Mittwochs an der Krise vorbei

Musik: Hier knacken und knistern alte 78er Platten. Ein Riesenarchiv ist online zum stöbern und hören.
Lektüre: Beiträge in verschiedenen Blogs und die dazugehörigen Kommentare.
Essen & Trinken: Seit Wochen keine Süssigkeiten.
Arbeit: Die Handwerker im Haus – no comment.
Film: In der Mediathek des MDR (mdr.de) gibts jedes Menge schöne Filme und interessante Dokus aus späten DDR Produktionen.

Ich werde gefragt, warum ich derzeit fast täglich einen Beitrag in meinem Blog veröffentliche.
„Du hast doch selbst gesagt wegen Deiner Reduktion und so. Schreibst dann kaum noch und jetzt gehts da ab wie die Luzi.“
„Ich richte mich nach Notwendigkeiten. Und die erfordern es, jetzt ein Gegengewicht zu setzen gegen die mediale Verdummungs- und Angstverbreitungsmaschinerie.“
Menschen sollte man Mut machen und Chancen und Wege aufzeigen. Jeder sollte nach seinen Möglichkeiten seinen individuellen Lebensweg finden und gehen.
Zu viele Interessen wollen uns zu einer hirnlosen Herde zusammentreiben. Nicht denken, sondern konsumieren. Verunsichern und Angst machen, das fördert den Konsum. So in etwa ist ihre dumme Dauerdevise.

Die regionale Mainzer Allgemeine Zeitung titelt heute Morgen: „Sterberate wird steigen – Derzeit überleben 0,8 Prozent der nachweislich Infizierten Covid-19 nicht.“
Wie mag es in dem Hirn des verantwortlichen Menschen zugehen, der so etwas schreibt anstatt, „Sterberate fast konstant – Derzeit überleben 99,2 Prozent der nachweislich Infizierten Covid-19.“

Der Schreibknecht hat sich rechts und links eine ordentliche Maulschelle redlich verdient. Ich lese noch zwei, drei weitere Titel und keinesfalls die Berichte – da fällt einem frühmorgens schon der Mageninhalt aus dem Gesicht. Das Panikblatt erscheint im mit anderen Blättern ähnlichen dumpfen Inhalts im VRM. Ich vermute, das bedeutet Völlig runtergekommene Miesmedien. Ich gebe dem Nachbarn seinen Papiermüll mit einem Kopfschütteln zurück.

Ich habe gut geschlafen heute Nacht. An Träume kann ich micht erinnern. Allenfalls nebulöse Fetzen und unscharfe Bilder  sind hängengeblieben. Ausdrücke und Namen schwirren im Gedächtnis.
Oder haben Sie mal was von Fridays for Future gehört? Arbeitslosenzahlen – was will mir das sagen? Eine Landschaft, vielleicht ein Sumpf und darin eine Menge Menschen, davor so eine Art Zaun mit einem Bettuch dran; darauf Buchstaben gemalt: Mirantn oder so. Irgendein Mensch, wahrscheinlich eine junge Frau nannte sich Greta. Die hielt ein Mikrophon in der Hand. Das wollte ihr eine Art Strohpuppe entreissen. Es gelang schliesslich und der Strohkopf schrie ganz hysterisch Brexitbrexitbrexit. Was immer das bedeuten mag. Ein anderes Wort war sowas von sonderbar, das habe ich behalten und gleich nach dem Aufwachen notiert: Bundeswehrberaterskandale. Anderes mehr ist in Waberschwaden entschwunden.

Nicht, dass Sie jetzt denken. Ich weiss auch nicht, woher solche Sachen kommen. Oder haben Sie schon mal solche Bilder gesehen oder solche Worte gehört?
Untersuchen lasse ich mich natürlich nicht. Ich fühle mich ganz wohl in Gesellschaft der 99.8 Prozent meiner hiesigen Mitmenschen.

Ich wünschen Ihnen einen erfreulichen Tag und dass Sie die Kraft haben dem Irrsinn zu widerstehen. Auch Sie zählen wahrscheinlich zu den 99.2 Prozent. Wir wissen nichts. Die meisten von uns sind keine Mediziner. Und keine strippenziehenden Politiker. Und keine miesen Geschäftemacher, die diese Situation für ihre Raffgier ausnutzen. Bleiben Sie Mensch. Es gibt viele von uns.

 

Heute und vor fünfundsiebzig Jahren.

Musik?  …

Sonntag, 22. März 2020

Das Blau des Himmels leuchtet unverschämt. Die Luft ist klar. Der Wind weht böig und ist fast unangenehm kalt. Dennoch spürt man die wärmende Kraft der Sonne. Still ist es draussen. Ich erinnere mich an diese Stille. Damals als Kinder spielten wir draussen auf der Strasse. Ein Auto kam nur selten hier durch. Die Bürgersteige waren nicht vollgeparkt und bestanden aus gestampftem Lehm. Ideal für Murmelspiele. Später als Jugendlicher stand ich häufig am Fenster und schaute raus auf die Strasse. Ich hatte oft Hausarrest. Schulnoten und Verhalten waren hinreichende Gründe für die Erziehungsberechtigten. Hausarreste boten hervorragende Gelegenheiten für kreatives Handeln. Beim Schulsparen erhielt man Bilderserien vom Herba Verlag Emil Driess aus Plochingen am Neckar. Daraus erstellte ich mir eigene Alben. Die Hefte („Deutsche Geschichte“ und „Weltkriege – warum?“) mit den selbstgeschriebenen kurzen Texten zu den Bildern sind lange verloren. Die beiden gekauften Alben „Deutsche Heimat“ besitze ich noch immer. Drei opulente Bilderalben der Homann Margarine-Werke in Dissen („Technik und Verkehr“, „1000 Jahre deutscher Geschichte“ und „Das schöne Deutschland“) stammten aus dem Besitz der Grosseltern. Ich las viel und blätterte in der Bildbänden der bescheidenen elterlichen Bibliothek. Ich träumte mich dabei in die Bilder hinein und weg aus der Tristesse eines Schülerlebens in andere Welten.

