Neulich sonntags. . .

Horsche: Dies und das von allem was – zwischendurch und im Vorübergehn.
Lesen: Jörg Schulisch: Bauer-Werke Klein-Auheim. Hier stehen schliesslich einige Fahrräder dieser Manufaktur.
Essen & Trinken: Frisches aus dem Garten. Es ist ein Wunder, was aus einem Samen entsteht und wie fein das schmeckt.
Schaffe: Fahrräder zerlegen. Der erste Café-Racer (s.u.) bestand seinen Ritt nach Frankfurt.
Gugge: Ein erschreckender Blick in die Vorhölle. Lois Hechenblaikner: Ischgl (Steidl Verlag). Der Photograph hat über zwanzig Jahre lang die besondere Form des Tourismus in dieser Partnerstadt von Sodom & Gomorrha dokumentiert.

Endlich wieder ein feiner Landregen. Im Garten hat man den Eindruck, die durstigen Zellen der Erde öffneten sich für jeden niederkommenden Wassertropfen.
Die Windböen nehmen hier in diesem von allen Seiten gut geschützten Landstrich bedenklich zu. Ich war noch jung und ahnungslos als mich eine alte Frau mit der Metapher belustigte, die Bäume seien für die Erde wie die Haare auf den Köpfen der Menschen. Damals lächelte ich. Heute mit dünner werdendem Haupthaar denke ich öfter an ihren klugen Ausspruch.
Neben den Brückenreparierern haben in Deutschland nun die Kettensäger ihre grossen Auftritte. Und die Vorgartenpflasterer scharren bereits mit Pickeln und Spaten.

Der Bildband von Hechenblaikner (s.o.) hat mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Spass und Party. Das haben wohl immer mehr Menschen im Visier. Und am Ballermann geht es schon wieder ab. Wie viel Ignoranz und Rücksichtslosigkeit passen in einen menschlichen Kopf? Eine mögliche zweite Corona-Welle in einigen Monaten erscheint mir wie ein zweites Weckerklingeln am Morgen. Aber jetzt wollen die meisten Menschen erstmal zurück zur Normalität. Festzuhalten ist dabei, dass die Normalität keinesfalls das Gesunde ist.

Zum 30.6.2020 habe ich die Zählerstände von Strom, Gas und Wasser fotografiert. Mal sehen, ob und wie der veränderte Mehrwertsteuersatz von den jeweiligen Versorgern realisiert werden wird. Und ob überhaupt.

Manchmal kommt es mir vor, als würden sich die Menschen zunehmend von der Wirklichkeit des Lebens verabschieden. Virtuelles Dasein statt alltäglichem Leben. Rollenspiele im Internet statt wirklicher zwischenmenschlicher Begegnungen. Konsum rund um die Uhr statt einem gesunden Lebensrhythmus.

Sonntagsmorgens früh am Mainradweg. Sconnenschein und frische Luft. Lebensfreude. Die Räder laufen rund. Gegenseitige Grüsse im Vorbeifahren. Lebensfreude. Flussaufwärts Richtung Frankfurt. In Schwanheim in einer kleinen Bäckerei das frugale Frühstück. Gegenüber vor der Aufbackstation einer Kette die Schlange. Unfassbar. Allein der Unterschied der den Läden entströmenden Aromen. Lieber das Schlechtere, dafür aber bunt und laut.
Gegen Mittag einen Sauergespritzten im LiLu in Niederrad. Und dann nichts wie zurück. Im Vergleich zum frühen Morgen radeln wir nun in einer Gegenwelt. Man muss höllisch aufpassen. Rücksichtslos sind die meisten auf ihre individuelle Art. Rennradfahrer, Fussgänger und Elektrofahrradfahrer. Bei manchen Männern und Frauen, denen schier die Zunge aus dem Hals hängt, fragt man sich, wie viele Schläge und Tritte die während der Woche einstecken mussten, die sie sich am Wochenende in wenigen Stunden wegtreten müssen. Vielleicht sind sie auch auf der vergeblichen Flucht aus ihren falschen Leben.
Dabei bin ich selbst auf der Flucht. Vor diesen Menschen jedenfalls. Vor ihrer selbstsüchtigen Rohheit und ihrem Lärm.

