Auch in diesem Jahr wieder : Zu guter Letzt

Es ist an der Zeit, das 2018er Jahr zu verabschieden. Von einigen Menschen musste ich mich traurigerweise in diesem Jahr verabschieden, von anderen habe ich mich erleichtert verabschiedet. Ebenfalls in diesem Jahr ist der legendäre Schlagzeuger Jon Hiseman verstorben. Sein letztes Album : JCM – Heroes (2018)…

In diesem Jahr habe ich begonnen, an meiner Lebensbuchführung zu arbeiten. Meine zahlreichen Begegnungen und Kollisionen mit Menschen und Orten. Eher eine Inventur als eine Bilanz wird irgendwann daraus werden.
Ein erstes Beispiel dafür war der vorherige Beitrag  über die Musikapparaturen, die mein Leben begleitet haben. Ich habe einen hölzernen Karteikasten angelegt, in welchem ich auf Kärtchen die entsprechenden Details notiere. Erinnerungen an Menschen, denen ich besondere Erfahrungen verdanke. Orte, die ich kennenlernen durfte, an welchen mehr oder weniger berühmte Menschen gelebt oder gewirkt hatten. Stoff genug für ernste und auch heitere Denkwürdigkeiten, über die hier zu berichten sein könnte.

Die Berichte im kommenden Jahr werden weniger, dafür jedoch persönlicher werden. Die Zeiten für ein ausdruckslos einsames Blendamed-Lächeln sind ebenso vorüber wie das insolvente Bloggeschäft mit der unverbindlichen Hingabe für Hergabe Mentalität.
Im Sinne der Reduktion scheint mir das nur folgerichtig. Mit meinen Photographien werde ich versuchen, die Texte noch treffender zu illustrieren. Ich verweigere mich der Massenware an nichtssagenden Fotos und belangleeren Berichte.

Vermehrte und intensivere Begegnungen mit körperlich oder seelisch-geistig beeinträchtigten Menschen erinnern mich täglich aufs Neue daran, wie gut es mir geht. Wie privilegiert ich bin. Über welche Autonomien ich verfügen kann. Wie frei ich eigentlich bin.

Auch in diesem Jahr konnte ich eines der mich seit vielen Jahren begleitenden Rätsel meines Lebens nicht lösen. Eine Frage, die ich mir immer wieder gestellt habe. Warum wollte ich als Kind und später als Jugendlicher nie irgendetwas werden, hatte keine Vorstellung von einem Traumberuf. Also kein Pilot, Feuerwehrmann oder gar Schauspieler. Nicht mal Bademeister. In diesem Jahr leuchtete mir erstmals der Gedanke auf, die Antwort darauf sei vermutlich belanglos.
Viel wichtiger ist dagegen, dass ich in diesem Jahr öfter gut geliebt als schlecht geschlafen habe. Und das am Horizont immer deutlicher erkennbare neue Projekt befeuert die Lebensfreude zunehmend.

In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern, ein lichtes 2019er Jahr mit erhellenden Einsichten und erfreulichen Aussichten. Die Zeiten sollen angeblich rauer werden. Und so will das private Lebensglück sorgfältig und kraftvoll erarbeitet werden, denn keinem Menschen wird es geschenkt werden.

„Aber wir verleben unsere schönen Tage, ohne sie zu bemerken: erst wenn die schlimmen kommen, wünschen wir jene zurück.“ (Arthur Schopenhauer : Parerga und Paralipomena, 1851. 1. Band, 5. Kap.: Paränesen und Maximen).

Ich danke allen Besuchern, Lesern und Guggern für ihre Aufmerksamkeit und das Interesse an meinem Blog.

 

 

 

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Reduktionsgeschichte an klingenden Beispielen

Für diesen Beitrag habe ich viel Zeit aufgewendet. Musikalische Begleitmusik war dabei neben manch anderem:
Dead Can Dance – Dionysus (2018); Inga Rumpf (feat. KK’NF) – Official Bootleg Album – Fabrik, Hamburg 21.11.2014; Marianne Faithfull – Negative Capability [Deluxe Version] (2018); Ali Neander – This One Goes To Eleven (Feat. Hellmut Hattler) (2015); Gerhard Gundermann – Eine erste Auswahl (2015); The Smashing Pumpkins – Shiny And Oh So Bright Vol. 1 Lp No Past. No Future. No Sun. (2018); Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit (2016); Axel Zwingenberger, Dave Green, Charlie Watts – The Magic of Boogie Woogie (2010)…

Egal, es gibt wichtigeres zu berichten!

Vor einigen Jahren hatte ich mit einem Freund eine Hinundher Konversation. Ich weiss das eigentliche Thema nicht mehr. Sie zog sich hin und wurde zunehmend persönlicher und vertraulicher. Aus einem, mir heute nicht nicht mehr erinnerlichen Grund, listete ich mein Leben mit mein Musikreproduktionsgeräten auf. Es hätten genauso gut Bücher sein können oder Autos. Fahrräder, Füllfederhalter oder Kameras. Ich habe mich in meinem Leben gerne mit schönen und vor allem brauchbaren Dingen umgeben. Auch Kopfbedeckungen wären möglich gewesen. Ich hätte auch meine Motorräder auflisten können. Aber ich entschied mich, warum auch immer, für Geräte, die Musik betreffend.

Im Kontext zu meinem Reduktionsprojekt habe ich mich an diese ehemaligen Gespräche erinnert und mir fiel dabei auf, wie die Thematik meinen eignenen Lebensweg spiegelt.

Vorab: alle Fotos für diesen Bericht habe ich aus dem Internet entnommen, da ich selbst die Geräte in unserem oder später meinem Besitz nie fotografiert habe. Bis auf eine Ausnahme. Sollte also jemand daran Anstoss nehmen, dass er eventuell sein ungünstig geknipstes Bild hier sieht, dann gebe er sich Mühe und liefere mir ein ansprechenderes.
Die letzte Photographie in diesem Beitrag stammt von mir. Aber der Reihe nach.

Dieses Radio war das erste bewusst wahrgenommene Gerät der Klangerzeugung. Es stand in der Ecke auf der Eckbank in der Küche des elterlichen Haushalts. Es lief vornehmlich samstags morgens und man hörte HR1.


Dazu kam dann irgendwann als interessante Erweiterung eines Tages ein Tonbandgerät ins Haus.
Es war ein Philips RK64 – ein für damalige Verhältnisse sehr modernes und qualitativ hochwertiges Gerät. Volltransistorisiert, ein ungeheuer schweres Trumm. Vier-Spur, vier Geschwindigkeiten, stereotauglich, mit 18er Spulen und mit allerlei Schnickschnack, wie z.B. der Möglichkeit der Filmvertonung, was meinen Vater wohl auch zum Kauf bewogen haben mag, denn er filmte damals mit einer Bauer 88 Super8 Schmalfilmkamera. Er hat es aber offensichtlich nie hingekriegt, denn ich erinnere mich, nie einen vertonten Film gesehen zu haben. Und in der Küche war Schweigen angesagt, wenn mein Vater mit dem kleinen grauweissen Mikrophon Musikstücke aus der betagten Philetta aufnahm.

