Bei aller Reduktion – Fundstücke sammeln sich weiterhin an

Musikalische Fundstücke aus dem Archiv sind derzeit alte Labelsampler. In den lange vergangenen Schülerzeiten kamen diese Zusammenstellungen der notorischen Dürre  im Sparschwein gerade recht. Einen meiner ersten Sampler im 69er Jahr präsentierte vor einigen Tagen der famose Herr Riffmaster. Hier und jetzt laufen von Polydor: Supergroups Vol. 1 (1969), Pop-Sound ’70 (1970), Pot-End (1970)…

Etliche Rückfälle in meine eigene Vergangenheit. Auslöser dafür waren Lesereisen in die Biographien anderer Menschen. Ich verfolge mit allerwenigsten Ausnahmen nur noch Blogs, in denen Menschen von sich schreiben. Umso direkter desto lieber verweile ich. Wenn ich mich schon im virtuellen, also menschenleeren Raum aufhalte, dann möchte ich Menschen wenigstens auf ihren Lebenswegen begegnen. Alles andere erscheint mir inzwischen fast schon wie Zeitraub. Natürlich ohne Bezahlung versteht sich. Wie schrieb mir eine befreundete Bloggerin: Und im Internet, was ist da schon noch los? Recht hat sie.
Man findet durch eine vertrauenswürdige Empfehlung oder auch mit etwas Glück schon noch den einen oder anderen Blog, der die Aufmerksamkeit lohnt.

Fundstücke aller Orten.

Ich notiere seit einiger Zeit viele Details aus meiner Vergangenheit. Den Turbo angetreten hat der dreiteilige Roman von Erwin Strittmatter : Der Laden. Publiziert in der DDR in den 1980er Jahren. Eine schier unermessliche Menge an Mikrodetails erinnert der Mann und schreibt sie auf. Für mich werden beim Lesen zahlreiche eigene Erinnerungen wachgerufen. Und das Bedürfnis, die eigene Vergangenheit aufzuschreiben. Dafür könnte dieser Blog ein geeignetes Medium sein. Andererseits leben noch etliche Menschen, die ihre Begegnungen mit mir, bzw. das, was die bei mir auslösten, nicht gerne lesen möchten. Da bin ich ganz sicher um Unsicheren. Also weiterhin Details sammeln und aufschreiben. Und abwarten. Die Zeit läuft zu meinen Gunsten.
Der Laden wurde dreiteilig verfilmt. Atmosphärisch dicht. Prominente Besetzung. Dass von den vielen Details wenig übriggeblieben ist, muss in Kauf genomen werden. Und trotzdem ist die Verfilmung eine Empfehlung wert.

Vor einiger Zeit habe ich einen Blogger gefunden, dessen Blogroll eine Kopie meiner eigenen, längst nicht mehr aktuellen Blogroll war.
In einer regionalen Zeitung eines meiner Fotos gefunden. Der Urheberhinweis in Klammern lautete: Privat. Aha.
Zwei Wochen später unter einem Beitrag zum gleichen Thema in der gleichen Zeitung das gleiche Foto. Der Urheberhinweis in Klammern unter dem Foto verwies auf meinen Namen. Die erste Veröffentlichung fällt unter §2, Abs.5 des UrhG. Das Urheberrechtsgesetz. Teuer ist das Vergehen nicht. Unangenehm ist dafür die Kostennote des Anwalts. Ich habe jedoch eine Idee für einen Kompromiss, bei dem beide Seiten etwas gewinnen können.

Manche neueren Fundstücke sind ebenfalls nicht eingehender beschreibbar. Lehrstuhl für Medien und Informatik. Durch die Fotografie stehen mir die Medienleute naturgemäss näher. Im Kontext zur Informatik bilden sie jedoch rasch eine Art Gegenwelt. Die Rückseite des Mondes bewohnen offenbar die Informatiker. Programmierer lassen sie sich nur ungern nennen. Lieber ist ihnen die Zuschreibung Developer. Ach ja.
Der Lehr- und Forschungskörper beisst Nägel oder zappelt. Auf jeden Fall sprechen diese Menschen durchweg zu schnell. Und die Witzigkeiten. Ob es Ausdruck persönlicher Lebenstragik oder der verzweifelte Versuch ist, mit einem menschlichen Gegenüber in Kontakt zu treten – ich bin mir noch unsicher. Nicht jedes Körperteil verhält sich so, versteht sich.
Viel geht es ums Spielen. Das scheint dem Medium Computer innezuwohnen.
Schauen Sie sich mal den Algorithmus an und spielen Sie ein wenig damit.
Als Übungsaufgabe zu unserer letzten Vorlesung eignet sich ein Spielchen. Sie kennen Sudoku? Dann können Sie Ihre neuen Kenntnisse  dabei gleich anwenden.
Und dennoch lassen sich kleine Funde machen. Fachbegriffe beispielsweise. Streuspeicherung. Hätte ich diesen Begriff doch mit fünfzehn gekannt, als meine Eltern die Ordnung in meinem Zimmer anmahnten.
Das machen wir gerade in Mathe. Nennt sich Streuspeicherung. Das muss so sein…

Im persischen Golf sind zivile Schiffe beschädigt worden. Die Amerikaner wissen natürlich, wer das verursacht hat. Fotografische Beweise legen sie vor. Und schicken gleich ein Kriegsschiff in den Golf. Beweise wie damals. Wer erinnert sich noch an die „Beweise“ für Saddams Giftgasfabriken. Amerikaner lieben den Krieg. Sie suchen ihn und sie werden finden. Und bis dahin schreiben sie anderen Ländern vor, mit wem die Handel treiben dürfen. Traurige Funde sind das, bei denen man erst verstecken muss, was man hinterher finden will.

