Novembertage im Bembelland

Die neue Scheibe von Colosseum – Time on our side (2014) verspricht schon vom Titel her mehr als sie halten kann. Ist halt Nostalgie und erinnert an alte Zeiten, jedoch ohne Erkenntnisgewinn. Deshalb zum Frühstück: Mama Rosin Together With Hipbone Slim & The Kneetremblers – Louisiana Sun (2011) …

Freitagmorgen, 4:30 Uhr. Das Wiedersehen mit einigen ehemaligen Klassenkameraden hat eine kurze Nacht nach sich gezogen. Gedankenrührteig. Der Traum im letzten Schlaf. Ich liege bäuchlings auf der rechten Fahrspur der Autobahn A60 kurz vor der Weisenauer Brücke. Ich fotografiere. Lastkraftwagen rollen über mich hinweg. Manche Fahrer haben das Entsetzen im Gesicht. Ich sollte das nicht tun. Ich frage Freunde, ob sie sich an der Standspur aufstellen und die LKW-Fahrer auf mich aufmerksam machen würden bitteschön. Keiner erklärt sich bereit.
Vor genau zwei Wochen habe ich auf dem Schwarzen Berg mein Reisegepäck zusammengestellt. Seit eineinhalb Wochen mache ich morgens meine Gymnastik hier. Vor sechs Uhr darf ich, nach sechs… Die ekelhafte Ablenkungsstimme im Inneren ist etwas zurückhaltender geworden morgens beim Aufstehen. Eine halbe Stunde Bewegungsübungen und anschliessend 25 Kilometer auf dem Fahrrad. Das Prangerschild hängt übrigens noch, Frau Knobloch (mit zwo o).
Die Baumfällaktion zieht allerdings noch immer Kreise. Die Christenpartei beklagt den Widerstand als undemokratisch. Ein Gutachten spricht von acht Bäumen, die tatsächlich wegen Pilzbefall gefällt werden mussten, alle restlichen fielen dem Verwaltungswahn zum Opfer.
Eine Besorgungsfahrt. Die nahegelgene Stadt mit der Automobilproduktion stirbt zusehends. Meine Leibbuchhandlung ist geschlossen, die Schaufenster starren ins Leere und ich mit weitoffenen Augen ins verwaiste Verkaufslokal. Ich recherchiere und finde weitere erstaunliche Neuigkeiten. Das alte grosse Schwimmbad ist für immer geschlossen, die Becken teilweise schon zugeschüttet. Dort sprang ich zum erstenmal vom Fünfmeterbrett.
Das später gebaute Hallenbad ist so marode, dass es nicht betrieben werden kann. In der Innenstadt wir ein Geschäft nach dem anderen geschlossen. Mir fällt bei einer allerkürzesten Schreckensrundfahrt die gute Frau Mahlzahn ein und eine ominöse sonntägliche Stadfahrt.
In Wien wurden Eltern festgenommen. Der Vater hatte an seiner Tochter eine Strafdusche durchgeführt. Die hat das zweijährige Mädchen nicht überlebt. Das hätten selbst meine Eltern, obwohl eine eiskalte Erziehungsdusche. Erinnerungen als Anregung zum besseren Verstehen statt Selbstmitleidssuhlerei oder Anklageklammer.
Den dürren hochaufgeschossenen Mann in Orange treffe ich in der Morgendämmerung fast an der gleichen Stelle auf der Eisenbahnbrücke wie gestern. Er scheint die Fünf-Brücken-Tour in umgekehrter Richtung zu joggen. Die frühen Hundebeweger am Rheinufer. Es ist erfeulich, dass die meisten Flohschleudern mittlerweile an der Kontrollkordel geführt werden und nicht mehr mit Spaziergängern und Radfahrern spielen können.
Gestern nachmittags zum ersten Mal draussen auf den Rheinwiesen zum lichtbildnern. Auch analog, also mit echtem Film wie früher. Dies verlangt fernmündlich ebenso freundlich wie nachdrücklich der geschätzte Herr Pappenheimer. Die belichteten Negativfilme sollen beim gemeinsamen Absingen von Weihnachtsliedern im Regenwald fachgerecht entwickelt werden. Es handelt sich selbstredend um Schwarzweissfilme. Wie früher halt.
Noch immer so gut wie früher schmecken auch die Lebkuchen. Verkauf im winters geschlossenen Eiscafé. Eine Sendung ist per fliegendem Kurier unterwegs auf den Schwarzen Berg. Die Orthodoxen dort feiern Weihnachten anders und obwohl die verehrte Frau Waas alle möglichen Waren in ihrem Kaufladen führt, Lebkuchen sind dort nicht auftreibbar.
Fast wäre es dem Bembel an den Hals gegangen. Die Zehn Gebote bestehen aus 279 Wörtern, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung aus 300 Wörten und die EU Verordnung für den Import von Karamelbonbons aus 25911 Wörtern (cit. nach Düringer). Dennoch bin ich überzeugter Europäer. Aber wenns um den Bembel geht, bin und bleibe ich Hesse. Aber dieser Behördenelch ist ja nochmal an uns vorübergegangen.

