Wenn das Herz springt, solls leuchten dabei

Ich habe Hoffnung, dass der Bustransport klappen wird am Wochenende und wünsche mir für die vielstündige Reisedauer gesprochene Literatur zur Unterhaltung. Ich denke kurz über Heiner Müller nach, verwerfe den Gedanken jedoch. Später am Abend lade ich ihn dann doch in den Mp3-Spieler: Heiner Müller / Einstürzende Neubauten – Die Hamletmaschine (1991)…

Ich will gerade die Dunkelkammer verlassen. Ein Bekannter lässt per Mausklick das virtuelle Telefon klingeln. Dies und jenes. Satzsträhnen zu schwachen Sinnzusammenhängen geflochten. Den Zopf hält der Unmut zusammen über jede Form von Extremisten. Sie sind es, die Politiker dazu ermuntern, meine Rechte, unser aller Rechte und Freiheiten mehr und mehr einzuschränken. Zu beschneiden durch Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Überwachungen im öffentlichen Raum und zunehmende Bespitzelung unserer privaten Kommunikation.
Mehr und bessere Sicherheit wird uns maulfeil vorgegaukelt. Geliefert wird in Mogelpackungen für die Masse. Es gibt einen Grad der Unterdrückung, sagte Ernst Jünger, der als Freiheit empfunden wird. Wir, das heisst mein Bekannter und ich stellen fest, dass unsere Meinungen extremer geworden sind hinsichtlich der Folgen des unseligen Treibens von Extremisten, von mohammedanischen Religionsfaschisten, Hooligans und schwarzbraunem Gesocks.

Eine Wolkenbeobachterin weist um 18:17 hin auf eine Produktion des ZDF von 2009 hin. Heiner Müller. Ein empfehlenswertes Portrait eines der angeblich grössten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Der Mann sieht toll aus, vor allem seine Augen beeindrucken mich immer wieder. So voller Gefühl im Gegensatz zu dem gefährlich kleinen schmallippigen Mund, der auch bei schwerwiegendsten Aussagen kaum bewegt wiird von der sanften Stimme und der auffallend undeutlichen Sprache. Und das Gesicht überdies verborgen hinter Brille und Zigarrenqualm.
Was Müllers Umgang mit Frauen betrifft, steht er in einer bedenklichen Tradition: goetherilkebrecht – … Castorp sagt, dass Müller in der Diktatur gut leben konnte, weil er auf der Bühne ja auch ein Diktator gewesen sei. Hitchcock und Fassbinder stehen hinterm Vorhang und lächeln wissend. Und ich bin kein berühmter Künstler. Nicht weil ich vielleicht Probleme hätte, mich in einer Gruppe zu präsentieren. Keinesfalls, aber ich schätze die Fähigkeiten anderer Menschen wahrschenlich zu sehr und zudem ist meine Eitelkeit mangelhaft.
Angesichts der Flimdokumentation leuchtet für mich einmal mehr die Erkenntnis auf, dass bedeutende Künstler in aller Regel sozial die grössten Egomanen sind (Arschlöcher wäre zwar der treffendere Ausdruck, aber das sagt man ja nicht) – – Originalton Müller bei Minute 43:15 vor laufender Kamera: „Mit Diktaturen kann ich umgehen. Demokratie langweilt mich.“ Was geht im Kopf eines Menschen tatsächlich vor, dessen Werkzeug das Wort und dessen Material die Sprache ist?
Für welche Menschen schrieb dieser Mann eigentlich (ausser für sich); für seine Mitmenschen etwa in der Deutschen Diktatorischen Republik (Ost)? Er, der die Welt bereisen konnte, Verleger im Westen hatte und Uraufführungen weltweit. Der seine feinen Zigarren und modischen Brillen jederzeit und mühelos in Valuta zahlen konnte.
Bei Minute 43:54 spricht er die Wahrheit gelassen zigarrenbalancierend aus: „die erste moralische Verpflichtung ist die meiner Arbeit gegenüber.“ Soviel zu viel besprochenen Solidarität.  

