Dienstagnachmittags in der Stadt

Neue Werke. Ein Reinfall ist die Santana IV (2016). Die Originalmusiker der Scheiben I bis III täuschen nicht über den abgestandenen Wein in uraltrissigen Schläuchen hinweg. Wirklich neu und originell klingen: Jeff Beck – Loud Hailer (2016) und die stimmgewaltige Lila Downs – Balas y chocolate (2015)…

Isses Recht so innerer Stund´?
Innerer Stund´?
Ei, fürn erste Probedruck.
Des basst! Innerer Stund´ also.
Eine Stunde Zeit. Das bedeutet, die Leipziger hoch zum öffentlichen Bücherschrank. Ich habe einige Werke im Rucksack dabei zur Weiterverteilung. Rasch die Bücher in den öffentlichen Schrank einstellen. Und selbst mal einen kurzen Blick riskieren. Robert Gernhardt – Was gibts denn da zu lachen? Das Buch wandert in den Rucksack.
Nach kurzer Handfesselbedienung stellt sich heraus, dass in der alten Kaffeerösterei heute auf lila Tellern serviert wird, aber eine Lilafrau nicht unterwegs sein wird. Ein Milchkaffee darfs sein. Aus dem Hinterhofcafé heraus kann man die Menschen draussen vorbeiflanieren sehen. Zwei junge Buben hip aufgestylt, frischfrisiert. Ihr Gang strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Ein Fingerschnipser lässt die ganze Geste der Youngster in sich zusammenstürzen. Von der Frau gegenüber beispielsweise, ebenso knapp wie aufrührerisch schwarz gekleidet, ja genau, die mit der tätowierten Blutspur von der Achselhöhle bis zum Rippenbogen. Überhaupt scheinen Tätowierungen so eine Art Muss zu werden im kollektiven Bewusstsein. Bei manchen Dreissigjährigen möchte man die mitwachsenden Bilder in dreissig Jahren lieber nicht sehen.

Es wird viel fotografiert in der Stadt. Wer schaut sich die Bilder hinterher mehr als drei Mal an? Wer schaut überhaupt hin beim Fotografieren.
Viele Blaulichter sind unterwegs. Ältere Menschen leiden in dieser drückenden Schwüle. An der Konsti ist es rappelvoll. Brauchst du was zum ziehen? Der Geruch ist der Wegweiser. Eine ältere Frau lässt eine Münze in der Becher der südosteuropäischen Frau fallen. Was ist menschlicher? Diese kleine Gabe oder nichts zu geben, um damit das organisierte Bettelsystem zu erschweren. Die Bettelnden müssen auf diese Weise ihre Reisekosten nach Deutschland zurückzahlen. Auch später gibt es oft kein Entkommen. Bettelsklaven für die Bosse mit dem dickem Ring am kleinen Finger im Fond eines exklusiven Automobils.

Blicke nach hier und dort. Radfahrer sind viele unterwegs. Im Sattel oder mit der Aktentasche in der Hand. Ob du sicher bist oder verkauft wirst, das merkst du erst am langen Ende. Der Schnitt dieser Latzhose und die Schlangenlederstiefel drunter. Mein Blick muss ein Blitzschlag zu lang gewesen sein. Wir blicken uns an und kommen ins Gespräch. Die ältere Dame ist Nachbarin der berühmten Fotografin K****, Frankfurter Urgestein. Also über Fotografie und überhaupt. Die Marke der Kamera scheint vielen Menschen überaus wichtig zu sein. Wir verabschieden uns laut lachend und mit gegenseitig besten Wünschen. Meine Bitte um eine Fotografie habe ich dabei vergessen.

Aus einer Stunde werden schnell drei bei so viel horsche un gugge. In der Fussgängerzone und auf den Plätzen ist viel Gedränge und Geschiebe. Viele Berührungen aber keine Begegnungen, schon garkeine Anlehnungen. Vielen Menschen steht ihre Einsamkeit ins Gesicht geschrieben. Da ist es ein schöner Ausgleich auch das Glück anderer zu sehen. Zwei Menschen, die sich etwas zu erzählen haben. Gegenseitige Aufmerksamkeit und Zuneigung gibt es noch, die Wahrnehmung über das Eigeninteresse hinaus. Dem Nebenmenschen sein Glück gönnen können macht einen selbst glücklich. Ich denke an einen gemeinsamen Dienstag und lächle unwillkürlich.
Ein schneller Blick nochmals in den öffentlichen Bücherschrank. Meine Bücher haben bereits andere Leser gefunden.