Soweit meine frühesten musikbezogenen Erinnerungen.
Kurzfristig ging die Philetta in mein Eigentum über. Ich habe sie dann, mit Teilen meiner Märklin Metallbaukästen, um es schlicht auszudrücken, in eine postmoderne Skulptur verwandelt. Eines Tages gabs einen gewaltigen Knall. Staub kam aus dem Lautsprechervorhang. Geschrei im Haus, weil etliche Sicherungen durchgeflogen waren. Das war das definitive Ende der Philetta. Keine Prügel für den kleinen Delinquenten, denn…

Meine Eltern hatten sich inzwischen ein Klangmöbel zugelegt.
Eines jener kleinbürgerlichen Imponiergebilde aus Furnier und Bakelit für die Zurschaustellung des persönlichen materiellen Erfolges. (Erhebet Euch nicht über die Kleinbürger, sind wir doch alle welche). Ich hatte als Bengel Zugang zu diesem Musikschrank. Durch welche Gnade ich dieser Erlaubnis teilhaftig geworden bin ist mir nicht erinnerlich.
Es handelte bei diesem Gerät um einen Schaub Lorenz  „Ballerina Konzert Stereo 10. Wer kennt denn diesen Namen heute noch? Das waren noch Typenbezeichnungen, die ein inneres Bild wachsenden Wohllebens vermittelten. Recht und links waren die Lautsprecher angebracht. Öffnete man die waagrecht montierte Klapptür in der Mitte, war unten der Plattenspieler von Perpetuum Ebner PE-66 mit dem berüchtigten 10-Platten-Wechslers, in Fachkreisen auch Plattentöter genannt. Links daneben stand ein senkrechtes Grill, in dem man 45er Singles einstellen konnte, auch EPs passten da rein.

Nun hatte ich Zugang zu Gus Backus (Da sprach der alte Häuptling der Indianer), Gitte (Ich will nen Cowboy als Mann), Connie Francis (Bacarole in der Nacht), Blue Diamonds (Sukiyaki) und 10 – 15 anderen 45ern. Dabei waren natürlich einige Scheiben in den schönen roten Covers von Herbert Hisel. Der später in Kanada so jämmerlich zu Tode gekommen ist. Es hat eine kleine Weile gedauert bis ich mehr geahnt als verstanden habe, was mir entgegenklang aus dem Schwabinger Nachtleben von dem Novak von Gisela Jonas. Die Hülle mit einem Schlösschen gesichert, dass da nicht etwa Kinder usw. usf.
Irgendjemand erklärte mir dann, dass man das Tonbandgerät mit einem Kabel direkt anschliessen kann… Ach, dafür ist dieses Kabel, das da rumlag und das mein Vater nie benutzte – – – Da wurden dann die Spulen bespielt und wieder gelöscht, denn an kaufen war vorerst nicht zu denken bei den Preisen

Mit diesem Tonbandgerät begann meine erste „Musiksammlung“, denn nun konnte ich das Tonbandgerät mit der Schaub Lorenz Ballerina Konzert Stereo 10 verkabeln und in aller Ruhe Aufnahmen machen. Bevorzugter Sender war der HR2 mit „Teens, Twens, Toptime“ moderiert von Volker Rebell, die lief ab 1970 und der Mann prägte meinen Musikgeschmack nachhaltig. Er grub die irrsten Sachen aus, die man in einem dumpfen Kaff wie meinem nie zu Gesicht, äähh Gehör bekommen hätte. Bevorzugt hörten Gymnasiasten Rebell, in der Schule war bei denen, die „richtige Musik“, will sagen keine Schlager, hörten Rebell und seine Musik immer ein Thema. Da mittlerweile auch Sender in den CDU regierten Ländern Wind davon bekamen, dass sie mit angesagter Musik  neue Hörer binden konnten, kam dann vom SWF3 Frank Laufenberg (Pop Shop, ab 1.1.1970, fast täglich von 12:03 – 15:00) ins Rennen, was ganz schlecht für die Erledigung meiner Hausaufgaben gewesen ist. Später kam dann Peter Kreglinger vom SDR3 aus Stuttgart dazu. Leider war der Sender zum Aufnehmen schwierig, da oft nur mit Nebengeräuschen zu empfangen. Aber Kreglinger war für mich damals ein rhetorisches Genie.  Er moderierte die Sendung Point täglich (?) von 14:30 – 16:00. Zitat: „POINT stand für Pop, Orientierung, Information, Notizen, Tipps. Das Ziel von POINT war es, die Dinge, die Jugendliche interessierten, anzusprechen und auf den Punkt zu bringen.“ (lt. wikidemia).

Aber zurück in die Chronologie. Kurz nach meinem zehnten Geburtstag bekam ich meinen ersten Plattenspieler, einen Dual P 410 V. Das war ein tragbarer Kofferplattenspieler mit dem eingebauten Lautsprecher im Deckel des Gerätes. Gute Eindrücke davon kann man hier sehen: Dual P410V
Der Anlass für dieses Geschenk war der Kracher überhaupt: meine erste Langspielplatte. A hard Days Night von den Beatles. Im Lauf des Jahres kamen dann noch zwei, drei Singles dazu. Diesen Plattenspieler hatte ich etliche Jahre. Nur einmal wurde der Doppelsaphir, den man umdrehen konnte für 45 und 33 rpm, gewechselt. Diese „Nadel“ würde ich heute gerne mal unter einem Mikroskop sehen. Auf dieser Horizontalkreissäge habe ich meine Singles durchsichtig genudelt.

Von da an gings dann richtig los mit der Musik und allem, was dazu gehörte. Ich erwarb vom schmalen Taschengeld auch hier und da selbst eine Single bei der örtlichen Niederlassung der Rheinelektra. Auch dieses Unternehmen kennt heute keiner mehr. Da hatte ich mal einen Ferienjob bei den Elektrikern. Osterferien, drei Wochen lang Schlitze kloppen zur anschliessenden Leitungsverlegung. Und zur Schadenfreude der Könner mit ihrem derben Gelächter. Das waren noch Initiationen ins wirkliche Leben. Damals brauchte es noch keinen Psychologen, der einem half beim Schuhebinden auf der Baustelle. Da musste man durch. Und nach Feierabend tröstete einem die Musik.
Irgendwann erbte ich das Tonbandgerät, da mein Vater offensichtlich überdrüssig wurde, dass man beim aufnehmen vom Radio immer still sein musste, um nur die Musik und keine sonstigen Geräusche aufzunehmen. Und dann kamen auch schon die ersten auf dem Flohmarkt selbst gekauften oder einfach auch getauschten LPs dazu. Meine Eltern hatten sich eine kleinere und leichter bedienbare Musikanlage gekauft. Ich hatte das Glück und durfte die Ballerina übernehmen. Da sass ich dann andächtig nachmittags nach der Schule aufgeklappten Öffnung des Musikschranks und hörte diese Platte immer und immer wieder. Was mir damals unbekannt war: auf dem Boden zwischen den „Boxen“ sitzend hatte man das viel plastischere Stereoerlebnis als wenn man irgendwo im Raum auf einem Sessel oder dergleichen herum lümmelte.