„Betty Dear!
I´m quite in a hurry (but always thinking of You and the kids, of course). – The town is fearfully smashed, rather like a bad dream; well: They asked for it and they got it…
Hope to see You again quite soon.
Johnny

The watches and bracelets – well, stow them away; I had to throw them into the box absolutely at random, hope they´ll not be badly damaged. 1000 kisses.
J.“                                                                                                   (Arno Schmidt, Leviathan oder Die Beste der Welten)

 

Donnerstag, 22. März 1945

Herrliches Frühlingswetter liegt über der Rheinebene. Der Wind weht mässig. Die Temperatur beträgt 8° um die Mittagszeit. Das Erwachen und Erblühen der Natur nach dem kalten 1944er Winter wirkte seltsam unpassend in diesen Kriegstagen. Die Unruhe nahm zu in der Eisenbahnergemeinde. Der Güterbahnhof war einer der grössten in Süddeutschland. Auf den nördlichen Gleisen standen manchmal lange Güterzüge. Aus den geschlossenen Wagen drangen Geräusche, die klangen wie wimmern oder stöhnen. Auffällig war die Bewachung entlang dieser Züge. Entlang der südlich gelegenen Schienenstränge befand sich das Fremdarbeiterlager. .
Aufgrund seiner strategischen Bedeutung wurde der Verschiebebahnhof am 13. Januar 1945 zum Ziel eines Luftangriffs. Die Mehrzahl der schätzungsweise dreihundert Tonnen schweren Bombenlast verfehlte jedoch ihr Ziel und schlug im Wohngebiet ein. Eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung kaufte noch rasch ein Brot. Wegen des Luftalarms wollte sie schnell nach Hause und sich in Sicherheit bringen. Der Bäckerfrau teilte sie mit, dass sie ihr den aktualisierten Ahnenpass am Nachmittag vorbeibringen wolle. Sie schlug das Angebot aus, im Luftschutzkeller unter der Bäckerei den Angriff abzuwarten. Sie lief zwei Strassen weit und erreichte ihr Zuhause als die ersten Bomben fielen. Das Haus erhielt einen Volltreffer, den die junge Frau nicht überlebte. Der Angriff dauerte fünfzehn Minuten. 129 Menschen verloren ihr Leben. Das Anwesen des Bäckermeisters blieb unbeschädigt. Vor wenigen Jahren hatte er mit seinen vier Geschwistern die Gebäude ausgebaut und modernisiert. Aus diesem Grund wurde dabei auch der seit 1938 vorgeschriebene Luftschutzkeller eingebaut.
Der Bäckermeister war durch die sehr moderne und geräumige Bäckerei entsprechend des § 5 Abs. 2 WehrGuk als unabkömmlich (uk) eingestuft. Die meisten seiner Kollegen am Ort waren längst als Soldaten verpflichtet worden. Auch die beiden Bäckergesellen und die beiden Dienstmädchen mussten Kriegsdienste leisten. Dafür wurden jeden Morgen aus dem Fremdarbeiterlager an der Bahnstrecke unter Bewachung die Zwangsarbeiter zu ihren Arbeitsstellen im Dorf gebracht. Der Bäckerei waren zwei holländische Bäcker und zwei aus Russland entführte Mädchen  in Bäckerei gebracht. Vielleicht wiegte sich der Bäcker in Sicherheit. Als jungem Mann hatte ihm auf der Kerb eine durchreisende Zigeunerin aus der Glaskugel vorhergesagt, er würde einen kommenden Krieg nicht überleben. Die Geschäfte liefen gut.  Es wurde an sieben Tagen in der Woche gearbeitet. Aber es wurde auch gefeiert. Das dörfliche Leben ging äusserlich seinen normalen alltäglichen Gang. Die Bäckerin wurde einmal denunziert weil sie sich dem Verbot widersetzte, Fremdarbeiter gut zu behandeln oder zu verpflegen. In ihrem Haushalt wurden die vier Menschen nicht nur gut verpflegt sondern sie sassen bei den Mahlzeiten mit am Tisch der Familie. Ihr Verhalten blieb jedoch ohne schlimmere Folgen, denn in den Zeiten von Bezugsscheinen und Lebensmittelmarken konnte man mit zwei Laiben Brot extra oder einem Kuchen manches erreichen.

Am 27. Februar griffen 458 Bomber der britischen Royal Air Force Mainz an und legten dabei fast die gesamte Neustadt in Schutt und Asche. Wie mögen die dem Inferno entkommenen Menschen in dem Dorf auf der anderen Rheinseite angekommen sein? Traumatisiert und verwahrlost. Mancher wird ausser seinen Kleidern auf dem Körper nichts gerettet haben. In seinem „Tagebuch eines Verzweifelten“ berichtet Friedrich Reck von einer scheinbar irrsinnigen Frau, die nach einem Bombardement auf München aus der Stadt geflüchtet sei mit nichts als ihrem kleinen Köfferchen. Sie stand an einem Bahnsteig der Vorstadt als ihr der Koffer auf den Perron fiel und der Deckel aufsprang. Dabei fiel aus dem Koffer der verbrannte und zusammengeschrumpfte Körper ihres Kleinkindes.

