Draussen im Garten

Musik: Wenn die Post abgehen darf: George Thorogood – Move it on over / 1978.
Lektüre: Kommentare in meinem Blog.
Essen & Trinken: Gebratene Zucchini mit Tomatenconfit, Nudeln und Mozarella. Ein herbes hessisches Landbier.
Arbeit: Handwerkereien im Garten und Blumenkästen vor den Fenstern angebracht.
Film: … .

Jetzt werde ich alt. Ich kannte das Haus schon als ich noch ein Kind war. Zwei Familien wohnten darin. Der Garten hinterm Haus war dreigeteilt. Für die beiden Mietparteien. Für wen war eigentlich die dritte Parzelle? Ich weiss nicht, wer es mir noch sagen könnte. Aber das ist auch garnicht wichtig.

Ich habe die Leute noch gesehen, wie sie abends die Beete und Rabatten gegossen haben. Die Schwengelpumpe im Hof. Jede Kanne vollpumpen. In den Garten schleppen und sorgfältig giessen. Ich erinnere mich an Stachelbeeren. Die mag ich bis heute nicht. Der Kirschbaum war der einzige Baum, den ich erklettern konnte.

Der Herr O. war einer der Engel auf meinem Lebensweg. Er brachte mir bei, wie man malt und zeichnet. Und eröffnete mir auf diese Weise die Kunst zu sehen. Genau hinzusehen. Er war Arbeiter bei Opel. Abends nach der Gartenarbeit sass er im Hof neben dem Wasserhahn. An seiner Seite stand der Zinkeimer randvoll mit kaltem Wasser. Darin stand eine Flasche Mineralwasser. Gloria Quelle Bad Vilbel. Und eine Flasche Apfelwein. In das Gerippte mischte er sich seinen Gespritzten. So sass er im Hof und sein Blick wanderte durch den Garten. Wenn ich das jetzt schreibe, sehe ich ihn, als würde er jetzt da draussen sitzen. 

Erinnerungen. Zwei, dreimal vielleicht habe ich ihn so sitzen gesehen. Jahrzehnte sind vergangen. Heute leben wir in diesem Haus. Die Mieter sind längst verstorben. Auch der Vorbesitzer lebt nicht mehr. Der Garten ist kleiner heute weil vor Jahren vier Garagen in den Garten gesetzt worden sind.
Beim Gärtner unseres Vertrauens (und nicht im Baumarkt!!!) haben wir heute Pflanzen gekauft und gepflanzt. Und dies und das getan, um in unserem Garten Schönheit zu schaffen. Wir freuen uns auf den Sommer und auf liebe Gäste. Aus dem ehemaligen Hundezwinger haben wir einen gemütlichen Freisitz mit Sommerküche geschaffen.
Nach dem Abendessen sassen wir draussen. Durch das Wässern stieg eine feuchte Kühle auf. Betörende Düfte umgaben uns. Im Rosmarin, der inzwischen weit über zwei Meter hoch ist und der in voller Blüte steht, ersummte ein vielstimmiges Konzert von Bienen, Trauerschwebern, Holzbienen, Wespen und anderen Insekten.

Wir sassen auf den Gartenstühlen, die von meinen Grosseltern auf uns gekommen sind und genossen diesen Moment. Der Tag war Arbeit und Freude. Ich schaute gegen die untergehende Sonne auf die Blüten im Hochbeet. Die Hände zum Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung vor den Augen, sah ich die Schönheit unseres Gartens und die unzähligen Insekten in den Nachbargärten. Mit einem Mal fiel mir der Herr O. wieder ein. So schliessen sich Kreise. Ein Gefühl der Dankbarkeit durchfloss mich. Es war das Glück, das keine Rechnung stellt.

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern, dass Ihnen in dieser Zeit kleine Augenblicke dieses Glückes vergönnt sein mögen.

 

 

Märchenhafte Zeiten

Musik: Der Blasinstrumentalist von Roxy Music. Andy Mackay – Resolving Contradictions (1978).
Lektüre: Josephine Siebe, Kasperle auf Burg Himmelhoch. Herold Verlag, 1965.
Essen & Trinken: Italienische Bratwurst, hausgemachte Bärlauchbutter, Bautzner Senf, Radicciosalat mit geraspeltem Apfel, Weissbrot, Spätburgunder aus Baden.
Arbeit: Ruhetag. Kleine Wanderung in verlassener Gegend. Kurze Radtour am späten Nachmittag.
Film: … .

