Erstaunliche Beobachtungen auf zehn Quadratmetern

Wiederanhörungen. Was hat noch Gültigkeit? Reihenweise verlassen Scheiben das Musikalarchiv.
Bleiben wird: Billy Cobham – Crosswinds (1974)…

Die Schwalben haben ihre Nester verlassen. In diesem Jahr ist der Sommer schon vor dem Hochsommer vorüber. Ich hoffe auf einige weitere sonnige Tage. Immerhin konnte eine Schwimmrunde im Rhein stattfinden.
Im öffentlichen Bücherschrank die „Auto“biografie von Marilyn Manson gefunden. Das meiste hat wohl ein Redakteur des Rolling Stone zusammengeschrieben. Ich kenne keine Musik dieser Kreatur. Ein Klon zwischen Sylvesterrakete und Lumpensammler. Das typische, der beiden möglichen us-amerikanischen Schicksale. Ein kleiner, hässlicher Versager, der sich geschworen hat, es eines Tages allen zu zeigen. Was bringt einen Mensch dazu, sich nur um aufzufallen den Familiennamen eines gewissenlosen rechtsradikalen Massenmörders zuzulegen.
Der Zweite Weltkrieg kostete etwa 50 Millionen Menschenleben. Die aussenpolitischen Aktionen der US-Amerikas kosteten seit dem Zweiten Weltkrieg geschätzte 30-40 Millionen Menschenleben weltweit. Ich bin noch auf der Suche nach der genauen Quelle, bzw. exakteren Zahlen. Das geistferne Druckwerk liegt inzwischen in der Altpapiertonne.

Viel Balzac gelesen in letzter Zeit. Die menschliche Komödie. Das hält fein vom Bloggen ab. Erstaunlich aktuell erscheinen viele Beschreibungen Balzacs. Es scheint sich wenig geändert zu haben in den letzten zweihundert Jahren. Oder zweitausend.
Hauptsache das Bewusstsein schläft. Das nutzt Produzenten wie Konsumenten. Und den Politikern ists allemal recht.
Die alltägliche Einbildung vieler Menschen, informiert zu sein.
Ein balltretender Gladiator wechselt die Arena für eine Viertel Milliarde Euro.
Die Condottieri, die Söldnerführer des ausgehenden Mittelalters heissen heute Topmanager. Niemandem verpflichtet ausser dem Eigennutz. Vor allem dem eigenen. Verantwortungslos wird die Welt belogen und betrogen. Die Zeche zahlen die anonyme Menschenmasse. Arbeitsplatzvernichtung, Zerstörung des privaten Lebens; die Kollateralschäden des Wachstums. Früher segnete die Kirche die Auswüchse der Herrschenden. Heutzutage haben die Unternehmensberatungen dieses profitable Geschäft an sich gerissen. Schlimm nur, dass der Kleinbürger glaubt, in diesem Spiel eine reelle Gewinnchance zu haben. Auch mal gewinnen zu können. Naja, so einer, wie Marilyn Manson vielleicht.
Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr.
Und alle halbe Jahre gibt es ein neues Konsumprodukt für die Müllhalde, das niemand wirklich braucht. Dann ziehen die gekauften Werbesöldner durch die Lande und irrlichtern mit Kaufgründen. Und was hatten wir seit unserer Kindheit schon alles an Fantastischem gehabt, was seit Jahren nicht verrotten kann. Hot Wheels, Silly Putty, Pez-Boxen, Hüpfbälle, Flummis oder Knuffls um nur ein paar frühe Artikel zu nennen.
Und schon daddelts auf dem Einsamkeitsverwischfon. Die Werbung ist in den Einfachhirnen verankert und beginnt zu wuchern. Das nennt man heute Kommunikation. Ein menschliches Gegenüber aus Fleisch und Blut kann man sich mit keiner Handfessel herbeiwischen.

