Advent und Endspurt

Horsche: Arno Schmidt liest aus seinen eigenen Werken. Was und wie er liest ist hörenswert. Daneben lösche ich weiterhin tüchtig aus dem Musikarchiv. Bei manchen Musikern bleibt allenfalls eine Zusammenstellung übrig. So viel verliert an Bedeutung.
Lesen: Alice Schmidt : Tagebuch aus dem Jahr 1955. Die Frau Arno Schmidts notierte das Alltagsleben des Paares sehr eindrücklich.
Essen & Trinken: Gestern wurden die aller(vor?)letzten neben der Heizung erröteten Tomaten zu einer köstlichen Tomatensauce gekocht. Dazu gabs feine Safrannüdelchen.
Schaffe: Und immer weiter gehts Zentimeter für Zentimeter mit der Entfernung der Ausgleichsmasse, um den 140 Jahre alten Dielenboden freizulegen.
Gugge: Unbewegte Bilder diesmal. Photographien aus einem sogenannten Auschwitz-Album. Keine Brutalität ist zu sehen. Scheinbar beiläufig aufgenommene Dokumente, die mich innerlich um so mehr bewegten.

Ein absolut aussergewöhnliches Jahr läuft auf sein Ende zu. Ein Jahr mit dreizehn Vollmonden. Wir haben die Verwirrungen im Garten erlebt. Die „frühen Karotten“ waren gegen Ende September bereit zur Ernte. Zucchini verfaulten im frühen Stadium der Reife. Die Schokoladencosmeen blühten wie noch nie: allerdings erst ab Oktober.

Viele Menschen erkannten es und sprachen es seit Jahren aus: So kann es mit dem Wohlstand und dem Zustand der Welt nicht mehr weitergehen. Es muss sich etwas ändern! Auch ich habe in dieser Art gesprochen.
Niemand ahnte jedoch, wie die Veränderungen stattfinden sollten. Niemand sprach das Wort Krieg laut aus. Vor allen Veränderungen stellen sich Unsicherheiten und Ängste ein. Es gibt eben nicht viel Veränderung oder nur ein bisschen Veränderung. Veränderung ist Veränderung. Und umso grösser, desto unverhoffter kommt die Veränderung. Und jeder hofft, dass kommende Veränderungen im eigenen Leben keine Nachteile oder gar Unbequemlichkeiten verursachen. Schon beginnt die Suche nach den Schlupflöchern.

Die Realitätsgestörten, die bereits jetzt von einer Diktatur bellen, bringen sie selbst herbei. Sie verhalten sich asozial und verantwortungslos mit ihren quer“gedachten“ Aufmärschen. Wo immer sie erscheinen in ihrer grenzenlosen Rücksichtslosigkeit, wird der Ort danach zu einem neuen Hotspot. Und sie kapieren nichts.
Eine Nachbarin radikalisiert sich. Spricht von der kommenden „Impfdiktatur“. Weiss nichts über Impfstoffe und deren Zulassung. Nichts vom kommenden Procedere. Nichts von den Zeitplänen. Nichts von den Kosten. Weiss nichts ausser, dass da eine Impfdiktatur kommen werde. Dass sie nur williges Werkzeug zur Errichtung einer möglichen Diktatur wird, ahnt sie in ihrer Verblendung nicht.
Die konstruktiv und klar denkenden Menschen mit ihrem Verantwortungsgefühl und ihrem sozialen Tun mögen uns vor dem Querdenkergesindel, den Ewiggestrigen, den Vergnügungssüchtigen, den Konsumabhängigen und den Faschisten von rechts und links bewahren.

 

Es wird sich noch viel mehr verändern in den kommenden Jahren, als sich viele Menschen derzeit vorstellen können oder wollen. Der Corona Virus ist ein Anfang in körperlicher Hinsicht. Die sich anschliessenden sozialen Auswirkungen erleben wir in ihren Anfängen. Die Bundesregierung unterstützt mit Geldern. Es wurde schnell klar, dass die Inhaber von Kleinbetrieben finanzielle Hilfe brauchen. Ebenso der gesamte Bereich der Kulturschaffenden. Wie lange das ausreichen wird bevor es zu einer Katastrophe kommt, hängt beträchtlich auch vom Verhalten der sogenannten quer“denkenden“ antisozialen Fraktion ab.

