Sommergarten Schaubudensommer Sommernächte

Zur Zeit auf Abschiedstournee ist Eric Burdon. Er war und ist einer meiner musikalischen Hausgötter. Als ich aus meiner Kleinstadt nach Berlin gekommen bin zur Ausbildung fotografischer Fertigkeiten erschien gerade dieses Album mit einer genialen Neueinspielung eines meiner ewigen Lieblingslieder: „When I was young“. The Eric Burdon Band – Sun Secrets (1974)….

Im Garten blüht und wächst es. Kräuter, Salate und Gemüse. Schokoladencosmeen, Rosen und Clematis. Mädchenaugen in betörend leuchtendem Gelb. Violette Sonnenhüte, Farbige Vielfalt bei Löwenmäulchen und Kornblumen. Im Steinbecken der Schachtelhalm und dazwischen Rohrkolben. Libellen und Girlitze. Die kleinen Kröten bemerkt man erst, wenn sie aufgeregt davonhüpfen. Erdbienen laben sich am Borretsch, Holzbienen bohren fleissig Gänge für ihre Nester ins Altholz.
An den Tränken netzen sich die Wespen und die Libellen tanzen dazu. Und im täglich früher einsetzenden Nachtdunkel zickzacken Fledermäuse auf der Jagd nach Insekten. Der Amselmann besingt sein Revier vom höchsten First. Ich liebe den Sommer.

Dass derzeit einige heissere Tage den Schweiss treiben, besorgt mich weniger als die weltweit zunehmende Rodung von Wäldern. Die Bäume sind für die Erde, was die Haare auf dem Kopf eines Menschen sind. So sprach eine alte Frau vor Jahren. Denn Bäume beziehungsweise Wälder sind bewährte Windstopper. Wenn sie weniger werden, werden Brisen zu Winden und Winde zu Stürmen. Aus Waldbränden werden dann rasch Feuerstürme.

Es ist mir immer wieder erstaunlich, dass manche Bücher ihre Zeit brauchen. Nach über zwanzig Jahren las ich erneut „Der leidenschaftliche Gärtner“ von Rudolf Borchardt. Im Vorwort schreibt er, „man erwarte […] kein Buch, das, die Pfeife im Mund, die Gießkanne in der Hand und den Strohhut auf dem Kopf, entstanden ist, das nur eine stille, sanfte und freundliche Liebhaberei spiegelt.“
Es handelt sich um keine Anleitung zum säen, pflanzen oder anbauen. Borchardt trägt seine Kenntnisse und Erfahrungen in Form von essayistisch formulierten feinen Gedankengebäuden vor.

Borchardt verliess als Jude sicherheitshalber Deutschland bereits im 1933er Jahr. Er liess sich in Italien nieder und bewohnte alsdann vorwiegend Landhäuser mit entsprechenden Gärten, in denen er praktische Erfahrungen sammelte.
Aufschlussreich und für mich ungemein anregend finde ich seine folgende Überlegung. Die Geschichte der Menschheit beginnt in einem Garten. Gärten haben in verschiedenen Mythologien eine starke metaphorische Bedeutung. Die Menschheit ist jedoch durchweg nicht in der Lage, diese Gärten in angemessener Weise zu bewohnen. Daraufhin erfolgt ihre Vertreibung.
Nun versucht der Mensch, die Ordnung des verlorenen Gartens wieder herzustellen. Was natürlich nicht gelingen kann. Denn die Natur ist nicht ordentlich im menschlichen Sinne. Die Natur ist üppig und verbreitet sich chaotisch. Immer auf der Suche nach bestmöglicher Anpassung zur Erhaltung der eigenen Art. Davon zeugt auch die Vielfalt der Formen und Farben nur einer einzigen Art.
Wenn ich diese Gedanken weiterdenke und praktisch darauf anwende, wie wir heute mit der Natur – oder dem, was wir dafür halten, umgehen, dann schwindelt mir. Noch nie ist mir die Menschheit in diesem Treiben so überflüssig vorgekommen.

In der Hitze der Nacht. Schaubudensommer in der Dresdner Neustadt. Wir warten lediglich noch auf die Mitternacht und die tägliche Überraschung. Gestern zogen wir einige Strassen weit hinter einer Musikkapelle her. An einer kleinen Kreuzung verharren die Musiker und zeigen auf die schräg gegenüber liegende Hausecke. Auf dem Geländer des Balkons im ersten Obergeschoss sitzen das Schwein Steffi und daneben das Wildschwein Torsten. Figuren des genialen Michael Hatzius. Es dauert keine Minute und das Pflaster dröhnt vom Gelächter der Zuschauer.

Aber heute geht kurz vor Mitternacht ein böses Wetter nieder. Viele Besucher verlassen schlagartig das originell dekorierte kleine Festivalgelände, das rund um die Kulturscheune aufgebaut ist.
Lass uns warten, bis das Unwetter aufhört, dann gehen wir bettwärts.
Geht noch ein Bier?
Ein Bier geht sicher noch!
Die Preise sind gemessen an anderen Festivals dieser Art durchweg günstig. Wir stehen und warten. Auf den Bierbringer. Und auf das Ende des Regengusses. In einer Ecke steht ein Akkordeon auf einem Stuhl. Die Bühne misst keine fünfzehn Quadratmeter. Eine Frau quietscht klarinett. Das Schlagwerk ist niedlich. Beeindruckend wie immer, der Kontrabass.
Wir trinken unser Bier und unterhalten uns. Kleine Gruppen und gute Gespräche brauche ich wie Wasser und Brot. Und wenn es dann noch so herzliebe Menschen sind. Ein kleine Frau ergreift die Violine. Ihre ersten Töne lassen aufhorchen. Das klingt irgendwo zwischen Jean-Luc Ponty und Jerry Goodman. Und schon legt das Quintett los. Die Beine wippen sofort mit.
Wer holt uns noch ein Bier?
Unsere Entdeckung in dieser musikalischen Nacht: Herje Mine.
Wir werden noch einige Biere zu uns nehmen in dieser Nacht.

W.G. Sebald schreibt in einem Essay, er habe in einer Studie Sigmund Freuds gelesen, „dass das innerste Geheimnis der Musik eine Geste sei zur Abwehr der Paranoia; dass wir Musik machen, um uns zur Wehr zu setzen gegen die Überflutung durch die Schrecken der Wirklichkeit.“ Wenn ich denke, wie mein Umgang mit Musik seit jeher ist. Und tanzen? Mähneschütteln vor Jahrzehnten und die unvermeidliche Luftgitarre. Aber geh mir weg mit einer Tanzstunde. Revanchistische bourgeoise Ablenkungen von den politischen Notwendigkeiten unseres Alltags. So sprachen wir Besserwisser und wusstens doch nicht besser.
Fernando, ein Exilkubaner, verdiente sich in Ecuador als Tanzlehrer sein Auskommen. Wir waren dort eine kleine international zusammengewürfelte Gruppe. Er wurde unser Salsalehrer. Europäer und Salsa. Eine merkwürdige Mischung. Ich sehe seine steilen Stirnfalten sofort vor mir. Und ich bin tanzunbegabt. Zumindest, was vorgeschriebene Schrittfolgen betrifft. Anarchie in Sachen Rhythmus.
Bei den Deutschen beispielsweise, meinte Fernando, kannst du an ihrer Art zu tanzen, erkennen, wie sie vögeln. Ich bin bei ihm beileibe kein Salsero geworden. Kapiert habe ich jedoch, dass beim Tanzen die Bewegungen zwischen dem Herz und Becken entstehen. Selbst bei stark normierten Tänzen. Daran dachte ich, als ich all die aufgeklärten Bühnenumsteher bei der vorwärts treibenden Musik von Herje Mine gesehen habe. Aber nur kurz. Denn wir tanzen zu der mitreissenden Musik und schwelgen in praller Lebensfreude. In unserem Nachtasyl können wir auch später noch einlaufen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein fantastisches Wochenende.

