Saugtulpen über Singvögeln seitwärts

Nun ist schon wieder ein Gutteil des Jahres vergangen und endlich hat mich eine aktuelle Scheibe ergriffen. Warum, das wird sich bestimmt noch herausstellen. Bis dahin dreht sich dauerrotierend: Me and That Man – Songs Of Love and Death (2017)…

Vor einigen Wochen erhielt ich den kleinen Zettel. Du könntest mal deinen Petter anrufen. Das letzte Mal begegneten wir uns bei der Beerdigung meiner Got. Auf dem Zettel stand seine Telefonnummer. Ich habe das geplante Telefonat mehrfach hinausgeschoben. Nun ist es zu spät. Der letzte Engel meiner Kindheit hat sich die Flügel umgeschnallt. Mögen sie ihn damit erkennen und gut aufnehmen im Anderland.

Blogs verfolgen, Beiträge zur Kenntnis nehmen, über Kommentare auf dem Laufenden sein – der elektronische Rechenknecht hatte zunehmend zu tun. Und mir wurde die Kontrolle immer lästiger. Dass es auch anders geht, und vor allem, wie man sich wieder Ruhe und feine Freizeit verschafft, dafür danke ich Ihnen weiterhin herzlichst, aber das wissen Sie ja ohnehin.
Der dadurch gewonnene Abstand zur Bloggerei sorgt für schönste Erhellungen. Und andere Lektüren. Jörg Schröder beispielsweise schrieb: „Schreiben Sie wie die Leute reden. Die Leser wollen etwas aus dem Leben erfahren und nicht, ob Sie die Mittlere Reife bestanden haben“ (Schröder, Kriemhilds Lache).
Und genau dort liegt nach meiner Kenntnis in vielen Blogs der Hund begraben. Da auch ich mich mit meinem Blog in der Öffentlichkeit präsentiere, weiss ich schliesslich, wovon ich rede wenn es um Eitelkeiten geht. Ich bin kein Bewohner von Bloggerhausen. Und die Mentalität der Hingabe für Hergabe ödet mich an. Weniger schreiben und wieder mehr lesen. In Büchern. Und in den Kladden eigener Aufzeichnungen spazierengehen. Tintenhandschriftlich mit Menschen aus Fleisch und Blut verkehren. Der Bildschirm als Gegenüber ist kein Ersatz für das wirkliche Leben.

Im Zug sass mir gegenüber einer dieser typischen Nerds. Notenbuch auf dem Schoss und zwei Handfesseln vor sich. Ein mit beiden Händen dauerbeschäftigter Mensch über Stunden. Normalerweise fällt mir zu solchen Anblicken sofort eine bissige Bemerkung ein. Aber ich habe mich letzthin wieder an das schöne Beispiel von Jesus und dem toten Schäferhund erinnert.
Ich nehme den Mann wahr und siehe, auf dem Deckel seines Kleinrechenknechts pappen einige Aufkleber. Auf einem steht ein Satz, ein Mantra geradezu, das zu den interessantesten Gedankenausflügen anregt: „Es gibt Leute, die glauben, es gäbe eine Cloud. Aber es gibt bloss die Computer anderer Leute.“

Ostern steht vor der Tür. Ich habe viele Gründe froh zu sein. Ich bringe es bloss noch nicht mit dem anstehenden Fest zusammen. Vielleichts wirds noch. Bis dahin meditiere ich den Spruch des Graffitis, den ich letzthin sah: „Leute in meinem Alter sollten sich überlegen, in welchem Zustand die Welt sein soll, die sie Keith Richards hinterlassen wollen.“

(Foto anklicken – die Galerie ist rund um die Uhr geöffnet)

 

 

Wegbegleitungen

Um von stillen Beschäftigungen auszuruhen passen lebhafte Rhythmen: The Real McKenzies – Two Devils will talk (2017) und anschliessend: Dropkick Murphys – 11 Short Stories of Pain and Glory (2017)…

Der vorherige Beitrag endete mit dem Hinweis auf meine menschlichen Lebenswegbegleiter. Umgangssprachlich gerne mit der Metapher Engel mehr verlegen um- als exakt beschrieben.
Ursprünglich wollte ich hier die für meinen Lebensweg bedeutsamen Menschen in ihrer Wirkung für mich kurz beschreiben. In der Reflektion wurde mir das Thema zunehmend komplexer und letztendlich zu ausufernd für einen Blogbeitrag.