Allen Besuchern, Lesern und Guggern wünsche ich ein schönbuntes Herbstwochenende und einen würzigen Lebkuchen obendrein.

(Wie immer: Foto anklicken – gross gugge)

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75 Gedanken zu „Novembertage im Bembelland

  1. Es wird mir Heimat, hier zu lesen, mehr und mehr.
    Bitte vervollständigen Sie noch den Satz mit der kalten Erziehungsdusche!
    Genau, das mit dem Vergangenheitsgejammer ist mitunter unerträglich, es geht konstruktiver- wichtig fürs Weiterleben!
    Die Fotos schaffen das im ersten Kommentarsatz beschriebene Blogverfolgsgefühl!
    Gruß aus einem milden Straßenfegnassblättergraumorgen

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    • Dann, liebe Frau Wildgans, nutzen Sie die nächste Zeit aus.
      Die Wortschöpfung Erziehungsdusche zog mich ins Gedankenland, deshalb wären in diesem Fall schlicht einige Pünktchen angebracht.
      Mal sehen, ich habe am vergangenen Sonntag auf einem dieser Schwarzhändlermärkte zwei alte Olympusse für fümmf Talerchen gekauft, mal sehen, was sich damit machen lässt. Und dann ist da ja auch noch das neumodische Geraffel – Sie werden also was zu gugge bekommen.
      Mittäglichhocherfreutpaketauspackende Grüsse aus dem Bembelland

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  2. Ich ziehe Mandelspekulatius den Lebkuchen vor. Noch lieber ist mir in diesen Tagen allerdings eine wärmende Kürbissuppe. Die passt obendrein zu Deinen schönen Bildern vom Herbst. Interessanter Traum eines Fotografen, by the way. Die Einsamkeit desselben beim Knipsen. Und auf die erwähnten Schwarz-Weiß-Aufnahmen darf Frau hoffentlich gespannt sein…

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    • Schade, die hatten keine Mandelspekulatius im Angebot – ich hätte umgehend ein Päckchen expressluftschiffig gesendet…
      Kürbissuppen gehören nicht zu meinen bevorzugten Suppen. Das mag daran liegen, dass ich noch nie eine richtig leckere zu essen bekam.
      Mal sehen, was aus den beiden alten Olympussen rauszuholen ist. Ich bräuchte etwas mehr Kontrast im Licht, der November ist da eher ungünstig.
      Die Einsamkeit beim fotografieren – eine feine Metapher!

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  3. Guten Morgen, lieber Herr Ärmel!