Zurück in nach Hause, in den Garten, die Werkstatt. Abends grüsst der Nachbar von gegenüber. Wir laden ihn ein. Zum ersten Mal kommt er tatsächlich auf ein Glas Wein in unseren Hof. Wir sitzen eine Stunde zusammen. Reden von früher und heute. Seine Frau liegt im Krankenhaus. Er erzählt ihr telefonisch von dem kleinen Zusammensein. Bedankt sich am kommenden Tag und sagt, das müsse man wiederholen. Auch seine Frau habe das gesagt…
Für mich spiegeln diese scheinbar unspektakulären Kleinigkeiten das wirkliche Leben.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen gutsitzenden Mundnasenschutz und geniessen Sie besonders die scheinbar unspektakulären Momente in Ihrem Alltag.

 

(Es wird was man draus macht. Bildklick zeigt die Details.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommen und Gehen . . .

Horsche: Wurde bereits vorab als sein grandioses Alterswerk beschrieben: Bob Dylan – Rough and rowdy ways (2020).
Lesen: Wie verschiedene alte Kettenschaltungen eingestellt werden. Ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.
Essen & Trinken: Salate, Kräuter und Wurzelgemüse aus dem Garten. Die letzten Spargeln.
Schaffe: Fahrräder zerlegen. Ein gefundenes Fahrrad ausschlachten (s.u.). Ein anderes angekauft (davon vielleicht später).
Gugge: Das ganz grosse Staunen im Garten. Wie es blüht, wächst und gedeiht. Und auch verzückte Blicke auf schöne alte Metallhandwerkskunst; Stahlrahmen fein gemufft.

 

Morgens lautete die Ansage: „Haste gesehen, drüben bei den Nachbarn steht ein Fahrrad. Offensichtlich wird das verschenkt.“ Ich schaute mir die Sache an. Und nahm die Sache mit.
Sollten wir den Nachbarn Bescheid sagen?
Vielleicht ein Glas Eingemachtes überreichen?
Ich sah den Zettel am Rad und beschloss, mich kundig zu machen. Es war einer jener Zettel, die jeder hin und wieder in seinem Briefkasten findet. Es wird darauf um Sachspenden gebeten. Kleidung und Schuhe steht in den grössten Lettern. Aber auch – und dann kommt alles mögliche, was auch gebraucht wird.
Wer braucht das?
Die Sammler, denn der Altkleidermarkt ist heiss umkämpft. Es geht um unglaubliche Profite, wenn man das Geschäft richtig aufzieht. Ich recherchiere nach der Firma, deren Adresse auf dem Zettel am Altfahrrad befestigt ist. Es gibt Listen, auf denen die Abzocker der Szene aufgelistet sind. Die auf dem Zettel angegebene Firma hat in Hessen Sammelverbot. Aber wer kümmert sich schon um derlei Kleinkram. Wir alle wollen doch gute Menschen sein.
In Tansania beispielsweise ist der einheimische Textilmarkt zusammengebrochen. Man schätzt, dass etwa 80.000 Menschen dadurch ihre Arbeit verloren haben. Und das aufgrund der Kleidersammelei und des daraus resultierenden Geschäftes mit Second-Hand-Läden und anderen Absatzkanälen.

