Lebensfreude trotz Elstern und Zeiträubern

Horsche: Alte Nummern von Procol Harum. Heute werden Traffic und die Groundhogs an der Reihe sein. Eine neuerliche Lichtung des Musikalarchivs steht an.
Lesen: Formulare Formulare Formulare.
Essen & Trinken: Die letzten Bohnen aus dem Garten. Viele köstliche Tomaten bräuchten etwas mehr Sonnenwärme.
Schaffe: Kraftzehrende Vermeidung jeglicher Aufregungen hinsichtlich unnötiger Veränderungen und Updates.
Gugge: „Vorwärts immer!“ Ein prima Komödie und nicht ohne Spannung.…

Die Abkürzung ist eindeutig falsch gewählt. Elster. Elstern wecken die Assoziation zu diebischem Verhalten. In diesem Fall handelt es sich um die ELektronische STeuerERklärung. Die Diebe sind im Fall von Steuererklärungen die notorischen Steuervermeider, Steuerhinterzieher und Steuerbetrüger.
Seis drum. Jeder von uns zahlt am Ende, was er sich im Leben genommen hat.

Die Aufforderung kam auf gedrucktem Papier. Das Finanzamt verlangte die Abgabe meiner Steuererklärung. Das tut sie jedes Jahr. Seit einigen Jahren in elektronischer Form via der Plattform Elster oder eines anderen kompatiblen Programms. Elster kostet nichts, die anderen Programme muss man kaufen. Zwang so oder so.
Ich hatte noch nie Ärger mit dem Finanzamt. Ich war pünktlich und zudem korrekt. Wenn ein Prüfer bezüglich meiner Angaben anderer Meinung war, hat er versucht, den Beweis anzutreten. In der Regel erfolglos.
Seit Elster muss ich telefonieren. Und rückfragen. Werde mit Fristsetzung gemahnt. Schöne neue Welt für Zeiträuber.

Schöne neue Welt. Tagtäglich werden wir vielfach belogen. Es scheint der digitalen Revolution immament.
„Alles wird besser, einfacher, schneller“ – Die Realität sieht allerdings anders aus. Der grosse Ablenker regiert die Menschheit. Und ein Grossteil der Menschheit unterwirft sich willig und macht, als würde die eigene Lebenszeit nimmer enden.

Bei Sätzen wie:
„Das neue Update bietet dir / ermöglicht dir… stellen sich mir die Nackenhaare auf. Es werden dann vermeintliche Vorteile aufgezählt, die allenfalls zur Rechtfertigung von Veränderungen dient, die man vielleicht garnicht brauchte. Besonders ärgerlich ist dies bei stabilen, gut funktionierenden Systemen.
Der neue wordpress Editor ist das typische Beispiel. Niemand braucht zig Veränderungen (i.e. Spielereien!!!). Niemand hat danach gefragt. Aber irgendein Macher in der Schaltzentrale hat seine programmierenden Spielbübchen von der Leine gelassen. Inzwischen kommt man nur noch über einen Umweg in den klassischen Editor. Schrittweise wird er durch den unerwünschten Textbastler ersetzt werden.
Es scheint sich niemand im breiten Publikum darüber aufzuregen. Wir sind wahrscheinlich schon weit konditioniert, dass man frisst, was einem vorgeworfen wird. Wie der Esel hinter der Karotte.

Die Realität sieht mittlerweile so aus, dass man Nachteile in Kauf nehmen muss, wenn man sich gegen die unnützen Spielereien wehrt. In Firefox fehlt seit einiger Zeit die Schaltfläche, mit der man sich gegen Updates wehren kann. Ständig belästigt einen nun ein Fensterchen mit dem Hinweis auf ein zu installierendes Update.

Da ich mir mein Frühstück nicht verderben will, denke ich nicht weiter darüber nach, was das bedeutet: „du musst dich ein bisschen mit dem Programm beschäftigen“. Was für ein Schwachsinn. Das ist Zeitdiebstahl. Raub von meiner Lebenszeit.

Der Dozent einer nahen Fachhochschule, ein Spezialist für K.I. (künstliche Intelligenz) nannte die derzeit relevanten Forschungsbereiche. Es war interessant, seinen Ausführungen zuzuhören. Die meisten Beispielen vereinten zwei Aspekte. Sie waren nicht lebensnotwendig und sie dienten am langen Ende allenfalls dem erhofften wirtschaftlichen Wachstum.
Lieber Herr Dozent, wie wärs denn beispielsweise mit intelligenten Ampelschaltungen. Den Verkehrsflüssen in Sekundenschnelle bedarfsgerecht angepasst?

