Radikalrengdeng-iiiiiihhhh-wemmdeng ~~~ dengdeng!

Beim heutigen Thema wäre ein ruhiger, getragener Trauermarsch angemessen. Stattdessen doch lieber frühlingslebhafter:
Beatsteaks – Muffensausen (2013)…

Es ist nicht mehr zu übersehen. Beim Anblick dieser eigenartigen Reduktion will sich bei mir keine bereichernde Fülle einstellen. Doch, halt – meine Fragen mehren sich. Man kann diese Form der Reduktion sehen als Minderung. Auf hundert Kilometer entlang der Autobahn. An anderen Strassenrändern auch. In Wäldern und an deren Säumen. Neben Gehwegen, öffentlichen Grünanlagen und in Parks. Selbst an Garagenauffahrten. Es geht ein Kahlschlag sondergleichen um im Land.

Einige werden sich an der Stirn kratzen. Kettensägenaktien. Das wärs gewesen. Denn Deutschland probt den Kahlschlag. Da wird gesägt, gehackt und gefällt auf Deibel komm raus.
Dass Kulturlandschaften der Pflege bedürfen ist nur natürlich. Die Frage stellt sich allerdings, wie die Pflegemassnahmen gestaltet werden. Hat man einen Spreissel im Finger, muss nicht gleich der Unterarm amputiert werden.
Genau diesen Eindruck aber vermitteln viele Bäume beim näheren Hinsehen. Denn die meisten Bäume, die ich selbst in Augenschein genommen habe, waren kerngesund. Im ursprünglichen Sinn des Wortes. Zudem fällt unangenehm auf, dass manche Bäume als meterhohe Stammleichen enden. Wer denkt sich diesen Irrsinn aus?
Merkwürdig finde ich überdies, dass man in verschiedenen Bundesländern die gleichen traurigen Resultate dieser Kettensägenmassaker sehen kann. Hinter dem infernalischen Radau könnte man eine konzertierte Aktion vermuten.

In den Momenten weichenden Entsetzens frage ich mich inzwischen, ob es irgendeinen Zusammenhang geben mag zwischen den Wahnsinnsrodungen und den Instandsetzungen beschädigter Brücken. Es scheint, in Deutschland sei derzeit jede zweite Brücke vom Einsturz bedroht. Die Kettensägenarmeen dienen dabei vielleicht zur Kompensation in Bau- und Grünämtern. Wenn schon alle Brücken beschädigt sind und folglich instandgesetzt werden müssen, da wollen wir doch mal der Natur und besonders den Bäumen zeigen, wer die Herren der Sägen sind. Nur der Erfolg wird bewundert. Es kommt der Tag, da will die Säge sägen.
Es mag metapyhsisch klingen, aber vielleicht handelt es sich auch um eine Geräterevolution der Kettensägen gegen die überhandnehmende Herrschaft von Laubbläsern und -saugern. Dabei werden die Sägenbediener durch das schrille Kreischen der Sägen zu nervösem Aktionismus verführt. Wer weiss schon gemau, was in den Seelen einer Motorsäge vor sich geht.

Am Rand eines Kurparks wurde eine ganze Reihe kerngesunder Eiben ohne Hirn und Verstand wirr zusammengesägt. Am tiefsten beeindruckt hat mich dort eine amputierte Eibe. Ein fühlender Mensch hat einen schlichten Blumenstrauss auf dem noch lebenden Stumpf abgelegt. Und die Eibe begann zu weinen.

Beim letzten Waldspaziergang in Begleitung eines Liebmenschen war es immerhin ein kleiner Trost,  recht merkwürdigen Gestalten zu begegnen. Knolliger Erdrauch, Zottelhose und Donnerfluch, so die Namen der Gesellen. Und die Schönheit des Frauenschüchleins konnte bei allem Liebreiz ihr giftiges Wesen nicht verbergen. So eine falsche Osterluzei aber auch.