Eine neue Woche beginnt. Und alle warten. Sowohl die Inhaber der geschlossenen Geschäfte als auch die Konsumenten. Die Konsumenten.
Alle warten auf das Ende der Beschränkungen.
Warten auf die Öffnung der Gastwirtschaften.
Warten auf die Öffnung der Friseurläden.
Warten auf die Öffnung der Sportarenen.
Warten auf die Öffnung der Kleidergeschäfte.
Warten auf die Öffnung der Spielhöllen.
Warten auf die Öffnung der Schwimmbäder.
Warten auf die Öffnung der Museen, Theater, Kinos und Konzerthallen.

Warten wir alle nicht ein wenig auf das Jetzt und Sofort?

Heute habe ich aussschliesslich uns Konsumenten im Blick. Warten können ist eine aussterbende Lebenskunst. Zumindest in unserem Kulturkreis. Wir sind Teil des elaborierten Zeitmanagements. Just-in-Time. Zeit ist Geld.
Dabei gibt es keine Zeit. Es gibt ein Werden und Vergehen. Die Zeit ist eine Hilfskonstruktion; eine Erfindung. Nichts weiter. Diese Erfindung macht es möglich, die Zeit zu zerstückeln und einzuteilen. Und damit unter anderem in Geldwerte umzurechnen. Andererseits kann man Zeiten nach Bedarf auch abschaffen.

Fast jeder Mensch hat im Deutschunterricht in der Schule von den Zeiten gehört. Gegenwart (Präsens), Vergangenheit (Imperfekt / Präteritum), abgeschlossene Vergangenheit (Perfekt), vorvollendete Vergangenheit (Plusquamperfekt). Zukunft (Futur I) und vollendete Zukunft (Futur II). Die deutschen Begriffe für diese Zeitformen variieren inzwischen, wenn sie nicht schon ganz im Verschwinden begriffen sind.

Welche dieser Zeitformen verwenden Sie denn heutzutage noch in Ihrer alltäglichen gesprochenen Kommunikation?

An einem bestimmten Punkt in meinem Leben bemerkte ich, dass ich fast nur noch im Präsens und im Perfekt sprach (wie übrigens die meisten meiner Zeitgenossen). Ich sprach im Jetzt und von dem, was vorbei und abgeschlossen war. Als mir nach längeren Recherchen klar geworden ist, dass ich Teil einer Strömung geworden war, habe ich durch bewusstes Training angefangen, mich gegen die „Räuber der grammatischen Zeiten“ zu wehren.

Um es an dem Beispiel der Vergangenheit (Imperfekt / Präteritum) und der Zukunft (Futur) zu erläutern. Wenn ich sprachlich statt der Zukunft nur die Gegenwart benutze, geschieht alles im Jetzt. Ich brauche auf nichts zu warten. Ich verlerne das Warten. Für die Heerscharen der Verkäufer tun sich dadurch Paradiese auf. Besonders dann, wenn ein ausgefeiltes Kreditwesen mit Plastikkarten zur Verfügung steht. Keine Wartezeiten mehr durch lästiges ansparen. Allerdings auch keine Vorfreude mehr. Verarmung an Lebenserfahrungen geht damit einher.
Hol´Dir jetzt !!! …. Sei der Erste !!! … Komm´gleich zu !!! … Wie oft werden die Köder für uns ausgeworfen?

Mit der einfachen Vergangenheit funktioniert es ähnlich. Aber mit dem gleichen Ziel. Gerade eben rutschte der letzte Bissen durch die Gurgel und schon sagen wir: ich habe gegessen. Perfekt. Abgeschlossen, fertig, aus und vorbei.
Die einfache Vergangenheit ist die zeitliche Verbindung zwischen der Gegenwart (Präsens) und der vollendeten Vergangenheit (Perfekt). Insofern wird durch das Imperfekt (lat.: noch nicht perfekt) ein Prozess ausgedrückt, der noch wirkend lebt.
Ich ass einen Apfel. Der Apfel ist zwar weg und verschluckt, aber ich schmecke das tolle Aroma noch immer. Eine grammatische Zeit der Entschleunigung. Die Verlängerung des Genusses. Zusammen mit der Überlegung zur wegfallenden Zukunft ergibt sich die Folgerung, dass man schneller wieder konsumbereit ist. Konsum von Waren, Attraktionen und „Zeitvertreibern“.

