Genussfülle und Küchenreduktion

Nächtens versunken in der Abteilung Kompilationen des Ärmelschen Musikalarchivs. Unglaublich, was sich in den Jahren so alles ansammelt. Diese merkwürdige Trouvaille beispielsweise: Deutscher Demokratischer Beat, eine Versammlung von vier CDs mit nie zuvor gehörten Namen von Bands und Solisten aus der DDR…

Schnee fällt in den letzten Maitagen auf den Rhein nieder. Ich sitze am Ufer und denke an Menschen, mit denen ich hier schon in früheren Zeiten zusammengesessen habe. Das Schmalzbrot ist eine Sünde wert, der Kochkäse ohnehin und der Apfelwein (wegen der Hitze sauergespritzt) die reine Labsal.
Wenn man dem Fliessen eines Gewässers nachspürt und nichts weiter im Sinn hat als die leiblichen Genüsse, lockert das den zähen Fluss der Erinnerungen.

Damals, lange vor den Erkenntnissen und Freuden der Fülle durch Reduktion. Damals, als man in den neu entstehenden Supermärkten noch die aufgeklebten Preisschildchen auf den kostspieligen Weinen… das ist lange her. Damals, als in der frühreifen Lebenserfahrungssuppe Ästhetik, Aisthesis und Kallistik ein trübes, ja ein geradezu unverdauliches Lebenselixir ergeben hatten.
Ich erinnere mich nicht mehr, wie alles oder wer damit anfing, aber irgendwann stand eine Handkelter für Apfelwein auf dem Balkon der WG. Weine aus Früchten und hausgekochte Marmeladen, damit begann es wohl. Und Gorengs, weil man da grobgehackt ziemlich unterschiedliche Ingredienzen einfach einrühren konnte. Die unschuldigen Anfänge der Kochkunst.

Im Ärmelelternhaus stand „der Pellaprat“. Dabei handelt es sich um das damalige Standardwerk von Henri-Paul Pellaprat, „Der Grosse Pellaprat. Die moderne französische und internationale Kochkunst (L´art culinaire moderne). Dieses Werk war mir jedoch zu voluminös und die Fotos der Gerichte liessen auf eine komplizierte Herstellung der Speisen schliessen. Nichts für die leicht chaotische Küche einer WG also.
Dann lagen nur kurze Zeit später auf dem Grabbeltisch eines Buchladens zwei Werke genau richtig. Paul Bocuse, Die neue Küche (La cuisine du marché) und Gaston Lenôtre, Das grosse Buch der Patisserie (Faites votre pátisserie, glaces et confiserie). Abwaschbare Einbände und knappe Texte. Die Falle schnappte zu.
Da wir seinerzeit einem gewissen, jugendlich überheblichen, Anspruch huldigten, wollten wir nicht nur Gourmets sein sondern untereinander auch als Gourmands gelten. Folglich wurde von da ab die laute Musik leiser gedreht und das Wissen an Werken wie beispielsweise Eugen van Vaersts Gastrosophie oder von den Freuden der Tafel geschult und daneben Warenkunden eingeübt.

Das Kochen und Backen nahm manchmal skurile Formen. Um es kurz zu machen. Mit den immer aufwändigeren Zubereitungen und ausgefeilteren Menus wuchs im gleichen Masse auch der Wettbewerb untereinander. Wir waren nun mal keine ausgebildeten Köche, sondern eher eingebildete Zubereiter. Trotz der häufig gut gelungenen Tafelfreuden. Aber das Ganze nahm eine denkwürdige Entwicklung. Mein persönliches Beispiel ist der Hase.