Da bleibe ich lieber bei meinen alten Fahrrädern. Deren zeitweises Update besteht lediglich im Überprüfen des Luftdrucks auf den Reifen oder einigen Tropfen Öl hier und da. Von ständigen Inspektionen oder Revisionen bin ich verschont.
Obwohl.
Denn auch hier wird eine Reduktion nötig werden. Eine Fahrradsammlung soll auf Dauer nicht entstehen. Im kommenden Frühjahr werden einige der alten Bauerräder zum Verkauf stehen. Und statt K.I. wird eher ein K.Ä.-Team realisiert werden. Das Leben ist zu kurz, um es virtuellen Verwirrern und Ablenkern zu opfern.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern viel Lebensfreude. Spass muss am Ende immer zu teuer bezahlt werden. Und vor allem: Kommen Sie gut durch die zweite Welle.

 

(Ein schicker Tourer von 1962. Spiegel und Tachometer sind zwar nicht wirklich notwendig…)

 

Beruf, Berufung, Karma oder Heringssalat in Tomatensauce?

Horsche: City – Casablanca (1987).
Lesen: Die interessante Bedienungsanleitung für einen Kettennieter. Nützliche Hinweise zu Torpedo Dreigang-Schaltungen.
Essen & Trinken: Kohlrabigemüse mit Kerbel und dazu Bamberger Hörnchen. (Die Gurke aus dem Blumenkasten ist aromatisch und geschmacklich ein Kracher).
Schaffe: Planungen für weitere Modernisierungsmassnahmen am Haus.
Gugge: „Kundschafter des Friedens“ Ein schöner Film. Grandiose Besetzung. In memoriam Michael Gwisdek. Auf arte.de…

 

Phimbo. Scheriff. Pongo. Knüppel. Vogta. Käsje. De Ohm. Clemens B.. Kröner.

Die alte Garde.

Ich muss vorsichtig sein. Schliesslich habe ich selbst einige Jahre… Zu meiner Entschuldigung bringe ich vor, dass es reiner Zufall war. Damals auf dem Flughafen Schipol in Amsterdam.
Wir warteten auf den Rückflug nach Südamerika. Da sprach mich der Direktor einer Deutschen Schule an. Sie sind doch… und haben…
Meine Litanei von Ausreden. Ich bin eigentlich in Südamerika weil… Nein, zur Zeit arbeite ich mit kolumbianischen Exilanten… Nein, ursprünglich kam ich hierher, um … Ich bin unsicher, ob ich der Richtige…

Natürlich habe ich zwei Tage später mein CV abgegeben. Es gibt Verführungen und Herausforderungen (im positiven Sinne), denen ich kaum widerstehen kann. Und bin so aufgrund meiner Ausbildung und Studien Lehrer geworden. Ich sass im Lehrerzimmer und in Konferenzen.
Jahrelang hatte mich die Schulbank gedrückt und nun sass ich auf der anderen Seite. Ein Fremder neben merkwürdigen Menschen.

Ein Verräter an der Sache?

Kommt drauf an, welchen und vor allem wie man Unterricht gibt.

Meine Nachteile: mir fehlte ein Referendariat. Ich wusste nicht, wie man einen vorgegebenen Lehrplan umsetzt. Ich hatte überhaupt wenig Ahnung von diesem Geschäft.

Meine Vorteile: ich hatte das wirkliche Leben kennengelernt. Also nicht diesen seltsamen Lebenslauf: Schule, Hochschule, Schule. Sondern das wirkliche Leben. Eigenverantwortlich handeln. Für Fehler sofort abgewatscht werden. Keine Beförderung, kein Beamtentum, sondern stetige Leistung macht meinen persönlichen Erfolg.
Vor allem aber: ich hatte nie vergessen, dass ich selbst einmal Schüler war. Und ein grottenschlechter dazu. Ein Schulversager. Durch familiäre Erziehung und das Sahnehäubchen fürs Leben obendrauf – etliche meiner Lehrerinnen und Lehrer.