Es ist kein Zufall, dass die Prozesse (Entwicklungswege der Protagonisten) in europäischen Volksmärchen sowohl in ihren Originalsprachen wie auch in ihren Übersetzungen im Imperfekt geschrieben worden sind. Lebendige Prozesse sind von Anfang bis zum Ende erlebbar. Sie sind wandelbar. Und sie führen zu Reflektionen und Erkenntnissen. Sie sind, um es modern auszudrücken, ganzheitlich erfahrbar.

Der ruhige Fluss, in dem viele von uns derzeit dahinleben, schafft plötzlich Freiräume. Natürlich kann man diese Zeiten totschlagen. Man kann jedoch auch versuchen, Altgewohntes neu zu sehen. Oder etwas zu probieren, wofür man bisher „keine Zeit“ hatte. Vielleicht mögen Sie es mit den grammatischen Zeiten in Ihrem eigenen Sprachgebrauch einmal versuchen. Ich verspreche Ihnen, Sie werden staunen.

 

Ich hoffe, Sie meine Besucher, schliefen ruhig und träumten angenehm in der vergangenen Nacht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen erfreulichen Tag erleben werden.

 

 

 

 

Samstags, spätvormittags

Musik: Interzone – The lost Tape (2019). Ganz frühe Aufnahmen zu den Texten von Wolf Wondratschek.
Lektüre: Wolf Wondratschek – Gedichte und Lieder, Zweitausendeins, 2003.
Essen & Trinken: Zwischendurch einen Joghurt mit hausgekochter Mispelmarmelade und frischen Orangen.
Arbeit: Überlegungen zu dem Plan, was aus einem seit Jahren währenden Blogkommentarwechsel machbar sein könnte.
Film: … .

Ich weiss garnicht, ob irgendwo noch Fussballspiele stattfinden. Ist wahrscheinlich ausser für beinharte Zuschauer und die Geldverdiener hinter der Bühne nicht weiter wichtig. Es hat mit sportlichem Wettkampf ohnehin nur noch wenig zu tun. Verkommen zur modernen, hochkapitalisierten Form des altrömischen Zirkus. Das Motto von damals – panem et circenses – gilt noch heute. Lass die Leute arbeiten und in ihrer Freizeit lenke sie ab mit Spielereien – Brot und Spiele. Dann herrscht Ruhe im Land.
Vereine kann man sich kaufen wenn man es sich leisten kann. Herr Hopp konnte das und er hat es auch getan. Zielgerichtet. Als Investor versteht sich. Dafür liess er sich das Regelwerk der DFL (Deutsche Fussball Liga e.V.) zu seinen Gunsten ändern. Das ist angewandte Kaufkraft. Dieses Handeln rief viel Kritik hervor. In letzter Zeit ganz besonders von Fans (Abk.: Fanatikern) gegnerischer Mannschaften. Meine Kritik ruft er nicht hervor. Ich verstehe von diesen Geschäften nichts und verdiene auch nicht daran. Im Gegenteil, ein Mann wie er zeigt mir, wie es wirklich um unser System bestellt ist. Und er hat auch gleich Nachahmer auf den Plan gerufen. Ein Leipziger Verein trägt nun den Namen einer trinkbaren Hallowach-Chemikalie. Aber darum geht es nicht.

Wie komme ich jetzt ausgerechnet auf Fussball und den Herrn Hopp?

Aaahh – – ich war heute Morgen im hiesigen Supermarkt. Wir wollten einige Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen. Die lange Regalwand mit Toilettenpapier war heute prall voll. Die anderen Konsumenten gehen fast achtlos dran vorbei. Schauen mal kurz hin und gehen weiter.
Mich bewegt in den letzten Wochen nicht die Frage, warum viele Leute asgerechnet Klopapier hamstern müssen. Ich frage mich, wo der Nachschub bleibt. Hey, wir leben im Hochkapitalismus. Da versteht es sich, dass die Regale voll sind. Und zwar immer und ständig bitteschön.
Und heute Morgen fiel mir dazu dann der Herr Hopp ein. Genauer seine Firma SAP. Softwarelösungen für zum Beispiel die Finanzbuchhaltung, das Personalmanagement. Und das hochgelobte Chain Supply Management. Immer alles just-in-time. Keine Zeit verlieren. Keinen Lagerplatz verschwenden. Kein Geld verlieren. Lieferkettensteuerung. Die Klopapierlieferkette war gerissen. Seit drei Wochen schon. Und die tollen Softwarelösungen (nicht bloss die von SAP), an die wir alle so gerne glauben? Die haben uns jetzt gezeigt, dass wir von der Planwirtschaft vergangener Tage durch die modern Software garnicht mehr so weit entfernt sind. Die Klopapierproduzenten waren zu langsam und konnten ihre Produktion nicht entsprechend der Nachfrage hochfahren.