Inzwischen war mir aufgegangen, dass aus der Ballerina ein ganz andersartiger Klang den Raum erfüllte, als aus meinem kleinen Dual. Stereophonie hiess das magische Wort. Die Singles jener Zeit waren durchweg noch monophon aufgenommen worden. Dennoch klang es irgendwie anders, kam es besser rüber mit den Lautsprechern auf beiden Seiten.
Aber diese Apparatur unters Dach in mein Zimmer zu wuchten war mir unmöglich. Ich brauchte doch ohnehin nur die beiden Bretter mit den montierten Lautsprechern. Also zerlegte ich kurzerhand d
ieses „Musikmöbel“. Bub, der ich war, baute ich die beiden Schallbretter mit den Lautsprechern aus und montierte sie in meinem Zimmer an die beiden Armlehnen meines Sessels. Märklin Metallbaukästen lieferten die Verbindungsteile. Ich sass zwar nun stereomässig ideal zwischen den Lautsprechern, doch plötzlich waren da keine Bässe mehr. Was tun? Mir musste schon irgendwie klar gewesen sein, dass man Volumen braucht, um Bässe zu hören. Also kaufte ich, knapp bei Kasse wie nur je, zwei viereckige Plastikschüsseln in ätzendleuchtendem Gelb, schnitt die Böden passend aus und schraubte die Lautsprecher da hinein und sofort waren die Bässe wieder da. Diesen Klang möchte ich heute nochmal hören, es muss abartig geklungen haben. Aber ich war stolz wie Harry. (Woher stammt diese Metapher eigentlich?)

Ich entdeckte musikalische Persönlichkeiten, deren Werke ich noch heute allzeit goutieren kann.
Dann kam 1973 auf mir heute nicht mehr nachvollziehbaren Wegen der Kracher ins Haus. Ein Plattenspieler Dual 1210 ohne Verstärker. Es war Ferienende und aus geleisteter Arbeit einiges an Geld vorhanden. Der Dula 1210 brauchte einen Verstärker. Das wurde der Teleton A300 aus irgendeinem Elektrozubehörladen, weil es dort Geräte mit Wumm für den notorisch zu schmalen Schülergeldbeutel gab.
Welche Boxen mag ich dazu nur gehabt haben? Die Lautsprecher in den Plastikschüsseln können es kaum gewesen sein..

Das erste wirklich brauchbare Cassetten Deck (so hiess das jetzt) kam etwas später. Es war ein Superscope 1015. Superscope war die Billigvariante aus dem Haus Marantz (so ähnlich wie heute Seat die Billigmarke von Volkswagen ist). Die einzigen sichtbar- und fühlbaren Unterschiede waren das schepperende Blechgehäuse des Superscope und die Typenbezeichnung. Superscope 1015 statt Marantz SD800.

Irgendein Deal muss damals mit meinem Vater gelaufen sein, bei dem ich ihm meinen Dual 1012 verkauft hatte. Es muss ein neuer Ferienjob gewesen sein, der es mir ermöglichte, meinen ersten richtig guten Plattenspieler neu zu kaufen: einen Technics SL 23. Der Technics scheint heute einen gewissen Kultstatus bei den Plattenspielerquälern zu haben. Die Preise für gebrauchte Geräte sprechen deutlich.

Was diese Buben mit den altehrwürdigen SL23ern heute anzustellen imstande sind, ruft fast Mitleid hervor. Andererseits haben wir in jungen Jahren ja auch versucht, die betagten alten Mopeds mit Farbe und Pinsel, mit Bananensattel und Überrollbügel auf Esay Rider zu trimmen.
Easy Rider war zu Ende.


Die Mopeds vor den Capitol Lichtspielen waren allesamt Chopper. Ich sass als Sozius auf einer Hercules 219. Den tragbaren, batteriebetriebenen Cassettenrecorder hochhaltend fuhren wir auf der Hauptstrasse im Kreis herum. Andere Mopedler schlossen sich uns an. Aus dem Raketenkäsorder lief in dem geschwätzigen Zweitaktlärm kaum hörbar die berühmte Stelle von Wasn´t born to follow von den Byrds als Wyatt und Billy irgendwo auf einer Landstrasse ihre zweirädrigen Eisenhaufen wendeten. Wir waren unbesiegbar. Nur ich nicht. Und alle Buben wussten in diesem Moment, sie würden mit einem dieser unsäglich untauglichen usamerikanischen Motorrädern die Route 66 runterdonnern. Nur ich wusste, dass ich es nicht tun würde. Irgendwann später würden sie es tun. Und sie behaupteten es sogar noch, als bereits die erste Schrankwand zuhause angeliefert wurde.

Die Musik lief zu jeder Gelegenheit und weil das Jagdhorn kräftig geblasen wurde, blieb am Ende dieser Epoche lediglich der Technics SL 23 übrig. Die anderen Geräte waren in meinem Umfeld verhandelt worden. Wie überhaupt in jenen vergangenen Zeiten.
Die erste komplett gekaufte Anlage kam 1979 oder 1980 ins Haus. Eine Akai von einem HiFi-Händler in W****, der damals noch am Schlosspark seinen Hinterhofladen hatte. Getrennte Vor- und Endstufe PR–A04 und PA–W04, ein Radioempfangsteil AT–K03 und das unvermeidliche Tapedeck CS–M02. Was haben wir in den kommenden Jahren diesem Mann für eine Menge Geld für TDK und Maxell Cassetten über die Theke geschoben.
Das Tape Deck (mittlerweile hiess es nicht mehr Cassette Deck)  gibt’s heute noch fürnen Appel und ein Ei bei ibäääh, das Radio habe ich viel zu selten benutzt, aber die Vor- und Endstufe PA-W04 und PR-A04 sind absolute Kracher gewesen, zwar nur die gehobene Mittelklasse dessen, was Akai auf dem Markt hatte, aber die Nachbarn werden die Anlage in Zusammenarbeit mit den kraftvollen KHL Boxen manche Nacht verflucht haben.
Wenn ich heutzutage an späten Abenden das Netz durchforste nach Vergangenheiten, stelle ich fest, dass die Sammler ihre antiquierten Topanlagen mit grossem Stolz ins Netz stellen. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass Einsteiger- und Mittelklassemodelle oft weniger gesammelt und prösentiert werden. Sie gelten oftmals bedauerlicherweise als nicht „sammelwürdig“. Das mag mit der allgemeinen Steigerungswut zusammenhängen. Immer Áusschau halten nach dem besseren Produkt. Und ich zeige mit dem Finger auf niemanden.

Aufbewahrer bin ich allenfalls was Erlebnisse oder Wahrnehmungen betrifft. Ein richtiger Hard-Core Sammler war ich nie. Und aus diesem Grund ging die Akai Anlage nur wenige Jahre später bei einem Tauschhandel ihrer Wege. Dabei wurde der Technics SL 23 durch einen Revox B790 ersetzt.