    Ein wenig sentimental klingt, was Sie da auf die Tastatur bringen. Ich höre ein klein wenig Bedauern ob der Demontage des Schwimmbades (inkl.des Ärmelfünferbrettes).
    Doch vermute ich, die Buchhandlung geschlossen vorzufinden ist schmerzlicher.
    Mir jedenfalls ginge es so.
    Die Fotos sind wie immer einen Gugger wert.
    Schwarzweiß ist toll. Echter Film noch toller!
    Entwicklung hat mich in der Foto AG völlig fasziniert.
    Man taucht Papier in Flüssigkeit und das Bild taucht langsam auf.
    Das würde ich gerne noch mal machen. Zauberei mit Chemie:-)
    Und herrlich oldschool.

    Ich wünsche einen erquicklichen, sonnigen Novembertag!

    Nachkleinerhilfestellungundnorbekovfrischbetankungdanksagende Grüße
    Ihre Silvia Meerbothe

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  4. Ach, wie haben Sie das nur wieder hingekriegt, dieser leichte Nebel ohne dass das Bild einfach unscharf aussieht ! Und das mit den gelben Blättern und dem Stück Stamm erinnert mich daran, dass die Erde sich dreht …. Toll !

    „Erinnerungen als Anregung zum besseren Verstehen statt Selbstmitleidssuhlerei oder Anklageklammer.“ Ja, das finde ich sehr gut formuliert und sehr wahr. Erinnerungen einfach anzusehen ohne sich im Selbstmitleid zu suhlen oder um sich zu hauen, ist sicher die beste Methode um damit umzugehen. Diesen Ansatz gibt es ja bei Viktor Frankl und im Buddhismus. Ich selbst habe Erinnerungen an eine schlechte Beziehung auf diese Art „bearbeitet“ und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

    Gymnastik vor 6h früh und dann 25 Km mit dem Rad ? da habe ich eindeutig nicht genug Hüte, die ich vor Bewunderung ziehen könnte ! Aber Sie machen das wohl auch nicht nur zum Vergnügen sondern aus Gründen der Gesundheit. Vermute ich einfach einmal ….

    Wünsche einen schönen Tag, trotz der Härten und Grauen des Lebens wie kinderverbrennende Duschen

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    • Das mit dem Foto ist kein Geheimnis, man muss beim richtigen Licht auf den richtign Knopf drücken 🙂
      Aber ich freue mich, wenn es Ihnen gefällt.
      Meine morgendlichen Übungen dienen der Stärkung der Disziplin. Dass sie überdies gesund sind, ist ein angenehmer Nebeneffekt.
      Frankl ist mir natürlich bekannt…
      Mittäglichhocherfreutpaketauspackende Grüsse aus dem Bembelland.

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      • Das erinnert mich an unseren Musiklehrer, der uns vor Jahrzehnten erklärte, wie dasmit dem Klavierspielen ist. Zur richtigen Zeit mit dem richtigen Finger auf die richtige Taste drücken. Klavierspielen und fotografieren sind also wohl doch sehr mit einander verwandt. 🙂 Ich könnte mir also gut vorstellen, dass Sie, Herr Ärmel, auch Klavier spielen?

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  5. Freiheit dem Bembel!
    Also ehrlich mal, Herr Ärmel! Spinnen die alle? Der Bembel bleibt wie er ist … durchsichtige Bembel… *pffffffffftttttttttttt*
    Wo kommen wir denn dahin?
    Haben Sie gelesen, dass in Dortmund eine Petition der Gleichberechtigung gestartet wird, dass es nun auch Ampelweibchen geben soll? Uuuuuuuuunglaublich ….
    So… Der Dampf ist den Ohren entwichen …
    Wunderschöne Fotos – ich würde mit Schild für Sie in der Baustelle stehen.. Aber nur in leuchten grellen Farben mit Blinklicht auf dem Helm! Das wäre Bedingung.

