Fünf gerade machen

Wilde Mädels: Cobra Killer – Uppers & Downers (2009). Nach dem energetischen Auf und Ab zurück in die sicheren Gefilde des Progrock: Genesis – The Lamb lies down on Broadway (1974)…

Früh erwacht. Nicht zu früh, aber dennoch war die Nacht zu kurz. Das lange Telefonat mit dem anregenden Austausch. Im Aufwachen Erinnerungsfetzen daran. Unterm Blauhimmel wabern Nebelschwaden. Vielleicht sollte man im Älterwerden an die Gründung einer WG denken. Mit welchen Inhalten und Zielsetzungen wäre die zu beleben? Die idealistischen Vorstellungen der Jugendjahre lassen sich nicht einfach wiederholen.
Am Flatterband der Gedanken nach draussen. Es ist kalt, die frische Luft riecht nach Schnee. Nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal eine morgendliche Vorfrühstücksradfahrt zum Wachwerden. Eine Fünf-Brücken-Tour. Der letzte Nebel auf den Wiesen am Fluss. Am Ufer haben etliche Binnenschiffe festgemacht. Das monotone Klopfen der Dieselmotoren um die Akkumulatoren aufzuladen. An der meistbefahrenen Schleuse Deutschlands herrscht schon reger Betrieb. Die meisten Schiffe haben eine hohe Ladelinie. Die Schiffer warten auf Frachtaufträge. Auf der Maaraue läuft mir beinahe ein Hund ins Rad. Den interessiert nicht das Hierherhierher-Geschrei seines Leinenhalters.

Auf dem Rhein findet die Prüfung für einen Bootsführerschein statt. Das Publikum steht am Ufer. Fachkundige Handbewegungen. Der schneidende Krach eines hochdrehenden Motors schrillt durchs Unterholz. Auf einer versteckt liegenden Wiese Fahrversuche mit dem ferngesteuerten Modell eines Geländewagens.
Das neu aufgestellte Denkmal zur Erinnerung an das gefährliche Handwerk der Rheinflösser. Die allerletzte grosse Flösserei aus dem Schwarzwald fand 1968 statt. Grosse Flossverbände waren bis dreihundert Meter lang. Mit dem Denkmal wird an die lokalen Flösser erinnert. Die letzten Hiesigen verloren 1964 ihre Arbeit.
Die zahlreichen Rheindurchstiche zur Begradigung des Stroms im vorletzten Jahrhundert waren damals das grösste Bauprojekt Deutschlands. Seitdem soll es auch keine Fälle von Malaria mehr geben. Der fielen viele Menschen zum Opfer, die an den Ufern des Rheins lebten.

Gegenüber die Vedute der Stadt Mainz. Auch diese Stadt hat ihre Zwillingstürme. Am linken Rand des Sichtfeldes, also im Süden erhebt sich der Turm von St. Stephan. Erinnerung an eine innige und glückliche Stunde in der vergangenen Woche. Marc Chagall war 95 Jahre alt, als er die zauberhaften blauen Glasfenster entworfen hatte. Sonnenschein taucht das Kirchenschiff in kühles Blau. Das eigene Wärmeempfinden wird dadurch nicht berührt.

Von der Eisenbahnbrücke, der fünften auf meiner morgendlichen Runde, schweift der Blick hin zur Mainspitze. In dieser klimatisch angenehmen Gegend siedeln seit vielen Jahrtausenden Menschen. Vormals reichte das Delta des Neckars bis fast hierher. Die Menschen fanden in den weitläufigen Flusslandschaften ideale Lebensbedingungen.
Ich freue mich auf ein Frühstück. Die alte Landstrasse zwischen den beiden Städten war in meinen Kindertagen von einer beeindruckenden Kastanienallee gesäumt. Die meisten davon mussten der Verbreiterung der Strasse weichen.
Auf meiner letzten Etappe wird die Strasse von der Autobahn unterbrochen. Einige der verbliebenen alten Kastanien leuchten schwach im Morgendunst. Fünf-Brücken-Tour. Das bedeutete in lange vergangenen Zeiten einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang. Von daher hat sich auch die Bezeichnung erhalten. Ich muss jetzt aber noch die Autobahn überqueren. Die sechste Brücke. Und auch diese Brücke gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten.
Es dauert manchmal lange, bis die Sprache an die veränderten Gegebenheiten angepasst wird. Sowohl im Allgemeinen wie im Besonderen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine unangepasste Woche, wo immer das möglich sein wird.