In den Nachrichten aus dem Radio ist nichts zu hören von dem Vormarsch der 3. US-Armee unter dem Befehl  von General George S. Patton. Die Einheiten dieser Armee kommen rasch voran auf ihrem Weg ostwärts. Am 5. März wurde die männliche Bevölkerung des Jahrgangs 1929 im Deutschen Reich zur Wehrmacht einberufen. Die Jugendlichen werden nach kurzer Ausbildung an die verschiedenen Fronten entsandt. Der „Führerbefehl“ vom 8. März drohte allen deutschen Familien die Sippenhaft für den Fall an, dass sich Angehörige, die als Soldaten eingezogen wurden, freiwillig in Gefangenschaft begeben würden. Ein Radio hatten sie in der Familie.
Am 10. März hat Generalfeldmarschall Albert Kesselring den Oberbefehl über die deutsche Westfront übernommen. Der hatte sich zuvor in Italien einen Namen gemacht unter anderem wegen der Erschiessungen von Geiseln. Frauen, Kinder und Greise. Sein untergebener wurde Hans-Gustav Felber. Der hatte als ehemaliger Stabschef der 8. Armee die Deportation von polnischen Juden aus dem Ghetto von Lodz angeordnet. Vom 22. Februar bis zum 25. März 1945 kommandierte Felber die 7. Armee. Zu ihrem Einsatzgebiet gehörte auch der Rheinabschnitt südlich von Mainz.

Vom 15. bis zum 24. März lief die „Operation Undertone“. Das Ziel dieser Operation war die Erlangung der Kontrolle der alliierten Streitkräfte über die deutschen Gebiete westlich des Rheins. Am 20. März durchquerten die ersten Divisonen Rheinhessen und erreichten am 21. März das linksrheinische Ufer bei Nierstein. In Alzey übernahmen die Amerikaner ein Krankenhaus als Militärlazarett. Das ursprünglich psychiatrische Krankenhaus der Stadt wurde wahrscheinlich im Zuge der Aktion T4 geräumt und seitdem von der Wehrmacht als Lazarett genutzt.

In den Nachrichten wurde auch nichts berichtet von dem schändlichen Verbechen, das sich an jenem 21. März am rechtsrheinischen Ufer auf dem Kornsand gegenüber Nierstein ereignet hat. Einige Tage zuvor bereits hatte der Ortsgruppenleiter Bittel dem Bürgermeister eine Liste übergeben mit den Namen von seiner Meinung nach „politisch unzuverlässigen Menschen“. Er wollte sie im Fall der Einnahme der Stadt durch feindliche Truppen ausser Reichweite wissen.
Fünf Niersteiner und ein Oppenheimer Bürger wurden daraufhin in ihren Wohnungen verhaftet und über Gross-Gerau nach Darmstadt zum Verhör durch die Gestapo verbracht. Der dortige Gestapobeamte lässt die Inhaftierten jedoch frei, da er einen Fall von privatem Streit vermutet. Der Gestapomann informiert den Leutnant Funk über die Rückkehr der sechs Menschen. Dies widerum erfährt der Bittel. Eine Gruppe Volkssturmmänner übernimmt gezwungenermassen die Bewachung der gerade Freigekommenen.
Alfred Schniering teilt ihnen nun standrechtlich ihre Verurteilung zum Tod mit. Weil man sich aber gegenseitig kennt, will nun niemand die Ermordung der Unschuldigen vornehmen. Die erneut Gefangenen müssen nun ihre Gräber ausheben. Da sich noch immer niemand zum Morden bereitfindet, erklärt sich um 14 Uhr Leutnant Hans Kaiser bereit, die sechs Menschen durch Genickschuss zu töten. Anschliessend müssen sowjetische Kriegsgefangene die Gräber der Ermordeten zuschaufeln. Zur gleichen Zeit erreichen die amerikanischen Verbände Nierstein und Oppenheim. Aus den Fenstern hingen die ersten weissen Fahnen. Um 16:00 Uhr des 21. März waren die beiden Orte kampflos eingenommen.

Noch heute verbindet die Fähre Nierstein mit dem Kornsand. Schon die römischen Legionäre nutzen diese Stelle zur Rheinüberquerung. Im Dreissigjährigen Krieg versuchte es Gustav Adolf vergeblich seine Truppen hier übersetzen und dann Mainz einnehmen zu lassen.
Nach einer entsprechenden Lagebesprechung war die Rheinüberquerung für den Donnerstag, 22. März geplant. Dafür standen fünfhundert Boote und ein Pionierbatallion zur Verfügung. Vom Kornsand aus sollte Darmstadt und dann nördlich Frankfurt eingenommen werden. Eine Division ging direkt vom Kornsand nördlich in Richtung Mainspitze.
Am 25. März erreichten die amerikanischen Soldaten das Dorf. Da die Bäckerei zentral in der Dorfmitte lag, wurde das Anwesen sofort requiriert. Die Bäckerfamilie durfte in ihrer Wohnung bleiben und musste weiterhin für Brot sorgen. Die anderen Wohnungen wurden von amerikanischen Soldaten belegt. Die Spuren der beiden Holländer und der beiden russischen Mädchen haben sich in den Tagen der Besetzung verloren. Über ihre weiteren Lebenswege geben keine Quellen Aufschluss.