Der konsequente Verzicht auf die Nachrichtenmedien tut gut. Es kehrt Ruhe ein in den Falten der Seele eines modernen Menschen. Zurück zum Gespräch. Von Angesicht zu Angesicht. Dahin, wo das must-have oder must-go-to keine Bedeutung hat. Der Austausch von Gedanken und Gefühlen statt von Floskeln, Icons oder Gefällt-Mir-Klicks. Den Gefühlsausdruck des Mitmenschen erleben.
Ich merke es daran, dass ich in den letzten Monaten mindestens fünfzehn bis zwanzig Beiträge in diesem Blog nicht mehr geschrieben habe. Angefangen und spontan aufgehört.
Nur das Negative zu schreiben, das können viele Blogger besser als ich. Und die schönen Ereignisse, die wundervollen Entdeckungen und prächtigen Momente sind mir wieder dermassen kostbar geworden, dass ich sie nur mündlich teilen mag. In den Gesprächen, bei denen niemand unablässig aufs Daddelfon schielen muss. Oder im Garten zuschauen, wie sich die neuen Weinbergschnecken heimisch machen. Erstaunliche Beobachtungen sind möglich auf zehn Quadratmetern.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern weiterhin noch ein paar feine sommerliche Tage.

(Fotografien zur Illustration. Klick öffnet die Galerie)

 

Ehrenreduktion zur Scheuklappenerweiterung

Was den Mittelalterfans in England Cornwall ist, ist den Progrockfreunden die sogenannte Canterbury Szene. Softmachine, Egg, Matching Mole, Khan, Wilde Flowers, Gilgamesh, Soporifics, Delivery, Gong, National Health, Centipede, Hatfield & The North und wie die Bands alle hiessen. Im Zug des Reduktionsprozesses wird sich zeigen, von welcher Musik ich mich weiterhin begleiten lassen möchte. In den letzten Tagen wurde bereits viel Egotripspreu vom Klangweizen getrennt. Bleiben wird auf jeden Fall schon wegen der illustren Besetzung mit Mick Taylor, Steve Winwood und Mike Oldfield: Gong – Downwind (1979)…

Unter meinem Bürofenster treibts einen Efeu sonnenwärts. Eben bleibt die Ilse aus der Nachbarschaft daneben stehen. Eines ihrer vierbeinigen Lebendspielzeuge kackt in den Efeu. Der edle Kot bleibt natürlich liegen. Als nachbarschaftliches Geschenk vermutlich. Die Frau ist heftig tätowiert. Nicht unbedingt ästhetisch, dafür aber von Kopf bis Fuss gestochen und genagelt. Auf ihrem ebenso breiten wie freizügigen Dekolleté lese ich „Ehre im Herzen – Hass in den Fäusten.“

Wie oft ich wohl schon über den Begriff Ehre nachgedacht habe in meinem Leben. Als Kriegsdienstverweigerer begann es in einer Verhandlung. Da kam der Begriff auf und ich verstand ihn nicht. Verstehe ihn heute noch nicht richtig, zumindest in den Kontexten, in denen er zumeist gebraucht wird. Mir fehlt wahrscheinlich ein bestimmtes Gen in religiöser, nationalistischer oder rassistischer Scheuklapprigkeit.

Ich bin früh wach. Pfingstwochenende. Die Ausschüttung des Heiligen Geistes. In tausend Zungen reden. Harry Haller wünschte sich im Steppenwolf „O, dass ich tausend Zungen hätte“. Diese allerdings zu anderen Zwecken.
Ich freue mich auf den Besuch und bin schon sehr früh auf dem Weg zum Mainzer Markt. Die besten Kräuter für die Grie´ Soss´ gibts bei der Marktfrau meines Vertrauens. Ich bin noch zu früh. Alles irgendwo in Kisten.
Ich fahre runter zum Rheinufer. Enten dösen auf den Steinstufen. Jogger erschrecken gurrende Tauben. Das Marinedenkmal. Hundertmal wahrgenommen jedoch nie genauer in Augenschein genommen. Ich lese die eingemeisselten Texte auf den vier Seiten des Sockels. Und ich habe die Kamera nicht dabei. Also später nochmals in die Stadt radeln.