Ich hoffe, ich kann alle meine Familienmitglieder in der Weihnachtswoche hier empfangen. Der Reihe nach versteht sich. Wir haben Verabredungen getroffen, dass wir uns in diesem Jahr nicht alle gleichzeitig treffen werden können.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine wache Adventszeit und genügend Abwehrkräfte gegen den Blödsprech hier und dort. Soziales Miteinander ist ein uverzichtbares Lebensmittel.

 

(Irgendwo in diesem Lande : Querdenkers zukünftiges Traumhaus)

 

 

 

 

 

 

Merkwürdige Zeichen im November

Horsche: Merkwürdige Zeiten erfordern eine besondere Musik. Van der Graaf Generator: Godbluff (1975) Still Life (1976). 
Lesen: Ludvig Holberg : Nils Klims unterirdische Reise / worinnen eine ganz neue Erdbeschreibung / wie auch eine umständliche Nachricht von der fünften Monarchie / die uns bisher ganz und gar unbekannt gewesen, enthalten ist /// Aus dem Büchervorrat Herrn B. Abelins / anfänglich lateinisch herausgegeben / jetzt aber ins Deutsche übersetzt/// Verlegt von Christian Gottlob Mergel, Copenhagen und Leipzig 1748/ (diese Ausgabe: Verlegt beim Christian Wegener Verlag, Hamburg 1970).
Essen & Trinken: Merkwürdige Zeiten erfordern bodenständige Kost: Die weltbesten selbstgemachten Bratkartoffeln. Dazu Spiegeleier und Licher Landbier.
Schaffe: Aufräumungsarbeiten in der (Fahrrad)Werkstatt.
Gugge: Damals rief der Film einen grösseren Skandal hervor. Verzerrt die Realität / Ein Skandal / So weit wirds nie kommen /+++ . Inzwischen hat dank des Tabuverfalls durch anything goes die traurige Realität den damaligen Film längst überholt: „Das Millionenspiel“ von 1970. …

 

Der Terror zieht durch Europa. Noch handelt es sich um ein urbanes Phänomen. Auf dem Land hat man derzeit noch die besseren Chancen. Terroristen sind meiner Meinung schlimmer als alle machthungrigen Politiker. Die können garnicht so viele Rechte einschränken. Dafür liefern Terroristen – gleich in welcher Uniform und welchem Irrglauben unterwegs – stets willkommene Steilvorlagen. Wenn ich an meine ersten Reisen mit Flugzeugen zurückdenke. Heute undenkbar, welche Freiheiten einem vor wenigen Jahrzehnten noch offenstanden.

 

In den USofA sind die Wahllokale geschlossen. Jetzt werden Stimmen ausgezählt. Und im deutschen Radioeinerlei wird ständig eilgemeldet. Wer kennt sich eigentlich aus im usamerikanischen Wahlsystem? Alle gegen Trump. Warum? Was ändert sich für Sie persönlich, meine verehrten Besucher, Leser und Gugger in ihrem Alltagsleben durch die Wahl dieses oder jenes Präsidenten? Was hat sich für Sie persönlich nach vergangenen Präsidentenwahlen geändert?
Wahrscheinlich waren die Veränderungen ähnlich dramatisch wie in meinem Leben : es ist alles beim Alten geblieben.

Fast fünfzig Jahre Geschäftspartnerschaft meiner Familie mit einem mittelständischen Unternehmen im mittleren Westen haben am langen Ende bei allen beteiligten Personen diesseits des Atlantiks für Klarheit und offene Augen gesorgt.
Es geht am Ende immer nur ums Geld. Oder um Starruhm. Der soll sich aber bitteschön in Geldwerten ausdrücken.