Damit nahm die Entwicklung ihren wirklich obsessiven Lauf. Dieser Plattenspieler (welch schönes und treffendes Wort) lief dann zusammen mit der Bandmaschine Tandberg TD 20A, einem Monster von einer Tonaufzeichnungsgerät.

 

 

 

 

 

 

 

Die Lautsprecher der Anlage waren ziemlich speziell. Es war ein Paar Quad ELS 57, die auf einem elektrostatischen Prinzip funktionierten, also ohne herkömmliche Lautsprecher auskommen und direkt am Stromnetz hängen.

 

 

 

 

 

Gipfelgefühle. Klangerlebnisse. Bald waren jedoch auch die Schluchten und Abgründe unübersehbar: Das Tonband musste ständig wochenlang weg wegen „Einmessens“. Die 26cm Bänder waren sehr teuer. Die CellophanMembranen der Quad Elektrostaten haute es dauernd raus. Ausserdem konnte man den umwerfenden Klang der Quads nur geniessen, wenn man in genau in der richtigen Position zu den Lautsprechern sass. Und beweglich wie ich nun mal bin, wenn die passende Musik läuft…

Obwohl die Tauscherei finanziell sicherlich eine zumindest materiell gewinnbringende Transaktion gewesen ist, wurde mir das ganze Brimborium zu viel, weil der technische Schnick-Schnack drumherum das Musikhören offensichtlich zu beherrschen begann. Und die Allüren, die in den Gesprächen zutage traten, waren nicht meine Welt.

Also schraubte ich zurück auf Altbewährtes. Eine zwanzig Jahre alte Anlage von BrAun war ebenso solide wie pottschwer. In damaligen Zeiten, als diese Anlagen aktuell gewesen sind, waren sie gebraucht noch erschwinglich. Ruckzuck hatte ich für verschiedene Räume im alten Haus im Hinterhof einige Anlagen gegen das sogenannte „High End“ Equipment eingetauscht.
BrAun lag nahe, denn inzwischen hatten Kunst und Design die eigene Lebensmitte erreicht. Museen, Ausstellungen, Jugendstil, Bauhaus und Art Deco wurden zu Ankerpunkten unterschiedlicher Begehrlichkeiten. Der Kleinbürger als Ästhet.
Es fing an mit alten Klassikern der 60er Jahre, zuerst kamen die beiden Klassiker im Design von Dieter Rams.
Das Radiogerät das Radio CET 15

und der mächtige Röhrenverstärker CSV 60

Für den voluminösen Klang sorgten die beiden Lautsprecherboxen L80, mords Trümmer und fast 50kg schwer. Diese Anlage war anfangs der 1960er Jahre nur wenigen Menschen erschwinglich und entsprechend selten. Der Sound war überzeugend. Und im Gegensatz zu den vorherigen Schätzchen mit ihren Zicken geradezu unproblematisch. Das alte Haus im Hinterhof wurde bald mit etlichen weiteren Musikquellen ausgestattet. In meinem Büro stand beispielsweise ein Braun Regie 520. Versteht sich, dass auch die Werkstatt entsprechend beschallt worden war.

Aber es zieht sich wie ein roter Faden durch mein erwachsenes Leben. Wenn die materiellen Artefakte überhand nehmen, brauche ich eine entsprechende ordnende Reinigung. Da inzwischen auch kleine Menschen zunehmend das Haus zu erkunden begannen, war zeitweise Stille angesagt. Statt der tagtäglichen Klangrandale entschied ich mich für dezentere Töne. Klassische Musik begann mich zu interessieren. Besonders die zeitgenössische Klassik begeisterte mich zunehmend. Die angesammelten Antiquitäten mussten einer neueren Anlage der gleichen Marke weichen.
So gingen die 1980er Jahre dahin. Die weichgespülten Synthesizersounds habe ich bis heute nicht vermisst. Andere originelle junge Bands lernte ich mit entsprechender Verspätung kennen. Dass ich jedoch wirklich etwas vermisst hätte aus jener Epoche, kann ich nicht sagen.
1993 kaufte ich mir die ersten Scheiben aus den 1980er Jahren und holte manches sukzessive nach. Ich merkte, dass ich vieles verpasst haben musste, empfand es aber als keinen Verlust. Aber meine Einstellung zur Musik hatte sich geändert. Text und Musik waren gleich wichtig geworden, das hatte ich durch die klassische Musik gelernt, da musste ich öfter etwas dazu lesen, um es besser verstehen zu können..

Inzwischen schweifte der ästhetisch suchende Blick aber schon hin und wieder zu Bang & Olufsen. Die Geräte dieses Herstellers waren auf dem Gebrauchtmarkt aber schwieriger zu finden, da diese bei der Neuanschaffung noch teurer und entsprechend seltener gewesen sind als die Geräte von BrAun. Inzwischen waren auch in diesem Segment professionelle Sammlermärkte entstanden.
Der erste Receiver im alten Haus im Hinterhof war ein Beomaster 1900 aus den 1970er Jahren. Erworben für etwa 50 DM, bald gefolgt von dem legendären „Rechenschieber“, dem Beomaster 1200 aus den Endsechziger Jahren

Es dauerte nicht lange, da schenkte mir jemand den Beomaster 6000, einen Verstärker für die Anfang der 1970er Jahre angesagte Quadrophonie. Ein Riesendrum, das nie richtig funktionierte, also verschenkte ich es weiter, da das angepeilte Ziel einer kompletten Quadrophonie Anlage hinsichtlich Plattenspieler und vor allem der nur schwer aufzutreibenden quadrophonisch aufgenommenen Schallplatten dafür kaum zu realisieren und noch weniger zu finanzieren war.
Die Geräte waren solide verarbeitet und klangen gut. Heute nennt man das wohl haptisch wertig. Es folgten nun bloss noch Geräte von Bang & Olufsen. Die komplette 7000er Anlage mitsamt Fernsehgerät und Videorekorder. Telefon und Lichtsteuerung. Steuerbar alles mit einer einzigen Fernbedienung. Klingelte das Telefon, wurde die Musik unsichtbar auf eine dezente Lautstärke reduziert. Die verkabelten Lampen wurden gedimmt, wenn das Fernsehgerät eingeschaltet worden ist.
ber alles hat bekanntlich ein Ende (nur die Wurst hat zwei laut Sephan Remmler).

Als die Zelte abgebrochen wurden, um in anderen Ländern zu leben und zu arbeiten, fand ein scharfer Reduktionsschritt statt. In dem Übersee-Container fand nur diese eine Musikmaschine Platz, die mir bis vor kurzem noch immer viel Freude gemacht hat: B&O Beosystem 2500, 1. Serie 1990 mit dem damals nachträglich kostenlos eingebauten RDS für das Radioempfangsteil…

Die vielen Stromausffälle in Südamerika mit ihren brutalen Stromstössen beim Wiedereinschalten haben ihm ein frühes Ende bereitet. Der CD-Spieler musste daraufhin vor Jahren schon ausgetauscht werden. Das Cassettenteil ist ewig schon ohne Funtion. erneuert. Und letzthin gab die automatische Türöffnung den Geist auf.