                                                                      (Schnellschnappschüsse. Anklicken vergrössert)

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11 Sekunden – und weiter gehts

Ob Komposition, Maltechnik, Referenz, Stilrichtung, Kontext oder Epoche – gugge und horsche: Peter Hammill – Over (1977)…

Vor genau zweihundert Jahren wurde das Testament des Frankfurter Bankiers  Johann Friedrich Städel eröffnet. Darin verfügte er die Gründung der Stiftung „Städelsches Kunstinstitut“, womit ein Museum und die Einrichtung einer Kunstschule gemeint war. Einmalig und vorausschauend in jener Zeit. Heute zählt das Städel zu den führenden Museen in Deutschland.
In den letzten Jahren hat man die hauseigene Sammlung digitalisiert und damit seit dem letzten Jahr jedem Interessierten zugänglich gemacht.

Die ursprüngliche Intention, den Menschen die Kunst zu vermitteln und näherzubringen wurde nun durch eine ebenso grossartige wie zeitgemässe Idee erweitert. Seit kurzem haben die Macher des Städel auf einer Internetseite einen Online Kurs zur Kunstgeschichte der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Warum entschliesst sich eine Museumsdirektion zu einem solchen Schritt? Man hatte offenbar herausgefunden, dass Museumsbesucher durchschnittlich nur 11 Sekunden vor einem Kunstwerk verweilen, bevor sie sich dem nächsten zuwenden. Das kann nicht Sinn und Ziel von Kunst sein, das Konsumieren im schnellen Vorbeigehen.

Der online Kurs verfolgt das Ziel, die Horizonte der Betrachter von Kunstwerken in Sachen Kunst und Kunstgeschichte zu erweitern. Der Kurs kostet nichts als das eigene Engagement und das Interesse, sich durch fünf Module zu arbeiten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Die Registrierung erfolgt mit der Angabe der eigenen Mailadresse, um jeweils dort weiterzumachen, wo man zuvor aufgehört hat. Und schon kann es losgehen.
Jedes Modul beinhaltet viele Kunstwerke, die man bis in kleinste Einzelheiten anschauen kann. Dazu gibt es Informationen zu den jeweiligen Künstlern. Zu den gesellschaftlichen Kontexten ebenso, wie zu Epochen und Stilrichtungen. Kurze Filme von wenigen Minuten, leicht zu verstehende Texte zur Theorie sowie zahlreiche weitere Informationen machen den Kurs zu einem Kunsterlebnis für sich.
Und wie in jedem Kurs gibt es natürlich Aufgaben. Dabei haben sich die Gestalter des Kurses allerhand an interaktiven Feinheiten einfallen lassen. Freude und Spass sind auf jeder Seite des Kurses garantiert.
Ich bin derzeit im vierten Modul. Für ein Modul benötige ich etwa vier bis fünf Stunden. Und jedes Modul ist ein Gewinn für sich.
Ich empfehle daher jedem kunstinteressierten Menschen zumindest einen Blick auf die Seite. Schauen Sie sich bloss das Intro an. Schon das weckt die Neugier und macht Lust, sogleich anzufangen.

Es gibt mittlerweile unendlich viele Zeiträuber im Internet. Hier gibt es eine Möglichkeit, seinen Horizont sinnvoll zu erweitern. Deshalb bitte ich an dieser Stelle andere Blogger, auf diesen einmaligen Kurs des Städel auf ihren Blogs hinzuweisen und ihn zu empfehlen. Das Museum und Initiatoren dieses fantastischen Online Kurses haben die Verbreitung ihrer wertvollen Arbeit auf jeden Fall verdient.
Meinen herzlichen Dank dafür!

Hier nochmals der Link für den Online Kurs Kunstgeschichte

Ich danke an dieser Stelle der stets gut informierten Frau Wildgans für den Hinweis auf den Kurs.

Keine eigenen Fotografien dieses Mal. Ohne den Kurs wäre mir diese Idee sicherlich nicht eingefallen. Links das Portrait Peter Hammills (Fotografie ©Sebastian Keep/Heap) auf dem Cover seines Albums Over (1977) und rechts das Gemälde „Der Geiger am Fenster“ von Otto Scholderer (1861 – ©Sammlung Städelsches Kunstinstitut).