    🙂

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    • ´Die Kribbel die itzische – de Bembel bleibt wie er iss – unn dodemit basta!
      HAch Frau Lila, Sie sind grossartig – – Sie würden die Lastwagenfahrer warnen – in grelllilaleuchtendem Outfit, hach ~~~~
      Sie stehen übrigens auf meiner nächstwöchentlichen Fahndungsliste…
      Mittäglichhocherfreutpaketauspackende Grüsse aus dem Bembelland.

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    • Ja, ja, gaaaaanz einfach, nur auf den richtigen Knopf drücken. dann kommen so perfekt komponierte Biler heraus …. 🙂

      Selbstdisziplin ist eine tolle Sache, mit der von außen auferlegten habe ich es nicht so …….

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  6. Undemokratischer Widerstand?! Ja, sicher! Wenn mal der Finger in die Wunde gelegt wird und sich von unten Widerstand regt in Eigeninitiative und abseits vom Herdengelatsche, da greint die Partei, die die Demokratie im Namen gepachtet hat, mannmannmann. (Heute ist Tag der passenden Musikke, eben bei einem Zartthema lief ein Zartlied und jetzt krachkrawummen die gleichen Musiküsse ordentliches Kübelgut : Johnossi „Bobby“. Fetzt!) Abgesehen davon stelle ich mich selbstverständlich neben die fabulöse Frau Lila, nur nicht in Grell, ich fuchtele mit Fackeln rum. So, jetzt Verwunschenzauberbilder mit Kürbis auf Brachacker guggen…
    Mittagsdurchathmendetagwerksgrüße, Ihre Frau Knobloch, herzvoll zugetan.

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    • Hatten Sie einen erspriesslichen Nachmittag? Haben die Fotografien dazu beigetragen – das wäre mir das scönste Lob…
      Abendschöneäpplerundmusikvorbereitende Grüsse aus dem Bembelland sende ich Ihnen endlichwochendlich erfreut… Ihr Herr Ärmel (wer sonst)

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      • Erspriesslich. Lassen Sie mich kurz nachdenken… mir hat sich der Hals gewellt, ich mußte einen fremden Menschen anfauchen, konnte einen anderen trösten, obwohl ich eigentlich keine Zeit hatte, eigentlich jedoch ein ziemliches Doofwort ist, tagwerkte erfolgreich und darf mir jetzt Ihre Bilder nochmal auf dem leider viel besseren Bildschirm des rumschleppbaren Netzknechtes anschauen. Dochdoch, er war erspriesslich, dieser Nachmittag. (Was ich mich nicht traue zu schreiben, oder nur ganz leise, ist der Hauptgrund der Erspriesslichkeit: Neuflorallabortermin ist festgetackert, uik ~~~~~~~)
        Schonwiederjohnossihörende Abendgrüße, Ihre Frau Knobloch, erfreutwuscheligsprosspflegend.

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    • Einen schönen Dank für das Kompliment . Wie immer, solche Äusserungen spronen mich an.
      Glcieh gehts mit den neuesten Aufnahmen wieder in die Dunkelkammer…
      Abendschöneäpplerundmusikvorbereitende Grüsse aus dem schönen Bembelland

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  7. Na, das Hundefeindouting is nu aber ein Schlag unter die Gürtellinie. Erst die Hundescheißemanie und dann der Leinenzwang….so isser der Westen. Erst bleiben se nicht konsequent, als es um die Zulassung von Kampfhundrassen in Westdeutschland ging, dann rüsteten die „indigenen Rhein-Main-Ruhr-Assis“ vierbeinig auf, dann gab es die bekannten Probleme (Kinderschaukelbeißdressur….Sandkisten-a-a…Kindstod per Reitunfall auf Stadfordshirerücken) und schwubs wird nu auch Waldi gleich mitbestraft, weil er keinen Stoffwechsel mehr haben darf, falls Herrchen die schwarze Tüte vergisst (der nette Denunziant von nebenan ist überall) und obwohl Waldi gar kein Pitbull, nicht mal Terrier, sondern gerademal handtaschengroß und artig ist. Wie immer müssen die Waldibesitzer Spießruten laufen, denn nur die traut sich der berentete Bordsteinwart anzufurzen … kommen die tätowierten Kameraden mit dem Albino-Boxer aufmarschiert, salutiert er glatt, obwohl er altersmäßig gar nicht mehr Wehrmachtjahrgang sondern Dudschke-Jünger sein müsste. Jeh mia weg du! Free Bello!