Am späten Nachmittag durften wir einen lieben Bloggerkollegen mit seiner Liebsten begrüssen. Die Freunde verbringen hier in der Nähe ihren Urlaub. Wir hatten uns zum Abendessen mit hessischen Leckereien verabredet. Essen, trinken und miteinander sprechen und sich vertraut fühlen können. Dass der Mann just an diesem Tag seinen Geburtstag feierte, setzte dem Abend ein weiteres Glanzlicht auf.
Nach einer ausgiebigen Schmauserei und Plauderei fuhren wir zur Mainspitze. Einen Blick auf das vielberufene „goldene Mainz“ kann man nicht jeden Tag sehen. Und wer weiter entfernt lebt, für den ist es noch eindrucksvoller.
Die Sonne stand bereits tief als wir den Zusammenfluss von Main und Rhein erreichten. Es waren nur wenige Menschen da. Ein junger Mann legte Stöcke zurecht. Er schien ein kleines Floss bauen zu wollen. Eine junge Frau half im dabei. Nach und nach kamen noch drei andere junge Menschen zu den beiden. Sie brachten stärkere Stöcke mit und einen üppigen Strauss aus Feldblumen. Die kleine Gruppe werkelte konzentriert und war dabei ungewöhnlich ruhig. Eine der jungen Frauen setzte eine Kerze in ein Glas. Dieses Glas befestigte sie mit vier Kordeln an dem Floss.
Die Sonne sank tiefer und der Rhein wurde zunehmend golden vor der Silhouette der Mainzer Kirchtürme. Wir holten die Gläser aus dem Korb, öffneten eine Fasche Rotwein und stiessen auf das neue Lebensjahr des Freundes und diesen besonderen Abend an. Die abendliche Stimmung und die Farbverläufe am Himmel wurden beeindruckend.
Die Arbeit an dem vielleicht einen halben Meter langen Floss schien beendet. Die Kerze im Glas war entzündet und der lebendige Blumenstrauss lag der Länge nach daneben.
Die beiden Männer trugen das Floss und liessen es genau an der Mainspitze zu Wasser. Die Strudel zogen es in den Main. Da balancierte der Erbauer barfuss mit einem langen, starken Ast von Stein zu Stein. Er versuchte damit, das Floss in die Strömung des Rheins zu steuern.
Einer der Zuschauer dieses Ereignisses fragte ihn, was er da mache.
„Meine Frau ist gestorben“, sagte er ganz ruhig.
Endlich gelang es und das kleine Floss wurde vom grossen Strom aufgenommen. In der Stille schauen wir dem Floss nach. Jeder hängt in seinen Gedanken.
„Das habt ihr gut gemacht“. Ein Kompliment von uns.
„Der Tod war nicht einfach“, entgegnete der junge Mann, „da kann ich es mir hier auch nicht einfach machen.“

Später sassen wir noch bis nach Mitternacht bei uns Garten. Wir sprachen über dies und jenes. Dieses einmalige Erlebnis haben wir beschwiegen, um seine Würde zu bewahren.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine erfreuliche Zeit – bleiben Sie wohlauf, egal, was man Ihnen auch zeigen oder erzählen mag.

Und hier die Auflösung der letzten Rätselfrage zum Transportrad. Es wurde nach drei mittlerweile zusätzlich verbauten Dingen gefragt. Und hier sind sie nun zu sehen:
1. Ventilkäppchen aus Metall mit Sicherungskettchen
2. Kleiderschutz, da es sich schliesslich um ein Transportrad mit einem Damenrahmen handelt.
3. Eine Klingel mit dem original Görickedeckel.

Und hier kommt gleich die nächste Frage: Welches wichtige Zubehör gehört nicht nur an ein Transportrad? Wir haben es inzwischen angebracht. Die Auflösung wird demnächst hier zu sehen sein.

Die Fotografien anklicken und gross gugge.

….

Als so weiter

Horsche: Corona wirkt. Dumm Gebabbel in de Nachbarschaft. Zuhause: Dead Can Dance – In Concert (2013).
Lesen: Maria Thun: Gärtnern nach dem Mond. Aussaattage, Pflanzzeiten, Erntetage. Franck-Kosmos Verlag, Stuttgart, 2017.
Essen & Trinken: Salate, Kräuter und Wurzelgemüse aus dem Garten
Schaffe: Fahrräder zerlegen. Im Garten ist einiges zu tun.
Gugge: Ein ganz aussergewöhnliches Spektakel. Musik, Schauspieler, Marionetten, die EU und die Auswirkungenm von Corona.
„Beethoven – Ein Geisterspiel“. Eine Inszenierung von Jan-Christoph Gockel am Stadttheater Mainz. Aus aktuellem Anlass in Zusammenarbeit mit dem zdf. Und bis Spetember auch in der dortigen Mediathek zu sehen: https://www.zdf.de/kultur/musik-und-theater/geisterspiel-beethoven-theater-mainz-100.html

