11 Sekunden – und weiter gehts

Ob Komposition, Maltechnik, Referenz, Stilrichtung, Kontext oder Epoche – gugge und horsche: Peter Hammill – Over (1977)…

Vor genau zweihundert Jahren wurde das Testament des Frankfurter Bankiers  Johann Friedrich Städel eröffnet. Darin verfügte er die Gründung der Stiftung „Städelsches Kunstinstitut“, womit ein Museum und die Einrichtung einer Kunstschule gemeint war. Einmalig und vorausschauend in jener Zeit. Heute zählt das Städel zu den führenden Museen in Deutschland.
In den letzten Jahren hat man die hauseigene Sammlung digitalisiert und damit seit dem letzten Jahr jedem Interessierten zugänglich gemacht.

Die ursprüngliche Intention, den Menschen die Kunst zu vermitteln und näherzubringen wurde nun durch eine ebenso grossartige wie zeitgemässe Idee erweitert. Seit kurzem haben die Macher des Städel auf einer Internetseite einen Online Kurs zur Kunstgeschichte der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Warum entschliesst sich eine Museumsdirektion zu einem solchen Schritt? Man hatte offenbar herausgefunden, dass Museumsbesucher durchschnittlich nur 11 Sekunden vor einem Kunstwerk verweilen, bevor sie sich dem nächsten zuwenden. Das kann nicht Sinn und Ziel von Kunst sein, das Konsumieren im schnellen Vorbeigehen.

Der online Kurs verfolgt das Ziel, die Horizonte der Betrachter von Kunstwerken in Sachen Kunst und Kunstgeschichte zu erweitern. Der Kurs kostet nichts als das eigene Engagement und das Interesse, sich durch fünf Module zu arbeiten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Die Registrierung erfolgt mit der Angabe der eigenen Mailadresse, um jeweils dort weiterzumachen, wo man zuvor aufgehört hat. Und schon kann es losgehen.
Jedes Modul beinhaltet viele Kunstwerke, die man bis in kleinste Einzelheiten anschauen kann. Dazu gibt es Informationen zu den jeweiligen Künstlern. Zu den gesellschaftlichen Kontexten ebenso, wie zu Epochen und Stilrichtungen. Kurze Filme von wenigen Minuten, leicht zu verstehende Texte zur Theorie sowie zahlreiche weitere Informationen machen den Kurs zu einem Kunsterlebnis für sich.
Und wie in jedem Kurs gibt es natürlich Aufgaben. Dabei haben sich die Gestalter des Kurses allerhand an interaktiven Feinheiten einfallen lassen. Freude und Spass sind auf jeder Seite des Kurses garantiert.
Ich bin derzeit im vierten Modul. Für ein Modul benötige ich etwa vier bis fünf Stunden. Und jedes Modul ist ein Gewinn für sich.
Ich empfehle daher jedem kunstinteressierten Menschen zumindest einen Blick auf die Seite. Schauen Sie sich bloss das Intro an. Schon das weckt die Neugier und macht Lust, sogleich anzufangen.

Es gibt mittlerweile unendlich viele Zeiträuber im Internet. Hier gibt es eine Möglichkeit, seinen Horizont sinnvoll zu erweitern. Deshalb bitte ich an dieser Stelle andere Blogger, auf diesen einmaligen Kurs des Städel auf ihren Blogs hinzuweisen und ihn zu empfehlen. Das Museum und Initiatoren dieses fantastischen Online Kurses haben die Verbreitung ihrer wertvollen Arbeit auf jeden Fall verdient.
Meinen herzlichen Dank dafür!

Hier nochmals der Link für den Online Kurs Kunstgeschichte

Ich danke an dieser Stelle der stets gut informierten Frau Wildgans für den Hinweis auf den Kurs.

Keine eigenen Fotografien dieses Mal. Ohne den Kurs wäre mir diese Idee sicherlich nicht eingefallen. Links das Portrait Peter Hammills (Fotografie ©Sebastian Keep/Heap) auf dem Cover seines Albums Over (1977) und rechts das Gemälde „Der Geiger am Fenster“ von Otto Scholderer (1861 – ©Sammlung Städelsches Kunstinstitut).

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Einmal Bembelland – Internet. Hin und zurück, bitte

Von wegen kulturlosem Bankfurt oder gar Mainhatten. Zum beschwingten Hochgefühl des Tages begleitet mich erlesene Musik eines Frankfurter Komponisten: Louis Spohr – Symphonie No. 7 C-Dur, op.121 (Irdisches und Göttliches im Menschenleben) (1850)…

Seit zwei Tagen versuche ich, einen Beitrag über das Buch von Hannes Grassegger zu schreiben. Aber irgendwas ist ja immer. Die Sichtung des photographischen Nachlasses kann durchaus bis vier Uhr nachts dauern. Auch mehrere Nächte. Recherchieren, telefonieren, Informationen sammeln. Freude, Staunen und viele viele Fragen. Und zwischendurch Stereobilder Stuttgarter Ansichten anschauen. Wer ist dieser Karl Kromm aus Stuttgart gewesen?

