischen Gastarbeiter schufteten da noch auf dem Bau oder bei Opel. Die erste Pizzeria hier am Ort öffnete ungefähr 1966.
Agip Supercortemaggiore – alleine dieses Wort fehlerfrei auszusprechen verlieh die Kraft des fuerspeienden sechsbeinigen Hundes auf dem Logo. Wie entsteht die Liebe zu einem Land?

Das Strandleben. Dauernde Einölereien gegen Sonnenverbrennungen waren lästig. Das Spiel mit anderen, vorwiegend einheimischen Kindern. Man machte einfach mit. Es gab diese Plastikugeln. Im Durchmesser etwas kleiner als Tischtennisbälle. Die untere Hälfte war farbig. Rot, grün, gelb oder blau. Die obere Hälfte war transparent. In der Mitte war ein Bildchen mit dem Portrait eines Radrennfahrers eingelegt. Ich wusste nichts davon. Anquetil? Als ich im Jahr darauf im Wuschellädchen eine Kugel mit dem Portrait von Rudi Altig erwischte, da dämmerte es mir. Jacques Anquetil.

Eine kleine Horde von fünf bis zehn Buben traf sich morgens am Strand. Dann wurde eine Rennbahn im Sand gebaut. Mit Ausdauer, Geschick und viel Gerede. Die zwei, drei Touristenbuben wurden als Mitspieler stillschweigend akzeptiert. Weniger als Bahnbauer. Aber beim Spielen gabs keine Querelen. Die Sandbahn mit Brücken und kleinen Tunneln ähnelte einer Bobbahn mit erhöhten Rändern. Wer an der Reihe war, legte schnippte seine Kugel vom erhöhten Rand in den Rundkurs. Eine immer wiederkehrende Freude in Jahren meiner Kindheit. Gewonnen habe ich niemals ein Rennen. Was löst sie aus, die Liebe zu einem Land?

Der Hotelier organisierte für die Gäste seines kleinen Albergo jedes Jahr einen Ausflug ins Landesinnere. Da ging es mit einem Bus im Tal des Metauro hoch in Richtung Urbino. Auf einem halbverlassenen Bauernhof (fattoria oder masseria?) wurde angehalten. Zwei lange Tischreihen im Freien. An Spiessen überm offen Feuer schmurgelten Hühner und Fleischstücke. Karaffen mit Rotwein. Wasserkrüge. Essen, Trinken, Lachen und mit einbrechender Dunkelheit spielten ein paar Musikanten zum Tanz auf. Aranciata für die Kinder. Die kleinen Kugelflaschen gibt es seit Ewigkeiten nicht mehr. Eltern konnten von ihrem Kind enorme Leistungen für ein Fläschchen fordern. Welche Bilder befördern die Liebe zu einem Land?

Die sehr vornehme römische Familie trafen wir auch mehrere Urlaube lang jedes Jahr. Die Tochter war sicherlich einige Jahre älter als ich. Das wurde mir aber erst anfang der 1970er Jahre bewusst, als ich eher durch Zufall noch einmal meine Ferien im Albergo Giardinetto verbrachte. Die Tochter war jedenfalls wunderschön. Noch heute denke ich unwillkürlich an diese feine Jugendliche wenn ich die „Iphigenie“ von Anselm Feuerbach sehe. Was befeuert die Zuneigung zu einem Land?

Eines morgens muss das Sandbahnspiel am Strand besonders spannend gewesen sein. Die Rufe meiner Mutter hatte ich nicht gehört. Wohl aber die beiden schallenden Ohrfeigen.
Die hatte ich wohl gespürt. Aber einige ältere Frauen hatten gesehen, was da einem kleinen Jungen geschieht. In schwarzen Kleidern mit nackten Füssen sprangen sie aus ihren Liegenstühlen und keiften meine Mutter an. Lautstark. So laustark, dass sich Publikum ansammelte. Mein Vater und seine Freunde nahmen vielleicht einen Campari am Morgen. Von denen war keiner da. Die älteren Frauen waren klasse.
In den folgenden Jahren hatte ich in der italienischen Öffentlichkeit keine weiteren Schwierigkeiten mit meinen Eltern. Selbst dann nicht, als ich zwei Jahre später beim Muschelsammeln versehentlich auch eine noch halblebende für die Rückfahrt mit einpackte. Es stank schon einige Zeit. Aber es dauerte eine ganze Weile, bis man in Koffern und Taschen räumte und die Quelle des Übelgeruchs fand. Das Strohhütchen von der Herfahrt war nicht mehr zu retten. Im nächsten sollte es ein neues geben. Oder ein paar Schuhe. Echt italienische Herstellung.

Es gibt eine Liebe, die macht weder hungrig noch durstig. Mit der geht man auch ohne Schuhe durchs Leben.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern fröhliche Tage.

 

(So wenig wie in diesem Jahr habe ich schon lange nicht mehr fotografiert.)

 

 

 

 

Werbeanzeigen

Die schräge Messerschiene – Hirndesign und Menschenliebe

Die Vorgeschichte wäre einen eigenen Beitrag wert. Zu Weihnachten lag die einjährige Freundschaft zu einem Radiosender im Internet auf dem Gabentisch. Fast hundert Moderatoren. Alle mit Erfahrungen als Radiomacher, Musikjournalisten oder Musikern. Teilweise legendäre Namen. Leute, die wissen, von was sie reden. Alle Richtungen der populären Musik der letzten hundert Jahre. Und vor allem keine Werbung und nicht die Jammergesänge kindischer Jungfrauen und alleinerzogener weinerlicher Jüngelchen. Jeder kann die täglichen Sendungen hören. Nur Freunde haben allerdings Zutritt zum Archiv – byte.fm. Und das hats wahrlich in sich…

Die gepflegte Dame mittleren Alters sah sich suchend in der kleinen, sehr einfach eingerichteten Küche um.
„Und an dem Preis wollen Sie unbedingt festhalten?“
Der Grossteil des vormals teuren Geschirrs war bereits anderweitig verkauft. Die wenigen verbliebenen Stücke bot ich als sehr preisgünstiges Konvolut an. Fundstücke für Sammler oder Benutzer. Die Fabrikation des Geschirrs war vor Jahren schon eingestellt worden. Einzelne Stücke erzielen auf dem Markt mitunter anständige Preise. Da sie fast alle restlichen Teile kaufen wollte, machte ich ihr einen schönen runden Verkaufspreis. Ein gutes und schnelles Geschäft für beide Seiten.