In vielem hatte Heiner Müller Recht mit seinen Prognosen hinsichtlich des Untergangaufkaufs der DDR durch die (wenn auch durch Pump) finanzstärkere BRD. Menschen sind unter die Räder und in zersetzende Getriebe gekommen bei diesem in Hinterzimmern ausgeklüngeltem Geschäft, viele Menschen, zu viele.
Meinen Tribut zolle ich Müller dadurch, dass ich mir die Hamletmaschine anhöre in der Fassung der Einstürzenden Neubauten.
„Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und sprach mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa … „
Vor uns sehen wir keinesfalls blühende Landschaften. Die Hoffnungslosen, die, denen man es tagtäglich zeigt in tagtäglich primitiveren Ablenkungssendungen der Privatkanäle auf welcher brüchigen Sprosse der buntgelogenen Leistungsleiter ewigen Wachstums sie stehen. Die bereits Aussortierten gehen wieder in Horden auf die Strasse. Die haben ihre Feinde gefunden und sowieso nichts mehr zu verlieren. Die, denen gegenüber der Kleinbürger sich noch als besser dastehend dünkt, ausgestattet mit tieferem Durchblick und dem günstig gekauften Kraftfahrzeug. Kleinbürger, die sich die Angst wegatmen in der Hoffnung, ihre Arbeitskraft gerade noch so lange verkaufen zu dürfen bis die letzten Raten der Immoblie abgestottert sind.
Und spätestens in einigen Jahren, wenns dann drauf ankommt, fünf Minuten vor Zwölf, welche Farbe werden sie wohl bekennen?
Als es ganz eng geworden ist, beim letzten Mal in diesem Land, entschied sich die breite Masse für ein ekelhaftes Kotbraun mit allen Konsequenzen.
Ich habe, so fällt mir auf, nie zuvor ein Stück von Heiner Müller auf der Bühne gesehen. Jetzt ist es zu spät dafür, auch für Goethe ist es zu spät, für Brecht… von denen jedoch sah ich Stücke. Heiner Müller stört das bedenklich in seiner Eitelkeit und er rächt sich an mir, indem ich jetzt gerne eine Zigarre rauchen möchte.
Und wenn das Herz springen sollte, möge es dabei doch leuchten, bitte sehr.

Herzsprung.

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Tagauf Tagab

Sommer und Herbst scheinen sich zu vermählen. Blauhimmel und sieben Sonnenschwestern im Verein mit vorsichtig sich färbenden Blättern. Es ist zu prächtig. Von Bear Family Records, der grandiosen Plattenfirma ist eine famose Box im Briefkasten gelandet. Fünfzehn Scheiben klingende Musikgeschichte, die einen eigenen Beitrag verdient hätte. Verschiedene Musikalartisten: Street Corner Symphonies. The Complete Story of Doo Wop 1939 – 1963…

