Linsendurcheinander

Verstorben. Was diese Männer konnten, haben sie bereits in ihrem frühen Schaffen bewiesen. Meine Verbeugung vor ihrem Werk gilt dem Produzenten der Beatles, Sir George Martin: The Beatles – Sgt. Pepper´s lonely Hearts Club Band (1967) und dem grossen Organisten Keith Emerson: Emerson, Lake & Palmer – Trilogy (1972)…

Der Schwarze Berg wird mir bestimmt noch einige Jahre tagtäglich in Erinnerung bleiben.
Ein persönliches Beispiel: Ich gehe freitags morgens (5.3.) mit meinem neuen Brillengestell zum Optiker. Ich bestelle weisse Gläser, Gleitsicht, reflexfrei. Ob auch von hinten reflexfrei ist mir egal, das hängt vom Preis ab. Vierhundert Euro das Paar. Wie aus der Pistole geschossen (wie kann man das auswendig im Kopf haben, denke ich mir).
Ich wiederhole meinen Bestellwunsch. Ja ja, alles klar, vierhundert Euro. Warum so teuer, frage ich (zugegeben, in der BRD kosteten sie mehr als das Doppelte) Weil es die besten sind. Eine schlichte Antwort. Bis wann brauchen sie die Brille? (Da ich sonntags zurückfliege) sage ich sicherheitshalber: bis freitags (11.3.) um 10:00 Uhr vormittags, dann muss ich zum Flughafen. Mir stösst schon übel auf, dass ich überhaupt lügen muss. Montags empfange ich einen Anruf, dass unklar ist, ob die Gläser überhaupt in meine neue Brille passen würden, das Gestell wäre zu gross. Wieso, frage ich, mein derzeitiger Rahmen ist doch fast genauso gross. Keine Antwort darauf, aber die Frage: bis wann brauchen Sie Ihre Brille?
Mittwochs ein Anruf, dass die Brille sicherlich fertigen werden würde bis freitags. Freitagsmorgens um 8:30 der Anruf, dass die Brille fertig sei. Ich nehme sie in Empfang. Keine Anprobe, kein Etui, kein Putzläppchen. Eine schlichte Plastikhülle. Ich bin nicht anspruchsvoll und habe lange genug in Südamerika gelebt, ich bin von dort ganz andere Verkaufssituationen gewohnt. Auf dem Weg nach Hause schaue ich schräg auf den Plastikbeutel und meine neue Brille und habe den Eindruck, die Gläser schimmerten irgendwie farbig, fast wie der Polfilter einer Kamera.
Egal, die Sichtachsen sind jedenfalls ideal gemessen, keine Schwindelgefühle und das ist sehr wichtig.

Ich setze die neue Brille auf und mich in einen Sessel auf dem Balkon (stundenweise schaffts die Sonne durch den tagelangen Dauerregen). Ich schaue zum Himmel und in die Wolken. Schaue nochmals. Und wundere mich. Ich nehme die Brille ab und muss feststellen, dass man mir selbsttönende Brillengläser verkauft. Die Gläser sind fast schwarz. Zu spät zum Reklamieren, denn mein Flieger ist ja vor einer Stunde bereits „abgeflogen.“ Zum fotografieren in schwarz-weiss ist die Neue denkbar ungeeignet, ich werde also die Alte dabeihaben müssen für schwierige Lichtsituationen.

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, einer Marke treu zu bleiben. Das gilt auch für meine neue Kamera. Ein wesentliches Argument für mich sind dabei die Linsen Im Gegensatz zu anderen Herstellern, lassen sich alle seit 1972 produzierten Objektive mit einem einzigen Adapter auch an meiner Neuen beliebig weiter verwenden. Für mich ein Grund zur Freude, nicht nur wegen der ersparten Kosten.

Anteil, den Menschen im persönlichen Gespräch über sich selbst reden – 35%.
Anteil, den Menschen online über sich selbst reden – 80%.                                    (aus: brand eins, 1/2016)
Grund genug, etwas zu ändern.

                               Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein sonniges Vorfrühlingswochenende.