Gleich beim ersten abschätzenden Ansehen und Betasten der Teller und Tassen erwähnte sie, dass sie im Kulturmanagement beschäftigt sei. Design läge ihr am Herzen und sei wichtig für Ihr ästhetisches Wohlbefinden. Nur seien leider die meisten Angebote preislich überhöht, wenn nicht unverschämt. Mir fiel beim Anblick ihres flachrosa Twinsets aus Angora im Design von Jil Sander der Text eines Songs von Achim Reichel ein. 

„Und nimm aus dem Schlafzimmerschrank deine Röcke und Twinsets und deine Goldjäckchen,
Nimm deine Spitzenblusen und deine Schuhe und Schühchen, mit den Pfennigsabsätzen
Und die mit den Gold und Silber Aufsätzen
Und nimm deine Büstenhalter und Slips mit
Und lass deine Nylonstrümpfe nicht liegen

wenn ich sie anfassen muss, bekomme ich ´ne Gänsehaut.“
(Achim Reichel – Am besten, Du gehst)

„Und mit dem Preis wollen Sie mir nicht noch etwas entgegenkommen?“ Als ich auf ihr Verlangen nicht weiter reagierte, sah sie sich wieder suchend um. Im Lauf der Zeit lernt man das Verhalten von Käufern kennen. Sie gehörte offensichtlich zur Kategorie Nachschlag. Wenn das Preisdrücken nicht hinhaut, soll wenigstens ein Naturalrabatt herausspringen. Im Lauf des Lebens lernt man Erwiderungsstrategien. Ihrer Sorte Käufer begegnet am besten mit der goldenen Regel erfolgreicher Schweizer Verkäufer: Schweigen. Sie betastete ein Stück hier und besah ein anderes dort. Zeitraub und zu viel Aufwand für kleines Geld.

„Es handelt sich nicht um eine Haushaltsauflösung“, merkte ich nebenbei an. Aber sie war offenbar fündig geworden.
„Was ist denn hier mit der Designerschiene?“ Aus dem Munde mancher Menschen lassen die Worte Design oder Designer Widerwillen in mir aufsteigen. Es passt nicht zusammen. Nicht zu den zu engen Ballerinas denn diese stehen im krassen Gegensatz zur Frisur. Geduld wurde zur Energieleistung.

„Von welcher Schiene sprechen Sie?“ Sie zeigte mit einer Handbewegung zwischen nonchalant und wegwerfend auf die magnetische Halterung für die Küchenmesser.
„Die gibts doch für Kleingeld beim Elchkaufhaus“. Sie lächelte süffisant. Vielleicht über meinen Wortwitz.
„Ja, das weiss ich schon. Aber dort gibts nur noch die waagrechte Ausführung.“

 

Als ich seinerzeit aus Berlin zurückkam, machte ich mich auf die Suche nach einer Arbeit. Dürre Zeiten. Ausgebrannt vom tagtäglichen stundenlangen Fotografieren und der nicht endenwollenden Arbeit in der Dunkelkammer. Ausserdem war ich ziemlich abgebrannt. Der Sommer ging zu Ende und ich brauchte ein Dach überm Kopf. Gesucht wurden allenfalls Filmverkäufer oder Passbildknipser. Keine Ducati in der Garage. Keine Freundin. Keine WG. Musikalisch reichlich desorientiert. Damals passte meine Habe in den geräumigen Kofferraum eines Mittelklassefahrzeugs. Klamotten, Schallplatten, Bücher und Bettzeug.

Eines Abends wich die Ratlosigkeit neuen Aussichten in meiner alten WG. Natürlich hatte jeder eine Idee parat. Und jeder meinte die für mich beste auf Lager zu haben. Der folgende und alle sich anschliessenden Dialoge wurden im Dialekt gesprochen. Schliesslich waren wir alle Dorfbuben aus dem alten Ortskern.

„Du kannst meinen alten Kadett haben. Schenk ich dir. Hat noch TÜV bis Februar.“ Für eine Überraschung war Horst immer gut. Wir lachten lauthals von tief unterm Herzen heraus. Und von ihm stammten Ausdrücke, die ich noch heute gerne verwende. Lutscher oder Fratzemacher zum Beispiel. Im Dialekt gebraucht für einen Schwätzer und einen aufgeblasenen Angeber.

„Geschenkt? Und was soll die Wohltat unterm Strich kosten?“
„Nix. Musst halt wegen der Beifahrertür ein bisschen aufpassen.“

Einige Bierchen später war auch das Wohnungsproblem geklärt. Wobei Wohnung nun wirklich übertrieben ist. Horst stammte von einem Bauernhof. Ich hatte das Gehöft im Vorbeifahren schon einige Male gesehen. In den 1970er Jahren gab es in der ganzen Gegend zahlreiche, etwas heruntergekommene bäuerliche Anwesen. Der letzte Schritt hin zur industriell betriebenen Landwirtschaft. Nach der Flurbereinigung wurden viele landwirtschaftliche Betriebe nur noch als Nebenerwerbsquelle bewirtschaftet. Eine oder zwei Kühe zum Milchverkauf, Hühnerhaltung oder Spargelanbau erbrachten den monatlichen Grundbedarf. Die Bauern arbeiteten derweil als LKWfahrer oder Lagerarbeiter in den Firmen der näheren Umgebung. Wenige Landwirte, risikobereit oder bauernschlau sei dahingestellt, zogen als Aussiedler vor die Ortschaften und kauften oder pachteten Land von den Kleinbauern.
Manche Kleinbetriebe öffneten ihre Hoftore in den 1980er Jahren wieder. Die grüne Bewegung der Bildungsbürger sorgte für neue Einkommensmöglichkeiten. Im Morgengrauen kauften die vormaligen Bauern landwirtschaftliche Produkte auf dem nahen Grossmarkt. Beim Bauern, der längst Händler geworden war, einkaufen fürs umweltbewusste Gewissen und im Glauben an die eigene Unsterblichkeit.

„Musst halt mit meinem Vater klarkommen“, meinte Horst, „dann kannst du die frühere Knechtkammer überm ehemaligen Stall haben. Da steht vielleicht sogar noch ein Ofen drin.“ Was für ein Angebot. Ich brachte meine Habseligkeiten die schmale Treppe hoch in den kleinen Raum.
Die Anlage zur Beschallung war rasch aufgebaut. Eine Matratze. Ein Kasten Apfelwein. Und schon sassen die ersten Compañeros in der Kammer. Horsts Vater begegnete ich nicht. Im hinteren Teil sah das Anwesen etwas verwildert aus. Der Misthaufen schien seit Jahrzehnten zu liegen. Hin und wieder lief ein Huhn über das Pflaster des Hofes. Vielleicht auch zwei.

