Ob Asterisk oder Obelisk – keineswegs nur Kinderkram

Zwei Tage lang Gegenstände auf dem Tisch aufbauen und ordentlich fotografieren, damit sich zukünftige Käufer ein besseres Bild davon machen können. Das artet irgendwann in eintönige Routine aus. Die richtige Musik hält bei Laune und die Aufmerksamkeit wach: A to Z Series – Kitty, Daisy & Lewis  – The Roots Of Rock ‚N‘ Roll…

Vielleicht hat die Eine oder der Andere trotz unserer schnelllebigen Zeit ihre oder seine Jugend noch nicht vergessen. Damals in der Schule, vielleicht auch im Schulbus auf dem Weg dorthin. Einer hatte den „neuen Asterix“ bereits. Grosses Hallo.
Man stand in der Pause und steckte die Köpfe überm neuen Heft zusammen. Ungeduld der Schnellleser, jetzt blätter doch endlich um. Die schwachen Lateiner mussten erst noch die Übersetzung eines Zitates lesen. Und die Gugger fielen tief in die Bilderwelten.

Es soll Lehrer geben, die von den ganz frühen Ausgaben noch einige Erstausgaben im Regal haben. Ohne Reue versteht sich, denn die Hefte wurden im Unterricht gnadenlos einkassiert. Heftchenleser?! Du solltest besser den Accusativus cum Inifinitvo lernen (a.c.i.). Ach, ein neues komisches Groschenheft? Herrschaften, Ihr solltet Euch besser die Schwefelsäureverbindungen ansehen für die nächste Klassenarbeit.
Alle diese Halbdrohungen verpufften angesichts des neuesten Abenteuers von Asterix und Obelix.
(Da fällt mir die Vogda ein. Unser Frl. Dr. Vogt, knapp über einsfuffzich hoch, dafür umso cholerischer, schmale Lippen. Etwa vierzig und solide vertrocknet. Latein, Geschichte und katholische Religion. Garniert mit einer Humorlosigkeit bis ins Mark. Die ertrug ich in Geschichte. Aber fähigere Geschichtspädagogen folgten ihr zu meinem Glück. Die Vogda, dieses unglückliche Aas.)

 Meine alte Asterixsammlung wurde muffig im Keller in all den Jahren. Eigentlich war sie schon für einen öffentlichen Bücherschrank bestimmt. Da brachte ein Gespräch die Wendung.
Seit etwa dreissig Jahren haben sich auch Historiker auf ihre wissenschaftliche Weise mit den Geschichten beschäftigt. Besonders Historiker für Alte Geschichte sind anfangs wohl eher zum Vergnügen den Inhalten nachgegangen und haben Erstaunliches dabei zu Tage gefördert. Inzwischen haben einige dieser Geschichtsschreiber ihre Forschungsergebnisse über die beiden Gallier und ihre Abenteuer in Büchern publiziert.

Es soll mittlerweile sogar aufgeklärte Geschichtslehrer geben, die bestimmte Epochen der Antike mithilfe der Asterixhefte ihren Schülern vermitteln. Davon haben wir damals nicht einmal geträumt.
In der Tat lassen sich viele Kenntnisse gewinnen, wenn man den Texten und Bildern die richtigen Fragen stellt. Das haben wir als Kinder natürlich weder getan noch hätten wir das gekonnt. Warum beispielsweise haben sich Teefax (von den Briten) auf Anhieb mit unseren Freunden ohne Schwierigkeiten verstanden? Bis auf das Unverständnis des Obelix dazu.

Ich stelle jetzt einige interessante Bücher vor, die ich erwachsenen und an Geschichte interessierten Asterixfans nur empfehlen kann.

Einen Namen unter den Asterixhistorikern haben sich Sunnya van der Vegt und René van Royen gemacht. Von diesem Autorenteam, beide sind Dozenten für klassische Philologie bzw. Alte Geschichte an der Universität Amsterdam, sind in der Beck´schen Reihe bislang drei Werke erschienen.
Ich zitiere: „Kurzweilig und kenntnisreich schildern die Autoren die geschichtliche Wirklichkeit hinter dem weltberühmten Comic. Sie zeigen, wieviel Detailwissen Uderzo und Goscinny liebevoll versteckt haben, und führen den Leser ein in die antike Welt der Gallier und Römer.“ Kurzweilig, um nicht zu sagen witzig, das macht für mich den positiven Effekt dieser Arbeiten aus.