                                                                 (Fotografie anklicken und die Bilder vergrössern)

 

Wurzeltouristen GmbH & Co. KG (eine Annäherung)

Während des Schreibens an diesem Artikel konnte ich keine Musik gebrauchen. Dafür jetzt, um den Kopf aufzuräumen:
Billy Cobham – Shabazz (1974)…

Der Himmel über Warschau ist grauwolkig am späten Vormittag. Über die Strasse 7 (E77) fahren wir nach Norden unserem nächsten Ziel entgegen. Die Überlandstrasse ist hervorragend ausgebaut, zudem sonntags sind kaum Lastkraftwagen unterwegs. Wir lassen Gewerbegebiete und Vorstädte hinter uns und fahren durch ein scheinbar grenzenloses, landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Je weiter wir nach Norden fahren, treten die sanft gewellten Ausläufer der Endmoränenlandschaft deutlicher in Erscheinung. Die Wolkendecke beginnt aufzureissen. Viele fleissige Hände sind rührig auf den Erdbeerfeldern.
In Działdowo (Soldau) machen wir Station. Ein kleines Hotel gegenüber des alten Schlosses wird uns beherbergen. Działdowo liegt direkt an der ehemaligen Grenze zwischen Polen und Ostpreussen. Ein kleines, ruhiges Städtchen, das seine ehemalige Bedeutung als Grenzstadt verloren hat. Hier begegnen wir den ersten Wurzeltouristen. Die habe ich für mich so genannt, denn ihre Antriebe bestehen vornehmlich darin, den Entwurzelungen ihrer Herkunft nachzuspüren. Im weiteren Verlauf der Reise werden wir unterschiedliche Arten von Wurzeltouristen kennenlernen. 

Am nächsten Morgen brechen wir nach dem Frühstück auf zu dem kleinen Dorf, in dem die Vorfahren einiger Reiseteilnehmer bis zum 20. Januar 1945 ansässig waren.  Die Familie bewirtschaftete dort seit dem 19. Jahrhundert ein recht grosses Gut, das durch harte Arbeit und wirtschaftliches Geschick stetig ausgebaut werden konnte. Wir haben Lagepläne und alte Fotografien im Rucksack für die Spurensuche.
Fragen auf der kurzen Fahrt dorthin. Im Ohr klingen Sätze nach wie, dort werdet ihr nichts mehr finden; was der Russe mit dem Panzer nicht plattgefahren hat, das hat der danach der Pole…(alles, wie wir es gelernt haben).
Nicht nur viel Falsches haben wir gelernt, manches wurde garnicht erst vermittelt. Und an Aufklärung und der Korrektur des daraus resultierenden Halbwissens bestand zu keiner Zeit ein politisches Interesse. Und zwar von keiner Seite der beteiligten Akteure.
Seit Kindertagen im Ohr klingelt das Wort Rittergut, die Flüchtlinge aus Ostpreussen, das waren doch alles Rittergutsbesitzer.
Was hat es mit den landwirtschaftlichen Gütern auf sich? Woher kam eine Familie, die sich im 19. Jahrhundert im ostpreussischen ansiedelte? Welche Beweggründe mögen sie dahin  bewegt haben?
Sehr vereinfacht dargestellt, kann man folgendes sagen. Die wirklich grossen Güter bestanden bereits seit der kriegerischen Expansion und der Inbesitznahme dieses grossen Gebietes durch die Deutschordensritter. Denen folgten zur Besiedelung und Kultivierung des Bodens adlige Familien aus dem alten Reich. Sehr früh engagierte sich so beispielsweise die aus dem Westfälischen stammende Familie derer von Dönhoff. Diese Familien wohnten in Schlössern und erwarben im Lauf der Jahrhunderte unvorstellbar grosse Landbesitzungen.
Mit dem Niedergang des Deutschherrenordens und dem Aufstieg Preussens im 17. Jahrhundert zu einer vorerst noch regionalen Macht, fand eine gewisse Umstrukturierung der kleineren Ländereien statt. Zahlreiche Güter wurden eingerichtet. Diese Güter wurden meist an Offiziere der preussischen Armee vergeben. Güter als Belohnung für erworbene Verdienste etwa oder aus anderen Gründen. Die Motive dahinter waren schlicht militärischer Natur. Man ging davon aus, dass im Falle einer eventuellen Bedrohung durch nordische Mächte, Schweden und Dänemark waren mögliche potentielle Gegner, von diesen militärisch erfahrenen Rittergutsbesitzern aus, rasch eine Landwehr zu einer ersten Verteidigung aufgestellt werden könnte und man sich dadurch die Stationierung von Soldaten und den Bau von Kasernen, also hohe Kosten ersparen könnte.
Offensichtlich nicht hinreichend bedacht hatte man dabei, dass ein Militär eben kein Landwirt ist, der einen landwirtschaftlichen Betrieb angemessen führen kann. So verfielen im Lauf der Zeiten nicht wenige dieser Güter, die dann wieder in preussischen Besitz zurückgelangten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und der erfolgten dritten polnischen Teilung (1795) war Preussen zu einer europäischen Grossmacht aufgestiegen. Damals warb man Bauern an aus dem Reich mit allerlei Vergünstigungen, um diese brachen Güter erneut rentabel zu bewirtschaften. Um es zu nochmals zu betonen, ich skizziere hier nur grob für ein grundlegendes Verständnis der Entwicklung des ostpreussischen Gutswesens.
Auf diesem Weg nun kam die zur Rede stehende Familie um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem westlichen Pommern ins südliche Ostpreussen und verdoppelte dabei ihre Landfläche, die in den folgenden Jahrzehnten erweitert und kultiviert worden ist. Landwirtschaft, Viehzucht und eine grosse Alkoholbrennerei wurden stetig vergrössert.