Ein schöner Spätsommermorgen. Ich schaute frühmorgens aus dem kleinen Fenster hinunter in den Hof. Ein altes Herrenrad lehnte da an der Mauer. Was mochte die zweite Stange unter dem Oberrohr bedeuten? Ich ging runter in den Hof. Ich musste für meine Morgentoilette sowieso zur Pumpe. Zwei kleine Kordeln hielten den Stiel einer Harke unterm Oberrohr. Es wird eine Erklärung dafür geben, dachte ich mir. Und ging zur Pumpe für eine erfrischende Waschung. Im Tran hatte ich mein Handtuch oben vergessen. Und so stand ich da vornüber gebeugt. Aus meinen damals langen Haaren liess ich das Wasser ablaufen. Durch diesen haarigen Vorhang vor meinen Augen sah ich auf zwei Beine. Ich wrang die Haare aus. Der ältere Mann neben mir hatte zwei Eier in der Hand.

„Guude. Bist Du dem Ärmel sein Bub? Der Horst hat mir da was gesagt.“
„Guten Morgen. Ja, das stimmt. Ich habe mir oben das Zimmer eingerichtet. Übergangsweise.“
„Zimmer. Dass ich nicht lache. Eine Knechtkammer iss das. Du kommst nachher mal zu mir in die Küche zum reden.“
„Klar. Ich brauche etwa zehn Minuten.“
„Von zehn Minuten habe ich nichts gesagt. Ich habe gesagt : nachher.“
„Also gut, nachher.“

Das alte Fachwerkhaus hatte schon den dreissigjährigen Krieg und manche spätere Katastrophe erlebt. War niemals niedergebrannt. Kleine Fenster und niedrige Decken. In der Küche war es finster. Meine Tritte wurden durch einen nicht näher erkennbaren Teppich gedämpft. Eine karge Einrichtung. Der alte Eisenofen mit dem mächtigen Ofenrohr und dem seitlichen Wasserschiff. Auf dem Tisch lag allerlei herum.

„Kannst Dich da hinsetzen.“ Ich rückte den Stuhl vor den freien Platz auf der Tischplatte. Horsts Vater nahm mir gegenüber Platz. Mit dem Unterarm fegte er den Platz vor sich frei. Meine Augen hatten sich an die Lichtverhältnisse gewöhnt. Ich sah, dass er die Schalen von der Tischplatte auf den Boden gewischt hatte. Der Boden am Tisch war übersät von Schalen.
Zu meinem Erstaunen fiel mir auf, dass ein angenehmer Geruch die Küche durchzog.

„Ich muss jeden Morgen die Eier von den beiden Hühnern suchen. Die streunen im Hof und legen, wo es ihnen gefällt. Zum pissen kannst Du auf den Mist gehen. Dort legen sie nicht.“ Bei diesen Worten schenkte er mir eine trübe Flüssigkeit ins Glas.
„Apfelwein. Selbst gekeltert. Ich putze sogar meine Zähne damit.“
„Ich habe noch nicht gefrühstückt. Später vielleicht.“
„Ach was, red´ keinen Unsinn. Hier…,“ und damit liess er den Deckel von dem grossen Topf auf diese gusseiserne Herdplatte scheppern. Er griff in den Topf und reichte mir eine sauber geschälte goldgelbe Kartoffel.
„Ich leb´ von Kartoffeln und Äpfeln. Und ich trink´ Apfelwein. Mich bringt nix um.“
„Leider.“
Dieses nachgeschobene Leider verwirrte mich. Ich griff die Kartoffel und biss hinein. Spülte mit dem Selbstgekelterten nach. Es war eine unwirkliche Situation. Sowas kommt doch bloss in Romanen vor.
Die lauwarme Kartoffel schmeckte prima. Der Apfelwein hätte etwas kühler sein dürfen. Aber einen Kühlschrank habe ich in der Küche nicht gesehen.
Ich habe den alten Bauern nach diesem morgendlichen Gespräch nicht wieder gesprochen. Ich sah ihn manchmal, wie er den Hof mit seinem Rad und der angebundenen Harke verliess. Oder wie er es gegen Abend an die Wand lehnte und den alten, offenschtlich schweren Jägerrucksack vom Gepäckträger nahm.

„Und, klappts mit Euch beiden“, fragte Horst Monate später.
„Kann nicht klagen“, erwiderte ich, „ganz am Anfang hatte er mich mal in die Küche bestellt und mir einige Fragen gestellt. Aber sonst begegnen wir uns nicht.“
„Der macht seine Sache. Will seine Ruhe haben und lässt andere in Ruhe.“
„Sag´ mal, Dein Vater schwingt sich morgens aufs Rad und kommt nachmittags mit seinem Rucksack wieder heim. Was macht er denn den ganzen Tag über?“
„Och, der radelt rum und kümmert sich um sein Essen. Je nach Jahreszeit.“

Ich wollte mehr wissen, aber Horst wurde maulfaul. Er wurde geradezu einsilbig. So kannte ich ihn bis dahin nicht. Einige Tage später, ich machte gerade das Hoftor hinter mit zu, sprach mich ein Nachbar an.
„Du bist doch dem Ärmel aus L*** sein Sohn?“ Ich bejahte.
„Wohnst Du etwa hier beim Horst seinem Vater?“ Ich bejahte.

Der Nachbar wurde redselig. Er kannte meinen Vater vom Fussballspielen. Sofort spulte er einige abgestandene Schwänke aus deren gemeinsamen alten Zeiten ab. Mit manchen Menschen ist es wie mit Motoren. Man muss sie warmlaufen lassen, dann kann man Gas geben.
„Horsts Vater hat ziemlich merkwürdige Lebensgewohnheiten“, eröffnete ich.
„Hast Du Dir den Hof schon mal genauer angeschaut“, erwiderte er. Und er begann zu erzählen. Darauf hatte ich gewartet. Damals fing das an. Seit jenen Zeiten warte ich immer auf die Geschichten der Alten.

