Saugtulpen über Singvögeln seitwärts

Nun ist schon wieder ein Gutteil des Jahres vergangen und endlich hat mich eine aktuelle Scheibe ergriffen. Warum, das wird sich bestimmt noch herausstellen. Bis dahin dreht sich dauerrotierend: Me and That Man – Songs Of Love and Death (2017)…

Vor einigen Wochen erhielt ich den kleinen Zettel. Du könntest mal deinen Petter anrufen. Das letzte Mal begegneten wir uns bei der Beerdigung meiner Got. Auf dem Zettel stand seine Telefonnummer. Ich habe das geplante Telefonat mehrfach hinausgeschoben. Nun ist es zu spät. Der letzte Engel meiner Kindheit hat sich die Flügel umgeschnallt. Mögen sie ihn damit erkennen und gut aufnehmen im Anderland.

Blogs verfolgen, Beiträge zur Kenntnis nehmen, über Kommentare auf dem Laufenden sein – der elektronische Rechenknecht hatte zunehmend zu tun. Und mir wurde die Kontrolle immer lästiger. Dass es auch anders geht, und vor allem, wie man sich wieder Ruhe und feine Freizeit verschafft, dafür danke ich Ihnen weiterhin herzlichst, aber das wissen Sie ja ohnehin.
Der dadurch gewonnene Abstand zur Bloggerei sorgt für schönste Erhellungen. Und andere Lektüren. Jörg Schröder beispielsweise schrieb: „Schreiben Sie wie die Leute reden. Die Leser wollen etwas aus dem Leben erfahren und nicht, ob Sie die Mittlere Reife bestanden haben“ (Schröder, Kriemhilds Lache).
Und genau dort liegt nach meiner Kenntnis in vielen Blogs der Hund begraben. Da auch ich mich mit meinem Blog in der Öffentlichkeit präsentiere, weiss ich schliesslich, wovon ich rede wenn es um Eitelkeiten geht. Ich bin kein Bewohner von Bloggerhausen. Und die Mentalität der Hingabe für Hergabe ödet mich an. Weniger schreiben und wieder mehr lesen. In Büchern. Und in den Kladden eigener Aufzeichnungen spazierengehen. Tintenhandschriftlich mit Menschen aus Fleisch und Blut verkehren. Der Bildschirm als Gegenüber ist kein Ersatz für das wirkliche Leben.

Im Zug sass mir gegenüber einer dieser typischen Nerds. Notenbuch auf dem Schoss und zwei Handfesseln vor sich. Ein mit beiden Händen dauerbeschäftigter Mensch über Stunden. Normalerweise fällt mir zu solchen Anblicken sofort eine bissige Bemerkung ein. Aber ich habe mich letzthin wieder an das schöne Beispiel von Jesus und dem toten Schäferhund erinnert.
Ich nehme den Mann wahr und siehe, auf dem Deckel seines Kleinrechenknechts pappen einige Aufkleber. Auf einem steht ein Satz, ein Mantra geradezu, das zu den interessantesten Gedankenausflügen anregt: „Es gibt Leute, die glauben, es gäbe eine Cloud. Aber es gibt bloss die Computer anderer Leute.“

Ostern steht vor der Tür. Ich habe viele Gründe froh zu sein. Ich bringe es bloss noch nicht mit dem anstehenden Fest zusammen. Vielleichts wirds noch. Bis dahin meditiere ich den Spruch des Graffitis, den ich letzthin sah: „Leute in meinem Alter sollten sich überlegen, in welchem Zustand die Welt sein soll, die sie Keith Richards hinterlassen wollen.“

(Foto anklicken – die Galerie ist rund um die Uhr geöffnet)

 

 

Multipelabsurdes Adventsallerlei

Bei den ersten Klängen erinnerte ich mich zurück an damals. Beim Kauf von Beggar´s Banquet und den Weg zurück zum Plattenspieler. Die grosse Spannung. Seit Monaten warte ich auf diese für die Stones sehr ungewöhnliche Platte. Eine Verneigung vor ihren Idolen aus den bluesigen Kaschemmen der USofA. Die Aufnahmen im Studio sollen bloss drei Tage gedauert haben. Das reicht für erdig ehrlichen Blues. Eine Bluesband waren sie nie. Dennoch haben sie ihn drauf:
The Rolling Stones –  Blue and lonesome (2016)…

Es ist richtig und es stimmt ja auch. Hier in diesem Blog wirds immer ruhiger. Mich trösten die Nachfragen per Mail. Das schafft das wohlige Gefühl, nicht vergessen zu sein. Einerseits.
Aber über was soll ich sinnvoll schreiben?
Wen interessiert, wie man ein drei Tonnen schweres Monstrum von einem Tresor in Zentimeterarbeit aus einer Garage schafft. Und dass die Ladefläche eines Zölftonner LKWs fast zusammenbricht beim Aufladen.
Von Mails und Blogbeiträgen, die man an Lebenshelfer weiterleiten möchte, die den Absendern die Köpfe mit einem Schuss Realität waschen.

