Ansichtssachen (XIX)

Wenns einem so richtig gutgeht, spielt im Herzen die Musik. Die will dann auch raus in die Welt. Das Üben hat begonnen. Little Walter saugt und bläst. Es ist erstaunlich wie oft eine Mundharmonika im Rock, und erst recht beim Blues mitspielt.

 

 

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Merkwürdige Zeichen im November

Horsche: Merkwürdige Zeiten erfordern eine besondere Musik. Van der Graaf Generator: Godbluff (1975) Still Life (1976). 
Lesen: Ludvig Holberg : Nils Klims unterirdische Reise / worinnen eine ganz neue Erdbeschreibung / wie auch eine umständliche Nachricht von der fünften Monarchie / die uns bisher ganz und gar unbekannt gewesen, enthalten ist /// Aus dem Büchervorrat Herrn B. Abelins / anfänglich lateinisch herausgegeben / jetzt aber ins Deutsche übersetzt/// Verlegt von Christian Gottlob Mergel, Copenhagen und Leipzig 1748/ (diese Ausgabe: Verlegt beim Christian Wegener Verlag, Hamburg 1970).
Essen & Trinken: Merkwürdige Zeiten erfordern bodenständige Kost: Die weltbesten selbstgemachten Bratkartoffeln. Dazu Spiegeleier und Licher Landbier.
Schaffe: Aufräumungsarbeiten in der (Fahrrad)Werkstatt.
Gugge: Damals rief der Film einen grösseren Skandal hervor. Verzerrt die Realität / Ein Skandal / So weit wirds nie kommen /+++ . Inzwischen hat dank des Tabuverfalls durch anything goes die traurige Realität den damaligen Film längst überholt: „Das Millionenspiel“ von 1970. …

 

Der Terror zieht durch Europa. Noch handelt es sich um ein urbanes Phänomen. Auf dem Land hat man derzeit noch die besseren Chancen. Terroristen sind meiner Meinung schlimmer als alle machthungrigen Politiker. Die können garnicht so viele Rechte einschränken. Dafür liefern Terroristen – gleich in welcher Uniform und welchem Irrglauben unterwegs – stets willkommene Steilvorlagen. Wenn ich an meine ersten Reisen mit Flugzeugen zurückdenke. Heute undenkbar, welche Freiheiten einem vor wenigen Jahrzehnten noch offenstanden.

 

In den USofA sind die Wahllokale geschlossen. Jetzt werden Stimmen ausgezählt. Und im deutschen Radioeinerlei wird ständig eilgemeldet. Wer kennt sich eigentlich aus im usamerikanischen Wahlsystem? Alle gegen Trump. Warum? Was ändert sich für Sie persönlich, meine verehrten Besucher, Leser und Gugger in ihrem Alltagsleben durch die Wahl dieses oder jenes Präsidenten? Was hat sich für Sie persönlich nach vergangenen Präsidentenwahlen geändert?
Wahrscheinlich waren die Veränderungen ähnlich dramatisch wie in meinem Leben : es ist alles beim Alten geblieben.

Fast fünfzig Jahre Geschäftspartnerschaft meiner Familie mit einem mittelständischen Unternehmen im mittleren Westen haben am langen Ende bei allen beteiligten Personen diesseits des Atlantiks für Klarheit und offene Augen gesorgt.
Es geht am Ende immer nur ums Geld. Oder um Starruhm. Der soll sich aber bitteschön in Geldwerten ausdrücken.

Der noch amtierende Präsident hat meines Wissens keine neuen Schlachtfelder auf der Weltbühne eröffnet. Er wollte und will seine Land und seine Wirtschaft stark und stärker machen. Beides ist ihm bis jetzt misslungen. Die Produktivitätsrate sinkt und die Armut steigt. Man ist mit sich selbst beschäftigt. Das tut dem Rest der Welt sichtlich gut. Mein Mitgefühl ist mit den Menschen weltweit, die der selbsternannte Weltpolizist demokratisieren will.