Heute Morgen steht der freundliche vietnamesische Paketfahrer vor dem Tor. Gut gelaunt wie immer mit einem grossen Paket auf dem Torpfosten.
„Haben Sie bestellt für Weihnachten?!“ „Nö, ich habe nichts bestellt.“
Immerhin ist mir die Absendeadresse bekannt. Wieso kommt von dort allerdings ein solches Trumm von Paket? Fälscherlicherweise ins Bembelland gesendet? Ist aber die Ärmeladresse drauf. Na, ich bin sofort freudig gespannt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: es geht dem Autor keineswegs darum, virtuelle Räume im Internet nicht mehr zu betreten, um seine Privatheit zu schützen. Keine überdrehte Verweigerung. Das ist inzwischen sowieso unmöglich geworden. Dem Autor des schmalen Bändchens „Das Kapital bin ich. Schluss mit der digitalen Leibeigenschaft“ geht es um die Entwicklung der Datensammelei und welche Auswirkungen das auf uns Datengeber hat. Er liefert aktuelle Informationen und beleuchtet das Thema kritisch. Anhand einiger ausgewählter Zitate aus dem Prolog lasse ich den Autor selbst sprechen.
„Privacy-Probleme. Transparenz. Security-Lücke. Ich kann es nicht mehr hören. Es sind schlampige Verharmlosungen eines radikal neuen Zustandes: Wir gehören uns nicht mehr. Wir sind digitale Leibeigene. […] Mein Ich ist unteilbar geblieben, aber teilweise digital geworden. […] Das Web ist der Aussenraum meiner Innenwelt. Und diese Innenwelt ist eindeutig verknüpfbar mit dem Rest von uns. […] Mein digitales Ich, das sind meine Gedanken (E-Mails), meine Gefühle (emoticons), meine Affekte (Twitter), meine Beziehungen (Facebook), meine Geschäftsbeziehungen (Xing). […] Das Internet wird von privaten Firmen geführt, trotzdem ist fast alles gratis. […] Alle haben geshared. Die Schlauen haben gesammelt. […] „Who owns it?“, fragte kürzlich der Silicon-Valley-Guru Jaron Lanier ganz naiv. „Who owns me?“, das ist die richtige Frage.“ (S.4-6).
Grassegger zeigt nun klar auf, dass wir am Beginn einer neuen (mittelalterlichen) Feudalgesellschaft mit anderen Mitteln  leben. Die damaligen Grundherren konnten uns zu Frondiensten zwingen. Dafür gab es wenigstens Nahrung. Die neuen Herren geben uns garnichts mehr. Sie müssen uns zur neuen Fron, ihnen unsere Daten zu liefern, nicht einmal mehr selbst zwingen. Das tun inzwischen unsere Mitmenschen für sie. Unbezahlt versteht sich.
Ein simples Beispiel: eine beliebige Gruppe findet sich. Die Mitglieder tauschen sich aus, vereinbaren Termine, beschliessen Aktionen. Dazu nutzen sie irgendeine Plattform. Wenn ich diese Plattform nicht benutzen möchte, bleibe ich aussen vor. Ich werde dadurch sozial isoliert.

Überrascht hat mich der logische Schluss, den Grassegger aus seinen Informationen und Überlegungen zieht. Der ist ebenso einfach wie effektiv. Dass die logistischen Grundlagen dafür bereits im Entstehen sind und teilweise schon bestehen war mir unbekannt.
Ich werde mich schlau machen.

Als ich mit dem scharfen Messerchen vorsichtig das Paket öffne, beginne ich zu spekulieren. Gewicht, Form, die sorgfältig geknitterten Zeitungen zum Schutz des (empfindlichen?) Inhalts. Der ist zur Spannungserhöhung blickdicht verpackt. Aaah, da es aus dem bayrischen kommt, könnte es sich (und gerade zu dieser Zeit) um eine grosse Kerze handeln. Handgemacht vielleicht? Oder eventuell hölzerne Handwerkskunst? Nein, denn die ist ja nicht zerbrechlich. Schütteln gibt auch keine Hinweise. Scheint eine ziemlich glatte Obeerfläche zu haben. Die sache könnte sich aber in einem Rollenkarton befinden. Vorsichtig entpacke ich den Inhalt. Und gerate natürlich sofort aus dem Ärmelhäuschen. Eine solch grossartige Überraschung. Welche Freude.
Und weil ich den Grassegger gelesen habe und nicht auf das Internet verzichte, schreibe ich dies von mir und zeige obendrein zwei Fotografien dazu. Weil ich den Grassegger aber auch verstanden habe, erledige ich die anstehende herzliche Dankabstattung anders.

Übersehen Sie bitte grosszügig das kreative ärmelsche Ordnungssystem. Schauen Sie bitte auf die Flasche. Auf die kommt es an! NEIN, nicht das kleine Fläschchen in der Mitte. Diesen Alkohol benötige ich lediglich zur Altgeraffelreinigung.