Der noch amtierende Präsident hat meines Wissens keine neuen Schlachtfelder auf der Weltbühne eröffnet. Er wollte und will seine Land und seine Wirtschaft stark und stärker machen. Beides ist ihm bis jetzt misslungen. Die Produktivitätsrate sinkt und die Armut steigt. Man ist mit sich selbst beschäftigt. Das tut dem Rest der Welt sichtlich gut. Mein Mitgefühl ist mit den Menschen weltweit, die der selbsternannte Weltpolizist demokratisieren will.

Dass man in jenem weltfremden Land, dem die weite Welt eher fremd ist, von Demokratie allenfalls eine rudimentäre Ahnung hat, dürfte jetzt auch den Fans jenes Landes aufgehen. Da hat der noch amtierende Präsident rechtzeitig am obersten Gericht des Landes neue Richter bestimmt, die ihm zugetan sind. Schlau ist er vielleicht nicht, gerissen auf jeden Fall. Er wird gegen das Wahlergebnis klagen falls er nicht gewinnen sollte. Denn ein Widersacher könne jedenfalls nur durch Wahlbetrug mehr Stimmen auf sich vereinigen, so spricht er. So so.
Und die deutschen Jammerläppchen in den Chefetagen und der Regierung in Berlin haben sich auch gleich ungerufen zu Wort gemeldet. Sie befürchten einen Demokratieverlust in den USofA. Hosianna – wachet auf, Ihr Träumer möchte man ihnen zusingen. Die Begleitmusik müssten jedoch die Trompeten von Jericho geben.

Von wegen Demokratie.
Am Montagmorgen verkündete man im 3. Programm des SWR den Willen, die nächsten Wochen gemeinsam durchstehen zu wollen. Aus diesem Grund werde man ab jetzt die eingesendeten Musikwünsche der Hörer spielen. Bis um Mitternacht. Heisa, blies da frischer Wind aus den Lautsprechern. Er derart breites Spektrum an verschiedenen Stücken. Wann war das letztmals zu hören. Und die Kommentare der Leser überschlugen sich vor Begeisterung. Spätestens bei „Wreck“ von Gentle Giant könnten in heiligen Hallen des Senders der Einen oder dem Anderen ein Licht aufgegangen sein.
Die Freude auf den nächsten Morgen bei den Hörern war ebenso gross wie die dann folgende Enttäuschung. Formatradio in der gewohnt miesen Qualität. Entrüstete Reaktionen der Hörer in den verschiedenen Medienkanälen. Mit fast weinerlicher Stimme erklärte eine Ansagerin die Situation. Der musikalische Schleim (I´m the slime von Frank Zappa) geschehe aus Solidarität mit den Ereignissen in Wien. Die Entrüstung riss nicht ab. Was hat das mit dem zu tun?
Der Moderator der folgenden Sendung verwies auf die Verlautbarung seiner Kollegin. Er fügte jedoch hinzu, dass ab zwölf Uhr… bis Mitternacht.
Heute liefen die Hörerwünsche bis jetzt – um 15:34 Uhr.
Wir haben heute beim Frühstück darüber spekuliert, was wohl der wahre Grund gewesen sein dürfte für die beiden gestrigen Entscheidungen. Am Ende haben wir aufgegeben.

Am wichtigsten erschien uns, dass es noch Hörer gibt, die den Formatbrei nur zwangsweise ertragen. Die ihre Stimmen erheben. Und für ihren musikalischen Geschmack ein Votum abgeben.
Es ist noch nicht alles verloren.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen ruhigen und kraftvollen November.