Herr Ärmel senior gehörte hobbymässig der grössten deutschen Privatarmee an. Und er huldigte darin der planmässigen Herstellung eines Ungleichgewichtes in der belebten Natur, sprich, er war Jäger. Ich würde heute sein verdutztes Gesicht zu gerne nochmals sehen als ich, der ich in jenen Jahren den Genuss von Wild schon aus familienpolitischen Gründen kategorisch ablehnte, eines Tages um einen Hasen bat. Die Bitte ward umgehend gewährt unter der Bedingung, dass ich den Hasen eigenhändig zum Kochen vorbereiten würde. Das war kein Problem für mich, Fische hatte ich zuvor schon etliche ausgenommen.

Den Hasen brauchte ich für den Lièvre à la royale du sénateur Couteaux (Der Hase auf königliche Art des Senators Couteaux), ein Rezept, das Paul Bocuse angeblich wiederentdeckt hatte. Das Rezept misslang mir. Der extrem zarte Hase wird über einem länglichen Topf aufgebahrt, in dem sich die schmackhafte Sauce befindet. Und das Fleisch wird abgelöffelt. Aber nach dem dritten zerfallenen Hasen witterte Herr Ärmel senior eine Hinterlist meinerseits und versagte weitere Hasen.
Dieses Rezept bewirkte bei mir eine andere Sichtweise. Die sollte sich aber erst mit den Jahren im Bewusstsein konkret bemerkbar machen…

„Wenn man bei der Herstellung eines Gerichtes nichts mehr weglassen kann. Wenn es perfekt mundet und man jede Ingredienz noch schmecken kann, dann ist der Sinn erfüllt.“ Diese beiden genialen Sätze stammen von Herrn G. Herzlichen Dank dafür Herr G.

Damit ist für meinen heutigen Erkenntnisstand der tiefere Sinn der Kochkunst ebenso schlicht wie treffend beschrieben. Wenn ich in sehr alten Rezeptsammlungen lese, finde ich genau diese Einsicht bestätigt.
Genau das Gegenteil scheint mir heute der Fall. Verrückteste Kreationen und Zusammenstellungen; am langen Ende nur dazu erdacht, den Konsumwahn auch auf dem kulinarischen Gebiet immer weiter zu treiben.
M
an kann Speisen nach Belieben, ja bis zur schieren Unschmeckbarkeit mit Gewürzen oder Kräutern anreichern. Man kann aber auch seine eigene Geschmackswahrnehmung schärfen.
Mein Motto: Erffekthascherei und Modeströmungen strikt vermeiden. Keine Trockengewürzsammlungen, kein Alkohol in Marmeladen, Gelees und Konfitüren. Reduktion auf ein traditionell überliefertes Minimum. Das macht Freude bei der Zubereitung, trainiert das Geschmackserleben und spart obendrein Geld und Zeit.

Die Unmengen Pappelsamen, die durch die Flusslandschaft schweben, nennen Sie Pappelschnee. Eine schöne Metapher, finde ich.

(Fotografien im Vorübergehen aufgenommen. Anklicken, dann öffnet sich die Galerie)

 

Barjederwundersonderbar

Gefällt mir nach den ersten Probeanhörungen immer besser. Auch der Titel hält, was er verspricht: Long John and The Killer Blues Collective – Heavy Electric Blues (2017)…

Aus meiner Reduktionskladde.
„In Deutschland beeindruckt mich noch immer diese plötzlich auftauchende, imperial anmutende Grösse, angesichts derer man sich unwillkürlich der eigenen Kleinheit bewusst werden kann (und zeitweise auch sollte). Martialisch mächtige Bauwerke, um einige Meter zu breite Boulevards und Magistralen oder auch grobgklotzige historische Memoriale. Barbarossa, Hermann, Germania, Walhalla, Blücher. Und Bismarck, natürlich. Mannigfaltige Beeindruckungen durch Äusserlichkeiten. Funktioniert zuverlässig auch in den Nachbarschaften.“

„Es mag sein, dass es anfangs tatsächlich nicht vorrangig um Profit, Kontrolle und Überwachung ging. Aber was seinerzeit als sogenanntes soziales Netzwerk begonnen hatte, ist für viele Menschen längst zur unlösbaren Verstrickung verkommen“.