Lebensfreude. Sie entsteht, wenn Menschen zusammen aktiv sind. Wenn man arbeitet oder gemeinsam musiziert. Dieses Zusammenleben, auch wenn es nur für kurze Zeit existiert, schafft mehr Freude und Frieden, als man denken mag. Das mag mit der Spontanität zusammenhängen, die dann zwischen Menschen entsteht.
Ziemlich steif war die Veranstaltung zur Landung in der Bretagne. Kein Wunder. Wenn die zu ehrenden Veteranen 1945 achtzehn Jahre alt waren, sind sie heute dreiundneunzig.
Ich gedenke an diesem Tag den russischen Armeen. Die der braunen Hydra die Köpfe abgeschlagen und das Regime damit zu Fall gebracht hat.
Aber mir ist allemal die Lebensfreude und die Verständigung mit anderen Menschen näher. Deshalb hier einen
Fund von heute.

Die unten abgebildete Flasche Dujardin Triple Sec ist leer. Auch sie eine Trouvaille, das seit fast einem halben Jahrhundert in der hintersten Ecke eines Schrankes darauf wartete, gefunden zu werden. Letzthin war es soweit. Der Inhalt hat sich mit einem feinen Aroma und entsprechendem Wohlgeschmack bedankt.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Woche und natürlich ein feines Fundstück. Und Singen und tanzen Sie, solange es Ihnen noch vergönnt ist.

 

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In reduzierter Form : Klartext

Auf die Vorgruppen haben wir gerne verzichtet. Und damit auch das Riesengedränge an den Einlassschleusen. Wir  gehen hin weil wir die beiden letzten Bands beim City Riot Festival erleben wollen. Und die Post ging wirklich mächtig ab bei Flogging Molly und den Broilers. Flogging Molly stammen nicht aus Schottland und die Broilers kommen aus Düsseldorf…

Einige neuere Notizen aus meiner Kladde.

Die immer raschere Beschleunigung der alltäglichen Lebensprozesse reisst uns alle mit. Und immer mehr Menschen fliegen dabei aus ihren Lebenskurven.

Die deutsche Machthaberin Merkel wurde bei der Ankunft in Ghana dem Protokoll entsprechend musikalisch mit der deutschen Nationalhymne empfangen! Danach erklang „Schöne Maid“ und anschliessend „Ja, mir san midm Radl da“. Fröhlich gehts zu in der Welt der von den Bevölkerungen weit entfernt lebenden Herrschern.

Früher war es ein Privileg, einen schlechten Geschmack zu haben. Heute hat ihn fast jeder. (Falls ein Leser die Quelle dieses bonmots kennt, möge er mir diese bitte nennen).

In den Medien waren wieder Stimmen der sogenannten Wirtschaftsweisen zu hören. Das sind die ebenso hochbezahlten wie überflüssigen Weisskragen, die am Anfang eines Jahres in ihre Prognosenposaune stossen, um am Ende des gleichen Jahres mit schöner Regelmässigkeit zu erklären, warum fast alles nun doch wieder anders gekommen ist.
Mein Fazit : solche und ähnliche unnützen und viel zu teuren Posten umgehend abschaffen und das eingesparte Geld in Bildungseinrichtungen investieren.

Die Grünen haben wieder mächtig Aufwind, sagt mein Nachbar. Ich bin mir nicht sicher, was er wählen wird demnächst. Die Grünen etwa? Ich beachte diese zum FDP-Ersatzverein verkommene Gruppierung allenfalls noch als Kriegstreiberpartei. Ohne deren Zustimmung damals in den Konflikten in Südosteuropa, hätte Gerd „Körriwurst“ Schröder keine Mehrheit für das kriegerische Mitstreiten in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo bekommen. Die Mehrheit beschaffte ihm seinerzeit Fischers tarngrüner Verein.
Und heutzutage wird über immer neue Kriegsbeteiligungen deutscher Militärs in aller Welt nachgedacht. Oder schon geplant? Mir fällt dazu unweigerlich das Grundgesetz ein. Warum?

Weil es da den Art.26, Abs.1 gibt : Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Mit zunehmendem Alter schauen wir immer öfter zurück. Ganz so, als könnten wir Vergangenes anders als in der Erinnerung behalten. Dabei verlieren wir leicht die Zukunft aus dem Blick. Denn „der Tod ist ein Pfeil aus der Zukunft, der auf Dich zufliegt“. (Der Tod in : Palermo Shooting /2008.)

Wenn Sauna, Schnaps und Teer nicht heilen, dann führt die Krankheit zum Tod. (Finnisches Sprichwort)

In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern eine erfreuliche Woche.

