Ostereierwasserglas

Gut, um am Morgen den Kreislauf auf Trab zu bringen: Los lonely Boys – Rockpango (2011). Später dann John McLaughlin & Mahavishnu Orchestra – Birds of Fire (1973)…

„Darf ich Dir etwas sagen, mein Liebes? Es ist allgemein üblich, ein Ei aus der Schale und mit Salz zu essen. Ich weiss natürlich, in der Villa Bruckner isst man, speist man das Ei aus dem Glas und mit sechs vierschiedenen Gewürzen und das ist sicherlich sehr originell, aber es ist nicht notwendig sich über jemanden lustig zu machen, der an diese Originalität nicht gewöhnt ist.“ (Hendrik Höffgen im Film Mephisto ab 28’10“).

Armselig finde ich, dass immer mehr Menschen Einrichtungen im öffentlichen Raum beschädigen, kaputt machen oder gleich ganz zerstören. Da die Kommunen unter notorischer Mittelknappheit leiden, werden immer mehr dieser defekten Einrichtungen nicht mehr repariert – warum auch. Nur um einige Tage oder Wochen erneut die Kosten für eine Instandsetzung aufzubringen.
Ich erwache auch ohne Wecker bereits vor Sonnenaufgang. Am Ostertag will ich Wasser schöpfen aus einer Quelle beim Sonnenaufgang. Das hält sich ein ganzes Jahr lang ohne zu verderben. Eine Waschung damit oder auch der Genuss wird mich ein weiteres Jahr bei guter Gesundheit erhalten. Die Quelle oben am Neroberg ist abgestellt. Die Einfassung ist verdreckt und Abfälle liegen herum. Ein Fluch meinerseits verbietet  sich, Osterwasser muss schweigend geschöpft werden, andernfalls wirkt es nicht.
Zum Glück gibt es jedoch noch andere Quellen in Wiesbaden. Die Kuppeln der russischen Kirche leuchten fast unwirklich im Sonnenaufgang. Interessante Motive bieten sich an. Dennoch muss ich zurück, denn normalerweise verlasse ich das Haus nicht, bevor ich gefrühstückt habe.

Zum Frühstück und weil Ostern ist, habe ich Lust auf Eier. Erst kürzlich fand ich die Behälter aus Jenaer Glas wieder. Die sollen angeblich fast 80 Jahre alt sein. Man kann darin die Eier im Glas zubereiten.
Man buttert das Glas aus, gibt ein rohes Ei hinein, nach Geschmack Pfeffer und Salz darüber streuen. Das Ganze wird gekrönt mit frischem Schnittlauch, in kleinen gleichmässig geschnittenen Röhrchen. Den Deckel auf den Behälter legen und mit der Stahlklammer verschliessen. In sprudelndem Wasser erhitzen und je nach gewünschter Konsistenz im Wasserbad belassen. Dazu schmeckt mir zu dieser Jahreszeit eine Scheibe vollkörniges Butterbrot mit frischem, gehacktem Bärlauch.

Nach einem solchen Tagesanfang macht auf dem Rheinburgenweg die Etappe Wesel – St. Goar und zurück das Glück des Tages perfekt.

(Foto anklicken und grösser gugge)

32 Gedanken zu „Ostereierwasserglas

    • Herzlich Willkommen und vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Jetzt ist Ostern vorbei – haben Sie gut gediegen und interessant gefeiert?

      Morgendliche Sonnenaufgangsgrüsse aus dem fröhlichen Bembelland

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      • gediegen… ich?… 🙂 in Xanten haben wir unsre Eindrücke gesammelt… zum Schluss römisches Essen nach angeblich 2000 jährigem Rezept… nach kurzem Probieren bin ich dann doch lieber hungrig nach Hause gegangen…
        die Sonnenaufgangsgrüße nehme ich sehr gerne entgegen…

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        • In Trier solls auch ein Restaurant geben, dessen Köche original römische Küche anbieten.
          Ich lass mal Rezepte und habe beschlossen, andere Restaurants vorzuziehen.
          Villeicht haben Sie von Garum gehört, einer grundlegenden römischen Sauce. Reste davon dürfte man heutzutage wahrscheinlich nicht einmal mehr in die Kanalisation spülen 😉

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  1. Wunderbar, St. Goar hab ich gleich erkannt, sogar ohne Beschriftung. Ihre Eier hätte ich gerne gekostet.
    Klingt lecker und sieht lecker aus, mein werter Herr Ärmel.