Es stehen Entscheidungen an und Veränderungen in nächster Zeit. Eine gute Gelegenheit, um sich abends anderweitig ein wenig umzutun. Sieh da, die Preise für höherwertige Unterhaltungselektronik stehen auf Verkauf. Eine defekte B&O ist gut verkäuflich. Was aber dann?
Ich klicke ein wenig hier und da. Stimmt ja, das war damals was. Für mich auf jeden Fall unerschwinglich. Deutsche Marke, hervorragende Qualität. Frog Design. Hartmut Esslinger. Der Mann hat die frühen Produkte von Apple entworfen. Aber darum gehts mir garnicht. Mir gehts um reduzierten Aufwand und gleichzeitige Schönheit und Funktionalität.
Ich mache aussagekräftige Fotografien des alten 2500er Beosystems. Ich tue mich schwer mit dem Text. Schaue zwischendurch mal nach Anlagen des deutschen Herstellers. Zwei, drei Angebote gibts hier in der Nähe. Eine Nacht noch drüber schlafen ist fast immer gut. Nein, ich publiziere mein Angebot doch noch rasch.
Am nächsten Morgen ist die Anlage bereits vor dem Frühstück verkauft.
Ja, die Herrschaften hätten Zeit. Das Ehepaar hat das achte Lebensjahrzehnt vollendet. Der Wega 3141-2 Receiver von 1978 sieht aus wie aus dem Laden. Der Test vor Ort fällt kurz aus. Alles in Ordnung. Kein Rauschen in den Potis. Und zu dem Preis können Sie die Lautsprecher auch noch mitnehmen.

 

 

 

 

 

 

 

Beat, Rock, progressive Musik – – anfangs der 1970er Jahre kam Krautrock dazu auf den Labels Ohr, Pilz, Brain Kuckuck oder Bazillus.. Die elektronische Musik der kosmischen Kuriere bis Mitte des Jahrzehnts –  – immer ausgeflippteres Gegniedel. New Wave, Neue Deutsche Welle. Immer bessere Anlagen, immer optimalere Messwerte, immer teurere Ausrüstungen. Natürlich weitgehend gebraucht gekauft oder aus Konkursmassen, da das Geld weiterhin vorrangig in die Musik investiert worden ist.
Bin ich durch diese vielen Prozesse weiser geworden? – Weiser vielleicht nicht, aber klüger. Ja, eindeutig. Ich habe gelernt, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich hätte das alles auch etwas rationaler anstellen, und weniger Geld ausgeben und Zeit investieren können. Spass hats aber dennoch gemacht. Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt durch die persönlichen Kontakte.
Heute gilt, dass mich Musik in erster Linie erfreuen soll. Ich will noch immer gerne interessante Musiken entdecken. Das ist alles. Manchmal herrscht tagelang Stille, manchmal rumpelts volle Kanne. Ich heisse zwar nicht Hans, habe den Hans im Glück jedoch wahrscheinlich am eigenen Leib erlebt.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein Wochenende voller Wohlklang – Rock on!

 

Reduktion – Alles verändert sich, wenn Du es veränderst!

Die DoppelLP wurde gespielt bis sie fast durchsichtig geworden war : Klaus Hoffmann – Ich will Gesang, will Spiel und Tanz (1977). Viele Texte sind für mich auch heute noch gültig…

Am Strassenrand gefunden und mitgenommen : Langenscheidts Kurzgrammatik Lateinisch. Langenscheidt, Berlin etc. 1996, 13. Auflage. Immer wieder mal nachschauen lohnt sich meist für mich. Auf merkwürdigen Wegen fand dieses Buch den Weg zu mir :
Max u. Gerda Mezger : Meine Frau die Gärtnerin. Verlag Hans Dulk, Hamburg 1955. …

Wollen wir ein paar Scheiben von dem Wacholderschinken nehmen?
Klar, gerne.
Darfs noch etwas sein?
Mh, hättest du auch Lust auf diese Wurst da?
Oh ja, die sieht lecker aus.
Legen Sie uns bitte das kleine Stück da noch dazu.
Gerne. Haben Sie noch andere Wünsche?
Nein, das reicht, vielen Dank…
Später beim Frühstück hältst du plötzlich inne und sagst mehr zu dir selbst als in die Runde : Wie privilegiert sind wir doch, dass wir in einem Geschäft mit vollem Angebot einfach auswählen können, was wir möchten. Dein Blick, als du das sagtest, durchfuhr mich wie ein leichter Stromschlag. Wenn wir über die Zustände in diesem Land sprechen wissen wir, es muss sich etwas verändern.

Der Film Im Lauf der Zeit von Wim Wenders wurde gedreht in elf Wochen zwischen dem 1. Juli und dem 31. Oktober 1975, zwischen Lüneburg und Hof, entlang der Grenze zur DDR. Die Premiere fand am 4. März 1976 im Kino Kurbel in Berlin statt. An einem der darauffolgenden Wochenenden warst du zu Besuch bei uns in Berlin. Wir haben den Film wahrscheinlich in der Filmkunst 66 in der Bleibtreustrasse gesehen, denn das war eines meiner Stammkinos in Berlin. Nach der Vorstellung verliessen wir das Kino schweigend. Unsere Blicke waren jedoch vielsagend. Aber das wurde mir erst zwölf Jahre später bewusst.

Das war auch so ein typisches Erlebnis am letzten Sonntag. Wir stoppelten auf dem abgeernteten Zwiebelfeld, was liegengeblieben war und von der Erntemaschine nicht aufgenommen wurde. Die kleinen Zwiebelchen mit dem feinen starken Aroma. Im Nu hatten wir drei, vier Kilo gesammelt. Am Feldrand radelte eine Gruppe Ausflügler vorbei. Einer schrie vom Sattel seines Elektrohobels aus zu uns herüber aufs Feld : Ein Kilo kostet sechzig Cent. Im nächsten Supermarkt wahrscheinlich.
Wir schauen uns an und verstehen uns wortlos. So vielen Menschen sind inzwischen die finanziellen Aspekte wesentlich wichtiger als das wahrnehmende Erleben. Sich miteinander vergnügen statt miteinander zu arbeiten. Vergnügen am liebsten als Dauerprozess. Und möglich bequem und preiswert. Und risikolos, versteht sich. Die Verantwortung tragen die anderen. Dabei wird der Konsum in der Freizeit mit Freiheit verwechselt. Statt wenigstens einmal auszuprobieren in einer gemeinsamen Arbeit Lebensfreude zu empfinden und anschliessend den Erfolg zu geniessen.

Das Internet erleichtert viele Recherchen. Wenn ich daran denke, wie viel Arbeit es bereitete und welche Wege man gehen musste, um seinerzeit die Fahrtstrecke in dem Film von Wenders zu rekonstruieren. Anfangs wollten wir sie noch auf unseren Motorrädern abfahren. Doch zuerst kam dies dazwischen und dann jenes. Aufgeschobene Zeiten. Macht ja nichts, es fehlen noch immer einzelne Teilstücke der Strecke. Und ausserdem haben wir ja noch ewig Zeit.
Sprachlosigkeiten in der WG trennten sich unsere Wege für zwei Jahre. Was jedoch stets gültig blieb, war dieser eine (zumindest für mich) bedeutende und entsprechend bei jeder Gelegenheit bis zur Floskel von uns allen, die den Film gesehen hatten, zitierte Satz : „es muss alles anders werden“. Eigentlich aber sprachen wir vorwiegend über irgendetwas statt von uns. Ändern müssen es die anderen, wir waren doch die grossen Durchblicker.