Der frühmorgendliche Blick vom Winzballkönchen der Dunkelkammer. Nebelverhangen kündigt sich der Herbst an. Aber durch den Dunst kann man die Schönheit des erwachenden Tages bereits erahnen. Links hinter der schwarzgoldenen Silhouette der Bergkette steigt die Sonne über die albanischen Gipfel. Rechts verzieht sich die blasse Gelbglatze des vollen Mondes hinter dem Rumlja Gebirge in die Adria abwärts.
Die Stadt ist noch still um halb sieben Uhr morgens. Ich rette mir meine Gesundheit auf dem Zebrastreifen durch einen kühnen Sprung zur Seite. Der Fahrer hat wichtigeres zu erledigen mit seiner elektronischen Handfessel als auf Fussgänger zu achten. Zum Frühstück auf gut gebuttertem, knusprig frischem Brot besteht die frische gekochte Schwarzwälderkirschkonfitüre ihre Geschmacksprobe.
Ich kann die ewigen Plastiktüten auf dem Schwarzen Berg nur mehr schlecht ab. Selbst kleinste Einkäufe werden es in einer Plastiktüte über die Theke gereicht. Mein ständig wiederholter Satz, ich brauche keine Tüte, ruft regelmässig Unverständnis hervor.
Volker Pispers ist mein liebster Kabarettist. Sein 2014er Programm geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Ich kann von Jahr zu Jahr weniger über seine Darbietung lachen. Der Mann ist einfach zu gut. Der trifft den Nerv so exakt, dass mir zunehmend das Lachen im Hals stecken bleibt.
Auf dem Weg zum Markt zweimal gerade noch Fussgängern ausweichen. Manche Menschen scheinen aus schierer Dumpfheit auf ihrem Trampeltrott zu bestehen. Wem ist damit geholfen. Nein, vielen Dank, ich habe schon eine Tüte. Unverständnis wie gehabt. Die Frau mit den Kartoffeln will sich garnicht einkriegen vor Lachen, sie kanns nicht glauben. Ein neues Erlebnis. Im Obergeschoss des Marktes will ich noch rasch sehen, ob es passende Sportschuhe gibt. Es gibt Modelle in grellleuchtenden Farben, Markentreter, die aussehen wie Kopien.
Dabei gibt es inzwischen doch gar keine Markenkopien mehr. Klar, wer für die dazu erklärten Originale ein Vielfaches zahlen möchte, der darf das gerne tun. Für die Hersteller ist es wichtig an den Märkten präsent zu sein. Was zählt dabei Original oder Kopie. Hauptsache marktpräsent sein.
Regale mit UrbanCityCasualTretern, aber keine passenden Schuhe für den schnellen Lauf. Bequem muss die Bekleidung sein, dann spürt man die sozialen Fesseln weniger.
Und die Menschen bezahlen in den Boutiquen viel Geld für zerrissene Hosen. So weit sind wir bereits mit den Vorübungen zur neuen Armut. Die Kinder dieser Leute werden so schon auf den zukünftigen Anblick des zerlumpten Mittelschichtsproletariats trainiert. Konsumhamsterchen bleib´ in deinem Rädchen.
Die neuesten Massnahmen zur Belebung des Arbeitsmarktes werden positiv aufgenommen. Wahrscheinlich von den Arbeitsplatzbesitzern, die nun noch weniger für den Rohstoff Arbeitskraft bezahlen müssen. Und die Entsorgung verbrauchter Arbeitskräfte ist weiter erleichtert worden, die bezahlen sowieso die Anderen. Damit lästige Fragen dazu unterbleiben, schnell noch die Nachricht vom Ebolahund nachreichen. Weil das doch so wichtig ist. Hundeliebhaber starten umgehend eine Protestaktion im Internet. Wen interessiert da noch die Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Dann doch lieber einmal die BILD-Dung: der Glücksatlas zeigt, wo Deutschlands glücklichste Menschen wohnen. Jetzt braucht mir bloss noch einer zu sagen, dass die Renten sicher seien.
Ich gehe noch eine Standreihe weiter dorthin, wo es die frischeste Petersilie gibt. Als ich die Markthalle verlasse ruft mir Kartoffelfrau winkend entgegen: Keine Tüte! Das herzhaft schallende Lachen aus dem zahnlosen Mund rettet mir den Tag.

(Foto anklicken – hilft beim Aufwachen)

Mittwochs tagsüber

Das Erscheinen seiner neuen CD erlebte er nicht mehr. Er starb am 16. Juli 2014 in einem Hotelzimmer in Zürich.
Johnny Winter – Step Back (2014). Wenn der Tod nahe ist, wendet man sich am besten dem Leben zu…