Dass man in jenem weltfremden Land, dem die weite Welt eher fremd ist, von Demokratie allenfalls eine rudimentäre Ahnung hat, dürfte jetzt auch den Fans jenes Landes aufgehen. Da hat der noch amtierende Präsident rechtzeitig am obersten Gericht des Landes neue Richter bestimmt, die ihm zugetan sind. Schlau ist er vielleicht nicht, gerissen auf jeden Fall. Er wird gegen das Wahlergebnis klagen falls er nicht gewinnen sollte. Denn ein Widersacher könne jedenfalls nur durch Wahlbetrug mehr Stimmen auf sich vereinigen, so spricht er. So so.
Und die deutschen Jammerläppchen in den Chefetagen und der Regierung in Berlin haben sich auch gleich ungerufen zu Wort gemeldet. Sie befürchten einen Demokratieverlust in den USofA. Hosianna – wachet auf, Ihr Träumer möchte man ihnen zusingen. Die Begleitmusik müssten jedoch die Trompeten von Jericho geben.

Von wegen Demokratie.
Am Montagmorgen verkündete man im 3. Programm des SWR den Willen, die nächsten Wochen gemeinsam durchstehen zu wollen. Aus diesem Grund werde man ab jetzt die eingesendeten Musikwünsche der Hörer spielen. Bis um Mitternacht. Heisa, blies da frischer Wind aus den Lautsprechern. Er derart breites Spektrum an verschiedenen Stücken. Wann war das letztmals zu hören. Und die Kommentare der Leser überschlugen sich vor Begeisterung. Spätestens bei „Wreck“ von Gentle Giant könnten in heiligen Hallen des Senders der Einen oder dem Anderen ein Licht aufgegangen sein.
Die Freude auf den nächsten Morgen bei den Hörern war ebenso gross wie die dann folgende Enttäuschung. Formatradio in der gewohnt miesen Qualität. Entrüstete Reaktionen der Hörer in den verschiedenen Medienkanälen. Mit fast weinerlicher Stimme erklärte eine Ansagerin die Situation. Der musikalische Schleim (I´m the slime von Frank Zappa) geschehe aus Solidarität mit den Ereignissen in Wien. Die Entrüstung riss nicht ab. Was hat das mit dem zu tun?
Der Moderator der folgenden Sendung verwies auf die Verlautbarung seiner Kollegin. Er fügte jedoch hinzu, dass ab zwölf Uhr… bis Mitternacht.
Heute liefen die Hörerwünsche bis jetzt – um 15:34 Uhr.
Wir haben heute beim Frühstück darüber spekuliert, was wohl der wahre Grund gewesen sein dürfte für die beiden gestrigen Entscheidungen. Am Ende haben wir aufgegeben.

Am wichtigsten erschien uns, dass es noch Hörer gibt, die den Formatbrei nur zwangsweise ertragen. Die ihre Stimmen erheben. Und für ihren musikalischen Geschmack ein Votum abgeben.
Es ist noch nicht alles verloren.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen ruhigen und kraftvollen November.

 

 

(Ein Kilometerstein aus alten Zeiten irgendwo in der Nähe von Leppersdorf)

 

 

Ansichtssachen (XVI)

Im Spätsommer wird der alte gusseiserne Bräter aus dem Keller geholt. Ein schweres Trumm. In diesem Jahr beginnt die Brätersaison mit dem Kochen von leckerem Latwersch. Die Alten sagten oftmals auch Latwerje zum Pflaumenmus. Eingedickt und fast schwarz muss das Mus sein. Wenig Zucker, Zimt und einige andere Zutaten.
Ich erinnere mich noch wie auf den Bauernhöfen in der Nachbarschaft Latwersch gekocht worden ist. Im grossen Kessel, in dem auch die Wäsche gekocht wurde und der Brei für die Schweine. Unvergessliche Bilder, die heutzutage nicht mal mehr in einem Freilichtmuseum erlebbar sind.

In einem der Nachbardörfer wird der Blues mit Texten im südhessischen Dialekt gespielt. Passend zum Quetscheschnippeln.