Ich freue mich auf dieses Wochenende. Wir haben fleissig Samen gesammelt von Malven, Mohn, Wicken und Nigella und werden ihn aussäen. Für die kommenden Tage hat gestern die Pflanzzeit begonnen. Leider ist keine gute Erntezeit für Früchte. Aber unser frisch gekochtes Birnenfeigenkompott wird uns vorzüglich schmecken.
Wenn wir zusammen essen, sagen wir uns oft lachend, dass Essen unsere Lieblingsspeise ist. Wir sind uns einig darin, dass wir die Zustände um uns herum nur dadurch verändern, dass wir uns selbst ändern. Der Satz „es muss alles anders werden“ verlagert lediglich die Verantwortung ins Irgendwo. Global denken und regional handeln als erste Richtschnur. Bei sich selbst anfangen.

Als ich dich aus der schweizer Klinik abholte war klar, dass der Sand jetzt schneller durch die Uhr rinnen wird. Wieso konnten wir jetzt so einfach miteinander sprechen? Ohne wenn und aber. In den folgenden zwei Wochen. Lang, persönlich und essentiell. Und auch, dass sich alles ändern müsse; dass man alles selbst ändern müsse. Ich hatte inzwischen die letzten fehlenden Wegstrecken so einigermassen herausfinden können. Als du sonntags überraschend ins Krankenhaus gefahren wurdest, sprachen wir nochmals über die Strecke. Am späteren Abend hast du dann das Bewusstsein verloren. In vier Wochen auf den Tag wird es dreissig Jahre her sein, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben die erkaltete wächserne Hand eines toten Menschen in meiner Hand hielt.
Als sich im Film die Wege der beiden Männer trennen, pinnt Robert aussen an der Tür einen Zettel an : es muss alles anders werden. Das solong ist mir bis heute geblieben.

Wir haben nicht den Schlüssel zum Paradies. Wir wissen aber, dass der Weg vor uns, vor unseren Augen liegt. Und dass er Arbeit ist. Nicht zurück in Anklagen schielen, um die Verantwortung für unsere Bequemlichkeit anderen als Schuld zuzuschieben. Den Eltern, Geschwistern, Schulkameraden, Lehrern oder anderen Menschen. Ich bin dankbar für die Menschen um mich herum, die versuchen, sich täglich ein wenig zu ändern. Die gelegentlich stolpern dabei und dennoch ihr Lächeln nicht verloren haben. Die mir Vorbild und Ansporn sind dafür; andere, noch unbekannte Wege zu gehen.
Entweder wir arbeiten aktiv mit an notwendigen Veränderungen oder wir werden von den Umständen zwangsweise verändert werden.

„Wieder eine Nacht, wieder eine Nacht,
die wir mit reden zugebracht,
wir haben festgestellt, haben festgestellt,
dass nur die Tat uns Beine macht,
und wir merken jeder Tag ist Arbeit und wir sehen ein,
jeder Schritt zurück muss neuer Anfang sein,
wir sind doch viel zu viele um allein zu sein….“ (Klaus Hoffmann – Ein neuer Anfang)

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein erfreuliches Wochenende.

 

(Das erste Bild ist ein Schnappschuss aus dem Film „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders. Das zweite Bild ist eine Photographie von heute Mittag, als ein schwacher Orkan hier durchgezogen ist.)

 

 

 

 

In diesem Juli : Wochenendreduktionsfrei

In merkwürdigen Zeiten und sonderbaren Zuständen stimuliert abgefahrene Musik punktgenau die zugehörigen Sinne. Der Mann muss ein Exot in seinem Land gewesen sein. Hipper als die Hipster und freakier als die Beatniks. Nach europäischem Vorbild soll er in der Traditon der Lebensreformer gelebt haben. Und das ausgerechnet im Plastikwunderland. Eine einzige Scheibe wurde von ihm veröffentlicht. Avantgarde im besten Sinn des Wortes. Und doch hat er mit seiner Musik viele Musiker von Rang und Namen in ihrem Schaffen beeinflusst :
Eden Ahbez – Eden’s Island (1960)…

Weil solche Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Menschheit offenbar wichtig sind, läuft seit einiger Zeit die wissenschaftliche Forschung zum Thema Selfie in einer Kooperation zwischen der Hochschule für Philosophie München und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Im Jahr 2015, so eine der Erkenntnisse, sollen mehr Menschen beim Selfieknipsen ums Leben gekommen sein als durch Angriffe von Haien. Was das konkret bedeutet wird ebenso wenig beantwortet wie die Frage, wem – ausser den Wissenschaftlern – diese Aussage dient.
Mein Interesse ist geweckt, folglich suche ich eine entsprechende Quelle der anderen Seite.
Im Jahr 2015 wurden 98 Angriffe von Haien auf Menschen erfasst, davon endeten sechs für die jeweiligen Menschen tödlich. Bis konkrete Zahlen vorliegen, gehe ich logischerweise von sieben Todesfällen beim Selfieknipsen aus. Rückwärts von einer Staumauer gefallen vielleicht. Eine Treppe runtergesegelt. Oder oder… Meine Frage bleibt : wem helfen diese Erkenntnisse?

Ich bin eben doch mehr fürs Konkrete.
Ich durfte Gast sein bei einer Hochzeit mit vielen traditionellen Elementen. Manche davon kannte ich bisher nur von Hörensagen. Auf dem Rückweg von der östlichsten Stadt Deutschlands war ich schon wieder als Gast eingeladen. Ein besonderes Jubiläum wurde gefeiert.
Ein Hinterhof der ganz besonderen Art. Darin ist ein Teppich ausgelegt. Die Bühne für eine fantastische Viermannkapelle. Nach und nach treffen etwa fünfundzwanzig handverlesene Gäste ein. Menschen zwischen zehn und neunzig Jahren. Sorgfältig ausgewählte Versorgung für das leibliche Wohl aller Anwesenden hebt die Stimmung. Knapp fünfzig Quadratmeter reichen für ein solches Fest in der Tat aus. Für einige Stunden ist die Welt in Ordnung. Ich schätze die Begegnung mit einer freundlichen Bloggerin aus dem Norden. Immer wieder überrascht es mich angenehm, welche Menschen man wo und wann trifft.
Die Musikanten, so höre ich, sind von der Atmosphäre so angetan, dass sie am folgenden Morgen noch ein Video in jenem famosen Hinterhof aufgenommen haben.

Die grossen Kinder haben ein Überraschungswochenende arrangiert. Ein Dorf, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Wir landen irgendwo in einem gemieteten, gediegenen Haus an einem Stauseegewirr in der Eifel. Weisse Flecken auf unser aller Landkarte. Die Fahrt durch eine anregende Landschaft. Miteinandersein, essen und trinken. Wir haben alles da, was wir brauchen. Nach langen Nächten morgens in einem Stausee schwimmen zur Erfrischung. Und viel Lachen. Dafür brauchts weder Karibik noch irre Animateure.