Eingangs schrieb ich einige ihrer Namen. So wurden sie von uns Schülern genannt. Schon Jahre vor meiner Schülerkarriere waren ihnen diese Spitznamen zugeschrieben worden. Manche Namen berechtigten sie durch ihr Verhalten, andere waren rückblickend ungerecht. Pongo konnte nichts für seine auffällige Progenie.
Der Scheriff hingegen war kriegsbedingt seelisch schwerbeschädigt. Wenn wir Sextaner – er war Oberschullehrer und hatte keine Lehrbefähigung für die Mittel- und Oberstufe – wenn wir Sextaner nur unruhig waren im Klassensaal hob er seine Aktentasche mit zwei Händen in die Höhe und schrie: “ ich werde Euch alle vernichten, Ihr Affenbande“. Dabei knallte er mit voller Wucht seine flache Aktentasche auf seinen Tisch, dass wir Kinder zusammenzuckten. Klar, dass die helleren Köpfe von uns nach drei Wochen schon heraushatten, wie man den Scheriff zum schreien bringen konnte. „Ihr Verbecher, ich werde Euch vernichten“.
Ein einziges Mal habe ich erlebt, wie er in einem seiner Schreianfälle schlagartig still geworden ist. Das war als sich die Schülerin V. vor Schreck unter die Bank übergeben hatte.

Der Knüppel, Mathe und Physik. Promovierter Gymnasiallehrer. Der ging im weissen Kittel, darunter Hemd und Krawatte, immer vor der Klasse auf und ab, nachdem er dieser eine Aufgabe gegeben hatte. Er bewegte im Auf-und-Abgang seine Lippen und murmelte unhörbar. Lag etwas in seiner Gangbahn (Gangway?) so kickte er es mit seinem Fuss zur Seite. Was nimmt es Wunder, einem solchen etwa einen Radiergummi auf dem Holzfussboden festzunageln. Und der Knüppel geht murmelnd hin und her und kriegt das Dingens am Boden nicht weg.
„Also, gill, so geht das nicht.“
In Hessen sagt man gelt oder treffender gell aber nicht gill. Auch heute noch erinnert man sich gerne an den Knüppel. Betonfrisur exakt wie der Wehrmachtsoffizier und spätere Bundeskanzler Schmidt. Allerdings in graumeliert.

Die Vogta, katholische Religion und Geschichte, Fräulein Doktor und das Käsje, Biologie und ebenfalls Fräulein Doktor. Welche Lebensglücke hätten diesen früh verhärteten Mädels erblühen können. Ein heute noch gerne zitierter Witz bei Zusammenkünften war der Eintrag ins Klassenbuch vom Käsje: Ärmel misshandelt die Türklinke.
Für die Jugend unter uns Lesern: damals als mich die Schulbank drückte, hielt ein Schüler oder eine Schülerin die Tür auf, wenn sich die Lehrkraft näherte. Als eines Tages das Käsje den Klassensaal betrat, liess ich die gedrückte Türklinke hochschnappen. Das reichte für einen Tadel im Klassenbuch.

Besser war der Kröner. Ein stiller Sadist. Evangelische Religion und ? :ich vermute Musik. Der hatte es drauf, das Ohr eines Schülers oben zwischen seinem zwei Fingernägeln anzupacken und langsam nach oben zu drehen. Der Delinquent drehte sich dann unter dem Schmerz zu seiner Drehung langsam aus der Bank hoch. Harmloser, weil etwas weniger schmerzhaft, waren dagegen seine Kopfnüsse mit einem Kreidestück. Er schaffte es mit passenden reden, dass Mitschüler entweder laut auflachten oder zumindest lächelten.

Harmlos war dagegen die Frau Franke. Die sammelte in der Klasse nur regelmässig für die damals noch existente Bewegung „Freiheit für Südtirol“. Zehn Pfennige reichten zum Freispruch und einen positiven Vermerk in ihrem roten Notenbuch. Ich bekam von zuhause kein Geld für diesen „Quatsch“ und erhielt entsprechende Noten.

Für Heiterkeit sorgte dagegen Frau Schmidt. Kunstlehrerin. Mit einem für uns Schulbuben geradezu unglaublich mächtigen Hinterteil. Sie fuhr ein Goggomobil TS 250. Allein der Anblick, den sie bot, wenn sie sich in das Wägelchen hinein- oder herausschraubte. Schülerspott kann grausam sein.

