Wochenendliche Wohlfühlwonnen

Eingetretene Pfade verlassen mit abseitiger Musik. jedenfalls. Die Liste der Mitspieler liest gut, Jeff Beck, Jimmy Page, John Bonham, Noel Redding, Nicky Hopkins usw.: Lord Sutch & Heavy Friends / Hands of Jack the Ripper (1970/1972)…

Ungemütlich soll das Wetter in einigen Landstrichen werden in den kommenden Wochen. Nasskalter Halbdämmer, nebelverhangen. Saunagänge werden wieder angesagt in den nächsten Monaten. Man richtet sich zuhause gemütlich ein. Wer aber kann eine Sauna sein eigen nennen. Die meisten Menschen müssen sich mit einer Dusche begnügen. Glücklich ist, wer noch über seine Badewanne verfügen kann.
Ich selbst bin ja
bekennender Heissduscher. Und doch hat es mich zu bestimmten Gelegenheiten hin und wieder in ein Wannenbad gezogen. Und wenn, ja dann waren andere Essenzen erwünscht als Badedas oder Russisch Leder.
Allen Wannenbadgeniessern empfehle ich das folgende Werk:

Wonnestunden

Statt einer umständlichen Inhaltsangabe möge der Untertitel den interessierten Besuchern, Lesern und Guggern hinreichen: Betörende Düfte, schlüpfrige Öle und berüchtigte Salben – Die Wonne in der Wanne…
Doch damit nicht genug, weitere Wonnemöglichkeiten sind dem Werk ausserdem zu entnehmen.

Krahl, Gisela; Riepe, Andrea: Wonnestunden. Wunderlich im Rowohlt Verlag, Reinbeck, 1990, 189 (2)S.
Diese Empfehlung verbinde ich mit den besten Wünschen für ein wonnigwarmes Wochenende.

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Erlebnis Frühstück

Erschrocken starre ich auf das Cover. Dem Mann hätte ich diese Körperfülle niemals zugetraut. In meiner Erinnerung bleibt er wohl immer der Gitarrenzauberer aus dem Laurel Canyon von 1968.  Mick Taylor – Little Red Rooster (2001)…