Im Vorbeifahren scheinen mir die in der Sonne leuchtend gelben Felder merkwürdig unbekannt und wunderschön. Ich halte an, um ein Foto aufzunehmen und sehe, dass es sich um Wiesen handelt, auf denen der Löwenzahn in voller Blüte steht. Ein schwacher Nordostwind vermittelt den Eindruck eines endlosen federnden Löwenzahnteppichs.
Die schmale, langkurivge Landstrasse ist beiderseits von Bäumen gesäumt. Nach der nächsten leichten Erhöhung liegt das kleine Dörfchen geduckt in einer mässigen Senke. An der Ortseinfahrt links stehen das Pfarrhaus und schräg dahinter die kleine Kirche. Den Tiefpunkt der gerade verlaufenden Durchgangsstrasse bildet die kleine Brücke über einen Bach. Diese Strasse wird von zwei Querstrassen gekreuzt. Wie ehedem sind es Sandwege.
Wir halten an und steigen aus. Schauen uns zur Orientierung um. Machen erste Fotos und gehen in eine Seitenstrasse. Drei, vier kleine Bauernhöfe liegen auf der rechten Seite. Holzzäune. In einem Hof schnetternde Enten. Blühende Obstbäume. Ein Hund an der Kette bellt wachsam. Misthaufen. Ein Hauch von Nostalgie liegt in der Luft. Freilaufende Hühner. Von fern sirrt eine Kettensäge. Sonst herrscht Stille. Auf den Höfen wird gearbeitet. Köpfe in unsere Richtung werden gedreht. Unser dzień dobry (Guten Tag) wird nicht erwidert. Er wird bis auf eine Ausnahme nirgends hier erwidert werden. Wir gehen ans Ende der Strasse, die nahtlos zum Feldweg wird. In leichten Schwüngen dem Gelände angepasst verschwindet er in der Ferne zwischen einer Schneise aus Birken und Kiefern