Draussen der wolkenlöchrig graue Himmel. Leichter warmer Nieselregen. Vorn an der Strasse stehen die Prüflinge. Tuscheln, rauchen, wuseln aufgeregt. Der prakische Teil der Führerscheinprüfung wird abgefahren in alten Personenkraftwagen der Marke Zastava (Застава аутомобили АД). Vorwiegend in Zastavas des Typs Yugo Skala. Gestern Abend die intensivere Auseinandersetzung mit Photographien von Josef Heinrich Darchinger. Wirtschaftswunder. Die Zeit zwischen 1950 und 1965.
Alte längst vergessene Automarken. Manche davon fuhr ich selbst. Borgward Isabella TS deluxe. Oder den 170er Mercedes. Vorbesitzerin war eine Forschungsgesellschaft. Baujahr 1952, fünfhundert deutsche Mark (West) waren auch für einen Oberstufenschüler erschwinglich. Damals.
Aufschlussreicher und erinnerungsmächtiger sind in Darchingers Buch „Wirtschaftswunder“ jedoch die Menschen in ihren jeweiligen Zusammenhängen. Am Arbeitsplatz, in der Familie, am Urlaubsort und vor allem im öffentlichen Raum. Kinder. Die Buben mit ihren Tretrollern. Diese schmutzigen kleinen Kerle bei ihren Spielen. Am alten Bahnhof oder am Ortsrand. Rotznasen und Löcher in der Hose. Bemerkenswert das Verhältnis von Mädchen und Buben. Bis hin zu meiner Kindheit müssen sie die Mädchen zurechtgestutzt haben. Wir haben fein gendergetrennt gespielt.
Im exquisiten Blog der geschätzten Frau Wildgans erregt der Titel eines Buches meine Neugier. Andreas Altmann berichtet darin von seiner Kindheit und Jugend in jener Zeit. Man redete noch vom Wirtschaftswunder als die erste Rezession bereits durchs Land zog. Sowohl auf den Fotografien in Darchingers Buch wie auch in meiner Erinnerung gibt es neben wenigen Nachkriegsgewinnern die vielen kleinbürgerlichen Traumtänzer. Der eigene Käfer. Urlaub in Italien. Das kleine Häuschen am Stadtrand. Geschniegelte und gestriegelte Kinder. Verbogene Kinder. Verwünscht durch abartige Weisheiten bis an ihr Lebensende. Altmann beschreibt seine Kinderwelt sehr emotional. Ich habe nicht wenige der geschilderten Situationen so oder so ähnlich auch selbst erlebt. Zum aufschreiben zu spät, die Marktlücke ist durch Altmanns Buch gefüllt.
Die Nachbarin ist eine starke Raucherin und fragt mich schon wieder, ob ich keine Gewichtsprobleme hätte, nicht nervös sei. Ich bin immer dann nervös, wenn mein Ich leidet. Das sage ich ihr nicht, das weiss ich für mich. Da hielt einer mal einen erhellenden Vortrag über den Zusammenhang von Nervosität und Ichheit. Auch in der Ohnmacht liegt eine Macht. Das sieht man schon am Wort.
In der deutschen Sprache gibts da interessante Buchstabenkompositionen. In der Pflicht ist das Licht und darin das ich. Wahrscheinlich braucht man derlei Wortseelenkonstrukte um Stalingrad überhaupt auszuhalten.
Ich habe ein Pfund Käse für eine Woche kalkuliert. Eine Bekannte lädt mich ein zu ihrem Apfelbaum. Sie heisst nicht Eva. Ich sammle ungefähr zwölf Kilogramm Äpfel in meine Plastiktüte. Fotografen haben immer eine Plastiktüte dabei. Wurmstichiges Fallobst. Grosszügig geschält und ausgeschnitten ergibt das etwa fünf Kilogramm Apfelmus. Zu einer kleinen Schüssel Apfelmus ein Stück Edamer pro Mahlzeit. Und Wasser. Viel Wasser.
Wasser ist wichtig. In der Quarta in Latein gelernt und nie wieder vergessen: medicus curat aqua sanat. Später folgte daraus das Wissen, dass Ärzte an gesunden Menschen kein Interesse haben können, fast so wenig wie die Pharmaindustrie.
Am schönsten dabei finde ich das Gefühl der Macht. Zu bestimmen. Früher habe ich öfter schon spontan mit dem Rauchen aufgehört. Einfach so, morgens nach dem Frühstück. Für zwei oder drei Jahre. Und dann, weil ich gerne rauche, genauso spontan wieder damit angefangen. Vor einigen Jahren gelang mir das nicht mehr. Ich war nicht mehr der Bestimmer. Ich Licht Pflicht. Die falschen Verpflichtungen.
Die Zichten übernahmen das Regiment. Sie verpflichteten mich zur Unaufmerksamkeit gegenüber mir selbst. Das berühmteste Raucherkapitel der Weltliteratur muss ich deswegen nicht lesen. Ausserdem hat Italo Svevo bessere Sachen geschrieben. Mitnichten Zichten. Zumindest in der nächsten Zeit.
Was ich allerdings auffällig finde an dem Erinnerungsbuch von Altmann, dass er seine erste Fernsehserie gesehen haben will, in einem Jahr, da diese noch garnicht ausgestrahlt worden ist. Misstraue nicht nur der Idylle misstraue noch mehr deiner Erinnerung. Der dir gegenübersass vor zehn Jahren in jener Küche, er wird die Einrichtung anders erinnern als du. Von den feineren Steinchen im Erinnerungsmosaik ganz abgesehen.
Die krummschiefen Bäume im Park gegenüber sehen merkwürdig aus im fahlen Nachmittagslicht. Die Kraftfahrzeuge der Fahrschule stehen auf dem Parkplatz gegenüber. Bolid. steht auf den Schildern auf dem Dach. Wer denkt sich die Namen für die Fahrschulen aus auf dem Schwarzen Berg. Gallseife brauche ich. Das muss ich noch auf der Mitbringliste notieren.