Zudem wäre das Phänomen selbst damit nur unzureichend beschrieben. Denn im Lauf eines Menschenlebens verschieben sich Wertungen. Früher achtete ich die Menschen, die mir weitergeholfen haben in Dankbarkeit. Im Lauf der Zeit bemerkte ich jedoch, dass die gelegentlich mir unangenehmen Begegnungen mit diesen Menschen, manche ihrer verstörenden Sätze oder  ärgerlichen Zuschreibungen mich auf meinem Lebensweg weitergebracht hatten als die schmeichelhaften Komplimente.

Zudem war da das Wirken der sogenannten Schutzengel. Hilfen, die ebenso unverhofft wie unverdient in meinen Alltag eingegriffen haben und mich häufig vor Schlimmem bewahrt haben. Ein weiteres Kapitel, das zu vertiefen verdient hätte .

Mit Sartre zu reden, sind die Hölle ja immer die Anderen. Dabei tragen wir alle unsere eigenen, mehr oder weniger heissen Höllen in uns. Für mich sind andere Menschen mittlerweile Spiegel meiner eigenen Lebensweisen. Schwer fällt mir noch immer, zu begreifen und zu lernen, den Menschen am dankbarsten zu sein, die mir Stolpersteine zur Erkenntnis und Veränderung meiner Persönlichkeit sind. Deren, mir unangenehme oder störende Verhaltensweisen weisen lediglich auf mich selbst. So können sie mir zur kritischen Selbstbetrachtung dienen. Das setzt (m)einen entsprechenden Willen voraus.

Diese Menschen haben mir im Kontext meiner persönlichen Entwicklung hin zur Fülle durch Reduktion hilfreiche Dienste geleistet. Unabhängig davon, ob es einmalige, blitzlichtartige Begegnungen waren oder jahrelange Wegbegleitungen. Am Ende wurden mir dadurch auch neue Sichtweisen möglich auf wichtige Menschen meines Lebens, mit deren Wirken ich jahrelang gehadert hatte. Was ich als unselig und zerstörend interpretierte, stellte sich bei dieser Betrachtung als Quelle für die Kreativität zur individuellen Entwicklung heraus. Auf der Habenseite blieb unterm Strich Dankbarkeit und Lebensfreude zu verbuchen. Die Sollseite, das Leid und die Schmerzen sind dagegen zu vernachlässigen.

Demnächst werde ich den Kreis schliessen von diesen gedanklichen Beobachtungen hin zu der praktischen Seite der Fülle durch Reduktion.

Ich wünsche allen, die noch immer mit an Bord sind, ein vorfrühlingschönes Wochenende.

      (Einige Fotografien neueren Datums. Passend zum Thema. Anklicken und gross gugge funktioniert allemal)

 

 

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Multipelabsurdes Adventsallerlei

Bei den ersten Klängen erinnerte ich mich zurück an damals. Beim Kauf von Beggar´s Banquet und den Weg zurück zum Plattenspieler. Die grosse Spannung. Seit Monaten warte ich auf diese für die Stones sehr ungewöhnliche Platte. Eine Verneigung vor ihren Idolen aus den bluesigen Kaschemmen der USofA. Die Aufnahmen im Studio sollen bloss drei Tage gedauert haben. Das reicht für erdig ehrlichen Blues. Eine Bluesband waren sie nie. Dennoch haben sie ihn drauf:
The Rolling Stones –  Blue and lonesome (2016)…

Es ist richtig und es stimmt ja auch. Hier in diesem Blog wirds immer ruhiger. Mich trösten die Nachfragen per Mail. Das schafft das wohlige Gefühl, nicht vergessen zu sein. Einerseits.
Aber über was soll ich sinnvoll schreiben?
Wen interessiert, wie man ein drei Tonnen schweres Monstrum von einem Tresor in Zentimeterarbeit aus einer Garage schafft. Und dass die Ladefläche eines Zölftonner LKWs fast zusammenbricht beim Aufladen.
Von Mails und Blogbeiträgen, die man an Lebenshelfer weiterleiten möchte, die den Absendern die Köpfe mit einem Schuss Realität waschen.