In der zweiten Querstrasse lag das Anwesen der Familie. Wo einst die kleinen Häuser einiger Handwerker standen, befinden sich heute zwei Wohnblocks für die Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Grossbetriebs, der auf dem ehemaligen Gutshof errichtet worden ist. Wir versuchen die Lage der einstigen Gebäude zu eruieren. Nichts erinnert mehr an die damalige Gestaltung des Hofes und die Lage der Gebäude.
Ein Radlader mit Futtermittel kommt auf uns zu. Unser Gruss wird erwidert. Wir können uns leider nicht verständigen. Einige Worte Montenegrinisch helfen da auch nicht weiter. Wir schauen zu, wie vor den fetten schönen Kühen das Futter abgeladen wird. Schweigend gehen wir zurück. Jeder hängt in seinen eigenen Gedankennetzen.
Auf dem Weg zurück zum Auto sehen wir einen schmalen Pfad zwischen den beiden Querstrassen, der auf die Rückseite des Betriebes führt. Diese Scheune aus Ziegelstein da vorn, das ist noch eine von den alten. Dann könnte also… Und da erhebt sich der mächtige, gemauerte Schornstein der Brennerei. Ansonsten neuere Zweckbauten. Nichts bleibt und doch verschwindet nie alles.

Wir verlassen das Dorf auf der anderen Seite. Wollen sehen und nachempfinden, was die alte Frau aus ihrer Kindheit erzählte. Wie sie und ihre Geschwister winters mit dem Pferdeschlitten, eingehüllt in dicke Pelze, heisse Backsteine unter den Füssen zur Schule in der Kreisstadt kutschiert worden sind. Die langen Alleen und das weite Plateau, kaltweiss unterm bleigrauen Himmel.
Das war auch so eine Vorstellung. Städte, Kreisstädte gar.Grösse, reges Leben, geschäftige Betriebsamkeit.
Jetzt vor Ort und auch später als wir andere grössere Ansiedlungen sehen, wird uns klar, dass der Sitz der Verwaltung, einer Behörde oder eines Amtsgerichts auch ein Nest von fünftausend Seelen zu einer Stadt erheben kann. Dort war die Schule, hatte der Arzt seine Praxis und die Gastwirtschaft hatte einen Ausschank und einen Versammlungsraum.
Am wichtigsten jedoch dürfte der Bahnhof gewesen sein. Von hier aus wurden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in die Ferne verschickt. Und im Güterschuppen lag zur Abholung bereit das Paket mit den Glückseligkeiten, die auch im weiteren Umkreis nicht zu erwerben waren.

Während eines Informationsgesprächs vor der Reise erzählte man mir von Glocken. Eine Seitenlinie der Familie hatte das Patronat im Kirchspiel. Wir verlassen die Kreisstadt, wo wir noch die alte Schule sehen, in der die Kinder des Guts unterrichtet worden sind. Die Besichtung der imposanten Ordensburg schenken wir uns.
In dem kleinen Dorf unweit wollen wir versuchen, die Glocken zu sehen. In der kleinen Kirche wird ein Gottesdienst abgehalten. Also draussen warten. Am Ende fliegt der Priester geradezu davon. Ein junger Mann schwingt einen üppigen Schlüsselbund um die Tür zu verschliessen. Zum Glück versteht er englisch und er fragt eine Frau, ob sie wohl mit uns in den Turm steigen würde. Sie lächelt und sorgt für ein Licht. Über verschiedene alte, knarrende Holzstreppchen steigen wir höher und ganz oben hängen sie tatsächlich noch immer. Beschriftet mit den Namen der Patrone und einem Zitat aus der Bibel. Wir bedanken uns mit einer kleinen Spende und mit ein paar konstruierten Holpersätzen wird der freundlichen Frau nun auch unser Anliegen verständlich.

Wir fahren zurück nach Działdowo (Soldau) und freuen uns auf das Abendessen. Fische in vielen Variationen, schliesslich befinden wir uns bereits am Rand der masurischen Seenplatte. Ich entscheide mich dennoch für eine Ente, die in polnischen Restaurants auf fast jeder Speisekarte zu finden ist. Gänse dagegen werden eher in Pommern bevorzugt.
Wir begegnen dabei einem Mann, mit dem wir uns für ein Gespräch am nächsten Morgen verabreden.