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    • dahaben ja die Hessen mit uns Rheinland-Pfälzern einengemeinsamen Sieg errungen, dennnatürlich draf auch die Trierer Viezporz bleiben! Hurra!
      „Wir freuen uns über die Nachricht aus dem Ausschuss, denn für die Region Trier ist der Viezporz ein Stück erhaltenswerte Kultur. Es war unser Ziel, das Traditionsgefäß zu erhalten“, stellt Wirtschaftsministerin Eveline Lemke fest.

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      • Inder Tat ein schöner Erfolg, da Hessen und Pfälzer nicht so sehr viel verbindet. Historisch gabs da manches, aber so im Grossen & Ganzen…
        Und wenn wir ehrlich sind, und hier dürfen wir es ja sein, Haben die Brüsseler die geplante Vorschrift fallen lassen, weil sie sowieso kein Recht haben in derlei Regionalien einzugreifen.

        Egal, Ihr behaltet euren Viezporz und wir unseren Bembel – Prost!!!
        Abendschöneäpplerundmusikvorbereitende Grüsse aus dem Bembelland

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      • Da muss ich nun doch widersprechen, lieber Herr Ärmel oder halt ein wenig korrigieren. Das Trierer Land gehört zwar zu Rheinland-Pfalz aber liegt nun doch nicht in der Pfalz.
        Das mag aus der Bembelperspektive vielleicht so gesehen werden, aber bei genauerem Hingucken….

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        • Widersprechen Sie, Herr Nurmalich, widersprechen Sie nach belieben.
          In diesem uns vorliegenden Fall widerspreche ich Ihrem Widerspruch
          keinesfalls.
          Weil man als südhessischer Bub aufwächst und ausgesetzt ist von Seiten
          der erziehenden Erwachsen einem gewissen ein ganz kleinwenig überheblichen
          wenn nicht dümmlichen Unwissen hinsichtlich verschiedener westwärts gelegener
          Regionen.
          Sie haben also völlig und obendrein eine gewisse Verpflichtung, meine falsche
          Verwendung des geografischen Begriffes Pfalz zu korrigieren.
          Und ich danke Ihnen dafür.

          Und die Bezeichnung Bembelperspektive ist ein Knaller, den ich mir, Ihre Zusage
          vorausgesetzt, sofort in meine Kladde übertragen habe.

          Einen herzlichen Gruss sende ich Ihnen verbunden mit nachsaunaundpumpelsattsiestaschweren Grüssen aus dem prächtigen Bembelland nach westwärts in Trierer Land