Es werde Licht!

Ich warte auf den Frühling. Vielleicht helfen karibische Rhythmen: Dread Zeppelin – No Quarter Pounder (1995) …

Die unwiderstehliche Stadt Frankfurt, die erste freie Reichsstadt und Messestadt seit Jahrhunderten, diese fantastische Stadt versteht zu feiern. Zahlreiche Gelegenheiten bieten in der überaus lebendigen Stadt beispielsweise die Messen.
Alle zwei Jahre findet die Light & Building statt. Auf dieser, nach der Eigenwerbung, „Weltleitmesse präsentiert die Industrie ihre Weltneuheiten für Licht, Elektrotechnik, Haus- und Gebäudeautomation sowie Software für das Bauwesen.

Für uns einfachen Menschen, die lediglich hier und da mal eine Glühbirne austauschen, ist allerdings das Rahmenprogramm zu dieser Messe ein viel wichtiger Anziehungspunkt.  Während der Dauer der Messe findet die Luminale statt. Mit Einbruch der Dunkelheit sind im inneren Stadtgebiet Lichtinstallationen zu sehen, zu bestaunen und zu bewundern. Seien es ganze Gebäudefronten, Skulpturen im Freien oder Lichterscheinungen in Gebäuden; die Luminale zählt jedes Mal grössere Besucherströme wegen des einmaligen Lichtspektakels. Aus diesem Grund kann ich den Besuch der nächsten Luminale im Jahr 2018 nur empfehlen.

Zu den Fotografien: Die Aufnahmen wurden rund um die Messe gemacht. Bis zur Innenstadt hats zeitlich nicht mehr gereicht. Wer gerne fotografiert, ist an diesen Abenden in der Stadt unterwegs Ob mit einer Handefessellinse oder fototechnisch hochgerüstet. Lediglich das Wetter muss mitspielen, und das war in diesem Jahr wenig kooperativ.

                                                      (Foto anklicken und gross gugge – die Energiekosten bleiben die gleichen)


 

Grosser Belichter und kleine Ablichter

Ich bin nicht sicher, ob man mehr Stile origineller und hörbarer miteinander verbinden kann. Aus Ecuador: Ebano – Piscina con mulata (2002)…

Termine in der Bembelstadt. Zuerst zu dem, der mich am meisten reizt. Ich bin natürlich viel zu früh. Vielleicht möchten Sie noch etwas essen gehen. Was hätte die zuvorkommende Modellfigur an der Glastür auch anderes sagen sollen? Also aus der Innenstadt in Richtung Bockenheim zum Drucker. Besprechung des Drucks einer neuen Serie von Fotografien.
Als ich den U-Bahnschacht verlasse, regnet es unablässig. Auf der Leipziger ist ungewohnt wenig los. Beim Drucker sind die Fragen rasch geklärt. Bei diesem Wetter ist hier keine Frau in Lila unterwegs. Dann eben zum Stammmetzger für ein Fleischkäsebrötchen. Die köstliche Pâté de campagne wird leider erst in einigen Tagen wieder frisch verkauft werden.
Also gegenüber zum Käsehändler. Hier gibts alten Mimolette und der Tomme de Savoie lacht mich geradezu an. Draussen regnet es unvermindert. Eine Frau mit einem Afghanen an der Leine kommt mir entgegen. Nur für einen Moment verblüfft mich der ungemein ähnliche Gesichstausdruck zwischen dem Frauchen und ihrem Hund. Dann schiesst mir die Frage in den Kopf, wie lange es noch dauern mag, bis diese edle Hunderrasse aus Gründen politischer Korrektheit umbenannt werden muss. Im U-Bahnschacht dröhnt ein südosteuropäisches Akkordeon.

An der Hauptwache steht ein Aufgebot der Polizei wie ich es schon länger nicht gesehen habe. Rundum ist nichts zu sehen, alles ist ruhig. Auch auf der Zeil ist wenig los. Die Armut liegt derweil in Schlafsäcken und Plastikplanen verpackt in den Portalen der Konsumtempel. In den teuren Geschäften rund um den Römer ist China unterwegs. Im Treppenhaus des Frankfurter Fotografie Forums hat sich inzwischen eine Schlange gebildet.