    Einen wunderschönen Abend für Sie!

    Sonnigabendlichesichaufdenerstencyclerstammtischfreuende Grüße,
    Ihre Silvia Meerbothe

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  2. Noch nicht gehört die Texaner-Gang, klingt interessant. //Schnitt//
    Leider ist i.Ü. auch für Sanierungen im öffentlichen Raum nur dann Geld da, wenn es der Politik (bzw. dem Politiker, die Politik als solche ist ja virtuell) etwas bringt (Image, Geld, Ansehen, Prozente), was dann in Macht umrechenbar ist, zeitverzögert, wohlgemerkt. //Schnitt// Nun ja, Ihr Ostersonntag klingt reichlich entspannt, ich habe neulich an anderer Stelle gelesen, man solle die Hektik aus dem Leben nehmen, sich sogar mal langweilen, dann hat man mehr von der Zeit. (Frei formuliert). Das Problem ist nur, wenn man ehrlich ist, sucht man nicht Lücken im Alltag, sondern Füllmaterial für die Lücken. Häufig zumindest. Aber da treffen wir uns wieder bei der Musik, man kann sich so schön fallen lassen. //Schnitt// Kennen Sie übrigens die aktuelle Prog-Rock-Art-Pop-Zitate-Sammlung von Steven Wilson? Hand. Cannot. Erase.
    Vewirrend neubekannt. //Schnitt// Auch ohne Worte kann man das perfekte Glück an den Bildern sehen. Wünsche eine Glücksfortsetzung am Abend.
    Mit sonnigen Grüßen aus dem wilden Süden.

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    • Ihre Schnitte kann ich nachvollziehen. Besonders gefällt mir der Gedanke, dass statt der Lücken lediglich das Füllmaterial für die Lücken gesucht zu werden scheint.

      Die Glücksfortsetzung durfte ich bereits gestern schon geniessen bei einer route du terroir – in Rheinhessen ist scheinbar einiges aus der Franzosenzeit hängen geblieben. Seit zwei Jahrhunderten nun. Und ein Marsch im Selztal am Flüsschen entlang ist enorm erbauend. Besonders beim Gedanken an die ländliche Gastwirtchschaft im Anschluss. Deftiges Essen zu einem labenden trockenen Weisswein.

      Um den musikalischen Hinweis werde ich mich kümmern. (Schönen Dank dafür)

      Morgendliche Sonnenaufgangsgrüsse aus dem fröhlichen Bembelland

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  3. Mir dünkt, werter Herr Ärmel, Sie sind momentan sehr viel auf Schusters Rappen unterwegs … dabei gehe ich davon aus, dass Ihre Lehr- und Wanderjahre ja eigentlich auch schon abgeschlossen sind … aber dennoch: Des Wandern ist des Ärmels Lust (wenn ich das mal so formuliren darf) … Wohlan … (auch) diese Leidenschaft teilen wir und ich bin mal gespannt, wann es mir mal wieder gelingt, meine Wanderstiefel anzuziehen …

    Aber Ihr Hinweis, auf all den Vandalismus im öffentlichen Raum hat mich wiedermal hellhörig werden lassen. Darf ich fragen, welche konkrete Erfahrung Sie zu diesem Hinweis veranlasst hat ? Denn, mich bewegt diese Frage schon seit vielen Jahren … warum, oder besser was treibt Menschen an … öffentlichte Einrichtungen (früher waren es wohl auch oft Telefonzellen, aber die gibt es ja kaum mehr) zu demolieren … ist dies eine gewisse Stumpfsinnigkeit, ist dies eine Form von unbewußtem Protest (wenn ja, gegen was ?)

    Auf jeden Fall scheint es ein Hinweis zu sein, dass für bestimmte Menschen das „Gemeinwohl“ keine Bedeutung mehr hat … Das tragische bei dieser These ist ja … dass für etliche unserer Kapazitäten der deutschen + internationalen Wirtschaft, dass „Gemeinwohl“ ebenfalls eher eine sekundäre Bedeutung hat … von daher: drückt sich in der Verachtung des öffentlichen Raums durch ein paar (etliche ?) Prolls nicht eine grundsätzliche Haltung aus … die von „denen da ganz oben“ vorgelebt wird ?