Auch bei den Inschriften gehts um Ehre und ehrenvoll. Wie kann ein Schiff ehrenvoll sinken und was soll ich mir unter der Ehre deutschen Kreuzergeistes vorstellen? Die S.M.S. Mainz war ein leichter Kreuzer. In die Schlacht mit englischen Schiffen geriet er wegen strategischer Fehler auf deutscher Seite.
Betrauert werden 163 Seeleute, die den Heldentod starben. Nicht erwähnt auf den Inschriften werden die 348 Seeleute der Besatzung, die von den Engländern gerettet werden können, obwohl die Deutschen ihr Schiff in letzter Minute noch versenken, um es den Engländern nicht in die Hände fallen zu lassen. Unter den Geretteten befand sich auch Wolfgang von Tirpitz. Der Sohn jenes Grossadmirals, dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. den Floh ins Hirn setzte, dass man sich nur mit einer starken Flotte zur Weltmacht aufspielen könne. Und der glaubte das nur zu gerne. Hatte er doch seinem Volke schon bei seiner Thronbesteigung 1892 versprochen: „Ich werde Euch herrlichen Tagen entgegenführen.“
Entsetzt hat mich allerdings die vierte, die zum Rhein hin sich befindende Inschrift. Darauf wird den nachfolgenden Geschlechtern ein „Nacheifern“ empfohlen. Kriegsverherrlichung. Wieso wird derlei nicht entfernt?
Vorbilder gibt es ja. Das deutsche Weintor beispielsweise. Wenn man heim ins Reich kam – damals – erblickte man den Adler recht über dem Portal. In seiner rechten Klaue hält er einen Lorbeerkranz. Und darin war das unselige verhakte Kreuz gemeisselt. Das Kreuz hat man wieder herausgehauen nach dem Untergang. Es ist zwar so gemacht, dass man es wieder zum Vorschein bringen könnte, aber wer schaut schon so genau hin.
Und die rheinwärts angebrachte Inschrift liest wahrscheinlich auch niemand, der eines der Ausflugsschiffe ins Mittelrheintal besteigt.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern, dass sie an diesem langen Wochenende von Pfingstochsen verschont bleiben möchten.

(Fotografien lassen sich durch Anklicken vergrössern)

Radikalrengdeng-iiiiiihhhh-wemmdeng ~~~ dengdeng!

Beim heutigen Thema wäre ein ruhiger, getragener Trauermarsch angemessen. Stattdessen doch lieber frühlingslebhafter:
Beatsteaks – Muffensausen (2013)…

Es ist nicht mehr zu übersehen. Beim Anblick dieser eigenartigen Reduktion will sich bei mir keine bereichernde Fülle einstellen. Doch, halt – meine Fragen mehren sich. Man kann diese Form der Reduktion sehen als Minderung. Auf hundert Kilometer entlang der Autobahn. An anderen Strassenrändern auch. In Wäldern und an deren Säumen. Neben Gehwegen, öffentlichen Grünanlagen und in Parks. Selbst an Garagenauffahrten. Es geht ein Kahlschlag sondergleichen um im Land.

Einige werden sich an der Stirn kratzen. Kettensägenaktien. Das wärs gewesen. Denn Deutschland probt den Kahlschlag. Da wird gesägt, gehackt und gefällt auf Deibel komm raus.
Dass Kulturlandschaften der Pflege bedürfen ist nur natürlich. Die Frage stellt sich allerdings, wie die Pflegemassnahmen gestaltet werden. Hat man einen Spreissel im Finger, muss nicht gleich der Unterarm amputiert werden.
Genau diesen Eindruck aber vermitteln viele Bäume beim näheren Hinsehen. Denn die meisten Bäume, die ich selbst in Augenschein genommen habe, waren kerngesund. Im ursprünglichen Sinn des Wortes. Zudem fällt unangenehm auf, dass manche Bäume als meterhohe Stammleichen enden. Wer denkt sich diesen Irrsinn aus?
Merkwürdig finde ich überdies, dass man in verschiedenen Bundesländern die gleichen traurigen Resultate dieser Kettensägenmassaker sehen kann. Hinter dem infernalischen Radau könnte man eine konzertierte Aktion vermuten.