Mir fällt auf, dass ich wieder weniger fotografiere. Seit Wochen habe ich keine Photographien mehr entwickelt. Einzig hunderte Fotos gelöscht. Und es stehen noch viele Ordner auf der Liste.
Zwei Fragen stellt man sich gewöhnlich, bevor man den Auslöser drückt. Warum lichte ich dieses Motiv ab. Aber vor allem : liebe ich dieses Motiv? Sicheren Antworten darauf scheine ich derzeit zu entbehren.

„Hallo, Nachbar. Komm´doch mal raus. Ist Mondfinsternis.“
Meine Lust ist gedämpft, ich sitze just an diesem Beitrag. Das feine Steinerglas liegt jedoch griffbereit. Die Kiffer drei Häuser weiter haben zusätzlich zu ihrem aufblasbaren Sprudelbecken im Gärtchen jetzt auch noch einen grossen Bildschirm unter der Pergola. Was ich an diesen Nachbarn aufrichtig schätze : sie leben so wie sie können. Und tun nicht so als ob. Im Gegensatz zu den kleinbürgerlichen Kulturmöchtegerns mit ihrem aufgeblasenen Getue sind nämlich deren Attitüden ebenso schlicht wie nachvollziehbar.
Gestern Abend gefiel mir der blasse, ungekämmte Mondkopf besser.
„Kannste doch mal knipsen.“
„Nö. Mein Geraffel schläft schon.“
Ich kenne eine Photographin, von der ich weiss, dass sie heute Abend das Spektakel mit ihrem Besteck verfolgen wird. Deren feinsinnigem Blick und ihren Photograhien traue ich.

Ich fahre nochmal zum öffentlichen Bücherschrank. Seit fast zwei Wochen entsorge ich daraus die papierne Diarrhoe von  HeinrichBergiusKonsalik. Richtig übelriechend wirds dann bei readersdigest. Welche Leserschaft mag sich zeitvertreibend mit derlei Stoff tummeln? Nicht mehr illiterat und dennoch nicht von den Musen geküsst.

Innerhalb von zwei Tagen habe ich die jeweils drei Folgen von Ku´damm ´56 und Ku´damm ´59 gesehen. Stellenweise haben mich die dargestellten Ereignisse doch sehr angerührt. Erinnerungen sind manchmal unerbittlich wenn sie schlagartig eruptiv aufschäumen.

Am zunehmend dunkelnden Nachthimmel ist unterhalb der rotbraunen Mondscheibe der Mars schön rot zu sehen. Die Tuberosen verströmen ihren betörenden Duft freigiebig im Garten.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein feinsommerliches Wochenende. 

(Photographien einfach so aus der Kamera)

 

 

Das Reduktionsprojekt läuft und läuft

Wer im Glashaus sitzt trifft garantiert mit jedem Wurf : Gentle Giant – In a Glasshouse (1973). Anschliessend und weil es zum Thema passt : Billy Bragg – Back to the Basics (1987)…

Das Reduktionsprojekt läuft. Ein immaterieller Aspekt, der an Gewicht gewonnen hat, ist die zunehmende Distanz. Der Alltag liefert ständig Beispiele, die diesen Abstand hinsichtlich der eigenen seelischen Gesundheit nötig machen.

Seit zwei Jahren beobachte ich nun den Kundenverkehr in einem ausgesuchten Einzelhandelsfachgeschäft. Die Wahrnehmungen sind ernüchternd. Fachgeschäfte mit entsprechenden Fachkräften gibt es immer weniger in Zeiten, in denen Aushilfen in Bäckereiketten statt vom aufbacken vom backen reden. Das ist Irreführung der Kunden.
Aushilfen in sogenannten Boutiquen, denen bei der Anprobe eines Kunden nichts besseres einfällt als: „Das gefällt mir gut.“ Als würde es die Kundin interessieren was der Teilzeiterin gefällt. Der Preis ist heiss.
Der Einzelhandel „stirbt“ natürlich nicht, wie vielfach geäussert wird. Es sind lediglich die Strukturen, die sich radikal verändern und schon verändert worden sind. Weg vom Fachgeschäft hin zur Einzelhandelskette, zum Discounter und ab in die ShoppingCenter. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Konventionelle Einzelhändler, Discounter und Kunden haben alle ihren individuellen Anteil daran.
Mir fällt auf, dass die Kunden beim Betreten eines Einzelhandelsfachgeschäftes ihre Konsumattitüden nicht im Griff haben. Mir scheint, dass Ketten oder OutletZentren den Konsumenten längst das Hirn weichgekocht haben. Und die perfide Dauerparole einer Elektrokette, mit der eine der sieben Todsünden in eine Siegermedaille umgemünzt worden ist, wird voraussichtlich nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Gewissenlose Werbeleute arbeiten längst an noch unmenschlicheren Parolen.
Besonders auffällig sind die sprachlichen Äusserungen im Einzelhandelsfachgeschäft. Es werden Dinge verlangt, die augenscheinlich nicht vorrätig sind. Erkundigungen werden eingeholt, um anschliessend irgendwo anders auf Schnäppchenjagd zu gehen. Artikel werden geknipst ohne zu fragen; zuhause beginnt die dann die Suche im Internet nach dem besseren Preis. Den Gipfel bilden unverschämte Preisvorschläge trotz der Auszeichnung von Waren. Auf die Frage, ob man das Geschacher auch im Supermarkt versuchen würde, kommt die Antwort spontan: „Nein. Aber man kanns ja mal versuchen.“

Die derzeitige Propagandamaschine der deutschen Staatsmedien von ARD & ZDF ist enorm gut geschmiert und läuft auf Hochtouren. Was die Journaille zusammenschreibt, ist mir unbekannt. Die gepanschte Einheitssuppe ist längst ungeniessbar und das Niveau längst ranzig geworden. Mittlerweile ist sogar der SPIEGEL, die vormalige „Bild-Zeitung für Abiturienten“ vollends zu einem Hetzblatt verkommen. Wer einmal die Probe aufs Exempel machen möchte, liest im Spiegel zum Thema WM einen Artikel von 1962 oder 1966 und einen jetzt aktuellen.
Kein Wunder sind die gravierenden Unterschiede, wenn Chefredakteure beliebig von einem Chefsessel in den nächsten pupen. Geld und Karriere regieren das Denken und Handeln. Persönliche Überzeugungen sind da allenfalls hinderlich. Sie sind ohnehin käuflich geworden. Rückgrat – das braucht doch niemand mehr im Wachstumsmarkt der Physiotherapeuten und Wellnessoasen.