Oh all Ihr Heiligen aus dem katholischen Bayern – ein persönlicher Nothelfer für mich! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für diese schmackhafte Gabe. Der Inhalt wird bei angemessener Gelegenheit und in gebührender Ehrfurcht seinen natürlichen Weg finden.

Bei Schattenseiten durchaus auch sonnig

Eine der damen, die immer wieder aufhorchen lassen: Marianne Faithfull – GIve my Love to London (2014). Zeit werde ich dieser Scheibe gegen müssen: Kayo Dot – Coffins on Io (2014). Das im Text zitierte Gedicht findet man auch musikalisch verarbeitet bei: Vangelis – China (1978)…

Wen es interessiert, welche Schattenspuren man im Netz ratzfatz hinterlässt, der schaut sich seine eigenen auf „me and my shadow trackography.org“ an.
Zum Trost dazu ein Gedicht ganz anderer Qualität, das mich seit vielen Jahren begleitet:

Ich nehme eine Flasche Wein und gehe hin sie zu trinken zwischen Blumen.
Wir sind immer zu Dritt – mit meinem Schatten und meinem Freund dem schimmernden Mond.
Glücklicherweise weiss der Mond nichts von meinem Trinken und mein Schatten ist niemals durstig.
Wenn ich singe hört mir der Mond schweigend zu.
Wenn ich tanze tanzt mein Schatten mit mir.
Nach allen Festlichkeiten müssen die Gäste Abschied nehmen;
Diese Traurigkeit kenne ich nicht.
Wenn ich nach Hause gehe begleitet mich der Mond und mein Schatten folgt mir.
(Li Tai Po *701 – †761)

Für einige Tage hatte ich das Glück, auf dem Schwarzen Berg zu sein. Der Kracher war der erste Strandtag des Jahres. In Begleitung von Frau Waas auf den Kieseln liegen und die spürbar kräftige Sonne zu geniessen. Vom Meer blies die würzig frische Brise die nase und den Geist frei.
Und hier und heute im Bembelland die griesgraue Trübsal des Februars. Schneeregen obendrauf. Die schnellen Wechsel nehme ich als unwirklich wahr. Unnatürlich zum mindesten. Die immer schnelleren Wechsel bei stetig zunehmender Drehzahl. Mir scheint es nur normal, dass immer mehr Menschen dabei durchdrehen. Gesund ist das jedoch keinesfalls.

Heute begann der Prozess gegen den Edathy. Im Vorfeld ist alles schief gelaufen im ursprünglichen Sinn des Wortes. Ich bin grundsätzlich dafür, dass jeglicher Umgang mit kinderpornografischem Material, ob Herstellung, Vertrieb, Handel oder Konsum bestraft wird. Ich frage mich inzwischen allerdings, ob der Beschuldigte und mittlerweile Beklagte wirklich kinderpornografisches gekauft hat. Immerhin war er Vorsitzender des NSU Untersuchungsausschusses. Dort sind Behörden in ein ihnen sehr unangenehmes Zwielicht geraten. Ich kann mir vorstellen, dass man mittlerweile mit einem Vorwurf wegen Kinderpornografie jemanden schneller erledigen als wegen antisemitischer Äusserungen.

Man sagt meist ohne darüber nachzudenken: „Im wahrsten Sinn des Wortes.“ Als gäbe es graduell unterschiedliche Wahrheiten. Gibt es einen weniger wahren Sinn des Wortes? Noch dümmlicher finde ich allerdings die Einleitung: „Jetzt lass´ uns mal ganz ehrlich reden.“ Soll man sich bei einem Menschen, der einen auf diese Weise anspricht, fragen was er einem bis jetzt verschwiegen hat oder ob er bisher gar die Unwahrheit gesagt haben könnte.

Während ich meine virtuellen Aktivitäten in Bloggerlanden zunehmend reduziere, will ich dennoch gerne auf Sleepersblog hinweisen, der sich nach seinem Umzug  bei Onkel Wortpresse niedergelassen hat.

(Fotos anklicken und gross gugge)

Cyberverknotete Blogplastik

Pink Floyd ist eigentlich ein alter Hut und nach Umma Gumma wurde es fade. Na gut, Atom Heart Mother war noch einmal ein kleiner Nachwurf. Heute dienen diese frühen Supergruppen den Geldschefflern der Musikindustrie quasi als Grabungsfeld für die Musikalarchäologen. Pink Floyd im Bossa Nova Stil, Pink Floyd als Heavy Metal mit kehligem Gewürgestöhnen. Es gibt allerdings auch bessere Beispiele. Viel bessere. Wenn Pink Floyd listitig verlisztet wird, dann kann man hören, dass Klaviermusik im Stil eines Keith Jarrett nicht nur perfekt gespielt sondern obendrein auch Spass machen kann:
AyseDeniz Gokcin – Live at the Piano Extravaganza Festival, Sofia, Bulgarien, 29.9.2013. Interessierte Horscher und Gugger folgen diesem Link