 

Das Normale muss nicht zwangsläufig auch gesund sein. Immer mehr Menschen wünschen sich die Rückkehr zur „Normalität“. Zu morgendlichen Verkehrsstaus, nächtlichem Fluglärm in Einflugschneisen. Zu Gerempel in Konsumtempeln. Zu Konsum in jeglicher Form. Ob warenwelt oder Kultur. Hauptsache Konsum wie er normal erscheint. Aber noiicht unbedingt gesund sein muss. Wen scheren schon die Folgen, wenn Malle lockt. Wenn endlich wieder die Musik auf Konzerten so laut tönt, dass man es ohne Ohrenschutz kaum aushalten kann. Schliesslich wieder die Randale im Umfeld von Fussballspielen.
Alles nur Randerscheinungen, ich weiss. Dennoch ungesund.
Bisher las ich nur davon. In dieser Woche war ich seit Zeiten wieder einmal beruflich in Frankfurt. In einer Metzgerei weigerte sich ein Greis, einen Mundschutz anzulegen.
„Mach isch nedd!“, schnauzte er. Zum Verlassen der Metzgerei liess er sich auch nicht bewegen.
Ältere Menschen halten weniger Abstand. Und darauf angesprochen, folgt meist das egomane Argument: „Ich bin so alt, wenns mich erwischt, dann habe ich gut gelebt.“
Auf die Gegenfrage, wie viele Menschen, bis es endlich so weit wäre, dann inzwischen vielleicht angesteckt worden wären, herrscht eisiges Schweigen. Die Normailtät und der gesunde Menschenverstand gehen oft getrennte Wege.

Ich finde den Mundschutz prima. Endlich muss ich nicht jeden frischverduschten Stinkbock und jede maximalparfümierte Möchtegernin riechen. Ich hatte die Hoffnung auf Duftschutzbunker im öffentlichen Raum eh aufgegeben. Dass die Aussprache mancher Mitmenschen undeutlicher wird, nehme ich gerne in Kauf. Bei Bedarf kann ich rückfragen. Wenn es denn wirklich notwenig wäre.

Auf welchen poetischen Namen haben Sie eigentlich Ihrem Mundschutz getauft? Ich schwanke noch immer. Mir fällt die Entscheidung nicht leicht. Laberlappen, Knutschgardine, Spuckfilter, Virenrollo, Mundgeruchsrückhaltegewebe, Lippenlumpen. Undsoweiterundsofort.

 

Zwei Strassen entfernt wollte jemand sein Sammelsurium an älteren Fahrrädern loswerden. Für Kleingeld. Da manche Kleinteile inzwischen teuer geworden sind, lohnte sich der Ankauf. Zerlegen, behalten, was lohnt und der Rest tritt seinen Weg in den Schrottcontainer an.

Es stimmt mich nachdenklich, wenn ich ein ehemals feines Herrenrad der längst untergegangenen Marke Rixe sehe und was man damit angestellt hat. Der Aufkleber am Kettenschutz ist kein Trost zum lächeln. Es scheint die Warenwelt verführt dazu, alles und jedes zu benutzen und verbrauchen, wie es einem gerade so durch den Kopf schiesst.
Ohne Sinn und Verstand wird zur Metapher der neuen Normalität.

Wobei ich zur zweiten Frage des Fahrradrätsels komme.

Sie haben die Fotos des Transportrades noch in Erinnerung. Da fehlte noch einiges. Es gibt erstens die Freude und zweitens die Strassenverkehrsordnung (StVO). Versteht sich, dass die Freude ganz klar Vorrang hat, die StVO aber nicht ganz ausser Acht gelassen werden soll.

Was wurde inzwischen an der schwarzen Schönheit verfeinert? Als kleine Hilfestellung sei gesagt, dass es drei Dinge sind, die inzwischen angebracht worden sind. Die Fotografien folgen demnächst mit den Antworten, auf die ich mich schon jetzt freue.