Tiefflüge im Überflug

Ohne bereits Kenntnis von den Texten zu haben, sind mir allein die Titel der neuen Scheibe schon nah:
Daughter – Not to disappear (2016)…

Der Schwarze Berg ist mir seltsam fremd geworden. Es mag mit den Stimmungen der Freunde dort zusammenhängen. Oder mit den Stimmen von Rückkehrern aus der Europäischen Union. Die nennen in der dortigen Presse Zahlen. Über Löhne und staatliche Unterstützungen. In Deutschland beispielsweise.
Auf dem Flughafen wurde die Reihenfolge geändert. Jetzt werden zuerst die Pässe und dann die Sicherheit kontrolliert. Wie auf den meisten anderen Flughäfen, die ich kenne. Was hat das zu bedeuten?

Ich sitze am Ausgang und warte auf den Abflug. Neben mir sitzt ein Mann, dem fehlt der rechte Brillenbügel. Als Witschaftsmigrant nutze ich die materiellen Vorteile und habe meine neue Brille auf dem Schwarzen Berg gekauft. Den Preisunterschied nehme ich gerne mitbeim Kauf. Bei der Abwicklung der Dienstleistung hingegen, nur zwei Flugstunden von Mitteleuropa entfernt, fühle ich mich wie in einer fernen Galaxis.

Über den Alpen denke ich an liebe Menschen. Unter mir entweicht gemächlich das grüne Schwabenland. Welche Ergebnisse werden die Wahlen in drei Bundesländern bringen? Die Gebetsmühlen der beiden grossen Vereine  „Sozialstaat Plattmachen – Dauerhaft!“ und „Chaos Durch Umverteilung“ klappern zunehmend schlapper. Der einstmals grüne Verein changiert immer mehr ins Grauschwarze. Das Ablaufdatum der Angebote ist ohnehin überschritten.
Die Kreuzchenmaler warten auf neue, frische Angebote und Hoffnungsprodukte. So sind sie es gewohnt als Konsumenten. Viele Verbraucher sind mittlerweile darauf abgerichtet, dass die Verpackungen wichtiger sind als die Inhalte. Hoffnungsversprechen statt Bedürfnisbefriedigung. Das ist bekannt.
Und genau das ist die Marktlücke für einen neuen Verein. Er bietet „Agitation Frustration Demagogie.“ Wie viele Kreuzer werden in seinen Wahlkassen klappern?

Bei der Landung scheint zum Empfang die Sonne. Gut wieder da zu sein. Koffer auspacken. Post sichten.  Auf dem Schirm laufende Berichte von den sonntäglichen Wahlmessen.
Integrationsbestrebungen, zumindest was den Konsum betrifft, sind bei den montäglichen Angeboten auf der Internetseite einer Einzelhandelskette zu sehen. Zum erstenmal ein Schwarzer als Werbeträger. Dort werden zukünftig sicherlich Alldie verschiedenen Hautfarben zu den kaufanreizenden Konsumprodukten präsentiert werden. The sales must go on.

Die ersten Ergebnisse. Die üblichen Kommentare, die wir seit Jahren kennen. Meinungsvielfalt? Für mich hört das nach Meinungseinfalt an. Wer den Ton abschaltet und sich lediglich die bunten Balken der Grafiken ansieht, wird bald zumindest eine Erkenntnis gewinnen. Die prozentualen Gewinne von „Agitation Frustration Demagogie“ gleichen auffällig den gemeinsamen Verlusten von  „Sozialstaat Plattmachen – Dauerhaft!“ und „Chaos Durch Umverteilung.“ Der generelle Trend ist offensichtlich. Regionale Besonderheiten bleiben lediglich regional wichtig.
Ton an. Stellungnahmen von den regionalen Anbietern politischer Vereine. Die Konsumenten von „Agitation Frustration Demagogie“, also auch ehemalige Konsumenten der eigenen Versprechungen, werden erneut pauschal als rechtsextrem, dümmlich und kurzsichtig denunziert.
Die wirklich Kurzsichtigen fahren meines Erachtens auf falschen Dampfern gefährlichen Wasserfällen entgegen.

Mit der Zeit

Zeit, sich wieder einmal durch das Werk dieser Kapelle zu hören: The Smiths – Complete (2011)…

Ich erinnere mich an Zeiten, da war ich innerhalb einer knappen Stunde bereit zu längeren Reisen. Dass man heute zehn Ladegeräte im Gepäck haben muss, ist eine schwache Ausflucht dafür, dass ich mittlerweile schier endlos brauche, um das Ärmelhaus mit einem gepackten Koffer zu verlassen. Seit einem Tag schon steht der Koffer geöffnet und wartet. Einiges ist darin abgelegt. Jetzt muss ich mich sputen, in einigen Stunden soll der Flieger die Sonne grüssen.