    Und selbst wenn dem so wäre … eine Entschuldigung ist das allemal nicht !

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    • Eine Frage, die ich nicht zu beantworten vermag, lieber Herr Riffmaster.
      Einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten der „Vorbilder“ und der Nachahmung durch bestimmte Menschen sehe ich jedoch auch. Es sind eben nicht nur die jugendlichen Rowdies, die Halbstarken und Flegel.
      Es macht sich nach meiner Wahrnehmung eine allgemeine Rücksichtslosigkeit breit. Nicht bloss den Sachen gegenüber sondern auch den Menschen gegenüber. Ich habe noch gelernt, dass man nicht zutritt oder schlägt, wenn jemand auf dem Boden. Diese Minimalregel der Menschlichkeit scheint heutzutage ausser Kraft gesetzt. Ein weites, unangenehmes Thema.

      Gehen Sie wandern, gehen Sie spazieren Herr Riffmaster, flanieren Sie. Es gibt keine Gründe, dies aufzuschieben. Gehen ist Autonomie.

      Morgendliche Sonnenaufgangsgrüsse aus dem fröhlichen Bembelland

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  4. Mich erinnert die da abgebildete Brotzeit in Personalunion mit der Rheinschleife an das Günderrrodehaus, da gab es lecker Essen, aber Hallo!
    Ich wundere mich auch immer wieder, zu welchen armseligen Aktivitäten (das richtige Wort) sich manche Leute versteigen können, ihren Unrat irgendwo zu verbreiten. Die ganz Harten werfen den ausgedienten Flachbildmonitor in das nächste erkennbare Grün.
    Aber sind das wirklich die ganz Harten? Nö.
    Das kriegt man irgendwie wieder hin, da macht man einen „Flotte Feger“ Tag, drückt dem Volk blaue und gelbe Säcke in die Hand und es wird sauber gemacht. Und zur Belohnung ein Leberkäsweckle.
    Die richtig harten Kaputtmacher, die sitzen ganz woanders, die arbeiten sauber und vor allem rentabel. Die lassen eine alte Häuserzeile stehen, hauen das Eckhaus weg, lassen den Wurm fressen und lamentieren dann über mangelnde Rentabilität, zu hohe Kosten für den Erhalt, vergebliche Suche nach einem Investor, und da sich naturgemäß keiner findet, es muss die ganze Häuserzeile weg, leider, ach du je.
    Ich verstehe das ja, weil es Geld bringt, aber ich verstehe es auch wieder nicht, weil Orte zerstört werden und daraus Orte entstehen, an denen keiner sein will-

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    • Ihnen kann ich das ja mitteilen. Die Mittagsvesper nahm ich angesichts der Kaub unter der Kastanie vor dem Günderodehaus ein. Unddachte nebenbei auch an Clarissa und Hermann.

      Das geschilderte Abbruchszenario kenne ich auch. Es gibt im Rhein-Maingebiet so viele Beispiele, dass einem ganz schwindlig werden kann dabei.

      Morgendliche Sonnenaufgangsgrüsse aus dem fröhlichen Bembelland

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  5. Darf ich meinen Senf noch zu den Eiern im Glas beifügen?
    So man(n)/frau eine Mikrowelle sein eigen nennt: ich buttere das passendes Gläschen mit Salzbutter aus, streiche ein wenig milden Senf an die Seiten, dann kommt das Ei, Salz, eine Prise Pfeffer, bei mir Dill und ein paar Flöckchen Butter zusätzlich obenauf. Ich decke das Glas mit Mikrowellenklarsichtfolie (vlt. geht es auch mit dem passenden Glasdeckel, habe ich noch nicht versucht) ab und stelle es für 60 Sekunden mejr oder weniger in die Mikrowelle und voila, es ist fertig.
    Die Sekundenzahl muß man ausprobieren, das kommt auf die Leistung an, denn es darf nicht zu fest werden.

    Herzliche Grüße an den Rundgänger, es macht Spaß, Sie lesend zu begleiten.