Aber noch stabilisiert sich unser Wirtschaftssystem rasch. Im Regal lagen heute Pakete mit je acht Rollen. Ziemlich dünn und ziemlich schmal waren die Rollen. Acht Stück im Paket zu 4,49€. Die Plastikverpackungen waren unbedruckt. Niemand weiss, wieviele Blätter die Rollen nun haben. Ordentlich Kosten wurden da bei der Herstellung gespart, dafür beim Verkaufspreis aber unverschämt zugelangt. Und die Konsumenten zahlen nun den Preis dafür.

 

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein erfreuliches Wochenende.

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Wenn man der Angst die Tore öffnet

Musik: The New Yardbirds – London Blues (1968) Die Band nannte sich nach diesem Album Led Zeppelin.
Lektüre: Leonard Cohen: Wem sonst als Dir / The book of mercy. März Verlag,1985.
Essen & Trinken: Die letzten Kohlrabi vom letzten Jahr als köstliche Suppe. Ein Glas Rotwein. Dazu dunkles Brot.
Arbeit: In Haus und Garten dem Frühling entgegen. Die Sonne ist zu warm, der Wind zu kalt; das machts anstrengend.
Film: Mal sehen heute Abend, welche Angebote verlockend genug sein werden.

Die mediale Dauerberieselung zeigt Wirkung. Bei manchen Menschen macht sich Furcht breit. Und bei anderen geht längst die Angst um. Die grosse Frage: wie wird es nach der Pandemie weitergehen? Kaltherzig und rosenwangig betrachtet ist diese Frage töricht. Denn niemand weiss genau, wie es weitergehen wird. Allenfalls, dass die weltweit agierenden Strippenzieher, die Gewinne an ihre Ufer ziehen werden. Die Zeche zahlen – wie übrigens immer, die Menschen ohne Macht und Lobby.

Als ich vor Jahrzehnten Deutschland verlassen hatte, um in Südamerika zu leben und zu arbeiten, war mein Einstieg Venezuela. Drei Wochen Urlaub, so als Akklimatisierung geplant. Drei Tage nach der Ankunft putschte der Militarist Hugo Chavez und errichtete eine Diktatur. Es wurde Ausländern geraten, Hotel, Wohnung oder Haus besser nicht zu verlassen. Die kleinen Läden rundum waren schnell geplündert. Chavez hat die „kleinen Leute“ aufgehetzt und bewaffnet, um ihre „Unterdrücker“ zu bestrafen. Die Asos aus den Slums nutzten die Gelegenheit und beschädigten ausgerechnet die kleinen Ladenbetreiber, die letztendlich genauso machtlos waren. Einige Lehren habe ich daraus gezogen; meine Vorübung sozusagen. Die Lage beruhigte sich ziemlich rasch und ich konnte in mein Zielland reisen.

Nach einem ruhigen Sommer brach am 3. November 2002 der Vulkan Reventador aus. Es wurde tagsüber dunkel und weisse Flocken segelten vom Himmel und bedeckten alles. Aschestaub mit Zementanteilen. Alle Blüten erstickten unter dem Belag und leichtere Stengel und Äste aller Pflanzen knickten unter dem Gewicht. Das Gewicht nahm durch den einsetzenden Regen noch zu. Ausnahmezustand.
Ich hatte Glück und war von Menschen umgehen, die Erfahrung hatten. Ich war aufgeregt; unerfahren mit Vulkanausbrüchen. Ich hatte die Lektion schnell gelernt: Du brauchst Trinkwasser, Benzin im Tank und Bargeld. (Und keinesfalls Klopapier!!!).