Immer die gleiche Show bei der Rückgabe der korrigierten Lateinarbeiten. Studienrat B. erinnerte in seiner Erscheinung an den Kaplan Kindlein (Rudolf Rhomberg) in der 1965 erschienenen Filmkomödie „Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten“. Etwas dicklich, irgendwie schwammig. Und dazu diese unheimlich sanfte Stimme. Ein Raubtier im Klassenzimmer. B. ging durch die Bänke und überreichte jedem Schüler, der dabei aufstehen musste, seine Klassenarbeit ohne einen weiteren Kommentar.
Bei den Spezialkandidaten, zu denen auch ich gehörte, behielt er das Heft in der Hand und fragte:
„Ärmel, kennst Du meinen Vornamen?“
Bereits im Aufstehen musste man dann lateinisch korrekt antworten: „Ja.Clemens, clementis. G
ütig, barmherzig.“
„Und deshalb habe ich Dir noch eine Fünf gegeben, obwohl Du…“ Liess das Heft auf die Schulbank fallen und stand schon am nächsten Tisch.
Mir machte das nichts weiter aus. Aufgrund meiner häuslichen Erziehungserfahrungen (oder vielleicht eines besonderen Gens) erkenne ich, seit ich ein grösseres Kind gewesen bin, lediglich echte Autoritäten an. Wer sich selbst als Autorität darstellt und sich damit Anerkennung verschaffen will, ist allenfalls ein läppischer Machtspieler. Wirkliche Autoritäten haben es nicht nötig, andere Menschen mit ihren Fähigkeiten oder gar verliehenen Titeln beeindrucken zu wollen.
Eines Tages blieb der gütige und barmherzige Studienrat vor einem Mitschüler stehen. Dieser war kein Kandidat sondern ein fleissiger Schüler. Der klassische Einserschüler. Unauffällig im Unterricht und doch jederzeit ansprechbar.
„Kennst Du meinen Vornamen?“ Auf dem Nachhauseweg stellte der Schüler sein Rad am Stamm eines Pflaumenbaums ab. Wir erfuhren erst einige Tage später, dass der Schüler aus dem Leben gegangen sei.

Ich habe diesen Bericht in der vorigen Woche unterbrochen auf der Suche nach einer positiven Wendung. Heute nun stelle ich fest, dass der 5. Oktober der Weltlehrertag ist. Das ist für mich der willkommene Anlass, all den Lehrern zu danken, die mir dazu verholfen haben, meine Horizonte und mein Weltwissen zu erweitern. Lehrer und Lehrerinnen, die über diesen arg seltenen feinen Humor verfügten, dass man sie als Schüler einfach anerkannte und achtete. Ohne dabei so recht zu wissen, warum und wofür man sie ohne weiteren Widerspruch respektierte. Bei manchen dieser Persönlichkeiten ist mir das erst Jahre später klar geworden.
Zu danken habe ich auch jenen Pädagogen, die es drauf hatten, dass mir nach anfänglichem Widerstreben selbst ihre verordneten Strafarbeiten Freude machten, weil mir der Sinn der Aufgaben während der Arbeit offenbar geworden ist.
Dankbar erinnere ich mich – wer von all meinen Lehrern in all den Klassen und verschiedenen Schulen mag wohl noch am Leben sein? – dankbar erinnere ich mich auch an die Pädagogen, die mit ihrem Unterricht gleich Hochseilartisten die Balance halten konnten zwischen Forderung und Förderung ihrer Schüler.

Während ich dies schreibe, fällt mir auf, dass ich mir die Lehrkräfte, denen ich noch heute die Hand schütteln und ihnen herzlich danken möchte, geradezu willentlich aus meiner Erinnerung hervorrufen muss. Die anderen dagegen, die man gerne vergessen möchte, und in meinem Fall waren das merkwürdigerweise mehr Lererinnen als Lehrer, die drängen sich von Zeit zu Zeit bei entsprechenden Gelegenheiten noch immer ungebeten in den Vordergrund.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen goldenen Herbst mit herzerwärmenden menschlichen Begegnungen.