Die Frau des Bauern war unverhältnismässig jung bereits gestorben. Den Mann sprang die Trauer so ungestüm an über den jähen Verlust seiner geliebten Frau, dass ihm sein Lebensplan durcheinander geriet. Er stürzte in sich selbst und versank darin. Vernachlässigte seine Arbeit. Die verbliebenen Felder. Das Vieh. Als die beiden Kühe schrieen weil die prallen Euter schmerzten, halfen die Nachbarn ohne viele Fragen. Im Kaff kennt einer den anderen. Da muss man nicht viel fragen. Nach und nach wurde das Inventar verkauft. Die Tiere, der mächtige Lanz Bulldog. Kleinigkeiten, die noch brauchbar waren.
Zurück blieb ein gebrochener Mann. Aber er begann zu schwimmen, stellte sich gegen seine Trauer ohne dagegen anzukämpfen.
Ich denke ihn mir in seiner Trauer unverstanden von der Nachbarschaft. Aber man liess ihn gewähren. In einem kleinen Dorf kann einem das Leben schwer werden. Und dennoch kann man sicher aufgehoben sein. Wenn man ein wenig Glück hat.
Ich hätte es damals nicht beschreiben können, aber ich konnte den Mann irgendwie verstehen. Er imponierte mir.
Er fuhr mit seinem Rad über die Äcker und besorgte sich, was er zu seiner Notdurft brauchte. Im Herbst vor allem Kartoffeln und Äpfel. Er schien tatsächlich ausschliesslich davon zu leben. Man liess ihn machen. Die wenigen Kartoffeln, die er sich von fremden Äckern holte waren zu verschmerzen. Selbst der bei uns seit unserer Kindheit gefürchtete Feldschütz kratzte sich hinterm Ohr und winkte dann ab wenn Horsts Vater ihm in der Gemarkung zufällig vor sein Dienstmoped lief.

Im kommenden Frühjahr bezog ich die Mehlkammer und die Stuben der Bäckerburschen eines ehemaligen Backhauses. Was aus dem alten Bauern geworden ist, weiss ich nicht. Wir waren nichts als jung. Horst ging in eine andere Stadt zu seinem Studium. Ich hörte Jahre später, dass er irgendwo Karriere gemacht haben soll.
Im folgenden Frühjahr fuhr ich den Kadett zum TÜV. Die Beifahrertür war mit dem angeschweissten Riegel einer Stalltür gesichert. Das ging damals noch durch. Wir lebten schliesslich auf dem Land. Damals noch. In der Grube  klopfte der Prüfer von unten mit dem Hämmerchen gegen den Boden des Autos. Und klopfte nochmals.
„Ich kenne doch das Geräusch. Ich weiss nicht, was Sie da gemacht haben, aber der Boden ist dicht.“ Er hämmerte noch mehrmals. Man musste ihm schliesslich nicht offenbaren, dass der durchgerostete Unterboden weitgehend mit Fertigbeton zugeschmiert und abgedichtet
worden war.
Horsts Vater wurde in gewisser Weise ein Vorbild für mich. Er lebte absolut reduziert. Kümmerte sich mit seinem Rad und seiner Harke um seine Nahrung. Ich bin unsicher, ob er darüber nachgedacht haben mag, was Liebe sei. Gelebt hat er sie jedenfalls bedingungslos. Es muss ihn am Leben gehalten haben, dass im schmerzlichen Leiden und in tiefer Trauer doch ein verborgenes Glück liegen kann, das einem am Leben festhalten lässt. Auch wenn man es nicht erkennt oder versteht.

 

Und dann verstand ich, dass sie nichts verstanden hatte, (Nun gehts weiter in gepflegtem Hochdeutsch.)
„Es gibt keine verschiedenen Ausführungen – – “ Sie unterbrach mich kalt.
„Doch, es gab eine waagrechte und eine schräge Ausführung. Das weiss ich genau, ich habe es im Katalog gesehen.“ Es gibt Menschen, denen ist nur mit der Wahrheit zu helfen.
„Sie sehen es doch selbst. Ich habe wegen des Platzmangels an der Wand die Magnetschiene schräg angebracht.“ Ein Moment der Stille. Ein letzter schnippischer Widerspruch.
„Ich habe aber auch die schräge Magnetschiene gesehen. Und die ist jetzt nicht mehr im Programm. Vielleicht wollen Sie mir Ihre ja nur nicht verkaufen.“
„Beim Elch können Sie diese kaufen. Die Löcher schräg gebohrt. Machen Sie es so und Sie haben auch eine schräge Designerschiene.“
Sie zahlte den vereinbarten Betrag mit frostiger Miene. Ich öffnete ihr das Hoftor. Sie verstaute mit schmallippigem Gruss die Geschirrteile in ihrem Auto.

Design? Dass ich nicht lache. Die meisten Produkte, von namhaften Desigern entworfen, taugen nicht fürs wirkliche Leben und keineswegs für den alltäglichen Gebrauch. Das wirkliche Leben hängt nicht an einer schrägen Messerschiene.
Horsts Vater. Das Wort Design ist dem Mann zeitlebens nicht über die Lippen gekommen. Alles Schabbes, hätte er wahrscheinlich bemerkt. Den Verlust eines herzinnigst geliebten Menschen zu betrauern und dennoch weiter seinen Lebensweg zu gehen. Das ist das wirkliche Leben.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein ruhiges Wochenende.

 

 

Beiläufig : Tendenzen gleichbleibend bis steigend

Ein kerniges Müsli ziehe ich einer glibberigen Himbeergarnichtgöttlichspeise allemal vor. Statt René Rilke also Gottfried Benn : Ausschnitte des kompletten von ihm selbst gelesenen Hörwerks. Manche seiner Gedichte stelle ich mir als die vorletzte Rettung vor auf einer einsamen Insel:

„Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
immer steht er in der Bilder Flut,
ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
selbst die Schatten tragen ihre Glut.“

Tendenz steigend: Agression und Tumbheit. In der dreissiger Zone entdecke ich in entgegengesetzter Fahrtrichtung eine mobile Radarkontrolle. Ein Stück weiter kommt mir ein grosser Wagen entgegen. Ich gebe ein warnendes Lichtzeichen und die allseits bekannte Flachhandbewegung. Die sofort folgende Lichtschau des Autos verblitzt mir die Augen, sodass ich dem todbringenden Hassblick des sportlichen Fahrers gerade noch entgehe. Als ich die Augen blinzelnd wieder öffne, blitzt das Radarlicht hellrot hinter mir auf.
Kurz darauf muss ich an einer Ampel anhalten. In der Querrichtung rechts die Ampel schaltet auf Grün. Der Motorradfahrer will links abbiegen. Legt seine Maschine locker schräg und setzt sich fast neben die Sitzbank. Ganz so, wie wir es vom Motorradrennen kennen. Prima After Breakfast Show. Während ich noch denke, dass er jetzt ganz viel Glück braucht, um seine Gedankenlosigkeit auszugleichen, schrappt auch schon haufenweise Plastik über den morgenfeuchten Asphalt. Der Fahrer rollt waagrecht hinterher. Aufrecht stehend wäre das eine aufsehenerregende Pirouette geworden…