Am Mittwoch, dem 28. März begann der Abzug eines Teils der amerikanischen Soldaten. Die marschierten nun auf die Mainmündung zu. Auf den Hügeln rundum waren noch immer Flakstellungen. Die meisten waren noch immer mit Jugendlichen besetzt.
Am Nachmittag, der Kaffeetisch war eben abgeräumt, beschliesst die Bäckerfamilie von Neugier getrieben, nachzusehen, in welchem Zustand die Amerikaner die Wohnungen wohl zurückgelassen hätten. Dabei sah der Bäcker eine Dose. Bei dem Versuch, sie zu öffnen, explodierte die Sprengfalle. Der Bäcker und seine Frau waren auf der Stelle tot. Die jüngere der beiden Töchter war im Februar acht Jahre alt geworden. Das Mädchen blutete an der Schulter und lief schreiend auf die Strasse. Dort waren Amerikaner bereits durch die Explosion aufmerksam geworden.
Man kümmerte sich um das Mädchen und verbrachte sie sofort in das Militärlazarett in Alzey. Laut der Eintragung auf dem Totenschein verstarb das Mädchen „durch Feindeinwirkung“ zwischen 17 und 22 Uhr. Auf einer späteren Abschrift des Totenscheins fehlte der Zusatz „durch Feindeinwirkung“. Der Stempel auf dem Schein wurde ebenfalls verändert. Die waagrecht gestreckten Flügel des Adlers waren noch die gleichen, in den Krallen hingegen hielt er jetzt einen kleinen schmierigen Fleck.
Die ältere Schwester, die zwei Wochen zuvor noch ihren elften Geburtstag gefeiert hatte, kam bei dieser Tragödie mit dem Schrecken davon. Was aber bedeutet für diese Generation, mit dem Schrecken davongekommen zu sein?
Die Beerdigung wurde auf Samstag, den 28. März festgelegt. Zur Beerdigung waren sechs Trauernde erlaubt. Bewacht wurde die Zeremonie von amerikanischen Soldaten mit der Maschinenpistole im Anschlag. Blumenschmuck war verboten.

Albert Kesselring wurde am 6. Mai 1947 von einem britischen Militärgericht wegen Kenntnis und Duldung von Geisel-Erschießungen sowie seiner Befehle zur „Bandenbekämpfung“ nach 57 Verhandlungstagen zum Tod durch Erschießen verurteil. Im Juli 1947 wurde er zu lebenslanger Haft begnadigt. 1948 wurde die Haftstrafe auf 21 Jahre verkürzt und am 23. Oktober 1952 wurde er begnadigt und wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung vorzeitig entlassen.

Hans-Gustav Felber war ab 8. Mai in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft; aus dieser wurde er am 8. Mai 1948 entlassen.

Die Täter vom Kornsand gegenüber Nierstein werden erst dreieinhalb beziehungsweise fünf Jahre nach ihren Verbrechen gefasst und vor Gericht gestellt. Alfred Schniering wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus und Aberkennenung der bürgerlchen Ehrenrechte verurteilt. Der mehrfache Mörder Hans Kaiser bekam zehn Jahre. Georg Ludwig Bittel wurde trotz erheblicher Zweifel mangels Beweisen freigesprochen. Leutnant Heinrich Funk kam wegen unterlassener Hilfeleistung mit elf Monaten davon. Der sagte noch in den 1980er Jahren jedem, der es hören wollte, dass er sich nichts vorzuwerfen habe und jederzeit wieder so handeln würde.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Zeit, einen klaren Kopf und ein fühlendes Herz.

 

Corona – Die aktuelle Lage // Reduktion ist angesagt

Musik in diesen lausigen Zeiten? Aber selbstverständlich! Dead Can Dance – Anastasis (2012)…

Sind Sie auch schon Corona oder funktionierts noch einigermassen im Oberstübchen?

Wir dachten uns einige vergnügliche Tage bei einer Kurzreise bevor im Garten die Aussaattage beginnen.
Erst vor kurzem antwortete ich einem Kommentator in meinem Blog „Ich empfehle ständig und jedem Gesprächspartner Deutschlandreisen. Kurz und knackig; drei oder vier Tage mit offenem Herzen und intensiv. Man glaubt nicht, welche Wunder man in diesem Land erleben kann. Freundliche Menschen und erstaunliche Sehenswürdigkeiten in Hülle und Fülle.“

Dann kam der neueste chinesische Exportschlager. Und der wurde tatsächlich gleich zum Hit. Vor zwei Wochen ging es los und schon sprechen Menschen in den Medien davon, dass nach Corona nichts mehr so sein wird, wie davor.

Ich bin ja ein notorischer Frager. Mir gefällt die Frage altrömischer Rhetoriker: cui bono? Wem zunutze – oder deutlicher: wem nutzt das?

Und so frage ich mich natürlich nicht nur, was weiss ich wirklich und plappere es nicht nur nach. Und wem nutzt das alles, was jetzt so vorgeht?
Zuerst stelle ich für mich fest, dass es seit einigen Tagen draussen stiller wird. In der ewig zugeparkten Strasse findet wieder leichter einen Parkplatz. Und weniger Flieger krawallen durch die Einflugschneise.