In den Momenten weichenden Entsetzens frage ich mich inzwischen, ob es irgendeinen Zusammenhang geben mag zwischen den Wahnsinnsrodungen und den Instandsetzungen beschädigter Brücken. Es scheint, in Deutschland sei derzeit jede zweite Brücke vom Einsturz bedroht. Die Kettensägenarmeen dienen dabei vielleicht zur Kompensation in Bau- und Grünämtern. Wenn schon alle Brücken beschädigt sind und folglich instandgesetzt werden müssen, da wollen wir doch mal der Natur und besonders den Bäumen zeigen, wer die Herren der Sägen sind. Nur der Erfolg wird bewundert. Es kommt der Tag, da will die Säge sägen.
Es mag metapyhsisch klingen, aber vielleicht handelt es sich auch um eine Geräterevolution der Kettensägen gegen die überhandnehmende Herrschaft von Laubbläsern und -saugern. Dabei werden die Sägenbediener durch das schrille Kreischen der Sägen zu nervösem Aktionismus verführt. Wer weiss schon gemau, was in den Seelen einer Motorsäge vor sich geht.

Am Rand eines Kurparks wurde eine ganze Reihe kerngesunder Eiben ohne Hirn und Verstand wirr zusammengesägt. Am tiefsten beeindruckt hat mich dort eine amputierte Eibe. Ein fühlender Mensch hat einen schlichten Blumenstrauss auf dem noch lebenden Stumpf abgelegt. Und die Eibe begann zu weinen.

Beim letzten Waldspaziergang in Begleitung eines Liebmenschen war es immerhin ein kleiner Trost,  recht merkwürdigen Gestalten zu begegnen. Knolliger Erdrauch, Zottelhose und Donnerfluch, so die Namen der Gesellen. Und die Schönheit des Frauenschüchleins konnte bei allem Liebreiz ihr giftiges Wesen nicht verbergen. So eine falsche Osterluzei aber auch.

(Die Trauergalerie öffnet sich beim Anklicken einer Fotografie)

 

Rahmenabsteckung

Ich werde mich daran gewöhnen müssen, diese unerwünschten Nachrichten als naturgegeben hinzunehmen. Meine musikalischen Helden kommen in die Jahre. Family, King Crimson, Roxy Music, Phil Manzanera (801), U.K., Uriah Heep oder Wishbone Ash waren die vielleicht bekanntesten Gruppen, für die John Wetton (12.6.1949 – 31.1.2017) den Bass zupfte…

Meine gegenwärtige Lebensphase wird geprägt von einem Projekt unter dem Titel Fülle durch Reduktion. Wie kommt man zu dem Begriff oder der Metapher von der Fülle durch Reduktion? In meinem Fall stehen dafür individuelle Prägungen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die mir auf meinem eigenen Lebensweg zuteil geworden sind. Insofern wird es in weiteren Beiträgen nicht um komplizierte theoretische Blasen gehen oder abstraktes Geschwurbel. Es wird um die Praxis meines Alltags gehen. Um die darin auffindbaren Möglichkeiten und die Grenzen des individuell Machbaren.
Insofern wird es hier in diesem Blog persönlicher werden. Dazu ermutigt haben mich neben zahlreichen persönlichen Gesprächen auch die Mehrzahl der letzten Kommentare. Wenn Menschen, die in der nächsten Zeit hier vorbeischauen, für sich eine brauchbare Anregung in den Themen finden sollten, dann wäre das ein erfreulicher Erfolg für alle Beteiligten.

