Ansichtssachen (XV)

Es musste schnell gehen. Damals. Mit dem Aufbruch in eine neue Zeit. Mit dem Vergessen. Ich habe Schriftstücke vom Sommer und Herbst 1945. Unter den Verwaltungsstempeln ist das schräge hakige Kreuz nur allzu hastig weggekratzt worden. Da muss man heute schon genau hinsehen, um das zu erkennen. An vielen Bauwerken in Deutschland jedoch mussten die Steinmetze sich offensichtlich so sehr beeilen, dass die Spuren noch immer deutlich sichtbar sind. Wenn man einfach mal hinschaut.

 

(gesehen in einer Gemeinde im Mittelrheintal)

Der neudeutsche Wahnsinn oder Gebiss entgleist

Horsche: Lorenzo Il Magnifico – Trionfo Di Bacco, Carnival Songs, 1449-1492 (Doulce Mémoire).
Lesen: Im öffentlichen Bücherschrank gefunden: Hammond Innes: Der weisse Süden. Übersetzt von Arno Schmidt. Wer kennt Hammond Innes heute noch?
Essen & Trinken: Bandnudeln und eine feine Tomatensauce. Mit Tomaten, frischen Kräutern und Knoblauch frisch aus dem Garten. Von der kleinen, privaten Kelterei den hervorragenden Speierling. Bei diesen Temperaturen natürlich gespritzt.
Schaffe: Bei der Hitze nur ein ganz klein wenig in der Werkstatt an La Perle arbeiten. Da inzwischen bekannt ist, dass diese Schönheit siebzig Jahre alt ist, lassen wir gehörige Vorsicht walten.
Gugge: „Maudie“ (2017) von Aisling Walsh. Ein Film über das Leben und die Liebe der kanadischen Malerin Maud Lewis. Grossartige Bilder und zwei herausragende Hauptdarsteller. Zur Zeit in der Mediathek bei arte.tv zu sehen…

Das Leben unter der Einflugschneise. Menschen wollen eine weitere Coronawelle. Oder zwei. Oder drei. In jedem Fall: SPASS MUSS sein!!!

Ich erinnere mich an einen sehr beleibten Kanzler, der (lt. Interview) Saumagen und weissen Käse (oder warens eher Lewwerknebb?) zu seinen Lieblingsspeisen zählte. Dieser grosse Mann verkündete die von seiner Partei (die er natürlich selbst war) geplante geistig-moralische Wende. Darin war neben anderen komödiantischen Einlagen auch von der umgehend zu beendenden „Spassgesellschaft“ die Rede.
Vermutlich war das der Grossgegenangriff auf die NDW-Hymne „Ich will Spass“ von dem Schlagersänger Markus. Und weil dieser Text auch von so illustren musikalischen Fixsternen wie Torfrock, Mundstuhl oder James Last gespielt worden sind, sah man im Kanzlerhauptquartier Gefahr im Verzug.
Und weil Logik nicht gerade zur Grundingredienz politischer Arbeit gehört, wurde einem am 14. Juli 2011 verstorbenen Medienunternehmer fast zur gleichen Zeit die Generallizenz zur völligen Verblödung der deutschen Massen mittels privater Fernsehsender erteilt. Brot und Spiele, damit das Volk das Maul hält und vor allem: endlich zu denken aufhört. Wobei, was das Denken betrifft… Das einzige, was auf dieser schönen Welt offensichtlich gleich verteilt ist, ist die Intelligenz. Da meint nämlich nahezu jeder, er habe genug davon.

Die Brandung dieser seit nun mehr als dreissig Jahren flutenden geistig-moralischen Wende kann man an den Demonstrationen gegen die Maskenvorschriften erkennen. Die Massen wollen Spass. Von Vergnügen oder gar Freude spricht niemand mehr. Stattdessen werden mit den teilweise sehr weitsichtigen Vorschriften Schmähworte wie Diktatur oder Sklaverei verbunden.
Mein Vorschlag zur Behandlung dieser Menschen. Ab in das nächste Land ohne Verfassungsgerichtsbarkeit und dort drei Wochen für den europäischen Billigkonsum wirken. Unter den landesüblichen Bedingungen versteht sich. Vielleicht würde dann doch einigen dieser Menschen ein Fünklein im Oberstübchen aufleuchten.

Es gibt Wirtschaftszweige, und damit meine ich nicht die Daxunternehmen oder ähnliche notorischen Steuervermeider, sondern die kleinen und mittleren Unternehmen, die unseren Sozialstaat am Laufen halten. Vielen dieser Unternehmen ginge bei weiteren Coronawellen ziemlich rasch die finanzielle Luft aus. Und auch all denen, die diesen Unternehmen beispielsweise als Auftragnehmer verbunden sind.
Aber das ist jenen Zeitgenossen völlig gleichgültig, die JETZT IHREN SPASS haben wollen.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine freudvolle Woche. Bleiben Sie wohlauf und lassen Sie sich nicht anstecken.