Im strömenden Regen zum Flughafen Bembelstadt. Ich bin eine Stunde zu früh. Auch das ist neu. Die Schalter zur Registrierung sind noch geschlossen. Das Wetter auf dem Schwarzen Berg hat sich nach der neuesten Prognose verschlechtert. Also wie hier. Und ich wollte mich auf meiner neuen Kamera einfotografieren.
In Frankfurt sind Verspätungen beim Abflug relativ selten, da die Luftfahrtgesellschaften hohe Gebühren dafür zahlen müssen, wenn sie die eng aufeinander abgestimmten Flugpläne durcheinanderbringen.
Alles läuft reibungslos. Auf der Busfahrt zum Flieger treffe ich einen Passagier, den ich kenne. Kurzer Schwatz, woher wohin. Der Flieger steht. Zehn Minuten über der Zeit. Zwanzig Minuten. Das ist sehr ungewöhnlich. Erste Passagiere fragen nach den Gründen. Nach dreissig Minuten fahren Polizeiautos vor. Sie bringen Leute, die abgeschoben worden sind und nun zurückgeflogen werden.

Über den Alpen liegt eine dichte Wolkendecke. Nichts zu sehen. Auf den Sitzen vor mir sind zwei junge Frauen ins Gespräch gekommen. Sie unterhalten sich sehr angeregt über einen Mann, den ich vor einigen Jahren hier kennengelernt habe. Die Welt scheint manchmal nicht grösser als die Passagierkabine eines Flugzeuges.

Über dem adriatischen Meer und entlang der kroatischen Küste scheint die Sonne. Und so auch bei der Landung. Vor dem Flughafengebäude stehen die in vielen Ländern üblichen Taxifahrer. Mir ist diese „Mr.! – Taxi?!“ Anmache von jeher unangenehm. Ich fühle mich bedrängt. Da sehe ich – – ach, ich habe seinen Namen schon wieder vergessen. Ich kann mir die slawischen Vornamen nicht merken. Er hat jemanden abgeholt. Ich gehe ihm nach. Pfeife zwei Mal. Aber meine Pfiffe…
Hinter mir „Mr.! – Taxi?!“ Ðenan ist inzwischen auf dem Parkplatz verschwunden. Wiedersehen und freie Fahrt verpasst. Da steht einer der inoffiziellen Taxifahrer links von mir. Die bedienen ihre Fahrgäste für den halben Preis. Ich spreche ihn an.

In der Stadt hat sich fast nichts verändert. Lediglich einige Ladenlokale haben neue Besitzer und bieten andere Konsumprodukte an. Die Frauen huldigen noch immer dem russischen Schönheitsideal. Ich wüsste nur zu gerne, warum nur dies hier auf dem Schwarzen Berg so vorkommt. In den übrigen südosteuropäischen Ländern ist das ganz anders.

Abends treffe ich Freunde. Im Hard Rock Café. Normalerweise betrete ich diese Läden nicht. Das allererste und originale Hard Rock Café gab es in Frankfurt. Durch Geschäfte der besonderen Art wurde daraus eine Kette. Und der Erfinder wurde seine Idee los. Vor einigen Jahren lebte er noch auf Mallorca in bescheidenen Verhältnissen.
Vielleicht ist das dein Lokalpatriotismus, dass du diese Cafés nicht magst. Wir sitzen unter einer x-beliebigen Jeansjacke hinter Glas. Nichts besonderes ist daran zu sehen. Darunter ein Schild. „Sheryl Crow. This denim jacket was signed by singer/songwriter Sheryl Crow.“ Deshalb mag ich diese Läden nicht.
Die lokale Liveband spielt bluesrockige Standards. Wenigstens das. Draussen hat es aufgehört zu regnen.