Wirrwochenbeginn…

Bei der allgegenwärtigen akustischen Ablenkungssülze ist es tröstlich, dass es noch immer politisch relevante Texte gibt: Van der Graaf Generator – Every bloody Emperor (2005). Den Text kann man hier lesen, und die Musik hier hören

Ich stehe am Fenster. Draussen regnet es in Strömen. Ich stehe und schaue aus dem Fenster. Meine Gedanken ziehen und die Gebäude, der Park gegenüber und die schweren schwarzen Wolken verlieren an Kontur. Die Fliegengitter vor den Fenstern könnte ich demnächst wieder hochziehen für die Wintermonate. Überhaupt Vorbereitungen. Bembeltown steht an. Was muss ich mitnehmen und was wird hier gebraucht und muss entsprechend besorgt werden in Deutschland.
In diese Vorbereitungsgedanken mischen sich die Informationen des Tages. Das Nachrichtengewirr wird zunehmend abstruser. Bei dem Privatprimitivsender wird eine neue Dating-Show gesendet. Adam sucht Eva. Im Paradies. Nackt. Versteht sich, dass die Aspiranten nur von hinten gezeigt werden. Was passiert in den Köpfen von Zuschauern, die sich derlei Irrsinn aussetzen. Fast beruhigend ist da die Mitteilung, dass Wellensittiche beim Raclette unweigerlich in Lebensgefahr schweben.
Wie die Gedanken schweben. Vor mir steht die Frage, wie es denn sein kann, dass wir von einer Gruppe hochbrutaler Religionsfaschisten hören, die innerhalb kürzester Zeit den Irak destabilisieren kann, in Syrien in den Bürgerkrieg eingreift und dabei Flughäfen einnimmt und tausende Menschen in ihre Gewalt bringt und ein grausiges Morden veranstaltet. Woher kommen diese Radikalwirrköpfe und wieso haben wir vorher nie von ihnen gehört? Woher kommt das militärische Material und wer hat diese Leuten zum systematischen Mord ausgebildet?
Die Idee vom mohammedanischen Kreuzzug vertrete ich anhand der weltweiten Geschehnisse schon seit einiger Zeit. Dass sich neuerdings der unansehnlich übergewichtige Vorsprecher einer ehemals sozialen Partei mehr Mohammedaner in der deutschen Verwaltung vorstellen will wundert mich angesichts des Niveaus von Dating-Shows bei RTL nicht sonderlich.
Ich denke an grossangelegte Aktionen; ob ich Mitstreiter suche für die Forderung nach der Einstellung von christlichen Müllmännern in deutschen Kommunen oder für buddhistische Hausmeister in deutschen Grundschulen und Hällenbädern.