 

 

(Ein Kilometerstein aus alten Zeiten irgendwo in der Nähe von Leppersdorf)

 

 

Herbstanfängliche Gedanken

Horsche: City – Casablanca (1987).
Lesen: Das neue Werk von Patti Smith: Im Jahr des Affen. 2020, 204 S..
Essen & Trinken: Diese Blüte im Blumenkasten vor dem Fenster??? Wer hätte das gedacht: eine köstliche Gurke. Und dann noch eine und… Zu den Safrannudeln eine aromatische Tomatensauce. Tomaten und Kräuter frisch aus dem Garten.
Schaffe: Es gibt immer was zu tun. Derzeit sogar viel.
Gugge: Der Flussbaumeister – Wie Tulla den Rhein begradigte„. Ein interessante Dokumentation auf arte.de…

Mike Schloemer hatte sich 1995 auf den Weg gemacht. Er folgte der Route von Wim Wenders Film „Im Lauf der Zeit“. Das Ergebnis war ein Dokumentarfilm. Der Schwerpunkt lag im Gegensatz zu unserer Reise lediglich auf den Kinos, die auch in Wenders Film gezeigt worden waren. In der Doku sprachen viele Menschen. Kinobesitzer, eine Platzanweiserin, Nachbarn und andere Zeitzeugen. Wir hingegen waren an den Veränderungen an sich interessiert.
Da der Film nirgends zu erwerben war, kontaktierte ich Herrn Schloemer. Als er von unserer Reise erfuhr, bot er spontan an, eine Kopie seines Films zu schicken. Herzlichen Dank dafür Herr Schloemer.

Ich habe es hier schon mehrfach erwähnt. Es gab diese Untersuchung, wie sich Menschen auf neue Situationen einstellen und sie anschliessend in ihren Alltag integrieren. Maximal acht Monate braucht es, um sich auch in extrem unwirtliche Situationen einzufinden. Im Fall von Corona wabert das Virus demnächst im achten Monat. Und die Warenproduzenten haben ihre Produktpaletten dahingehend bereits erweitert. Das ist jedoch nichts Neues, sehen Sie sich die Photographien weiter unten an.
Jetzt kommt wieder die Zeit für andere Themen, mit denen wir auf Trab gehalten werden sollen.

Zum Beispiel Weissrussland. Während im Fall von Corona manche wegen der Maskenpflicht von „Diktatur“ reden, schwingen die wahren Diktatoren schon wieder ihre Gesinnungsschwerter. Weissrussland soll nach deren Machtgelüsten von sofort an Belarus heissen.
Was mag in deren Köpfen vorgehen? Bjela heisst weiss und die Silbe rus erklärt sich von selbst. Dass die weissrussische Bevölkerung von jeher russlandfreundlich war, soll vergessen gemacht werden. Selbsternannte Demokratiefreunde in den westlichen Ländern beziehen Stellung. Natürlich ohne vertiefte Kenntnis der tatsächlichen Sachverhalte.
Die ersetzt man durch Betroffenheitsszenarien.
Weissrussland verlor im Zweiten Weltkrieg 25% seiner Bevölkerung. Die deutschen Schlächter der SS haben dort mit fachkundiger Hilfe der Wehrmacht zugeschlagen. Ein Drittel aller Kommunen wurde abgefackelt. Inklusive der Menschen, die man vorher in Kirchen gesperrt hatte.
Im Westen sollte man endlich erkennen, dass unsere Zukunft im Osten liegt. Von dort wurden in der Geschichte keine Angriffskriege nach Westen begonnen. Die Menschen im Osten sind trotz aller Unmenschlichkeiten, die ihnen gerade auch von deutscher Seite zugefügt worden, noch immer aufgeschlossener und freundlicher, als unsere angeblichen Freunde jenseits des Atlantiks. Überdies liegen im Osten die Rohstoffe, die unsere europäische Zukunft sichern.