(Aufgenommen in der Dresdner Neustadt)

 

Lektüre:
Rudolf Borchardt: Der leidenschaftliche Gärtner.
W.G. Sebald : Campo Santo.

Musik:
Herje Mine: Balkalagan (2018). Das ist ihre erste Scheibe. Und hoffentlich nicht ihre Letzte.

 

 

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In den Zeiten als das Wünschen noch geholfen hat

Samstagmorgen, geduscht, erfrischt und zu einem frugalen Frühstück die passende Mussigg. Leider fand ich bloss dieses eine Stück. Deshalb anschliessend, einer Bekanntmachung folgend: Prinzip – Der Steher (1980)…

 

Eine Chronik schreibt nur Derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist. (J.W. v. Goethe, Maximen und Reflexionen)

i) In der Küche. Die Urgrossmutter Kättche sitzt in ihrer blauen Kittelschürze am Küchentisch. Auf ihrem Schoss hält sie die weisse Emailschüssel. Sie schnippelt Bohnen. Grüne Bohnen. Meine Erinnerung will mich auf ihrem Schoss sitzend sehen. Einerseits stand da aber bereits die Schüssel. Andererseits waren die älteren Frauen zu wahrhaft artistischen Meisterleistungen imstande. Mit einem scharfen Messer bewaffnet, einen mächtigen Laib Brot an sich geklemmt, schnitten sie eine Scheibe Brot akkurat ab, ohne sich selbst dabei eine Brust zu amputieren.
Neben dem Küchenfenster die Balkontür wies nach Osten. Mein Blick endete an den Bauernhöfen im alten Ortskern.
Die Greisin ging bedächtig ihrer Beschäftigung nach. Es war ruhig in der Küche. Sie räusperte sich ein, zwei Male. Dann begann sie zu erzählen: Es war einmal…
Die an manchen Stellen welligen Ziegeldächer und das schiefe Fachwerk jahrhundertealter Giebelwände verschwammen vor meinem Blick und auf meiner inneren Leinwand schaute ich die famosen Bilder der Märchen, die sie mir erzählte. Immer und immer wieder. Rotkäppchen, Schneewittchen, Hänsel und Gretel, Rumpelstilzchen und das mir liebste Märchen: Tischlein deck dich. Sie schöpfte die Sprache aus ihrem Inneren und half mir nichtsahnend dabei, grossartige Bilder aus meinem kindlichen Inneren zu schöpfen.
Ihre Stimme glitt episch getragen im Erzählstrom. Ohne Aufregung oder gar Dramatisierung. Ich sah dabei Bilder, die mir guttaten. Manche kann ich noch heute aus meinen Tiefen aufsteigen lassen. Das siebte Geisslein im Uhrenkasten. Die geschorene Ziege. Rotkäppchen und die Grossmutter, wie sie aus dem Bauch des Wolfs springen. Die anschliessende Operation des Wolfs durch den Jäger hat sich mir nie zu einem sichtbaren Bild geformt. Von wegen Brutalität im Märchen. Die findet allenfalls in der Vorstellungswelt von Erwachsenen statt.

ii) Später lernte ich lesen in dem alten Märchenbuch mit den Illustrationen von Else Wenz-Vietor. Im Untertitel versprach es Die fünfzig schönsten Märchen von Grimm, Andersen, Bechstein und aus Tausendundeiner Nacht. Wie es in unser Haus kam konnte mir niemand mehr sagen. Wie es Jahre später hingegen verschwand, das weiss ich noch. Mein jugendliches Bücherbrett wurde zu schmal für die Neuzugänge. Und so musste ich Entscheidungen treffen.

iii) Als Schulkind entschwanden mir die Märchen. Josephine Siebe ist heute allenfalls Kinderbuchsammlern noch ein Begriff. Bis vor etwa dreissig Jahren noch wurden ihre erfolgreichen Kasperlebücher immer wieder neu aufgelegt. Eine hölzerne Kasperlefigur erwacht zum Leben. Die zeitlich abfolgende Geschichte in den Büchern unterscheidet sich trotz der scheinbaren Nähe zu Pinocchio erheblich in ihren Motiven und Handlungssträngen. Ich erinnere mich nicht mehr, wie oft ich diese Bücher gelesen, ja geradezu verschlungen habe. Habe mich mitgefreut und habe mitgelitten. Hier habe ich ausdauerndes Lesen gelernt. Und dabei Trost gefunden in einer oftmals grausamen Kindheit.

iv) Spätpubertät. Einige Mitbewohner in unserer WG lasen ebenfalls sehr viel. Mit entsprechend progressivem Bewusstsein versteht sich. Eines Tages lag auf dem Küchentisch ein Taschenbuch. Iring Fetscher – Wer hat Dornröschen wachgeküsst? Die Halbwertzeit der von Fetscher umgedeuteten Märchen war relativ kurz. Die bourgeoisen Herrschaftsträume des tapferen Schneiderleins oder die Deflorationsphobie von Dornröschens Vater waren wenig bildmächtig. Am ehesten trafen den Lachmuskel noch die Bremer Stadtmusikanten als ein Rentnerkollektiv, das ein Haus besetzt. Vielleicht auch nur, weil wir selbst gelegentlich Leute in besetzten Häusern besuchten oder unterstützten.
Mein erstes Studium habe ich mit einer Diplomarbeit zum Thema Märchen abgeschlossen.

v) Die eigenen Kinder waren mittlerweile ins Märchenalter gekommen und das alte Interesse erwachte erneut. Nebenberuflich begann ich eine Ausbildung zum Märchenerzähler. Bei verschiedenen Gelegenheiten erzählte ich auch öffentlich Märchen. Lustig war ein Flash Mob (ein Wort, das zu jener Zeit noch garnicht existierte) als wir in einer Gruppe den Eisenhans vor der Kirche einer Kleinstadt aufführten.
Was mich bei alledem jedoch am meisten interessierte, waren einerseits die Bilder in den Märchen und andererseits die Strukturen der Texte. Dies führte zu Fragen, z.B. warum in manchen Kulturen eher Tiere oder Pflanzen im Mittelpunkt der Erzählung stehen, in anderen hingegen Menschen auftreten. Der Tor zur Märchenarbeit mit Erwachsenen stand nun offen.