Tendenz steigend : Telefontricks mit Rentnern. In Hessen sind diese perfiden Betrügereien 2017 im Vergleich zu 2016 von 3,8 Miillionen Euro Schaden auf 6,8 Millionen angestiegen. Man kann sich fragen, wieso Rentner so leichtfertig dermassen viel Geld hergeben. Ich frage mich jedoch eher, wie hoch der Betrag wohl sein mag, den Banken durch raffinierte Beratungstricks von alten Menschen absahnen.
Die betagte Dame nebenan wollte seinerzeit eine Sterbeversicherung abschliessen, um den Nachkommen die Beerdigungskosten zu ersparen. Nach fast zehn Jahren muss sie jetzt feststellen, dass sie wesentlich mehr eingezahlt hat, als ihr bzw. ihren nachkommen jemals ausgezahlt werden würde. Es dauerte eine Weile, ihr zu erklären, was geschehen ist. Schliesslich vertrauen ältere Menschen „ihrem Bankbeamten“ noch. Sie hatte aufgrund der „Beratung“ eine Risikolebensversicherung abgeschlossen. Und vertrauensvoll unterschrieben, dass sie alles verstanden hätte bei der Beratung (wer gibt schon gerne zu, nichts verstanden zu haben). Dazu gehört das volle Risiko eines massiven Geldverlustes versteht sich. Und die fettere und sichere Vermittlungsgebühr für die Bank. Nein, sie musste kein Gesundheitszeugnis vorlegen, wie das Gesetz es vorsieht für Menschen, die bei Vertragsabschluss einer Risikolebensversicherung älter als siebzig Jahre sind. Warum?
Ganz einfach, die Versicherungsumme lag knapp unter dem gesetzlichen Grenzwert. Ich habe im Namen der Dame an die Bank geschrieben. Das Antwortschreiben für die alte Dame habe ich gelesen. Der kalte Zynismus. Die Unterschrift lässt eine jüngere Angestellte vermuten. Was soll man diesem bedeutungslosen Bankrädchen wünschen, das früher oder später ohnehin ausgetauscht werden wird im Sinne wirtschaftlichen Gewinnstrebens.
Die Schmuckelemente des kapitalistischen Systems sind die Verblendungszusammenhänge.

Tendenz unverändert: Die Mauer in den Köpfen. Anfangs, so vor fünfundzwanzig Jahren dachte ich angesichts der Berichte über unerwünscht anreisender Verwandter aus dem Osten, dass die Mauerköpfe vornehmlich im Westen siedeln. Dass echte Westdeutsche noch heute die neuen Bundesländer meiden, macht nichts. Die haben dort ihre eigenen Dumpfbacken, die brauchen die aus den alten Bundesländern nicht.
Klar, da gabs noch rote Socken, die in der ehemaligen deutschen Republik ein fettes Leben lebten, dass nun vorbei war. Inzwischen habe ich jedoch schmerzlich lernen müssen, dass man wahrscheinlich prozentual nicht weniger Pfosten im Osten findet. Menschen, die noch immer nicht in der gesellschaftlichen Gegenwart angekommen sind.
Interessanter ist meines Erachtens eine Dissertation, die Mitte des Jahres erscheinen wird. Die Historikerin Konstanze Soch recherchierte zum Thema Paketverschickung zwischen DDR und BRD. Ostpakete und Westpakete. Dass Pakete auf dem Weg zu den Empfängern in den Osten regelmässig geröngt (ab etwa Mitte der 1980er Jahre) und durchsucht worden sind von eifrigen Mitarbeitern wissen wir Wessis. Wir waren medial dabei und habens also mit eigenen Augen gesehen.
Was aber nicht einmal Sudel-Ede wusste, waren die Untersuchungen von Brief- und Paketsendungen beim Versand von Ost nach West. Die Westpakete wurden zwar auch stichprobenmässig von Organen der DDR kontroliert. Aber auch in der BRD wurden in der Zeit zwischen 1961 und 1989 massenweise Pakete, Päckchen und Briefsendungen widerrechtlich geöffnet und untersucht vom Militärischen Abschirmdienst (MAD / ich liebe diese Abkürzung) und vom Bundesnachrichtendienst (BND). Dazu gab es verschiedene Standorte, z.B. in Hamburg, Hannover oder Bad Hersfeld. In Hannover sollen etwa 40 – 100 Pakete und bis zu 2000 Briefsendungen täglich untersucht worden sein. Eine eigene Logistik sorgte für die Abholung in den entsprechenden Postämtern. Im Bundestag war diese massive Verletzung des §10 Abs.1 des Grundgesetzes kaum bekannt.
Dass man die geöffneten oder beschädigten Sendungen allenfalls notdürftig wieder verschloss, hatte Methode. Man konnte sich darauf verlassen, dass ohnehin jeder Empfänger in der BRD davon ausginge, dass die Stasi alles und jedes öffnete und beschnüffelte. Die Recherchen zu dieser Promotionsarbeit wurden durch das sogenannte Bundesarchivbestandsgesetz erschwert. Dadurch sind zahlreiche Unterlagen noch immer unter Verschluss und nicht einsehbar.
Aber bei uns im besseren Deutschland gings und gehts doch demokratisch zu. Ein dreckiger deutscher Geheimdienst? Klar, gabs den mal : damals in der DDR. Bei uns arbeiten die vielen Staatsschutzdienste zu unserer demokratischen Sicherheit und in jedem Fall auf dem Boden des Grundgesetzes. Das muss mal klar gesagt werden, nicht wahr. Und wenns Ihnen hier nicht passt, dass gehen Sie doch rü—- äähhhh : aber die Strasse vor Ihrem Haus könnten Sie doch wenigstens mal wieder kehren…

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein erfreuliches Wochenende.