Ein anderes Beispiel, mit welchem wir in nächster Zukunft rund um die Uhr zugedröhnt werden, sind die Wahlen in den Vereinigten Staaten. Genau besehen, sind die für uns in der Tat wichtiger als die in Russland. Weil man nie wissen kann, welche Pläne die Kräfte, die den Präsidenten steuern, für die kommenden Jahre planen.
Also schiebt man den Präsidenten ins Rampenlicht. Als er seine erste Regentschaft antrat, wurde er weltweit verlacht oder zumindest lächerlich gemacht.
Ich wünsche ihm eine zweite Wahlperiode. Kein Präsident vor ihm hat sein Land so zielgerichtet auf den Abgrund zugesteuert. Die sozialen Standards in seinem Land sind so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. Er ist am Rest der Welt kaum interessiert. Keine neuen Kriege. Besatzungssoldaten wurden aus Deutschland abgezogen.

Die wirklich entscheidenden Fragen, die uns betreffen, liegen unter dem Deckmantel medialen Schweigens. Wieso hat die hiesige Autoindustrie mehr Macht als unsere Regierung? Wie umgeht die Lebensmittelindustrie die neuen Bestimmungen zum Arbeits- und Tierschutz? Wer wird den Bauern Einhalt gebieten mit ihrer Bodenvergifterei? Wieso dürfen die Rollrasenproduzenten mit ihrer massiven Wasserverschwendung den Grundwasserspiegel in den Ballungsräumen senken, ohne dafür zu zahlen? Preisabsprachen seien nicht nachzuweisen. So so. Wieso kommt es dann, dass die Benzinpreise deutschlandweit von morgens bis nachmittags systematisch billiger werden und der Unterschied zwischen Diesel und Normalbenzin seit Monaten konstant bei etwa 25 Cents liegt?

Ich höre ja schon auf. Die Antworten auf die wirklich dringlichen Fragen sind vielen Menschen ohnehin unwichtig. Fünf Minuten Betroffenheitsschreie, dann ist der Druck wieder weg.

Trotz alledem: ich freue mich, in einer grossen Zeit zu leben. In meinem persönlichen Umfeld bewegen sich Menschen, die mich berühren. Die mich erfreuen und auch zum Nachdenken anregen. Wir treffen uns, sitzen zusammen, essen und trinken, sprechen miteinander und tauschen uns aus. Und lassen uns sein in unseren jeweiligen Unterschiedlichkeiten.
Diese Lebensqualität wünsche ich auch allen Besuchern, Lesern und Guggern.

(In den Jahren 1957/58 wurde das heute sehr seltene Modell „Adria“ von der Firma Bauer produziert. Sportlich schnittig, selbst die Luftpumpe in rot und auch sonst optisch aufgeppt. Für alle die Menschen, die von einer Reise nach Italien nur träumen konnten. Oder für Jugendliche als Vorstufe zur eigenen Vespa… [Das Rad harrt noch der Restaurierung])

Der neudeutsche Wahnsinn oder Gebiss entgleist

Horsche: Lorenzo Il Magnifico – Trionfo Di Bacco, Carnival Songs, 1449-1492 (Doulce Mémoire).
Lesen: Im öffentlichen Bücherschrank gefunden: Hammond Innes: Der weisse Süden. Übersetzt von Arno Schmidt. Wer kennt Hammond Innes heute noch?
Essen & Trinken: Bandnudeln und eine feine Tomatensauce. Mit Tomaten, frischen Kräutern und Knoblauch frisch aus dem Garten. Von der kleinen, privaten Kelterei den hervorragenden Speierling. Bei diesen Temperaturen natürlich gespritzt.
Schaffe: Bei der Hitze nur ein ganz klein wenig in der Werkstatt an La Perle arbeiten. Da inzwischen bekannt ist, dass diese Schönheit siebzig Jahre alt ist, lassen wir gehörige Vorsicht walten.
Gugge: „Maudie“ (2017) von Aisling Walsh. Ein Film über das Leben und die Liebe der kanadischen Malerin Maud Lewis. Grossartige Bilder und zwei herausragende Hauptdarsteller. Zur Zeit in der Mediathek bei arte.tv zu sehen…

Das Leben unter der Einflugschneise. Menschen wollen eine weitere Coronawelle. Oder zwei. Oder drei. In jedem Fall: SPASS MUSS sein!!!