vi) Mit meinem Interesse und der Beschäftigung mit Volksmärchen war ich nicht allein. In den 1980er Jahren fanden die Märchen eine neuerliche rege Beachtung. Psychologische Ausdeutungen oder esoterische Sichtweisen wurden hoffähig. Ein Markt bildete sich und Konsumenten waren rasch bereit, glänzendes Gold hinzugeben für stumpfes Salbadern oder mysteriöse Auslegungen.
Ich habe Gesprächsgruppen geleitet. Kindergärtnerinnen versucht zu motivieren, in ihren Gruppen Märchen zu erzählen. Und in persönlichen Coachings wirkten die (vermeintlich harmlosen) Märchenbilder enorm kraftvoll.

vii) Was mich derzeit intensiv beschäftigt, ist das Thema der Verwünschung. In den Volksmärchen werden ganz verschiedene Arten der Verwünschung dargestellt. Diese Verwünschungen als Bild an sich betrachtet sind weder positiv noch negativ. Sie stellen oftmals die Initialzündungen für sich anbahnende Entwicklungsprozesse dar. Häufig sind diese Verwünschungen als solche garnicht zu erkennen. Auch das Verhalten der verwünschten Protagonisten ist in vielfacher Weise literarisch ausgestaltet. Zu beachten ist jedoch, dass in keinem mir bekannten Märchen alle Aspekte einer Verwünschungen detailliert geschildert werden. Dagegen werden bestimmte Facetten augenscheinlich vorgeführt, wie das auch bei anderen Themen in den Märchen meisthin der Fall ist.
Meine Frage ist, ob es möglich sein könnte, dass Eltern oder andere direkte Bezugspersonen in ihrem Zusammenleben mit Kindern oder auch Jugendlichen, diese bewusst oder unbewusst verwünschen (müssen), um damit eine Entwicklung zur autonomen Persönlichkeit anzustossen. Die extremen Handlungsweisen der Erwachsenen, ob schwere Misshandlungen oder Helikoptereltern, lasse ich hierbei ausser Acht, da ich darüber noch nicht genügend Material habe.

In einem folgenden Beitrag könn(t)en eigene Erlebnisse und Erfahrungen als konkrete Beispiele dienen.
Dieser heutige Bericht versteht sich als Handübung der Erinnerung. Er ist ein weiterer Baustein zu einem autobiografischen Plan. Einige Berichte des vorigen Jahres zählen ebenso dazu.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein märchenhaftes Wochenende.

Ich-Denkmal von Hans Traxler am Mainufer

 

 

Reduktionsgeschichte an klingenden Beispielen

Für diesen Beitrag habe ich viel Zeit aufgewendet. Musikalische Begleitmusik war dabei neben manch anderem:
Dead Can Dance – Dionysus (2018); Inga Rumpf (feat. KK’NF) – Official Bootleg Album – Fabrik, Hamburg 21.11.2014; Marianne Faithfull – Negative Capability [Deluxe Version] (2018); Ali Neander – This One Goes To Eleven (Feat. Hellmut Hattler) (2015); Gerhard Gundermann – Eine erste Auswahl (2015); The Smashing Pumpkins – Shiny And Oh So Bright Vol. 1 Lp No Past. No Future. No Sun. (2018); Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit (2016); Axel Zwingenberger, Dave Green, Charlie Watts – The Magic of Boogie Woogie (2010)…

Egal, es gibt wichtigeres zu berichten!

Vor einigen Jahren hatte ich mit einem Freund eine Hinundher Konversation. Ich weiss das eigentliche Thema nicht mehr. Sie zog sich hin und wurde zunehmend persönlicher und vertraulicher. Aus einem, mir heute nicht nicht mehr erinnerlichen Grund, listete ich mein Leben mit mein Musikreproduktionsgeräten auf. Es hätten genauso gut Bücher sein können oder Autos. Fahrräder, Füllfederhalter oder Kameras. Ich habe mich in meinem Leben gerne mit schönen und vor allem brauchbaren Dingen umgeben. Auch Kopfbedeckungen wären möglich gewesen. Ich hätte auch meine Motorräder auflisten können. Aber ich entschied mich, warum auch immer, für Geräte, die Musik betreffend.

Im Kontext zu meinem Reduktionsprojekt habe ich mich an diese ehemaligen Gespräche erinnert und mir fiel dabei auf, wie die Thematik meinen eignenen Lebensweg spiegelt.

Vorab: alle Fotos für diesen Bericht habe ich aus dem Internet entnommen, da ich selbst die Geräte in unserem oder später meinem Besitz nie fotografiert habe. Bis auf eine Ausnahme. Sollte also jemand daran Anstoss nehmen, dass er eventuell sein ungünstig geknipstes Bild hier sieht, dann gebe er sich Mühe und liefere mir ein ansprechenderes.
Die letzte Photographie in diesem Beitrag stammt von mir. Aber der Reihe nach.

Dieses Radio war das erste bewusst wahrgenommene Gerät der Klangerzeugung. Es stand in der Ecke auf der Eckbank in der Küche des elterlichen Haushalts. Es lief vornehmlich samstags morgens und man hörte HR1.


Dazu kam dann irgendwann als interessante Erweiterung eines Tages ein Tonbandgerät ins Haus.
Es war ein Philips RK64 – ein für damalige Verhältnisse sehr modernes und qualitativ hochwertiges Gerät. Volltransistorisiert, ein ungeheuer schweres Trumm. Vier-Spur, vier Geschwindigkeiten, stereotauglich, mit 18er Spulen und mit allerlei Schnickschnack, wie z.B. der Möglichkeit der Filmvertonung, was meinen Vater wohl auch zum Kauf bewogen haben mag, denn er filmte damals mit einer Bauer 88 Super8 Schmalfilmkamera. Er hat es aber offensichtlich nie hingekriegt, denn ich erinnere mich, nie einen vertonten Film gesehen zu haben. Und in der Küche war Schweigen angesagt, wenn mein Vater mit dem kleinen grauweissen Mikrophon Musikstücke aus der betagten Philetta aufnahm.

Soweit meine frühesten musikbezogenen Erinnerungen.
Kurzfristig ging die Philetta in mein Eigentum über. Ich habe sie dann, mit Teilen meiner Märklin Metallbaukästen, um es schlicht auszudrücken, in eine postmoderne Skulptur verwandelt. Eines Tages gabs einen gewaltigen Knall. Staub kam aus dem Lautsprechervorhang. Geschrei im Haus, weil etliche Sicherungen durchgeflogen waren. Das war das definitive Ende der Philetta. Keine Prügel für den kleinen Delinquenten, denn…

Meine Eltern hatten sich inzwischen ein Klangmöbel zugelegt.
Eines jener kleinbürgerlichen Imponiergebilde aus Furnier und Bakelit für die Zurschaustellung des persönlichen materiellen Erfolges. (Erhebet Euch nicht über die Kleinbürger, sind wir doch alle welche). Ich hatte als Bengel Zugang zu diesem Musikschrank. Durch welche Gnade ich dieser Erlaubnis teilhaftig geworden bin ist mir nicht erinnerlich.
Es handelte bei diesem Gerät um einen Schaub Lorenz  „Ballerina Konzert Stereo 10. Wer kennt denn diesen Namen heute noch? Das waren noch Typenbezeichnungen, die ein inneres Bild wachsenden Wohllebens vermittelten. Recht und links waren die Lautsprecher angebracht. Öffnete man die waagrecht montierte Klapptür in der Mitte, war unten der Plattenspieler von Perpetuum Ebner PE-66 mit dem berüchtigten 10-Platten-Wechslers, in Fachkreisen auch Plattentöter genannt. Links daneben stand ein senkrechtes Grill, in dem man 45er Singles einstellen konnte, auch EPs passten da rein.