Ich habe eine Einladung vom Veranstalter erhalten. Als persönliches Präsent erhalten Sie auch eine Fotografie des Fotografen. Mehr interessiert mich allerdings der Fotograf selbst. Als die Tür geöffnet wird, strömt das Publikum zur Präsentation des neuen Kameramodells. Ich entdecke den Fotografen, der etwas abseits in einem Sessel sitzt. Tourneen sind anstrengend. Für mich zählt er zu den besten Aktfotografen, die ich kenne. Ich spreche ihn an. Wir unterhalten uns kurz miteinander. Den frühen Band mit seinen Aktfotografien habe ich (rein zufällig) dabei. Signieren, aber gerne, wenn Sie einen Stift zur Hand haben, meiner ist abgebrochen. Habe ich. Viel bedeutender aber sind mir einige Sätze zum Thema Fotografie, die er ruhig und überaus liebenswürdig sagt. Diese werden mir dankbar in Erinnerung bleiben.

Andere Besucher sprechen ihn an. Einer der Sponsoren reicht ihm ein Mikrofon. Er geht von Bild zu Bild, die Besucher folgen, und er gibt Erklärungen zu den einzelnen Fotografien. Vier Wochen war der Mann mit der neuen Kamera des Herstellers unterwegs. Wien, Paris, Atlantikküste. Und nun die Tournee durch einige europäische Grossstädte.
The (sales)show must go on..

                                                         (Foto anlicken und die Galerie betreten. Die Fotos wurden mit einer kleinen Taschenkamera aufgenommen)

Mit Goethe und Trotzki am Wasserhäuschen vorbei

Zur Einstimmung auf die heutige Landratswahl und weils für die meisten Politiker, ganz pauschal gesprochen, leider noch immer zutrifft:
Mountain – Masters of War (2007)…

Für einige Tage  war Frau Waas im neuen Ärmelhaus. Das passte prima zum Testen aller Installationen nach den Renovierungsarbeiten. An einem Tag waren wir in Frankfurt. Sie hatte dort Verpflichtungen und ich begleitete sie. Als wir hochfuhren in den Norden der Stadt und an Bockenheim vorbei, fiel mir das Wasserhäuschen in der Leipzigerstrasse ein.

Das gibt es schon lange nicht mehr. Frankfurter Wasserhäuschen sind eine Institution. Mittlerweile werden sie schon in Büchern gewürdigt und so vor dem Vergessen bewahrt. Wenn man sich auskennt in der Stadt, kann man da und dort noch eines der alten Wasserhäuschen sehen. Das Warenangebot ist den modernen Zeiten angepasst. Die Inhaber sind jünger geworden. Zu schnell wechseln heute die Anwohner und mit ihnen ihre Bedürfnisse. Die alten Betreiber kannten ihre Kunden und deren Wünsche.

Einer, der sich an den Wasserhäuschen seinen Nachschub gegen den Durst besorgte auf seinen nächtlichen Streifzügen durch die schlafende Stadt, war der Dichter Jörg Fauser. Dort fand er dann gelegentlich auch Anregungen für ein Gedicht. Warum auch immer, eines seiner Gedichte fiel mir wieder ein, als ich im Wagen auf Frau Waas wartete, die eine weitere Erledigung auf ihrer Liste abhakte.
Den Wasserhäuschen ergeht es wie den traditionellen Apfelweinwirtschaften. Es werden von Jahr zu Jahr weniger. Im Stadtteil Bornheim, wo Fauser zuletzt wohnte, sind vielleicht noch die meisten zu finden. Immerhin.
Jörg Fauser kam in der Nacht seines 43. Geburtstages ums Leben.