Ich erinnere mich an einen sehr beleibten Kanzler, der (lt. Interview) Saumagen und weissen Käse (oder warens eher Lewwerknebb?) zu seinen Lieblingsspeisen zählte. Dieser grosse Mann verkündete die von seiner Partei (die er natürlich selbst war) geplante geistig-moralische Wende. Darin war neben anderen komödiantischen Einlagen auch von der umgehend zu beendenden „Spassgesellschaft“ die Rede.
Vermutlich war das der Grossgegenangriff auf die NDW-Hymne „Ich will Spass“ von dem Schlagersänger Markus. Und weil dieser Text auch von so illustren musikalischen Fixsternen wie Torfrock, Mundstuhl oder James Last gespielt worden sind, sah man im Kanzlerhauptquartier Gefahr im Verzug.
Und weil Logik nicht gerade zur Grundingredienz politischer Arbeit gehört, wurde einem am 14. Juli 2011 verstorbenen Medienunternehmer fast zur gleichen Zeit die Generallizenz zur völligen Verblödung der deutschen Massen mittels privater Fernsehsender erteilt. Brot und Spiele, damit das Volk das Maul hält und vor allem: endlich zu denken aufhört. Wobei, was das Denken betrifft… Das einzige, was auf dieser schönen Welt offensichtlich gleich verteilt ist, ist die Intelligenz. Da meint nämlich nahezu jeder, er habe genug davon.

Die Brandung dieser seit nun mehr als dreissig Jahren flutenden geistig-moralischen Wende kann man an den Demonstrationen gegen die Maskenvorschriften erkennen. Die Massen wollen Spass. Von Vergnügen oder gar Freude spricht niemand mehr. Stattdessen werden mit den teilweise sehr weitsichtigen Vorschriften Schmähworte wie Diktatur oder Sklaverei verbunden.
Mein Vorschlag zur Behandlung dieser Menschen. Ab in das nächste Land ohne Verfassungsgerichtsbarkeit und dort drei Wochen für den europäischen Billigkonsum wirken. Unter den landesüblichen Bedingungen versteht sich. Vielleicht würde dann doch einigen dieser Menschen ein Fünklein im Oberstübchen aufleuchten.

Es gibt Wirtschaftszweige, und damit meine ich nicht die Daxunternehmen oder ähnliche notorischen Steuervermeider, sondern die kleinen und mittleren Unternehmen, die unseren Sozialstaat am Laufen halten. Vielen dieser Unternehmen ginge bei weiteren Coronawellen ziemlich rasch die finanzielle Luft aus. Und auch all denen, die diesen Unternehmen beispielsweise als Auftragnehmer verbunden sind.
Aber das ist jenen Zeitgenossen völlig gleichgültig, die JETZT IHREN SPASS haben wollen.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine freudvolle Woche. Bleiben Sie wohlauf und lassen Sie sich nicht anstecken.

 

(Diese Zufallsaufnahme könnte aus einer Nachmittaggeschwätzschau mit künstlich eingeblendetem Lachen stammen)

 

 

 

Wochenende, Sonnenschein, Demonstration online

Horsche:  Hannes Wader – 7 Lieder [1972]
Lesen: Die Titelleisten der regionalen Zeitung – es ist unglaublich, was da verbreitet wird.
Essen & Trinken: Ein leichter Nudelsalat, Calamaris in Safran und Anis angebraten. Apfelwein (sauergespritzt) aus der Kleinkelterei unserer Vertrauens.
Schaffe: Schutt (ja ja von der Bar) abfahren. Trittsteine im Garten verlegen.
Gugge: Seit 12:00 Uhr: Stream statt Straße 24.04.2020 #FightEveryCrisis | Fridays For Future

Ich bin sehr beeindruckt von der online Demonstration. Die jungen Leute machen „alles anders“ – auf ihre ganz eigene Art. Und mit nicht weniger Herzblut als wir damals. Klasse. Ich frage mich, wie viele meiner Blogverfolger online „mitdemonstriert“ haben.