Nun hatte ich Zugang zu Gus Backus (Da sprach der alte Häuptling der Indianer), Gitte (Ich will nen Cowboy als Mann), Connie Francis (Bacarole in der Nacht), Blue Diamonds (Sukiyaki) und 10 – 15 anderen 45ern. Dabei waren natürlich einige Scheiben in den schönen roten Covers von Herbert Hisel. Der später in Kanada so jämmerlich zu Tode gekommen ist. Es hat eine kleine Weile gedauert bis ich mehr geahnt als verstanden habe, was mir entgegenklang aus dem Schwabinger Nachtleben von dem Novak von Gisela Jonas. Die Hülle mit einem Schlösschen gesichert, dass da nicht etwa Kinder usw. usf.
Irgendjemand erklärte mir dann, dass man das Tonbandgerät mit einem Kabel direkt anschliessen kann… Ach, dafür ist dieses Kabel, das da rumlag und das mein Vater nie benutzte – – – Da wurden dann die Spulen bespielt und wieder gelöscht, denn an kaufen war vorerst nicht zu denken bei den Preisen

Mit diesem Tonbandgerät begann meine erste „Musiksammlung“, denn nun konnte ich das Tonbandgerät mit der Schaub Lorenz Ballerina Konzert Stereo 10 verkabeln und in aller Ruhe Aufnahmen machen. Bevorzugter Sender war der HR2 mit „Teens, Twens, Toptime“ moderiert von Volker Rebell, die lief ab 1970 und der Mann prägte meinen Musikgeschmack nachhaltig. Er grub die irrsten Sachen aus, die man in einem dumpfen Kaff wie meinem nie zu Gesicht, äähh Gehör bekommen hätte. Bevorzugt hörten Gymnasiasten Rebell, in der Schule war bei denen, die „richtige Musik“, will sagen keine Schlager, hörten Rebell und seine Musik immer ein Thema. Da mittlerweile auch Sender in den CDU regierten Ländern Wind davon bekamen, dass sie mit angesagter Musik  neue Hörer binden konnten, kam dann vom SWF3 Frank Laufenberg (Pop Shop, ab 1.1.1970, fast täglich von 12:03 – 15:00) ins Rennen, was ganz schlecht für die Erledigung meiner Hausaufgaben gewesen ist. Später kam dann Peter Kreglinger vom SDR3 aus Stuttgart dazu. Leider war der Sender zum Aufnehmen schwierig, da oft nur mit Nebengeräuschen zu empfangen. Aber Kreglinger war für mich damals ein rhetorisches Genie.  Er moderierte die Sendung Point täglich (?) von 14:30 – 16:00. Zitat: „POINT stand für Pop, Orientierung, Information, Notizen, Tipps. Das Ziel von POINT war es, die Dinge, die Jugendliche interessierten, anzusprechen und auf den Punkt zu bringen.“ (lt. wikidemia).

Aber zurück in die Chronologie. Kurz nach meinem zehnten Geburtstag bekam ich meinen ersten Plattenspieler, einen Dual P 410 V. Das war ein tragbarer Kofferplattenspieler mit dem eingebauten Lautsprecher im Deckel des Gerätes. Gute Eindrücke davon kann man hier sehen: Dual P410V
Der Anlass für dieses Geschenk war der Kracher überhaupt: meine erste Langspielplatte. A hard Days Night von den Beatles. Im Lauf des Jahres kamen dann noch zwei, drei Singles dazu. Diesen Plattenspieler hatte ich etliche Jahre. Nur einmal wurde der Doppelsaphir, den man umdrehen konnte für 45 und 33 rpm, gewechselt. Diese „Nadel“ würde ich heute gerne mal unter einem Mikroskop sehen. Auf dieser Horizontalkreissäge habe ich meine Singles durchsichtig genudelt.

Von da an gings dann richtig los mit der Musik und allem, was dazu gehörte. Ich erwarb vom schmalen Taschengeld auch hier und da selbst eine Single bei der örtlichen Niederlassung der Rheinelektra. Auch dieses Unternehmen kennt heute keiner mehr. Da hatte ich mal einen Ferienjob bei den Elektrikern. Osterferien, drei Wochen lang Schlitze kloppen zur anschliessenden Leitungsverlegung. Und zur Schadenfreude der Könner mit ihrem derben Gelächter. Das waren noch Initiationen ins wirkliche Leben. Damals brauchte es noch keinen Psychologen, der einem half beim Schuhebinden auf der Baustelle. Da musste man durch. Und nach Feierabend tröstete einem die Musik.
Irgendwann erbte ich das Tonbandgerät, da mein Vater offensichtlich überdrüssig wurde, dass man beim aufnehmen vom Radio immer still sein musste, um nur die Musik und keine sonstigen Geräusche aufzunehmen. Und dann kamen auch schon die ersten auf dem Flohmarkt selbst gekauften oder einfach auch getauschten LPs dazu. Meine Eltern hatten sich eine kleinere und leichter bedienbare Musikanlage gekauft. Ich hatte das Glück und durfte die Ballerina übernehmen. Da sass ich dann andächtig nachmittags nach der Schule aufgeklappten Öffnung des Musikschranks und hörte diese Platte immer und immer wieder. Was mir damals unbekannt war: auf dem Boden zwischen den „Boxen“ sitzend hatte man das viel plastischere Stereoerlebnis als wenn man irgendwo im Raum auf einem Sessel oder dergleichen herum lümmelte.

Inzwischen war mir aufgegangen, dass aus der Ballerina ein ganz andersartiger Klang den Raum erfüllte, als aus meinem kleinen Dual. Stereophonie hiess das magische Wort. Die Singles jener Zeit waren durchweg noch monophon aufgenommen worden. Dennoch klang es irgendwie anders, kam es besser rüber mit den Lautsprechern auf beiden Seiten.
Aber diese Apparatur unters Dach in mein Zimmer zu wuchten war mir unmöglich. Ich brauchte doch ohnehin nur die beiden Bretter mit den montierten Lautsprechern. Also zerlegte ich kurzerhand d
ieses „Musikmöbel“. Bub, der ich war, baute ich die beiden Schallbretter mit den Lautsprechern aus und montierte sie in meinem Zimmer an die beiden Armlehnen meines Sessels. Märklin Metallbaukästen lieferten die Verbindungsteile. Ich sass zwar nun stereomässig ideal zwischen den Lautsprechern, doch plötzlich waren da keine Bässe mehr. Was tun? Mir musste schon irgendwie klar gewesen sein, dass man Volumen braucht, um Bässe zu hören. Also kaufte ich, knapp bei Kasse wie nur je, zwei viereckige Plastikschüsseln in ätzendleuchtendem Gelb, schnitt die Böden passend aus und schraubte die Lautsprecher da hinein und sofort waren die Bässe wieder da. Diesen Klang möchte ich heute nochmal hören, es muss abartig geklungen haben. Aber ich war stolz wie Harry. (Woher stammt diese Metapher eigentlich?)