(Photographien : vom Warten auf den Frühling / Tendenz steigend. Beiläufiges Anklicken macht Bilder gross)

Und jetzt erklingt die Musik: Young Marble Giants – Colossal Youth (1980)

 

 

Reduktion brennender Gehirne

Edgar Froboese lieferte seinerzeit die klingenden Folien, auf denen sich unter bestimmten Umständen bei nächtlichen Parties die fantastischsten Farben und irrsten Muster und Strukturen vor den eigenen Augen entwickelten. Als ferne Erinnerung an jene garnicht so leuchtenden Zeiten: Tangerine Dream – Reise durch ein brennendes Gehirn (1970)…

Es braucht heutzutage keine elektronische Musik, um brennende Hirne zu erleben. Man sieht es den Menschen an, ob sie noch selbst denken. Kritische Distanz wahren können im Abwägen, ohne hohle Phrasendrescherei. Brennend aus Begeisterung. Lodernd in Freude.
Dafür scheinen erloschene Hirne auf dem Vormarsch. Im Gleichschritt denken. Uffda Uffda Rammdada. Die Manmachtdassosager. Die Dasnehmichmitsager. Die Mangönntsichjasonstnichtssager.
Deren täglicher Löschvorgang schallt aus den einschlägigen regionalen Lall- und Labersendern. Dort werden die unwichtigsten Nachrichten zu Sensationen aufgebaut. Den Zuhörern wird suggeriert, dass da was am Laufen ist.
„Wir werden Sie selbstverständlich weiterhin auf dem Laufenden halten.“ Damit sollen einzig die Hörer am Sender gehalten werden. Meist werden die entsprechenden Nachrichten während des Tages noch einige Male wiederholt um dann im Sabbelmüll zu verschwinden. Nach zwei Tagen alles vergessen und vorbei. Neue Scheinsensationen, neue Fesseln.

Die Nachricht des heutigen Morgens: „Ein Mann in langem schwarzen Mantel, angetan mit Schottenrock und einem gehörnten Wikingerhelm hielt gestern mehrere Stunden die Polizei in Atem. Der Mann drohte mit einer Bombe. Nachdem einige Geschäfte der Innenstadt und ein Parkhaus evakuiert waren, wurde der Held im Jobcenter gestellt. Der mitgeführte blaue Rucksack wurde von Spezialisten des LKA untersucht. Die gaben nach einer Stunde Entwarnung. Im blauen Rucksack befand sich lediglich Schmutzwäsche. Kein Wort darüber, ob der Nordmann mit einer Streitaxt bewaffnet war.
Die betreffende Kleinstadt wurde in Hessen verortet, liegt jedoch in Rheinland-Pfalz.
Mensch Ärmel, musst nicht gleich wieder Erbsen zählen. Merkt doch eh niemand. Und der Moderator soll nicht denken sondern plappern.

Jamaika war kaum gescheitert, schon schickte die deutsche Automobilindustrie ihre gekauften Lakaien an die Front. Die stiessen in die Fanfaren und verkündeten prompt, dass Gedanken oder gar Planungen hinsichtlich elektrisch betriebener Kraftfahrzeuge für die deutsche Automobilindustrie bedenklich wenn nicht schädlich sei. Die Rohstoffe für die benötigten Batterien würden nämlich vornehmlich in nicht sicheren Staaten, also Diktaturen, gefördert. Demzufolge sei ungewiss, ob die benötigten Rohstoffe überhaupt planungssicher zu beziehen seien. Mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, falls… wurde dabei noch nicht gedroht.
Fragen danach, ob die fossilen Rohstoffe zum Betrieb unserer derzeitigen Verbrennungsmotoren nicht auch aus Diktaturen bezogen würden blieben unbeantwortet. Die zukunfstweisende Frage, ob sich nicht aus dem Hirnschlamm deutscher Automobilmanager Brennstoffe destillieren liessen, wurde verneint; es handle sich dabei allenfalls um gefährlich kontaminierten Sondermüll.

„Und hier noch ein Hinweis für die Autofahrer: „Die B… in Richtung… bleibt wegen Bergungsarbeiten weiterhin gesperrt. Dort geriet die Fahrerin eines Ferrari aus bislang noch ungeklärten Gründen auf die Absenkung einer Leitplanke. Ihr Flug wurde durch einen Baum abrupt beendet und er Ferrari in drei Teile zerissen. Die Frau wurde mit Verletzungen aus dem Auto befreit. Der im Auto befindliche Hund überlebte den Anprall nicht.“
Und die Hundefreunde? Die jetzt trauern möchten. Warum verrät man ihnen weder den Namen noch die Rasse des vierbeinigen Beifahrers? Ob Ferrari oder sonstein Gefährt, das spielt doch die geringste Rolle.

Die chemokosmetischen Industrien wirds freuen. Laut einer Umfrage wollen 60% der Befragten bei ihren Weihnachtsgeschenkeinkäufen zu chemokosmetischen Erzeugnissen greifen. Dabei werden Preise von über hundert Euro pro Artikel in Betracht gezogen. Vielleicht sollte man in den Stink- und Schmierläden die Flüssigchemikalien statt auf Parfümprobierpapierchen den Interessenten mit zwei Spritzern in die eigenen Augen verabreichen. Schaden kann das ja nicht, da die Inhaltsstoffe bereits vorher ausgiebig in den Augen oder künstlich beigebrachten Wunden von Tieren ausgetestet worden sind.

Mitfahrgelegenheit am vergangenen Sonntag. Treffunkt. Uhrzeit. Alles perfekt. Freundlicher Fahrer. Vor uns liegen dreihundertfünfzig Kilometer auf der Autobahn. Oder fünfzig Kilometer weniger, dafür hundert Kilometer zügig zu befahrende, gut ausgebaute Landstrasse.
Ich bin die Landstrassenstrecke bereits mehrfach gefahren und sonntags sind dort keine LKWs unterwegs. Und der Landmann gönnt seinem Traktor Ruhe. Der jugendliche Fahrer wiegt nur kurz den Kopf und bedenkt sich noch kürzer und entgegnet meinem Vorschlag: „Ach, verlass´ mich lieber auf die Maschine, die weiss es eh besser als ich.“
Hundertzwanzig Kilometer später zeigt das Navigationsgerät einen Stau. Der wird seit Wochen auch rund um die Uhr von den Lall- und Sabbelsendern verkündet.
Irgendwann schaue ich auf meine Uhr. Vor mir liegen aber noch zwei Stunden.
Ich könnte jetzt zuhause sein. Beim Blick aus dem Autofenster dämmert mir, dass die brennenden Gehirne aussterben. Brennend aus Begeisterung. Lodernd in Freude. Selbst denken, logisch, zielgerichtet. Dennoch warmherzig und mit leuchtenden Augen, das findet sich zunehmend seltener.
Erloschene Hirne sind auf dem Vormarsch.

(Advent Advent, sei froh wenn Dein Gehirn noch brennt)

 

Wir fahrn fahrn fahrn … (alles nur ein Traum!)