 

Das Reduktionsprojekt läuft und läuft

Wer im Glashaus sitzt trifft garantiert mit jedem Wurf : Gentle Giant – In a Glasshouse (1973). Anschliessend und weil es zum Thema passt : Billy Bragg – Back to the Basics (1987)…

Das Reduktionsprojekt läuft. Ein immaterieller Aspekt, der an Gewicht gewonnen hat, ist die zunehmende Distanz. Der Alltag liefert ständig Beispiele, die diesen Abstand hinsichtlich der eigenen seelischen Gesundheit nötig machen.

Seit zwei Jahren beobachte ich nun den Kundenverkehr in einem ausgesuchten Einzelhandelsfachgeschäft. Die Wahrnehmungen sind ernüchternd. Fachgeschäfte mit entsprechenden Fachkräften gibt es immer weniger in Zeiten, in denen Aushilfen in Bäckereiketten statt vom aufbacken vom backen reden. Das ist Irreführung der Kunden.
Aushilfen in sogenannten Boutiquen, denen bei der Anprobe eines Kunden nichts besseres einfällt als: „Das gefällt mir gut.“ Als würde es die Kundin interessieren was der Teilzeiterin gefällt. Der Preis ist heiss.
Der Einzelhandel „stirbt“ natürlich nicht, wie vielfach geäussert wird. Es sind lediglich die Strukturen, die sich radikal verändern und schon verändert worden sind. Weg vom Fachgeschäft hin zur Einzelhandelskette, zum Discounter und ab in die ShoppingCenter. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Konventionelle Einzelhändler, Discounter und Kunden haben alle ihren individuellen Anteil daran.
Mir fällt auf, dass die Kunden beim Betreten eines Einzelhandelsfachgeschäftes ihre Konsumattitüden nicht im Griff haben. Mir scheint, dass Ketten oder OutletZentren den Konsumenten längst das Hirn weichgekocht haben. Und die perfide Dauerparole einer Elektrokette, mit der eine der sieben Todsünden in eine Siegermedaille umgemünzt worden ist, wird voraussichtlich nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Gewissenlose Werbeleute arbeiten längst an noch unmenschlicheren Parolen.
Besonders auffällig sind die sprachlichen Äusserungen im Einzelhandelsfachgeschäft. Es werden Dinge verlangt, die augenscheinlich nicht vorrätig sind. Erkundigungen werden eingeholt, um anschliessend irgendwo anders auf Schnäppchenjagd zu gehen. Artikel werden geknipst ohne zu fragen; zuhause beginnt die dann die Suche im Internet nach dem besseren Preis. Den Gipfel bilden unverschämte Preisvorschläge trotz der Auszeichnung von Waren. Auf die Frage, ob man das Geschacher auch im Supermarkt versuchen würde, kommt die Antwort spontan: „Nein. Aber man kanns ja mal versuchen.“

Die derzeitige Propagandamaschine der deutschen Staatsmedien von ARD & ZDF ist enorm gut geschmiert und läuft auf Hochtouren. Was die Journaille zusammenschreibt, ist mir unbekannt. Die gepanschte Einheitssuppe ist längst ungeniessbar und das Niveau längst ranzig geworden. Mittlerweile ist sogar der SPIEGEL, die vormalige „Bild-Zeitung für Abiturienten“ vollends zu einem Hetzblatt verkommen. Wer einmal die Probe aufs Exempel machen möchte, liest im Spiegel zum Thema WM einen Artikel von 1962 oder 1966 und einen jetzt aktuellen.
Kein Wunder sind die gravierenden Unterschiede, wenn Chefredakteure beliebig von einem Chefsessel in den nächsten pupen. Geld und Karriere regieren das Denken und Handeln. Persönliche Überzeugungen sind da allenfalls hinderlich. Sie sind ohnehin käuflich geworden. Rückgrat – das braucht doch niemand mehr im Wachstumsmarkt der Physiotherapeuten und Wellnessoasen.

Nach dem Halbfinalspiel zwischen England und Kroatien wird der kroatische Co-Trainer der siegreichen Mannschaft als erstes gefragt : „Das ist jetzt das dritte Spiel ihrer Mannschaft, das in erst in der Verlängerung entschieden wurde. Was ist los?“ – dem Mann hätte man auch einfach zu dem Sieg gratulieren können. Aber er hat den Makel des Südosteuropäers. Kommt halt irgendwoher vom Balkan.
Und was und vor allem wie im Kontext der Fussballweltmeisterschaft über Russland berichtet wird, geht nicht mehr auf die Häute einer ganzen Kuhherde. Ein erhellender Bericht zu findet sich HIER.
Und immer wieder der Herr Putin. Hat man eigentlich auf dem Schirm, dass es noch 146.877.088 (Stand 2018) andere russische Menschen gibt. Menschen mit Plänen, Hoffnungen, Träumen und auch Ängsten. Menschen, die in russischen Lebensverhältnissen so gut zurechtkommen wie deutsche Menschen in deuten Verhältnissen. Und viele russische Menschen leben gerne in der russischen Föderation. Aber das kann und darf nicht sein im Kosmos deutscher Vorstellungswelt. Und die wird wie seit Jahrzehnten auch weiterhin fleissig beeinflusst von einer vorurteilsvollen Berichterstattung. Was muss eigentlich passieren, dass sich an dieser feindseligen Haltung etwas ändert?