Wenn die feisten Frauen des Landkegelklubs auf ihrem Stadtausflug grölend die frauenverachtenden Sprüche an der Saufkneipe knipsen, will ich nicht nachstehen und den geschmackvoll einladenden Biergarten der Kneipe fotografieren. Richtig widerwärtig finde ich, dass dort gelegentlich DDR Parties veranstaltet werden. Was ist eine DDR-Party? Wenn das der Herr Edel wüsste: „Die grossen Geheimnisse entstehen dort, wo wir alles zu wissen glauben (Herr Edel / Heimat, 2-2, 1:36:10).“

„Um diese private Bar aus den 1960er Jahren fotografieren zu dürfen, war die Vorbedingung, die anheimelnde phosphoriszierende Beleuchtung wieder funktionsfähig zu machen. Die Bar war seinerzeit Mittelpunkt eines Freundeskreises. Als der Eigentümer aus verschiedenen Gründen mit den spätabendlichen Vergnügungen kürzer trat, geriet die Bar im Lauf der Jahrzehnte in einen Dämmerschlaf. Die Liköre zersetzten sich im Lauf der Zeit in ihre giftigschön grellleuchtenden Farben. Die Entsorgung vor einigen Jahren wäre eine eigene Geschichte wert. Was mir hingegen gut gefällt, sind die illustren alten Barutensilien, die meine Fantasie beflügeln.
Die meisten Menschen bereichern sich dadurch, dass sie anderen etwas wegnehmen. Nur wenige Menschen hingegen, bereichern sich dadurch, dass sie anderen Menschen etwas selbstlos geben.“

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein feines Maiwochenende.

(Die Bilder wurden im Vorübergehen fotografiert. Anklicken und gross gugge)

Gelbschwarzrote Küche der Armen

Für viele, später weltberühmte Musiker waren er und seine sich stetig verändernde Band das Sprungbrett auf die grossen Bühnen. Ich bin ihm dankbar dafür, dass er mein Interesse für den Blues geweckt hat. Auch im Alter von 83 Jahren ist nach wie vor präsent: John Mayall & The Bluesbreakers – Talk about that (2017)…

Gelb. Schwarz. Rot. Gelbe Umschläge, schwarze Schrift und in Rot der Name des Verlages. MÄRZ (Der Link führt zur informativen Webseite des Verlages). Der Verlag und sein Programm waren zwischen 1969 und ??? sind nicht weniger legendär als der Verleger Jörg Schröder.
Als junger Mann bekam ich in einem Antiquariat eher beiläufig die zahlreichen Rezensionsexemplare des Verlages für kleines Geld angeboten. Diese Bücher waren allesamt von einem seinerzeit bekannten Autoren dort verkauft worden.
Ein typischer linker Verlag mit der zeitgeistlich weiten Spanne von politischer Aufklärungsliteratur über die Werke junger Autoren bis hin zu pornografischen Werken. Im März Verlag erschienen einige Bücher Leonard Cohens erstmals in deutscher Sprache. Zeitgenössische amerkanische Autoren wurden dem deutschen Publikum präsentiert. So beispielsweise Carlos Castaneda, Ken Kesey oder Neil Postman. Aber auch junge deutsche Autoren wie Rolf Dieter Brinkmann, Peter O. Chotjewitz, Paulus Böhmer oder Hermann Peter Piwitt fanden hier vorübergehend eine verlegerische Heimat. Der Verlag bot daneben noch Nachdrucke verschiedener politischer Klassiker an. Meine umfangreiche Sammlung von Titeln des März Verlages steht längst in fremden Bücherregalen. Einer der ganz wenigen mir verbliebenen ist:
Couffignal, Huguette: Die Küche der Armen. Mit über 300 Rezepten. Aus dem Französischen von Monika Junker-John und Helmut Junker. Frankfurt, März bei Zweitausendeins. 1977. OLn. OU aus Pergamin, DEA, 4°, 384 S.