Ich entdeckte musikalische Persönlichkeiten, deren Werke ich noch heute allzeit goutieren kann.
Dann kam 1973 auf mir heute nicht mehr nachvollziehbaren Wegen der Kracher ins Haus. Ein Plattenspieler Dual 1210 ohne Verstärker. Es war Ferienende und aus geleisteter Arbeit einiges an Geld vorhanden. Der Dula 1210 brauchte einen Verstärker. Das wurde der Teleton A300 aus irgendeinem Elektrozubehörladen, weil es dort Geräte mit Wumm für den notorisch zu schmalen Schülergeldbeutel gab.
Welche Boxen mag ich dazu nur gehabt haben? Die Lautsprecher in den Plastikschüsseln können es kaum gewesen sein..

Das erste wirklich brauchbare Cassetten Deck (so hiess das jetzt) kam etwas später. Es war ein Superscope 1015. Superscope war die Billigvariante aus dem Haus Marantz (so ähnlich wie heute Seat die Billigmarke von Volkswagen ist). Die einzigen sichtbar- und fühlbaren Unterschiede waren das schepperende Blechgehäuse des Superscope und die Typenbezeichnung. Superscope 1015 statt Marantz SD800.

Irgendein Deal muss damals mit meinem Vater gelaufen sein, bei dem ich ihm meinen Dual 1012 verkauft hatte. Es muss ein neuer Ferienjob gewesen sein, der es mir ermöglichte, meinen ersten richtig guten Plattenspieler neu zu kaufen: einen Technics SL 23. Der Technics scheint heute einen gewissen Kultstatus bei den Plattenspielerquälern zu haben. Die Preise für gebrauchte Geräte sprechen deutlich.

Was diese Buben mit den altehrwürdigen SL23ern heute anzustellen imstande sind, ruft fast Mitleid hervor. Andererseits haben wir in jungen Jahren ja auch versucht, die betagten alten Mopeds mit Farbe und Pinsel, mit Bananensattel und Überrollbügel auf Esay Rider zu trimmen.
Easy Rider war zu Ende.


Die Mopeds vor den Capitol Lichtspielen waren allesamt Chopper. Ich sass als Sozius auf einer Hercules 219. Den tragbaren, batteriebetriebenen Cassettenrecorder hochhaltend fuhren wir auf der Hauptstrasse im Kreis herum. Andere Mopedler schlossen sich uns an. Aus dem Raketenkäsorder lief in dem geschwätzigen Zweitaktlärm kaum hörbar die berühmte Stelle von Wasn´t born to follow von den Byrds als Wyatt und Billy irgendwo auf einer Landstrasse ihre zweirädrigen Eisenhaufen wendeten. Wir waren unbesiegbar. Nur ich nicht. Und alle Buben wussten in diesem Moment, sie würden mit einem dieser unsäglich untauglichen usamerikanischen Motorrädern die Route 66 runterdonnern. Nur ich wusste, dass ich es nicht tun würde. Irgendwann später würden sie es tun. Und sie behaupteten es sogar noch, als bereits die erste Schrankwand zuhause angeliefert wurde.

Die Musik lief zu jeder Gelegenheit und weil das Jagdhorn kräftig geblasen wurde, blieb am Ende dieser Epoche lediglich der Technics SL 23 übrig. Die anderen Geräte waren in meinem Umfeld verhandelt worden. Wie überhaupt in jenen vergangenen Zeiten.
Die erste komplett gekaufte Anlage kam 1979 oder 1980 ins Haus. Eine Akai von einem HiFi-Händler in W****, der damals noch am Schlosspark seinen Hinterhofladen hatte. Getrennte Vor- und Endstufe PR–A04 und PA–W04, ein Radioempfangsteil AT–K03 und das unvermeidliche Tapedeck CS–M02. Was haben wir in den kommenden Jahren diesem Mann für eine Menge Geld für TDK und Maxell Cassetten über die Theke geschoben.
Das Tape Deck (mittlerweile hiess es nicht mehr Cassette Deck)  gibt’s heute noch fürnen Appel und ein Ei bei ibäääh, das Radio habe ich viel zu selten benutzt, aber die Vor- und Endstufe PA-W04 und PR-A04 sind absolute Kracher gewesen, zwar nur die gehobene Mittelklasse dessen, was Akai auf dem Markt hatte, aber die Nachbarn werden die Anlage in Zusammenarbeit mit den kraftvollen KHL Boxen manche Nacht verflucht haben.
Wenn ich heutzutage an späten Abenden das Netz durchforste nach Vergangenheiten, stelle ich fest, dass die Sammler ihre antiquierten Topanlagen mit grossem Stolz ins Netz stellen. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass Einsteiger- und Mittelklassemodelle oft weniger gesammelt und prösentiert werden. Sie gelten oftmals bedauerlicherweise als nicht „sammelwürdig“. Das mag mit der allgemeinen Steigerungswut zusammenhängen. Immer Áusschau halten nach dem besseren Produkt. Und ich zeige mit dem Finger auf niemanden.

Aufbewahrer bin ich allenfalls was Erlebnisse oder Wahrnehmungen betrifft. Ein richtiger Hard-Core Sammler war ich nie. Und aus diesem Grund ging die Akai Anlage nur wenige Jahre später bei einem Tauschhandel ihrer Wege. Dabei wurde der Technics SL 23 durch einen Revox B790 ersetzt.

Damit nahm die Entwicklung ihren wirklich obsessiven Lauf. Dieser Plattenspieler (welch schönes und treffendes Wort) lief dann zusammen mit der Bandmaschine Tandberg TD 20A, einem Monster von einer Tonaufzeichnungsgerät.

 

 

 

 

 

 

 

Die Lautsprecher der Anlage waren ziemlich speziell. Es war ein Paar Quad ELS 57, die auf einem elektrostatischen Prinzip funktionierten, also ohne herkömmliche Lautsprecher auskommen und direkt am Stromnetz hängen.

 

 

 

 

 

Gipfelgefühle. Klangerlebnisse. Bald waren jedoch auch die Schluchten und Abgründe unübersehbar: Das Tonband musste ständig wochenlang weg wegen „Einmessens“. Die 26cm Bänder waren sehr teuer. Die CellophanMembranen der Quad Elektrostaten haute es dauernd raus. Ausserdem konnte man den umwerfenden Klang der Quads nur geniessen, wenn man in genau in der richtigen Position zu den Lautsprechern sass. Und beweglich wie ich nun mal bin, wenn die passende Musik läuft…

Obwohl die Tauscherei finanziell sicherlich eine zumindest materiell gewinnbringende Transaktion gewesen ist, wurde mir das ganze Brimborium zu viel, weil der technische Schnick-Schnack drumherum das Musikhören offensichtlich zu beherrschen begann. Und die Allüren, die in den Gesprächen zutage traten, waren nicht meine Welt.