 

(Diese Zufallsaufnahme könnte aus einer Nachmittaggeschwätzschau mit künstlich eingeblendetem Lachen stammen)

 

 

 

Ansichtssachen (VIII)

Die Generation meiner Eltern – also die zwischen etwa 1920 und 1940 Geborenen – beschäftigt mich seit geraumer Zeit. Auch kulturwissenschaftlich. Sollte ich einen durchschnittlichen Mann dieser Generation allegorisch abbilden, dann etwa so wie in den beiden Photographien. Mehr dazu in einem späteren Beitrag

 

 

 

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Samstags, spätvormittags

Musik: Interzone – The lost Tape (2019). Ganz frühe Aufnahmen zu den Texten von Wolf Wondratschek.
Lektüre: Wolf Wondratschek – Gedichte und Lieder, Zweitausendeins, 2003.
Essen & Trinken: Zwischendurch einen Joghurt mit hausgekochter Mispelmarmelade und frischen Orangen.
Arbeit: Überlegungen zu dem Plan, was aus einem seit Jahren währenden Blogkommentarwechsel machbar sein könnte.
Film: … .

Ich weiss garnicht, ob irgendwo noch Fussballspiele stattfinden. Ist wahrscheinlich ausser für beinharte Zuschauer und die Geldverdiener hinter der Bühne nicht weiter wichtig. Es hat mit sportlichem Wettkampf ohnehin nur noch wenig zu tun. Verkommen zur modernen, hochkapitalisierten Form des altrömischen Zirkus. Das Motto von damals – panem et circenses – gilt noch heute. Lass die Leute arbeiten und in ihrer Freizeit lenke sie ab mit Spielereien – Brot und Spiele. Dann herrscht Ruhe im Land.
Vereine kann man sich kaufen wenn man es sich leisten kann. Herr Hopp konnte das und er hat es auch getan. Zielgerichtet. Als Investor versteht sich. Dafür liess er sich das Regelwerk der DFL (Deutsche Fussball Liga e.V.) zu seinen Gunsten ändern. Das ist angewandte Kaufkraft. Dieses Handeln rief viel Kritik hervor. In letzter Zeit ganz besonders von Fans (Abk.: Fanatikern) gegnerischer Mannschaften. Meine Kritik ruft er nicht hervor. Ich verstehe von diesen Geschäften nichts und verdiene auch nicht daran. Im Gegenteil, ein Mann wie er zeigt mir, wie es wirklich um unser System bestellt ist. Und er hat auch gleich Nachahmer auf den Plan gerufen. Ein Leipziger Verein trägt nun den Namen einer trinkbaren Hallowach-Chemikalie. Aber darum geht es nicht.

Wie komme ich jetzt ausgerechnet auf Fussball und den Herrn Hopp?

Aaahh – – ich war heute Morgen im hiesigen Supermarkt. Wir wollten einige Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen. Die lange Regalwand mit Toilettenpapier war heute prall voll. Die anderen Konsumenten gehen fast achtlos dran vorbei. Schauen mal kurz hin und gehen weiter.
Mich bewegt in den letzten Wochen nicht die Frage, warum viele Leute asgerechnet Klopapier hamstern müssen. Ich frage mich, wo der Nachschub bleibt. Hey, wir leben im Hochkapitalismus. Da versteht es sich, dass die Regale voll sind. Und zwar immer und ständig bitteschön.
Und heute Morgen fiel mir dazu dann der Herr Hopp ein. Genauer seine Firma SAP. Softwarelösungen für zum Beispiel die Finanzbuchhaltung, das Personalmanagement. Und das hochgelobte Chain Supply Management. Immer alles just-in-time. Keine Zeit verlieren. Keinen Lagerplatz verschwenden. Kein Geld verlieren. Lieferkettensteuerung. Die Klopapierlieferkette war gerissen. Seit drei Wochen schon. Und die tollen Softwarelösungen (nicht bloss die von SAP), an die wir alle so gerne glauben? Die haben uns jetzt gezeigt, dass wir von der Planwirtschaft vergangener Tage durch die modern Software garnicht mehr so weit entfernt sind. Die Klopapierproduzenten waren zu langsam und konnten ihre Produktion nicht entsprechend der Nachfrage hochfahren.