Ebenfalls bei Beck (und schon das ist ein Qualitätsmerkmal) hat der Historiker Kai Broderson den Sammelband „Asterix und seine Zeit. Die grosse Welt des kleinen Galliers“ herausgegeben. Darin sind Aufsätze zum Thema von ganz verschiedenen Autoren versammelt worden. Auch hier sind die Texte, und vielleicht liegt das ja an den Quellen, durchweg amüsant und unterhaltend abgehandelt.

Eine eher kritische Untersuchung legte André Stoll bereits in den 1970er Jahren vor. Der Titel weist vielleicht schon darauf hin. Umrankt mit dem Edelefeu der kritischen Theorie setzt sich der Autor mit dem „[Das] Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics“ auseinander. Der emanzipatorische Ansatz ist unverkennbar. Dennoch finde ich das Buch lesenswert, weil man daraus ersehen kann, wie viele tiefe Bedeutungen z.B. in den Namen der erzählten Figuren versteckt sind, von denen leider in den Übersetzungen in andere Sprachen zwangsläufig viel verloren gehen muss.

Gerade wurde ein neuer Band Asterix veröffentlicht. Ich werde ihn nicht mehr kaufen. Mir reichen meine alten Hefte. Aber die hier empfohlenen Bücher werde ich mir im anstehenden Winter wieder einmal vornehmen und dabei das eine oder andere alte Heft aus dem Regal ziehen (da liegen sie inzwischen wieder) und entdecken, was mir an Witz und Esprit als Jugendlicher so alles verborgen geblieben ist.

                                                                 (Fotos anklicken, Titel notieren, Buch & Hefte lesen und köstlich amüsieren)

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Portraits im Herbstrauschgold

Im Ärmelschen Musikalarchiv wiederentdeckt: Noir Desir – Des Visages Des Figures (2001)…

Bei angenehmen, fast sommerlichen Temperaturen zieht sich das Mittagsmahl hin. Alesia ist ebenso abgehakt wie weitere Zisterzienserklöster. Beim Flanieren durch den kleinen Ort fällt eine sonderbare Diskrepanz auf zwischen manchen der stilfein restaurierten kleinen Häuser und anderen, die nahe dem Verfallen sind. Landflucht einerseits und andererseits der zumindest zeitweilige Zuzug neuer Bewohner.
Mit dem Kraftwagen ist diese Gegend von Paris aus rasch zu erreichen, sodass viele der herausgeputzten Häuser mittlerweile als Wochenend- oder Feriendomizile dienen.

Das kleine Schloss auf der anderen Seite des Tals weckt das Interesse.

Wir fahren hinüber zum Schloss. Auch hier kann man an diesem Samstag nachmittags die Besucher an einer Hand abzählen.
Der berühmteste Bewohner des Schlosses war Roger, Comte de Bussy-Rabutin (*1618 – †1698). Roger beging den folgenschweren Fehler die amourösen Affären am Hof Ludwigs XIV. öffentlich zu machen. Das kostete ihn ein Jahr in der berüchtigten Bastille. Der Comte nutzte seine Zeit dortselbst, um seine Kenntnisse niederzuschreiben und anschliessend als Buch zu veröffentlichen. Dies gefiel den in der Publikation benannten Personen noch weniger, und so wurde Roger de Bussy-Rabutin für viele Jahre auf jenes Schloss verbannt.
Aktiven Menschen wird es nie langweilig und davon legen die Wände der Wohnräume ein beredtes Zeugnis ab. In jedem Schloss finden sich in der Regel zahlreiche Stiche oder Gemälde an den Wänden, das ist nicht ungewöhnlich.

Dieses Schloss hingegen gleicht einer monumentalen Galerie. Unzählige Portraits sind in den verschiedenen Räumen zu sehen. Der Comte schien besessen von seiner Idee die Schlechtigkeit der Menschen zu präsentieren und stets vor Augen zu haben. Viele bekannte Persönlichkeiten nicht nur seiner Zeit kann man bestaunen. Ein Raum ist eigens seiner Familie vorbehalten. An sich könnte man das Ganze für einen Spleen des damaligen Hausherren halten.
Das Merk=würdige sind jedoch die handgeschriebenen Kommentare zu fast jedem Bild. In ironischen, teilweise auch geradezu sarkastischen Anmerkungen hat der Comte die moralischen Verfehlungen der Abgebildeten pointiert notiert; ihre Betrügereien, die hinterhältigen Intrigen, ihren finaziellen Ruin oder auch die jeweiligen Todesarten. Eine Chronique scandaleuse der ganz besonderen Art. Leider beeinträchtigt mein mangelnder französischer Wortschatz den vollen Genuss der Kommentare. Aber ein prustendes Lachen entfährt mir dennoch gelegentlich.