Viel Arbeit gabs in den letzten Wochen und Monaten. Von den neuesten Erfahrungen mit professionellen Aufkäufern von Büchern, Porzellangeschirren, Metallmöbeln und anderen Überflüssigkeiten schreibe ich lieber nicht. Man möchte gelegentlich zweifeln am Verstand von Menschen, die immerhin einen Führerschein und das Wahlrecht besitzen.
Es ist nicht einfach in diesen Zeiten, wenn man das Leben liebt und freudvoll in die Zukunft sieht. Da muss man hin und wieder Gleichgesinnte suchen wie die sprichwörtliche Stecknadel. Ausserdem bin ich wieder viel unterwegs. Auch da sammelt sich manches an Erlebnissen und neuen Erfahrungen an.

Über Leonard Cohen, seine Musik und wie sehr ich ihm dankbar bin und sein werde für manche seiner Lieder habe ich nicht geschrieben. Mir war die Stimmung verdorben, als ich die vielen Hinweise auf seinen Tod in Blogs wahrgenommen hatte. Solche Plattitüden und Unwissenheit hatte er wahrlich nicht verdient.
Ebenso habe ich es vermieden, über die Präsidentschaftswahlen zu schreiben. Über die hier in Deutschland machen die Komiker im Fernsehen schon jetzt ihre Witze. Und über die in den USofA hat Deutschland gelacht und gespottet. Jedenfalls diejenigen, die etwas auf sich hielten und eine Meinung hatten. Was nichts darüber aussagt, dass sie wirklich durchschaut hätten, über wen oder was sie ihre flachen Witze gerissen haben.

Inzwischen ist wieder Advent. Mir geht schon seit geraumer Zeit mein Jahresendbeitrag für diesen Blog durch den Kopf. Vielleicht freue ich mich einfach, dass ich meine grosse Dunkelheit dieses Jahres erhellend durchdrungen habe. Das mag aber auch mit dem aufregenden neuen Projekt zusammenhängen. Im kommenden Jahr werden weitere Prozesse des Alltags vereinfacht werden. Darüber wird dann vielleicht etwas Berichtenswertes mitzuteilen sein. Hier oder im neuen Blog.
Bis dahin wird der Wechsel langsam und überlegt gesteuert und vollzogen werden. Und deshalb gönne ich mir in dieser herrlich leuchtenden Konsumterrorzeit auch vier Adventskränze. Für jeden Adventssonntag einen. Und weil sie so schön sind und ich mich gegen keinen entscheiden wollte. Und zur Erleuchtung des Ärmelhauses. Und überhaupt.

                                                                            (Foto anklicken bringt sie grösser ins Bild)

Kalendarische Wandveredelung – es wird konkret

Es könnte am Wetter liegen. Sonderbar aprilig mutet es an. Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree (2016) im Wechsel mit: The Rolling Stones – Totally Stripped (2016)…

Die heutigen Nachrichten werden von erschreckenden Meldungen beherrscht. In kurzer Zeit wird das alles schon wieder vergessen sein.
Umso wichtiger für das eigene Wohlbefinden ist es deshalb, den Blick auf die schönen und dauerhaften Dingen zu richten. Dinge, die einem wirklich nahe sind im alltäglichen Leben. Vor einiger Zeit hatte ich auf meine beiden Wandkalender für das Jahr 2017 hingewiesen. Die beiden Kalender sind jeweils mit Fotografien zu den Themen Pflanzen und Wasser gestaltet.

Hunderte von Fotos wurden für die beiden Kalender gesichtet. Die Auswahl fiel schwer. Dann musste das Druckmaterial ausgewählt und letztendlich noch die Verhandlungen mit der Druckerei geführt werden. Jetzt endlich sendete die Druckerei die Andrucke. Volle Zufriedenheit bei den Menschen, die bereits einen Blick auf die Blätter werfen konnten. Die beiden Serien werden Ende November versendet werden. Somit erreichen sie auch als mögliche Geschenke noch zur rechten Zeit ihre Empfänger.