Stattdessen werden Freunde hofiert, die noch nie Freunde Europas oder gar Deutschlands im Speziellen gewesen sind. Liest eigentlich ein Mensch, was dieser neue USBotschafter in Berlin so daher redet; wes Geistes Kind dieser Mensch ist? Geschenkt. Hauptsache wir dürfen unsere Scheuklappen aufbehalten. Auf der Handfessel wischen, die Knöpfe im Ohr und von schönen neuen Produkten träumen, die wir demnächst kaufen werden. Jedenfalls solange die Banken die Kreditlinien noch genehmigen.

„Amerika hat keine dauerhaften Freunde oder Feinde, nur Interessen.“ (Henry Kissinger : Imperialism and Expansionism in American History: A Social, Political, and Cultural Encyclopedia and Document Collection. Hrg. von Chris J. Magoc & David Bernstein, ABC-CLIO, 2015. S. 1236). Na, wer sagts denn. Solche Freunde wünscht man niemandem, nichtmal dem bösen Nachbarn.
Henry Kissinger ist der Mann vom 11. September. Nein, nicht vom 11.9.2001. Er war der Stratege hinter den Aktionen vom 11.9.1973. Da wurde ein demokratisch gewählter Präsident in Chile weggeputscht weil er usamerikanischen Interessen im Weg gestanden hat. Ausgetauscht wurde er gegen einen gewissenlosen Diktator und seine Junta, auf deren Konto Tausende von Gefolterten, Verschwundenen und Toten gehen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern vertrauenswürdige Freunde und ein feines Sommerwochenende.

(Photographien, nebenbei aufgenommen)

 

 

 

DSGVerordnung weiterhin wirkungslos gegen Selbstschuld

Am vergangenen Wochenende waren wir auf dem 44. Open Ohr Festival. Wie seit all den Jahren stand es unter einem bestimmten Motto. Dazu viel Musik, Theateraufführungen, Filme und Diskussionsveranstaltungen. Und erfrischend anders auftretende und aussehende Menschen. Fast wie in den 1970er Jahren. Lange nicht gehört : Jethro Tull – Aqualung (1971)…

Was für eine grandiose Woche. Über allem schwebt das heutige Datum. Der 25. Mai. Und die DSGVO. Die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union. Das will auch erstmal fehlerfrei ausgesprochen werden. Dass es diese Verordnung bereits seit zwei Jahren gibt, hat sich in dieser Woche in Windeseile herumgesprochen. Um was geht es darin und was hat all das mit mir zu tun? Viel und wenig. Lachen und weinen abwechselnd. Man will mir mehr Transparenz hinsichtlich meiner im Internet kursierenden persönlichen Daten ermöglichen.
Da zog der Suckerberg seine kaugummiblasende Ammischau in Brüssel ab. Süss und hohl. Und die Eurokraten buckeln vor diesem antidemokratischen Datenhändler. Der darf bestimmen, wann, wie und was er gefragt wird. Da sollte sich im umgekehrten Fall einmal der Chef eines im Dax notierten deutschen Unternehmens im Fall einer behördlichen Befragung in USammiland trauen. Der würde mit einem satten Milliardenstrafzettel auf seinen Chefsessel zurückfliegen.
Die beste Veränderung in der DSGVO ist meines Erachtens das Recht auf „Vergessenwerden im Internet“. Das heisst komplette Datenlöschung, wenn ich mich beispielsweise in einem der desozialisierenden Netze abmelde.
Ich persönlich fand den überaus arroganten Stil des Suckerberg erhellend. Er zeigte nämlich, dass er genau der Ammi ist, für den ich ihn seit 2004 halte. Er war ein unaffälliger Student mit Dollarnoten in den Augen. Allenfalls durchschnittlich gebildet, was das Weltwissen betrifft. Dem räuspert sein kleiner Mann im Ohr zu: „Sammel doch mal die Daten deiner Kommilitonen. Lässt sich vielleicht was draus machen.“ Er bastelt sich eine Plattform und sammelt. Und die Trolls wollen mitspielen und schenken ihm ihre Daten. Und es werden immer mehr. Auch in anderen Ländern. Und endlich auch in Deutschland. Inzwischen gibts wahrscheinlich keinen Berliner Bundestagsabgeordneten der fünften Hinterbank, der kein Datenspender für den Suckerberg ist. Selbstredend alle Parteien sind seinem Netz. Handballvereine machen mit, Skatbrüder und Ballermänner sowieso. Und kein Unternehmen bewahrt klaren Verstand – alle meinen dabeisein zu müssen, sich präsentieren zu müssen. Freunde haben zu müssen. Kunden zu aquirieren.
Ach, und das Milliardenheer der einsamen Handfesselwischer. Heinz Jürgen mit seiner Modelleisenbahn genauso wie Babsi die Kaktusstrickerin. Bisschen Aufmerksamkeit, ein kleines bisschen gefühlte Anerkennung. Alles nur virtuell – mehr ist es nämlich nicht. Echte Anerkennung, wirkliches Miteinander funktioniert anders und fühlt sich ganz anders an.