                                                              (Fotos OoC. Anklicken öffnet die Galerie)

Papageien und Rückgrat

Inzwischen ist die Band, ausser bei einigen Kennern vielleicht, in Vergessenheit geraten. Hörenswert ist ihre Musik trotz alledem nach wie vor:
Jade Warrior – Released (1972)…

Ich hatte es bereits für dieses Jahr angekündigt. Ich werde neben den gewohnten Themen mehr über geopolitische Vorgänge schreiben. Das erscheint mir zunehmend wichtiger. Wir müssen dringend lernen, zur rechten Zeit die richtigen Fragen zu stellen.
Ich informiere mich dabei in den unterschiedlichsten Medien. Ich glaube zuerst einmal nichts, was ich nicht bei meiner eigenen nachträglichen Recherche verifizieren kann. Mein Ziel ist es dabei, mir eine eigene Meinung zu bilden und daraus folglich die entscheidenden Fragen stellen und entsprechen handeln zu können.
Interessant sind mir dabei Menschen, die in ihren jeweiligen beruflichen Zusammenhängen auf der Karriereleiter ziemlich aufgestiegen sind. Wenn bei diesen Menschen dann aufgrund ihrer Kenntnisse und Einblicke irgendwann die Moralglocke schrill schlägt und diese Menschen dann ihr Wissen und ihre Erkenntnisse der Allgemeinheit zur Aufklärung zugänglich machen, bin ich diesen Menschen dankbar.
Die Veröffentlichung ihres Wissens bringt diesen Menschen in aller Regel mindestens schwere finanzielle Nachteile. Zudem wird kaum ein Medium ihnen Aufmerksamkeit schenken, denn es würde gegen die gewollte Meinungsmache, gegen den Mainstream arbeiten, der uns alle zunehmend verdummen und vermassen will. Dass manche dieser Menschen dabei sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, davor ziehe ich meinen Hut.

Jochen Scholz war Oberstleutnant bei der deutschen Luftwaffe. Im Lauf seiner Karriere stellten sich ihm Fragen besonders hinsichtlich der Beteiligung der Bundeswehr an Auslandseinsätzen. Was er unter anderem zu dem denk=würdigen Satz sagt, dass unsere deutsche Freiheit am Hindukush verteidigt werden würde, kann man in dem folgenden Interview hören. Und vieles hoch aufschlussreiches mehr.
Einem Mann wie Scholz wird man aufgrund seines Berufs und seiner Tätigkeiten bei der Nato keine Feindschaft gegenüber USAmerika unterstellen, und das betont er auch. Aber er stellt aus militärischer klar, welcher Spielball unser Land für die usamerikanischen Weltherrschaftsträumer ist. Wer Kinder oder gar schon Enkel hat, sollte sich dieses Interview ansehen. Mir waren einige Fakten schon alleine durch meine Auslandsaufenthalte in Nordafrika und Südosteuropa bekannt. Hernn Scholz verdanke, dass er mir die Zusammenhänge klargemacht hat. Schade nur, dass das Interview schon etwas älter ist.

www.youtube.com/watch?v=x_KtLZ32-6U

Ich fotografiere seit Jahren mit Olympus Kameras wegen ihrer technisch und optisch hervorragenden Qualitäten.
Ich wusste zwar, dass es bei dem Konzern vor einigen Jahren einen Skandal um merkwürdige Geschäfte in hundertfacher Millionenhöhe gegeben hatte, aber mich interessiert vor allem die sehr gute Qualität der Kameras. Umso erstaunter war ich, als ich heute Abend auf arte eine Dokumentation sah, in der ich sehen konnte, dass auch Topmanager Rückgrat zeigen können wenn es um das Wohl eines Unternehmens geht. Michael Woodford entdeckte als CEO, das mit den Bilanzen etwas nicht stimmte und begann nachzuforschen. Das kostete ihn letztlich seinen Job. Ein Ausländer in Japan stösst auf viele unsichtbare Mauern.

www.arte.tv/guide/de/055179-000-A/fuer-das-wohl-des-unternehmens?autoplay=1
Leider ist dieser interessante Wirtschaftskrimi nur für die folgenden sieben Tage in der arte Mediathek zu sehen.

Das Rätsel um Hyacintes Papageien ist geklärt. Ich habe mich ohnehin gewundert, dass bisher weder das typisch schnarrende Gerede noch irgendwelches Geschrei im Ärmelhaus zu hören war. Heute wurden mir die „Papageien“ stolz präsentiert. Es handelt sich dabei um eine Tulpenart.

                                                                                                  (Foto anklicken – und es bleibt alles ganz still)

 

Epilog: das Herzsprungprinzip

Dies und das, von fast allem was. …

Was bleibt von einem Strassen-Kino, wie dem im letzten Betrag geschilderten?
Da ist vor vielem anderen natürlich die menschliche Begegnung und das erste Kennenlernen von Herrn M. Und es bleibt das Ergebnis, dass alles nach Plan und gut ausgegangen ist.

