Tiefflüge im Überflug

Ohne bereits Kenntnis von den Texten zu haben, sind mir allein die Titel der neuen Scheibe schon nah:
Daughter – Not to disappear (2016)…

Der Schwarze Berg ist mir seltsam fremd geworden. Es mag mit den Stimmungen der Freunde dort zusammenhängen. Oder mit den Stimmen von Rückkehrern aus der Europäischen Union. Die nennen in der dortigen Presse Zahlen. Über Löhne und staatliche Unterstützungen. In Deutschland beispielsweise.
Auf dem Flughafen wurde die Reihenfolge geändert. Jetzt werden zuerst die Pässe und dann die Sicherheit kontrolliert. Wie auf den meisten anderen Flughäfen, die ich kenne. Was hat das zu bedeuten?

Ich sitze am Ausgang und warte auf den Abflug. Neben mir sitzt ein Mann, dem fehlt der rechte Brillenbügel. Als Witschaftsmigrant nutze ich die materiellen Vorteile und habe meine neue Brille auf dem Schwarzen Berg gekauft. Den Preisunterschied nehme ich gerne mitbeim Kauf. Bei der Abwicklung der Dienstleistung hingegen, nur zwei Flugstunden von Mitteleuropa entfernt, fühle ich mich wie in einer fernen Galaxis.

Über den Alpen denke ich an liebe Menschen. Unter mir entweicht gemächlich das grüne Schwabenland. Welche Ergebnisse werden die Wahlen in drei Bundesländern bringen? Die Gebetsmühlen der beiden grossen Vereine  „Sozialstaat Plattmachen – Dauerhaft!“ und „Chaos Durch Umverteilung“ klappern zunehmend schlapper. Der einstmals grüne Verein changiert immer mehr ins Grauschwarze. Das Ablaufdatum der Angebote ist ohnehin überschritten.
Die Kreuzchenmaler warten auf neue, frische Angebote und Hoffnungsprodukte. So sind sie es gewohnt als Konsumenten. Viele Verbraucher sind mittlerweile darauf abgerichtet, dass die Verpackungen wichtiger sind als die Inhalte. Hoffnungsversprechen statt Bedürfnisbefriedigung. Das ist bekannt.
Und genau das ist die Marktlücke für einen neuen Verein. Er bietet „Agitation Frustration Demagogie.“ Wie viele Kreuzer werden in seinen Wahlkassen klappern?

Bei der Landung scheint zum Empfang die Sonne. Gut wieder da zu sein. Koffer auspacken. Post sichten.  Auf dem Schirm laufende Berichte von den sonntäglichen Wahlmessen.
Integrationsbestrebungen, zumindest was den Konsum betrifft, sind bei den montäglichen Angeboten auf der Internetseite einer Einzelhandelskette zu sehen. Zum erstenmal ein Schwarzer als Werbeträger. Dort werden zukünftig sicherlich Alldie verschiedenen Hautfarben zu den kaufanreizenden Konsumprodukten präsentiert werden. The sales must go on.

Die ersten Ergebnisse. Die üblichen Kommentare, die wir seit Jahren kennen. Meinungsvielfalt? Für mich hört das nach Meinungseinfalt an. Wer den Ton abschaltet und sich lediglich die bunten Balken der Grafiken ansieht, wird bald zumindest eine Erkenntnis gewinnen. Die prozentualen Gewinne von „Agitation Frustration Demagogie“ gleichen auffällig den gemeinsamen Verlusten von  „Sozialstaat Plattmachen – Dauerhaft!“ und „Chaos Durch Umverteilung.“ Der generelle Trend ist offensichtlich. Regionale Besonderheiten bleiben lediglich regional wichtig.
Ton an. Stellungnahmen von den regionalen Anbietern politischer Vereine. Die Konsumenten von „Agitation Frustration Demagogie“, also auch ehemalige Konsumenten der eigenen Versprechungen, werden erneut pauschal als rechtsextrem, dümmlich und kurzsichtig denunziert.
Die wirklich Kurzsichtigen fahren meines Erachtens auf falschen Dampfern gefährlichen Wasserfällen entgegen.