Der Suckerberg ist nicht der böse Bube. Er war lediglich ein Ammistudi mit einer naiven Vision. Zu dem skrupellosen Datenhändler hat nicht er selbst sich gemacht.
Das waren und sind seine Datenspender weltweit. Und die sind nun in seinem Netz gefangen. Statt dem Netz zu entkommen, spenden sie offenbar lieber weiter ihre privaten Daten zum geschäftlichen Nutzen des Suckerberg Imperiums.

Jan-Philipp Albrecht, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament und Parlamentsberichterstatter für die Datenschutz-Grundverordnung zeigte sich nach der Schau des Suckerberg in Interviews betroffen über dessen Auftritt in Brüssel. Denn auch seine Fragen wurden von dem befragten Suckerberg nicht konkret beantwortet. Und wie hat der grüne Albrecht darauf reagiert? Genau so! Er hat hinterher gejammert. Er beklagt überdies die europaweit einzigartige deutsche Abmahnkultur. Deutsche Anwälte mit entsprechenden Allüren scharren schon mit den Hufen und wetzen bereits ihre Abmahngebührenmesser.
Österreich, laut André Heller das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, könnte jedoch Vorbild für unsere Regierung sein. In Österreich darf erst nach einem schriftlichen Hinweis und einer geregelten Zeitspanne tatsächlich abgemahnt werden. Aber unsere deutschen Politiker jeglicher Couleur haben für derlei Bevölkerungsschutz keine Zeit. Die sind gerade mit freiwilligen Datenejakulationen beschäftigt.
Es wird nach diesen Zeilen niemanden mehr verwundern, dass sowohl das Europäische Parlament als auch die Europäische Kommission ein Konto bei der Datensammelstelle des Suckerberg unterhalten.
Mich tröstet, dass sich in meinem persönlichen Umfeld Menschen tummeln, die sich den Netzen der Desozialisierung verweigern. Weiter so!

Wer darüber jammert, was mit den persönlichen Daten geschehen ist oder gerade eben jetzt geschieht, ist selbst schuld. Vor dem Datenspenden ein wenig Nachdenken erspart hinterher den Katzenjammer.
Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Bloggern zwei, drei echte Freunde oder Freundinnen. Virtuelle Netzwerke desozialisieren die Menschen und können abhängig machen.

 

 

Längst fällige historische Horizonterweiterung

Beim Schreiben lief: The Doors – In Concert (1970). Einige Stücke ziehen noch immer. Aber insgesamt ist die Band überbewertet, besonders Morrisons Texte. Jetzt, damit die Abendruhe einkehrt: Michael W.F. Hensel – Chartres. Mythos der Rose (1992)…

In Hessen werden laut einer Umfrage des Einzelhandelverbands in den nächsten zwei Wochen 8,4 Milliarden Euro für den Kauf von Weihnachtsgeschenken erwartet. An erster Stelle stehen Spielwaren, gefolgt von chemokosmetischen Artikeln. Für ihre Einkäufe geben die Kosumenten durchschnittlich fünfhundert Euros aus.
Letztes Jahr habe ich limitierte Kalender mit meinen Fotografien zum Verkauf angeboten. Im Sinn des Reduktionsprojektes soll es in diesem Jahr jedoch auch anders gehen.
Etliche Bücher, CDS und DVDs sind derzeit unterwegs im Land. Überraschungssendungen für Menschen, von denen ich einige persönlich kenne. Andere kenne ich lediglich wegen der Beiträge ihrer Blogs. Meine Intention ist dabei nicht der Tausch von Waren gegen Geld, sondern die Schaffung (hoffentlich) beiderseitiger Freude. Ich habe einige Informationen über die Empfänger und überlege mir, was ihnen eventuell Freude bereiten könnte. Und meine Freude erblüht von selbst durch die Reduktion meiner Bestände.*
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Eine der positiven Folgen meiner Erziehung zeigt sich darin, dass ich seit meiner Jugend einfachen Antworten auf komplexe Prozesse gegenüber kritisch bin. Komplexe Prozesse haben schliesslich immer mehrere Facetten. Insofern habe ich auf das im Folgenden vorzustellende Buch seit vielen Jahren schon gewartet.

Die Autorin ist Historikerin und lehrt an der Universität Konstanz Neue und Neueste Geschichte. Ihr Anliegen ist die Korrektur weitverbreiteter historischer Irrtümer. Weiterhin stellt sie an zahlreichen Beispielen dar, wie es den Opfern, also überwiegend Frauen im Lauf der Nachkriegsgeschichte bis teilweise in die 1980er Jahre mit den Folgen ihrer Erlebnisse ergangen ist.