Bei der Fülle durch Reduktion handelt es sich um einen grundlegenden Paradigmenwechsel von quantitativen hin (oder zurück) zu qualitativen Werten. Jeder, der das weltweite Geschehen aufmerksam beobachtet, kann bemerken, dass der Masse Mensch qualitatives Wertedenken durch ein Quantitatives weitgehend bereits ersetzt worden ist. Dieser Prozess ist gesteuert. Interessiert sind dabei nicht nur Konsumartikelproduzenten. Die herrschenden Eliten im allgemeinen haben daran ein Interesse. Ihr Werkzeug dabei ist der Wettbewerb um jeden Preis. Jeder gegen jeden. Und dabei die Marionettenspieler und Strippenzieher nicht erkennen.

Dreh- und Angelpunkt für die sich weltweit zuspitzende Notlage jedes einzelnen Menschen ist für mich das bürgerliche Gesellschaftssystem im demokratischen Gewand. Nicht umsonst wird in unserem Land bei jeder sich bietenden Gelegenheit den bürgerlichen Werten, dem Wettbewerb und der Demokratie das Wort geredet. Die böse Dreieinigkeit vor der kein Entkommen möglich scheint. Es fehlt die Möglichkeit einer Alternative. Das kommunistische System, das ebenfalls ein bürgerliches System gewesen ist, war zum Untergang bloss früher als das kapitalistische System verurteilt. Und die jetzigen Populisten denken ebenso wenig an die Menschen, es geht ihnen um Macht und Geld.

Jeder kann es wissen, kaum jemand will es wahrhaben und über allem schweben die Hoffnung, von allem Üblen verschont zu bleiben und der gleichzeitige Wunsch nach ein wenig „Mehr“ bitteschön. Etwas mehr Luxus, ein besseres Gehalt, Immobilieneigentum, das neue Kraftfahrzeug, Hobbies. Mehr mehr mehr.
Auch ich stelle schmerzlich fest, immer wieder von „Verbesserungswünschen“ heimgesucht zu werden. Einziger Trost dabei ist mir die Wahrnehmung, noch immer ein Teil meiner menschlichen Umgebungen zu sein.
Optimierung lautet ohnehin die Parole. Politik und Industrien machen es deutlich. Die entscheidenden Fragen beginnen nicht mit warum sondern mit wie. Wie machen wir das? Statt, warum wir machen das? Das ob wird dabei gleich mitabgeschafft. Beispiele dafür kann man in jedem Moment Dutzende finden. Kritische Einwände, ob dies oder jenes sinnvoll ist oder ob es überhaupt der Menschheit dient, werden handstreichartig weggewischt. Man wird verdächtigt, zurück ins Mittelalter zu wollen. Wird überschüttet mit Häme.
Ich hätte nichts gegen bestimmte Formen mittelalterliches Lebens. Der feudale Haushalt, Oikos (daher kommt das Wort Ökonomie), war vereinfacht gesagt eine primitive Art sozialstaatlichen Handelns. In etwa also das, was die bürgerlichen Parteien bei uns gerade restlos am vernichten sind. Die Spaltung der Gesellschaft ist gewollt.
Ich empfinde mich aber gleichsam in der griechischen Antike lebend. In einer derartigen Demokratie. Damals hatte mitnichten das Volk ein Mitspracherecht an den politischen Prozessen. Es waren lediglich die Freien, d.h. diejeinigen Menschen, die nicht um ihre alltägliche Notdurft arbeiten mussten. Diese reiche Elite, und nur sie hatte ein wirkliches Mitspracherecht an politischen Entscheidungen. Der grosse Rest waren Unfreie und Halbfreie, denen grundlegende Rechte fehlten. Das wird heute gerne verschwiegen. In Deutschland gibt es noch immer nicht das Instrument des Volksentscheids.
Damit ist der grosse Rahmen abgesteckt, indem sich meine Motivation entfaltet hat, manches wenigstens versuchsweise zu verändern. Aussteigen kann ohnehin niemand mehr. Das beste Beispiel dafür liefern prominente Aussteiger selbst. Und wenn sich ein Exkommunarde und Schaulinker wie Rainer Langhans im Dschungelcamp für Geld produziert, dann pfeifens die Spatzen von den Dächern.