 

 

 

 

 

Der neudeutsche Wahnsinn oder Gebiss entgleist

Horsche: Lorenzo Il Magnifico – Trionfo Di Bacco, Carnival Songs, 1449-1492 (Doulce Mémoire).
Lesen: Im öffentlichen Bücherschrank gefunden: Hammond Innes: Der weisse Süden. Übersetzt von Arno Schmidt. Wer kennt Hammond Innes heute noch?
Essen & Trinken: Bandnudeln und eine feine Tomatensauce. Mit Tomaten, frischen Kräutern und Knoblauch frisch aus dem Garten. Von der kleinen, privaten Kelterei den hervorragenden Speierling. Bei diesen Temperaturen natürlich gespritzt.
Schaffe: Bei der Hitze nur ein ganz klein wenig in der Werkstatt an La Perle arbeiten. Da inzwischen bekannt ist, dass diese Schönheit siebzig Jahre alt ist, lassen wir gehörige Vorsicht walten.
Gugge: „Maudie“ (2017) von Aisling Walsh. Ein Film über das Leben und die Liebe der kanadischen Malerin Maud Lewis. Grossartige Bilder und zwei herausragende Hauptdarsteller. Zur Zeit in der Mediathek bei arte.tv zu sehen…

Das Leben unter der Einflugschneise. Menschen wollen eine weitere Coronawelle. Oder zwei. Oder drei. In jedem Fall: SPASS MUSS sein!!!

Ich erinnere mich an einen sehr beleibten Kanzler, der (lt. Interview) Saumagen und weissen Käse (oder warens eher Lewwerknebb?) zu seinen Lieblingsspeisen zählte. Dieser grosse Mann verkündete die von seiner Partei (die er natürlich selbst war) geplante geistig-moralische Wende. Darin war neben anderen komödiantischen Einlagen auch von der umgehend zu beendenden „Spassgesellschaft“ die Rede.
Vermutlich war das der Grossgegenangriff auf die NDW-Hymne „Ich will Spass“ von dem Schlagersänger Markus. Und weil dieser Text auch von so illustren musikalischen Fixsternen wie Torfrock, Mundstuhl oder James Last gespielt worden sind, sah man im Kanzlerhauptquartier Gefahr im Verzug.
Und weil Logik nicht gerade zur Grundingredienz politischer Arbeit gehört, wurde einem am 14. Juli 2011 verstorbenen Medienunternehmer fast zur gleichen Zeit die Generallizenz zur völligen Verblödung der deutschen Massen mittels privater Fernsehsender erteilt. Brot und Spiele, damit das Volk das Maul hält und vor allem: endlich zu denken aufhört. Wobei, was das Denken betrifft… Das einzige, was auf dieser schönen Welt offensichtlich gleich verteilt ist, ist die Intelligenz. Da meint nämlich nahezu jeder, er habe genug davon.

Die Brandung dieser seit nun mehr als dreissig Jahren flutenden geistig-moralischen Wende kann man an den Demonstrationen gegen die Maskenvorschriften erkennen. Die Massen wollen Spass. Von Vergnügen oder gar Freude spricht niemand mehr. Stattdessen werden mit den teilweise sehr weitsichtigen Vorschriften Schmähworte wie Diktatur oder Sklaverei verbunden.
Mein Vorschlag zur Behandlung dieser Menschen. Ab in das nächste Land ohne Verfassungsgerichtsbarkeit und dort drei Wochen für den europäischen Billigkonsum wirken. Unter den landesüblichen Bedingungen versteht sich. Vielleicht würde dann doch einigen dieser Menschen ein Fünklein im Oberstübchen aufleuchten.

Es gibt Wirtschaftszweige, und damit meine ich nicht die Daxunternehmen oder ähnliche notorischen Steuervermeider, sondern die kleinen und mittleren Unternehmen, die unseren Sozialstaat am Laufen halten. Vielen dieser Unternehmen ginge bei weiteren Coronawellen ziemlich rasch die finanzielle Luft aus. Und auch all denen, die diesen Unternehmen beispielsweise als Auftragnehmer verbunden sind.
Aber das ist jenen Zeitgenossen völlig gleichgültig, die JETZT IHREN SPASS haben wollen.

 

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern eine freudvolle Woche. Bleiben Sie wohlauf und lassen Sie sich nicht anstecken.

 

(Diese Zufallsaufnahme könnte aus einer Nachmittaggeschwätzschau mit künstlich eingeblendetem Lachen stammen)

 

 

 

Samstags, spätvormittags

Musik: Interzone – The lost Tape (2019). Ganz frühe Aufnahmen zu den Texten von Wolf Wondratschek.
Lektüre: Wolf Wondratschek – Gedichte und Lieder, Zweitausendeins, 2003.
Essen & Trinken: Zwischendurch einen Joghurt mit hausgekochter Mispelmarmelade und frischen Orangen.
Arbeit: Überlegungen zu dem Plan, was aus einem seit Jahren währenden Blogkommentarwechsel machbar sein könnte.
Film: … .