(Die Trauergalerie öffnet sich beim Anklicken einer Fotografie)

 

Rahmenabsteckung

Ich werde mich daran gewöhnen müssen, diese unerwünschten Nachrichten als naturgegeben hinzunehmen. Meine musikalischen Helden kommen in die Jahre. Family, King Crimson, Roxy Music, Phil Manzanera (801), U.K., Uriah Heep oder Wishbone Ash waren die vielleicht bekanntesten Gruppen, für die John Wetton (12.6.1949 – 31.1.2017) den Bass zupfte…

Meine gegenwärtige Lebensphase wird geprägt von einem Projekt unter dem Titel Fülle durch Reduktion. Wie kommt man zu dem Begriff oder der Metapher von der Fülle durch Reduktion? In meinem Fall stehen dafür individuelle Prägungen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die mir auf meinem eigenen Lebensweg zuteil geworden sind. Insofern wird es in weiteren Beiträgen nicht um komplizierte theoretische Blasen gehen oder abstraktes Geschwurbel. Es wird um die Praxis meines Alltags gehen. Um die darin auffindbaren Möglichkeiten und die Grenzen des individuell Machbaren.
Insofern wird es hier in diesem Blog persönlicher werden. Dazu ermutigt haben mich neben zahlreichen persönlichen Gesprächen auch die Mehrzahl der letzten Kommentare. Wenn Menschen, die in der nächsten Zeit hier vorbeischauen, für sich eine brauchbare Anregung in den Themen finden sollten, dann wäre das ein erfreulicher Erfolg für alle Beteiligten.

Bei der Fülle durch Reduktion handelt es sich um einen grundlegenden Paradigmenwechsel von quantitativen hin (oder zurück) zu qualitativen Werten. Jeder, der das weltweite Geschehen aufmerksam beobachtet, kann bemerken, dass der Masse Mensch qualitatives Wertedenken durch ein Quantitatives weitgehend bereits ersetzt worden ist. Dieser Prozess ist gesteuert. Interessiert sind dabei nicht nur Konsumartikelproduzenten. Die herrschenden Eliten im allgemeinen haben daran ein Interesse. Ihr Werkzeug dabei ist der Wettbewerb um jeden Preis. Jeder gegen jeden. Und dabei die Marionettenspieler und Strippenzieher nicht erkennen.

Dreh- und Angelpunkt für die sich weltweit zuspitzende Notlage jedes einzelnen Menschen ist für mich das bürgerliche Gesellschaftssystem im demokratischen Gewand. Nicht umsonst wird in unserem Land bei jeder sich bietenden Gelegenheit den bürgerlichen Werten, dem Wettbewerb und der Demokratie das Wort geredet. Die böse Dreieinigkeit vor der kein Entkommen möglich scheint. Es fehlt die Möglichkeit einer Alternative. Das kommunistische System, das ebenfalls ein bürgerliches System gewesen ist, war zum Untergang bloss früher als das kapitalistische System verurteilt. Und die jetzigen Populisten denken ebenso wenig an die Menschen, es geht ihnen um Macht und Geld.

Jeder kann es wissen, kaum jemand will es wahrhaben und über allem schweben die Hoffnung, von allem Üblen verschont zu bleiben und der gleichzeitige Wunsch nach ein wenig „Mehr“ bitteschön. Etwas mehr Luxus, ein besseres Gehalt, Immobilieneigentum, das neue Kraftfahrzeug, Hobbies. Mehr mehr mehr.
Auch ich stelle schmerzlich fest, immer wieder von „Verbesserungswünschen“ heimgesucht zu werden. Einziger Trost dabei ist mir die Wahrnehmung, noch immer ein Teil meiner menschlichen Umgebungen zu sein.
Optimierung lautet ohnehin die Parole. Politik und Industrien machen es deutlich. Die entscheidenden Fragen beginnen nicht mit warum sondern mit wie. Wie machen wir das? Statt, warum wir machen das? Das ob wird dabei gleich mitabgeschafft. Beispiele dafür kann man in jedem Moment Dutzende finden. Kritische Einwände, ob dies oder jenes sinnvoll ist oder ob es überhaupt der Menschheit dient, werden handstreichartig weggewischt. Man wird verdächtigt, zurück ins Mittelalter zu wollen. Wird überschüttet mit Häme.
Ich hätte nichts gegen bestimmte Formen mittelalterliches Lebens. Der feudale Haushalt, Oikos (daher kommt das Wort Ökonomie), war vereinfacht gesagt eine primitive Art sozialstaatlichen Handelns. In etwa also das, was die bürgerlichen Parteien bei uns gerade restlos am vernichten sind. Die Spaltung der Gesellschaft ist gewollt.
Ich empfinde mich aber gleichsam in der griechischen Antike lebend. In einer derartigen Demokratie. Damals hatte mitnichten das Volk ein Mitspracherecht an den politischen Prozessen. Es waren lediglich die Freien, d.h. diejeinigen Menschen, die nicht um ihre alltägliche Notdurft arbeiten mussten. Diese reiche Elite, und nur sie hatte ein wirkliches Mitspracherecht an politischen Entscheidungen. Der grosse Rest waren Unfreie und Halbfreie, denen grundlegende Rechte fehlten. Das wird heute gerne verschwiegen. In Deutschland gibt es noch immer nicht das Instrument des Volksentscheids.
Damit ist der grosse Rahmen abgesteckt, indem sich meine Motivation entfaltet hat, manches wenigstens versuchsweise zu verändern. Aussteigen kann ohnehin niemand mehr. Das beste Beispiel dafür liefern prominente Aussteiger selbst. Und wenn sich ein Exkommunarde und Schaulinker wie Rainer Langhans im Dschungelcamp für Geld produziert, dann pfeifens die Spatzen von den Dächern.