 

 

 

 

 

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Die Stones – in einer Offenbacher Seniorenresidenz?

Horsche: Aus gegegebenem Anlass: The Rolling Stones – Let it bleed (1969).
Lesen: Liedtexte zu der genannten Platte von den Rolling Stones.
Essen & Trinken: Immer weniger Fleisch. Frisches aus dem Garten und Käse. Herzhaftes dunkles Brot. Von der kleinen, privaten Kelterei den hervorragenden Speierling. Bei diesen Temperaturen natürlich gespritzt.
Schaffe: Bis zum Wochenende soll La Perle fahrbereit sein.
Gugge: „Die Wiese – ein Paradies nebenan“. Eine Dokumentation über einen Lebensraum. Zur Zeit in der Mediathek bei arte.tv zu sehen…

Als wir um die Ecke biegen, sehen wir die Fassade des alten Fabrikgebäudes. Gelber Backstein. Neben dem überdachten Portal der angedeutete Turm mit der grossen Uhr im Giebel. Zeit ist Geld. Im Osten Offenbachs erstreckte sich bis vor wenigen Jahren eine chemische Fabrik. Das Portal, durch welches wir gehen und nach unseren Tickets greifen war das ehemalige Badehaus der Firma. Auch andere Menschen kommen. Offensichtlich vertreten wir die Jugend hier. Vorwiegend ältere und alte Semester. Herr Knie und Frau Hüfte gehen nach der lockeren Eintrittskartenkontrolle zum obligatorischen Desinfektionssprüher. Keine Sicherheitsleute greifen uns ab. Entspannt wie anno dunnemals. So etwas gibt es noch. Brauchen Sie hundertausend Konzertbesucher um sich herum, um in Stimmung zu kommen?

Was Frank Laufenberg für den SWF und Peter Kreglinger für den SDR, das war Volker Rebell für den HR. Diese Namen wurden zu unseren musikalischen Wegweisern. Damals in den 1970er Jahren. Diese Männer haben Grundsteine gelegt und uns mit Musiken bekanntgemacht, die wir Dorfbuben sonst vielleicht nie gehört hätten.
Volker Rebell arbeitet nicht mehr für den HR. Er verbreitet seine Radiosendungen über byte.fm. Die alte Werkzeugfabrik seiner Familie in Offenbach hat er vor einigen Jahren zu einem Veranstaltungsort umfunktioniert. Da läuft derzeit aus bekannten Gründen nichts. Denn vor der kleinen Bühne finden nur knapp hundert Zuschauer Platz.

Stattdessen hat man aus der Not eine feine Tugend gemacht und veranstaltet kleine Konzerte auf dem Gelände der vormaligen chemischen Fabrik. Zweihundert Plätze sind bestuhlt. Im behördlich angeordneten Abstand.
Immer mehr alte Menschen kommen auf das Gelände. Manche schein sich verirrt zu haben; sie sehen längst nicht mehr nach Musik aus. Sorgfältig wird das Kisschen auf dem Stuhl ausgebreitet. Die Windbluse wird ausgezogen und ordentlich gefaltet. Das T-Shirt will dem Mann nicht mehr recht passen. Rolling Stones – Steel Wheels – Berlin 1990. Staunen. Einige andere Gäste tragen ähnliche Memorabilien. T-Shirts. Mützen. Eine ergraute Dame mit Zungenhandtasche.
Auf der Bühne machen sich ältere Herren an elektrisch verstärkten Instrumenten zu schaffen.

Einige Alben der Beatles interessierten uns weniger. Für Beggar`s Banquet waren wir zu spät. Für Let it bleed haben wir Karten bekommen. Das Programm des Abends sieht so aus. Volker Rebell moderiert den Abend. Fünfzig Jahre Let it bleed. (Das Konzert war eine Wiederholung der Uraufführung im vergangenen Jahr). Er erzählt zu jedem einzelnen Lied des Albums wissenswertes und interessantes. Die Glitter Twins, eine fantastische Stones Coverband. Seit vierzig Jahren covert die Kerntruppe Lieder der Stones. Sie spielen nach Rebells Moderation Stück nach Stück in der Reihenfolge des Albums. Dieser Wechsel zwischen Informationen und Musik steigt den Zuschauern rasch ins Blut. Zu manchen Senioren sehen wir besorgt hin. Rocking Chair bekommt eine neue Bedeutung. Das ist ein Zappeln auf manchen Stühlen. Niemand hält sich an das Mitsingverbot. Die Stimmung brodelt.