Nach dem Halbfinalspiel zwischen England und Kroatien wird der kroatische Co-Trainer der siegreichen Mannschaft als erstes gefragt : „Das ist jetzt das dritte Spiel ihrer Mannschaft, das in erst in der Verlängerung entschieden wurde. Was ist los?“ – dem Mann hätte man auch einfach zu dem Sieg gratulieren können. Aber er hat den Makel des Südosteuropäers. Kommt halt irgendwoher vom Balkan.
Und was und vor allem wie im Kontext der Fussballweltmeisterschaft über Russland berichtet wird, geht nicht mehr auf die Häute einer ganzen Kuhherde. Ein erhellender Bericht zu findet sich HIER.
Und immer wieder der Herr Putin. Hat man eigentlich auf dem Schirm, dass es noch 146.877.088 (Stand 2018) andere russische Menschen gibt. Menschen mit Plänen, Hoffnungen, Träumen und auch Ängsten. Menschen, die in russischen Lebensverhältnissen so gut zurechtkommen wie deutsche Menschen in deuten Verhältnissen. Und viele russische Menschen leben gerne in der russischen Föderation. Aber das kann und darf nicht sein im Kosmos deutscher Vorstellungswelt. Und die wird wie seit Jahrzehnten auch weiterhin fleissig beeinflusst von einer vorurteilsvollen Berichterstattung. Was muss eigentlich passieren, dass sich an dieser feindseligen Haltung etwas ändert?

Stattdessen werden Freunde hofiert, die noch nie Freunde Europas oder gar Deutschlands im Speziellen gewesen sind. Liest eigentlich ein Mensch, was dieser neue USBotschafter in Berlin so daher redet; wes Geistes Kind dieser Mensch ist? Geschenkt. Hauptsache wir dürfen unsere Scheuklappen aufbehalten. Auf der Handfessel wischen, die Knöpfe im Ohr und von schönen neuen Produkten träumen, die wir demnächst kaufen werden. Jedenfalls solange die Banken die Kreditlinien noch genehmigen.

„Amerika hat keine dauerhaften Freunde oder Feinde, nur Interessen.“ (Henry Kissinger : Imperialism and Expansionism in American History: A Social, Political, and Cultural Encyclopedia and Document Collection. Hrg. von Chris J. Magoc & David Bernstein, ABC-CLIO, 2015. S. 1236). Na, wer sagts denn. Solche Freunde wünscht man niemandem, nichtmal dem bösen Nachbarn.
Henry Kissinger ist der Mann vom 11. September. Nein, nicht vom 11.9.2001. Er war der Stratege hinter den Aktionen vom 11.9.1973. Da wurde ein demokratisch gewählter Präsident in Chile weggeputscht weil er usamerikanischen Interessen im Weg gestanden hat. Ausgetauscht wurde er gegen einen gewissenlosen Diktator und seine Junta, auf deren Konto Tausende von Gefolterten, Verschwundenen und Toten gehen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern vertrauenswürdige Freunde und ein feines Sommerwochenende.

(Photographien, nebenbei aufgenommen)

 

 

 

Immer wieder dienstags : Fragen und Antworten

Knackige Musik und feine Texte : Broilers – [sic!] (2017)…

In meiner Blogverfolgerliste bemerke ich zunehmend Blogs, die gelöscht worden sind. Die mildere Variante sind offensichtlich die Blogs, die nur noch auf Einladung bzw. Freischaltung des Blogbetreibers besucht werden können. Ich frage mich, inwiefern das mit der aktualisierten Datzenschutzverordnung zusammenhängen könnte.
Vielleicht sollte ich gerade aus diesem Grund ein bisschen persönlicher werden. In dieser weitgehend unpersönlichen Blogwelt. Und die nachstehenden Fragen sind mir eine Reflektion wert.
Im Zeitmagazin, einer Beilage der Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde regelmässig ein Fragebogen von einer Person des öffentlichen Lebens beantwortet. Dieser Fragebogen geht angeblich auf Marcel Proust zurück und ist im Laufe der Jahrzehnte schon von vielen Menschen – prominent oder nicht – beantwortet worden.
 
Was ist für Sie das größte Unglück? – Die Verbindung von bürgerlicher Gesellschaft und kapitalistischer Wirtschaftsweise.

Wo möchten Sie leben? – Wo man Natur und Menschen begegnen kann, ohne ständige Habachtstellung.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? – Darüber dachte ich als junger Mensch nach. Heute lebe ich glücklich.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? – Das hängt von den Folgen des Fehlers ab.
Ihre liebsten Romanhelden? – Von denen ich etwas für mein Leben lernen konnte: Wolf Larsen beispielsweise.
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? – Francesco Datini.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? – Realen Heldinnen und Helden haftet eine gewisse Tragik an.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? – Gesine Cresspahl, Clarissa Lichtblau, Emma Bovary.
Ihr Lieblingsmaler? – Die Lieblingsmaler wechseln mit meinen Stimmungen.
Ihr Lieblingskomponist? – Die Lieblingskomponisten wechseln mit meinen Stimmungen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? – Selbsterkenntnis und autonome Handhabe der Temperamente.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? – Selbsterkenntnis und autonome Handhabe der Temperamente.
Ihre Lieblingstugend? – Lebensfreude.
Ihre Lieblingsbeschäftigung? – Leben und wahrnehmen.
Wer oder was hätten Sie sein mögen? – Niemand anders, als nur ich selbst, das reicht allemal.
Ihr Hauptcharakterzug? – Konsequenz.
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? – Dass ich ihr Freund sein darf.
Ihr größter Fehler? – Gutgläubigkeit.
Ihr Traum vom Glück? – Das Leben hat mich reich beschenkt. Ich lebe im Glück und träume nicht davon.
Was wäre für Sie das größte Unglück? – Wenn meinen herzensinnigsten Menschen ein Unglück widerfahren würde.
Was möchten Sie sein? – Klug und humorvoll.
Ihre Lieblingsfarbe? – Die wechseln mit meinen Stimmungen.
Ihre Lieblingsblume? – Ich mag keiner den Vorzug geben.
Ihr Lieblingsvogel? – Ich habe keinen Lieblingsvogel.
Ihr Lieblingsschriftsteller? – Zur Zeit keinen.
Ihr Lieblingslyriker? – Changierend zwischen Brecht und Benn.
Ihre Helden in der Wirklichkeit? – Die Söhne alleinerziehender Mütter.
Ihre Heldinnen in der Geschichte? – Frauen, die dennoch ihre Wege gegangen sind.
Ihr Lieblingsnamen? – Diejenigen, die zu den Menschen passen, die sie tragen.
Was verabscheuen Sie am meisten? – Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen an Menschen und der Natur.
Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten? – Männer und Frauen, die Kriege auslös(t)en und ihre Helfer, die blinden Befehlsausführer.
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? – Keine.
Welche Reform bewundern Sie am meisten? – Ansätze der Reformpädagogik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? – Geistesgegenwart.
Wie möchten Sie sterben? – Überhaupt nicht.
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? – Fröhlich und klar.
Ihr Motto? – Suave in modo fortiter in re.  – – – – – – – – – – – –  .

Nachdenklich gestimmt hat mich die folgende Erkenntnis von einem, der es wissen muss. „In Amerika kann man alt werden, ohne erwachsen werden zu müssen.“ (Thomas Gottschalk im SWR Nachtcafé am 15. Oktober 2004). Ich nehme an, dass er aus diesem Grund ebendort lebt.
 
(Einige neuere Photographien)