 

 

 

 

 

Fundstücke

Horsche: Leonard Cohen – Live at the Bowling Green, Wiesbaden, 3.9.2010 (mehr dazu im Text darunter)
Lesen: Keine Zeit und Energie.
Essen & Trinken: Prima Koteletts (unpaniert), weisses Brot, Hessenquell Landbier
Schaffe: Einen hundertvierzig Jahre alten Holzfussboden vom fürchterlichen Teppichboden befreien.
Gugge: Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz hat sich einen virtuellen Rundgang zum Kriegsende vor 75 Jahren in Mainz einfallen lassen. Uns hat er Spass gemacht.

 

Das oben angezeigte Konzert konnte ich nicht besuchen. Ich hatte nicht das nötige Geld für ein Ticket. Kenner kennen Wiesbaden. Etepete halt. Kennen die Wilhelmstrasse. Und den „Bowling Green“, das meist vertrocknete Wiesenstück vor der Spielbank. Darin hat schon Herr Dostojewski sein Geld verspielt. Gut genug für Konzerte, die hunderte von Euro für eine Eintrittskarte kosten.

Eiscafés dürfen ihre kalten Zuckerkugeln verkaufen. Gartenwirtschaften hingegen bleiben weiterhin geschlossen. Auch für diese Betriebe liessen sich eingrenzende Regelungen festlegen. Was sind die Richtlinien, nach denen solche Entscheidungen getroffen werden. Welche treibenden Interessen stehen dahinter. Beim Profifussball ist die treibende Kraft offensichtlich.

Es gibt Expertenteams, die über ein Grundeinkommen sprechen, die mögliche Finanzierung dazu erörtern und die Höchstgrenzen dafür errechnen. Wo hingegen sind die Expertenteams, die ein moralisch vertretbares Höchsteinkommen berechnen angesichts der unhaltbaren, weltweiten Verteilung von unten nach oben.

Bestimmte Aspekte meines Lebens reflektierend und erinnernd, fiel mir auf, dass mir vergleichsweise viele Menschen einer bestimmten Berufsgruppe über Jahrzehnte sehr nahe waren. Diese Menschen sind mir in den beiden letzten Jahren abhanden gekommen. Irgendwie abgetaucht und verschwunden. Manche mit einem verqueren Abschiedsgruss. Die meisten aber schweigend. Als mir das letzthin nach einem Gespräch aufgefallen ist, stellte ich fest, dass ich bisher keine dieser Zeitgenossen wirklich vermisst habe.

Das Zeitalter der Sammeltassen hinter Glas scheint ebenso vergangen wie Häkeldeckchen auf dem Fernssehapparat. Drauf wetten würde ich aber nicht.

In der DDR wurden bei der schulischen Ausbildung die Kinder von Arbeitern und Bauern bevorzugt. So hörte sich das in der BRD an. Dass im östlichen Deutschland im Lauf der Zeit auch Veränderungen stattgefunden haben ist im westlichen Landesteil hingegen nur wenigen bekannt.
In der BRD wurde zu meiner Zeit ebenfalls ausgewählt. Wir mussten als kleine Gymnasiasten zum Schuljahresbeginn den neuen Lehrern unsere Adresse nennen. Im „Zweifelsfall“ (der Lehrer konnte die Adresse nicht zuordnen) auch den Beruf des Vaters. Wenn da ein Mitschüler die „falsche“ Adresse hatte oder der Vater den „falschen“ Beruf ausübte für das Gymnasium, hiess es meist: „Du, setz´ Dich mal in die Bank da hinten links.“ Diese Schüler waren spätestens zwei Schuljahre später dort, wo sie nach Meinung der traditionsbewussten Kollegen auch hingehörten.

Wie lange es dauern kann in einem Menschenleben, bis man etwas lernt. Oder eine Meinung korrgiert wird.
Ich dachte bis vor garnicht allzu langer Zeit, dass Vögel in Nestern leben. Dabei werden die Nester lediglich zur Brutzeit gebraucht. Wenn wir alle doch liebe Zeitgenossen hätten, die uns helfen, derlei Irrtümer zu korrigieren.