                                                                  (Foto anklicken öffnet die Galerie zum gross gugge)

 

Zwei Erlebnisse zum zweiten Advent

Gestern abends im Archiv über musizierende Aale gestolpert: The Eels – Shootenanny! (2003)…

Die Heizung springt an, nachdem die Anwesenden sitzen. Aus den beiden Öffnungen in der Wand über dem Publikum entströmt surrend ein Luftstrom. Der Raum wird nur mässig warm. Schweigen, allenfalls ein Wispern ist zu vernehmen. Als die Rednerin hinter die beiden schmalen Mikrofone tritt wird die Heizung wieder abgeschaltet. Dünne Kissen liegen auf den hölzernen Stühlen. Ich sitze auf meinen kalten Händen.
Während des Monologs schweifen meine Gedanken hin zu dem Menschen, um den es geht. Ich frage ihn dabei, welche Ansprache er angelegentlich über sich selbst gehalten hätte. Ich werde abgelenkt, weil bei einer musikalischen Zwischendarbietung der Orgelspieler die falschen Tasten erwischt.
Zurück im Hier und Jetzt beschliesse ich, in meinem Testament zu verfügen, dass ich keine Rede wünsche bei meiner Beerdigung.

Seit Mai dieses Jahres verlangt die nordamerikanische Firma eBay von Verkäufern zusätzlich zur Verkaufsprovision noch eine sogenannte Versandkostenprovision. Die Verkaufsprovision ist der gerechtfertigte Betrag für die Bereitstellung der Plattform. Die 10% Versandkostenprovision hingegen sind die reine Beutelschneiderei. So sind sie, die Ammis. Immer muss es fiebrig leuchten in den $-gierigen Augen.
Es kommt aber besser. Ich habe einen kleinen, aber zerbrechlichen Artikel, der muss als Paket zu 6,99€ verschickt werden. Davon habe ich zehn Stück. Ein Interessent kauft acht Stück. Wer seine Geschichte mit feuchtem Schiesspulver, krummen Gewehrläufen und gepanschtem Feuerwasser begonnen hat, warum sollte der nach zwei Jahrhunderten plötzlich seriös werden.
eBay berechnet nun das Paketporto achtmal, obwohl die acht Teile in einem Paket verschickt werden. Ich habe mich natürlich dagegen gewehrt und nach langem Hin und Her eine Gutschrift erhalten mit dem Hinweis, ich müsste diesen hochgerechneten Portokostenbetrag sofort nach dem Verkauf korrigieren. Seriöse Käufer, die ebenfalls gleich nach dem Kauf reagieren, machen das durch den entsprechenden Seitenaufruf jedoch unwissend und ungewollt unmöglich. Dafür sorgt die gringoraffinierte Programmierung der eBayseiten.
Im Internet schlagen die Wellen hoch. Den ordamerikanischen Geschäftemachern ist das egal. Hauptsache, in der Kasse klingelts und raschelts.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein schönes Wochenende.

                                                                                                     (Oberrheinische Auenlandschaft)
Oberrheinische Auenlandschaft

Staunen und wohlfühlen, aber nicht bei Vercingetorix

Durch meinen Tagesrhthymus bin ich an sich wenig geeignet zum Seriengugger. Aber wenn mir eine aus vertrauenswürdiger Quelle ans Herz gelegt wird, dann werde ich doch neugierig. Anfänglich will der Historiker in mir noch aufbegehren, aber dann ziehen mich die ziemlich spannend gemachten und mit guten Schauspielern besetzten sechs Teile um die Ereignisse im damals noch geteilten Deutschland doch in ihren Bann: Deutschland 83…

Wir brechen endlich auf und nehmen von der Abbaye de Fontenay aus die D980 Richtung Norden. Der Beschluss ist gefasst: keine weiteren Klöster auf dieser Kurzreise. Zu beeindruckend und erffüllend war der Tag in der Abtei. Mehr wäre in diesem Fall weniger.

Wir befinden uns im Kerngebiet der keltischen Gallier. In einem Museum in Châtillon sur Seine werden einzigartige Funde im Zusammenhang mit der keltischen Fürstin von Vix ausgestellt. Welch ein Zeitsprung zurück. Bewunderung für die Schönheit der gefundenen Arbeiten.