Zehn Jahre später. Mein Arbeitsantritt in Libyen verzögerte sich. Das Visum, die Papiere, die Stempel. Am Rand von Tunis wartete ich bereits seit fünf Wochen in dem geräumigen Hotelzimmer mit Kochgelegenheit auf meine Ausreise. Freitags mittags stand ich an der Zimmertür und rauchte eine Zigarette. Nebenan waren zwei italienische Geschäftsleute angekommen. Standen vor ihrem Zimmer und rauchten. Wir kamen ins Gespräch. Woher wohin? ZIgarette, Espresso?
Es hörte sich an wie eine Explosion. Noch eine. Weitere folgten. Im Umkreis stiegen Rauchsäulen auf. Schreie, Schüsse. Nach dem Freitagsgebet begann in Tunesien der sogenannte Arabische Frühling. Um es kurz zu machen: Trinkwasser, Papiere und Bargeld waren seit Ecuador immer vorrätig. Im Lauf der kommenden Woche wurde die Lage unübersichtlich. Ich hatte keine Sorge, Lebensmittel und Wasser waren vorhanden. (Und Toilettenpapier war verfügbar).
Ich kaufte freitags ein Flugticket für Samstag. Die innere Stimme. Freitags abends kam telefonisch die Empfehlung, dass man sicherheitshalber das Land verlassen solle. Samstags morgens am Flughafen herrschte Chaos. Es gab keine Flugtickets mehr. Alle Sitze waren besetzt, auf dem Fussboden lagerten ganze Familien. Um 13:00 Uhr landete mein Flieger in Frankfurt.

Was ich im Lauf der Jahre ebenfalls gelernt hatte: auf deine innere Stimme zu hören und danach zu handeln. Ist man unsicher, frage man sich, was ist das Allerschlimmste, was einem passieren kann. Man kann lernen, dass die innere Stimme zum eigenen Besten spricht.

Drei Jahre später. Mein letzter Auslandsstandort. Südosteuropa. Ein Erdbebengebiet. Trinkwasser, Benzin im Tank und Bargeld. Und eine gereifte innere Stimme. Ich wachte nachts auf. Zuerst hörte ich das bedrohliche Geklapper der grossen Schiebetüren des Kleiderschranks. Dann registrierte ich, dass mein Bett wackelte. Erdbeben! Angst! Raus aus dem Bett. Unter den Türsturz stellen. Dann raus aus dem Haus. Dazu braucht man sich nicht anzuziehen wie für den Opernball. Mir kommt eine halbe Minute lang bebende Erde vor wie eine Stunde. Endlos. Es ist die Angst und man kann nichts tun, weil man nicht weiss, was im nächsten Moment passieren wird. Die Angst lähmt und schwächt. Die innere Stimme zeigt Möglichkeiten und macht einen kreativ.

Und jetzt? Deutschland. Pandemie. Coronavirus. Ich habe einen halben Tank voll Sprit. Strom, Internet und Telefon funktonieren. Das Trinkwasser läuft wie immer. Die Regale in den Supermärkten sind wohl gefüllt. Niemand muss hungern. Im TV Dauerberieselung. Die Sammlungen vieler Museen kann man online besuchen. Man kann sogar belebende Spaziergänge draussen unternehmen. Oder eine kleine Radtour. Man kann mit anderen Menschen kommunizieren. Einzig auf den Abstand sollte man achten.

Die mediale Dauerberieselung zeigt Wirkung. Bei manchen Menschen macht sich Furcht breit. Und bei anderen geht längst die Angst um.
Und was ist das Schlimmste, was Dir jetzt passieren kann? Langeweile?
Und was ist das Schlimmste, was Dir jetzt passieren kann? Dass Du nicht wie gewohnt schoppen und konsumieren kannst?
Und was ist das Schlimmste, was Dir jetzt passieren kann? Dass Du finanzielle Verluste erleiden wirst?
Und was ist das Schlimmste, was Dir jetzt passieren kann? Dass Deine Kreuzfahrt ausfällt?
Und was ist das Schlimmste, was Dir jetzt passieren kann? Dass Du am kommenden Wochenende nicht mit Freunden grillen kannst?
Und was ist das Schlimmste, was Dir jetzt passieren kann?. . . . .

Aber was ist denn jetzt wirklich das Schlimmste, was Dir passieren kann? Hier im Blog schon bald mehr darüber, wie man kreativ werden kann. Jeder Mensch auf seine Weise.

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern kreative Ideen. Jetzt ist die Gelegenheit dafür günstig. Das Leben ist fantastisch.