Neues aus dem Land der Plastiktüten. Wie Plastiktüten zugebunden, verschlossen oder verknotet werden. Zum ersten Mal fiel mir das Südamerika auf. Eigentlich liebe ich es Knoten zu entknoten. Seit Kinderzeiten schon. Damals in den Jahren in Südamerika konnte ich viele Tütenknoten nicht entwirren. Jawohl, wirr ist der richtige Begriff. Ich lernte, dass es verschiedene, logisch nicht nachvollziehbare Schlingtechniken zum Verschliessen einer Plastiktüte gibt. Ich schob meist einen Hals beim Öffnen und regelte für mich das Problem wie es die westliche Politik im Rest der Welt zu machen pflegt: naja, das ist halt auch einer der vielen Spiegel. Nichts funktionoiert im Land, warum soll sich da eine Tüte messerlos, gewaltfrei und vor allem wiederverwendbar zu öffnen lassen.
Auf dem Schwarzen Berg erklimme ich eine weitere Steigerung im Tütenknoten. Nach nunmehr fast drei Jahren kenne ich etliche Verkäuferinnen durch viele Einkäufe. Anfangs dachte ich noch, prima, ich habe ihre Knotentechnik durchschaut. Zehnmal hats funktioniert, beim elften Mal spätestens musste rohe Kraft oder das geschliffene Messer her. Hier beherrschen Verkäuferinnen offensichtlich virtuos mehrere Verschlusstechniken. Ich habe keine Neigung mehr zu Arroganz oder Ignoranz. Aber stinken tuts mir trotzdem, weil ich die Tüten weiterverwenden möchte.

Auf eine Empfehlung hin habe ich mir den Film Her (2013) von Spike Jonze ausgeliehen. Oscarprämiert. Die Story ist fad. Einsamer Mann, von seiner Frau getrennt lebend, chattet mit einer weiblichen Cyberstimme. Es entsteht zwischen dem Mann und der Stimme, was im Film mit dem Begriff Gefühl bezeichnet wird. Irgendwann kommt raus, dass die Cyberstimme nebenbei noch achttausend und ebbes mehr Kontakte hat. Der Mann ist am Boden. Inzwischen wurde seine Nachbarin von ihrem Lover verlassen und hat auch eine männliche Cyberstimmenbekanntschaft. Weil der Film nun schon fast zwei langweilige Stunden dauert und der Film endlich aufhören muss, beenden die beiden Cyberstimmen ihre Beziehungen zu den Menschen. Die beiden Menschen treffen sich im Flur und steigen auf das Dach des Hauses, in dem sie wohnen. Den Rücken dem Filmgugger zugewandt schauen in den fernen Himmel und der Zuschauer ist erlöst.
Angeblich handelt es sich bei dem Regisseur um eine Kultfigur. Mag sein, zumindest dem Namen nach. Aber selbst von so einem kann man offenbar nicht mehr erwarten sich der Filmpropagandaindustrie in Holliwut zu entziehen. Die platte Geschichte lehrt den entmenschten Soldaten in fernen Mohammedanerland, dass er ruhig chatten und Cybersex haben kann. Aber wenn ers tatsächlich lebend und geistig einigermassen beeinander zurück in die USofA schaffen sollte am Ende, steht doch die menschliche Verbindung. Und wenn die eigene Frau inzwischen weg ist, dann wenigstens eine mit der Nachbarin. Zwei Stunden Lebensdiebstahl nur weil ich auf den Kulturegisseur mit dem Oscar gewartet habe.

Soll einer behaupten er sei nicht eitel. Ich nicht. Heute im Morgengrauen einen Blick auf meine Blogstatistik fallen lassen. Plötzlich die Frage, welche Menschen sich hinter all meinen Blogverfolgern tummeln. Würde ich diese Menschen im wirklichen Leben kennenlernen wollen. Wie ihre Blogs präsentiert werden, welche Themen wichtig und mitteilungswürdig erscheinen. Die Bilder. Wie das alles auf mich wirkt..
Der Anfang eines Blogs erinnert mich in etwa an den Kauf einer Immobilie im Neubaugebiet. Da wird mit Freude und Elan eingerichtet und geschafft. Und auf dem Fleckchen Grundstück hinter dem Haus siehts so kahl aus wie in der ganzen Umgebung. Da müssen viele Hecken und Bäume her. Und wenns doppelt soviele Hecken sind, das Gärtchen wird nicht schneller zuwachsen. Nach zehn Jahren ist einem das zu viele Grünzeug in aller Regel über den Kopf gewachsen. So gehts auch mit den Blogrollen und der Blogverfolgerei. Ich werde in den nächsten Monaten einem strengen Zeitmanagement folgen. Meine Bloggeraktivitäten werden damit kollidieren. Das jedoch sehe ich positiv, denn so werde ich mich aktualisiert kritisch mit der Materie auseinandersetzen.