Bei angeregten Gesprächen steuern wir unsere letzten Station an: Semur-en-Auxois. Abermals finden wir ein kleines originelles Hotel und in der Altstadt geniessen wir ein gediegenes Abendmahl. Mit Bedauern müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass auch hier traditionelle Geschäfte zum Verkauf stehen, mit denen wir die typisch französische Lebensart verbinden.

Auf die für den Rückweg geplanten Einkäufe lukullischer Köstlichkeiten müssen wir zwangsläufig verzichten. Wir haben nicht bedacht, dass an diesem Sonntag im überwiegend katholischen Frankreich alle Märkte und Geschäfte wegen Allerheiligen geschlossen sind. Unsere Enttäuschung währt jedoch nur kurz. Zu faszinierend und erlebnisreich war diese kurze Reise in das Kernland französischer Geschichte.

(Foto anklicken öffnet die Galerie)

Staunen und wohlfühlen, aber nicht bei Vercingetorix

Durch meinen Tagesrhthymus bin ich an sich wenig geeignet zum Seriengugger. Aber wenn mir eine aus vertrauenswürdiger Quelle ans Herz gelegt wird, dann werde ich doch neugierig. Anfänglich will der Historiker in mir noch aufbegehren, aber dann ziehen mich die ziemlich spannend gemachten und mit guten Schauspielern besetzten sechs Teile um die Ereignisse im damals noch geteilten Deutschland doch in ihren Bann: Deutschland 83…

Wir brechen endlich auf und nehmen von der Abbaye de Fontenay aus die D980 Richtung Norden. Der Beschluss ist gefasst: keine weiteren Klöster auf dieser Kurzreise. Zu beeindruckend und erffüllend war der Tag in der Abtei. Mehr wäre in diesem Fall weniger.

Wir befinden uns im Kerngebiet der keltischen Gallier. In einem Museum in Châtillon sur Seine werden einzigartige Funde im Zusammenhang mit der keltischen Fürstin von Vix ausgestellt. Welch ein Zeitsprung zurück. Bewunderung für die Schönheit der gefundenen Arbeiten.

Hunger und Müdigkeit geben die weitere Richtung vor. Ganz in der Nähe finden wir das Sylvia Hotel. Eines dieser kleinen Hotels, die mich an viele französische Filme erinnern. Mann kommt in der Dunkelheit an. Stellt den Wagen neben einer alten Garage ab. Geht über den Kies ins Haus. Ebenerdiges Zimmer. Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Das Frühstück wird an einem kleinen Tisch in der Sonne eingenommen bevor die Fahrt fortgesetzt wird. Das kleine Hotel wird von den beiden Messieurs André und Charles betrieben. Ihnen scheint die liebevolle Erhaltung und Ausgestalltung ihres Etablissements mehr am Herzen zu liegen als eine pompöse Restaurierung. Und gerade das macht den bezaubernden Charme des Hauses aus. Man kann im Wohnzimmer frühstücken und dabei die eindrucksvolle Sammlung der beiden Herren bestaunen. Sie sammeln Hühner. Der Einladung im Haus zu fotografieren und doch auch den Spielsalon im Obergeschoss abzulichten komme ich nur gerne nach.

Wenn wir schon hier sind in der Nähe von Alésia, könnten wir doch…
Die vielen Affichen, die für den Besuch des antiken Alesia werben, schrecken allerdings von einer Besichtigung ab.
„Alesia? Ich kenne kein Alesia, mein Herr.“ Der bekannte Satz aus dem Band Asterix und Vercingetorix (?). Hier wurden die Gallier von Cäsars Eroberungsarmeen unterworfen. An dem vermuteten Ort wird das damalige Geschehen heute multimedial freizeitparkähnlich vermittelt. Die Entscheidung fällt gegen den Kommerz und für die Landschaft. An einen derart farbentrunkenen Herbst können wir uns nicht erinnern.
Wir durchfahren die verlassene Hochebene und erreichen über die D21b Bussy-le-Grand, einen fast verlassenen kleinen Ort. Wie ein Magnet lässt das magische K.u.K. (Kirche und Kneipe) den Wagen anhalten.
St. Antonin ist eine überaus merkwürdige Kirche. Der Schmerzensmann in einer Seitenkapelle rührt geradezu an. Auf dem kleinen Friedhof pflegt ein älteres Paar ein Grab. Von hier aus hat man einen prächtigen Blick über die weite Landschaft. Links hinten taucht ein Schloss im Nebelsonnendunst auf. Zuvor jedoch muss auf das leibliche Wohl geachtet werden.