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43 Gedanken zu „Tiefflüge im Überflug

  1. Ich kann die Ausrufezeichen von Herrn Bludgeon leider bloß vage schätzen.
    …aber ich hänge meine mal noch hintendran…:)

    Da sprach mir in Ihrem Beitrag vieles aus der Seele und erklärte auch…
    Dank und Gruß von der Karfunkelfee

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  2. Sehr geehrter Herr Ärmel, Sie haben da eine treffende Beschreibung des Politkarussels geliefert, welches sich seit Jahren dreht und deren Protagonisten so austauschbar sind wie Essstäbchen beim Chinesen um die Ecke, leider. Eine Revolution ist die neue Partei nicht und eine Evolution auch nicht. Vielmehr ist es Ausdruck ohnmächtigen Empfindens mit jeder Menge Trittbrettfahrer. Um wieder eine wirkliche Demokratie zu werden, müssten nicht nur Amtszeiten beschränkt, sondern ebenfalls Lobbyarbeit eingestellt werden. Auch Entscheidungen übers des Volkes Kopf hinweg von TTIP, Ceta usw. helfen ebenfalls nicht Vertrauen zu schaffen. Werden wir beide dies erleben? Ich fürchte nein, denn eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als das Politiker an ihrem Status kratzen lassen. Grüße aus dem fast sonnigen Marburg nach Süden.

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    • Sehr geehrter Herr von Rosen, da sagen Sie etwas.
      Amtszeitenbeschränkung: jawoll!
      Lobbyarbeit einschränken oder zumindest transparenter machen, jawollja!!
      Bürgerentscheide über zukunftswichtige Entscheidungen: Aber sicher!!!
      Wir sind reife Männer und werden noch manches erleben – so oder so. Spannend wird es auf alle Fälle bleiben.
      Nachmittäglichschöne Grüsse aus dem einmaligaufregenden Bembelland

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  3. Vielen Dank, Herr Ärmel, für Ihre Zeilen. Sie reißen einiges an über den Schwarzen Berg, worüber man durchaus auch noch mehr hätte ertragen können. Gibt es Chancen, mehr zu hören? Dass – um in die eigenen Gefilden zu wechseln – die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt zeigte sich unter anderem auch an der Zuspitzung auf Personen bei den Wahlen. Parolen oder Personen – bedauerlich, dass sich darin vieles erschöpft. Scharfsichtig Ihre Beobachtung „Integrationsbestrebungen, zumindest was den Konsum betrifft, …“.

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      • Huch, diese Verlinkung hatte fast vergessen, da ich diese Informationsseite auf einem anderen Weg besuche.
        Ich habe, und ich danke Ihnen für die Erinnerung, ich habe dort jetzt einen einladenden Titel hinzugefügt.

        Und was den gestrigen Bericht ebendort betrifft, so stützt er meine Beobachtung. Rechnung ist einfach: Rot und Schwarz zusammen minus 21,4%, Grün plus 6,1 macht unterm Strich 15,3%. Die blaue Gefahr erreichte 15,1%.
        Sehmänner gugge gern 😉

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    • Ach ja, lieber Zeilentiger, die Geschichten vom Schwarzen Berg. Ich schwanke noch, ich bin unsicher, wie das aufgenommen werden könnte.
      Wenn meine Pfeile die Sehne verlassen, sollen sie die Scheibe treffen und nicht ins Auge gehen…

      Was die beiden südlichen Wahlländer betrifft, stimme ich Ihnen hinsichtlich der Personenwahl zu. Die Schwarzgraugrünen sind nicht mehr allzu weit vom “Chaos Durch Umverteilung” entfernt. Warum sollte sich auch was ändern. Es läuft doch.

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  4. Gestern der Obermacher dieser frustrierten AgitiererInnen…wir könnten sicher sein, daß er allen in seiner Partei, die zu weit nach „rechts“ schielten und das Maul aufrissen, genau dies in Zukunft verbieten würde! Aha. Na, dann is ja gut. Guter Text, Herr Ärmel! Besonderer Dank für: „Not to disappear“…ja, …“doing the right thing…and I like the way the sun feels…“ singt sich in mein Herz, diese Daughter, mag ich sehr!