(Foto anklicken – gross gugge – F11 im Forefox Klicken – noch grösser gugge)

Normaler Donnerstag einer normalen Woche

 Im Archiv gewühlt und für gut befunden, ohne den Blues zu haben: Tony McPhee – I asked for Water she gave me Gasoline (1969)…

Menschlichen Krisen gegenüber bin ich aufgeschlossen. Selbst wenn es nur Kleinstkrisen sind. Fremden und eigenen gleichermassen.
Krisen sind Prozessschlüssel. Sie öffnen Türen, Tore, Portale und Zugänge ins wirkliche Leben. Nur Krisen ermöglichen Fortschritte im guten Sinn einer Weiterentwicklung. Satt und zufrieden in der Hängematte schaukelnd findet keine Entwicklung statt, allenfalls Verdaung.
Was lachst du denn. Klar, auch Verdauung ist ein Prozess. Hey, klasse dir so unvermutet zu begegnen. Wie bitte. Erzählen. Was soll ich dir denn erzählen. Ist ne ganze Weile, dass du mal vorbeigekommen bist.
Eine Bloggerin vermutet einen Hilferuf in einem anderen Blog. Stimmt, Blogs kennst du noch nicht. Stells dir vor wie ein öffentliches Tagebuch. Ein junger Mensch männlichen Geschlechts bloggt sich seinen Frust weg. So siehts jedenfalls aus. Kündigt seinen definitiven Abschied an. Und löst damit eine enorme Reaktion aus, die über die Kommentare weit hinausschäumt. Fast durchweg von Frauen sind die Kommentare. Wie, Kommentare – ach so: Kommentare kannst du dazu benutzen, mit dem Schreiber in Kontakt zu treten. Ja, ich weiss, wir hätten nichtmal privat so miteinander geredet. Die Zeiten haben sich geändert. Überleg´ mal, unsere letzten Gespräche fallen vielleicht in den Anfang dieser Veränderung.
Bezugnehmend auf einen seiner Sätze schreibe ich ihm zwei Sätze, also kommentiere. Posts werden gelöscht, Kommentare nicht freigegeben. Am späteren Abend veröffentlicht er wieder einen Eintrag. Ist beleidigt wie nur je ein vierjähriges Mädchen. Es wird interessant. Er greift die Menschen an, die um ihn besorgt waren. Bellt rum und teilt aus.
Was sagst du dazu, Alter? Noch heute nach mehr als einem Vierteljahrhundert ist mir dein hintergründig verschmitzter Augenaufschlag vertraut. Wie wärs dem Bürschchen in unserer WG wohl ergangen. Seis drum.
Ein Schauspieler hat sich umgebracht. Nein, keine Drogen. Das ist nach wie vor eher was für Musikalartisten. Obwohl, in letzter Zeit, auch hier in der Bravoquickbunterepublik. Also, er hat sich für den Strick entschieden. Soll depressiv gewesen sein. Erinnerst du dich noch an Brinckmann. Doch nicht der Trollprofessor aus dem Schwarzwald, du Knallkopp. Rolf Dieter, Dichter, der in London unters Auto gelaufen ist. Hat den Linksverkehr unterschätzt. Bei ihm glaube ich allerdings nicht, dass er absichtlich unters Auto lief. Nein, keine Sorge, ich fange jetzt nicht seinen Gedichten an.
Männer im Intenet zählen die Filme auf, die ihnen gefallen haben, Frauen dagegen sind berührt von seiner Selbstaufhängung. Ob der Schauspieler daran gedacht hat, was in jenen Menschen vorgeht, die ihn auffinden werden. Sein Anblick. Gegen die Gliedversteifung von Selbstaufhängern hilft auch kein Maskenbildner aus dem Hollywoodstudio. (Richter, Optatus Leopold Wilhelm: Handbuch des Straf-Verfahrens in den Königl. Preußischen Staaten, mit Ausnahme der Provinzen, in welchen noch französisches Recht gilt. Verlag Borngräber, Königsberg 1830. hier: Bd. 2, S. 364). Ja, lach du nur. Schon klar, mein ewiger Griff ins Regal. Lieber würde ich einen Äppler mit dir trinken., kannste mir schon glauben. Aber du…
Da fällt mir ein, einen seiner Filme haben wir jedenfalls zusammen gesehen. Good Morning Vietnam. Unsere Musik. Vietnam, das Thema. Im Zusammenhang mit den Bildern und seinen Texten hatte der Film schon was.
Wie? Ich verstehe dich zunehmend schlechter in den letzten Jahren, sags nochmal. Nee, da stimme ich dir sofort zu, gegen Donald Sutherland kam der Mann nie an. M*A*S*H war da ein ganz anderes Kaliber. Der spielte zwar in Korea, aber Krieg ist Krieg, da waren und sind wir uns einig.
Ja, leider, es kracht und rappelt noch immer und überall. Im Nordirak will die Quickregierung unserer Bunterepublik jetzt die Armee mit technischem Gerät unterstützen. Ich habs erst garnicht geschnallt. Decken, Zelte und Medikamente für die tausende Menschen auf der Flucht vor durchgeknallten fanatischen Religionsfaschisten, dafür spendet man. Ist doch logan.
Wieso aber brauchen diese Entkräfteten Panzerabwehrraketen? Als später die Nachrichten kamen, im Interview die Buntetagslabergeschütze auffuhren und Realitätsabwehrpolitiker losseierten habe sogar ich dann verstanden. England und Frankreich „unterstützen“ längst die irakische Armee.
Mensch, die Märkte von morgen. Du siehst, alles wir es kennen. Dass man es heute leichter rauskriegen kann, macht die Sache allerdings nicht leichter erträglich.