Die Ruhe passt zur Saison. Ist ja schliesslich Fastenzeit. Und die geht noch bis Ostern. Ob es ein Zufall ist, dass nun vorerst bis Ostern erhebliche Veränderungen unseren Alltag bestimmen werden?

Viele Arbeitnehmer in der Rhein-Main Metropolregion arbeiten im Homeoffice. Eltern müssen ihren Kindern ein Mittagessen zubereiten. In der (sogenannten Goldenen) Stadt Mainz sind die meisten Geschäfte geschlossen. „Auf Anordnung der Landesregierung“ war auf zahlreichen Schildern zu lesen. Auffällig war mir, dass Friseure und Lokale, in denen man mit den Händen isst, dennoch offen waren.

Frau Merkel sprach gestern zur Nation. Vorräte anlegen aber nicht hamstern. Direkte Kommunikation vermeiden. Kinder könnten mit ihren Grosseltern via Internet kommunizieren und Grüsse schicken.

Und genau jetzt ziehen die Gewinner ihre Register. Seit einigen Jahren stiegen die Kurse von DAX, Dow Jones und Nasdaq nahezu unaufhörlich. Seit einem wird man beinahe täglich mit neuen Höchstständen bombardiert. Irgendwann muss es krachen. Die jetzt gemeldeten Kurseinbrüche bieten hervorragende Gewinnchancen. Kaufen, wenn die Kanonen krachen ist eine alte Börsenweisheit.

Quarantäne, dachte ich letzte Woche noch, kann man auch Hausarrest nennen. Das kenne ich aus meiner wilden Jugend. Diese Woche wird bereits von Politikern in Deutschland und besonders in Frankreich über „Ausgehverbote laut nachgedacht.“

Die Eliten der westlichen Welt haben ihr grossartiges Planspiel begonnen. Und die Ergebnisse werden genauestens interpretiert werden. Keine weiteren Zusammenrottungen der „fridays for future – Bewegung“, keine weiteren Solidaritätskundgebungen wenn wieder ein Irrer mordend durch eine Stadt zieht.
Und Frau Merkel mahnt an, die direkten Kontakte auf ein unverzichtbares Minimum zu beschränken. Die Profiteure, so die F.A.Z. in ihrer heutigen Ausgabe werden werden die amerikanischen Internetkonzerne sein.
Und der CDU Parteitag zur Wahl der Nachfolge der unnachahmlichen Frau Krampf-Karrenbauer ist bereits verschoben.

Spassig sind allenfalls die Verwirrungen mancher Zeitgenossen. Im hiesigen Markt fragte die Verkäuferin ihre Bekannte: „Ei Elli, was machst Du denn mit den ganzen Raviolidosen?“
„Die lege ich mir als Vorrat an.“
„Dir schmecken doch diese Sachen aus der Dose garnicht.“
„Aber was soll ich denn machen?“

Gestern Abend lief eine erfrischend kühle Sendung zum Thema Corona. Zu sehen ist dieses Gespräch hier:
https://www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=TYIpPvhrZ2A&feature=emb_logo

Wer sich die langatmige Vorrede ersparen will, guggt ab Minute 8:40.

Bis zu dem kommenden weltweiten Milliardenspektakel, den olympischen Sommerspielen in Japan wird kein Mensch mehr von dem chinesischen Exportvirus reden…

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen klaren Kopf. Und fragen Sie öfter nach : cui bono.

 

 

 

 

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Ohnehin geht die Sonne auf

Sehr beeindruckend war Iggy Pop – Free (2019) und die letzten gesungenen bzw. gesprochenen Worte von Leonard Cohen – Thanks for the Dance (2019)…

Es klingt fast wie ein Märchen. An drei Silvestern neu geboren. Als Jugendlicher wegen Übermüdung im Schnee eingeschlafen. Zum Glück rechtzeitig aufgefunden worden. Als Erwachsener zweimal ohne erkenntliche Gründe am Silvesterabend zusammengebrochen. Beim zweitenmal mit Herz- und Atemstillstand. Da sass glücklicherweise eine Ärztin neben mir.

Schaumweinen ziehe ich andere Getränke vor. Für Knall- und Krawallkörper verschwende ich kein Geld. Diner for one habe ich als junger Mann mehrmals gesehen. Das reicht für ein langes Menschenleben. Und gute Vorsätze für neue Jahr pflegen sich nach wenigen Tagen in Luft aufzulösen. Insofern…

Ich gehe gelassen auf Silvester zu. Die Beantwortung der letzten Weihnachtspost erledigen. Die Gelegenheit nutzen, um das „schönste Kaufhaus Deutschlands“ betreten zu dürfen. Längere Spaziergänge über Felder und durch Weinberge. In einem malerischen kleinen Städtchen die Führung durch ein Pfefferkuchenmuseum geniessen. Auf dem unauffälligen Friedhof stehen. Nachdenklich vor einem einzelnen Grab. Ein schlichtes Holzkreuz, darauf ein Helm der untergegangenen Wehrmacht. Auf dem Holzschild in der Kreuzesmitte die Aufschrift: Hier ruht ein 17 jähr. Kriegsmüder, in den letzten Tagen des Krieges erschossener Soldat.

Zweitausendneunzehn war in der Rückbesinnung mein glücklichstes Lebensjahr. Kein Tag verging ohne ein herzliches Lachen. Gesundheit ist, was ich dafür halte. Dankbarkeit trägt. Am frühen Abend ein kleines Essen. Wohltemperierte Musik dazu und intime Gespräche. Später ein Film aus dem Archiv. Um viertel vor zwölf Uhr den Weg bettwärts nehmen. Kein unerwünschter Lärm stört den frühen Schlaf.