Also schraubte ich zurück auf Altbewährtes. Eine zwanzig Jahre alte Anlage von BrAun war ebenso solide wie pottschwer. In damaligen Zeiten, als diese Anlagen aktuell gewesen sind, waren sie gebraucht noch erschwinglich. Ruckzuck hatte ich für verschiedene Räume im alten Haus im Hinterhof einige Anlagen gegen das sogenannte „High End“ Equipment eingetauscht.
BrAun lag nahe, denn inzwischen hatten Kunst und Design die eigene Lebensmitte erreicht. Museen, Ausstellungen, Jugendstil, Bauhaus und Art Deco wurden zu Ankerpunkten unterschiedlicher Begehrlichkeiten. Der Kleinbürger als Ästhet.
Es fing an mit alten Klassikern der 60er Jahre, zuerst kamen die beiden Klassiker im Design von Dieter Rams.
Das Radiogerät das Radio CET 15

und der mächtige Röhrenverstärker CSV 60

Für den voluminösen Klang sorgten die beiden Lautsprecherboxen L80, mords Trümmer und fast 50kg schwer. Diese Anlage war anfangs der 1960er Jahre nur wenigen Menschen erschwinglich und entsprechend selten. Der Sound war überzeugend. Und im Gegensatz zu den vorherigen Schätzchen mit ihren Zicken geradezu unproblematisch. Das alte Haus im Hinterhof wurde bald mit etlichen weiteren Musikquellen ausgestattet. In meinem Büro stand beispielsweise ein Braun Regie 520. Versteht sich, dass auch die Werkstatt entsprechend beschallt worden war.

Aber es zieht sich wie ein roter Faden durch mein erwachsenes Leben. Wenn die materiellen Artefakte überhand nehmen, brauche ich eine entsprechende ordnende Reinigung. Da inzwischen auch kleine Menschen zunehmend das Haus zu erkunden begannen, war zeitweise Stille angesagt. Statt der tagtäglichen Klangrandale entschied ich mich für dezentere Töne. Klassische Musik begann mich zu interessieren. Besonders die zeitgenössische Klassik begeisterte mich zunehmend. Die angesammelten Antiquitäten mussten einer neueren Anlage der gleichen Marke weichen.
So gingen die 1980er Jahre dahin. Die weichgespülten Synthesizersounds habe ich bis heute nicht vermisst. Andere originelle junge Bands lernte ich mit entsprechender Verspätung kennen. Dass ich jedoch wirklich etwas vermisst hätte aus jener Epoche, kann ich nicht sagen.
1993 kaufte ich mir die ersten Scheiben aus den 1980er Jahren und holte manches sukzessive nach. Ich merkte, dass ich vieles verpasst haben musste, empfand es aber als keinen Verlust. Aber meine Einstellung zur Musik hatte sich geändert. Text und Musik waren gleich wichtig geworden, das hatte ich durch die klassische Musik gelernt, da musste ich öfter etwas dazu lesen, um es besser verstehen zu können..

Inzwischen schweifte der ästhetisch suchende Blick aber schon hin und wieder zu Bang & Olufsen. Die Geräte dieses Herstellers waren auf dem Gebrauchtmarkt aber schwieriger zu finden, da diese bei der Neuanschaffung noch teurer und entsprechend seltener gewesen sind als die Geräte von BrAun. Inzwischen waren auch in diesem Segment professionelle Sammlermärkte entstanden.
Der erste Receiver im alten Haus im Hinterhof war ein Beomaster 1900 aus den 1970er Jahren. Erworben für etwa 50 DM, bald gefolgt von dem legendären „Rechenschieber“, dem Beomaster 1200 aus den Endsechziger Jahren

Es dauerte nicht lange, da schenkte mir jemand den Beomaster 6000, einen Verstärker für die Anfang der 1970er Jahre angesagte Quadrophonie. Ein Riesendrum, das nie richtig funktionierte, also verschenkte ich es weiter, da das angepeilte Ziel einer kompletten Quadrophonie Anlage hinsichtlich Plattenspieler und vor allem der nur schwer aufzutreibenden quadrophonisch aufgenommenen Schallplatten dafür kaum zu realisieren und noch weniger zu finanzieren war.
Die Geräte waren solide verarbeitet und klangen gut. Heute nennt man das wohl haptisch wertig. Es folgten nun bloss noch Geräte von Bang & Olufsen. Die komplette 7000er Anlage mitsamt Fernsehgerät und Videorekorder. Telefon und Lichtsteuerung. Steuerbar alles mit einer einzigen Fernbedienung. Klingelte das Telefon, wurde die Musik unsichtbar auf eine dezente Lautstärke reduziert. Die verkabelten Lampen wurden gedimmt, wenn das Fernsehgerät eingeschaltet worden ist.
ber alles hat bekanntlich ein Ende (nur die Wurst hat zwei laut Sephan Remmler).

Als die Zelte abgebrochen wurden, um in anderen Ländern zu leben und zu arbeiten, fand ein scharfer Reduktionsschritt statt. In dem Übersee-Container fand nur diese eine Musikmaschine Platz, die mir bis vor kurzem noch immer viel Freude gemacht hat: B&O Beosystem 2500, 1. Serie 1990 mit dem damals nachträglich kostenlos eingebauten RDS für das Radioempfangsteil…

Die vielen Stromausffälle in Südamerika mit ihren brutalen Stromstössen beim Wiedereinschalten haben ihm ein frühes Ende bereitet. Der CD-Spieler musste daraufhin vor Jahren schon ausgetauscht werden. Das Cassettenteil ist ewig schon ohne Funtion. erneuert. Und letzthin gab die automatische Türöffnung den Geist auf.

Es stehen Entscheidungen an und Veränderungen in nächster Zeit. Eine gute Gelegenheit, um sich abends anderweitig ein wenig umzutun. Sieh da, die Preise für höherwertige Unterhaltungselektronik stehen auf Verkauf. Eine defekte B&O ist gut verkäuflich. Was aber dann?
Ich klicke ein wenig hier und da. Stimmt ja, das war damals was. Für mich auf jeden Fall unerschwinglich. Deutsche Marke, hervorragende Qualität. Frog Design. Hartmut Esslinger. Der Mann hat die frühen Produkte von Apple entworfen. Aber darum gehts mir garnicht. Mir gehts um reduzierten Aufwand und gleichzeitige Schönheit und Funktionalität.
Ich mache aussagekräftige Fotografien des alten 2500er Beosystems. Ich tue mich schwer mit dem Text. Schaue zwischendurch mal nach Anlagen des deutschen Herstellers. Zwei, drei Angebote gibts hier in der Nähe. Eine Nacht noch drüber schlafen ist fast immer gut. Nein, ich publiziere mein Angebot doch noch rasch.
Am nächsten Morgen ist die Anlage bereits vor dem Frühstück verkauft.
Ja, die Herrschaften hätten Zeit. Das Ehepaar hat das achte Lebensjahrzehnt vollendet. Der Wega 3141-2 Receiver von 1978 sieht aus wie aus dem Laden. Der Test vor Ort fällt kurz aus. Alles in Ordnung. Kein Rauschen in den Potis. Und zu dem Preis können Sie die Lautsprecher auch noch mitnehmen.