Aber weisst du, was mir im Lauf der Zeit immer mehr auf den Zeiger geht? Die Nachricht nach der Nachricht. Am 11. kam die Todesnachricht des Schauspielers. Am 12. war das Thema Depression der Aufmacher, er soll ja depressiv gewesen sein. Die Betroffen, die Depressiven, die Krankheit. Die Kosten für Krankenkassen. Da quellen prima Schlagzeilen aus dem Redaktionsendgedärm.
Die Pharmaindustrie wirds jedenfalls freuen. Die Glücklichpillenverkäufe werden in dieser Woche wohl zufriedenstellend steigen. Und das Umfeld. Was mir stinkt, ist, dass niemand vom Umfeld depressiver Menschen schreibt. Von den Menschen, die den Auswirkungen standhalten. Die haben keine Lobby und die Pharmaindustrie offensichtlich noch keine gewinnproduzierenden Aushaltedrogen.
Schon gut, du musst mich nicht erinnern. Ich bin halt nicht so cool wie du, nie gewesen. Wills auch garnicht sein, verdammt. Vielleicht hätte ich dich dann schon längst abgeschrieben und vergessen.
Heute in den Nachrichten das nächste Thema, dass er offensichtlich pleite war. Insidernachrichten. Insider aus Familienkreisen. Die Putzfrau vielleicht oder der Sekretär hat ausgepackt. Take your chance bevor sie andere ergreifen. It´s Dollarmakingtime man, so what.
Übrigens habe ich mir inzwischen die Beiträge auf dem Blog des jungen Mannes eingehender angesehen. Wie? Naja, so ein bisschen Neugier ist schon dabei. Und Texte zu untersuchen, erzeugt noch immer ein leichtes Kribbeln. Derrida und die Kristeva haben wir früher nicht gekannt. War vielleicht besser so. Die hätten manche unserer Lieblingsautoren mit der Kettensäge entzaubert. Aber hin und wieder ist die Kettensäge eben auch hilfreich.
Was sagst du – nix ist nur schlecht. Mann, Alter, und auf Regen folgt Sonnenschein. Hättest du noch deine Stimme, wir könnten jetzt die Witze erzählen, über die wir schon früher nicht gelacht haben.
Also die Kettensäge. Bei jenem Blog zum Beispiel. Schlauer Bube, der du bist, natürlich hast du ins Schwarze geraten. Er schreibt brav jeden Tag weiter. Hat ja seine Frauenschar um sich versammelt, die ihn am Schreiben hält.
Wie? Klar, ist das zum Lachen, einer der neueren Muttisammler, eine genügt ihm nicht. Und wie geschickt er die Schreiberinnen longiert. Dir kann ichs ja sagen. Zweimal habe ich mich ertappt mit neidischen Rückwärtsgedankennebeln beim Lesen. Was hätte ich in dem Alter dafür gegeben, die Mütter so geschickt um den Finger wickeln zu können. Nee, ich mache mich so wenig wie du über die Frauen lustig. Als Frau würde ich vielleicht genauso handeln. Kann man nie wissen. Ist vielleicht seine Rache. Von einem Vater ist bei ihm nichts zu lesen. Väter, das waren unsere Themen. Idioten verständnislose, Nixschnaller, Laberköppe und Feinde allesamt. Da habens die Alleinerzogenen heute schwerer sich ein scheibeneinfaches Weltbild hinzudengeln.
Nur eine der schreibenden Frauen, die imponierte mir sofort. Die bringt den kleinen Kacker in fast jedem ihrer Kommentare auf den Punkt. Schade, du hättest deine Freude, aber hast ja nun keine Augen mehr zum Lesen.  Und wie er sich dann rauswindet um nur nicht drauf eingehen zu müssen, keinesfalls konkret zu werden.
Mich berührt der Tod des Schauspielers nicht. Diese Woche begann übrigens auffällig wie jene Woche  damals. Erinnerst du dich noch als ich dich abholte. Als wir zum letzten Mal zurück ins Kaff fuhren. Ich kann mich nicht mehr an den Mann erinnern, der hinter mir sass. Der als Aufpasser mitfahren musste. Und du, die ganze Strecke auf dem runtergekurbelten Liegesitz.
Dieser Übergang vom Sommer zum frühen Herbst. Das widerlich schöne Wetter, so ekelhaft, dass dein Abschied einer einzigen wütenden Trotzreaktion glich. Aber von allen. Nix war zu machen gegen das verflixte Wetter. Ein metereologischer Zynismus zum Quadrat.
Was meinst du, muss man gesehen haben wie ein Mensch stirbt. Nein, nicht im Film. Dabeisein. In echt, jetzt mal. Eine Hand halten vielleicht und in einer langen letzten, ins schier Endlose gedehnten Einstellung spüren, wie die Kraft so langsam sanft entweicht, sich verflüchtigend ins Nirgendwo, dass man sich richtig anstrengen muss, um überhaupt noch etwas tastend wahrzunehmen.
Wie verändert das die Einstellung. Sag doch mal. Egal ob zum Leben oder zu Sterben. Was geschieht mit dem persönlichen Empfindungsarsenal. Was wandert ins Archiv und was entsteht neu.
Lauren Bacall ist gestorben und das berührt mich. Die Nachrichten nach der Nachricht sind bei Lauren Bacall aus anderen Worten gewebt. Die liefert nichts für billige Sensationen. Nicht mal als vierte Frau von Bogart. Und jetzt ists schon zwei Tage her.