Ich weiss garnicht, ob irgendwo noch Fussballspiele stattfinden. Ist wahrscheinlich ausser für beinharte Zuschauer und die Geldverdiener hinter der Bühne nicht weiter wichtig. Es hat mit sportlichem Wettkampf ohnehin nur noch wenig zu tun. Verkommen zur modernen, hochkapitalisierten Form des altrömischen Zirkus. Das Motto von damals – panem et circenses – gilt noch heute. Lass die Leute arbeiten und in ihrer Freizeit lenke sie ab mit Spielereien – Brot und Spiele. Dann herrscht Ruhe im Land.
Vereine kann man sich kaufen wenn man es sich leisten kann. Herr Hopp konnte das und er hat es auch getan. Zielgerichtet. Als Investor versteht sich. Dafür liess er sich das Regelwerk der DFL (Deutsche Fussball Liga e.V.) zu seinen Gunsten ändern. Das ist angewandte Kaufkraft. Dieses Handeln rief viel Kritik hervor. In letzter Zeit ganz besonders von Fans (Abk.: Fanatikern) gegnerischer Mannschaften. Meine Kritik ruft er nicht hervor. Ich verstehe von diesen Geschäften nichts und verdiene auch nicht daran. Im Gegenteil, ein Mann wie er zeigt mir, wie es wirklich um unser System bestellt ist. Und er hat auch gleich Nachahmer auf den Plan gerufen. Ein Leipziger Verein trägt nun den Namen einer trinkbaren Hallowach-Chemikalie. Aber darum geht es nicht.

Wie komme ich jetzt ausgerechnet auf Fussball und den Herrn Hopp?

Aaahh – – ich war heute Morgen im hiesigen Supermarkt. Wir wollten einige Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen. Die lange Regalwand mit Toilettenpapier war heute prall voll. Die anderen Konsumenten gehen fast achtlos dran vorbei. Schauen mal kurz hin und gehen weiter.
Mich bewegt in den letzten Wochen nicht die Frage, warum viele Leute asgerechnet Klopapier hamstern müssen. Ich frage mich, wo der Nachschub bleibt. Hey, wir leben im Hochkapitalismus. Da versteht es sich, dass die Regale voll sind. Und zwar immer und ständig bitteschön.
Und heute Morgen fiel mir dazu dann der Herr Hopp ein. Genauer seine Firma SAP. Softwarelösungen für zum Beispiel die Finanzbuchhaltung, das Personalmanagement. Und das hochgelobte Chain Supply Management. Immer alles just-in-time. Keine Zeit verlieren. Keinen Lagerplatz verschwenden. Kein Geld verlieren. Lieferkettensteuerung. Die Klopapierlieferkette war gerissen. Seit drei Wochen schon. Und die tollen Softwarelösungen (nicht bloss die von SAP), an die wir alle so gerne glauben? Die haben uns jetzt gezeigt, dass wir von der Planwirtschaft vergangener Tage durch die modern Software garnicht mehr so weit entfernt sind. Die Klopapierproduzenten waren zu langsam und konnten ihre Produktion nicht entsprechend der Nachfrage hochfahren.

Aber noch stabilisiert sich unser Wirtschaftssystem rasch. Im Regal lagen heute Pakete mit je acht Rollen. Ziemlich dünn und ziemlich schmal waren die Rollen. Acht Stück im Paket zu 4,49€. Die Plastikverpackungen waren unbedruckt. Niemand weiss, wieviele Blätter die Rollen nun haben. Ordentlich Kosten wurden da bei der Herstellung gespart, dafür beim Verkaufspreis aber unverschämt zugelangt. Und die Konsumenten zahlen nun den Preis dafür.

 

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein erfreuliches Wochenende.

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Corona – Die aktuelle Lage // Reduktion ist angesagt

Musik in diesen lausigen Zeiten? Aber selbstverständlich! Dead Can Dance – Anastasis (2012)…

Sind Sie auch schon Corona oder funktionierts noch einigermassen im Oberstübchen?