Nach You can´t always get what you want gibt es eine Pause. Vor der Bar warten die Gäste mit ihrem Mundschutz. Manche hatten einen mit der sattsam bekannten Zunge.
Danach bringen die famosen Glitter Twins noch etliche Stücke der Stones auf Zuruf. Die Musiker bedanken sich dafür, dass sie endlich wieder vor Publikum spielen dürfen. Volker Rebell erklärt die vielen leer gebliebenen Stühle in den hinteren Reihen. Die Stadt Offenbach hatte inzwischen die Zuschauerzahl noch weiter eingeschränkt. Und weitere Konzerte dürfe es in diesem Jahr garnicht mehr geben aufgrund der neuerlich steigenden Infektionszahlen.

Viel zu schnell verging dieser einmalige Abend. Klasse Kapelle. Prima Moderation. Der Klang war perfekt. Wie im Wohnzimmer vor einer gediegenen Stereoanlage. Kein Rettungswagen wurde benötigt. Das Publikum verliess beseelt den Platz.

Im kommenden Jahr wird Sticky Fingers sein fünfzigjähriges Jubiläum feiern. Wir werden dabei sein. Ob auf der rebellischen Bühne in Offenbach oder an einem anderen Ort. Ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten, die uns diesen grossartigen Abend bereitet haben.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Zeit und viel Freude an den Begebenheiten, die wir alle manchmal viel zu wenig wertschätzen.

(Bilder in einer Gemeinschaftsaktion aus der Hand gemacht – am besten in Ruhe anschauen und Let it bleed dabei hören)

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Leuchtzeichen

Horsche:   Interzone – Interzone [1981] und Letzte Ausfahrt [2019]
Lesen: Der Rabe. Magazin für jede Art von Literatur. Hier die Nummer 19, der Schopenhauer Rabe vom 22.2.1988
Essen & Trinken: Mit Freunden im Garten – unter Wahrung des Sicherheitsabstandes versteht sich: Spundekäs mit Brezeln. Apfelwein (sauergespritzt) aus der Kleinkelterei unserer Vertrauens
Schaffe: Auch heute wieder die Handwerker im Blick behalten.
Gugge: Nach der Veröffentlichung dieses Beitrags mal gugge, was arte interessantes anbietet…

Von wegen soziale Kontakte einschränken. Vielen Dank für diesen Rat, Frau Merkel. Und dafür noch mehr in virtuellen Netzwerken den Bezug zur Realität und richtigen Menschen verlieren. Gehts noch?
So weit wirds hier bei uns nicht kommen. Wir laden Freunde zu einer frugalen Vesper ein. Und wahren dabei den Sicherheitsabstand. Jeder hat seine eigenen Essens- und Trinkgerätschaften. Einer macht den Mundschenk mit dem Bembel. Zusammensitzen, essen und trinken und miteinander sprechen ist durch nichts zu ersetzen.

Ich habe keinen Fernseh und halte mir keine Zeitung im Abonnement. F.A.Z., N.Z.Z. und Die ZEIT – das ist lange her. Nichts ist nachmittags älter als die Meldungen vom Vormittag. Zeitungen sind allenfalls interessant, wenn man selber drinsteht oder das macht, worüber dann berichtet wird. Alles andere ist Vergangenheit auf Papier.
Neuigkeiten erfahre ich in Gesprächen. Oft in anderen Blogs. Und manches so im Vorbeigehen.