Das Leben geht weiter. Die Schulen haben wir hinter uns gelassen und die Sammeltassen. Das Grundeinkommen wird um des sozialen Friedens willen kommen. Und die Apfelweinwirtschaften werden auch wieder öffnen.
Und was mag aus diesem siebenjährigen Jungen inzwischen geworden sein?

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern, Guggern und Horschern eine feine neue Woche.

 

(Einen Andy Warhol an der Wand hat fast jeder…)

 

 

 

 

Es geht immer weiter . . .

Horsche: David Bowie – PinUps [1973], David Bowie – Aladdin Sane [30th Anniversary Edition, 2003]
Lesen: Zwischendurch ein schneller Kriminalroman. Rolf Silber: Das Leben tobt! (Eichborn, 2001). Von diesem Autor habe ich bereits früher hier im Blog ein anderes Werk vorgestellt.
Essen & Trinken:
Schaffe: Tapeten abreissen und mir dabei manches denken, vorstellen und Innendampf ablassen.
Gugge: Ich habe die alten Filme von Rainer Werner Fassbinder wieder am Haken…

Wir stehen an dem Bächlein, das ein paar hundert Meter weiter in die Selz münden wird. Eine Hornisse scheint ins Wasser gefallen zu sein. Sie zappelt mitten im Bach an der Wasseroberfläche. Wir können ihr nicht helfen. Als sie fast auf unserer Höhe ist schiesst ein Frosch unterm verbergenden Ufergras hervor. Zwei, dreimal macht er die kräftigen Hinterbeine lang. Dann schnellt seine Zunge hervor und im Nu hat er die Hornisse verschluckt.

Im Frühjahr 2018 hat mir Eddi hier im Haus noch geholfen. Ein Fachmann, der sein Handwerk aus dem ff beherrschte. Kurze Zeit später bekam er eine ungünstige Diagnose.
Ich stand samstags nachmittags am Fenster, als ein Kombi in die Seitenstrasse einbog. Er hielt vor Eddis Haus. Ich war gerade dabei, einige Einstellungen mit einem Objektiv auszuprobieren. Hielt die Kamera mal gegen das Licht, mal in schattige Bereiche. Der Kombi hatte eine merkwürdige Verkleidung im Laderaum.
Ich setzte ein Tele auf das Gehäuse. Mal sehen, was da verkauft wird in der Nachbarschaft. Ich bin nicht neugierig, allenfalls hie und da interessiert. Da hat sich jemand seinen Kombi gediegen ausstatten lassen.
Ich nahm Einstellungen vor und drückte mehrmals den Auslöser. Beim letzten Bild trugen zwei Männer einen länglichen blauen Plastiksack aus dem Hof und luden ihn in den Kombi.
Doris, seine Frau ging weiterhin mit dem kleinen uralten Hund ihren täglichen Gang. Im Sommer letzten Jahres hat sie ihr Einfamilienhaus verkauft und am Ortsrand eine Eigentumswohnung erworben. In dem Haus sind seitdem junge Leute am Schaffen. Wir haben mit Doris über ihre Veränderung gesprochen. Besonders glücklich schien sie nicht. Aber es braucht alles seine Zeit bis man sich an das Neue gewöhnt hat.
Vor zwei Wochen habe ich Doris im Vorbeifahren gesehen. Sie drehte im alten Revier ihre Runde. Der Hund schien noch altersschwächer. Vor einer Woche hörte ich, sie läge im Krankenhaus. Und gestern rann ihr Stundenglas aus. Ich werde sie auf ihrer letzten Fahrt begleiten.

Im Garten lagert viel Feuerholz. Das entdecken die Holzbienen für sich. Mit ihren mächtigen Kauwerkzeugen beissen sie sich im gesägten Holz vorwärts. Mit den Hinterbeinen kehren sie das Sägemehl aus den Gängen. Jetzt ist die Zeit der Paarung. Die weiblichen Holzbienen beissen kleine Nisthöhlen. Dort legen sie jeweils ein Ei ab und geben anschliessend einen sehr zähen Pollen dazu. Über den Winter entwickeln sich die Larven und ernähren sich von dem Pollen. Im Frühjahr frisst sich die junge Holzbiene durch das Holzstück ins Freie.
Holzbienen sind lustig zu beobachten. Sie sind überaus friedlich. Sie stechen nur im äussersten Notfall. Ursprünglich bewohnen sie Südeuropa. Mit unseren zunehmend milderen Wintern wandern sie weiter nach Norden. Im Süden Deutschland kommen sie seit etwa 20 Jahren vor. Derzeit verläuft die nördliche Grenze der Verbreitung ungefähr von Münster über Hannover nach Berlin.
Wo haben diese wunderschönen, blau schimmernden Bienen gelernt, solche exakten kreisrunden Löcher zu bohren?