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    • Wichtig ist jetzt, nicht die Wähler dieser Gruppierung weiterhin zu diskreditieren, sondern auf Leute wie die Petry, die von Storch und den Methen hinzuweisen. Deren Biografien und ihre Machenschaften immer und überall zu publizieren.

      Ich mochte und mag den H.-O. Henkel nie, schon wegen seiner wirtschaftlichen und politischen Ansichten. Er hat diesen Verein rechtzeitig verlassen, trotzdem.
      Andererseits ist er schon wegen seiner beruflichen Laufbahn ein Mensch, an dem man sich hervorragend reiben kann, er bietet handfeste Diskussionsgrundlagen.
      Und er hat es nicht mehr nötig, mit Politik Geld zu verdienen wie die ehrgeizigarrogante Petry, die gefährlichrechte von Storch und der gewissenlose Politkarrierist und Meisterwendehals Meuthen.

      Vielleicht zu einer anderen Information mal hier anklicken: http://www.n-tv.de/politik/Wir-brauchen-eine-Alternative-zur-AfD-article17218331.html

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      • Jörg Meuthen war das gestern, „Meisterwendehals“ kam ganz sanftmütig daher und gab sich klug und verständig! Diese Leute müssen durchleuchtet werden, immer und überall!

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      • Verzeihen Sie bitte die späte Einmischung, aber glauben Sie wirklich, daß die Wähler diese Hinweise erfassen können?! Lieber Herr Ärmel, Trittbrettfahrer können nur eines richtig gut: Aufspringen, ohne die Richtung zu hinterfragen und dann pöbelnd einen Sitzplatz verlangen. Wenn nicht gar nach dem Steuer greifen…

        Ihnen hinterlege ich einen Silbenstolagruß in rauhwindigen Zeiten, stets die Ihre.

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        • Liebe Frau Knobloch, auch denke viel nach und tausche mich auf meine Art mit den entsprechenden Menschen aus.
          Es geht nicht um die amorphe Masse der Wähler. Das ist ein zu grosses Spektrum von gemässigt linksliberal bis zur schwarzbraunen Mischpoke. Es darf nicht darum gehen, die vielen unterschiedlichen Menschen mit nicht unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen pauschal in eine Ecke zu stellen.
          Es geht darum, das verdorbene Führungspersonal dieser Politfirma ständig ins Licht zu stellen. Ihre eigentlichen Machenschaften zu publizieren. Die sind wie andere Politiker, die wollen ins Geschäft kommen, die wollen absahnen.
          Eine wie die von Storch gründet Vereine. In einem ist nur ihre eigene Mischpoke im Vorstand, sie als Vorstand und ihr Beschäler als Kassenprüfer. Ein Selbstbedienungsladen. So was muss man publizieren. Die eigenützigen Geschäfte im (steuer)rechtlichen Rahmen der Gemeinnützigkeit – ist das in Ordnung? Und Zahlungen an sich selbst aus dem Vereinsvermögen, die nicht nachgewiesen werden können.
          Oder der Meuthen, der den Hals um 360° drehen kann, wenns ihm nur irgendwie nützt.
          Die müssen zur Zielscheibe werden. Ihre Verlogenheit und ihre Geschäftemacherei. Politik ist ein Geschäft, sonst nichts.
          Und diese Leute wollen Macht. Wie damals bei den Nazis. Da wollten die Erfolglosen auch endlich in der Uniform mal sagen wo es lang geht. Und natürlich vor allem sich selbst bereichern und über Menschen Macht ausüben.
          Es geht um deren Biografien, nicht um die Wähler als Masse.
          Lesen Sie bitte das kurze Interview, das ich oben bei der Frau Graugans verlinkt habe. (wie bereits geschrieben, ich mag den Henkel nicht!)