In ihrer Untersuchung „Als die Soldaten kamen“ präsentiert die Autorin „das ganze Ausmaß einer menschlichen Tragödie […], die auch in Friedenszeiten noch lange nicht vorbei war.“ Das Buch ist nach einer Einführung in das Thema in fünf Kapitel aufgeteilt.
Im ersten Kapitel wird der zeitliche Rahmen der Geschehnisse umrissen. Die Opfergruppen werden beschrieben. Neu war mir dabei die sexuelle Gewalt gegen Männer (Vergewaltigung als Unterwerfungsritual). Das Kapitel beschliesst Miriam Gebhardt, indem sie ihre verwendeten Methoden vorstellt und dabei auf die Quellenlage verweist und die besondere Vorsicht, die im Umgang mit ihnen geboten ist. Was die Zeitzeuginnen betrifft, so sind die meisten Gesprächspartnerinnen inzwischen hoch betagte Frauen. Und in einigen Jahren wird es keine lebenden Opfer mehr geben. Auch dies einer der Gründe, diese grausamen Ereignisse neuerer Geschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Im zweiten Kapitel werden die einmarschierenden Armeen aus dem Osten und das Verhalten der Soldaten der Roten Armee dargestellt. Dies geschieht am Beispiel Berlins. Hier wird herausgearbeitet, wie die deutschen Frauen durch Goebbels Propaganda indoktriniert und auf die russischen Untermenschen „vorbereitet“ waren. Da im Verlauf des Krieges durch die immensen Verluste innerhalb der Roten Armee immer neue Soldaten gebraucht worden sind, kamen diese Soldaten immer weiter aus der östlichen UdSSR Osten. Es ist auffällig, dass in den Quellen die Soldaten dunklerer Hautfarbe und asiatisch erscheinendem Aussehen in der negativen Beschreibung der Frauen den schwarzen Soldaten der Alliierten Armeen sehr ähnlich sind.

Im dritten Kapitel werden die Vergewaltigungen der alliierten Armeen, also der Amerikaner, der Briten und der Franzosen am Beispiel Süddeutschlands dargestellt. Über Vergewaltigungen britischer Besatzungssoldaten existieren offensichtlich so gut wie keine Quellen. Das bedeutet leider nicht, dass diese Soldaten sich deutschen Frauen gegenüber menschlicher hätten als ihre alliierten Mitstreiter.
Es ist aufschlussreich, wie unterschiedlich die jeweiligen Armeevorschriften hinsichtlich der Problematik der Fraternisierung waren. Diese haben schon zu einem frühen Zeitpunkt den verschiedenen Entnazifizierungsvorstellungen der Besatzungsmächte entsprochen. Und beeinflussten auch das Verhalten der Soldaten gegenüber der deutschen Bevölkerung. Schon rasch nach der Landung in der Normandie begannen die Massenvergewaltigungen britischer und us-amerikanischer Soldaten an französischen Frauen. Man kann aus dem Text erkennen, dass auf dem Vormarsch der Armeen die Frauen als Gruppe insgesamt ständig grosser Gefahr ausgesetzt waren. Ob siebenjähriges Mädchen oder siebzigjährige Frau, alle waren potentiell gefährdet. Auf deutschem Boden einmarschiert, benahmen sich die französischen Soldaten dann genauso entmenscht wie die anderen Soldaten.

Im vierten Kapitel behandelt Frau Gebhardt die Frage, wie mit den Frauen umgegangen worden ist, die Opfer von Vergewaltigung(en) geworden sind. Es ist kaum verwunderlich, dass von seiten der Besatzungsarmeen kein Interesse bestand, jeden einzelnen Fall zu klären. Das war in vielen Fällen schon deshalb nicht möglich, da sich Soldaten gegenseitig Alibis gegeben haben. Anfangs hatten die deutschen Behörden, allen voran die deutsche Polizei oder Justiz auch garkeine Befugnisse gegen Besatzungssoldaten vorzugehen. Geradezu beschämend ist allerdings, wie nach 1954, also nach Aufhebung des Besatzungstatuts, die deutschen Behörden in ekelhafter Weise deutsche Frauen vielfach abgefertigt haben. Dies war besonders oft der Fall, wenn soziale Unterstützungen beantragt worden sind. Hervorzuheben sind in diesem Kontext auch die Kirchen und die Ärzte, die sich oft besonders widerwärtig verhalten haben, wenn es beispielsweise um den Abbruch unerwünschter Schwangerschaften infolge von Vergewaltigungen ging.

Im abschliessenden fünften Kapitel werden die langzeitigen Folgen dieser massiven Gewalttätigkeite für die betroffenen Frauen aufgezeigt. Kritisch wird auch die deutsche Frauenbewegung beleuchtet, die dem Thema der kollektiven Vergewaltigungen nie eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat.
Im Anhang finden sich Anmerkungen, Quellenhinweise und ein Orts- und Personenregister.