Sie war halt eine Frau, die nicht ins gewohnt primitive Hollywoodfrauenbild passte. No handsome nice little woman, ya know. Die sagte ihre Meinung. Unmissverständlich.
Du hast Recht, jetzt fällts mir wieder ein. Als das los ging mit den Kommunalen Kinos. Zwei Käffer, zwei Kinos, zwei Mark Eintritt pro Film, bis zu zehn Filme pro Woche. Da habe ich mich in der Bogart Reihe virtuell in Lauren Bacall verschossen. „Anyboby get a match“ – ich bin fast in die Leinwand gesprungen. Ihr erster Satz im Film und der machte sie dann auch schlagartig berühmt.
Heute Nacht habe ich mir „Gangster in Key Largo“ angesehen und „To have and have not“. Originalton versteht sich: Anybody get a match. Private Abscheidszeremonie. Ein Genuss. Ein Fest des Sehens und Verstehens
Krisen setzen Energien frei. Da fällt mir ein, dass Wut auch eine Energie ist. Konstruktiv eingesetzt kann aus Wut Gutes werden. Ich bin mir nichtmal sicher, ob ich dich  wieder gerne einmal sehen möchte. Nur einen Tag vielleicht, oder eine Stunde. Wieso wir erst zu sprechen lernten miteinander als es fast zu spät war, die Frage lagert noch immer irgendwo.
Ich spekuliere manchmal darüber, in den letzten Jahren zugegeben seltener. Ich bin auch nicht traurig, dass ich die zahlreichen Fahrten in unserem letzten Jahr hin und zurück vor deinem Verschwinden zu verwechseln beginne. Unvergessen aber bleibt jener Sommer als wir mit unseren beiden italienischen Einzylinderinnen den Appenin durchkreuzten. Da lernten wir zu reden. Das behalte ich.
Irgendwas bleibt immer. Jetzt gerade der schale Lesenachgeschmack. Der Bursche hat die absolutierenden Wörter „immer“ und „nie“ zu oft gebraucht. Seine Texte damit geradezu versalzen. Nein, dabei bleibe ich, das ist keine Verhandlungsmasse. Und er strapaziert das Wort „total“. „Total“ und „fanatisch“ waren Goebbelswörter für uns. Unwörter. Unaussprechlich. Der hatte die massenkompatibel gemacht.
Letternkombinationen, zu Silben und Wörtern zusammensetzt und in Parolen verwoben, die anderen Menschen wie Mottenfrass im Gefühlsgewebe schadeten. („TOTAL [Lfg. 21,6],adj., adv., synonym mit älterem deutschen gesamt, gänzlich, ganz […] der affectgehalt, zu dem ein adjectiv der bedeutung ‚vollständig, gesamt‘ an sich neigt, erscheint im fremdwort noch gesteigert; es steht deshalb mit vorliebe bei begriffen, die eine affectbetonung nahelegen, vornehmlich, bei solchen negativer bedeutungsrichtung; der begriff erfährt dabei gewöhnlich eine graduelle steigerung, seltener eine quantitative ausweitung…“ (Grimm, Jakob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch Bd. 21 Sp.906).
Das hat sich der kleine grossmäulige Klumpfuss gut eingebaut in seine Propaganda. Wie der die Sprache verhunzt hat. Wir waren vorsichtig im Umgang mit den Wörtern. Zu vorsichtig. Wenn du mir doch endlich, nach all den vielen Jahren mal erklären könntest. Ich kann dich immer schlechter verstehen
. Ich will dir aber sagen, am besten finde ich immer noch, dass wir zusammen gelernt haben in unserer Jugend, sich nicht über andere Menschen leichtfertig zu erheben, trotz allem.
Dafür terrierscharf hinschauen und „Nanu“ sagfragen zu lernen. Ungenau, ich habs von dir gelernt.
Ja, ist ja gut, ich weiss, dass du weg musst. Musst du wirklich. Musste es so schnell sein.
Damals, als wir zusammensassen, sonntags nachmittags. Letztmalig. Die ungeduldige Frau. Mit dem dämlichen Klemmbrett vor sich. Die deinen Namen nicht verstand, vielleicht auch nicht verstehen wollte. Du machtest dir deinen Spass draus. Ich hatte endlich die Stationen von „Im Lauf der Zeit“ rausgefunden. Wir wollten die Route abklappern und dabei fotografieren. Ein, zwei Wochen später. Entlang der Grenze. Demnächst mit diesem Käfer oder jener Ente.
Du hast die Grenze aber vorher überwunden, hast dich aus dem Staub gemacht, ohne Auf Weidersehen zu sagen. Damals  geriet ich in eine Krise, wahrhaftig. Ich habe dann mehrere Jahre nicht mehr fotografiert. Einfach nichts mehr gesehen.
Es gibts jetzt wieder Quetschekuche. Darauf freue ich mich schon. Dieser verdammte letzte Sonntag. Bilderbuchsonntag. Mit allen Freunden und Bekannten. Du hattest dir Quetschekuche gewünscht, gefordert. Abschiedsessen. Pflaumenkuchen als Abschiedsessen.
Nein, ich will dich nicht aufhalten. Wollte und will nicht. Die sauber gezogene Hohlkehle deiner letzten Umarmung liegt mir noch immer auf den Schultern. Ich werde demnächst in Bembeltown sein. Ich werde uns eine Flasche Äppler mitbringen. Ohne Mund kannst du nicht trinken. Deine Hälfte lasse ich dann wie gehabt über deinen Grabstein laufen, ok? Was sagst du. Nö, zum Rauchen werde ich diesmal nichts mehr mitbringen…