          Abendschöne Grüsse sende ich Ihnen aus dem ruhigen Bembelland, Ihr Herr Ärmel

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          • Mein lieber Verärmelter, ich bin ja sowas von anschulternd bei Ihnen, was die notwendige Offenstellung der Machenschaften der angeblichen Deutschalternativen angeht. Ich fürchte doch nur, daß es diejenigen, die sich darob die Denkapparatur entfetten söllten; nicht mal ansatzweise interessiert. Übrigens genau wie bei den derzeit rummachenschaffenden Oberen. Ich sehe auch nicht die Wähler als tumbe Masse, ein jeder mag seine Gründe haben, sich so zu entscheiden. Mir geht es hauptsächlich um die Gefahr, die dem innewohnt und die meines Erachtens unterschätzt wird.

            Aber auch da sirren unsere Synapsen ja gleich. Vielleicht bei mir etwas weniger weitsichtig als bei Ihnen oder anderen Genauhinsehern, meine linke Pupille ist etwas braunschwarzdreckgetrübt. Daher nun auch mein erstes vorsichtiges: Oha! Eine neue rechtslastige Partei, die sich selbst mittig sieht und Frau Merkel linksrutschig. Sagt der Herr Henkel, setzt unausgegorene Duftmarken und…, oh, brennt das jetzt in der gewissen Pupille?

            Hoffentlich konnten Sie diesen Vorlenztag genießen und tausend Sonnenküße ließen Sie lächelndmachen.
            Ich grüße Sie herzundgedankenvoll zugetan und verbleibe als die Immerihrige.

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  5. Ja, in etwa so hatte ich mir meine Tulpenbilder auch vorgestellt. Die haben es aber vorgezogen sich bei Ihnen zu offenbaren, Naaaaa jaaaaaa, untreue Plermpln 🙂 Ich werde sie schon noch erwischen. Bei mir welken zwei Vasen voll Tulpen malerisch vor sich hin und warten auf das Fotolicht ….
    Die Kommentare der Montenegriner zu den deutschen Sozialleistungen kann ich mir lebhaft vorstellen.Sie werden ähnlich klingen wie die der Rumänen, Bulgaren, Albaner ……

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    • Um Ihre Geduld nicht allzusehr zu strapazieren beim Warten auf genug Licht. Die Aufnahme wurde bei Regenwetter gemacht. Der weisse Hintergrund ist der Vorhang vorm Fenster, also eine Gegenlichtaufnahme. Der Rest ist Vase drehen, Blüten drehen, den besten Standpunkt und Blickwinkel suchen und auf den Hintergrund achten. Das können Sie auch!
      Aufnahme frei Hand, ich hatte das grosse Besteck nicht dabei, also auch kein Stativ. Das Foto ist OoC.
      Die Daten: 1:2,8, 40mm, 1/400 sek. ISO 200. Spotmessung auf den Ansatz des Stempels der Blüte.

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  6. Out of Camera – also eine Bilddatei wie sie aus der Kamera kommt. In meinem Fall eine unentwickelte RAW-Datei. Lediglich wegen der Grösse auf jpeg komprimiert. Schauen Sie mal in Ihren Elektropostkasten

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  7. Das gemütliche Schwabenland unterm Flieger 🙂

    Wahltechnisch konnte man hier fast nur für den ersten Ministerpräsidenten sein, der nicht Bockmist fabriziert hat, sondern ruhig und unaufgeregt vor sich hinregiert hat. Punktum. Keine größeren Schweinigeleien bisher. Das ist schon ein gewaltiger Fortschritt hierzuländchen.
    Die Kreuzlein flossen ja auch geradezu über auf den Wahlzetteln der Schwaben. Mehr Grün als in Tübingen oder Freiburg geht fast nicht.
    Ich möchte deshalb keinen Mecker mehr haben über die Schwaben, politikmäßig. :-). Gell.
    Was jetzt noch kommt, warten wir es mal ab. Der Stoiker in mir hat das Wahlergebnis längst akzeptiert.
    Für den Moment sind 60%+ für die Partei mit einem C am Anfang hier nicht mehr drin. Ich kann mich an Zeiten erinnern, als das in Oberschwaben oder auf der Alb normal war.

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