Aus Kostengründen werden die Kalender im Format A3 gedruckt. Ausserdem kommen in diesem Format die Fotografien viel wirkungsvoller zur Geltung. Ich freue mich, dass ich bereits feste Zusagen von Interessenten vorliegen habe. Zur weiteren Abwicklung bitte ich, folgende Schritte zu beachten.
Alle Interessenten (also auch die, die mich bereits kontaktiert haben) schicken mir bitte ab sofort ihre definitive Bestellung per Mail an diese Adresse.
In der Mail unbedingt die genaue Versandadresse, die gewünschte Anzahl und das/die Motiv/e angeben. Wer zuerst bestellt, wird zuerst beliefert. Ich sende daraufhin eine Rechnung mit meiner Bankverbindung. Der Preis pro Kalender beträgt 30,00€ zuzüglich Versand. Sobald die Gutschrift erfolgt ist, sende ich die Kalender, wenn möglich noch am gleichen Tag, an die mir angegebene Adresse.

Wissenswerte Daten zum Kalender:
– Kalender mit Wire-O-Bindung DIN 297×420 mm
– Motive: 2 Serien (Pflanzen / Wasser), jeweils auf 30 Stück limitiert
– Jeder Kalender ist einzeln nummeriert und handsigniert
– Papier: 170g Munken Polar rough, weiss, nachhaltig zertifiziert
– Bindung an langer Seite, Drahtkamm silber mit Aufhänger
– Rückseite 400g Graupappe
– keine belastenden Materialien wie Kunststoffe, Cellophan o.ä.

Von den einzelnen Blättern biete ich auf Wunsch auch fotografische Abzüge an.

                                                        (Fotografie anklicken für einen besseren Anblick der Andrucke)

Gedankenblüten

Viel neue Musik gehört, in Rotation bleiben werden vorerst: AnnenMayKantereit – Alles nix konkretes (2016), Donots – Karacho (2015), Van der Graaf Generator – Do not disturb (2016)…

Tagelang Blüten fotografieren dürfen. Im einzigartigen Ambiente eines Florateliers. Eine schöne Herausforderung. Ebenso aufschlussreich wie erschreckend sind dabei die Begegnungen mit manchen Alleskonsumenten. Betreten den bezaubernden Ort grusslos. Zücken ihre Handfesseln und fotografieren ohne zu fragen wahllos drauflos. Darauf angesprochen, dreist die formelhafte Erwiderung, dies sei ein öffentlicher Raum, in dem man nach Belieben fotografieren könne. Und verlassen den einladenden Ort ohne ein weiteres Wort grusslos. Was machen diese Leute mit den Bildern?
Thomas von Aquin wird der Satz zugeschrieben: „Gesundheit ist kein Zustand sondern eine Haltung.“

Jahrelang hast du dich darin eingehüllt, aber jetzt ist die Decke deiner Wahrheiten fadenscheinig geworden und löchrig. Durch manche Stellen leuchten neue, kalte Wahrheiten. Schon weben sie eine Gänsehaut für kommende Einsamkeiten.
Wie dicht liegen doch Verwundung und Verwunderung beieinander.

Manche Begriffe verwirren mich. Ledig bedeutet gemeinhin ungebunden oder frei. Das heisst im Umkehrschluss, dass sich entledigen das Gegenteil bezeichnet, also sich verbinden oder in Unfreiheit begeben. Ich werde in der nächsten Zeit zunehmend meine Sammelsurien verkaufen, mich meines materiellen Eigentums entledigen. Den Gedanken daran empfinde ich jedoch beglückend und befreiend. Merkwürdige Phänomene der Sprache.

                                                                     (Bild anklicken vergrössert die Fotografien)

 

Kalendarische Wandveredelung

Du bekommst doch am Wochenende Besuch. Vielleicht brauchst Du noch etwas Musik.
Mein Nachbar ist die Freundlichkeit in Person und drückt mir ein Stapelchen mit 2016er Neuerscheinungen in die Hand. Viele Bands scheinen sich bloss noch zu wiederholen. Aber dieses Werk gefällt mir sofort: King Crimson – Radical Action to Unseat the Hold of Monkey Mind (2016)…

Ich wills nur gestehen, eine Supermarktkette hat ein Kleinstvertrauenskonto bei mir. Bei bestimmten Produkten jedenfalls, um es genau zu sagen. Bei anderen Konsummotivationen sind sie nicht besser als alle anderen Konsumverführungsketten. Weihnachtsgebäck und Dominosteine bereits Ende September finde ich pervers. Und zwar im ursprünglichen Sinn des Wortes.