Bekannt sind bereits die Versprechen, dass man in Kontakt bleiben wird. Wer längere Zeiten im Ausland gelebt hat, weiss, dass diese Verabredungen meist nicht mehr als Absichtsbekundungen sind. Den meisten Menschen, mit denen man in den letzten Jahren einen mehr oder minder intensiven Kontakt hatte, wird man niemals mehr begegnen. Eine Mail vielleicht oder auch einige mehr. Zu schnell und wechselhaft sind die menschlichen Geschicke.

Nach einem schnellen Frühstück haben wir Herrn Ms alte Lady gestartet. Leichter Nieselregen, zu schwach für starke Tränen. Auf dem Weg von der Metropole runter auf die Küstenstrasse spult der Erinnerungsfilm im Schnelldurchlauf. Ich lasse Orte hinter mir, die auch ohne meine Anwesenheit gut auskommen werden.

Kurz vor Dubrovnik brach die Sonne durch die Wolken. Es wurde noch einmal sommerlich warm. Die Adria als Abschiedsbeschwerer. Herr M. kannte einen Strassenhändler mit feinem Slivovic. Er kaufte eine Flasche und als Wegzehrung nahmen wir einige Kilos frischer Mandarinen vom Baum mit.
Der Blues wird zukünftig anderswo gespielt.

Im richtigen Leben ist es oft wie im Märchen. Manche Helden müssen etwas zurücklassen, bevor sie ihr Glück machen. Sie klemmen sich einen Finger, müssen eine Locke hergeben oder einen enormen Umweg auf sich nehmen.
Dafür gibt es treffliche Metaphern. Meine nenne ich das Herzsprungprinzip. Das Herz zerreisst nicht bei einem Abschied, einen Sprung hingegen kann es davontragen, aber der wird rasch heilen. Dass Frau Waas einen Besuch im Bembelland angekündigt hat erfreut das Herz.

Nachsatz: Meine Kathedralen in den letzten Monaten hiessen Globus oder Obi. In Baumärkte trug ich meine Bitten und Hoffnungen. Die Arbeiten im Ärmelhaus nähern sich dem Ende und es wird Zeit für Besuche in anderen Kathedralen. Mit der Geschichte des  Ordens der Zisterzienser beschäftige ich mich bereits seit längerem. Ein langes Wochenende im Burgund kommt da gerade recht. Davon und von einem denkwürdigen Klassentreffen wird später zu berichten sein.

Bis dahin wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern eine gute Zeit.

                                                                                                                           (Das Herzsprungprinzip)
Lady M. mit voller Ladung

Hauptstück auf der Strasse

Herrn Pappenheimers nachmitternächtlicher Hinweis zauberte einen zusätzlichen Stern am Klanghimmel über dem  Ärmelhaus: Mdou Moctar – Akounak Tedalat Taha Tazoughai (2015). Schönen Dank Herr Pappenheimer für dieses Klangei in meinen Lautsprechern..

Nachdem die verschiedenen Autoverleiher in Sachen Kleintransporter und Reiseziel abgewinkt hatten, mussten die eigenen kreativen Reserven angezapft werden. Das Glück als allerletzte Möglichkeit schliesse ich zwar fast nie aus, aber es gab noch die vorletzte Möglichkeit. Die bestand im Kauf einer alten Lastkarre, die, falls sie denn auch die Rückfahrt überstanden haben würde, im Bembelland wieder hätte verkauft werden sollen.
Inzwischen hatte es sich nämlich ergeben, dass es tatsächlich einen Hin- und Rücktransport geben würde.

Die alten WG-Zeiten sind lange vergangen und bei Kleinbussen kenne ich mich nicht mehr aus. Wo sind sie alle geblieben, die Renault Estafette, Fiat 238, Citroen H, Opel Blitz, Peugeot J7, Romeo F12 und die spritschluckenden VW-Busse? Ich bin zögerlich bei der Markterkundung und ziehe einen neuen Beitrag im Blog vor. Und dort beschrieb ich auch meine Schwierigkeiten hinsichtlich der Autoverleiher.