Kaum ein Fernsehsender kommt derzeit ohne Kochsendung aus. Die bringen ordentliche Einschaltquoten. Dass die wenigsten Zuseher die Gerichte später selbst kochen ist in entsprechenden Untersuchungen inzwischen gut dokumentiert. Kochbücher werden auch gern gekauft als Verlegenheitsgeschenke.
In diesen Zeiten rasanten Konsums ist Die Küche der Armen so etwas wie eine kulinarische Atempause in der alltäglichen  Völlerei. Dieses Buch bietet neben den zahlreichen Rezepten einen fundierten Einblick in die Esskultur des grossen, ärmeren Teils der Weltbevölkerung. Was aus dem Mangel heraus an Kreativität entfaltet wird, um sättigende Speisen zuzubereiten, ist erstaunlich. Freilich mögen manche Speisen für mitteleuropäische Vorstellungen reichlich exotisch sein. Auch sind etliche Zutaten hierzulande garnicht erhältlich. Viele Rezepte machen jedoch schon beim Lesen Lust, sie selbst auszuprobieren. Und das nicht bloss, weil man an vielen Rezepten erkennen kann, wie einfach, gesund und preisgünstig man kochen und sich ernähren kann.

Die Vorstellung dieses Buches ist der Auftakt für kommende Beiträge in diesem Blog. Es geht dabei um die Fülle in der Reduktion. Jeder weiss um den Zustand der Welt, fast jeder beklagt ihn. Aber viel zu wenige Menschen sind bereit, bei ihrem eigenen Verhalten zu beginnen. Für die herrschenden Verhältnisse sind wir alle verantwortlich durch unsere Einstellungen und besonders durch unser Konsumverhalten.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Woche.

 

 

Dekonstruktions-Rekonstruktionen

Weihnachtsmärkte und Jahresrückblicke landauf landab. Da scheinen sich reale und virtuelle Welt nahe zu kommen. In den musikalisch vielgescholtenen 1980er Jahren gab es trotz allem Bands mit trefflichen Texten zur bedrohlichen (Welt)Lage und dennoch leichter lebensfroher Musik: Fischer-Z – Red Skies over Paradise (1981)…

Was du ererbt von deinen Vätern… Dieser Ausriss eines Zitates von Johann Wolfgang von Goethe hing mir lange Zeit nach. Es verführt einerseits zu materiellen Betrachtungsweisen, andererseits hat Sigmund Freud damit einer Berufsgruppe, aus der mittlerweile auch eine vielverzweigte Industrie geworden ist, zu dauerhaftem Einkommen verholfen.
Ich habe mich früher etwas schwer getan mit diesem Zitat. Seit Jahren aber betrachte ich es von ideellen Seite und damit hat sich der Horizont erheblich erweitert. Verarbeite das, was du von deinen Vorfahren ererbt hast, indem du daraus lernst und deinen Horizont erweiterst. Und nicht, indem du jammerst und dich beschwerst. Ich weiss, wovon ich rede, denn ich kenne meine eigenen Jammereien und Beschwernisse. Ohne die lebt sich es viel fröhlicher und vor allem leichter. Worte und Begriffe als Wegweiser..
Seit drei Jahren habe ich nun versucht, diesen drei Tonnen schweren Tresor über ganz unterschiedliche Kanäle zu verkaufen oder zu verschenken. Ich kann die Mailwechsel und Telefonate nicht mehr zählen. Und dann, am Ende hats eben doch geklappt. Wie im richtigen Leben. Oder, mit Hermann Hesse zu reden, von allem was der Mensch begehrt, ist er immer nur durch Zeit getrennt.