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    • Ich bin Hundefreund unter anderem weil ich mit Hunden gross geworden bin. Mit nem saufarbenen Rauhaardackel und nem Deutsch Kurzhaar. Und in Südamerika hatten wir einen Dalmatiner. Das dazu.
      Die Naherholungsgebiete hier sind flächenmässig sehr begrenzt, da gehts ordentlich ab. Und Wege an Flussufern zieht nun mal Menschen an, und die haben auch unterschiedliche Interessen.
      1. Und ich habe weder als Fussgänger noch als Radfahrer Interesse an fremden Hunden, die doch nur mal spielen wollen. Ich will mir meine Spielkameraden selbst aussuchen.
      2. Und verkackte Kinderspielplätze finde ich äähh, ja genau, shice.
      3. Mir ist a priori völlig Schnuppe welche Menschen sich welche Hunde aneignen. (Meistens sehen die Hunde Ihren Eigentümern im Lauf der Zeit sowieso immer ähnlicher – oder war das umgekehrt?)
      4. Hunde als Spielzeug, Kinderersatz oder in kleinen Wohnungen finde ich schlicht absurd. (Menschen, die auf Hunde angewiesen sind, wie z.B. Blinde, sind davon selbstredend ausgenommen.)
      5. Zu guter Letzt lehrt die Erfahrung, dass Hunde Tiere sind und ihren Instikten folgen. Hundegymnasium hin oder her. Wenn der Jagdtrieb geweckt wird, hat ihn sein menschlicher Freund und Eigentümer im Prinzip nicht mehr unter Kontrolle. Das ärgert mich am meisten, dass diese Leute ihre Tiere fast wie Menschen behandeln.

      Ich bin mit Hunden gross geworden, die Jagdhundprüfungen hatten, die meistenteils im Freien gelebt haben und die eine Aufgabe hatten, die über die eines Kuscheltieres hinausgeht.
      Das sind meine Erfahrungen, Meinungen und Ansichten zum Thema Hund.

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      • Ich bin mit Hunden aufgewachsen, die mit in der Wohnung wohnten (natürlich nicht auf dem Sofa oder gar im Bett!), keine direkte Aufgabe hatten, aber als 4 beiniges Familienmitglied diese eben „abrundeten“. Jedes Kind sollte mit Haustier aufwachsen, warum also nicht mit Hund? Ich empfinde den gesellschaftlichen „Nebenkriegsschauplatz Hundehaltung“ als Ventil für für Spießer- und Proll-Aggression als sehr nerviges Beiwerk der Wende. Kampfhundbesitz und Hundescheißediskussion kamen wie Aids erst da über uns. Diskriminierend, belastend, eben nervig. Fahre ich heute in die Stadt, nehme ich keinen Hund mehr mit. Im Wald kommt eventuell der Jagdpächter über dich! Der Förster selber nicht, der ist vernünftig. Gott sei Dank! Auch Urlaub mit Hund ist zum Problem geworden…Die Gründe, ihn zu Hause zu lassen, nehmen zu.

        Da reagier ich auf „Flohschleuder“ eben wie siehe oben.

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        • Kleine Korrektur meinerseits: ich wohnte Mitte/Ende der 1970er Jahre in Berlin. Also während des deutschen Geteiltseins.
          Damals fielen in Berlin pro Jahr ca. 60 Tonnen Hundeexkremente an. Die wurde die Stadtreinigung nicht so einfach wieder los. Daraus entstand eine Debatte, die sich auch in Westdeutschland niederschlug in Verordnungen etc.

          In den 1980er Jahren wurden meiner Erinnerung nach die Kampfhunde fashionable. Zuerst im Rotlicht und dann bei den Leuten, die sich formal an den Rotlichtleute orientieren.

          Warum du das im Kontext mit der Wende siehst, darüber kann ich vorerst nur spekulieren.

          Und dass ein Förster durchweg anders reagiert wie der Jäger kann ich verstehen. Der jährliche Wildverbiss oder sich durch das Aufschrecken oder Angreifen von Jungwild durch freilaufende Hunde ist erheblich (aktuelle genaue Zahlen habe ich nicht zur Hand, kann ich jedoch kurzfristig vorlegen). Deshalb bleibe ich dabei, dass es sich bei Hunden um Tiere, die wenns drauf ankommt ihrem Instinkt folgen und nicht dem Stimmaccelerando ihres Besitzers.

          Was Erschwernisse hinsichtlich des Urlaubs mit Hund betrifft, stimme ich dir zu. Da hat sich eine profitable Geschäftsidee in der Tourismusindustrie mit Hunden und Urlaub aufgetan. Es gibt mittlerweile eine stetig wachsende Anzahl von Hundepensionen (Hundehotels) und Hotels, wo man Urlaub mit seinem Hund machen kann und die sich dies mit satten Aufschlägen bezahlen lassen im Vergleich mit anderen herkömmlichen Hotels.