Viel Arbeit gabs in den letzten Wochen und Monaten. Von den neuesten Erfahrungen mit professionellen Aufkäufern von Büchern, Porzellangeschirren, Metallmöbeln und anderen Überflüssigkeiten schreibe ich lieber nicht. Man möchte gelegentlich zweifeln am Verstand von Menschen, die immerhin einen Führerschein und das Wahlrecht besitzen.
Es ist nicht einfach in diesen Zeiten, wenn man das Leben liebt und freudvoll in die Zukunft sieht. Da muss man hin und wieder Gleichgesinnte suchen wie die sprichwörtliche Stecknadel. Ausserdem bin ich wieder viel unterwegs. Auch da sammelt sich manches an Erlebnissen und neuen Erfahrungen an.

Über Leonard Cohen, seine Musik und wie sehr ich ihm dankbar bin und sein werde für manche seiner Lieder habe ich nicht geschrieben. Mir war die Stimmung verdorben, als ich die vielen Hinweise auf seinen Tod in Blogs wahrgenommen hatte. Solche Plattitüden und Unwissenheit hatte er wahrlich nicht verdient.
Ebenso habe ich es vermieden, über die Präsidentschaftswahlen zu schreiben. Über die hier in Deutschland machen die Komiker im Fernsehen schon jetzt ihre Witze. Und über die in den USofA hat Deutschland gelacht und gespottet. Jedenfalls diejenigen, die etwas auf sich hielten und eine Meinung hatten. Was nichts darüber aussagt, dass sie wirklich durchschaut hätten, über wen oder was sie ihre flachen Witze gerissen haben.

Inzwischen ist wieder Advent. Mir geht schon seit geraumer Zeit mein Jahresendbeitrag für diesen Blog durch den Kopf. Vielleicht freue ich mich einfach, dass ich meine grosse Dunkelheit dieses Jahres erhellend durchdrungen habe. Das mag aber auch mit dem aufregenden neuen Projekt zusammenhängen. Im kommenden Jahr werden weitere Prozesse des Alltags vereinfacht werden. Darüber wird dann vielleicht etwas Berichtenswertes mitzuteilen sein. Hier oder im neuen Blog.
Bis dahin wird der Wechsel langsam und überlegt gesteuert und vollzogen werden. Und deshalb gönne ich mir in dieser herrlich leuchtenden Konsumterrorzeit auch vier Adventskränze. Für jeden Adventssonntag einen. Und weil sie so schön sind und ich mich gegen keinen entscheiden wollte. Und zur Erleuchtung des Ärmelhauses. Und überhaupt.

                                                                            (Foto anklicken bringt sie grösser ins Bild)

Oktober wars gestern noch

Ian Anderson ist in meinem musikalischen Kosmos eine feste Grösse. Ich bewundere seine enorme Musikalität und hervorragende Qualitäten als Songschreiber. Egal ob solo oder als Kapellmeister von Jethro Tull. Sein letztes Soloalbum ist ein Streifzug durch die englische Geschichte in fünzehn Liedern: Ian Anderson – Homo Erraticus (2014)…

Also, ich bin ja in dem Nest hier gross geworden. Was waren wir Jungs froh, wenns endlich Frühjahr wurde und auf den Bächen das Eis brach dort drunten im Wiesengrund. Dann konnten wir endlich die Angeln ausm Schuppen holen. Wir sind auf Schleien und kleine Barsche gegangen.
Und im Sommer kam jedes Jahr wieder der fahle Jim Youlden aus Halesworth mit seinem Traktor vorbei, der hatte hinten dran sonen Aufbau, weisst du, wo die heute ihren Überrollbügel haben. So nen Aufbau hatte der, das warne Bandsäge. Der hielt gerade hier gegenüber am Anger und sägte gegen kleinen Lohn den Bauern ihr Holz für den kommenden Winter.
Auch den paar Angestellten, die drüben in der kleinen Fabrik arbeiteten. Die hatten ja nix in den Muckis, verstehst du. Die Arbeiter, die hackten ihr Holz, akkurat in kleinen Scheiten, die sie in ihren Ställchen aufschichteten.
Sei doch mal ruhig, Jack!