                    Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein mittelwinterlich herzfrostfreies Wochenende.

 

Multipelabsurdes Adventsallerlei

Bei den ersten Klängen erinnerte ich mich zurück an damals. Beim Kauf von Beggar´s Banquet und den Weg zurück zum Plattenspieler. Die grosse Spannung. Seit Monaten warte ich auf diese für die Stones sehr ungewöhnliche Platte. Eine Verneigung vor ihren Idolen aus den bluesigen Kaschemmen der USofA. Die Aufnahmen im Studio sollen bloss drei Tage gedauert haben. Das reicht für erdig ehrlichen Blues. Eine Bluesband waren sie nie. Dennoch haben sie ihn drauf:
The Rolling Stones –  Blue and lonesome (2016)…

Es ist richtig und es stimmt ja auch. Hier in diesem Blog wirds immer ruhiger. Mich trösten die Nachfragen per Mail. Das schafft das wohlige Gefühl, nicht vergessen zu sein. Einerseits.
Aber über was soll ich sinnvoll schreiben?
Wen interessiert, wie man ein drei Tonnen schweres Monstrum von einem Tresor in Zentimeterarbeit aus einer Garage schafft. Und dass die Ladefläche eines Zölftonner LKWs fast zusammenbricht beim Aufladen.
Von Mails und Blogbeiträgen, die man an Lebenshelfer weiterleiten möchte, die den Absendern die Köpfe mit einem Schuss Realität waschen.

Viel Arbeit gabs in den letzten Wochen und Monaten. Von den neuesten Erfahrungen mit professionellen Aufkäufern von Büchern, Porzellangeschirren, Metallmöbeln und anderen Überflüssigkeiten schreibe ich lieber nicht. Man möchte gelegentlich zweifeln am Verstand von Menschen, die immerhin einen Führerschein und das Wahlrecht besitzen.
Es ist nicht einfach in diesen Zeiten, wenn man das Leben liebt und freudvoll in die Zukunft sieht. Da muss man hin und wieder Gleichgesinnte suchen wie die sprichwörtliche Stecknadel. Ausserdem bin ich wieder viel unterwegs. Auch da sammelt sich manches an Erlebnissen und neuen Erfahrungen an.

Über Leonard Cohen, seine Musik und wie sehr ich ihm dankbar bin und sein werde für manche seiner Lieder habe ich nicht geschrieben. Mir war die Stimmung verdorben, als ich die vielen Hinweise auf seinen Tod in Blogs wahrgenommen hatte. Solche Plattitüden und Unwissenheit hatte er wahrlich nicht verdient.
Ebenso habe ich es vermieden, über die Präsidentschaftswahlen zu schreiben. Über die hier in Deutschland machen die Komiker im Fernsehen schon jetzt ihre Witze. Und über die in den USofA hat Deutschland gelacht und gespottet. Jedenfalls diejenigen, die etwas auf sich hielten und eine Meinung hatten. Was nichts darüber aussagt, dass sie wirklich durchschaut hätten, über wen oder was sie ihre flachen Witze gerissen haben.

Inzwischen ist wieder Advent. Mir geht schon seit geraumer Zeit mein Jahresendbeitrag für diesen Blog durch den Kopf. Vielleicht freue ich mich einfach, dass ich meine grosse Dunkelheit dieses Jahres erhellend durchdrungen habe. Das mag aber auch mit dem aufregenden neuen Projekt zusammenhängen. Im kommenden Jahr werden weitere Prozesse des Alltags vereinfacht werden. Darüber wird dann vielleicht etwas Berichtenswertes mitzuteilen sein. Hier oder im neuen Blog.
Bis dahin wird der Wechsel langsam und überlegt gesteuert und vollzogen werden. Und deshalb gönne ich mir in dieser herrlich leuchtenden Konsumterrorzeit auch vier Adventskränze. Für jeden Adventssonntag einen. Und weil sie so schön sind und ich mich gegen keinen entscheiden wollte. Und zur Erleuchtung des Ärmelhauses. Und überhaupt.