          Ich z.B. mag den Zwergschnauzer meiner hiesigen Nachbarn sehr und dennoch nenne ich ihn Flohschleuder, für mich ist das ein Kosename, sofern der Hund nicht, naja du verstehst hoffentlich. Und wenn ich die Bedingungen dazu hätte, wer weiss… so ein supergut trainierter wilder kleiner saufarbener Rauhhaar oder einen schwarz-roten Kurzhaar, das kann ich mir schon vorstellen…

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          • Diese tonnenweise Aufrechnerei kenn‘ ich. Allerdings glaube ich nicht, dass sie das wirkliche Problem wiedergibt. Fäkalien aller Art, Platetüten, Leergut ohne Pfandsystem, saisonal gewechselte Polstergarnituren – wie sie dann auf ostdeutschen Müllhalden landeten… sind auch schwer zu entsorgen… Wieso das gerade die Hunde treffen musste, ist nicht ganz klar. Pferdebesitzer müssen nicht halten und die Äfpel auf der Strasse oder der Seepromenade einsammeln… Nee-nee, da kam eine bürokratische Kleingeisterei über uns, die nur dem Hirn eines Schreibtischpsychopaten entsprungen sein muss, der auf dem Arbeitsweg zufällig in so eine „Tretmine“ gelaufen ist. Viel mehr braucht es da nicht. Oder eine überengagierte Mama hat gleich eine Bürgerinitiative anderer Mamas gegründet, weil es ihrem Filius widerfuhr… Gibt ja inzwischen lauter noch lächerlichere Anlässe für „Gerechtigkeit“ zu sorgen: Ich sage nur „Ampelfrauchen“…oder das große I mitten im Wort….
            Andererseits will ich nicht herunterspielen, dass gefährliche Hundeattacken ein Problem sind.
            Und jedes Opfer ist eines zu viel. Andererseits ist mir mal beibegracht worden: „Einen fremden Hund fasst man nicht an!“ Damit ich nicht zu jedem Hund renne und ei-machen will. Leider verschwunden, diese nützliche Grundregel. Was Paulchen nicht mehr lernt, … (begann mal ein Sprichwort) – muss nun Waldi wissen.
            Na wer weiß, vielleicht lernt Waldi demnächst Lesen und Schreiben, denn die Paulchens von heute verlernen das gerade rasant. Dann gründet er auch den Waldi e.V. und erkämpft sich sein Antidiskriminierungsgesetz selbst.

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            • Ein neues Fass – Kinder und Hunde oder Hunde und Kinder. Auch hier stimme ich deinen Beispielen zu was Kinder betrifft, die ungestüm auf Hunde zugehen.
              Interessieren würde mich jetzt, wie sich die Verletzungen durch beissen, kratzen oder was sonst auch immer verteilen: durch unsachgemässe Annäherung an das Tier oder durch unerwünschte Annäherung seitens des Tier an fremde Menschen.
              Der Rottweiler, der sich einem Einbrecher festbeisst, dürfte dabei die Statistik nur unbedeutend verändern…

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  8. Ich fand auch die alten Alben von Colosseum jetzt nicht soooooo überwältigend…

    Eine feine Erinnerungstour durchs Bembelland *lächel*
    Dass manches auf einmal weg ist, und nicht mehr dort sich finden lässt wie gedacht, das irritiert auch mich immer mal wieder *lach*

    Und (das wichtigste von allem): ich mag Mandelspekulatius ebenso wie alle Arten von Lebkuchen *jamm jamm*

    Liebe Abendgrüße vom Lu

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    • Valentyne Suite und die Live sind Klasiker in ihrem Segment und zu Recht wie ich finde.
      Ich hatte dann in Vinyl noch die drei Alben von Colosseum II, aber das war nix auf Dauer.