                    Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein mittelwinterlich herzfrostfreies Wochenende.

 

Multipelabsurdes Adventsallerlei

Bei den ersten Klängen erinnerte ich mich zurück an damals. Beim Kauf von Beggar´s Banquet und den Weg zurück zum Plattenspieler. Die grosse Spannung. Seit Monaten warte ich auf diese für die Stones sehr ungewöhnliche Platte. Eine Verneigung vor ihren Idolen aus den bluesigen Kaschemmen der USofA. Die Aufnahmen im Studio sollen bloss drei Tage gedauert haben. Das reicht für erdig ehrlichen Blues. Eine Bluesband waren sie nie. Dennoch haben sie ihn drauf:
The Rolling Stones –  Blue and lonesome (2016)…

Es ist richtig und es stimmt ja auch. Hier in diesem Blog wirds immer ruhiger. Mich trösten die Nachfragen per Mail. Das schafft das wohlige Gefühl, nicht vergessen zu sein. Einerseits.
Aber über was soll ich sinnvoll schreiben?
Wen interessiert, wie man ein drei Tonnen schweres Monstrum von einem Tresor in Zentimeterarbeit aus einer Garage schafft. Und dass die Ladefläche eines Zölftonner LKWs fast zusammenbricht beim Aufladen.
Von Mails und Blogbeiträgen, die man an Lebenshelfer weiterleiten möchte, die den Absendern die Köpfe mit einem Schuss Realität waschen.

Viel Arbeit gabs in den letzten Wochen und Monaten. Von den neuesten Erfahrungen mit professionellen Aufkäufern von Büchern, Porzellangeschirren, Metallmöbeln und anderen Überflüssigkeiten schreibe ich lieber nicht. Man möchte gelegentlich zweifeln am Verstand von Menschen, die immerhin einen Führerschein und das Wahlrecht besitzen.
Es ist nicht einfach in diesen Zeiten, wenn man das Leben liebt und freudvoll in die Zukunft sieht. Da muss man hin und wieder Gleichgesinnte suchen wie die sprichwörtliche Stecknadel. Ausserdem bin ich wieder viel unterwegs. Auch da sammelt sich manches an Erlebnissen und neuen Erfahrungen an.

Über Leonard Cohen, seine Musik und wie sehr ich ihm dankbar bin und sein werde für manche seiner Lieder habe ich nicht geschrieben. Mir war die Stimmung verdorben, als ich die vielen Hinweise auf seinen Tod in Blogs wahrgenommen hatte. Solche Plattitüden und Unwissenheit hatte er wahrlich nicht verdient.
Ebenso habe ich es vermieden, über die Präsidentschaftswahlen zu schreiben. Über die hier in Deutschland machen die Komiker im Fernsehen schon jetzt ihre Witze. Und über die in den USofA hat Deutschland gelacht und gespottet. Jedenfalls diejenigen, die etwas auf sich hielten und eine Meinung hatten. Was nichts darüber aussagt, dass sie wirklich durchschaut hätten, über wen oder was sie ihre flachen Witze gerissen haben.