In dem einfachen Restaurant bedient ein Bär von einem Mann. Der lange Zopf und die tätowierten Arme lassen vermuten, dass die pralle Harley, die gegenüber an der Hauswand lehnt sein Gefährt ist.
Au pot verweist auf die schöne alte Tradition, dass hier das gegessen wird, was gerade im Topf zubereitet worden ist. Heute: Poulet au pot. Grobgeschnittes knuspriges Brot, eine Platte mit Suppengemüsen, daneben die Terrine mit der köstlichen Hühnerbrühe und eine satte Hühnerbrust als Beilage. Schade bloss, dass ich als Fahrer auf den Wein verzichten muss. Waren wir anfangs die einzigen Gäste, hat sich das Restaurant beim Verlassen bis zum letzten Platz gefüllt. Einen Pastis noch als Magenbesänftiger, um anschliessend gemächlich auf die andere Talseite zum Schloss derer von Raputin zu fahren.

Ich bin in Frankreich immer gastfreundlich behandelt worden.
Nach den ebenso feigen wie unmenschlich brutalen Anschlägen von religionsfaschistischen Terroristen in Paris gilt mein Mitgefühl der französischen Bevölkerung und ganz besonders den Opfern und deren Angehörigen.

                                                        (Die qualitativen Unterschiede der Fotos sind den verschiedenen Aufnahmegeräten begründet)

Burgundische Reisefreuden

Durch die Renovierungsarbeiten sind hunderte Fotos liegengeblieben. Die sollen jetzt endlich entwickelt werden. Dazu erklingt inspirierende Gutelaunemusik von den North Mississippi Allstars – Electric Blue Watermelon (2005)…

In sehr klaren, eindrücklichen Bildern wirkt die Kurzreise ins Burgund nach. Endlich wieder einmal Frankreich. Wir starten gegen Mittag. Traumhaftes Wetter und eine entspannte Verkehrslage sorgen für eine gute Einstimmung. Im ersten Laden im Elsass gibts vorzüglichen Käse und eine deftige Paté als Reiseproviant. Den Wein lassen wir im Regal liegen. Die Freude auf einen frischen Chablis sparen wir für die Ankunft am Ziel der ersten Etappe auf.
In Dijon verlassen wir die Autoroute A31. Von nun an wirds auf möglichst kleinen Landstrassen weitergehen. Auch wenn bloss wenige Tage zur Verfügung stehen kann man gemächlich reisen und viel dabei entdecken. Schon auf der Fahrt stellt sich heraus, dass der ursprüngliche Anlass der Reise, der Besuch verschiedener Zisterzienserklöster modifiziert werden wird.

Ich habe fast alle Formen des Unterwegsseins ausprobiert und erlebt. Und jede hat ihre Berechtigung entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse des reisenden Menschen. Dazu gehört der Pauschalurlaub mit grellfarbigem Armbändchen ebenso wie der Campingplatz oder auf Schusters Rappen unterwegs mit dem Rucksack auf schlechten Wegen.
Jede Reiseform hält ihre eigenen Erlebnisformen bereit. Aus diesem Grund enthalte ich mich von  Bewertungen des Besser oder Schlechter.

Aus der Erfahrung vieler Reisen ziehe für mich die Erkundungsreise vor. Dafür muss man eine gute Portion Spontanität und Flexibilität mitbringen. Offenheit und die Lust auch auf ungewöhnliche Entdeckungen vorausgesetzt, stellt sich die Freude auf das, was einem entgegenkommt fast unausweichbar ein. Umso niedriger die Schwelle eigener Vorstellungen und Erwartungen ist, desto grösser wird der Gewinn am Ende sein. Wichtig ist dabei auch die Reisebegleitung. Wer alleine unterwegs ist kann nach Gutdünken reisen, in Begleitung hingegen sind Absprachen unumgänglich. Wenn die Reisegruppe dabei die gleichen Anliegen teilt ist der Erfolg der Reise gearantiert. Bei dieser Frage möchte ich keine Kompromisse mehr eingehen.