Hunger und Müdigkeit geben die weitere Richtung vor. Ganz in der Nähe finden wir das Sylvia Hotel. Eines dieser kleinen Hotels, die mich an viele französische Filme erinnern. Mann kommt in der Dunkelheit an. Stellt den Wagen neben einer alten Garage ab. Geht über den Kies ins Haus. Ebenerdiges Zimmer. Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Das Frühstück wird an einem kleinen Tisch in der Sonne eingenommen bevor die Fahrt fortgesetzt wird. Das kleine Hotel wird von den beiden Messieurs André und Charles betrieben. Ihnen scheint die liebevolle Erhaltung und Ausgestalltung ihres Etablissements mehr am Herzen zu liegen als eine pompöse Restaurierung. Und gerade das macht den bezaubernden Charme des Hauses aus. Man kann im Wohnzimmer frühstücken und dabei die eindrucksvolle Sammlung der beiden Herren bestaunen. Sie sammeln Hühner. Der Einladung im Haus zu fotografieren und doch auch den Spielsalon im Obergeschoss abzulichten komme ich nur gerne nach.

Wenn wir schon hier sind in der Nähe von Alésia, könnten wir doch…
Die vielen Affichen, die für den Besuch des antiken Alesia werben, schrecken allerdings von einer Besichtigung ab.
„Alesia? Ich kenne kein Alesia, mein Herr.“ Der bekannte Satz aus dem Band Asterix und Vercingetorix (?). Hier wurden die Gallier von Cäsars Eroberungsarmeen unterworfen. An dem vermuteten Ort wird das damalige Geschehen heute multimedial freizeitparkähnlich vermittelt. Die Entscheidung fällt gegen den Kommerz und für die Landschaft. An einen derart farbentrunkenen Herbst können wir uns nicht erinnern.
Wir durchfahren die verlassene Hochebene und erreichen über die D21b Bussy-le-Grand, einen fast verlassenen kleinen Ort. Wie ein Magnet lässt das magische K.u.K. (Kirche und Kneipe) den Wagen anhalten.
St. Antonin ist eine überaus merkwürdige Kirche. Der Schmerzensmann in einer Seitenkapelle rührt geradezu an. Auf dem kleinen Friedhof pflegt ein älteres Paar ein Grab. Von hier aus hat man einen prächtigen Blick über die weite Landschaft. Links hinten taucht ein Schloss im Nebelsonnendunst auf. Zuvor jedoch muss auf das leibliche Wohl geachtet werden.

In dem einfachen Restaurant bedient ein Bär von einem Mann. Der lange Zopf und die tätowierten Arme lassen vermuten, dass die pralle Harley, die gegenüber an der Hauswand lehnt sein Gefährt ist.
Au pot verweist auf die schöne alte Tradition, dass hier das gegessen wird, was gerade im Topf zubereitet worden ist. Heute: Poulet au pot. Grobgeschnittes knuspriges Brot, eine Platte mit Suppengemüsen, daneben die Terrine mit der köstlichen Hühnerbrühe und eine satte Hühnerbrust als Beilage. Schade bloss, dass ich als Fahrer auf den Wein verzichten muss. Waren wir anfangs die einzigen Gäste, hat sich das Restaurant beim Verlassen bis zum letzten Platz gefüllt. Einen Pastis noch als Magenbesänftiger, um anschliessend gemächlich auf die andere Talseite zum Schloss derer von Raputin zu fahren.

Ich bin in Frankreich immer gastfreundlich behandelt worden.
Nach den ebenso feigen wie unmenschlich brutalen Anschlägen von religionsfaschistischen Terroristen in Paris gilt mein Mitgefühl der französischen Bevölkerung und ganz besonders den Opfern und deren Angehörigen.