Der Neujahrsmorgen begrüsst mit strahlend blauem Himmel. Ein lange Wanderung im Rheinhessischen auf den Spuren von Trulli. Wingerthäuschen, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind. Fotografieren in der klaren Luft. Eisiger Wind spielt um die Finger. Der Zugang zur Fleckenmauer ist verschlossen. Auf dem bemerkenswerten alten jüdischen Friedhof sind an manchen Gräbern die schwarzen geschliffenen Namensplatten durch stumpfe Gewalteinwirkung zersplittert.

Über die unterschiedlichen Nachrichten der dem Herz nahestehenden Menschen nachsinnen. Endlich wieder von Wilhelm gelesen. Elsa hüllt sich weiterhin in Schweigen. Freude einerseits schafft die nötige Gelassenheit andererseits.
Ich freue mich auf dieses erste Jahr des neuen Jahrzehnts. Es kann ein erfreuliches Jahr werden. Dennoch werde ich auf der Hut sein. Was würde ich mitnehmen auf der Flucht ostwärts vor der us-amerikanischen Aggression. Wenn schon an vielen Orten auf der Erde, warum dann nicht auch mal in Europa den Sheriff raushängen lassen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen winterlich beschaulichen Januar.

(Trulli zwischen Dalsheim und Kriegsfeld)

Völlegefühl und Leere – gesunde Reduktion hilft dagegen

Musik? Ach was, es geht mir um dringlichere Anliegen. Obwohl, Musik spielt auch eine Rolle. Darüber dann später…

Zehnmal habe ich diesen Bericht angefangen. Schriftlich. In Gedanken schätzungsweise hundertmal.

Einzig zuverlässig scheinen mir noch meine Herzensbindungen. Der Rest ist vielfach Asche. Oder er zerfällt nach und nach dahin. Nachrichten machen mich regelrecht krank. Ich will über positive Entwicklungen lesen. Stattdessen titeln Zeitungen und Webseiten zunehmend mit dem Wetterbericht. Das vorhergesagte Wetter entwickelt sich jedoch zuverlässig nach anderen Kriterien.
Bewege ich mich im öffentlichen Raum befällt mich ein misslicher Zustand. Ich schwanke zwischen Entgeisterung und Hoffnungslosigkeit. In der Nachbarstadt stehen die Oberbürgermeisterwahlen an. Einer der Kandidaten wirbt für sich auf den Wahlplakaten, er sei „leidenschaftlich sachlich“. Ach so. Soweit ist es schon, dass Sachlichkeit ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.
In den Radionachrichten spielt in jedem dritten Beitrag die Sicherheit eine Rolle. Dabei hat der Staat sein Gewaltmonopol längst weitgehend aufgegeben. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“. So so. Man bemerkt zur Zeit parteiübergreifend, dass vom rechten Rand eine Gefahr ausgeht. Wieso erst jetzt?
Am Rhein wollte die Wasserschutzpolizei die gültigen Angelerlaubnisse kontrollieren. An einem Angelplatz wurde seitens der der waidgerechten Petrijünger sofort das Feuer auf die Polizisten eröffnet. Mit Schusswaffen versteht sich.
Zunehmender Nationalismus bedeutet immer auch zunehmende Kriegsbereitschaft. Bei manchen vielleicht auch Kriegslust. Die einen suchen das Abenteuer und die heldenhafte Bewährung, die anderen schlicht Macht und den möglichen Profit.

„Die Schonung, die man sich gewährt, gewährt man in Wahrheit den gesellschaftlichen Verhältnissen.“ (Bernward Vesper).

Also wie Candide den eigenen Garten bestellen?
Die eigenen Ernten lagen fast ausnahmlos über den Erwartungen. Verschiedene Gemüse sind eingelagert. Marmeladen, Gelees und Kompotte stehen in schönen Reihen im Kellerregal. Die eingelegten Kirschen werden hoffentlich bis ins neue Jahr halten. Der Staudengarten wurde erweitert. Neue Pflanzen entwickeln sich prächtig. Die Ergebnisse der Aussaaten werden mit Freude erwartet. Erkannte Fehler werden im kommenden Jahr nicht wiederholt. Dahingehend alles in Butter.

Nun beginnt eine ruhigere Zeit. Kleinere Reisen und Besuche stehen an. Gemeinsam Essen und Trinken. Und Gespräche. Meine Beobachtungen im Blogleben leisten dem kräftigen Vorschub. Wenn ich die Blogs der Neuverfolger meines Blogs ansehe, frage ich mich… und denke an Wilhelm Busch:
„Oft ist das Denken schwer, indes
das Schreiben geht auch ohne es.“
Anderseits nimmt die Gruppe der Missionare und Weltbeglücker bedenklich zu. Die mir einreden wollen, wie ich sofort glücklich leben könne. Die mir einschreiben wollen, was mir unbedingt fehlt. Welcher Autor gut ist und welcher nicht. Welche Stadt ich unbedingt besuchen muss. Und welche Musik ich erst garnicht anzuhören brauche. Scheinbar allwissende Scheuklappenhirnis. Das lockere Band, das diese Menschen verknüpft, ist ihre offebsichtliche Unfähigkeit von sich selbst zu schreiben. Von ihren Befindlichkeiten. Dem Warum und Wohin. Ihren Ängsten oder wenigstens ihren Träumen.