Inzwischen ist wieder Advent. Mir geht schon seit geraumer Zeit mein Jahresendbeitrag für diesen Blog durch den Kopf. Vielleicht freue ich mich einfach, dass ich meine grosse Dunkelheit dieses Jahres erhellend durchdrungen habe. Das mag aber auch mit dem aufregenden neuen Projekt zusammenhängen. Im kommenden Jahr werden weitere Prozesse des Alltags vereinfacht werden. Darüber wird dann vielleicht etwas Berichtenswertes mitzuteilen sein. Hier oder im neuen Blog.
Bis dahin wird der Wechsel langsam und überlegt gesteuert und vollzogen werden. Und deshalb gönne ich mir in dieser herrlich leuchtenden Konsumterrorzeit auch vier Adventskränze. Für jeden Adventssonntag einen. Und weil sie so schön sind und ich mich gegen keinen entscheiden wollte. Und zur Erleuchtung des Ärmelhauses. Und überhaupt.

                                                                            (Foto anklicken bringt sie grösser ins Bild)

Horizonterweiterung trotz Blätterfall und Nebel

Leonard Cohens neue Scheibe „You want it darker“ und dazwischen viel Progrock aus den frühen 1970er Jahren…

Deutschlands WahlmännerFrauen bereiten sich derweil auf die amerikanische Wahl vor. Sie wollen Herrn Trump nicht. Dabei weiss der Mann nicht einmal wer, was oder gar wo Aleppo ist. Frau Clinton dagegen ist den Umfragen zufolge entsprechend beliebter. Zumindest in Deutschland. Und diese Frau hält einen Krieg für gewinnbar. Soweit er von Mitteleuropa aus geführt wird, versteht sich. Sogleich schickt die Verteidigungsministerin der BRD Soldaten der Bundeswehr ins Baltikum. Das geschieht defensiv. Auf den vermeintlichen Feind zugehen, nennt man neuerdings also defensive Bewegung. Worte können sich nicht wehren. Ich versuche herauszufinden, wann im Lauf der Geschichte Russland als Aggressor gegen eine mittel- oder westeuropäische Macht aufgetreten ist. Wozu dient die NATO noch, da es keinen Warschauer Pakt mehr gibt? 

„Ich will nicht lernen, was nicht möglich ist, denn sobald ich weiß, dass es Grenzen gibt, fange ich an, diese zu respektieren. Es ist besser, so zu tun, als würde man die Grenzen nicht kennen, dann kann man sie überschreiten.“ Dieser horizonterweiternde Satz stammt von Birgitta Jonsdottir. Die könnte demnächst Regierungschefin von Island werden. Ein aufschlussreicherer Prozess als die ohnehin undemokratische Schau in den USofA.
Frau Jonsdottir hat einen interessanten Lebensweg beschritten. Ich werde diese Wahl beobachten, denn sie könnte Vorbildcharakter haben. Hier gibt es einen kurzen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu. Eines Blattes, dem man keine neutrale oder gar progressive Berichterstattung unterstelle.

Der Kunde ist König. Welch ein Niedergang der Konsummonarchie möchte man da sagen. Die Bestände im Ärmelhaus sollen drastisch reduziert werden. Verkaufsangebote über verschiedene Absatzkanäle. Preise auf Verhandlungsbasis, auch Preisvorschläge werden akzeptiert. Was da einläuft an Vorschlägen lässt den Gedanken an eine zweigeteilte Welt zu. Egal ob Kunstgegenstände, Bücher oder fotografische Artikel. Einerseits Käufer, die sich freuen, dass sie einen Nachlass erhalten und dies kommunizieren. Und andere, die zehn Prozent des ausgelobten Preises bieten und dann freche Mails schicken, wenn sie mit ihrer Dreistigkeit nicht zum Ziel kommen.

Dieses Kaufverhalten westlicher Konsumenten ist schlussendlich für den Zustand unserer Welt mitverantwortlich. Jeder sitzt auf seine Weise mit im Boot. Leider bin ich (noch) mit dabei. Aber ich bin auch dabei, mein Verhalten zu verändern. Der Traum von einem freien Leben muss kein Traum bleiben. Viele Strukturen im eigenen Verhalten lassen sich vereinfachen. Jeder Schritt dahin führt zu grösserer Freiheit. Auch wenn es anders dargestellt wird, materieller Besitz hat bis heute keinem Menschen Freiheiten beschert.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine Woche mit weitem Horizont.