Andererseits wird so immerhin auf das kommende Ende eines Kalenderjahres hingewiesen. Im Schlechten das Gute suchen. Das lohnt sich meist, auch wenn der (Denk)Weg dahin oft holprig ist.

Wenig holprig dagegen sind die Wege zu Kalendern mit Fotografien von Herr Ärmel. Zwei verschiedene soll es geben für das nächste, das 2017er Jahr. Ein Kalender mit Fotografien von Blüten und ein zweiter mit Fotografien von Wasseroberflächen. Viele Beispiele dazu sind bereits hier Blog in älteren Beiträgen präsentiert worden.
Eventuell werde ich je nach dem Interesse auch zwei verschiedene Grössen drucken lassen, 40×30 cm (A3) und 30x 20cm (A4). Die Preise sollen zwischen zwanzig (A4) und dreissig Euro (A3) pro Kalender inklusive Versandkosten nicht übersteigen. Jeder Kalender wird überdies von mir einzeln nummeriert und handsigniert werden.
Um das Projekt besser abschätzen können, interessiert es mich, wer von meinen Besuchern, Lesern und Guggern Interesse an einem oder mehreren Kalendern hat. Um damit die eigenen Wände zu verschönern oder anderen Menschen Freude zu schenken. Deshalb bitte ich bezüglich gewünschter Grösse(n) und Stückzahl(en) um eine Rückmeldung an mich per Mail. Die Adresse findet man hier: Kalender. Diese Rückmeldung verpflichtet vorerst zu nichts, hilft mir jedoch die Planung und Kalkulation seriöser zu gestalten. Wie es dann weitergeht, wird man auf jeden Fall entweder hier im Blog oder per Mail erfahren. Vielen Dank für de Kooperation im Voraus.

                                      (Zwei mögliche Beispiele für Kalenderblätter – Foto anklicken und gross gugge )

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Wie wärs mal wieder mit Wahrnehmen?

Ich liebe Prog-Rock. Aber hin&wieder muss wildes Gehopse einfach sein. Die aktuelle Scheibe der Band aus Bosnien-Herzegowina kann von der Homepage frei heruntergeladen werden: Dubioza Kolektiv – Happy Machine (2016)…

„Unter den Briefen, die meine Leser mir schreiben, gibt es eine bestimmte Kategorie, die immer mehr anwächst und die ich als Symptom für die zunehmende Intellektualisierung des Verhältnisses zwischen Leser und Dichtung beobachte. Die Briefe dieser Art, meist von Lesern jüngeren Alters kommend, zeigen ein leidenschaftliches Bemühen um Deutung und Erklärungen; ihre Verfasser stellen endlose Fragen.
Sie wollen wissen, warum der Autor hier dieses Bild, dort jene Vokabel gewählt, was er mit seinem Buch »gewollt« und »gemeint« habe, wie er auf den Einfall geraten sei, gerade dies Thema zu wählen. […] Erfreulich daran ist die Aktivierung der Leser; sie mögen nicht mehr passiv genießen, sie wollen ein Buch und ein Kunstwerk nicht mehr einfach schlucken, sie wollen es sich erobern und analysierend zu eigen machen.

                                                                         (Fotografie anklicken und wahrnehmen)

Die Sache hat aber auch ihre Kehrseite: das Klügeln und Gescheitreden über Kunst und Dichtung ist zum Sport und Selbstzweck geworden, und unter der Begierde, sie durch kritische Analyse zu bewältigen, hat die elementare Fähigkeit zur Hingabe, zum Schauen und Lauschen sehr gelitten. Wenn man damit zufrieden ist, einem Gedicht oder einer Erzählung den Gehalt an Gedanken, an Tendenz, an Erziehlichem oder Erbaulichem abzunötigen, dann ist man mit wenig zufrieden, und das Geheimnis der Kunst, das Wahre und Eigentliche geht einem verloren.“
(Hermann Hesse: Briefe an Freunde. Rundbriefe1946 – 1962 und späte Tagebücher. Hrsg. von Volker Michels. Frankfurt u. Leipzig, Insel Verlag, 2000.. S. 217f.

Hermann Hesse hat diese Gedanken im Januar 1956 geschrieben. Der Erstdruck war am 3.2.1956 in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Das Phänomen hat sich enorm verschärft und ich wüsste nur zu gerne, wie Hesse heute darüber schreiben würde. Und überhaupt, was sagen Fotografen zu dieser Entwicklung?