Ich erinnere mich an die alte Bauernweisheit: jedes Kind kostet der Mutter einen Zahn. Und seit kurzem ist das alles auch wissenschaftlich untermauert. Wieder einmal. Frauen haben schlechtere Zähne als Männer. Interessant dabei ist jedoch, dass Frauen viel öfter zum Zahnarzt gehen. Vielleicht liegts gerade daran, denn an gesunden Zähnen verhungert der Dentist. Vielleicht werdend deshalb auch zunehmend Implantate verkauft. Die teuerste Lösung ist allemal die Beste.
Der Regen lässt nach. Ich könnte trotz all dieser Nachrichten gut was essen. Am 1. Oktober ist der internationale Vegetariertag. Fragt noch jemand nach dem Sinn all dieser Tage. Wann ist der Weltauspufftag? Vegetariertag. Verzichten Vegetarier an diesem speziellen Tag auch auf Shampoos, Rasierwässer, Kosmetika und Weichspüler, die Tieren in die Augen geschüttet und unter die Haut injiziert werden, um die Wirkung dieser Chemikalien auf Menschen zu untersuchen.
Man hat der Kirche ihre Tage genommen. Wer kennt heute noch die Namenstage der Heiligen. Ersetzt sind sie im öffentlichen Bewusstsein durch konsumfähige Tage. Die Münzen müssen klingen für das Wohlbefinden, die Scheine müssen rascheln für das Wachstum. Räder müssen rollen für den Endsieg.
Wann beginnt eigentlich der Krieg. Wie haben die Menschen früherer Zeiten Kriegsbeginne wahrgenommen. Mit dem Einzugsbescheid der Männer. Durch vorherige Propaganda. Durch die Kriegserklärung in der Tageszeitung oder die Rückschussmeldung am 2. September 1939 im Radio. Die Vorbereitungen zu einem möglichen 3. Weltkrieg laufen zumindest verbal und medial ja bereits mit höherer Drehzahl. Kann ich den Beginn des nächsten Krieges in Europa bemerken. Und wenn, was würde ich tun…
Und da stellt sich der höchste Bundesgaukler in Danzig auf die Westerplatte und spricht: „Wie irrig der Glaube, die Wahrung von Stabilität und Frieden habe endgültig Vorrang gewonnen gegenüber Machtstreben. Und so war es ein Schock, als wir mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass am Rande von Europa wieder eine kriegerische Auseinandersetzung geführt wird. Eine kriegerische Auseinandersetzung um neue Grenzen und um eine neue Ordnung. Ja, es ist eine Tatsache: Stabilität und Frieden auf unserem Kontinent sind wieder in Gefahr. Nach dem Fall der Mauer hatten die Europäische Union, die Nato und die Gruppe der großen Industrienationen jeweils besondere Beziehungen zu Russland entwickelt und das Land auf verschiedene Weise integriert. Diese Partnerschaft ist von Russland de facto aufgekündigt worden. Wir wünschen uns auch in Zukunft Partnerschaft und gute Nachbarschaft. Aber die Grundlage muss eine Änderung der russischen Politik und eine Rückkehr zur Achtung der Prinzipien des Völkerrechts sein. […] Auch die Europäische Union muss angesichts der neuen Herausforderungen zusammenstehen. Nur gemeinsam können wir das demokratische und friedliche Europa der Zukunft bauen. Und nur gemeinsam können wir es verteidigen.“ (zitiert nach dem vom Bundespräsidialamt vorab veröffentlichten Text der Rede). Ob dem Mann der Unterschied zwischen Integration und Inklusion schon eiinmal in den Sinn gekommen ist.
Mir fällt dazu der Kosovo ein, da wurde ein ehemals jugoslawisches Gebiet von der sogenannten internationalen (westlichen) Gemeinschaft quasi annektiert und das bis heute. Worin besteht denn der Unterschied, der zu Vorwürfen gegen die russische Politik legitimiert. Dass Bosnien ebenfalls noch immer (westlich!) international kontrolliert und regiert wird ist vergessen. In Sarajevo erfahre ich letzthin, dass diesem Kontrollgremium ausgerechnet ein Österreicher vorsitzen soll.
In welchem Deppenzirkus leben wir mittlerweile?