(Foto anklicken – gross gugge. Die Vorarbeiten an den Kalendern sind fast beendet. Weitere Nachrichten werden folgen)

Fünf acht zwölf statt 08/15

  Ich stelle mir vor, wie du unter dem Baum schläfst und ich sitze mit dem Rücken am Stamm, die Kopfhörer auf den Ohren:
Peter Michael Hamels Between & Gert Westphal – Hesse Between Music (1977)…

Was für eine Woche. Ich habe alle Termine derart angepasst, dass ein schneller Rutsch in die Uckermark möglich wird. Da schwirrt etwas in meiner Vorstellungswelt, das will beruhigt werden. Dann jedoch haben verschiedene Auftraggeber andere Pläne und alles ordnet sich neu und spontan. Mutanfälle sind allemal besser als Wutanfälle. Statt einer mehrtägigen Expedition zur Erkundung der Uckermark im äussersten Nordosten, entscheide ich mich für eine andere famose Grenzüberfahrt im nördlichen Bembelland. Das ist aber eine ganz andere Geschichte.

Mein ursprünglicher Beitrag war derart wütend, dass ich ihn dergestalt jetzt nicht mehr publizieren will. Zudem bin ich momentan ganz anders gestimmt. Eher zufällig schlendere ich abends über einen traditionsreichen Weinmarkt. Viele Buden und Stände, die alle am Rande meiner Welt liegen. Das übliche Geschacher. Und dennoch kann es auch an solchen Orten nützlich aufblitzen. An einem Stand  werden Schilder angeboten mit gewollt witzigen Sprüchen drauf. „Nichts ist so gerecht verteilt wie die Intelligenz – jeder denkt er hat genug davon.“ Ein Spruch, der mich zutiefst beunruhigt, weil mir viel dazu einfällt, was daraus alles entsteht Tag für Tag und weltweit.

Die anwerfende Verführung, eine Zigarette zu rauchen, ist so gross, dass ablenkende Gedanken als Gegenmittel angeraten sind. Die Packungsbeilage des Lebens. Wenn in Krisenzeiten die Gedanken gerne unbeaufsichtigt Achterbahn fahren, darf man abstrus scheinenden Ideen vertrauen. Sagen wir vierzig Jahre. Pro Tag über die Jahre gerechnet etwa 1,75€ bei einem durchschnittlichen Konsum von etwa zwölf Einheiten pro Tag. Nicht eingerechnet sind dabei die Hilfsmittel wie Zündmaterialien, Schnitt- oder Stopfwerkzeuge, Aufbewahrungsutensilien und Kurzfristentsorgungsbehälter. Nach vierzig Jahren werden auf diese Weise an die 30.000 Euro verraucht. Knapp gerechnet. Welch famoser Gedanke, wie einfach durch Nichtstun Geld zu verdienen ist.

Barroso – erinnert sich noch jemand an den Mann? Kennt noch jemand seine letzte Position? Von 2004 bis 2014 war er Chef der Europäischen Kommission. Vor einigen Tagen las ich Gemunkeltes in verschiedenen Medien. Barroso in leitender Stellung in den USofA. Inzwischen ist es offiziell. Barroso steigt bei Goldman-Sachs (In Fachkreisen treffend auch Goldman-Fucks genannt) ein. Sie erinnern sich? Das ist eine us-amerikanische Bank und Spekulantenorganisation, deren Hauptaufgabe darin besteht, in anderen Ländern für Unruhe zu sorgen. Wenn beispielsweise Europa zu stark wird, kann man Keile treiben. Man kann dafür „arbeiten“, dass Länder wie Portugal, Spanien oder Griechenland an den internationalen Kapitalmärkten diskreditiert werden. Stopp, das fand ja noch unter der Herrschaft von Draghi statt, der hatte ebenfalls für dieses us-amerikanische Geldunternehmen gewirkt. Der Draghi ist jetzt Chef der EZB, der Europäischen Zentralbank. Und nun also der Barroso andersrum aus Europa über den Atlantik. Aktuell erfahre ich, dass dem Barroso der Wind entgegenbläst.
Diese Typen sind es, die Europa kaputt machen und nicht die Engländer, die aus der EU raus wollen. Die meisten englischen Eliten fühlten sich ohnehin nie als Europäer und wollten auch nie wirklich eine Mitgliedschaft. Wobei, die finanziellen Vorteile, die Brüssel für ein Mitgliedsland bietet. Und natürlich für die Mitarbeiter der Kommission. Na hör´ mal, du wirst doch da jetzt nicht kleinlich werden und auf die Moral pochen.