Schwer gefallen sind mir seit je die Gänge über Weihnachtsmärkte. Den Ärmelkindern blieben sie folglich erspart. Und bis heute wurde mir gegenüber kein Vermissen zum Ausdruck gebracht.
Die Geschäftemacherei passt nicht in mein Bild von Weihnachten. Einen vorläufigen traurigen Höhepunkt erreicht mein diesjähriger Gang über einen Weihnachtsmarkt. Nicht ein einziger Stand hat etwas mit Weihnachten zu tun. Keine Bude mit Räuchermännchen oder Lebkuchen. Döner wurden zwar in Deutschland erfunden, aber auch der frühlingsgerollte Mr. Wok ändert nichts an meinem Unwohlsein. Den erbärmlichen Höhepunkt bildet die Krippenschänke. Ein Kleinlabyrinth für Trinker. Überm Portal die üblich falsche Krippenszene. Nazareth und Bethlehem; Könige und Hirten beieinander. Ein König sowie ein Hirte fehlen bei der Darstellung. Ob die sich derweil in der Krippenschänke die Kante geben, will ich angesichts des Gegröhles schon um 18:00 Uhr nicht mehr herausfinden.
Die Essundtrinkbuden sollen auch auf anderen Weihnachtsmärkten die weihnachtlich anmutenden Stände mehr und mehr verdrängen. Städte und Kommunen vergeben das Weihnachtsmanagement an Veranstaltungsfirmen. Die wollen Reibach machen und fordern entsprechend hohe Standgebühren. Heisser, billiger Fusel und schlechtes Essen lassen dabei die Kassen am hellsten klingen. Private oder gemeinnützige Hersteller von Artikeln, die noch an Weihnachten erinnern, haben da nichts mehr verloren. Und überhaupt Weihnachtsstimmung, hier gehts um Spass und ums Geschäft.
Wie naiv ich noch immer sein kann, erlebte ich angesichts der Spreu auf dem Boden. Ich dachte, die sei da, um keine kalten Füsse zu bekommen während man an einem Stand steht. Aber weit gefehlt. Die wird ausgetreut, um die weggeworfenen Essensreste und die verschütteten Getränke aufzunehmen. Von dem abendlich vielfach Erbrochenen ganz zu schweigen.

Das eingangs erwähnte Zitat lautet im Zusammenhang:

Du alt Geräte, das ich nicht gebraucht,
Du stehst nur hier, weil dich mein Vater brauchte.
[…]
Was du ererbt von deinen Vätern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last,
Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.
[Goethe: Faust. Eine Tragödie. in: Goethe-HA Bd. 3, S. 28-29)

                                         (Fotografien zum Text – anklicken vergrössert nur das Bild, nicht den Schrecken)

Alltagsanker für Herbstparadiesfahrten

Der Film B-Movie – Das wilde West Berlin der 80er Jahre (2015) ist sehr empfehlenswert und er verführte mich ins Ärmelsche Musikalarchiv: Klaus Schulze – Irrlicht (1972)…

„Guten Tag, mein Name ist B*** von der Firma ****, Ihrem Gaslieferanten. Sie wollen uns verlassen?“ Die Stimme am Telefon klang ungemein traurig. „Gaslieferant? Sie spekulieren auf Energiepreise und Kunden wie ich nehmen ihr Angebot an und spekulieren mit. Das ist doch ein faires Geschäft auf Gegenseitigkeit.“ Ich wechsle nicht monatlich, behalte jedoch die Energiepreise im Blick. Und das rentiert sich.

Auf eine Empfehlung hin besuche ich einen Blog. Auf der Startseite prangen die Trophäen der Wortpresse. Mir gefällt diese Form der Eitelkeit nicht, denn… Wo ist eigentlich mein Trophäenschrank. Nirgends zu finden. Wo mögen ihn die Programmierer wohl versteckt haben? Nach einer halben Stunde Klickerei ohne Ergebnis habe ich doch etwas gefunden. Meine eigene Eitelkeit nämlich. Wie leicht es scheinbar doch ist, mich dahin abzulenken.