Aber noch stabilisiert sich unser Wirtschaftssystem rasch. Im Regal lagen heute Pakete mit je acht Rollen. Ziemlich dünn und ziemlich schmal waren die Rollen. Acht Stück im Paket zu 4,49€. Die Plastikverpackungen waren unbedruckt. Niemand weiss, wieviele Blätter die Rollen nun haben. Ordentlich Kosten wurden da bei der Herstellung gespart, dafür beim Verkaufspreis aber unverschämt zugelangt. Und die Konsumenten zahlen nun den Preis dafür.

 

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein erfreuliches Wochenende.

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Mittwochs an der Krise vorbei

Musik: Hier knacken und knistern alte 78er Platten. Ein Riesenarchiv ist online zum stöbern und hören.
Lektüre: Beiträge in verschiedenen Blogs und die dazugehörigen Kommentare.
Essen & Trinken: Seit Wochen keine Süssigkeiten.
Arbeit: Die Handwerker im Haus – no comment.
Film: In der Mediathek des MDR (mdr.de) gibts jedes Menge schöne Filme und interessante Dokus aus späten DDR Produktionen.

Ich werde gefragt, warum ich derzeit fast täglich einen Beitrag in meinem Blog veröffentliche.
„Du hast doch selbst gesagt wegen Deiner Reduktion und so. Schreibst dann kaum noch und jetzt gehts da ab wie die Luzi.“
„Ich richte mich nach Notwendigkeiten. Und die erfordern es, jetzt ein Gegengewicht zu setzen gegen die mediale Verdummungs- und Angstverbreitungsmaschinerie.“
Menschen sollte man Mut machen und Chancen und Wege aufzeigen. Jeder sollte nach seinen Möglichkeiten seinen individuellen Lebensweg finden und gehen.
Zu viele Interessen wollen uns zu einer hirnlosen Herde zusammentreiben. Nicht denken, sondern konsumieren. Verunsichern und Angst machen, das fördert den Konsum. So in etwa ist ihre dumme Dauerdevise.

Die regionale Mainzer Allgemeine Zeitung titelt heute Morgen: „Sterberate wird steigen – Derzeit überleben 0,8 Prozent der nachweislich Infizierten Covid-19 nicht.“
Wie mag es in dem Hirn des verantwortlichen Menschen zugehen, der so etwas schreibt anstatt, „Sterberate fast konstant – Derzeit überleben 99,2 Prozent der nachweislich Infizierten Covid-19.“

Der Schreibknecht hat sich rechts und links eine ordentliche Maulschelle redlich verdient. Ich lese noch zwei, drei weitere Titel und keinesfalls die Berichte – da fällt einem frühmorgens schon der Mageninhalt aus dem Gesicht. Das Panikblatt erscheint im mit anderen Blättern ähnlichen dumpfen Inhalts im VRM. Ich vermute, das bedeutet Völlig runtergekommene Miesmedien. Ich gebe dem Nachbarn seinen Papiermüll mit einem Kopfschütteln zurück.

Ich habe gut geschlafen heute Nacht. An Träume kann ich micht erinnern. Allenfalls nebulöse Fetzen und unscharfe Bilder  sind hängengeblieben. Ausdrücke und Namen schwirren im Gedächtnis.
Oder haben Sie mal was von Fridays for Future gehört? Arbeitslosenzahlen – was will mir das sagen? Eine Landschaft, vielleicht ein Sumpf und darin eine Menge Menschen, davor so eine Art Zaun mit einem Bettuch dran; darauf Buchstaben gemalt: Mirantn oder so. Irgendein Mensch, wahrscheinlich eine junge Frau nannte sich Greta. Die hielt ein Mikrophon in der Hand. Das wollte ihr eine Art Strohpuppe entreissen. Es gelang schliesslich und der Strohkopf schrie ganz hysterisch Brexitbrexitbrexit. Was immer das bedeuten mag. Ein anderes Wort war sowas von sonderbar, das habe ich behalten und gleich nach dem Aufwachen notiert: Bundeswehrberaterskandale. Anderes mehr ist in Waberschwaden entschwunden.

Nicht, dass Sie jetzt denken. Ich weiss auch nicht, woher solche Sachen kommen. Oder haben Sie schon mal solche Bilder gesehen oder solche Worte gehört?
Untersuchen lasse ich mich natürlich nicht. Ich fühle mich ganz wohl in Gesellschaft der 99.8 Prozent meiner hiesigen Mitmenschen.

Ich wünschen Ihnen einen erfreulichen Tag und dass Sie die Kraft haben dem Irrsinn zu widerstehen. Auch Sie zählen wahrscheinlich zu den 99.2 Prozent. Wir wissen nichts. Die meisten von uns sind keine Mediziner. Und keine strippenziehenden Politiker. Und keine miesen Geschäftemacher, die diese Situation für ihre Raffgier ausnutzen. Bleiben Sie Mensch. Es gibt viele von uns.