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    • Selbstverständlich dürfen Sie beifügen.
      Ich selbst bin leider zu altmodisch für Mikrowellen und Klarsichtfolien.
      Ihre Rezeptur klingt interessant.
      Da ich selbst nicht unter Verdauungsproblemen leide, wird auch zukünftig der Senf meine Eierspeisen nicht begleiten.

      Ganzsonnenschönkaltwindige Grüsse aus dem Bembelland

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      • Ich möchte sie nicht mehr missen, denn Schokolade schmelzen, Milch erwärmen, einen Auflauf aus Zucchini und Tomaten mit frischen Kräutern, der pure Geschmack u.a. geht einfach und schnell und zu der besagten Folie: nie in der Mikrowelle einfache Klarsichtfolie, die Folie muß Luftlöcher haben, damit der Dampf entweichen kann.
        Die Mikro dient bei mir nicht zum Aufwärmen von Fertiggerichten, so alt bin ich noch nicht -:)))
        Senf nehme ich auch nicht wegen der Verdauungsprobleme, wußte gar nicht, daß er da hilft, -:))) aber als Geschmacks-I-Tüpfelchen an Salatsaucen, zum Marinieren von Fleisch und Geflügel und nur ein Hauch und eben beim Ei im Glas.
        Ich werde den Versuch mit dem aufgelegten Glasdeckel anstelle der Folie , auf keinen Fall darf er durch Klammern verschlossen sein, machen und dann berichten.

        jetztwiederrauszumsonnenbaden -:)))

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  6. Oh die Kapelle, wie schön. Als Kind fand ich das Ding ungeheuer faszinierend, schließlich gab es im Norden keine Kirchen mit goldenem Dach. Was mich noch mehr interessieren würde ist die Nerobergbahn und ihre Haltestellen, da habe ich auch so meine Erinnerungen, aber wahrscheinlich wäre ich heute sehr enttäuscht, wer weiß was die da alles hingebaut haben inzwischen.
    Das Ei-im-Glas Rezept werde ich ausprobieren sobald passende kleine Weckgläser vorhanden sind (obwohl der Vorteil gegenüber Ei-in-Schale marginal erscheint, schließlich muss man Eierschalen hinterher nicht abwaschen)

    Das mit dem Sonnenaufgangsmondheilbadewasser ist aber ein Scherz, oder bist Du inzwischen unter die Esoteriker gegangen?

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    • PS: Bei der Loreley fallen mir amerikanische Touristen ein, die vergeblich nach einer weiblichen Haare kämmenden Statue suchten *g*.
      „Where’s the Loreley?“ „Na da halt, der Felsen“

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    • Sehe ich aus wie ein Scherzbold?
      Es gibt Vorgänge zwischen Himmel und Erde, die ich zwar nicht erklären kann, aber sie wirken und das alleine ist mir wichtig.
      Alles andere, ob glauben oder nicht glauben – da verlasse ich mich auf die treffliche deutsche Sprache: irgendwann muss jeder mal dran glauben 😉

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      • Ach so, die Nerobergbahn. Die fährt wie eh und je mit Wasser vom Tal auf den Berg und wieder runter.
        Unten in der Stadt hat sich kaum was verändert bei den alten Villen.
        Oben auf dem Berg ist die alte grosse Kneipe umgebaut und der riesige baufällige Wintergarten ist weg.
        Aber es ist noch immer stimmungsvoll. Und vorne am Abhang zur Stadt auf der Mauer über dem Weinberg sassen im Morgengrauen welche und genossen ihre Sportzigaretten. Auch da hat sich offensichtlich wenig verändert.
        Wiesbaden ist ja auch eine eher konservative Stadt 🙂

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  7. Die Stimmung auf Ihrem Foto der russischen Kirche im Sonnenaufgang erinnert mich an die Stimmung im Inneren orthodoxer Kirchen.
    Den Spruch vom „dran glauben müssen“ plagiiere ich kurzerhand; ich freue mich schon auf sein erstes Opfer.

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  8. wunderschöne Aufnahmen…
    das Mittelrheintal ist halt einfach einmalig auf der Welt und zurecht WKE der UNESCO…
    vor kurzem war ich auch mal wieder dort, auf meinem Rückweg von Holland 🙂
    Liebe Morgengrüße vom Ländle ins Bembelland vom Lu

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