Ich verbringe in der virtuellen Welt immer weniger Zeit. Manchmal habe ich den Eindruck, eine Stunde Verzicht darauf bedeutet zwei Stunden Gewinn an Lebenszeit.
Weil es noch viel zu viele Dinge hier im Haus gibt, habe ich wieder angefangen zu inserieren. Ich weiss, im Internet. Aber dabei besteht die Möglichkeit, Menschen zu begegnen, wenn sie ihre neu gekauften Schätze hier abholen. Lieber weniger Geld durch Abholung statt Versand ein bisschen mehr Reibach. Dafür aber menschliche Begegnungen. Manche sind einfach unbezahlbar. Wie die Menschen aussehen, wie sie sprechen. Was sie vorhaben mit ihrem neuen Fund.
Im Prinzip hat sich in diesem Bereich in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel verändert. Ich habe früher viel gesammelt und auch verkauft. Alles lief über Zeitungsinserate. Ich erinnere mich noch heute an Wohnungen und Häuser, die betreten durfte. Menschen und ihre persönlichen Geschichten habe ich erfahren, die ich nicht missen möchte auf meinem Lebensweg. Und wenn sie auch nur eine halbe Stunde dauerten. Sie haben sich eingebrannt. In jeder Schattierung.

Eine sonderbare Begegnung fand vor fast vierzig Jahren bei einem Verkäufer statt, der eine Legosammlung verkaufen wollte. Der Preis war klar, ich sah mir alles an und stellte fest, dass etliches fehlte. Sprach den Mann darauf an. Der fuhr sich an die Stirn. Wir gingen in sein Wohnzimmer. Dort stand ein beeindruckendes Aquarium. Die fehlenden Teile waren fein in die Unterwasserlandschaft integriert. Bunte Fischlein schwammen durch Legoskulpturen. Wir haben uns angesehen beide herzhaft gelacht.
Natürlich kann Merkwürdiges auch im Internet geschehen. Ich inserierte kürzlich ein Geländefahrrad der ersten Generation. Natürlich kamen Anfragen zur Sache. Und auch ein Angebot. Da schrieb eine Anke wörtlich:
Grüezi! Eine super reizende exotische Schönheit, eine erfahrene Dame mit Klasse, die mit Ihrer sympathischen Art zu überzeugen weiß, verwöhnt Dich mit Ihrem Traumbody mit den perfekten Maßen.! Diese vollbusige Nymphomanin weckt die Abenteuerlust in Dir! Interessiert? Komm zu mir . . .“
Das Rad kaufte ein Vater im Auftrag seines weit entfernt wohnenden Sohnes. Der Sohn war glücklich, endlich gerade dieses Modell gefunden zu haben. Und der Vater war Fotograf. Da gabs sofort einiges zu besprechen. Und als wir herausfanden, dass wir beide in vergangenen Zeiten die gleichen Motorräder und überdies die gleichen Modelle gefahren sind, wurde daraus ein schönes Erlebnis.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine erfreuliche Herbstzeit

Nun zur Musik: Gestern abend fand die Liveübertragung eines Konzertes zur Vorstellung des neuesten Werkes von Iggy Pop statt. Aufgenommen in der Gaîté Lyrique in Paris. Eigentlich wollten wir nur mal kurz reinschauen. Nicht in Paris. Der Sender arte übertrug das Konzert. Kurz mal Iggy Pop sehen und hören. Wegschalten kam dann nicht mehr in Frage. Texte aus dem poetischen Werk von Lou Reed und Dylan Thomas. Gesungen von Herrn Pop. Umrahmt von einer unerwarteten Musik. Wir waren begeistert. Und wären gerne in Paris dabeigewesen.

Bei aller Reduktion – Fundstücke sammeln sich weiterhin an

Musikalische Fundstücke aus dem Archiv sind derzeit alte Labelsampler. In den lange vergangenen Schülerzeiten kamen diese Zusammenstellungen der notorischen Dürre  im Sparschwein gerade recht. Einen meiner ersten Sampler im 69er Jahr präsentierte vor einigen Tagen der famose Herr Riffmaster. Hier und jetzt laufen von Polydor: Supergroups Vol. 1 (1969), Pop-Sound ’70 (1970), Pot-End (1970)…

Etliche Rückfälle in meine eigene Vergangenheit. Auslöser dafür waren Lesereisen in die Biographien anderer Menschen. Ich verfolge mit allerwenigsten Ausnahmen nur noch Blogs, in denen Menschen von sich schreiben. Umso direkter desto lieber verweile ich. Wenn ich mich schon im virtuellen, also menschenleeren Raum aufhalte, dann möchte ich Menschen wenigstens auf ihren Lebenswegen begegnen. Alles andere erscheint mir inzwischen fast schon wie Zeitraub. Natürlich ohne Bezahlung versteht sich. Wie schrieb mir eine befreundete Bloggerin: Und im Internet, was ist da schon noch los? Recht hat sie.
Man findet durch eine vertrauenswürdige Empfehlung oder auch mit etwas Glück schon noch den einen oder anderen Blog, der die Aufmerksamkeit lohnt.

Fundstücke aller Orten.