Na und im August kochten die alten Weiber im kupfernen Waschkessel das Pflaumenmus, das musste drei Tage und Nächte ununterbrochen gerührt werden. Dass den alten Frauen die Arme dabei nicht einschliefen, dafür wechselten die sich ab. Aber so müde die manchmal auch waren, die schwätzten und schwabbelten tagelang.
Da sind wir einmal drüben in die Waschküche von dem Wilburn, der lebt ja nun auch seit Jahren nicht mehr. Dort hatten wir dummen Schlingel von unten den Kessel nachgeheizt und die Alten haben nichts mitgekriegt, so waren die am salbadern, nachdem sie sich über Kathys Geistermärchen entsetzlich erschrocken hatten. Und auf einmal gabs ein Mordsgeschrei weils plötzlich so sehr im Kessel dampfte und das Mus zu kochen anfing. Das ist uns der olle Wilburn vielleicht mit der Mistgabel nach.
Iss ja gut, alter Junge, die Pfeife ist eh gleich aus.

Naja und dann um diese Zeit im Oktober kam jahrein jahraus der Krautschneider. Der ging mit seinem Gehäcksel von Hof zu Hof und schnitt den Bauern hier das Kraut, das die Frauen dann in die Fässer einlegten. Das weiss ja heute keiner mehr. Klar gabs hier jede Menge Kraut zu essen. Das wird gerne vergessen. Nachher im ersten Krieg wurden die verdammten Deutschen zu den Krauts, die sie heute noch sind. Und da gabs tatsächlich Leute hier, die lieber Kohldampf schoben (woher kommt dieses Wort eigentlich?) als den verdammten Kohl zu essen.

So verging das Jahr und hatte seinen eigenen Rhythmus. Dauernd war was los, ununterbrochen musste man rackern um über die Runden zu kommen. Und die schweren Pferde waren der Stolz jedes Bauern. An Kirchweih wurden sie gestriegelt und geschmückt. Das schönste Kaltblut wurde gekürt und sein Besitzer durfte sich zwei Tage lang umsonst die Kanne geben.
Für euch jungen Leute wollten wir ja, dass das alles mal einfacher werden sollte. Das war nämlich manchmal ganz schön hart hier und am Ende hattest du nicht mal nen Schilling, um im „Postillion und Hufeisen“ nen Pint und nen Gin zu nehmen am Sonntag nach der Kirche.
Brr, steh doch mal ruhig, alter Junge.

Ich mag diese Jahreszeit im Oktober am liebsten, wenn morgens die Nebelschwaden so richtig nassfeucht aus den Feldern aufsteigen. Die letzten Äcker sind gepflügt. Die Geräte werden danach überholt. Der Winter mit seinen harten Winden fegt noch nicht übers Land. Es wird schon früher dunkel aber an einem sonnigen Tag leuchtet das bunte Laub und erhellt dir deine Seele für die langen Wintertage.

Der alte Jack hier, der mag den Winter auch nicht gerne, der geht lieber raus und arbeitet so wie ers schon sein ganzes langes Leben lang getan hat, nicht wahr, Jack. Er ist jetzt das letzte Kaltblut hier im Dorf. Er ist ein Shire, schau mal, er spürt, dass wir von ihm reden, der hat ein Stockmass von einem Meter sechsundneunzig. Hey, und ich bin ein Mann von aufrechten einsvierundachzig. Aber gegen Jack bin geradezu ein Männchen.
So, ich muss jetzt aber wirklich weiter. Ich will nachsehen, ob die Kühe noch einige Nächte draussen bleiben können. Jack braucht auch noch seinen kleinen Ausritt am Abend. Vielleicht treffen wir uns ja nachher noch mal im „Postillion und Hufeisen.“
Dann singen wir gemeinsam das Lied von den stolzen englischen Pferden – von den Kaltblütern – – –
Hüü Jack, komm alter Junge, iss ja gut . . . .