Religionsgedankenstrand

Wenn ältere Männer sentimental werden, holen sie meist irgendeinen treubehaltenen Gegenstand aus der Vitrine, betrachten ihn gerührt und lassen die Finger liebevoll über Oberflächen gleiten. Ich habe keine Vitrine und komme auch ohne Sentimentalitäten in meine Vergangenheiten. Zum Beispiel mit alten Samplern (mehr dazu am Ende des Beitrages)…

Weil London zur Zeit ein oft zu besprechendes Thema in der Dunkelkammer ist, kommt der Morgenspaziergang mit Herrn Zeilentiger gerade Recht. Da ich ihn beim Frühstück in der Marchmont Street verfehle, nehme ich den frisch überbrühten Lady Grey gleich neben meinem Notenbook. Eine duftende Begleitung zu den Frühnachrichten.
In England verstarb neunzigjährig Richard Attenborough (CBE). Mir unvergessen im „Flug des Phönix„. Ein Herzinfarkt beendete nach erst zweiundsechzig Jahren in Berlin das umtriebige Leben des merkwürdigen Herrn Klaus E.H. Zapf.
Seit heute Morgen beunruhigen mich die weltweit gewalttätigen Auftritte menschenverachtender Mohammedaner nicht mehr. Eigentlich wusste ich das irgendwo im Hinterstübchen schon länger. Das Bekehrungsgelaber und Missionsgeseier in deutschen Fussgängerzonen und auf Marktplätzen haben mich wach gemacht.
Bekannt aus dem Schulunterricht ist die Zeit zwischen 1095 und 1291 als die Zeit der fünf sogenannten Kreuzzüge. Imperialistische Machtausdehung und die Eroberung von Wirtschafträumen. Unter dem Deckmantel der Religion. Dieser Verlogenheit wegen hat der Teufel den Priestern, Predigern und Mullahs den langen Mantel als Berufskleid bis heute nicht abgenommen. Das hat man uns im Religionsunterricht nicht gesagt.
Bekannt ist aber, dass Mohammed um 600 herum gelebt hat. Der Koran wurde erst zwanzig Jahre nach seinem Tod verschriftlicht. Knapp hundert Jahre nach Mohammeds Tod standen seine Nachfolger bei Tour und Poitiers, also mitten im schönsten Frankreich.
Wir haben diesen Invasoren viel zu verdanken. Ohne Kuppelgewölbe und Fensterbögen gäbe es bis heute keine romanischen Kirchen zu bestaunen. Und die kleinbürgerlichen Bildungsideale mit Platon, Aristotels und Thales Dingenskirchen wurden aus dem arabischen ins lateinische zurück übersetzt und so uns Nachkommenden überliefert und überhaupt erhalten. (Auch Christen hatten Feuer und Schwert gegen die helle antike Gedankenwelt).
Ibn Sina (lat. Avicenna) schrieb um 1020 das Qānūn at-Tibb, das Buch der Medizin. Um 1450 ins lateinische übersetzt, blieb dieses Buch bis weit ins 17. Jahrhundert das Standardwerk für das Medizinstudium an europäischen Universitäten. Und die Dichter. Mein Leben wäre unpoetischer ohne die Gedichte von Omar Chajjam oder Abul Ala Al-Ma´arri. Gedichte von grosser Bildmacht sprachlicher Schönheit.
Vor mehr als tausend Jahren begann eine Expansion, für deren konstruktive Beiträge sich europäische Menschen bis heute dankbar sein können.
Heute hingegen scheinen fanatische Wirrköpfe im Namen Mohammeds auch endlich ihre Kreuzzüge nachholen zu wollen. Inhaltlich ebenso verquer zusammengedengelt und hinterhältig verlogen wie die christlichen Kreuzzüge. Mit moderneren Mitteln allerdings durchgeführt. Unterhosenbomben und Büstenhalterdynamit gabs vor tausend Jahren noch nicht.
Und wie bei den christlichen Kreuzzügen werden sowohl Andersgläubige als auch vernunftliebende Nichtgläubige verfolgt, gefoltert, geschändet und ermordet. Und der unbedeutende Horst Niemand wird zum mächtigen Befehlsausführer, der jetzt endlich auch einmal etwas befehlen darf. (Den obigen Namen darf man beliebig gegen andere austauschen).
Wir denkenden und fühlenden Menschen können uns über die unmenschlichen Gräueltaten entsetzen, ändern werden wir das irrsinnige Unwesen nicht. Kreuzzüge halt, die Mordbuben haben Freigang. Es wird vorübergehen und zu einer Fussnote der Geschichte werden in einigen hundert Jahren. Schade um die Menschenleben und Kulturgüter, die durch solches Gesindel zu Schaden kommen.