Eine meiner ewigen Lieblingsbands. Paul Thompson, Phil Mazanera, Andy Mackay und Bryan Ferry. Von den zusätzlichen Musikanten hat mich die einmalige Lucy Wilkins (syn, vio.) am meisten beeindruckt. Sie ersetzt Brian Eno erstaunlich gut. Das letzte Konzert einer Wiedervereinigungstour wurde als DVD veröffentlicht. Also horsche und gugge: Roxy Music – Live at the Apollo (2.10.2001)…

Jamaika liegt nun mal nicht in Deutschland. Deutschland spiegelt sich auf der Autobahn. Im Rahmen eines Projektes bewege ich mich derzeit täglich auf dem Asphalt. Höre dabei sporadisch den Verkehrsfunk. Die Verhältnisse ändern sich in Minutenschnelle. Eben noch freie Fahrt und jetzt steht der vielgliedrige Blechundplastikdrache kilometerlang. Und die Meldung, „Achtung Autofahrer: auf der A… bei Kilometer … liegt eine Palette auf der linken Fahrspur. Fahren Sie dort bitte besonders vorsichtig.“

In den Heckscheiben ist eine neue Erscheinung zu bewundern.Nach all den Aufklebern mit Kindernamen on board sitzt nun  Opa Ernst am Steuer. Oder Omi Renate am Lenkrad. Vielleicht ist das bloss eine gut gemeinte Warnung.
„Achtung Autofahrer: auf der A… in Richtung… liegt ein Wildschein auf der Fahrbahn.“
Ich bezweifle, dass Neuwahlen die Verhältnisse im Land erneuern werden.

Die Hoffnungslosigkeit der Autofahrer zeigt sich unter anderem auch darin, nicht dem Verkehrsfluss entsprechend so zügig zu fahren wie es möglich wäre. Sie lassen sich auf der mittleren Spur bei Tempo 80 rechts überholen von den LKWs, die mit Tempo neunzig unterwegs sind.
„Auf der A… in Höhe der Anschlussstelle … kam ein LKW ins Schleudern und hat die Mittelleitplanke durchbrochen.“

Seit wann ist es zulässig, dass die Lastwagenfahrer auf dem Standstreifen ihre Ruhepausen verbringen?
Ich bezweifle, dass die Wahlberechtigten sich bei möglichen Neuwahlen anders verhalten würden als im alltäglichen Strassenverkehr. Im Radio die Nachricht, dass die Sparte Güterverkehr der Deutschen Bahn ordentliche Gewinne eingefahren hat. Man denke über die Erweiterung des Streckennetzes nach. (Obwohl es seit Jahren Zug um Zug abgebaut wird.)
„Achtung Autofahrer, auf der A… kommt Ihnen ein Fahrzeug entgegen. Fahren Sie äusserst rechts und überholen Sie nicht. Wir informieren Sie, sobald die Gefahr vorüber ist.“

Parkplätze überhaupt. Werden Gerüchten zufolge demnächst in LKW Stellplätze umbenannt. Ich verspüre ein dringendes Bedürfnis. Da vorn, ein Parkplatz mit Toilette. Rücksichtslose LKW Fahrer. Die Einfahrt kreuz und quer zugestellt. Dann halt der nächste Parkplatz. Der Druck steigt merklich. Die Einfahrt ist von einem LKW Fahrer blockiert. Der nächste Parkplatz muss es sein. Beckenbodenübungen. Auch dieser Parkplatz ist dicht. LKWs stehen zurück bis auf den Standstreifen. Ich nehme die nächste reguläre Abfahrt. Erlösung. Keine LKWs. Und ein Gebüsch.
„Guten Morgen, es ist 6:45. Die A… bleibt nach einem schweren LKW Unfall zwischen … und … bis auf weiteres in beiden Richtungen gesperrt. Bitte umfahren Sie diesen Bereich grossräumig. Wir halten Sie auf dem Laufenden.“
Vier LKWs und zwei oder drei PKWs sind sich im Baustellenbereich zu nahe gekommen. Zwei LKW Fahrer haben die Kollision nicht überlebt. Die überaus wichtige Nord-Süd-Verbindung blieb bis zum Abend gesperrt.
„Achtung Autofahrer, auf der A… in Richtung… liegt ein Küchenschrank auf der Fahrbahn.“ 

Im Anfahren und Abbremsen in der Lawine kann man bestimmte wiederkehrende Verhaltensweisen erkennen. Ich sitze erhöht im Fahrzeug und nehme staunend wahr, wieviele Verkehrsteilnehmer auf ihren Handfesseln rumwischen. Bei manchen trifft der Begriff Verkehrsteilnehmer eigentlich garnicht mehr zu. Die schwimmen längst in einem Parallelkosmos. „Achtung Autofahrer, auf der A… befindet sich ein Auspuff auf der Fahrbahn.“

„Achtung Autofahrer, auf der A… zwischen … und … befindet sich radfahrendes Kind auf dem Seitenstreifen. Fahren Sie bitte äusserst vorsichtig.“
„Achtung Autofahrer, auf der A… in Höhe der Anschlussstelle … sind mehrere Jogger unterwegs.“

„Achtung Autofahrer, auf der A… zwischen … und … schieben mehrere Personen ein Fahrzeug auf der Standspur.“ In den alten WG Zeiten haben wir öfter mal gemeinsam einen 2CV, einen Käfer oder einen R4 geschoben. Heute scheinen alle Autos allzeit und immer zu fahrbereit zu sein.
„Achtung Autofahrer, auf der A… in Richtung steht ein defekter LKW in der Baustelle. Zur Zeit fünf Kilometer Stau. Sie müssen derzeit etwa fünfundvierzig Minuten mehr einplanen.“ Wer errechnet auf welcher Grundlage die zusätzlich benötigten Zeiten? Wo immer ich selbst davon betroffen war und eine solche Meldung hörte, die Zeiten haben nie gestimmt. Ob sich hier in diesem Land in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Von der Politik wohl kaum.