Doors closing…  Ground floor…   Doors opening…
Ich finde es praktisch, dass es für Blinde endlich möglich wird, einen Aufzug auch alleine und ohne fremde Hilfe benutzen zu können. Für Sehende, die den Aufzug mehrmals täglich benutzen sind diese Ansagen natürlich eine Herausforderung für die ironisierende Kreativität.
Durch die kleine Aufwärmübung im Lift ist man gut vorbereitet für entsprechend kommentierende Beobachtungen im Frückstücksraum. Draussen auf der Terasse ist das schwieriger, weil die Brisen vom Meer die frühmorgendlichen kommunikativen Ergüsse an den Nachbartischen bruchstückweise verwehen. Da im Morgengrauen mittelschwere Gewitter niedergegangen sind, nimmt man das Frühstück heute drinnen ein. Obwohl und andererseits der Wind auch sein Gutes hat. Der erspart einem manche schwer verdauliche Wortsülze in Aspik. Das Hotel erfreut sich grosser Beliebtheit, denn es liegt zwischen zwei „Marinas“. Liegeplätze (für Boote) nannten normal sprechende Menschen diese Lokalitäten bis vor wenigen Jahren noch. Marina ist für mich allerdings untrennbar mit Rocco Granata und seinem überaus erfolgreichen Lied von 1959. So ändern sich die Zeiten.
An diesen Bootsliegeplätzen haben offenbar auch viele Deutsche ihre Schiffchen vertäut. Pekuniär ist das sicher vorteilhafter als der Starnberger See und ausserdem hat man echtes Meerwasser unter dem Kiel. Und vom Süden Deutschlands aus ist man recht schnell im mittleren Dalmatien.
An einem der Nachbartische sitzen dem urigen Idiom nach zu urteilen drei oberbayrische Zweierbeziehungen mittleren Alters. Während ich mein Frühstück zusammenstelle, schnappe ich im Vorübergehen mehrfach die Fachsimpeleien der Herren auf. Als alles vor mir steht, was ich mir unter einem wohlschmeckend leichten Frühststück vorstelle, haben inzwischen die Damen das Wort ergriffen. Genderorientierter Schichtwechsel beim essen und trinken fällt mir spontan dazu ein. Die Damen fachsimpeln über anderes schwergewichtiges Thema. Vorwerk Haushaltsgeräte. Als eingefleischer Fan vom Kobold dieses Hauses sperre ich die Ohren auf. Ausserdem habe ich eine Schwäche für die Intonation sowie die grammatischen Fehlleistungen der Dialekte jenes „aufwieglerischen Gebirgsstammes am Nordrand der Alpen“ (so der Brockhaus Mitte des 19. Jahrhunderts). Es geht um Teppichbürsten.
Das Ehepaar um die sechzig an einem anderen Tisch lenkt mich ständig ab. Sie reden nicht. Sie frühstückend vollkommen schweigend. Ein ganzes langes Frühstück lang. Das fiel mir schon gestern auf, besonders jedoch ein anderes. Der Körper der Frau bewegt mit äusserster Effizienz ausschliesslich die Teile, die zum essen, kauen und schlucken unabdingbar notwendig sind. Es scheint, ihre Handgelenke sind an der Tischkante angenagelt. Halt, nur das linke; der Nagel rechts geht wahrscheinlich weiter oben durch den Unterarm, dass sich das akkurat abgesägte Marmeladenbrötchenschnittchen mit der Gabel zum Munde führen lässt, ohne den Oberkörper unnütz nach vorn zu senken. In welchem Kurs erlernt man derlei Kunststücke?
Inzwischen gehts um Küchenmaschinen. Da habe ich wohl was verpasst oder falsch verstanden. Küchenmaschinen von Vorwerk? Die Frage wird mir aus dem Bewusstsein gewischt, denn nun beginnt eine kritische Würdigung, die stilistisch alle Stammesgrenzen sprengt, ja geradezu sich ins typisch deutsche Genörgel und Genöhle auswächst. Nach der Aufzählung der mannigfaltigen Vorzüge der Maschine, bei der letztendlich offen bleibt, ob es sich dabei wirklich um die Küchenmaschine oder das Selbstlob der Fähigkeiten der Hausfrau handelt, kommt der finale Blattschuss. Die gekochte, gemixte, gebackene, getrocknete, zerkleinerte, gedämpfte, gemahlene, verflüssigte, geschredderte und weiss der Geier noch alles Speise reicht nur für vier Personen. Also, die Maschine kann nur Essen für maximal vier Personen herstellen. Man könnte natürlich auch sagen, dass der Topf zu klein ist. Die Herren am Tisch schweigen. Die Sprecherin redet sich langsam steigernd in Rage. Ich beschliesse, sofort nach dem Frühstück jene mysteriöse Maschine zu recherchieren. Eine andere Frau versucht mit sanften Worten, das Gespräch zurück zu den Staubsaugern und ganz speziell auf Teppichbürsten zu bringen. Langsam mischt sich in meinem Kopf ein Bild zu einer gedämpften und geschredderten Teppichbürstencremesuppe. Die unbewegte Frau am Nebentisch zerkleinert inzwischen den erstklassigen Schafskäse mit ebenso leidenschaftslosem Gesichtsausdruck wie zuvor das Marmeladenbrötchen. Auf diese Reihenfolge kommen sicher nur Künstler durchfährt es mich. Ich bin satt und fröhlich.
Doors closing…   Thrid floor…  Doors opening…
In der Tat gibt es von vorerwähnter Firma jenes Küchenwundergerät für über tausend Eurotaler pro Stück. Ich suche auf der eigens eingerichteten Homepage, ob es nicht als Zubehör ein Gefäss für den grösseren Haushalt geben mag. Allein, die Firma will Interessierten nicht wirklich informieren sondern gleich den Vertreter ins Haus schicken. Das Thema ist damit für mich durch, denn erstens der Preis und zweitens eine der Lebensweisheiten meiner Urgrossmutter selig im Originalzitat: „Wer alles kann, kann garnix“. Und wie klingt es so verheissungsvoll in der firmeneigenen Reklame: „Der XYZ kann alles – ausser kompliziert“
Na, da freue ich mich doch schon jetzt wieder auf den Klang des lieblichen Idioms mit all seinen weltbewegenden Themen am Nachbartisch morgen früh.
Allen Besuchern wünsche ich eine sonnige Woche.