Ich notiere seit einiger Zeit viele Details aus meiner Vergangenheit. Den Turbo angetreten hat der dreiteilige Roman von Erwin Strittmatter : Der Laden. Publiziert in der DDR in den 1980er Jahren. Eine schier unermessliche Menge an Mikrodetails erinnert der Mann und schreibt sie auf. Für mich werden beim Lesen zahlreiche eigene Erinnerungen wachgerufen. Und das Bedürfnis, die eigene Vergangenheit aufzuschreiben. Dafür könnte dieser Blog ein geeignetes Medium sein. Andererseits leben noch etliche Menschen, die ihre Begegnungen mit mir, bzw. das, was die bei mir auslösten, nicht gerne lesen möchten. Da bin ich ganz sicher um Unsicheren. Also weiterhin Details sammeln und aufschreiben. Und abwarten. Die Zeit läuft zu meinen Gunsten.
Der Laden wurde dreiteilig verfilmt. Atmosphärisch dicht. Prominente Besetzung. Dass von den vielen Details wenig übriggeblieben ist, muss in Kauf genomen werden. Und trotzdem ist die Verfilmung eine Empfehlung wert.

Vor einiger Zeit habe ich einen Blogger gefunden, dessen Blogroll eine Kopie meiner eigenen, längst nicht mehr aktuellen Blogroll war.
In einer regionalen Zeitung eines meiner Fotos gefunden. Der Urheberhinweis in Klammern lautete: Privat. Aha.
Zwei Wochen später unter einem Beitrag zum gleichen Thema in der gleichen Zeitung das gleiche Foto. Der Urheberhinweis in Klammern unter dem Foto verwies auf meinen Namen. Die erste Veröffentlichung fällt unter §2, Abs.5 des UrhG. Das Urheberrechtsgesetz. Teuer ist das Vergehen nicht. Unangenehm ist dafür die Kostennote des Anwalts. Ich habe jedoch eine Idee für einen Kompromiss, bei dem beide Seiten etwas gewinnen können.

Manche neueren Fundstücke sind ebenfalls nicht eingehender beschreibbar. Lehrstuhl für Medien und Informatik. Durch die Fotografie stehen mir die Medienleute naturgemäss näher. Im Kontext zur Informatik bilden sie jedoch rasch eine Art Gegenwelt. Die Rückseite des Mondes bewohnen offenbar die Informatiker. Programmierer lassen sie sich nur ungern nennen. Lieber ist ihnen die Zuschreibung Developer. Ach ja.
Der Lehr- und Forschungskörper beisst Nägel oder zappelt. Auf jeden Fall sprechen diese Menschen durchweg zu schnell. Und die Witzigkeiten. Ob es Ausdruck persönlicher Lebenstragik oder der verzweifelte Versuch ist, mit einem menschlichen Gegenüber in Kontakt zu treten – ich bin mir noch unsicher. Nicht jedes Körperteil verhält sich so, versteht sich.
Viel geht es ums Spielen. Das scheint dem Medium Computer innezuwohnen.
Schauen Sie sich mal den Algorithmus an und spielen Sie ein wenig damit.
Als Übungsaufgabe zu unserer letzten Vorlesung eignet sich ein Spielchen. Sie kennen Sudoku? Dann können Sie Ihre neuen Kenntnisse  dabei gleich anwenden.
Und dennoch lassen sich kleine Funde machen. Fachbegriffe beispielsweise. Streuspeicherung. Hätte ich diesen Begriff doch mit fünfzehn gekannt, als meine Eltern die Ordnung in meinem Zimmer anmahnten.
Das machen wir gerade in Mathe. Nennt sich Streuspeicherung. Das muss so sein…

Im persischen Golf sind zivile Schiffe beschädigt worden. Die Amerikaner wissen natürlich, wer das verursacht hat. Fotografische Beweise legen sie vor. Und schicken gleich ein Kriegsschiff in den Golf. Beweise wie damals. Wer erinnert sich noch an die „Beweise“ für Saddams Giftgasfabriken. Amerikaner lieben den Krieg. Sie suchen ihn und sie werden finden. Und bis dahin schreiben sie anderen Ländern vor, mit wem die Handel treiben dürfen. Traurige Funde sind das, bei denen man erst verstecken muss, was man hinterher finden will.

Lebensfreude. Sie entsteht, wenn Menschen zusammen aktiv sind. Wenn man arbeitet oder gemeinsam musiziert. Dieses Zusammenleben, auch wenn es nur für kurze Zeit existiert, schafft mehr Freude und Frieden, als man denken mag. Das mag mit der Spontanität zusammenhängen, die dann zwischen Menschen entsteht.
Ziemlich steif war die Veranstaltung zur Landung in der Bretagne. Kein Wunder. Wenn die zu ehrenden Veteranen 1945 achtzehn Jahre alt waren, sind sie heute dreiundneunzig.
Ich gedenke an diesem Tag den russischen Armeen. Die der braunen Hydra die Köpfe abgeschlagen und das Regime damit zu Fall gebracht hat.
Aber mir ist allemal die Lebensfreude und die Verständigung mit anderen Menschen näher. Deshalb hier einen
Fund von heute.

Die unten abgebildete Flasche Dujardin Triple Sec ist leer. Auch sie eine Trouvaille, das seit fast einem halben Jahrhundert in der hintersten Ecke eines Schrankes darauf wartete, gefunden zu werden. Letzthin war es soweit. Der Inhalt hat sich mit einem feinen Aroma und entsprechendem Wohlgeschmack bedankt.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Woche und natürlich ein feines Fundstück. Und Singen und tanzen Sie, solange es Ihnen noch vergönnt ist.

 

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