Freunde gebt keinen Pfennig
für alte Dogmen!

Die Leute begehen ungeheure Verbrechen,
denn sie haben gelernt,
dass nur kleine Vergehen
in der Hölle gesühnt werden.

Abul Ala Al-Ma´arri (*973 – †1057)

…Ich lag am Strand und schaute in den Himmel. Die Baumkronen auf dem Hang über mir scharf im Blick. Mir entging dabei der Wolkenzug. Meine Gedanken verwirrten sich einem Erinenrungsgestrüpp. Eigentlich wollte ich dir meine Erinnerungen mitteilen. Dir einige Fotos von den Kirchen im Landkreis zeigen. Jetzt wurde ein ganz anderer Bericht daraus. Einen anderen Sampler will ich mir jetzt anhören.

   (Foto anklicken und mitdenken)

Sampler. Für ein knappes Jahrzehnt von etwa Ende der 1960er Jahre an brachten die bekannten Schallplattenfirmen mehr oder weniger regelmässig Sampler auf den Markt. Ein Stück von jedem Musiker oder einer Band, die bei dem jeweiligen Label unter Vertrag waren. Ein guter Einstieg und vor allem enorm preisgünstig. In meiner aktiven WG-Zeit war das Geschäft für die Industrie wohl schon unrentabel geworden. Dennoch hatte jeder durch Kauf oder von älteren Geschwistern einige Sampler im schmalen Schallplattenregälchen. Und durch regen Austausch kam für den durchschnittlichen Keinstadtbuben, die Brust so mager wie das Taschengeld, eine schöne Bandbreite musikalischen Repertoires zusammen. Ich habe etliche der damaligen Pretiosen digitalisiert und von Zeit zu Zeit spiele ich sie ab. Ich brauche dazu keine Sentimentalität. Meine heutige Playliste: That´s Underground (CBS 1968), The World of Hits Vol.2 (Decca 1969), Underground ´70 (CBS 1970), Pot-End (Polydor 1970), Nice enough to eat (Island 1970), Off II Hallucinations (Metronome 1969). Sollten Besucher, Leser oder Gugger Sampler der Labels Vertigo, Harvest oder Charisma in digitalisierter Form haben, bitte ich um schnellste Nachricht…

Silbenwortsatzlos

Kraftvolle Ohrenerleuchtung vom Kalvarienberg: Bézéd´h – Les Illuminés (2007)…

Ein Mann ersteigert Teile des Eigentums eines anderen Menschen. Bei einer Ramschauktion. Sichtet die Artefakte und setzt sich damit auseinander, staunt, wundert sich.Macht sich auf die Suche nach der Frau, die ihm unauffindbar bleibt trotz aller neuen technischen Möglichkeiten. Ist fasziniert, von dem, was er gefunden hat. Sucht und kauft von anderen Erwerbern bei jener Versteigerung hinzu. Beginnt anzusammeln. Das Geheimnis wird grösser. Zieht ihn in seinen Bann. Als er die Person identifiziert, anhand der Gegenstände ihren Aufenthaltsort ausfindig macht, stösst er auf die Nachricht ihres Todes. Eine kleine Zeitverschiebung bloss, das endgültige Zu spät!

Wie gehen wir um mit den Fragen, die nicht mehr beantwortet werden, wie gehen wir um mit dem Willen eines Verstorbenen. Stirbt der Wille mit dem Körper? Es scheint, dass häufig der Respekt vor einem Menschen mit seinem Ableben zu Grabe getragen wird.
                                                 (Foto anklicken um die nicht gegebene Antwort besser zu verstehen)
Mathildenöhe Darmstadt, (c) 2009