Kommunikationsfolgen : Öffentlichkeit

Zufrieden, satt gegessen läutet ein handfestes Klingklangspektakel den Abend ein: Firewater – The Man On The Burning Tightrope (2003)…

Ich schätze mich glücklich, mit einigen Bloggern, die auch in meiner Blogroll vereinigt sind, bereits ausserhalb meines Blogs in Kontakt zu stehen. Mit manchen wechsle ich Mails, mit anderen habe ich schon telefoniert und einige habe ich persönlich kennengelernt und möchte sie nicht mehr missen. Menschen, denen ich ausserhalb der Internetwelt wahrscheinlich nie begegnet wäre. Prima Zeitgenossen.
Nicht verschweigen will ich unangenehme Begenungen, die es auch gegeben hat. Spacken, Vollpfosten und Sozialbehinderte, die in der Anonymität des Internet ihr Unwesen treiben. Da hilft es, dies öffentlich zu machen und anderen eine warnende Hilfe zu sein. Wie wichtig das sein kann, zeigt der Fall einer jungen überaus wachen Frau aus Hamburg.
Sie machte mit ebenso viel Mut wie Entschlossenheit ihre Erlebnisse einer merkwürdigen Bekanntschaft öffentlich. Ich habe beide Berichte in ihrem Blog gelesen und auch den Bericht eines Reporters, der diesem Beruf Ehre in einem ursprünglichen Sinn macht. Er half mit seiner Recherche der jungen Frau bei einem entscheidenen Schritt weiter. Ihre Erfahrungen und vor allem die Reaktionen von Frauen und Männern nach ihrer Publikation veranlasste sie zu einer Webseite zum Thema Internetbekanntschaften.
Mich hat die Geschichte berührt wegen ihrer Alltäglichkeit, der vordergründigen Banalität. Die Normalität, mit der man sich kennenlernt im Internet. Man stellt gemeinsame Anliegen und Interessen fest und kommt sich näher. Jeder hat Bilder im Kopf, Gefühle kommen ins Spiel. Irgendwann fährt der Zug dann los. Das Ziel ist ebenso unbekannt wie bei jeder sich auf herkömmlichem Weg anbahnenden Beziehung. Die entscheidende Weiche auf dieser Fahrt scheint mir die Überfahrt von der virtuellen in die wirkliche Welt.
Die junge Frau hat die Kommentarfunktion zu ihrem Bericht geschlossen, um sich vor Häme und Schadenfreude zu schützen. Das kann ich gut verstehen. Schadenfreude und Schabernack hingegen sind unangebracht, denn keines Menschen Gefühle sind in der Internetwelt geschützt, auch die schadenfreudiger Witzbolde und Spontanbesserwisser nicht.
Was mir besonders auffiel sowohl in ihrem als auch in dem Bericht des Reporters ist das Fehlen des Wortes Eitelkeit. Ich glaube nämlich, dass alle Menschen mehr oder weniger eitel sind und dies ist meines Erachtens der Riss in der Firewall unsere Gefühle.