 

 

 

 

 

 

 

Beat, Rock, progressive Musik – – anfangs der 1970er Jahre kam Krautrock dazu auf den Labels Ohr, Pilz, Brain Kuckuck oder Bazillus.. Die elektronische Musik der kosmischen Kuriere bis Mitte des Jahrzehnts –  – immer ausgeflippteres Gegniedel. New Wave, Neue Deutsche Welle. Immer bessere Anlagen, immer optimalere Messwerte, immer teurere Ausrüstungen. Natürlich weitgehend gebraucht gekauft oder aus Konkursmassen, da das Geld weiterhin vorrangig in die Musik investiert worden ist.
Bin ich durch diese vielen Prozesse weiser geworden? – Weiser vielleicht nicht, aber klüger. Ja, eindeutig. Ich habe gelernt, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich hätte das alles auch etwas rationaler anstellen, und weniger Geld ausgeben und Zeit investieren können. Spass hats aber dennoch gemacht. Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt durch die persönlichen Kontakte.
Heute gilt, dass mich Musik in erster Linie erfreuen soll. Ich will noch immer gerne interessante Musiken entdecken. Das ist alles. Manchmal herrscht tagelang Stille, manchmal rumpelts volle Kanne. Ich heisse zwar nicht Hans, habe den Hans im Glück jedoch wahrscheinlich am eigenen Leib erlebt.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein Wochenende voller Wohlklang – Rock on!

 

Kommende Herbsttage

Neben einigen Boxen des legendären Bear Family Labels flatterte mir diese Scheibe ins Haus.  Dirtmusic – Bu Bir Ruya (2018)…

Sein berühmtes Gedicht Herbsttag datierte Rainer Maria Rilke auf den 21.9.1902, geschrieben in Paris. Das Leben im Kreis der Künstlerkollegen in Worpswede hatte er hinter sich gelassen. Die formale Trennung von Frau und Kind war vollzogen worden. Bereits im August war er in der Hauptstadt angekommen. Im Reisegepäck trug er den Auftrag, eine Monographie über den Bildhauer Auguste Rodin zu schreiben. Seine französischen Sprachkenntnisse waren noch dürftig. Der Kontakt mit Rodin erwies sich von Anfang an als schwierig.
Mag sein, dass Rilkes Sommer gross war. Gross an Vorstellungen oder Erwartungen neuer Horizonte in Frankreich vielleicht.
Der Herbst brachte ein unangenehm feuchtes Klima vom Atlantik her in die Metropole. Bei seinen einsamen Spaziergängen auf dem Marsfeld oder der Esplanade des Invalides mögen Rilke die Bilder aufgeleuchtet haben, die ihren Ausdruck in der melancholisch klingenden letzten Strophe seines Gedichtes Herbsttag gefunden haben.

Mein diesjähriger Sommer war sehr gross. Voller Entdeckungen und schöner Erlebnisse. Neue Erkenntnisse und viele menschliche Begegnungen waren sehr beeindruckend. Monatelang schien es, wir würden einen endlosen Sommmer feiern dürfen. Das Leben war leicht. Die anstrengenderen Arbeiten waren in die Zukunft gerichtet und endeten in Freude und Erfüllung.
Als ich letzthin eher beiläufig auf Rilkes herbstliches Gedicht stiess, verspürte ich spontan Lust, meine Stimmung, die mich durch den kommenden Herbst tragen wird, in entsprechenden Versen auszudrücken.

 

Herbsttag

Liebste, es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg Deinen Schatten auf die Wege in den Fluren
und in Deinen Spuren lass die Winde los.

Wir danken den letzten Früchten für ihre Pracht;
und sammeln sie noch zwei sonnige Tage,
wir bereiten sie köstlich und verlockend; und ohne Klage
verabschieden wir den Sommer und geben Acht.

Wer jetzt unser Haus betritt, wünscht sich kein andres mehr.
Wer jetzt hier bei uns sitzt, wird gerne lange bleiben,
wird mit uns lachen, reden, lange Kladden schreiben
und wird mit uns neue Wege hin und her
ruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(21.9.2018, unterwegs)

 

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Immer wieder dienstags : Fragen und Antworten

Knackige Musik und feine Texte : Broilers – [sic!] (2017)…

In meiner Blogverfolgerliste bemerke ich zunehmend Blogs, die gelöscht worden sind. Die mildere Variante sind offensichtlich die Blogs, die nur noch auf Einladung bzw. Freischaltung des Blogbetreibers besucht werden können. Ich frage mich, inwiefern das mit der aktualisierten Datzenschutzverordnung zusammenhängen könnte.
Vielleicht sollte ich gerade aus diesem Grund ein bisschen persönlicher werden. In dieser weitgehend unpersönlichen Blogwelt. Und die nachstehenden Fragen sind mir eine Reflektion wert.
Im Zeitmagazin, einer Beilage der Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde regelmässig ein Fragebogen von einer Person des öffentlichen Lebens beantwortet. Dieser Fragebogen geht angeblich auf Marcel Proust zurück und ist im Laufe der Jahrzehnte schon von vielen Menschen – prominent oder nicht – beantwortet worden.
 
Was ist für Sie das größte Unglück? – Die Verbindung von bürgerlicher Gesellschaft und kapitalistischer Wirtschaftsweise.

Wo möchten Sie leben? – Wo man Natur und Menschen begegnen kann, ohne ständige Habachtstellung.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? – Darüber dachte ich als junger Mensch nach. Heute lebe ich glücklich.
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? – Das hängt von den Folgen des Fehlers ab.
Ihre liebsten Romanhelden? – Von denen ich etwas für mein Leben lernen konnte: Wolf Larsen beispielsweise.
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? – Francesco Datini.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? – Realen Heldinnen und Helden haftet eine gewisse Tragik an.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? – Gesine Cresspahl, Clarissa Lichtblau, Emma Bovary.
Ihr Lieblingsmaler? – Die Lieblingsmaler wechseln mit meinen Stimmungen.
Ihr Lieblingskomponist? – Die Lieblingskomponisten wechseln mit meinen Stimmungen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? – Selbsterkenntnis und autonome Handhabe der Temperamente.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? – Selbsterkenntnis und autonome Handhabe der Temperamente.
Ihre Lieblingstugend? – Lebensfreude.
Ihre Lieblingsbeschäftigung? – Leben und wahrnehmen.
Wer oder was hätten Sie sein mögen? – Niemand anders, als nur ich selbst, das reicht allemal.
Ihr Hauptcharakterzug? – Konsequenz.
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? – Dass ich ihr Freund sein darf.
Ihr größter Fehler? – Gutgläubigkeit.
Ihr Traum vom Glück? – Das Leben hat mich reich beschenkt. Ich lebe im Glück und träume nicht davon.
Was wäre für Sie das größte Unglück? – Wenn meinen herzensinnigsten Menschen ein Unglück widerfahren würde.
Was möchten Sie sein? – Klug und humorvoll.
Ihre Lieblingsfarbe? – Die wechseln mit meinen Stimmungen.
Ihre Lieblingsblume? – Ich mag keiner den Vorzug geben.
Ihr Lieblingsvogel? – Ich habe keinen Lieblingsvogel.
Ihr Lieblingsschriftsteller? – Zur Zeit keinen.
Ihr Lieblingslyriker? – Changierend zwischen Brecht und Benn.
Ihre Helden in der Wirklichkeit? – Die Söhne alleinerziehender Mütter.
Ihre Heldinnen in der Geschichte? – Frauen, die dennoch ihre Wege gegangen sind.
Ihr Lieblingsnamen? – Diejenigen, die zu den Menschen passen, die sie tragen.
Was verabscheuen Sie am meisten? – Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen an Menschen und der Natur.
Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten? – Männer und Frauen, die Kriege auslös(t)en und ihre Helfer, die blinden Befehlsausführer.
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? – Keine.
Welche Reform bewundern Sie am meisten? – Ansätze der Reformpädagogik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? – Geistesgegenwart.
Wie möchten Sie sterben? – Überhaupt nicht.
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? – Fröhlich und klar.
Ihr Motto? – Suave in modo fortiter in re.  – – – – – – – – – – – –  .