Wir haben kein Hotel im Voraus gebucht, weil sich eine gelegenheit zur Übernacht fast immer findet. In der Herbstdämmerung verklärt sich die Landschaft in goldenen und violetten Farbspielen. Früh bricht die Dämmerung an und es ist abzusehen, dass wir auf der schmalen D103 mehr Zeit brauchen werden als vorgesehen.
Zu schön sind die alten Dörfer an der landschaftlich sehenswerten Strecke. Da kann man sich auf die Michelin Karte viel besser verlassen als auf jeden modernen Streckenvorplapperer. Überhaupt sind für diese Form des Reisens Landkarten besser geeignet. Es geht schliesslich nicht um die ideale Streckenlinie von A nach B, sondern um die Ansicht der Terrains, sodass man spontan Entscheidungen treffen kann.

Wir erreichen Montbard später am Abend. Eine Passantin in dem Städtchen empiehlt uns das Hôtel de la Gare. Dort finden wir einfache Zimmer. Auf Sternenschilder am Eingang kann man getrost verzichten. Der Koch hat gerade Feierabend, erklärt sich freundlicherweise jedoch bereit, noch schnell einen Imbiss für uns herzurichten. Mit einer Flasche Chablis beschliessen wir den ersten Reisetag.

Beim typisch französischen Frugalfrühstück planen wir den Tag. Die Abbaye de Fontenay ist das älteste, in weiten Teilen erhaltene Zisterzienserkloster. Romanischer Baustil mit den ersten Anklängen der entstehenden Gotik. Nur sehr wenige Menschen besuchen das Kloster an diesem kaum fassbar schönen Herbsttag. Wir verbringen fast den ganzen Tag in der Klosteranlage. Besinnliche Rundgänge wechseln mit intensiven Gesprächen. Ein feines Picknick auf einer Wiese in der noch immer spürbar wärmenden Herbstsonne. Die Stimmung der Umgebung überträgt sich. Gelassenheit und innere Ruhe breiten sich aus. Zufriedenheit und das Glücksempfinden, diesen besonderen Ort zu besuchen.
Die Zeit vergeht und wir müssen uns langsam Gedanken machen über das heutige Etappenziel. Ein kleines orginelles Hotel werden wir sicherlich finden.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein herbstlich gediegenes Wochenende.

                                                                (Die Abtei von Fontenay – Foto anklicken und gross gugge)

Alltagsanker für Herbstparadiesfahrten

Der Film B-Movie – Das wilde West Berlin der 80er Jahre (2015) ist sehr empfehlenswert und er verführte mich ins Ärmelsche Musikalarchiv: Klaus Schulze – Irrlicht (1972)…

„Guten Tag, mein Name ist B*** von der Firma ****, Ihrem Gaslieferanten. Sie wollen uns verlassen?“ Die Stimme am Telefon klang ungemein traurig. „Gaslieferant? Sie spekulieren auf Energiepreise und Kunden wie ich nehmen ihr Angebot an und spekulieren mit. Das ist doch ein faires Geschäft auf Gegenseitigkeit.“ Ich wechsle nicht monatlich, behalte jedoch die Energiepreise im Blick. Und das rentiert sich.

Auf eine Empfehlung hin besuche ich einen Blog. Auf der Startseite prangen die Trophäen der Wortpresse. Mir gefällt diese Form der Eitelkeit nicht, denn… Wo ist eigentlich mein Trophäenschrank. Nirgends zu finden. Wo mögen ihn die Programmierer wohl versteckt haben? Nach einer halben Stunde Klickerei ohne Ergebnis habe ich doch etwas gefunden. Meine eigene Eitelkeit nämlich. Wie leicht es scheinbar doch ist, mich dahin abzulenken.

Meine betagte Nachbarin steht mit ihrem Kraftfahrzeug quer auf der Strasse. Sie betrachtet sich sinnend den linken vorderen Kotflügel. Offensichtlich hatte sie die Entfernung zur Garageneinfahrt überschätzt. Die Stossstange sah bedenklich mitgenommen aus.
„Da haben Sie nochmal Glück gehabt, sagte ich, „alles noch dran, die ist zum Glück aus Plastik. Ich will Ihnen den Schaden gerne ein wenig wegpolieren, dann sieht das garnicht mehr so schlimm aus.“
„Plastik“, fragte sie zweifelnd, „ich dachte, die sei aus Blech. Seit dem letzten kleinen Rumms habe ich da immer wieder mal ein wenig Nivea drauf verrieben, damit sie nicht rostet.“