Ich bin der Autorin dankbar für die schwierige und mühselige Recherche nach Fakten und der diffizilen quelllenkritischen Arbeit. Sie räumt auf mit dem hartnäckigen Vorurteil, dass nur die Soldaten der Roten Armee deutschen Frauen Gewalt angetan und obendrei noch geplündert hätten. Wie hätte ein einfacher russsicher Soldat seine „Kriegsbeute“ denn bei dem Vormarsch auf Berlin transportieren sollen? Und in der DDR wurde von Anfang viel unternommen, um den Umgang der deutschen Bevölkerung mit der Besatzungsarmee zu verhindern.
Dass sich das Vorurteil gegen die russichen Soldaten so hartnäckig hält, hängt unter anderem damit zusammen, dass die Vertriebenenverbände damit schon früh eine ertragreiche Politik gemacht haben. Und die einzige frühe Untersuchung zum Thema der Vergewaltigung deutscher Frauen gab ein Vertriebenenverband in Auftrag. Überdies nutzte dieses, im Lauf der Zeit ins Absurde gesteigerte, Feindbild der regierenden CDU, die unter ihrem Kanzler Adenauer unbedingt ein westliches Bündnis, die Wiederbewaffnung und damit natürlich auch den eigenen Machterhalt anstrebte.
Dass us-amerikanische Soldaten ebenso wenig zimperlich waren (und sind) wie andere Militärpersonen auch, ist nicht verwunderlich. Erschreckt hat mich aber doch das Ausmass us-amerikanischer Gewalt an der gesamten deutschen Bevölkerung. Die Herrschenden in BRD und DDR waren sich gleich in ihren Lobgesängen auf ihre Befreier. Die tatsächlichen Befreier vom Joch des Naziregimes waren allerdings die Soldaten der Roten Armee, die Berlin zu Fall brachten. Mit geschätzen 20 Millionen Opfern trugen sie die Hauptlast der Toten insgesamt. Ein besonderer Fakt ist die Faszination, die us-amerikanische Soldaten auf Menschen in ihrer Besatzungszone ausübten. Schokolade, Kaugummi oder Zigaretten waren in jenen Zeiten materieller Kümmernis eine gewaltige Verführung. Und die oft beschriebene Lässigkeit der Boys tat ein Übriges. Nicht selten wurden einer deutschen Frau nach erfolgter Vergewaltigung einige Zigaretten auf den Tisch gelegt oder ein Täfelchen Schokolade. Als Entschädigung quasi. Aus diesem Umgang hatten es die Frauen besonders schwer, Klage zu erheben. Es muss den meisten von ihnen unterstellt worden sein, sich nicht genug gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr gesetzt zu haben.

„Als die Soldaten kamen“ von Miriam Gebhardt stand längere Zeit auf den Bestsellerlisten. Das liegt am Thema und eventuell auch daran, dass es gut lesbar geschrieben ist und nicht in trockenem Historikerdeutsch daherkommt. Die Besprechungen waren entsprechend durchweg  positiv, egal ob von Rezensenten oder Rezensentinnen.
Neben neuen Fakten ist mir vor allem eines wieder deutlich vor Augen geführt worden. Geschichtsschreibung ist die Deutungsmacht der Herrschenden. Die historische Vielfalt wird in diesem Sinn eingeengt für die Interessen einiger Weniger.
Weiterhin muss es immer wieder klar ausgesprochen werden, dass der Zweite Weltkrieg von Deutschland angefangen worden ist. Das Regime erhielt bei den beiden letzten freien Wahlen 1932 jeweils deutliche Mehrheiten durch die Stimmen der Wahlberechtigten. Schätzungsweise fünfundfünfzig Millionen Tote und zahllose Frauen, die massive Massenvergewaltigungen erleiden mussten (und teilweise nicht überlebten) als ein Teil unermesslichen Leids sind das Ergebnis dieser Wahlergebnisse.

Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs. München, Deutsche Verlags-Anstalt, 2015. 351S.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein erkenntnisfreudiges Wochenende.

* Wenn Sie auch gerne einen Umschlag mit einer Trouvaille aus den Ärmelsammelsurien zugesendet haben möchten, dann schreiben Sie mir gerne einige Zeilen dahingehend. Meine Mailadresse findet sich oben auf der Seite unter copyright. Sie machen mir eine Freude.

 

 

Reduktion brennender Gehirne

Edgar Froboese lieferte seinerzeit die klingenden Folien, auf denen sich unter bestimmten Umständen bei nächtlichen Parties die fantastischsten Farben und irrsten Muster und Strukturen vor den eigenen Augen entwickelten. Als ferne Erinnerung an jene garnicht so leuchtenden Zeiten: Tangerine Dream – Reise durch ein brennendes Gehirn (1970)…

Es braucht heutzutage keine elektronische Musik, um brennende Hirne zu erleben. Man sieht es den Menschen an, ob sie noch selbst denken. Kritische Distanz wahren können im Abwägen, ohne hohle Phrasendrescherei. Brennend aus Begeisterung. Lodernd in Freude.
Dafür scheinen erloschene Hirne auf dem Vormarsch. Im Gleichschritt denken. Uffda Uffda Rammdada. Die Manmachtdassosager. Die Dasnehmichmitsager. Die Mangönntsichjasonstnichtssager.
Deren täglicher Löschvorgang schallt aus den einschlägigen regionalen Lall- und Labersendern. Dort werden die unwichtigsten Nachrichten zu Sensationen aufgebaut. Den Zuhörern wird suggeriert, dass da was am Laufen ist.
„Wir werden Sie selbstverständlich weiterhin auf dem Laufenden halten.“ Damit sollen einzig die Hörer am Sender gehalten werden. Meist werden die entsprechenden Nachrichten während des Tages noch einige Male wiederholt um dann im Sabbelmüll zu verschwinden. Nach zwei Tagen alles vergessen und vorbei. Neue Scheinsensationen, neue Fesseln.