Der Anfang des Jahres sogenannte Schulzeffekt war das kollektiv erlösende Aufatmen über den Rückzug des Herrn Gabriel. Nach der beeindruckenden Wahlschlappe hat der Kleinstadtbürgermeister Schulz in der Berliner Runde seine Grenzen deutlich erkennen lassen.
Und nun nach den geplatzten Gesprächen zu einer möglichen Regierungsbildung scharren die Emporwollenden in den zweiten Reihen mit den Füssen. Merkel weg, Schulz weg. Das ergäbe Möglichkeiten. Nein, nicht zum Politikwechsel. Für neue Karrieren. Aber die Nochkanzlerin hat bereits ihre neuerliche Kandidatur über die Medien bekanntgeben lassen.
„Achtung Autofahrer, auf der A… zwischen … und … liegt eine Stossstange auf der Fahrbahn.“

„Achtung Autofahrer, auf der A… liegen zwei Wildschweine auf der Fahrbahn.“ Nein, das ist weder eine versehentliche Wiederholung noch sind die Durchsagen Erfindungen meinerseits. Alle Meldungen sind wörtliche Zitate. Aufgeschnappt und notiert während zwei Wochen unterwegs im Verkehrswahnsinn. Nicht gezählt habe ich die zahlreichen Reifenreste, die zur Zeit der Meldungen undefinierten Gegenstände und die Holz- oder Metallteile. Nicht zu vergessen die vielen defekten LKWs.
Soeben vernehme die letzte Meldung bevor ich das Fahrzeug verlasse.
„Achtung Autofahrer, auf der A… zwischen … und … befinden sich Steinewerfer am Fahrbahnrand. Fahren Sie äusserst vorsichtig. Wir informieren Sie selbstverständlich, sobald die Gefahr vorüber ist.“
Der Bundespräsident will sich heute mit den jamaikanischen Verhandlungsführern treffen. Und die nachmittäglichen zähflüssigen Verkehrsströme treffen so sicher ein wie das Amen in der Kirche. Vielleicht birgt der absehbare Verkehrsinfarkt die Erlösung in sich. Das wäre dann eine wirkliche Veränderung.

Pendler, die jeden Tag aus den umliegenden Mittelgebirgen bis zu zweihundert Kilometer zwischen ihrem Heim und der Arbeitsstelle zurücklegen. Mir hat einmal ein Bekannter erklärt, warum er das auf sich nimmt. Das erwünschte Haus hätte er sich in der Nähe seines Arbeitsplatzes nicht erlauben können. Fast wäre ich auf sein Argument reingefallen. Ich rechnete mal über den Daumen kurz hoch. Zehn Jahre Kredit für ein Haus abzahlen. Und was in dieser Zeit der erhöhte Fahrzeugverschleiss kostet, wie der verbrauchte Kraftstoff zu Buch schlägt. Und die Lebenszeit. Die masslose Verschwendung an Lebenszeit.
„Achtung Autofahrer: auf der A… in Richtung… befinden sich Pferde auf der Fahrbahn.“
Dass vor den Wahlen alle Parteien die Zukunft des Verbennungsmotors zusicherten war zumindest auffällig. In fünfundzwanzig Jahren wird es den privaten Autoverkehr, zumindest wie wir ihn kennen und gewohnt sind, ohnehin nicht mehr geben. Aber noch ist angeblich jeder dritte Arbeitsplatz in diesem Land direkt oder indirekt mit der Automobilindustrie verbunden. Und was die Politik nicht verändernd anpackt, das wird die Automobilindustrie für uns zu ihrem Gewinn richten.
„Guten Abend liebe Hörer, es ist 22:30 und die gute Nachricht zuerst: die Stauampel zeigt auf Grün.“

(Die Fotografien sind an der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt aufgenommen. Dort befindet sich das Mahnmal und der Gedenkstein für Bernd Rosemeyer. Der wurde 1938 bei einem Weltrekordversuch bei etwa 430 Kmh von einer Windbö erfasst und aus seinem Rennwagen geschleudert. Er war sofort tot.)

 

Auch das Schlechte lässt sich weiter steigern

Wer weiss woran es liegen mag. Vielleicht weil man als Sehmann den Anfang des 121. Psalms kennen kann („Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“). Mag sein, dass der Auslöser ein Musikstück gewesen ist. David Bowie singt „This is not America“: Zu hören ist das Lied auf: Pat Metheny – Falcon and the Snowman (1985) …

Sicher ist dagegen, dass seit der Privatisierung der ehemaligen Deutschen Bundesbahn ein Netzwerk von Privatbahnen entstanden ist. Überaus wichtige Arbeitsplätze sind dadurch geschaffen worden. Für Geschäftsführer mit Firmenwagen, Marketingspezialisten und Softwarespieler. Das alles verschlingt viel Geld. Eines der Ziele scheint dabei die Abschaffung des Service zu sein. Zuspätkommen und Ausfallen von Zügen als letztes Abenteuer auf Reisen für weitgehend entrechtete Kunden und Passagiere.
Ich benutzte eine bestimmte Zugverbindung in diesem Jahr bereits mehrmals. Die private Zulieferbahn für den Intercity kommt dabei regelmässig zu spät.
Der freundliche Mitarbeiter im Reisezentrum der Bahn schreibt mir mein Ticket um. Regulär gebucht, ist diese aktualisierte Verbindung sechsmal teurer als meine ursprünglich gekaufte Fahrkarte. Und eine Stunde weniger dauert die Fahrt obendrein. So viel Glück verdient ein Bahnkunde nicht. Dass ich entgegen der Fahrtrichtung sitzen muss ist da nur ein gerechter Ausgleich. Dabei traue ich der Vorsehung mehr als den Rückblicken. Da beim letzten Umstieg die regionale Bahn heute wieder eine Verspätung von einer halben Stunde hat… Alles, wie wir Reisende es inzwischen still grollend hinnehmen. Aber ganz ehrlich. Wir alle wollen es doch so: immer mehr reisen für immer weniger Geld.

Aber was nutzen all diese Betrachtungen? Reisen mit der Bahn ist zu einem Lotteriespiel mit der Zeit verkommen. Gerade, ungerade, rot oder schwarz. Billigpreise und Verspätungen. Schienenroulette und Black Jack auf zugigen Bahnsteigen.
Verbesserungen im Service werden grossmäulig vollmundig versprochen. Damit ist beispielsweise die überflüssige App gemeint für die süchtigen Handfesselstreichler. Die daddeln derweil die aktuellen Beeinträchtigungen.
Besonders hilfreich finde ich die Ansage, auf welcher Seite in Fahrtrichtung sich der Ausstieg am nächsten Bahnhof befindet. Wie oft würde ich mich sonst vielleicht zwischen den beiden zur Auswahl stehenden Türen verlaufen.

Dabei fahre ich gerne mit dem Zug. Ich komme aus einer Eisenbahnerfamilie. Unter meinen männlichen Vorfahren waren Lokführer und Oberlokführer. Das ist jedoch lange her. Noch länger als die Zeiten, da man noch an interessanten Gesprächen teilnehmen konnte. Heute dagegen bedeutet Schweigen fast schon Reiseglück. Die wichtigtuerischen Handfesselschwätzer zählen auf Publikum im Grossraumwagen. Und muten einem dabei zu, was man lieber nicht hören möchte. .

                                                                      (Foto anklicken zur Grosssichtverbesserung)