Meine betagte Nachbarin steht mit ihrem Kraftfahrzeug quer auf der Strasse. Sie betrachtet sich sinnend den linken vorderen Kotflügel. Offensichtlich hatte sie die Entfernung zur Garageneinfahrt überschätzt. Die Stossstange sah bedenklich mitgenommen aus.
„Da haben Sie nochmal Glück gehabt, sagte ich, „alles noch dran, die ist zum Glück aus Plastik. Ich will Ihnen den Schaden gerne ein wenig wegpolieren, dann sieht das garnicht mehr so schlimm aus.“
„Plastik“, fragte sie zweifelnd, „ich dachte, die sei aus Blech. Seit dem letzten kleinen Rumms habe ich da immer wieder mal ein wenig Nivea drauf verrieben, damit sie nicht rostet.“

Derlei Alltagsgeschehen bringen mich zurück in die Gegenwart. Die kleine Rundreise im Burgund war sehr beeindruckend. Klöster, Museen und fast vergessene kleine Hotels unter einem betörend blauen Himmel. Die farbenprächtige Herbstlandschaft wurde zum Paradies. Zisterzienser, Gallier und das Zusammentreffen mit freundlichen Menschen wirken ebenso stark nach wie die kleinen Entdeckungen auf noch schmaleren Landstrassen, die sich dabei ergeben haben.
Hunderte von Fotografien warten nun auf ihre Entwicklung. Vorher werden jedoch im Ärmelhaus die Grobwerkzeuge weggepackt. Das meiste ist geschafft.

(Vorab einige Fotos: anklicken und wie gehabt gross gugge)

Zu tief ins Wasser geschaut

Bei Durchsicht der Archive taucht einer meiner Helden auf, die mich seit Jahrzehnten begleiten. Der hat eine neue Scheibe veröffentlicht. In dem von ihm gewohnten Stil. Er kanns halt. Nicht umsonst war und ist er Vorbild unzähliger junger Trommler. Ginger Baker – Why (2014)…

Ein neues Projekt steht an und das Wetter kommt herbstlich daher. Frau Waas lässt ihren Laden einfach geschlossen heute. Da schliesse ich mich gerne an und lege den Riegel vor die Dunkelkammer. An einem ganz normalen Wochentag runter an den Strand zu fahren, das macht Spass. Die kleine Kneipe ist bereits winterfest gemacht. Der Besitzer, der ja eigentlich ein bekannter Maler ist, wird in diesem Jahr sein Winterquartier erst später aufsuchen. Noch sind die Arbeiten an seinem Atelier über dem kleinen Strand noch nicht ganz beendet. Seine Frau begrüsst uns und bietet ihre Kockkunst an. Für später. Der Maler steht derweil unten im flachen Wasser und köpft einige Muränen.
Ich will mich einfach auf die warmen Kiesel legen, lesen und in der Sonne dösen. Deshalb habe ich heute auch bloss das Basisgeraffel (zit. Frau Wulf), also meine Taschenknipse dabei. Aber dann reissts mich doch und ich will gerne sehen, was sich damit an Wasserfotos aufnehmen lässt. Das werden jetzt aller Vorraussicht nach die letzten Wasserfotos sein vom Schwarzen Berg in diesem Jahr und hier auf dem Blog.
Am späten Nachmittag gab es ein delikates schwarzes Tintenfischrisotto auf der stillen Terrasse. Die Katzen leisten uns Gesellschaft in Erwartung schmackhafter Fischabfälle.

Die Fotografien sind in RAW aufgenommen und in Lightroom 5 entwickelt, d.h. Weissabgleich, Lichter, Tiefen und Kontrast wurden leicht angepasst. Farben wurden nicht verändert ebenso wurde kein Beschnitt und keine Schärfung vorgenommen.

(Foto anklicken und die Galerie öffnet sich)