Offene Türen bieten Möglichkeiten

Türen zuschlagen liegt mir nicht. Diese Türen haben mir bereits als Jungärmel den Blick in die musikalische Welt eröffnet:
The Doors – die gesammelten Werke einmal nach meiner persönlichen Bestenliste durchgehört. Laut, versteht sich…

Einerseits stand mir der Sinn nach Heide. Quer durch Deutschland ziehen sich Heidegebiete. Kleine Gebiete gibts auch im südlichen Bembelland. Vor vielen Millionen Jahren war hier ein Meer. Davon sind sandige Restflächen ebenso geblieben wie einige Dünen aus den Sanden von Rhein und Main. Hier in der Gegend gibt es zwei Orte mit dem Namen Griesheim. Gries bedeutet in diesem Kontext auch Sand. Auf diesen trockenen, wasserdurchlässigen Böden gedeihen unter anderem die beliebten südbembelländischen Spargel sehr gut.
Ganz im Süden Hessens gibt es ein neueres Heidegebiet. Dafür haben die Besatzer zu Übungszwecken mit ihren Panzerfahrten gesorgt. Nach ihrem Abzug und aus Geldmangel der Kommunen überliess man das Gebiet sich selbst. Landschaftspfleger und -schützer sorgen dafür, dass diese seltene Landschaftsform erhalten bleibt. Bei der Planung stellte ich fest, dass mir der Weg dahin zu weit ist.

Aus Gründen gymnastischer Übung soll ich jeden Tag eine Stunde Fahrrad fahren. Da in dieser Woche einige Stunden aus Witterungsgründen bereits ausgefallen sind und heute mindestens sieben Sonnen am Himmel standen, entschied ich mich für die Schwanheimer Düne. Das Gebiet liegt am Rand von Frankfurt.
Ausserdem habe ich erfahren, dass mit den Gewissensberuhigungsgeldern der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens der Mainwanderweg von der Mainspitze bis nach Frankfurt fast vollständig ausgebaut ist. Prima. Die Entfernung passt auch, knapp über siebzig Kilometer hin und zurück sind gut machbar.

In der sterbenden Autostadt erinnert die Skulptur eines Leinereiters an einen seit langem ausgestorbenen Beruf. Der Weg lässt sich gut befahren, es sind ausser angenehm wenigen Hundeausführern kaum Menschen unterwegs. Endlich kann ich die Mönchhofkapelle von 1685 einmal aus der Nähe sehen. Sie steht auf den Mauern einer bereits im 12. Jahrhundert erwähnten kleinen Kirche, die für die Arbeiter des nahen Klosters erbaut worden ist. Bis vor wenigen Jahren hatten Industriebetriebe auf fast zehn Kilometern den Zugang zum Fluss für sich beansprucht.
Zwischen Kelsterbach und Schwanheim, einem Vorort von Frankfurt, ist die Landschaft von Autobahnen und Schnellstrassen völlig zerschnitten. Am anderen Ufer befindet sich der Chemiegigant Novartis (früher Hoechst) und auf dieser Seite liegt der Flughafen. Die Wege sind jedoch ziemlich gut ausgeschildert.

In der Schwanheimer Düne spürt man die Klimaänderung merklich. Statt der kühlen, frischen Brise des Morgens wird es windstill und trockenheiss. Die startenden und landenden Flugzeuge sind der Nähe wegen gut zu sehen, aber man hört sie nicht.
Ich gehe zu Fuss durch die sandige Landschaft. Die reifen Brombeeren schmecken köstlich. Und die Mirabellen leuchten rot aus den Bäumen und geben das Dessert bei meinem Rundgang. Ich verspürte Durst. Da fiel mir zum Glück das LiLu in Niederrad ein, das ich auch seit langem schon einmal besuchen wollte.

Das Licht- und Luftbad wurde 1900 auf einer Halbinsel errichtet, um der arbeitenden Bevölkerung der Stadt eine Oase der Erholung zu schaffen. Das wurde wie so vieles in Frankfurt durch private Spenden ermöglicht. Das Lilu war die letzte öffentliche Badeanstalt in Deutschland, in der sich die jüdische Bevölkerung noch bis 1938 ein wenig entspannen und ausruhen konnte.
Die lang ausgedehnten Wiesenflächen sind noch ziemlich leer. Ein grosser Apfelwein sorgt für die dringend benötigte Flüssigkeitszufuhr. Die Restauration ist sehr originell in einem ausgedienten Ponton untergebracht. Von hier aus ist die berühmte Skyline der Stadt kaum zu sehen. Mehr Ruhe bietet ein originelles Hausboot in einem Seitenkanal.
Nach einer Pause mache ich mich auf den gegenwindigen Rückweg. Ich bin immer wieder erstaunt, wie vielfältig das Rhein-Main-Gebiet entgegen alles landläufigen Vorurteile doch ist.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine feine Woche.

(Foto anklicken und gross gugge)