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern Antworten auf ihre drängensten Fragen.

(Photograhien OoC – anklicken vergrössert)

 

 

Leuchtzeichen

Horsche:   Interzone – Interzone [1981] und Letzte Ausfahrt [2019]
Lesen: Der Rabe. Magazin für jede Art von Literatur. Hier die Nummer 19, der Schopenhauer Rabe vom 22.2.1988
Essen & Trinken: Mit Freunden im Garten – unter Wahrung des Sicherheitsabstandes versteht sich: Spundekäs mit Brezeln. Apfelwein (sauergespritzt) aus der Kleinkelterei unserer Vertrauens
Schaffe: Auch heute wieder die Handwerker im Blick behalten.
Gugge: Nach der Veröffentlichung dieses Beitrags mal gugge, was arte interessantes anbietet…

Von wegen soziale Kontakte einschränken. Vielen Dank für diesen Rat, Frau Merkel. Und dafür noch mehr in virtuellen Netzwerken den Bezug zur Realität und richtigen Menschen verlieren. Gehts noch?
So weit wirds hier bei uns nicht kommen. Wir laden Freunde zu einer frugalen Vesper ein. Und wahren dabei den Sicherheitsabstand. Jeder hat seine eigenen Essens- und Trinkgerätschaften. Einer macht den Mundschenk mit dem Bembel. Zusammensitzen, essen und trinken und miteinander sprechen ist durch nichts zu ersetzen.

Ich habe keinen Fernseh und halte mir keine Zeitung im Abonnement. F.A.Z., N.Z.Z. und Die ZEIT – das ist lange her. Nichts ist nachmittags älter als die Meldungen vom Vormittag. Zeitungen sind allenfalls interessant, wenn man selber drinsteht oder das macht, worüber dann berichtet wird. Alles andere ist Vergangenheit auf Papier.
Neuigkeiten erfahre ich in Gesprächen. Oft in anderen Blogs. Und manches so im Vorbeigehen.

Hans (Hansi) Wallbaum (*2.5.1949) starb am 27.3.2020 im Alter von 70 Jahren. Hansi Wallbaum galt als genialer Schlagzeuger. Er trommelte für viele andere Musiker und Bands, z.B. Stoppok, Müller-Westernhagen und Chuck Berry. Bekannt wurde er als Schlagzeuger von Interzone und später trommelte er über zwanzig Jahre lang für die Hamburg Blues Band.

Ihm zur Ehre und zur Erinnerung ein Stück der ersten Platte von Interzone.

 

Blues – Interzone (1981) Und hier spielt die Musik

Heute ist Sonntag oder Donnerstag
Dein tägliches bisschen Leben
Wird gerade abgepackt
„Lasst sie alle schmoren!“
Kreischt der dicke Mann
Und führt behutsam Deine Finger
An seine Hämorriden‚ ran
Die S-Bahn fährt durchs Zimmer, ein Baby schreit
Ein Polizist sagt laut, es täte ihm leid
Erschrick nicht, wenn Du aufwachst
Es wird ja alles gut
Du weißt ja, zu leben erfordert etwas Mut
„Hast ’n Kater, Schätzchen? Das werden wir gleich haben!“
Und wenn Du in die Grube fällst, dann fressen Dich die Raben
Nimm alles gelassen
Und lass Dich nicht fassen
Wie der Mond
Wie der Mond
Wie der Mond, der seinen mit Schlaftabletten gefüllten Kopf, Kopf, Kopf
Unter den Kissen versteckt.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern, Horschern und Guggern ein formidables Wochenende

 

 

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