Ein daraufhin folgender Kommentar war ebenso schlicht wie ergreifend. „Ja, gerne Herr Ärmel, ich würde mitfahren. Ich bin aber frühestens Anfang/ Mitte Oktober dazu in der Lage. We stay in touch.“ Der kam von Herrn M., den ich vor kurzem in seiner Stadt verpasst hatte. Ein persönliches Treffen und Kennenlernen stand ohnehin zur Rede. Warum also nicht auf diese Weise?“

Ein wenig verwirrt war ich trotz des überaus freundlichen Angebotes. Ich selbst neige zu derlei Abenteuern, aber sollte noch jemand ebenso wagemutig sein. Mit einem völlig Unbekannten einige Tage im Ungewissen unterwegs sein. Wir wechselten einige Mails und meine Unsicherheit schwand dahin. Herr M. beschrieb sich als einen unkomplizierten Menschen und dafür halte ich mich auch. Da kann eigentlich nichts schief gehen.

Sonntags morgens läutete der kurze Hinweis. „Ich werde gegen 11:30 Uhr ankommen.“ Wir begrüssten uns herzlich, tranken einen Kaffee und rauchten eine Zichte. Keine Fremdheit war zu spüren. Kurze und exakte Absprachen schätze ich sehr. Wir packten seine alte ‚Lady‘ (sie hat immerhin 7,4861 Erdumrundungen auf dem Tacho) und fuhren los. Anfangs klärten wir beiläufig einige Grundsätzlichkeiten und fanden dann schnell unsere Themen. Unser Gespräch wurde sehr rasch persönlich. In der kleinen Fahrerkabine des weissen Transporters kann man sich nicht entgehen.

Nach einigen Fahrerwechseln und dreiundzwanzig Stunden erreichten wir die Hauptstadt des Schwarzen Berges. Herr M. suchte als erstes das nächste Kaffeehaus auf. In den folgenden zwei Tagen waren fleissige Hände gefragt. Da wir terminlich unter Druck standen, packte Herr M. klaglos mit an und erbot sich überdies, für die gute Frau Waas noch ein Elchmöbel zusammenzuschrauben. Abends speisten wir entsprechend.

Donnerstags morgens starteten wir zurück in Richtung Lummerland. Der Bus war bereits am Vortag gepackt worden. Es regnete zum Abschied. Wir fuhren die Küstenstrasse hoch nach Dubrovnic. Inzwischen schien die Sonne bei sommerlichen Temperaturen. Hundert Kilometer weiter im Norden beginnt die Autobahn. Wir passierten die vielen Grenzen anstandslos.
Einzig der österreichische Zöllner leuchtete kurz in den Wagen und wünschte eine gute Weiterfahrt. Nach abermals dreiundzwanzig Stunden, abgeschafft und reichlich müde, erreichten wir die Lummerländer Garage. Schnell die Kartons und Möbelteile verstauen, denn der Herr M. hatte noch einige hundert Kilometer vor sich. Ich war erleichtert, als ich einige Stunden die sehnlich erwartete Kurznachricht erhielt: „Gut angekommen.“

Mich haben auf der kurzen Reise mit Herrn M., sein offenes und grosszügiges Wesen und die sehr persönlichen Gespräche so sehr berührt, dass daneben die vielen kleinen Ereignisse, die sich bei einer solchen Aktion ergeben, fast schon verblassen. Sie sind klein gegenüber der menschlichen Begegnung.

Der durchschnittliche Leser von Reiseberichten erwartet dagegen gewöhnlich gerade von den Sensationen einer Reise, den Zwischenfälle und vom Ausserordentlichen zu erfahren.
Das hatten schon die Verleger der frühesten Reisebeschreibungen bald spitz. Denn damit liessen sich die Auflagen steigern. So kam es, dass in frühen Berichten der hispanischen Konquistadoren und der europäischen Handelsherren bald der Topos des Menschenfressers in keinem Werk mehr fehlen durfte. Es gibt allerdings bis heute keine verlässliche historische Quelle über Kannibalismus im aussereuropäischen Raum.
Dementsprechend herrscht in unserer Zeit der Topos des Nichttouristen. Davon zeugen in den modernen Reiseführern die ‚Insidertipps‘ und besonders für deutsche Touristen ist offensichtlich wichtig, irgendwo auf der Welt gewesen zu sein und etwas erlebt zu haben, ‚wo keine Touristen‘ anwesend waren.

Herr M., ich danke Ihnen auch hier im Blog von Herzen für alles, was Sie für mich und mit mir getan haben.

                                                        (Fotos? Ganz wenige, so aus Gewohnheit)