      Heute habe ich wieder was gesehen was weg ist. Ich habe einen mords Hals deswegen und muss mich schwer zusammenreissen, nicht klar und deutlich Ross und Reiter zu nennen. Sapperment!!!

      Weihnachtliches Gebäck mag ich natürlich sehr. Allerdings bevorzuge ich die leicht ins feuchte tendierenden Backwaren. Und Dominosteine natürlich VIELE!!! Und Marzipanbrot und . . .

      Abendschöneäpplerundmusikvorbereitende Grüsse aus dem schönen Bembelland

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  9. Ein buntes Kaleidoskop. Danke für die Wutrede in ihrem charmanten Zungenschlag, ich kannte sie noch nicht. Auch das Zitat von Alexander von Humboldt hat mich aufhorchen resp. aufschauen lassen. Ich wünschen Ihnen noch beste Lebkuchen. Wenn die nicht mehr so recht schmecken wollen wie früher, ist das doch ein ähnlicher Verlust, als würde man den Bembel fortan im Normglas ausschenken. Herzliche Grüße aus dem Freitagabend

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    • Nur gegen eventuelle Missverständnisse. Der Bembel kam im 19. Jahrhundert auf. Das ist der Krug, in den man den Äppler aus dem Fass zapft.
      Wenn wir beide zusammen eine Äpplerbeiz betreten, werden wir im besten Fall gefragt werden: „was trinkt ihr denn, 2er, 4er, 6er.. Damit sind Bembelgrössen gemeint mit z.B. 2 Gerippten Inhalt, mit 4, 6 oder 12…
      Bembel sind praktisch. Da sie aus Steinzeug sind, halten sie die Kellerkühle und man muss, den Äppler nicht mir Eiswürfelwasser zerpanschen. Irgendwelche Leute in der EU haben sich nun einen Eichstrich ausdenken und verordnen wollen, um den Äpplerpetzern zu mehr Durchblick verhelfen zu wollen, dass sie genauestens kontrollieren, ob ihr Bembel auch richtig eingeschenkt ist…

      Alexander von Humboldt ist der wahrscheinlich angesehenste Europäer in manchen südamerikanischen Ländern und in Mexiko. Er hatte die Sklaverei öffentlich abgelehnt und sich für Bildung eingesetzt, da wussten andere Menschen um derlei noch garnicht.

      Ihnen einen musikalischbilderreichen Abend und mir noch einen Äppler ins Gerippte
      Abendschöneäpplergeniessendeundmusikdonnernde Grüsse aus dem einzigartigen Bembelland

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  10. Hach ja, Risselsem…. Vom Fünfer bin ich nie gesprungen, aber das Schwimmbad kenne, bzw. kannte ich. Und auch die Buchhandlung…
    Mir ist vor einigen Wochen beim Heimatbesuch die Kinnlade runter geklappt, als ich feststellen musste, dass dieser letzte „Fels in der Brandung“ nun auch verschwunden ist. Schade, aber nicht verwunderlich, wenn man den Rest der Innenstadt betrachtet.
    Grüessli
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    • Alle halbe Jahre habe ich dort zu tun. Es ist jedesmal ein Trauerspiel.
      Die Intervalle werden jetzt grösser werden ohne den Buchladen.
      Ich bin zu wenig nostalgisch, um die alten Zeiten festhalten zu wollen.
      Aber mir tut die Stadt als Organismus leid. Was muss das für eine
      Stadtverwaltung sein, die ihre Stadt so verkommen lässt?
      Detroit City in Germoney.
      Morgendlicherwachende Grüsse aus dem Bembelland.

      (PS: Vielen Dank für die Blogverfolgerei und Herzlich Willkommen.
      Feineschöne Horizonterweiterungen und Gedankenlichtungen wünsche ich Ihnen.

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