Zum Foto: Oft im Leben sinds die kleinen Dinge am Rand. Gestern fand in Primosten das 1. Volksradfahren, eine locker familiäre Veranstaltung statt. Zum Start der Pedalisten spielte diese Band auf. Musik im Stil der 1970er Jahre. Anfang der 1970er Jahre um genau zu sein. Ich hätte mich dort gut zu einem ausgedehnten Frühschoppen niederlassen können. Die Band hatte keinen Namen, aber der Fender Bassman auf der Bühne erinnerte mich an alte Zeiten. Das kleine Glück auf einem Dorfplatz.

Da kehrt Gelassenheit ein

Am Fenster perlen Regentropfen…

     (Foto anklicken und die Galerie ist geöffnet)

Der Titel dieses Posts – man traut es sich in unserer bewegten Zeit kaum zu sagen. Gelassenheit. Gelassen sein. Etwas lassen. Vielleicht sogar einverstanden sein. Einfach so. Mit dem Wetter. Dem unbequemen Stuhl, auf dem ich gerade sitze und diesen Text tippe. Einfach so.
Wir haben unseren Koffer in der alten Poststation abgestellt. Jeweils knappe zwanzig Kilometer von den nächsten Städtchen entfernt. Relaisstation zum Pferdewechsel mitten in der Landschaft. 1710 steht auf dem Türsturz über dem Eingang. Aus der Wand ragen noch die Halteringe zum festbinden der Pferde. Gegenüber auf dem Hof die kleine Kapelle. Für die Fürbitte der Reisenden. Gegen Strassenräuber oder die Strapazen in der Kutsche.
Die Zeiten ändern sich. Aus der Kapelle ist ein Gästezimmer geworden. Der Postmeister ist einem Koch gewichen. Der will seine Gäste überzeugen von der Qualität der heimischen Produkte. Nur diese verwendet er in seiner Küche. Deshalb wird der Mandelkuchen mit Olivenöl statt Butter gebacken. Der Schokoladenkuchen entbehrt jeglichen Mehls. In dieser Gegend wird kein Getreide angebaut. Alle Marmeladen sind hausgemacht, das Brot selbstgebacken. Die typischen apulischen Weine (Primitivo oder Negroamaro) sind schwarzrot und schwer. Gehaltvoll durch den kalkigen Boden und die Sonne im Überfluss. Modeweine wie seit einigen Jahren die Bordeaux verblassen dagegen. Marketing statt Geschmack und Genuss. Wer kennt schon apulische Weine? Wer verirrt sich überhaupt hierher? In den Mezzogiorno. Kenne ich als Ferienjobber auf dem Bau selbst von Italienern nur als mildes Schimpfwort.
Es ist ruhig, heute ist der Himmel grau. Seit jeher hat hier der Wind das Sagen. Das Wetter ändert sich stetig. Gestern war der Himmel von einer unverschämten Bläue. Da kann der Blick nach oben ehrfürchtig werden. Apulien. Mezzogiorno.
Nach dem Frühstück gehe ich in den Olivenhain, der sich an den Hof anschliesst. Die jüngsten Bäume sind gut dreihundert Jahre alt. Sie stehen weit auseinander. In den modernen Olivenplanzungen stehen die jungen Bäume dicht an dicht. Das steigert den Ertrag. Quantität vor Qualität. Eine Stunde Stämme ansehen. Anfassen. Mit geschlossenen Augen erfühlen. Bestaunen. Bewundern. Die schmaleren Stämme haben fast zwei Meter Umfang, die grösseren vier, fünf und mehr Meter. Behäbig stehen sie auf dem schweren Boden. Massiv und knorrig. Unerschütterbar. Die dynamische Bewegung des Holzes wird in Jahrhunderten gezählt. Die grünen Oliven sind bereits geerntet, die blauen brauchen noch etwas Zeit, einige letzte Sonnentage vielleicht. Auf ein paar Tage mehr oder weniger kommts nicht an. Wer zählt die Tage?