Hans (Hansi) Wallbaum (*2.5.1949) starb am 27.3.2020 im Alter von 70 Jahren. Hansi Wallbaum galt als genialer Schlagzeuger. Er trommelte für viele andere Musiker und Bands, z.B. Stoppok, Müller-Westernhagen und Chuck Berry. Bekannt wurde er als Schlagzeuger von Interzone und später trommelte er über zwanzig Jahre lang für die Hamburg Blues Band.

Ihm zur Ehre und zur Erinnerung ein Stück der ersten Platte von Interzone.

 

Blues – Interzone (1981) Und hier spielt die Musik

Heute ist Sonntag oder Donnerstag
Dein tägliches bisschen Leben
Wird gerade abgepackt
„Lasst sie alle schmoren!“
Kreischt der dicke Mann
Und führt behutsam Deine Finger
An seine Hämorriden‚ ran
Die S-Bahn fährt durchs Zimmer, ein Baby schreit
Ein Polizist sagt laut, es täte ihm leid
Erschrick nicht, wenn Du aufwachst
Es wird ja alles gut
Du weißt ja, zu leben erfordert etwas Mut
„Hast ’n Kater, Schätzchen? Das werden wir gleich haben!“
Und wenn Du in die Grube fällst, dann fressen Dich die Raben
Nimm alles gelassen
Und lass Dich nicht fassen
Wie der Mond
Wie der Mond
Wie der Mond, der seinen mit Schlaftabletten gefüllten Kopf, Kopf, Kopf
Unter den Kissen versteckt.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern, Horschern und Guggern ein formidables Wochenende

 

 

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Reduktionsschritte auf der Zielgeraden

Musik? – Am Ende dieses Beitrags…

Ich habe diesen Beitrag mehrfach begonnen. Meine Ideen haben sich überschnitten, abgelöst oder überholt. Ich erlaube es mir, auf mein Wohlbefinden zu achten. Und derzeit greifen mir viele Beobachtungen erbarmungslos ans Herz. Immer wieder fallen mir Themen ein. Ich bedauere, dass die meisten einen negativen Anstrich haben. Damit ist Schluss.

„Wo nichts Gutes ist, da lauert etwas Schlechtes. Leer ist kein Herz“ – soweit Jeremias Gotthelf.

Dabei ist mein privates Leben eine Goldader unzähliger kleiner Glücksmomente. Tagtäglich. Die teile ich gerne mit anderen Menschen. Aber hier im wirklichen Leben. Ich fühle mich meinen Blogabonnenten, die mich seit Zeiten begleiten, näher oder ferner herzlich verbunden. In letzter Zeit verfolgen meinen Blog jedoch immer mehr Menschen, denen ich selbst im virtuellen Leben nicht begegnen möchte. Und noch weniger möchte ich mein privates Leben vor denen ausbreiten. Den meisten geht es ohnehin nur um ihr eigenes Geschäft. Schmeiss mit Scheixxe um dich, irgend jemand wird schon reagieren. So dass schmierige Kalkül.

Was soll man in diesen Zeiten noch schreiben? Diese Frage fiel mir spontan ein, als ich ein altes Chanson von Salvatore Adamo hörte. Was soll ich in meinem Blog noch schreiben?

Glätthäutige Schlagerbubis, oft mit Schabebart rund ums Schiefgrinsen und die Deppenkapp eine Nummer zu gross. Singt seiner Alleinerziehermutti schmachtend schmalziges Liebesgeträller – ich rette dich vor der bösen Welt, bleibe immer dein Männleinheld. Aber wechsle doch mir rasch das Windelein, ich bleib auch immer dein Büblein klein. So in der Art etwa. Das weibliche Pendant macht dabei eher auf grell.
Was soll ich da noch schreiben?