Nachdenklich gestimmt hat mich die folgende Erkenntnis von einem, der es wissen muss. „In Amerika kann man alt werden, ohne erwachsen werden zu müssen.“ (Thomas Gottschalk im SWR Nachtcafé am 15. Oktober 2004). Ich nehme an, dass er aus diesem Grund ebendort lebt.
 
(Einige neuere Photographien)
 

 

 

 

DSGVerordnung weiterhin wirkungslos gegen Selbstschuld

Am vergangenen Wochenende waren wir auf dem 44. Open Ohr Festival. Wie seit all den Jahren stand es unter einem bestimmten Motto. Dazu viel Musik, Theateraufführungen, Filme und Diskussionsveranstaltungen. Und erfrischend anders auftretende und aussehende Menschen. Fast wie in den 1970er Jahren. Lange nicht gehört : Jethro Tull – Aqualung (1971)…

Was für eine grandiose Woche. Über allem schwebt das heutige Datum. Der 25. Mai. Und die DSGVO. Die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union. Das will auch erstmal fehlerfrei ausgesprochen werden. Dass es diese Verordnung bereits seit zwei Jahren gibt, hat sich in dieser Woche in Windeseile herumgesprochen. Um was geht es darin und was hat all das mit mir zu tun? Viel und wenig. Lachen und weinen abwechselnd. Man will mir mehr Transparenz hinsichtlich meiner im Internet kursierenden persönlichen Daten ermöglichen.
Da zog der Suckerberg seine kaugummiblasende Ammischau in Brüssel ab. Süss und hohl. Und die Eurokraten buckeln vor diesem antidemokratischen Datenhändler. Der darf bestimmen, wann, wie und was er gefragt wird. Da sollte sich im umgekehrten Fall einmal der Chef eines im Dax notierten deutschen Unternehmens im Fall einer behördlichen Befragung in USammiland trauen. Der würde mit einem satten Milliardenstrafzettel auf seinen Chefsessel zurückfliegen.
Die beste Veränderung in der DSGVO ist meines Erachtens das Recht auf „Vergessenwerden im Internet“. Das heisst komplette Datenlöschung, wenn ich mich beispielsweise in einem der desozialisierenden Netze abmelde.
Ich persönlich fand den überaus arroganten Stil des Suckerberg erhellend. Er zeigte nämlich, dass er genau der Ammi ist, für den ich ihn seit 2004 halte. Er war ein unaffälliger Student mit Dollarnoten in den Augen. Allenfalls durchschnittlich gebildet, was das Weltwissen betrifft. Dem räuspert sein kleiner Mann im Ohr zu: „Sammel doch mal die Daten deiner Kommilitonen. Lässt sich vielleicht was draus machen.“ Er bastelt sich eine Plattform und sammelt. Und die Trolls wollen mitspielen und schenken ihm ihre Daten. Und es werden immer mehr. Auch in anderen Ländern. Und endlich auch in Deutschland. Inzwischen gibts wahrscheinlich keinen Berliner Bundestagsabgeordneten der fünften Hinterbank, der kein Datenspender für den Suckerberg ist. Selbstredend alle Parteien sind seinem Netz. Handballvereine machen mit, Skatbrüder und Ballermänner sowieso. Und kein Unternehmen bewahrt klaren Verstand – alle meinen dabeisein zu müssen, sich präsentieren zu müssen. Freunde haben zu müssen. Kunden zu aquirieren.
Ach, und das Milliardenheer der einsamen Handfesselwischer. Heinz Jürgen mit seiner Modelleisenbahn genauso wie Babsi die Kaktusstrickerin. Bisschen Aufmerksamkeit, ein kleines bisschen gefühlte Anerkennung. Alles nur virtuell – mehr ist es nämlich nicht. Echte Anerkennung, wirkliches Miteinander funktioniert anders und fühlt sich ganz anders an.

Der Suckerberg ist nicht der böse Bube. Er war lediglich ein Ammistudi mit einer naiven Vision. Zu dem skrupellosen Datenhändler hat nicht er selbst sich gemacht.
Das waren und sind seine Datenspender weltweit. Und die sind nun in seinem Netz gefangen. Statt dem Netz zu entkommen, spenden sie offenbar lieber weiter ihre privaten Daten zum geschäftlichen Nutzen des Suckerberg Imperiums.

Jan-Philipp Albrecht, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament und Parlamentsberichterstatter für die Datenschutz-Grundverordnung zeigte sich nach der Schau des Suckerberg in Interviews betroffen über dessen Auftritt in Brüssel. Denn auch seine Fragen wurden von dem befragten Suckerberg nicht konkret beantwortet. Und wie hat der grüne Albrecht darauf reagiert? Genau so! Er hat hinterher gejammert. Er beklagt überdies die europaweit einzigartige deutsche Abmahnkultur. Deutsche Anwälte mit entsprechenden Allüren scharren schon mit den Hufen und wetzen bereits ihre Abmahngebührenmesser.
Österreich, laut André Heller das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, könnte jedoch Vorbild für unsere Regierung sein. In Österreich darf erst nach einem schriftlichen Hinweis und einer geregelten Zeitspanne tatsächlich abgemahnt werden. Aber unsere deutschen Politiker jeglicher Couleur haben für derlei Bevölkerungsschutz keine Zeit. Die sind gerade mit freiwilligen Datenejakulationen beschäftigt.
Es wird nach diesen Zeilen niemanden mehr verwundern, dass sowohl das Europäische Parlament als auch die Europäische Kommission ein Konto bei der Datensammelstelle des Suckerberg unterhalten.
Mich tröstet, dass sich in meinem persönlichen Umfeld Menschen tummeln, die sich den Netzen der Desozialisierung verweigern. Weiter so!

Wer darüber jammert, was mit den persönlichen Daten geschehen ist oder gerade eben jetzt geschieht, ist selbst schuld. Vor dem Datenspenden ein wenig Nachdenken erspart hinterher den Katzenjammer.
Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Bloggern zwei, drei echte Freunde oder Freundinnen. Virtuelle Netzwerke desozialisieren die Menschen und können abhängig machen.