Prost! – Resumee auf ein Jahr als Blogger

und das Wetter passt dazu…


Im Oktober 2011 habe ich mich entschieden, einen Blog zu installieren. Schlau gemacht, gehorscht und geguggt und nachgedacht. Am 1.11.2011 war es soweit, der erste Post erschien. Seit dieser Zeit habe ich viel neues gelernt.
Was mich – wie immer im Leben – jedoch am meisten erfreute, waren die virtuellen Begegnungen, die dieses Medium ermöglicht. Gegenseitig verlinkte Blogs finde ich klasse, wenns zum Konzept passt.
In der letzten Woche zeigte die bereinigte Statistik den 10.000sten Besucher an. Diesen Besuchern (und Lesern) danke ich für die Aufmerksamkeit und das Interesse an Herrn Ärmels Blog. Inzwischen haben viele Leser den Blog abonniert. Da kommt schon ein bisschen Stolz bei mir auf, wenn ich sehe, dass man in den Weiten des Internet gefunden werden kann. Andererseits ist es fraglich, ob Besucher aus fernen Ländern das finden, was sie suchen. Alleine die Suchbegriffe, die auf diese Seite führen und geführt haben wären eine eigene Geschichte wert.
Toll finde ich, dass nur wenige Kommentare reines Gespamme sind. Massive Besuche durch us-amerikanische und russische Interessen sind unvermeidbar, werden aber nicht weiter zur Kenntnis genommen und in der Statistik abgezogen.
Ich hoffe, weiterhin Berichte und und Fotos zu präsentieren, die Freude machen und es wert sind, diesen Blog weiterhin zu besuchen. Ich erhebe mein Glas – Prost! – auf die Leser und vielen Dank für das Interesse.

Sichtweisen (VI) – DenkMal

Alle sprechen vom Herbst – wir noch nicht…

Durch meine Beschäftigung mit „Erinnerungskultur“ (memoria) sind neben Grab- und anderen Gedenksteinen seit der Antike auch andere Artefakte der Geschichte interessant geworden. Auf Friedhöfen kann man beispielsweise neben den augenfälligen Grabsteinen auch die Kriegerdenkmale dazu zählen. In einem ganz weiten Sinn verstanden natürlich auch Denkmale schlechthin. Ob sogar Graffities Teil der Erinnerungskultur sind (oder werden) wird zumindest schon mal diskutiert. Ein weites Feld also.
1941 begann hier der Widerstand der Partisanen gegen die Besatzer. Aus diesem Grund begegnet man auf Schritt und Tritt einer besonderen Art von Denkmalen, die an diesen Kampf und vielen Opfer erinnern sollen. Notabene: Was bleibt?
 
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Wasser ist Leben

Bei dem schönen Wetter? – Raus zum nächsten Gewässer…

Wasser. Eines der vier Elemente. Lebensnotwendig. Sauberes Wasser ist ein Glücksfall für die meisten Menschen auf dieser Erde. Wasser hat gelegentlich zerstörerische Kräfte. Wasser kann man geniessen. Draussen vor der Stadt nutzen Menschen die wenigen zugänglichen Stellen des Flusses. Sonntags herrscht dort emsiger Betrieb. Ein findiger Wohnwagenbesitzer hat sein Gefährt am Ufer vertäut. Ein Sonnendach spannt sich bis in den Fluss. Darunter stehen Tische und Stühle im Wasser. Karibik in den Schwarzen Bergen.
Wir wollen unsere Ruhe und fahren weiter flussaufwärts. Das Tal verengt sich zur Schlucht. Es wird schwieriger durch die Macchia runter zum Fluss zu kommen. Wir suchen weiter. Und finden eine schöne Stelle. Breiter Kieselstrand. In einigen Monaten wird der „Strand“ wieder Teil des Flussbettes sein. Zwei Jugendliche, eine Familie mit kleinen Kindern, keine laute Musik. Genau richtig.
Ich gehe am Ufer auf und ab. Achte auf Farben, Bewegungen und Geräusche des Wassers.

— …fliessen, strömen, wiegen, gluckern, plätschern, glitzern, stauen, rinnen, murmeln, schwappen, tropfen, sickern, schäumen, klickern, wogen, schwemmen, gurgeln, dümpeln, sprudeln, glänzen, brausen, wallen, sausen, fluten, verebben, spülen, biegen, spritzen, kreisen, stürzen, nachgeben, strudeln, wippen, drehen, sprühen, treiben, perlen, zischen, verdunsten, überschwemmen, erfrischen, treiben, rauschen, … fotografieren, …?… — Zum Glück habe ich eine Kamera dabei!

 

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