In einem Werk von W.G. Sebald schreibt der Autor von einem Bilderquartett, das in der Familie gespielt worden sei als er Kind war. Ich wollte wissen, um welches Quartett es sich nach Sebalds Beschreibung gehandelt haben könnte. Bei der Recherche nach Quartetten deutscher Städte stiess ich auf folgendes Angebot. Ich zitiere:
„Die hässlichsten Städte Deutschlands – Quartett (Spiel) – Deutschlands schönste Schandflecken in einem fröhlichen Gesellschaftsspiel. Wer schafft es, alle vier Karten der Serien „Ruhrpottcharme“ und „Wo liegt das denn?“ zu sammeln? Darüber hinaus gibt es natürlich auch die spannende Zocker-Variante mit beliebten Kategorien wie „Bedeutungslosigkeit“ oder „Luftverschmutzung“. Gewonnen hat, wer die meisten Daumen-runter gesammelt hat.“
Was soll ich da noch schreiben?

Umweltschutz ist in aller Munde. Mehr denn je. Nachhaltigkeit sowieso. Viele energiespendende und damit aber auch energieverbrauchende Installationen werden jetzt Zug um Zug durch gesetze und Verordnungen verboten. Weiterhin subventioniert wird dreckiges Rohöl. Für den Antrieb von schwimmenden Wohnblöcken. Manche haben bis zehn Stockwerke für mehrere tausend Menschen. Ich vermag mir nicht auszumessen, wieviele Tonnen Essensabfälle, Dreck und Fäkalien bei Kreuzfahrten Tag für Tag gewissenlos in die Weltmeere gekippt werden. Einen extra Absatz für die Urlaubsflieger erspare ich mir.
Was soll ich da noch schreiben?

Der urbane Raum wird weiter zugebaut und verpflastert. Auch Vorgärten in erschreckender Zahl. Nicht nur in den Metropolregionen erleidet die Infrastruktur der Verkehrswege mehrmals täglich einen Infarkt. Jeder dritte Arbeitsplatz in diesem Land hängt direkt und indirekt mit dem Automobil zusammen. Und viele Modelle werden immer grösser. Stichwort SUV, die Abkürzung für Sinnlos, Unvernünftig, Verschwenderisch. Klar, wer keine Kinder und sich somit über die Zukunft keine Gedanken macht, oder ohnehin ins Asoziale neigt, der braucht so ein fahrendes Monstrum. Lustig, wie manche damit in den Parkhäusern rangieren.
Bei einem virtuellen sogenannten sozialen Netzwerk hat sich eine Gruppe gebildet, die innerhalb weniger Wochen über eine halbe Million Mitmacher zählt. Der Gruppenname sagt eigentlich schon alles: fridays for hubraum.
Was soll ich da noch schreiben?

Bei der Bahn kann man Partyzüge chartern. „Party von Anfang an“ heisst die Parole. Kegelvereine, Mädelsversammlungen und so weiter und so fort. Letzte Woche fuhr ein solcher Partyzug Richtung Norderney. Bei der Durchfahrt durch einen Bahnhof flog eine Whiskyflasche aus dem Zug. Ein zweijähriges Mädchen wurde von dieser Flasche am Kopf getroffen und dabei schwer verletzt. An einem späteren Bahnhof wurde der Zug von der Polizei gestoppt. Alle Fahrgäste wurden von der Polizei kontrolliert. Immer wieder Aufrufe, der Flaschenwerfer möge sich melden. Tat er aber nicht. Stundenlange Verspätung infolge der Kontrollen. Befragte Passagiere nahmens mit Geduld. Sie wollten den Täter gefasst sehen.
Der hat sich erst Tage später bei der Polizei gemeldet. „Die Flasche sei aus dem Zug gefallen, als er an seinem Koffer hantiert habe.“ Ein bedauerliches Versehen.
Was soll ich da noch schreiben?

Ich habe den Text des Chansons von Salvatore Adamo gesucht. Einige Stellen hatte ich nicht klar verstanden. Auf einer Internetseite fand ich den Text veröffentlicht. Darunter den Kommentar des Seitenbetreibers. Er bezieht sich auf eine Textstelle. Zitat: „Das ist wirklich eine Frechheit, wie der sizilianische Jammeraffe das darstellt…“
Was soll ich Ihnen und Euch da noch schreiben?

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Zeit, und dass sie von den obigen Beispielen verschont bleiben mögen.

Das Lied von Salvatore Adamo kann man hier hören