Kaltblüter – Jethro Tull (1978)

Eisenbeschlagen, leichtfüssig, trabstaubwirbelnd,
Ein Oktobertag, gegen Abend
Schweissig erhabene Adern stemmen sich stolz gegen den Pflug
Auf dem mächtigen Brustkorb trocknet Salz an der Luft
Letzter eines Schlages – nach ehrlicher Tagesmüh´
pflügst du die Scholle unter
Feuerstein an der Fessel, ackerst und schaffst
Fliegen fleddern an deinen Nüstern
Der Suffolk, der Clydesdale, der Percheron sie wetteifern

neben dem Shire mit seiner wehenden Mähne
Nadelholz in die Abenddämmerung schleppziehend
um dann auf einem warmen Lager aus Stroh zu ruhen

Kaltblüter, bewegt die Erde unter mir
Hinten rackert der Pflug rutschend und schiebend
Nur wenige sind jetzt noch übrig
Es gibt nichts mehr zu schaffen
Der Traktor ist auf dem Vormarsch

Lass mich dir ein Stutenfohlen finden für deinen würdigen Samen,
um den alten Schlag zu erhalten
Und wir werden Seite an Seite stehen tief im Wald,
hinten wo die jungen Bäume wachsen
Um dich
vor den Blicken zu verbergen, die sich über deine Grösse lustig machen
und dein Stockmass über einsneunzig
Und eines Tages wenn die Ölbarone auf dem Trockenen sitzen und

Die Nächte draussen kälter aufziehen
Dann werden sie um deine Stärke bitten und deine sanfte Kraft
deine edle Anmut und deine Haltung
Und du wirst dich noch einmal ins Zeug legen zum Gesang der Möwen
im Geschirr vor dem Tiefpflug, furchpflügend.

Wie Panzer auf der Kuppe des Hügels stehend
Aufrecht dem kalten Wind offen zugewandt
in steifem Zuggeschirr, erdverbunden
Gegen die niedrige Sonne weit ausgreifend
Bringt mir ein Rad aus eichenem Holz,
Zügel von poliertem Leder,
Ein Kaltblut und einen aufgewühlten Himmel,
der schweres Wetter zusammenbraut
Bringt ein Lied für den Abend,
Blank gewienertes Messing blitzt im Morgengrauen
über  glitzrige Äcker wie Dunst auf einem Wiesenteppich
In diesen dunklen Städtchen liegt das Volk im Schlaf
wenn die Kaltblüter vorbeidonnern,
um die niedergehende Kleinstadt wach zu rütteln
durch den herzbeseelten Schrei des Reiters

Die alten Hände beleben sich augenblicklich – – –
Bring´  Hufkratzer, Strohbündel und Striegel
Begeistere dich an all den Klängen,
Die Kaltblüter kommen nach Hause.

Originaltext: Ian Anderson
Das Lied ist erschienen auf: Jethro Tull – Heavy Horses (1978)

PS:  Wer sich für Pferde interessiert, kann im Netz nach Fotos vom Shire Horse, Clydesdale, Percheron oder Suffolk suchen. Das sind die klassischen englischen Kaltblutrassen. Das Shire Horse ist die grösste Pferdrasse mit einem Stockmass bis über 2,00 Meter. Ian Anderson setzt sich neben seinen anderen Umweltaktivitäten auch für den Erhalt der alten Kaltblüter ein.

Wie viel ist ein Kilo lebenserhaltendes Brot wert ?

Im Zuge der Vereinigung von DDR und BRD fielen dem Bundesvermögensamt viele landwirtschaftliche Flächen zu. Dies geschah teilweise durch die landwirtschaftliche Kollektivierung in den 1950er Jahren, durch politisch motivierte geänderte Kataster oder weil vorherige Eigentümer nicht mehr auffindbar waren. Diese Flächen werden seit der sogenannten Wende am Markt angeboten. Mittlerweile sind diese Nutzflächen begehrte Spekulationsobjekte geworden. Durch die so erzielten Verkaufserlöse fallen dem deutschen Finanzminister jährlich erhebliche Summen zu. Für interessierte Landwirte sind die für Ackerland verlangten Kaufpreise und Pachten heutzutage fast unerschwinglich geworden. Der deutsche Osten galt seit jeher als die Kornkammer unseres Landes. Heute sind es internationale Bodenspekulanten und Agrarchemieindustrien, die das Land besitzen für ihre geldgierigen Interessen.