In den USofA sind die Gefängnisse privatisiert. Das bedeutet, dass sich lange Haftstrafen für die Investoren rentieren. Mehr jedenfalls als für die Insassen. Dem Magazin Brand Eins (Ausgabe 1/2016) entnehme ich fogende Zahlen:
Zahl der weltweit inhaftierten Frauen und Kinder – 625.000 /// Davon in den USA inhaftierte Frauen, in Prozent – 32,19 (das sind etwa 211.000). Mich interessiert Europa jedoch viel mehr..

Jeder Mensch ist auf seine Weise verführbar. Die wahren, inneren Werte von Fünf-Sterne-Hotels, Acht-Gänge-Menus und Zwölf-Zylinder-Automobile sind denkbar gering. Sie zerrinnen wie Sand in den Händen derer, die ihr Vertrauen an materielle Güter hängen. Und das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen. Und Garagen schon garnicht. Dabei sagts die deutsche Sprache doch sehr deutlich: Irgendwann muss jeder einmal dran glauben.

Wenn die Liebe geht, was bleibt dann? Wenn wir zu einem Menschen sagen: ich liebe dich, wen oder was meinen wir dann genau mit unseren Worten? In dem Wort Gemeinsamkeit steckt die Einsamkeit. Und im Dich das Ich.
Machst du eigentlich noch was anderes, ausser Testfahren?
Ich bin Kinderarzt.
Was?
Eine Art Kinderarzt. In Genua hab´ ich mich von meiner Frau getrennt.
Das hab´ ich dich nicht gefragt. Du brauchst mir nicht deine Geschichte zu erzählen.
Was willst du denn wissen?
Wer du bist.                        (Aus: Wim Wenders – Im Lauf der Zeit)

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein feines Wochenende.

                      (Fotos, bei einem Spaziergang mit lieben Menschen nebenbei aufgenommen in einer Stadt in der Nähe)

 

Neue Woche neue Hoffnung – oder etwa nicht?

Es kann immer noch dicker kommen: The Dickies – Stukas over Disneyland (1983)…

Zwergenaufstände in französischen Fussballstadien. Ich wette nicht. Obwohl ich mir ein Endspiel zwischen Wales und Island bestimmt anschauen würde. Jedenfalls mit grösserem Genuss als meine Lebenszeit mit einer der schwachmatischen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt zu verschwenden.

Der Überfall auf die ehemalige Sowjetunion vor 75 Jahren findet in den deutschen Medien eine eher geringe Beachtung. Deshalb fällt kaum auf, dass nirgends erwähnt wird, wer über die ersten Kriegsjahre hinweg die riesigen Mengen Treibstoff lieferte, ohne die das mörderische Unternehmen Barbarossa nicht hätte stattfinden können. Immerhin verfügte Deutschland über keine nennenswerten Ölquellen. Wer waren vor 75 Jahren die Lieferanten für die deutschen Kriegstreiber und machten dabei einen satten Reibach?

Unbequeme Fragen. Die stören doch bloss angesichts einer christlich-abendländisch kulturtragenden Veranstaltung in Klagenfurt. Bleibt mir mit Klagen fort, es kann nicht nur schlimmer kommen, es wird garantiert schlimmer kommen, denn Lesekonsumenten für Belangloses müssen generiert werden. Das Geschäft der Eitelkeiten und Überflüssigkeiten muss am Laufen gehalten werden. Die Gewinnerin von heute wird in fünf Monaten bei Karstadt auf dem Wühltisch verramscht werden.

Statt einem Bachmann-Preis für einen scheinelitären Kleinkreis von Nulltelektuellen schlage ich einen Flachmann-Preis vor. Statt wichtigtuerisch aufgeblasenem Worthülsengeseier am Vormittag auf den Leim zu gehen dann doch lieber Magenkrampfgereiher im Anschluss an Komasaufkämpfe in Stadien – sorry Arenen. In die heimischen Flachbildschirme injiziert durch private Fernsehkanüle. Da hätte die grosse Masse was davon und alle Profitbeteiligten kämen auf ihre Kosten. Spass muss sein. Zwischendurch jedenfalls. Nur Angst geht auch nicht auf Dauer.