Derlei Alltagsgeschehen bringen mich zurück in die Gegenwart. Die kleine Rundreise im Burgund war sehr beeindruckend. Klöster, Museen und fast vergessene kleine Hotels unter einem betörend blauen Himmel. Die farbenprächtige Herbstlandschaft wurde zum Paradies. Zisterzienser, Gallier und das Zusammentreffen mit freundlichen Menschen wirken ebenso stark nach wie die kleinen Entdeckungen auf noch schmaleren Landstrassen, die sich dabei ergeben haben.
Hunderte von Fotografien warten nun auf ihre Entwicklung. Vorher werden jedoch im Ärmelhaus die Grobwerkzeuge weggepackt. Das meiste ist geschafft.

(Vorab einige Fotos: anklicken und wie gehabt gross gugge)

Merkwürdiges Wetter bei guter Musik

Die neue Scheibe von Dave Edmunds überzeugt mich nicht, lieber Herr Zaphod. Die hier passt ohnehin besser zum Beitrag. Gelgentlich hört man noch von dieser Gruppe: Ar Re Yaouank – Fest-Noz still alive (von ?)…

Ich hatte einiges gelesen und gehört. Das klang richtig gut. Und im 1996er Jahr war es soweit. Ein kleines Ferienhaus wurde gemietet und ab ging die Fahrt in die Bretagne. Nach Kerlouan. Eine nimmer enden wollende Strecke. Und das Wetter wurde zunehmend schlechter unterwegs. Kein gutes Vorzeichen für einen Urlaub mit Kindern am atlantischen Meer.
Mit dem feinsandigen Strand war das so eine Sache. Wenn die Sonne endlich schien, war das Meer weg. Seltsame Steingesichter schauten dann um die Ecke zum Strand hin. Setzte die Flut dann ein, verdüsterte sich der Himmel zusehends und es begann strichweise zu regnen. Häuser hingeduckt im Ried. Im August dann Nebel am helllichten Tag.
Das Dorf war aber sehr reizvoll. Und dort fand ein Fest-Noz statt. Mehrere grosse Zelte waren aufgebaut. In jedem eine andere Art von Musik und dazu passende Tänze. Die Schwierigkeit für Mitteleuropäer sind die Melodiefolgen. Ständige Wiederholungen, die sich zwar leicht verändern, aber die Zuhörer aus sich herausziehen. Nach zwei, drei Stunden stellt sich ein Gefühl ein, als hätte man den Bodenkontakt verloren. Dazu floss der exquisite Cidre in Strömen. Selbst den Kindern schadeten altersgemäss entsprechende Mengen nicht. Dort erlebte ich einen Auftritt von Ar Re Yaouank, der mich dann wieder etwas geerdet hat.
Die Nacht war ein bleibendes Erlebnis. Ebenso wie der Kauf des morgendlichen Baguette. Ich ging als Frühaufsteher anschliessend in ein kleines Café für einen frühen petit noir. Bereits am dritten Tag erkannte ich einige Stammgäste. Wir grüssten uns. Einer forderte mich zu einem café calva auf. Einem Calvados im Kaffee, morgens um halb acht. Merkwürdigerweise verstand ich dadurch die an mich gerichteten Fragen der Barsteher deutlich besser. Für den restlichen Urlaubstage wurde es zu einem Ritual sich morgens gegenseitig einen café calva auszugeben. Damit waren die merkwürdigen Wetterverhältnisse ganz klar besser zu ertragen.
Auf der Rückfahrt besuchten wir die alte Hafenstadt Saint-Malo. Geburtsort und Unterschlupft berühmt berüchtigter Freibeuter und Piraten. Bei einem Stadtrundgang drangen mir die Klänge eines meiner allzeitigen Lieblingslieder ans Ohr. Eine junge Frau spielte die Geige und ihr Begleiter sorgte mit allerlei Krimskrams für den Rhythmus. Die beiden sahen aus, wie gerade eben dem Leiterwagen einer fahrenden Schauspielertruppe entsprungen. Alles passte.
Das Lied lernte ich schon Jahre zuvor in der Version der englischen Band East of Eden kennen, die vornehmlich Prog-Rock spielte. Ihre Darbietung von Jig-a-Jig ist für mich auch heute noch ein Reisser, der sofort alle Lebensgeister wachruft und jegliche unguten Launen vertreibt.

                                                    (Analoge Fotos digitalisiert. Anklicken öffnet die Galerie)