Die Nachricht des heutigen Morgens: „Ein Mann in langem schwarzen Mantel, angetan mit Schottenrock und einem gehörnten Wikingerhelm hielt gestern mehrere Stunden die Polizei in Atem. Der Mann drohte mit einer Bombe. Nachdem einige Geschäfte der Innenstadt und ein Parkhaus evakuiert waren, wurde der Held im Jobcenter gestellt. Der mitgeführte blaue Rucksack wurde von Spezialisten des LKA untersucht. Die gaben nach einer Stunde Entwarnung. Im blauen Rucksack befand sich lediglich Schmutzwäsche. Kein Wort darüber, ob der Nordmann mit einer Streitaxt bewaffnet war.
Die betreffende Kleinstadt wurde in Hessen verortet, liegt jedoch in Rheinland-Pfalz.
Mensch Ärmel, musst nicht gleich wieder Erbsen zählen. Merkt doch eh niemand. Und der Moderator soll nicht denken sondern plappern.

Jamaika war kaum gescheitert, schon schickte die deutsche Automobilindustrie ihre gekauften Lakaien an die Front. Die stiessen in die Fanfaren und verkündeten prompt, dass Gedanken oder gar Planungen hinsichtlich elektrisch betriebener Kraftfahrzeuge für die deutsche Automobilindustrie bedenklich wenn nicht schädlich sei. Die Rohstoffe für die benötigten Batterien würden nämlich vornehmlich in nicht sicheren Staaten, also Diktaturen, gefördert. Demzufolge sei ungewiss, ob die benötigten Rohstoffe überhaupt planungssicher zu beziehen seien. Mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, falls… wurde dabei noch nicht gedroht.
Fragen danach, ob die fossilen Rohstoffe zum Betrieb unserer derzeitigen Verbrennungsmotoren nicht auch aus Diktaturen bezogen würden blieben unbeantwortet. Die zukunfstweisende Frage, ob sich nicht aus dem Hirnschlamm deutscher Automobilmanager Brennstoffe destillieren liessen, wurde verneint; es handle sich dabei allenfalls um gefährlich kontaminierten Sondermüll.

„Und hier noch ein Hinweis für die Autofahrer: „Die B… in Richtung… bleibt wegen Bergungsarbeiten weiterhin gesperrt. Dort geriet die Fahrerin eines Ferrari aus bislang noch ungeklärten Gründen auf die Absenkung einer Leitplanke. Ihr Flug wurde durch einen Baum abrupt beendet und er Ferrari in drei Teile zerissen. Die Frau wurde mit Verletzungen aus dem Auto befreit. Der im Auto befindliche Hund überlebte den Anprall nicht.“
Und die Hundefreunde? Die jetzt trauern möchten. Warum verrät man ihnen weder den Namen noch die Rasse des vierbeinigen Beifahrers? Ob Ferrari oder sonstein Gefährt, das spielt doch die geringste Rolle.

Die chemokosmetischen Industrien wirds freuen. Laut einer Umfrage wollen 60% der Befragten bei ihren Weihnachtsgeschenkeinkäufen zu chemokosmetischen Erzeugnissen greifen. Dabei werden Preise von über hundert Euro pro Artikel in Betracht gezogen. Vielleicht sollte man in den Stink- und Schmierläden die Flüssigchemikalien statt auf Parfümprobierpapierchen den Interessenten mit zwei Spritzern in die eigenen Augen verabreichen. Schaden kann das ja nicht, da die Inhaltsstoffe bereits vorher ausgiebig in den Augen oder künstlich beigebrachten Wunden von Tieren ausgetestet worden sind.

Mitfahrgelegenheit am vergangenen Sonntag. Treffunkt. Uhrzeit. Alles perfekt. Freundlicher Fahrer. Vor uns liegen dreihundertfünfzig Kilometer auf der Autobahn. Oder fünfzig Kilometer weniger, dafür hundert Kilometer zügig zu befahrende, gut ausgebaute Landstrasse.
Ich bin die Landstrassenstrecke bereits mehrfach gefahren und sonntags sind dort keine LKWs unterwegs. Und der Landmann gönnt seinem Traktor Ruhe. Der jugendliche Fahrer wiegt nur kurz den Kopf und bedenkt sich noch kürzer und entgegnet meinem Vorschlag: „Ach, verlass´ mich lieber auf die Maschine, die weiss es eh besser als ich.“
Hundertzwanzig Kilometer später zeigt das Navigationsgerät einen Stau. Der wird seit Wochen auch rund um die Uhr von den Lall- und Sabbelsendern verkündet.
Irgendwann schaue ich auf meine Uhr. Vor mir liegen aber noch zwei Stunden.
Ich könnte jetzt zuhause sein. Beim Blick aus dem Autofenster dämmert mir, dass die brennenden Gehirne aussterben. Brennend aus Begeisterung. Lodernd in Freude. Selbst denken, logisch, zielgerichtet. Dennoch warmherzig und mit leuchtenden Augen, das findet sich zunehmend seltener.
Erloschene Hirne sind auf dem Vormarsch.

(Advent Advent, sei froh wenn Dein Gehirn noch brennt)