The whole World turned upside down (Billy Bragg)

In 1649
To St. George’s Hill,
A ragged band they called the Diggers
Came to show the people’s will
They defied the landlords
They defied the laws
They were the dispossessed reclaiming what was theirs

We come in peace they said
To dig and sow
We come to work the lands in common
And to make the waste ground grow
This earth divided
We will make whole
So it will be
A common treasury for all

The sin of property
We do disdain
No man has any right to buy and sell
The earth for private gain
By theft and murder
They took the land
Mow everywhere the walls
Spring up at their command

They make the laws
To chain us well
The clergy dazzle us with heaven
Or they damn us into hell
We will not worship
The God they serve
The God of greed who feed the rich
While poor men starve

We work we eat together
We need no swords
We will not bow to the masters
Or pay rent to the lords
Still we are free men
Though we are poor
You Diggers all stand up for glory
Stand up now

From the men of property
The orders came
They sent the hired men and troopers
To wipe out the Diggers‘ claim
Tear down their cottages
Destroy their corn
They were dispersed
But still the vision lingers on

You poor take courage
You rich take care
This earth was made a common treasury
For everyone to share
All things in common
All people one
We come in peace
The orders came to cut them down

Rosen wirds geben und Wein vielleicht

Hunderte Kilometer auf Fernschnellstrassen. Die Musik im rollenden Blechgefährt übertönt das monotone Fahrgeräusch. Einige tausend Meter vor einem Strassenkreuz baut sich der Infarkt auf, stockend. Halten und rollen. Gedanken sind beweglicher. Ein Lied nähert sich dem Ende. Schon oft gehört. Unter den anderen Titeln der CD hat es nie besonders auf sich aufmerksam gemacht. Ich lasse es nochmals abspielen. Und gleich nochmal. Der Haken sitzt. Bilder und Geschichten leuchten auf. Und nochmals und noch ein Mal. Die Texte von Leonard Cohen sind vielschichtig. Zwei Stunden liegen noch vor mir. Das Lied dauert dreieinhalb Minuten. Dreissigfache Dauerschleife. Sehmanns Schicksale. Geschichten. Bilder. Warum ist mir dieses Lied ausgerechnet heute so eingefahren? Wenn wir immer wüssten, auf welchen Wegen wir unterwegs sind zu Zielen, die uns manchmal selbst noch unbekannt sind. Und am Ende einer Reise dort ankommen, wo wir es vielleicht am wenigsten vermutet haben.

Ich war dein liebster Saufkumpan, immer gut für einen weiteren Lacher. Dann hat uns beide das Glück verlassen. Glück war ja alles was wir jemals hatten.Du hast die Uniform angezogen, um im Bürgerkrieg zu kämpfen. Du hast so verdammt gut ausgesehen. Und ich hab dabei nicht aufgepasst, auf welcher Seite du kämpfst.

Es war nicht grade leicht als du auf und davon gingst. Aber diese kleine Geschichte hebe ich für einen anderen Regentag auf. Du hast mich mit dem Abwasch sitzen lassen und einem Kleinkind im Bad. Du bist eng mit den Bürgerwehren und trägst ihre Tarnanzüge. Hast immer gesagt, wir wären gleich, also, lass mich mit dir marschieren. Am Ende machts dann nur dieses eine kleine Sternchen mehr auf deiner Schulterklappe.


Heh, ignorier mich nicht. Wir waren Raucher, waren Freunde. Vergiss die abgedroschene Geschichte von Betrug und Rache. Ich sehe einen weisen Kulturgeist, die Ziffern auf seinem Handgelenk legen Zeugnis ab. Begrüß mit mir irgendeine neue Konsequenz, die jeder von uns vermisst hatte.

Ich habe heute Morgen um dich geweint, und werde irgendwann nochmal um dich weinen. Aber für die Sorgen bin ich nicht verantwortlich. Also frag mich nicht, wann das sein wird. Könnte aber sein, dass es dann Wein und Rosen gibt oder einige Magnums Champagner. Wir könnens doch nicht wissen. Aber jedenfalls werden wir niemals wieder so betrunken sein.

Gut jetzt.
Das Fest ist zu Ende, doch ich bin auf meinen Füssen gelandet. Und jetzt stehe ich hier an der Ecke rum, wo ursprünglich eine Strasse war. Lass uns einfach drauf trinken wenns vorbei ist und lass uns drauf trinken, wenn wir uns irgendwo begegnen. Ich werde dann an der Ecke stehen wo früher mal eine Strasse war.

Der Text ist adaptiert und bearbeitet. Das Original stammt von Leonard Cohen – A Street
Fotografien aus dem Ärmelgarten. (Anklicken hilft)
Dank an Herrn Autopict, dessen Beitrag mich zu diesem anregte.