                                                        (Die qualitativen Unterschiede der Fotos sind den verschiedenen Aufnahmegeräten begründet)

Vaterfahrtshimmeltag

Lernen ist ein lebenslanger Prozess und schadet überdies nie. Deshalb zur Auffrischung und weil es sozusagen in der Nachbarschaft stattfindet: Michael Ende – Englisch lernen mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer (2007). Und gleich danach zur Probe am lebendigen Beispiel: Frank Zappa – Zappa in New York (1977)…

Es gibt Traditionen, die ich gerne pflege. Ich bin noch nie mit lustiger Nase, Fahrradklingel am Spazierstock und einer mit Bierkästen beladenen Schubkarre grölend durchs Gelände gestakt. Dieser Tradition werde ich auch in diesem Jahr und an diesem Tag treu bleiben.

Allen Männern, die derlei Brimborium auch nicht brauchen sind die folgenden Himmelfahrtsfotografien gewidmet. Habet acht! Wer darin etwa Symbolisches erkennen möchte, der ist bereits auf dem Weg.
Frauen sind zum Mitgugge natürlich ebenso herzlich eingeladen. Am Aufzug bitte nicht drängeln.

Allen Besuchern, Lesern und Guggern wünsche ich einen himmlischen Tag.

                                                  (Foto anklicken und schon ist man dem Himmel näher)

Pfaffenwinkliges Barockbierbayern

Beim Entwickeln der Fotografien: Kraudn Sepp – G´red und G´sungen. Onkel Juhtjuhp bietet einige Hörproben, einfach Kraudn Sepp eintippen…

Die Bayern haben „gegen Gott“ verloren. So jedenfalls eine der Schlagzeilen heute Morgen zu dem Rasenballereignis gegen einen Verein aus Barcelona am gestrigen Abend.
Im richtigen Leben steht Gott natürlich auf der Seite des Bayernlandes. Und um es gleich vorweg zu sagen. Auch wenn ich mit meiner Bayernkritik gerne kokettiere, ich mag Bayern. Stellenweise sehr sogar. Und feine Menschen gibt es dort neben Bergen, Biergärten und Barock.
Einen besonders feinen Menschen durfte ich endlich persönlich kennenlernen. Bisher kannte ich ihn lediglich vom Bloggen. Eine persönliche Begegnung ist jedoch eine ganz andere Sache und liegt mir stets am Herzen. Herr Riffmaster, ich bedanke mich für den herzlichen Handschlag zum Willkomm. Und die beim Abschied getroffene Verabredung, in einem zünftigen Biergarten mit Brezel und einer Halben unsere Gespräche fortzusetzen, werden wir schon bald umsetzen.

Im Pfaffenwinkel beherrscht das Barock den Kirchenschmuck. Ein gelegentlich irritierender Gegensatz zu einer romanischen Basilika. Mich lenkt die prunkende Ausstattung einer Kirche im barocken Stil eher ab. Und dennoch schätze ich das Barock als geistige Strömung. Barock, das war die Darstellung des prallen, überbordenden Lebens als grandiose Gegenbewegung zu den daseinsfeindlichen Lebensentwürfen der lutherischen Religionsauffassung. Ein jeder hat das Recht auf seine Lebensfreude.

Ich hatte schon lange den Wunsch und die Idee, ein Mal wenigstens frühmorgens an einem der bayerischen Seen zu fotografieren. Stellte mir das Licht bei Sonnenaufgang vor und hatte dabei Bilder von William Turner im Sinn. Trotz des apriligen Wechselwetters hatte ich an einem Morgen Glück. Ich nahm ungeachtet der frostigen Kälte im Morgengrauen das Geraffel mit ans Ufer des Ammersees. Die vor Kälte klammen Finger waren zeitweise vergessen angesichts der Lichtverhältnisse.

Ich schaue mir seit einigen Abenden alle alten Frankfurter Tatorte vor 1990 an. Immens aufschlussreich zu sehen, wie sich sowohl die Stadt als auch die Mentalitäten verändert haben. Vom Mainufer aus gabs fast noch keine Skyline. Vor allem aber gab es noch keine political correctness und gesprochen wurde noch, wie es aus dem tiefsten Herzen heraufgeschossen kam. Undenkbar heute auf unseren Wegen zurück ins kleinliche Biedermeier. Political Correctness – was sich so menschlich und tolerant anhört hat sich für mich längst in sein Gegenteil verkehrt.

(Hier einige Fotografien – anklicken vergrössert die Impressionen)