Die Diktatur ist eine bürgerliche Herrschaftsform, die den Herrschenden die grösste Machtausübung zum geringsten Preis erlaubt. In Diktaturen lassen sich hervorragende Geschäfte machen, da die Entscheidungsgewalt in den Händen einiger weniger Akteure liegt. Das garantiert kurze Wege zum schnellen Profit weil langwierige Entscheidungsprozesse entfallen. Mit Diktaturen lassen sich ebenfalls gute Geschäfte machen. Deutsche Waffenexporteure wissen das. Wenns ökonomisch Sinn macht und Profit verspricht, warum dann nicht von Zeit zu Zeit eine Diktatur installieren. Es scheint, die Vorplanungen laufen bereits wieder vorsichtig an.
Den Rohbau für diese Staatsform erstellen die Medien. Auf einem soliden Fundament aus Angst und Hass. Angst vor Arbeitsplatzverlust, vor Fremden, vor dem Nachbarn, vor Flüchtlingen, vor Terroristen. Und die Angst vor Krebs und dem Alter. Vor allem aber die Angst davor, nicht mehr konsumieren zu dürfen. Und den Hass auf alles, was einem nicht aus dem Spiegel entgegenglotzt.

Ich bin erschrocken. Einen der ganz wenigen Bühnenarbeiter, die ich ernst nehme, ist Volker Pispers. Der zählte letzthin auf, dass er sich seit dreissig Jahren an den immer gleichen Themen kabarettistisch abarbeitet. Und nichts hat sich für die Bevölkerung zum besseren verändert seitdem. Die Renten sind unsicherer denn je, das Gesundheitssystem steht kurz vorm Kollaps, die Überwachung und Beschneidung individueller Freiheiten hat ein unmenschliches Ausmass erreicht, Sicherheitsdienste kooperieren mit Terroristen und destabilisieren unsere innere Ordnung, die Dauerkürzung sozialer Leistungen wird immer weiter eingeschränkt zugunsten von Bankenrettungen und Industriesubventionen. Zur Umverteilung von unten nach oben. Und so weiter und so fort.
Die ebenso treffenden wie trefflichen Pointen finden ein laut lachend applaudierendes Publikum. Mir wird kalt. Das sind genau die Leute, die eine gewisse Bildung haben und noch über Reste von Geld und Maccht verfügen. Und genau diese Lacher und Lacherinnen verlassen die Veranstaltung und werden nichts verändern in ihrem Denken und Handeln. Den Schein einer Karriere einbilden, die Abstotterimmoblie, das Leasingauto und die Therapien. Und sich intelligenter fühlen als der Rest der Mitmenschen. Durchblicker mit Humoranspruch.
Einer sagte letztens: „Und jetzt werden wir auch hier bald keine kleinen Läden mehr haben. Aldi, Lidl, Netto; die werden hier alles kaputtmachen.“
„Und drei mal drei ist Donnerstag oder wie,“ entgegne ich spontan, „nicht die Ketten machen die feinen kleinen Geschäfte kaputt, sondern die Leute wie du.“ Die Ketten können hunderte Filialen eröffnen, die machen keinen kleinen Laden kaputt. Erfolgreich zerstört werden kleine Fachgeschäfte erst dadurch, dass Kunden Kettenangebote interessanter und vor allem die Billigpreise geiler finden, als in den angestammten Geschäften im Ort.

Was mir am besten an fussballspielenden Mannschaften wie denen aus Wales oder Island gefällt, dass dort der Teamgeist aus dem Herzen zu kommen scheint. Die Spieler fühlen, dass sie nur als Team erfolgreich sein können. Dafür brauchen die keine Psychologen oder einen individuellen Fussnagellackierer. Keine fünfzehnfach ausgeklügelte Strategieanalyse hilft gegen die alte Erkenntnis, dass das funktionierende Ganze stets mehr ist als die Summe seiner Einzelspieler.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine sozial erfolgreiche Woche.

                                                                (Die Galerie öffnet sich, wenn ein Foto angeklickt wird)