Wir dachten uns einige vergnügliche Tage bei einer Kurzreise bevor im Garten die Aussaattage beginnen.
Erst vor kurzem antwortete ich einem Kommentator in meinem Blog „Ich empfehle ständig und jedem Gesprächspartner Deutschlandreisen. Kurz und knackig; drei oder vier Tage mit offenem Herzen und intensiv. Man glaubt nicht, welche Wunder man in diesem Land erleben kann. Freundliche Menschen und erstaunliche Sehenswürdigkeiten in Hülle und Fülle.“

Dann kam der neueste chinesische Exportschlager. Und der wurde tatsächlich gleich zum Hit. Vor zwei Wochen ging es los und schon sprechen Menschen in den Medien davon, dass nach Corona nichts mehr so sein wird, wie davor.

Ich bin ja ein notorischer Frager. Mir gefällt die Frage altrömischer Rhetoriker: cui bono? Wem zunutze – oder deutlicher: wem nutzt das?

Und so frage ich mich natürlich nicht nur, was weiss ich wirklich und plappere es nicht nur nach. Und wem nutzt das alles, was jetzt so vorgeht?
Zuerst stelle ich für mich fest, dass es seit einigen Tagen draussen stiller wird. In der ewig zugeparkten Strasse findet wieder leichter einen Parkplatz. Und weniger Flieger krawallen durch die Einflugschneise.

Die Ruhe passt zur Saison. Ist ja schliesslich Fastenzeit. Und die geht noch bis Ostern. Ob es ein Zufall ist, dass nun vorerst bis Ostern erhebliche Veränderungen unseren Alltag bestimmen werden?

Viele Arbeitnehmer in der Rhein-Main Metropolregion arbeiten im Homeoffice. Eltern müssen ihren Kindern ein Mittagessen zubereiten. In der (sogenannten Goldenen) Stadt Mainz sind die meisten Geschäfte geschlossen. „Auf Anordnung der Landesregierung“ war auf zahlreichen Schildern zu lesen. Auffällig war mir, dass Friseure und Lokale, in denen man mit den Händen isst, dennoch offen waren.

Frau Merkel sprach gestern zur Nation. Vorräte anlegen aber nicht hamstern. Direkte Kommunikation vermeiden. Kinder könnten mit ihren Grosseltern via Internet kommunizieren und Grüsse schicken.

Und genau jetzt ziehen die Gewinner ihre Register. Seit einigen Jahren stiegen die Kurse von DAX, Dow Jones und Nasdaq nahezu unaufhörlich. Seit einem wird man beinahe täglich mit neuen Höchstständen bombardiert. Irgendwann muss es krachen. Die jetzt gemeldeten Kurseinbrüche bieten hervorragende Gewinnchancen. Kaufen, wenn die Kanonen krachen ist eine alte Börsenweisheit.

Quarantäne, dachte ich letzte Woche noch, kann man auch Hausarrest nennen. Das kenne ich aus meiner wilden Jugend. Diese Woche wird bereits von Politikern in Deutschland und besonders in Frankreich über „Ausgehverbote laut nachgedacht.“

Die Eliten der westlichen Welt haben ihr grossartiges Planspiel begonnen. Und die Ergebnisse werden genauestens interpretiert werden. Keine weiteren Zusammenrottungen der „fridays for future – Bewegung“, keine weiteren Solidaritätskundgebungen wenn wieder ein Irrer mordend durch eine Stadt zieht.
Und Frau Merkel mahnt an, die direkten Kontakte auf ein unverzichtbares Minimum zu beschränken. Die Profiteure, so die F.A.Z. in ihrer heutigen Ausgabe werden werden die amerikanischen Internetkonzerne sein.
Und der CDU Parteitag zur Wahl der Nachfolge der unnachahmlichen Frau Krampf-Karrenbauer ist bereits verschoben.

Spassig sind allenfalls die Verwirrungen mancher Zeitgenossen. Im hiesigen Markt fragte die Verkäuferin ihre Bekannte: „Ei Elli, was machst Du denn mit den ganzen Raviolidosen?“
„Die lege ich mir als Vorrat an.“
„Dir schmecken doch diese Sachen aus der Dose garnicht.“
„Aber was soll ich denn machen?“

Gestern Abend lief eine erfrischend kühle Sendung zum Thema Corona. Zu sehen ist dieses Gespräch hier:
https://www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=TYIpPvhrZ2A&feature=emb_logo

Wer sich die langatmige Vorrede ersparen will, guggt ab Minute 8:40.

Bis zu dem kommenden weltweiten Milliardenspektakel, den olympischen Sommerspielen in Japan wird kein Mensch mehr von dem chinesischen Exportvirus reden…

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen klaren Kopf. Und fragen Sie öfter nach : cui bono.

 

 

 

 

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