                                                                            (Foto anklicken bringt sie grösser ins Bild)

Horizonterweiterung trotz Blätterfall und Nebel

Leonard Cohens neue Scheibe „You want it darker“ und dazwischen viel Progrock aus den frühen 1970er Jahren…

Deutschlands WahlmännerFrauen bereiten sich derweil auf die amerikanische Wahl vor. Sie wollen Herrn Trump nicht. Dabei weiss der Mann nicht einmal wer, was oder gar wo Aleppo ist. Frau Clinton dagegen ist den Umfragen zufolge entsprechend beliebter. Zumindest in Deutschland. Und diese Frau hält einen Krieg für gewinnbar. Soweit er von Mitteleuropa aus geführt wird, versteht sich. Sogleich schickt die Verteidigungsministerin der BRD Soldaten der Bundeswehr ins Baltikum. Das geschieht defensiv. Auf den vermeintlichen Feind zugehen, nennt man neuerdings also defensive Bewegung. Worte können sich nicht wehren. Ich versuche herauszufinden, wann im Lauf der Geschichte Russland als Aggressor gegen eine mittel- oder westeuropäische Macht aufgetreten ist. Wozu dient die NATO noch, da es keinen Warschauer Pakt mehr gibt? 

„Ich will nicht lernen, was nicht möglich ist, denn sobald ich weiß, dass es Grenzen gibt, fange ich an, diese zu respektieren. Es ist besser, so zu tun, als würde man die Grenzen nicht kennen, dann kann man sie überschreiten.“ Dieser horizonterweiternde Satz stammt von Birgitta Jonsdottir. Die könnte demnächst Regierungschefin von Island werden. Ein aufschlussreicherer Prozess als die ohnehin undemokratische Schau in den USofA.
Frau Jonsdottir hat einen interessanten Lebensweg beschritten. Ich werde diese Wahl beobachten, denn sie könnte Vorbildcharakter haben. Hier gibt es einen kurzen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu. Eines Blattes, dem man keine neutrale oder gar progressive Berichterstattung unterstelle.

Der Kunde ist König. Welch ein Niedergang der Konsummonarchie möchte man da sagen. Die Bestände im Ärmelhaus sollen drastisch reduziert werden. Verkaufsangebote über verschiedene Absatzkanäle. Preise auf Verhandlungsbasis, auch Preisvorschläge werden akzeptiert. Was da einläuft an Vorschlägen lässt den Gedanken an eine zweigeteilte Welt zu. Egal ob Kunstgegenstände, Bücher oder fotografische Artikel. Einerseits Käufer, die sich freuen, dass sie einen Nachlass erhalten und dies kommunizieren. Und andere, die zehn Prozent des ausgelobten Preises bieten und dann freche Mails schicken, wenn sie mit ihrer Dreistigkeit nicht zum Ziel kommen.

Dieses Kaufverhalten westlicher Konsumenten ist schlussendlich für den Zustand unserer Welt mitverantwortlich. Jeder sitzt auf seine Weise mit im Boot. Leider bin ich (noch) mit dabei. Aber ich bin auch dabei, mein Verhalten zu verändern. Der Traum von einem freien Leben muss kein Traum bleiben. Viele Strukturen im eigenen Verhalten lassen sich vereinfachen. Jeder Schritt dahin führt zu grösserer Freiheit. Auch wenn es anders dargestellt wird, materieller Besitz hat bis heute keinem Menschen Freiheiten beschert.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine Woche mit weitem Horizont.

(Foto anklicken – gross gugge. Die Vorarbeiten an den Kalendern sind fast beendet. Weitere Nachrichten werden folgen)