Aufgrund eines Hinweises in einem Kommentar habe ich die neue Nummer der Rolling Stones angehört. Living in a ghost town. Alles, was dem Gockel Jagger zu einer Geisterstadt einfällt, ist, „So much time to lose / Just staring at my phone / Every night I am dreaming / That you’ll come and creep in my bed / Please let this be over…“

Tausende Nähmschinen surren emsig. Gesichtsmasken werden geschneidert. In den Medien Hinweise, dass die selbstgenähten Teile zwar bei 60° gewaschen werden können, aber an sich nichts taugen. Es taugen jedoch die 9,00€ teuren aus der Apotheke.
Ich erinnere mich an meine ersten Informationen zum Virus. Eine davon, dass Masken ohnehin untauglich seien. Das ist angewandter Kapitalismus. Gibt es Nachfrage, gibt es auch die Produkte dafür.
Die Röllchen mit dem Gummiband für Schlüpper kosteten bis vor wenigen Tagen im Schnitt 1,20€ die Rolle. Derzeit schnellt der Preis auf bis zu 10€ pro Rolle. So erzählte es mir meine Nahbarin. Die näht auch fleissig.

Und die Autoindustriebosse lamentieren für staatliche Zuschüsse für Abwrackprämien. Gehts noch, Ihr Flaschen in den Chefetagen? Seid Ihr Kapitalisten oder nicht. Dann müsst Ihr auch verlieren können, wenn Ihrs nicht drauf habt mit Krisen umzugehen. Weg mit Euch und Euren SUVs und den immer lauteren Brüllauspüffen.
Wir brauchen Geld für die Menschen, die im Sinne der Menschlchkeit arbeiten: Sozialarbeiter, Kindergärtner, Pfleger in Kliniken und Alteneinrichtungen. Und auch für die *Innen versteht sich.
Jagt die Manager in die Wüste, dass sie sich mal eine Woche lang von ihrer eigenen Hände Leistungen ernähren. Die Mehrzahl wäre wahrscheinlich nach wenigen Tagen verdurstet.

Unterstützt werden müssen jetzt dringend Kleinunternehmer, die vielleicht gerade im letzten Jahr ihr Unternehmen aufgebaut haben. Die kleinen Klubs für Musikanten. Die sogenannten Kleinkünstler. Kinos, die statt Hollywood richtige Filme zeigen. Kneipen, in denen Menschen sitzen und miteiander sprechen.

Vielleicht dämmert es langsam immer mehr Menschen, wie arm wir geworden sind auf unserer Reise zu immer billigeren Preisen. Die einmalige Chance in dieser Krise besteht darin, zu erkennen, was wir wirklich brauchen in unserem Alltag.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein vergnügliches Wochenende


 

 

 

 

 

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Zerstörte Pflanzen und Nichtwissen

Musik: Kettcar – …und das geht so / Live (2019).
Lektüre: Auf der Spur nach Kindheitsprägungen. Josephine Siebe : Kasperles Abenteuer in der Stadt.
Essen & Trinken: Gebratene Maultaschen. Hessenquell Landbier, Leitungswasser.
Arbeit: Recherchen und Überlegungen zum Erwerb eines Volvo P210. Mein Alter passt dazu…
Film: In der Mdr.de Mediathek gibts einige Dokus zu Umgebindehäusern. Ach, wenn ich jünger wär´…

Immer wieder morgens die Verwüstungen im Garten. Mal traf es den Borretsch. Dann ein Nest von Nelken. Und hier oder dort. Scheinbar wahllos. Seit zwei Wochen legen wir abends Wingertknorzen zum Schutz unserer jungen Stauden und Blumen aus. Und heute Morgen sah es wirklich schlimm aus.
Nachts tobte die Zerstörung. Riss wunderbar duftende Nelken aus. Die Triebe der Stockrosen waren abgeknickt. Der junge Lavendel war bis ins Holz zerrissen und zerbissen. Wir waren ziemlich traurig beim Anblick der Zerstörung. Wir wissen nicht, wie das nächtens geschieht. Den kein Tier zerstört um der Zerstörung willen. Nur Menschen sind dazu imstande. Die Hälfte menschlicher Erfindungen ermöglichen Aufbauleistungen. Und die andere Hälfte der Erfindungen dient der Zerstörung.

Wir spekulieren. Ists eine Katze. Wars ein Marder. Neuerdings tippen wir auf das Werk einer Ratte. Wir suchen nach Spuren. Suchen Markierungen. Wir wissen nichts.

 

Auch in der momentanen Situation ists nicht anders. Wir wissen nichts. Ich bins leid mit Nachbarn zu diskutieren. Diskussionen ohne Wissen sind Gelaber. Als wir uns darüber austauschten, stellten wir fest, dass eigentlich niemand etwas genaueres weiss.
Also machte ich mir eine Aufstellung über die Fakten, die ich weiss.
Ich weiss, dass wir in einer Ausnahmesituation leben.
Ich weiss, dass massiv in unsere Grundrechte eingegriffen worden ist, ohne dass eine parlamentarische Diskkussion darüber stattgefunden hätte.
Ich weiss, dass in anderen Ländern die Grundrechte noch weiter eingeschränkt worden sind.
Ich weiss, dass manche Menschen in ihrem zukünftigen wirtschaftlichen Handeln extrem gefährdet sind.
Ich weiss, dass Gesundbeter und Wahrsager die breite Masse verunsichern mit ihren „Analysen“.
Ich weiss, dass ich mich dummschwätzen lassen werde.
Ich weiss, dass Donald Trump der WHO (Weltgesundheitsorganisation der UN) die Beiträge kürzen will (Zum erstenmal sammelt der Mann Pluspunkte bei mir).
Ich weiss, dass wir mit vielen Fakten im Unklaren gelassen werden (gehalten werden?).

Viel mehr weiss ich nicht. Manches ahne ich. Manches denke ich mir.
Wie die Bill Gates Stiftung arbeitet habe ich seinerzeit in der sogenannten Dritten Welt selbst erfahren. Oder kennen Sie einen reichen USAmerikaner, der am langen Ende nicht an Profit und Macht denkt?
Wohin die WHO inzwischen verkommen ist, davon habe ich während meiner Aufenthalte in der sogenannten Dritten Welt manches gehört. Eine Organisation, die geschaffen wurde, um die Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern zu verbessern, ist inzwischen in die Klauen des Grossen Geldes und anderer zweilichtigen Interessen geraten.

Entgegen meiner Gewohnheit, lustige Filmchen, satirische Bildchen oder irgendwelche Links weiterzuverteilen, präsentiere ich Ihnen hier zwei Links. Einer folgt Informationen zur WHO und der Bill & Melinda Gates Stiftung. Der zweite Link führt zu einem Leserbrief eines deutschen Arztes. Die jeweiligen Lesezeiten sind ziemlich kurz. Schauen Sie mal rein. Ich wünsche Ihnen danach fruchtbringende Fragen. Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Wir wissen zwar nichts, können aber dazulernen. Das ist unser Vorteil gegenüber den Marktschreiern in den Medien.

Im Deutschlandfunk geht es um die Gates-Stiftung und die WHO: https://www.deutschlandfunkkultur.de/unabhaengigkeit-der-weltgesundheitsorganisation-gefaehrdet.976.de.html?dram:article_id=423076

Der Leserbrief eines Arztes im „Mannheimer Morgen“ hat mir imponiert: https://www.morgenweb.de/schwetzinger-zeitung_artikel,-leserbrief-sterblichkeit-wie-bei-der-influenza-_arid,1625390.html?utm_source=daily_newsletter

Ich werde es heute machen, wie es schon die Alten machten. Ich werde als Mann in unserem Garten mein Revier markieren.

 

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein feierliches Osterwochenende

 

 

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